Friluftsliv

Der Polarforscher Fridtjof Nansen (1861-1930) trug zur Popularität von „Friluftsliv“ und Skifahren bei, und er nannte „Friluftsliv“ das „freie, einfache Leben, in frischer Luft, das uns das Privileg wiedergibt, das zu tun, was die ursprüngliche Bestimmung des Menschen ist.“ „Friluftsliv“ ist das Leben in und mit der freien Natur zu jeder Jahreszeit, das Leben und Lernen in, von und mit der Natur sowie durch die Natur mittels Naturerlebnis, unmittelbarer Naturerfahrung und der Bewältigung selbstgesetzter Herausforderungen aus eigener Kraft und möglichst ohne technische Hilfsmittel. Im Erleben und im Eingebundensein in die Natur wächst die Verbundenheit mit der Natur. Intensives Naturerleben fördert einen nachhaltigen Lebensstil und eine naturverträgliche Lebensweise.

Inhalt dieser Internetseite: 

Ein Winter im Skandinavischen Gebirge - Erlebnisse an der nördlichen Periferie Europas
Ein Sommer in Schweden - Erlebnisse an der nördlichen Periferie Europas 

Am Beginn einer Schneeschuhtour mit einer Tourengruppe auf das Fulufjell am 01.04.2015.

Ein Winter im 

Skandinavischen Gebirge

 

Erlebnisse an der nördlichen Periferie Europas 

im Winter 2013/14


Ein Erlebnisbericht von Manfred Suchan

  

1. Einleitung 

 Im Winter 2013/2014 war ich seit Mitte Dezember 2013 erneut als Saisonmitarbeiter des Reise- und Tourenveranstalters "Rucksack Reisen" (1) tätig gewesen. „Rucksack-Reisen“ veranstaltet in Schweden im Sommer mehrtägige Kanutouren, Fjellwanderungen und Fahrradtouren, sowie im Winter Touren mit Schneeschuhen und Skiern durch die tief verschneiten Landschaften des skandinavischen Fjells (2) im Skandinavischen Gebirge (3). Zusätzlich zu den Veranstaltungen in Schweden betreibt „Rucksack-Reisen“ im Sommer ein Sommercamp am naturbelassenen Mittellauf der Loire in Frankreich, von wo aus mehrtägige Kanutouren auf der Loire veranstaltet werden. Der Reiseveranstalter “Rucksack Reisen” ist Mitglied im Tourismus-Dachverband “Forum Anders Reisen” (4), dessen rd. 150 Mitglieder sich dem Leitbild eines nachhaltigen und naturverträglichen Tourismus verpflichtet haben. 
 
Mein Kontakt zum Touren- und Reiseveranstalter „Rucksack-Reisen“ war im Frühjahr 2006 auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) (5) in Berlin zustande gekommen. Die ITB gilt als die Leitmesse der weltweiten Tourismusbranche. Nach meinem Studienabschluß im Diplomstudiengang Geographie an der Freien Universität Berlin im Jahre 2004 hatte ich einen Job gesucht, und in diesem Rahmen hatte ich auch wiederholt die ITB besucht, da diese auch eine Vermittlungsbörse für Jobs im Bereich des Tourismus ist. Schon kurz darauf konnte ich bei „Rucksack-Reisen“ in Schweden mitarbeiten. Mehrtägige Outdoor-Touren in der freien Natur sind für mich nichts neues, denn seit meiner Schulzeit unternehme ich u.a. Fahrradreisen mit Zelt sowie Hochtouren in den Alpen. Für die Tourenbegleiter und Outdoor-Guides, die das umfangreiche Tourenprogramm des Touren- und Reiseveranstalters „Rucksack-Reisen“ durchführen und die mit Tourengruppen auf Tour gehen, bietet „Rucksack-Reisen“ ein umfangreiches Schulungsprogramm an, das Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt, die für eine erfolgreiche Durchführung von Outdoor-Touren benötigt werden. In diesem Rahmen hatte ich u.a. vom 04. bis zum 12.01.2008 an einer Winterschulung teilgenommen, die für eine Mitarbeit in der Wintersaison in Schweden vorbereitet. Da der Angebotsschwerpunkt von „Rucksack-Reisen“ Kanutouren sind, habe ich zudem vom 18. bis zum 28.10.2007 eine Lizenzausbildung zum Kanutouristiker der Bundesvereinigung Kanutouristik e.V. (BKT) (6) absolviert. 
 
In Schweden unterhält der Touren- und Reiseveranstalter “Rucksack Reisen” mehrere touristische Destinationen, darunter das „Aktivcamp Idre“ mit dem „Rucksack Idre Stugor“ (7) bei der kleinen Stadt Idre (8) im Nordwesten der Provinz Dalarna (9) in Mittelschweden, des Weiteren die Ferienanlage „Gammelbyns Stugby“ (10) in der südlich angrenzenden Provinz Värmland bei Rattsjöberg (11) in der Nähe der Stadt Torsby, und das „Aktivcenter Stömne“ im Dorf Stömne ebenfalls in der Provinz Värmland in der Nähe der Stadt Arvika, sowie ein Sommercamp am See Laxsjön in der Nähe der Stadt Bengtsfors in der Provinz Västra Götaland (Dalsland) und zudem den Kanuverleih „Kanucenter Arvica“ (12). Ein Wintersaisonbetrieb findet an zwei Standorten in Idre (Rucksack Idre Stugor), sowie in der Ferienanlage Gammelbyns Stugby bei Rattsjöberg statt. In der näheren Nachbarschaft dieser beiden Destinationen befinden sich jeweils Skigebiete mit Abfahrtpisten, Liftanlagen und gespurten Langlaufloipen: Ca. 9 km nördlich von Idre befindet sich zum Einen das in einer Höhe von 600 m bis 890 m gelegen Skigebiet Idre Fjäll (13), sowie das in einer Höhe von 680 m bis 990 m gelegene Skigebiet Fjätervålen (14). Bei Rattsjöberg liegt in ca. 10 km Entfernung das Skigebiet Hovfjället (15), das sich in einer Höhenlage von 400 m bis 542 m befindet. 
 

2. Inhalt 

  1. Einleitung 
  2. Inhalt 
  3. Am Rande des Skandinavischen Gebirges 
  4. Forschungsreisen mutiger Wissenschaftler erweitern unser Weltbild 
  5. Die Vegetations- und Klimagrenze des „Limes norrlandicus“ 
  6. „Friluftsliv“, Erlebnispädagogik und Naturschutz 
  7. Monokulturen und Biodiversitätskrise im Anthropozän 
  8. Rewilding Europe 
  9. Naturschutz und Tourismus als Bestandteile von Entspannungspolitik 
10. Pulka selber bauen 
11. Anmerkungen 
 

3. Am Rande des Skandinavischen Gebirges 

 Die kleine Stadt Idre im Nordwesten der Provinz Dalarna hat ca. 800 Einwohner, und sie liegt am Rande des Skandinavischen Gebirges auf einer Höhe von 450 m am See Idresjön, der vom Fluß Österdalälven durchflossen wird. Idre ist ein bedeutendes Touristen- und Sportzentrum und Ausgangsort für Outdoor-Touren und Trekking-Touren (16) sowohl im Sommer als auch im Winter. Unter anderem gibt es in Idre eine Touristeninformation (17) mit umfangreichen Informationsangeboten auch in deutscher und englischer Sprache, deren Besuch sehr lohnend ist, zwei größere Lebensmittelgeschäfte, einen Bankautomaten, eine Tankstelle, ein Sportgeschäft mit Skiverleih, einen Campingplatz, mehrere Hotels, Restaurants und Souvenierläden, des weiteren Bushaltestellen mit Busverbindungen u.a. nach Älfdalen, Mora und Grövelsjön, sowie mehrere täglich gelehrte Postbriefkästen. 
 
Für die Reisegäste bieten wir im Winter täglich geführte Schneeschuh- und Skitouren zu Ausflugszielen in der Umgebung von Idre an. Beliebt sind Touren auf den Berg Städjan (1131 m ü. NN) und zum Nipfjäll, nach Grövelsjön (18), zum Fulufjäll (19) und dort zum im Winter gefrorenen Wasserfall Njupeskär, der mit einer Fallhöhe von 93 m der höchste Wasserfall in Schweden ist. Im Winter ragen dort gewaltige Eiskaskaden in Blau- und Grüntönen schimmernd die steile Felswand hinab. In Zusammenarbeit mit Anbietern vor Ort finden zudem Hundeschlittentouren durch die verschneite Winterlandschaft statt. Das benachbarte Skigebiet Idre Fjäll bietet ausgedehnte gespurte Loipen in einer Gesamtlänge von 60 km sowie 40 Abfahrtpisten in allen Schwierigkeitsgraden und zahlreiche Liftanlagen. 
 
Auf unseren Fjellwanderungen gelangen wir mit Verlassen des schützenden Bergwaldes oberhalb der Baumgrenze in eine andere, subpolare Klimazone. Hier auf dem kahlen Fjell kann sich der Wind ungehindert entfalten, und Schneestürme mit eisigen Temperaturen und dem gefürchteten "White Out" sind keine Seltenheit. Dennoch fasziniert diese raue, insbesondere im Winter lebensfeindliche Schnee- und Eislandschaft mit bizarrer Schönheit und herrlicher Fernsicht bei klarem Wetter bis zu den verschneiten Berglandschaften im nahegelegenen Norwegen. Auf unseren mehrtägigen Wintertouren (20) über das Fulufjell mit Schneeschuhen und Langlaufski durchqueren wir diese faszinierenden Winterlandschaften, wobei die dortigen Fjellhütten für Übernachtungen genutzt werden. Für die Meisten dieser Hütten im Skandinavischen Gebirge in Schweden ist der schwedische Tourismusverband „Svenska Turistföreningen“ (STF) (21) zuständig. Der schwedische Tourismusverband und der norwegische Tourismusverband (22) erfüllen im Skandinavischen Gebirge die Aufgaben, die in den Alpen den Alpenvereinen (23) zukommen. Daher empfiehlt sich für Fjällwanderungen in Schweden eine Mitgliedschaft im schwedischen Tourismusverband, in der zudem eine Mitgliedschaft im internationalen Jugendherbergsverband enthalten ist. 
 
Nach einer bis ins südliche Schweden reichenden Frostperiode mit Schneefällen Ende November 2013 war hingegen das Wetter (24) im Dezember des Jahres 2013 und auch noch der Jahreswechsel 2013/14 in Idre mit Temperaturen um 0 °C sehr mild, doch es gab immerhin durchgehend Schnee, sodaß in der Umgebung von Idre sämtliche Wintersportarten und Tourenangebote durchgeführt werden konnten. 
 
Aufgrund von Schneemangel wurden im Dezember 2013 und im Januar 2014 mehrere Skisportveranstaltungen und Wettkämpfe aus südlicher gelegenen Skigebieten nach Idre Fjäll verlegt. Erst gegen Mitte Januar 2014 hat der Winter mit Temperaturen unter -10 °C und anhaltenden Schneefällen auch das südlichere Schweden erreicht, sodaß auch dort, wie z.B. im Skigebiet Hovfjället, wenn auch mit Verspätung, die Wintersaison beginnen konnte. In den vergangenen Jahren war im Skigebiet Hovfjället schon mehrmals über Weihnachten und den Jahreswechsel hinweg der Schnee ausgeblieben. Der Winter 2013/14 soll in Schweden der wärmste Winter seit 1956 sein, wie uns Einheimische berichteten. Lediglich Ende Januar 2014 wurde es in Idre bei Temperaturen um – 30 °C für ein paar Tage richtig kalt. Auch in Skandinavien ist wie im mittleren Europa die zweite Januarhälfte die kälteste Zeit im Jahr. Ende Februar 2014 und in der ersten Märzhälfte gab es in Idre wiederholt leichtes Tauwetter bei Temperaturen um 0°C, sodaß ein Teil des bis dahin über den Winter hinweg gefallenen Schnees, der eine Höhe von mehr als einem Meter erreicht hatte, wieder abtaute. Immerhin erwies sich der März im Gegensatz zu den Monaten Dezember bis Februar als ein überaus sonniger und trockener Monat. 
 
In Skandinavien ist der Spätwinter der beliebteste Zeitraum im Winter für Wintersport und Wintertouren, da es im Vergleich zum Frühwinter am Tage erheblich länger hell ist und die Temperaturen tagsüber schon wärmer sind. Zudem hat sich der Schnee des gesamten Winters angesammelt. Die Schneedecke hat sich gesetzt und verfestigt, sodaß man im Spätwinter die tiefverschneite Winterlandschaft vergleichsweise mühelos per Ski und mit Schneeschuhen durchqueren kann, ohne wie im Frühwinter im lockeren Schnee tief einzusinken. 
 
Am Beispiel des Winters 2023/2024 wird deutlich, daß erst nördlich der Vegetations- und Klimagrenze des “Limes norrlandicus” (25) gelegene Wintersportgebiete auch in milden Wintern eine ausreichende Schneesicherheit bieten. Die Region um Idre gilt als schneesicher, da sie nördlich der Klima- und Vegetationsgrenze des “Limes norrlandicus” liegt. Der Begriff des "Limes norrlandicus" wurde vom Naturforscher Carl von Linné (1707-1787) (26) auf Grundlage seiner Forschungsreisen in Skandinavien geprägt, darunter seine Lappland-Expedition (27) im Jahre 1732 und seine Reise durch Dalarna im Jahre 1734. Die Klima- und Vegetationsgrenze des "Limes norrlandicus" erstreckt sich etwa entlang des 61. Breitengrades durch das nördliche Europa, und sie trennt die Vegetationszone (28) des Laubmischwalds (29) des mittleren Europas von der nördlich angrenzenden, zirkumpolaren Vegetationszone des Borealen Nadelwaldes (30). Der "Limes norrlandicus" ist zugleich auch eine kulturgeografische Grenze. So bildet er die Nordgrenze des Ackerbaus und die Südgrenze der Almwirtschaft in Skandinavien. 

4. Forschungsreisen mutiger Wissenschaftler erweitern unser Weltbild 

 Insbesondere die Forschungsreisen und Expeditionen mutiger Wissenschaftler und ihre unkonventionellen Erkenntnisleistungen tragen zur Erweiterung unseres Weltbildes und zu Paradigmenwechseln (31) bei. Naturforscher, wie z.B. Carl von Linné, der in Nordeuropa ausgedehnte Forschungsreisen durchgeführt hatte, darunter seine Expedition durch Lappland im Jahre 1732, seine Reise durch Dalarna 1734 und seine Gotland-Reise 1741, und auf dessen Spuren ich mich während meiner Reisen im nördlichen Europa oft bewegte, schufen mit ihren Erkenntnissen das Fundament, auf dem die Erkenntnisse späterer Naturforscher, wie Humboldt, Darwin und vielen weiteren erst möglich wurden. Auf den Forschungsreisen Linnés standen neben botanischen und zoologischen Beobachtungen vor allem auch geologische, mineralogische und klimatologische Studien im Mittelpunkt. Carl von Linné erkannte, daß sich die verschiedenen Pflanzenarten, die er ausführlich mithilfe der von ihm entwickelten binären Nomenklatur klassifiziert hatte, nicht beliebig auf der Erdoberfläche verteilen, sondern daß sie in Abhängigkeit vom jeweiligen Klima Vegetationszonen bilden, und er prägte den Begriff des „Limes norrlandicus“, einer markanten Klima- und Vegetationsgrenze, die sich etwa entlang des 61. Breitengrades durch Nordeuropa erstreckt und die die mitteleuropäische Laubmischwaldzone von der nördlich gelegenen Zone des Borealen Nadelwaldes trennt. 
 
 Auf dieser Erkenntnisgrundlage konnte der Naturforscher und Geograf Alexander von Humboldt (1769–1859) (32) die Grundregel der Vegetationsgeographie (33) formulieren, die besagt, daß die Zusammensetzung der (potentiellen) natürlichen Pflanzengesellschaften (Klimaxvegetation) (34) an einem bestimmten Ort auf der Erde die exakte Widerspiegelung der jeweiligen klimatischen Verhältnisse an diesem Ort ist. Auf dieser Grundlage ließen sich nun auf der gesamten Welt Vegetationszonen und Klimazonen (35) bestimmen und unterscheiden. Die systematische Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Pflanzenstandorten, ihrer Höhe über dem Meeresspiegel und ihrer geographischen Lage ließ Humboldt zum Begründer der Vegetationsgeographie werden. Zudem gilt Humboldt als Begründer der vergleichenden Klimatologie (36). Alexander von Humboldt hatte damit begonnen, die Natur und auch den Menschen mit seinem Einwirken auf die Natur in einem ökologischen Zusammenhang mit ihren lokalen und globalen Wechselwirkungen im Rahmen einer dynamischen Forschungsperspektive zu betrachten, zu studieren und zu erforschen, und dies macht bis heute die Aktualität von Humboldt aus. Eine wesentliche Erkenntnisleistung Humboldts ist, daß sich Vegetation und Klima wechselseitig beeinflussen und bedingen, und daß sie im Zusammenhang betrachtet, studiert und analysiert werden müssen. 
 
 Das moderne geodynamisch fundierte evolutions-ökologische Weltbild ist das Ergebnis der bedeutendsten wissenschaftlichen Revolution (37) weniger zurückliegender Jahrzehnte. Es entstand in mehreren Erkenntnisschritten in Form einer interdisziplinären wissenschaftlichen Synthese seit dem Zeitalter der Aufklärung in Abgrenzung zum statischen und mechanistischen Weltbild. Insbesondere die Forschungsreisen und Expeditionen mutiger Wissenschaftler und ihre unkonventionellen Erkenntnisleistungen haben dazu beigetragen, wie diejenigen von Carl von Linné, Alexander von Humboldt und weiterer (38). 
 

5. Die Vegetations- und Klimagrenze des „Limes norrlandicus“ 

 Die geografische Lage der Destinationen von Rucksack-Reisen in Schweden ist ideal, um die verschiedenen Landschafts-, Vegetations- und Klimazonen kennenlernen zu können, die das nördliche Europa prägen. Diese Destinationen bei Bengtsfors in Dalsland, Stömne und Rattsjöberget bei Torsby in Värmland, sowie Idre in Dalarna liegen nicht allzuweit voneinander entfernt. Interessant ist der Umstand, daß diese Orte in unmittelbarer Nähe zu der vom Naturforscher Carl von Linné beschriebenen Klima- und Vegetationsgrenze des "Limes norrlandicus" liegen, die sich etwa entlang des 61. Breitengrades durch Nordeuropa erstreckt. Wie dargestellt trennt der "Limes norrlandicus" die Laubmischwaldzone von der nördlich angrenzenden, zirkumpolaren Zone des Borealen Nadelwaldes, und er ist zugleich auch eine kulturgeografische Grenze. So bildet er die Nordgrenze des Ackerbaus und die Südgrenze der Almwirtschaft in Skandinavien. 
 
Dies wird im Vergleich der die Landschaften prägenden Vegetation an den genannten Lokalitäten deutlich. In den See Laxsjön bei Bengtsfors ragt die Halbinsel Baldersnäs hinein, die von einer Parklandschaft mit altem Baumbestand geprägt ist. Man trifft hier auf mächtige Eichen, Linden, Ulmen, Eschen, Roßkastanien und Rotbuchen, zudem Bergahorn, Schwarzerlen, Mehlbeere u.a.. Wir befinden uns hier eindeutig innerhalb der mitteleuropäischen Laubmischwaldzone. Ganz anders hingegen präsentiert sich die Vegetation um Idre. Fichten, Kiefern und Birken prägen dort die ausgedehnten Wälder, und wir befinden uns dort innerhalb der Zone des Borealen Nadelwaldes. Während Stömne mit seinem Bestand an großen, alten Eichen noch der mitteleuropäischen Laubmischwaldzone zugeordnet werden kann, präsentiert die Landschaft bei Rattsjöberget einen hochgradig differenzierten Übergangsbereich. Auf kurzen Distanzen gibt es dort einen häufigen Wechsel unterschiedlicher Höhenlagen und dementsprechend ein kleinräumiges Mosaik von Vegetations- und Klimazonen. Jeder der zahlreichen Seen in der Umgebung hat eine andere Höhenlage, die von 86 m bis über 400 m reicht. So z.B. die Seen: Kilen 86 m, Kläggen 88 m, Broken 127 m, Rattsjön 196 m, Mangen 199 m, Boviggen 326 m, Kroksjön 385 m, Hällsjön 402 m, Lövtjärnet 433 m. Es handelt sich auf engem Raum um ein Mosaik von Niveauunterschieden im Bereich von ca. 350 Höhenmetern. Da mit steigender Höhe die Temperatur pro 100 m um durchschnittlich 0,6 °C abnimmt, entspricht dieser Höhenunterschied immerhin einer Differenz der Jahresdurchschnittstemperatur von ca. 2,1 °C. Dem entsprechend hat jeder See ein eigenes Lokalklima und eine unterschiedliche Zusammensetzung der natürlichen Vegetation. Während das Tal des Flusses Röjdan noch der Zone des Laubmischwaldes zugeordnet werden kann, da dort überall Ackerbau betrieben wird und unter anderem Hafer angebaut wird, befinden sich die höheren Lagen zunehmend in der Zone des Borealen Nadelwaldes. Aufgrund dieser landschaftlichen Verhältnisse wird sich eine Vegetations- und Klimagrenze nicht als klar bestimmbare Linie im Gelände feststellen lassen, vielmehr gibt es ein hochgradig differenziertes Mosaik mit Übergangsbereichen, Buchten und Inseln je nach Höhenlage, Geländeniveau und Geländeexposition – soweit es sich um die jeweilige natürliche Pflanzenbedeckung (Klimaxvegetation) handelt, die nach Humboldt die exakte Widerspiegelung der klimatischen Verhältnisse ist. 
 
Ein Klimawandel müßte sich insbesondere hier in dieser Region an einer Veränderung der Zusammensetzung der natürlichen Vegetation an den unterschiedlichen Lokalitäten studieren lassen, denn die Klima- Und Vegetationsgrenze des „Limes norrlandicus“ ist keine statische Grenze, sondern vielmehr eine hochdynamische Grenze, die sich im Postglazial (39) erheblich verändert hatte. So verlief während des postglazialen Klimaoptimums vor ca. 8.000 bis 6.000 Jahren die Klima- und Vegetationsgrenze des „Limes norrlandicus“ viel weiter nördlich durch Nord-Europa, etwa auf der Höhe der Stadt Tromsø, und auch die klimatische Waldgrenze (40) lag damals deutlich höher als heute. Die Waldgrenze ist die Grenze des geschlossenen Waldes, und sie wird unterschieden von der höher gelegenen Baumgrenze, die die Grenze des Vorkommens einzelner Bäume ist. 
 
 Die Stadt Tromsø (41) im nördlichen Norwegen ist ein bedeutendes Zentrum der Polarforschung (42). Geprägt wurde die Polarforschung insbesondere durch den Polarforscher Fridtjof Nansen (1861-1930) (43), dessen berühmte Nordpolarexpedition mit dem Polarschiff „Fram“ in den Jahren 1893 bis 1896 (44) in Tromsø endete. Das Tromsø Museum (45), das ich während einer Fahrradreise durch Skandinavien am 13.06.2015 besucht habe, ist Bestandteil der Universität Tromsø. Der naturkundliche Teil dieses Museums hat die postglaziale Klimageschichte Nord-Skandinaviens zum Thema. U.a. wird dargestellt, daß während des postglazialen Klimaoptimums vor ca. 8.000 bis 6.000 Jahren das Skandinavische Gebirge, die Alpen und auch die Insel Island, die heute zu 9% von Gletschern bedeckt ist, ohne Vergletscherungen gewesen sind. Die rezenten Vergletscherungen in Europa sind erst nach dem postglazialen Klimaoptimum wieder neu entstanden, sodaß diese kein unmittelbares Relikt aus der letzten Eiszeit (= Weichsel-Kaltzeit) (46) sind, die vor ca. 12.000 Jahren endete. 
 
 In der Umgebung von Idre treffen wir zusätzlich zum „Limes norrlandicus“ im Skandinavischen Gebirge auf eine weitere Klima- und Vegetationsgrenze. Diese trennt die Vegetationszone des Borealen Nadelwaldes von der Vegetationszone der subarktischen Tundra (47) der subpolaren Klimazone (48), und sie ist ein Teil der Arktis (49). Die Arktis läßt sich nicht auf das Gebiet nördlich des Polarkreises (66°33′ N) beschränken, vielmehr wird die Arktis als eine geografische Region nach vegetationsgeografischen und klimageografischen Kriterien bestimmt. Demnach wird zur Abgrenzung der Arktis von der südlichen subarktischen Region die Baumgrenze verwendet. Nach dieser Definition ist die Arktis die Region, in der es keine Wälder gibt, sondern allenfalls niedrige Büsche und kriechwüchsige Bäume wachsen. Höhenlagenbedingt reicht diese Vegetationszone der subarktischen Tundra entlang des Skandinavischen Gebirges weit nach Süden bis zur Hardangervidda (50). Dort im Süden des Skandinavischen Gebirges liegt die Waldgrenze auf einer Höhe von ca. 1100 m. In den Fjellgebieten bei Idre liegt die Waldgrenze je nach Geländeexposition bei 750 bis 900 m, und sie fällt nach Norden weiter ab, wobei sie in der Umgebung des Nordkaps (71° 10‘21‘‘ N) Meeresspiegelniveau erreicht. Zum Vergleich liegt die Waldgrenze in den Zentralalpen bei ca. 2000 m, in den nördlichen Randalpen bei ca. 1800 m, im Riesengebirge (51) bei ca. 1250 m und im Harz bei ca. 1000 m Höhe. 
 
Die klimatische Waldgrenze ist eine sensible und dynamische Grenze, an der schon geringe klimatische Veränderungen erhebliche Veränderungen im Erscheinungsbild der Vegetation zur Folge haben, und daher eignet sich die klimatische Waldgrenze insbesondere zum Studium des Klimawandels. Damit Wald wachsen kann, ist eine Vegetationsperiode (52) von mindestens zehn Wochen mit Durchschnittstemperaturen von mindestens +10 °C erforderlich. Wie kalt es im Winter wird, ist hingegen nicht wesentlich. So befindet sich z.B. ein Kältepol (53) der Nordhalbkugel bei Werchojansk in Ost-Sibirien, wo Temperaturen bis -67,8 °C gemessen wurden, im Bereich des Borealen Nadelwaldes (= Taiga). Die kälteste Temperatur in Schweden von -53 °C wurde im Jahre 1941 in der Gemeinde Vilhelmina in der Provinz Västerbottens län in Lappland gemessen, ebenfalls im Bereich des Borealen Nadelwaldes. Im obersten Teil des Waldes an der Waldgrenze befindet sich eine Krummholzzone (54). Im Skandinavischen Gebirge wird dieser oberste Teil des Waldes an der Waldgrenze über eine Höhendistanz von etwa 150 m von Fjellbirken (55) gebildet, die vom Wind und den winterlichen Schneemassen oft bizarr geformt wurden. In den Alpen hingegen wird der Bergwald an der Waldgrenze von Legföhren an besonnten Hängen und Grünerlen an schattigen Standorten gebildet. 
 
 Damit eine Pflanzengesellschaft (56) mit Holzgewächsen „Wald“ (57) genannt werden kann, ist ein Mindestabstand der Holzgewächse erforderlich, sodaß diese einen weitgehend geschlossenen Bestand bilden, und es ist eine Mindesthöhe dieser die Pflanzengesellschaft prägenden Holzgewächse erforderlich, wobei im Allgemeinen eine Mindesthöhe von ca. 3-5 m gefordert wird. Dieser die Erdoberfläche bedeckende Wald bildet einen dreidimensionalen Raum, in dem er die dortigen klimatischen Verhältnisse gestaltet und prägt. So ist es im Wald fast stets annähernd windstill, es ist stets schattig, es herrschen stets ausgeglichene Temperaturen sowohl im Tagesverlauf, als auch im Verlauf der Jahreszeiten, und es gibt stets eine hohe Luftfeuchtigkeit. Ebenso ist der vom Wald geschaffene Boden stets feucht und kühl. Dieser vom Wald geschaffene Klimaraum ist Lebensraum der meisten Pflanzen- und Tierarten. Somit ist die Biosphäre (58) weitgehend mit dem vom Wald geschaffenen Klimaraum identisch, und dieser Klimaraum enthält im Wesentlichen die Biodiversität (59). Entfernt man den Wald, verschwindet mit ihm dieser vom Wald geschaffene Klimaraum, und es verschwinden sämtliche in diesem Klimaraum lebenden und von diesem abhängigen Pflanzen- und Tierarten, womit wir beim Thema des aktuellen Massenaussterbens (60) angelangt sind. Mit der großflächigen Entfernung von Wald verändern sich mit den Vegetationszonen die Klimazonen. Eine globale Folge großflächiger Entwaldung ist, daß es im Inneren der Kontinente trockener wird, und wo vormals Wälder waren, bilden sich Wüsten (61). Da Wald aktiv sein eigenes Klima in dem von ihm geschaffenen Klimaraum gestaltet, kann sich Wald bei Verschlechterung der klimatischen Bedingungen an den Trockengrenzen und Kältegrenzen erstmal noch halten und bildet dort Reliktwälder. Werden diese Reliktwälder durch den Menschen entfernt, können diese dort unter den verschlechterten klimatischen Bedingungen nicht wieder neu entstehen. Insbesondere an den Trockengrenzen und Kältegrenzen erfolgt dann ein schneller Bodenverlust. 
 
Entwaldung hat die Zerstörung der Böden zur Folge, da Böden mit fruchtbarem Humus nur unter der natürlichen Pflanzenbedeckung entstehen können (62). Die Folge von Entwaldung ist die Zerstörung des Bodens durch Bodenerosion (63) und Bodendegradation (64). Jährlich gehen weltweit infolge zerstörerischer Landbewirtschaftungsmethoden ca. 24 Mio. Tonnen Boden verloren, sodaß weltweit die landwirtschaftlich nutzbare Fläche permanent abnimmt, während gleichzeitig die Weltbevölkerung rasant weiter zunimmt. Die rasant voranschreitende globale Zerstörung der Böden ist eins der größten ökologischen Probleme, noch vor dem sogenannten „Klimawandel“. Bodenschutz ist für das Leben der Menschen wichtiger als Klimaschutz. Boden ist eine nicht erneuerbare Ressource, die nicht künstlich hergestellt werden kann. Boden kann nur in langen Zeiträumen von vielen tausend Jahren mithilfe einer natürlichen Pflanzenbedeckung neu entstehen. 
 
Die waldfreie subarktische Tundra der subpolaren Klimazone wird im Skandinavischen Gebirge “Kahles Fjell” genannt, doch auch hier wachsen Bäume wie z.B. Zwergbirken (65) und Weiden (66), die Bestandteile der Pflanzengesellschaften der subarktischen Tundra sind. Diese Bäume werden jedoch kaum höher als knöchelhoch, und sie schmiegen sich kriechwüchsig dem Boden an, weswegen sie nicht „Wald“ genannt werden, obwohl sie oft große Flächen bedecken und dichte und geschlossene Bestände bilden. Ihre Laubblätter sind winzig und meist kleiner als 1 cm. Hebt man die kriechwüchsigen Stämmchen dieser Bonsaiformen etwas vom Boden an, wird deutlich, daß diese durchaus Längen von mehr als einem Meter erreichen können. Mithilfe des Kriechwuchses können diese Bäume die extremen winterlichen Klimabedingungen im langen Winter der subarktischen Tundra unter der schützenden Schneedecke überdauern, während oberhalb der Schneebedeckung sich in der kahlen subpolaren Landschaft Schneestürme ungehindert entfalten können, wobei jegliche Vegetation oberhalb der schützenden Schneedecke der Abrasion durch die vom Wind mitgeführten Schneekristalle ausgesetzt ist, deren Wirkung ähnlich der eines Sandstrahlgebläses ist. 
 
Bei einer geringfügigen Erhöhung der Jahresdurchschnittstemperaturen beginnen diese kriechwüchsigen Bonsaiformen insbesondere in der Nähe der Baumgrenze wieder höhere Stämme auszubilden, die die winterliche Schneedecke überragen. Faktisch ist die Vegetation der subpolaren Klimazone der subarktischen Tundra zu großen Teilen ein Pionierwald (67) im Wartezustand, der bei geeigneten Klimabedingungen sofort in die Höhe wachsen kann, um einen hohen Wald zu bilden. Tatsächlich gab es schon während des postglazialen Klimaoptimums in Skandinavien überall dort, wo heute Tundra ist, borealen Nadelwald. Einige Reliktbestände dieses ehemaligen borealen Nadelwaldes des postglazialen Klimaoptimums haben sich sogar in der rezenten Tundra des kahlen Fjells über Jahrtausende hinweg bis heute erhalten. Ein bekanntes Beispiel ist die Fichte „Old Tjikko“ (68) auf dem Fulufjell. 
 
 Bei unseren Touren über das Fjell kann man diese faszinierende subarktische Landschaft kennenlernen. Ein besonderes Erlebnis sind solche Touren im Winter, die auf dem kahlen Fjell den Charakter von Polarexpeditionen haben können. Mit einem Pulka (69) kann man dort in diesen einsamen Winterlandschaften wochenlang unterwegs sein. 
 

6. „Friluftsliv“, Erlebnispädagogik und Naturschutz 

Solche Themen sind stets Thema meiner Touren, die den Charakter von naturkundlichen Exkursionen haben. Insbesondere die Touren des Tourenveranstalters „Rucksack-Reisen“ sind für die Umsetzung naturerlebnispädagogischer und umweltpädagogischer Konzepte ideal und prädestiniert. Die Tourenteilnehmer sollen nicht nur eine erlebnisreiche Tour haben, sondern zugleich soll ihnen die Möglichkeit gegeben werden, etwas über die faszinierende Natur und die abwechslungsreichen Naturlandschaften lernen zu können. 
 
Wir leben heute zunehmend naturentfremdet in künstlichen, urbanen Umwelten und virtuellen Realitäten des digitaltechnischen Zeitalters, die unsere Wahrnehmungen, Erlebnisse und Erfahrungen prädisponieren, prägen und formen. Die urbane Lebensweise ist gleichermaßen von Naturentfremdung, Körperentfremdung und Bewegungsmangel geprägt. Durch jahrzehntelange autogerechte Planung (70) sind unsere Städte heute unwirtlich, laut, hektisch, aggressiv und häßlich. Die architektonische Gewalt der urbanen Planungslandschaften präformiert die urbane Gesellschaft. In den urbanen Ghettos werden die Menschen verwaltet, überwacht und kontrolliert. Die Konsumkultur produziert und vermarktet Ablenkungen, Zerstreuungen und seichte Vergnügungen, und permanent unterliegen wir der Beeinflussung und der Manipulation durch Massenmedien einer Massengesellschaft. Die Fähigkeit und Bereitschaft zum Alleinsein und zur Einsamkeit, zur Ruhe und Stille, zur Selbstfindung, zur Reflektion und zum Nachdenken ist verloren gegangen. In einer permanent beschleunigten Gesellschaft durchhasten wir automobil die Landschaften, die abgeschirmt von unseren sinnlichen Wahrnehmungen lediglich durch die Windschutzscheibe flüchtig zur Kenntnis genommen werden. Jegliche Intensität und Authentizität der Wahrnehmung und Erfahrung von „Welt, „Natur“ und „Wirklichkeit“ ist in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft verloren gegangen, und dies erreicht nun im angebrochenen digitaltechnischen Zeitalter gänzlich neue Ausmaße, Intensitäten und Qualitäten der Entfremdung des Menschen. 
 
Uns wird erzählt, das Zeitalter der Entdeckungen sei vorbei, alle Berge seien bestiegen, alle Kontinente, Ozeane, Polargebiete, Wüsten und Wälder seien durchquert, alle Flüsse befahren, und es gäbe nichts Unbekanntes mehr zu erforschen, wir könnten uns nur noch auf schon vielfach begangenen Pfaden bewegen und uns ein Bild der Welt standardisiert und vorgefertigt von den Medien, insbesondere dem Fernsehen, bequem im Sessel präsentieren lassen. Doch der Drang, zu entdecken, zu erforschen, zu hinterfragen, Herausforderungen zu suchen, selbst zu sehen und zu begreifen, eigene Erfahrungen zu sammeln, Erkenntnisse zu erlangen und diese zu kommunizieren, das ist alles unmittelbarer und integraler Bestandteil unseres Menschseins, sodaß wir uns immer wieder neu auf Entdeckungsreisen begeben und Herausforderungen in der Natur suchen. 
 
In einer Zeit, in der technisch alles machbar und erzwingbar erscheint, in der die Natur und auch die Natur des Menschen und die Gesellschaft als technisch beherrschbar, als kontrollier- und steuerbar gelten, in der wir gewohnt sind, zum Erreichen von Zielen die Gewalt der technischen Mittel zu steigern, als ein Denken und Handeln in Alternativen zuzulassen, in der wir energieressourcenaufwendig bequem und klimatisiert in Rekordzeit in alle entlegenen Winkel der Welt reisen können und uns in T-Shirt, Shorts und Flipflops in atemberaubende und schwindelerregende Höhen der Berge liften lassen können, eröffnet ein Zurück zum menschlichen Maß, zu selbstgesetzten Herausforderungen "by fair means", aus eigener Kraft möglichst ohne technische Hilfsmittel neue Möglichkeitsräume für das persönliche Abenteuer. 
 
Für den geo- und biowissenschaftlich sowie historisch-anthropologisch Kundigen ist die Landschaft ein aufgeschlagenes und zu lesendes Geschichtsbuch, und der Boden ein Archiv der Geschichte der Erde und des Lebens, der Natur und der Menschheit. Doch die Landschaft zu „lesen“ vermag nur der, der sich darum bemüht und diese nicht mit Ignoranz durchhastet. Eine geeignete, entschleunigte Form des Reisens und ein angemessener, durch Unmittelbarkeit bestimmter Reisestil ist eine Voraussetzung, wie es z.B. Wandern und Trekking, Fahrradreisen und Reisen mit dem Kanu ermöglichen. Die Reiseart und die Fortbewegungsform sind ebenso wie der Aufenthalt in der Natur zu allen Tages- und Jahreszeiten zugleich wesentliches Wahrnehmungsmittel sowie Erfahrungs- und Erkenntnismethode. Diese methodische Praxis hebt zugleich ein Stück weit die Entfremdung des modernen Menschen von der Natur auf. 

In wesentlichen Teilen kann diese methodische Praxis auf Fridtjof Nansen und das durch ihn populär gewordene Konzept des „Friluftsliv“ (Freiluftleben) zurückgeführt werden. Vor dem Hintergrund der soeben erfolgten Zivilisationskatastrophe des Ersten Weltkrieges, der zur “Urkatastrophe” des (extremen) 20. Jahrhunderts wurde, stellt der Polarforscher und Diplomat Fridtjof Nansen in seinem Buch „Friluftsliv“ (Freiluftleben) (71) in Anlehnung an den Philosophen Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) mit „Friluftsliv“ sein Konzept eines einfachen, naturverbundenen Lebens vor, das dazu beitragen soll, die geistigen Grundlagen und Werte der europäischen Kultur zu erneuern. 
 
„Friluftsliv“ (72), das Leben in und mit der Natur zu jeder Jahreszeit, ist mit Konzepten von Outdoor und Natursport (73), Trekking (74) und Expedition (75), Bushcrafting (76) und Survival (77) nicht in Gänze identisch. „Friluftsliv“ ist mit Erlebnispädagogik und mit Wildnispädagogik kompatibel. Erlebnispädagogik (78) beinhaltet Aktivitäten in der Natur mit hohen Anforderungen an die Persönlichkeit, wobei die unmittelbare persönliche Erfahrung mit Abenteuer (79) und Wagnis (80) verbunden sind. Dabei wecken Aktivität, Unmittelbarkeit, Spannung, Emotionalität, Abwechslung und Authentizität außergewöhnliche Emotionen. Im Gegensatz zu Ereignissen ergeben sich Erlebnisse nur aus dem subjektiven Erleben und der individuellen Ansicht des einzelnen Menschen. Einzelne Situationen werden erst zu Erlebnissen, wenn sie vom Betrachter als etwas Besonderes und Außeralltägliches wahrgenommen werden. Ziele von Erlebnispädagogik sind Persönlichkeitsbildung (81), Charakterschulung, die Entwicklung von Verantwortungsbewußtsein, Wagnisbereitschaft und Mut (82), einschließlich des Mutes, sich seines eigenen Verstandes ohne Anleitung anderer zu bedienen (83). 
 
Wildnispädagogik (84) bezweckt die Förderung von Erkenntnissen (85) und Verhaltensweisen im Umgang mit Natur. Es geht darum, den Sinn des schonenden Umgangs mit den Ressourcen der natürlichen Umwelt zu verstehen und ihre Möglichkeiten sinnvoll zu nutzen. Anliegen der Wildnispädagogik ist es, den Zugang zur ursprünglichen Natur wieder zu eröffnen. Ziel ist die Förderung der Achtsamkeit gegenüber dem Leben, die Schaffung von Verständnis für die komplexen Zusammenhänge in ökologischen Systemen und die Entwicklung einer Verbundenheit von Mensch und Natur. Wildnispädagogik vermittelt Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Techniken, die einen Aufenthalt in der Natur, in Naturlandschaften und in der Wildnis ermöglichen. Wildnispädagogik ist Bestandteil von Umweltbildung (86) und fördert die Entwicklung von Umweltbewußtsein (87). Im Erleben und im Eingebundensein in die Natur wächst das Gefühl der Verbundenheit mit der Natur. So kann intensives Naturerleben einen nachhaltigen, naturverträglichen Lebensstil fördern. 
 
„Friluftsliv“ ist das Leben in und mit der freien Natur, das Leben und Lernen in, von und mit der Natur sowie durch die Natur mittels Naturerlebnis, unmittelbarer Naturerfahrung, der Bewältigung selbstgesetzter Herausforderungen alleine oder gemeinsam mit anderen jenseits des Konkurrenzprinzips, „by fair means“ aus eigener Kraft und weitestgehend ohne technische Hilfsmittel. Im Zentrum steht das einfache Leben, die Harmonie mit der Natur und das Bemühen, Verständnis für die Natur zu entwickeln, was nur in der Natur gelingen kann, sodaß Verantwortungsbewußtsein für die Natur entstehen kann. 
 
Der Polarforscher Fridtjof Nansen trug zur Popularität von Skifahren und „Friluftsliv“ bei, und er nannte „Friluftsliv“ das „freie, einfache Leben, in frischer Luft, das uns das Privileg wiedergibt, das zu tun, was die ursprüngliche Bestimmung des Menschen ist.“ Doch „Friluftsliv“ entzieht sich einer einheitlichen, allgemeinverbindlichen Definition, seine kulturgeschichtlichen Grundlagen sind überaus vielschichtig und heterogen und sie verweisen unter anderem auf Jean-Jaques Rousseau (1712-1778) (88), Henry David Thoreau (1817-1862) (89) und Arne Næss (1912-2009) (deep ecology) (90). 
 
Es werden ein Stück weit die Grenzen aufgehoben und überschritten, die unsere Kultur durchdringen und bestimmen: Die Grenzen des Dualismus einer einerseits vom Menschen geschaffenen technischen Zivilisation und ihrer künstlichen, nach 
monofunktionaler Zweckrationalität und „instrumenteller Vernunft“ (91) gestalteten Umwelt, sowie einer zurückgedrängten, dem Menschen nur noch äußerlichen, ihn nicht mehr unmittelbar berührenden, ihm zunehmend fremden Natur, die nur noch als auszubeutendes Rohstofflager wahrgenommen und begriffen wird, die einer fortschreitenden technischen Durchdringung der Welt immer mehr weichen muß und die in Reservate abgedrängt wird. In unserer technischen Zivilisation, in der technisch alles machbar und erzwingbar erscheint, in der die Natur und auch die Natur des Menschen und die Gesellschaft als technisch beherrschbar, als kontrollier- und steuerbar gelten, in der sich die Beherrschung und Ausbeutung der Natur in der Beherrschung und Ausbeutung des Menschen fortsetzt, in der wir gewohnt sind, zum Erreichen von Zielen die Gewalt der technischen Mittel zu steigern, als ein Denken und Handeln in Alternativen zuzulassen, eröffnen sich in der Einsamkeit der Natur Räume der Freiheit. 
 
Die Entfremdung von der Natur ist eine Entfremdung von unserem blauen Planeten als einem lebenden dynamischen System, mit dem der Mensch über einen gemeinsamen evolutions-ökologischen Prozeß aufs Engste verbunden ist, und was von unserem modernen, geodynamisch fundierten evolutions-ökologischen Weltbild zum Ausdruck gebracht wird. 
 
Die meisten Menschen leben heute naturentfremdet in künstlichen, urbanen Umwelten und virtuellen Realitäten, sodaß unsere Touren ein unmittelbares Naturerlebnis bieten und Naturerfahrung ermöglichen. Ich bin davon überzeugt, daß Naturschutz (92) nur dann gelingen kann und Erfolg haben kann, wenn die Menschen die Schönheiten (93) der Natur selbst kennenlernen können und die Erhabenheit (94) der Landschaften unmittelbar selbst erleben können und auf dieser Grundlage die Zusammenhänge und Interdependenzen in der Natur zu begreifen und zu verstehen lernen. Dafür sind abenteuerliche Outdoortouren mit Expeditionscharakter sowohl ein exzellentes natur- und umweltpädagogisches Konzept, als auch ein exzellentes erlebnispädagogisches Konzept, und sie sind zudem ein Bestandteil eines demokratischen Naturschutzkonzeptes. 
 
Naturschutz kann nicht gelingen, wenn die Menschen aus der Natur ausgegrenzt werden und sie keine Möglichkeit zum Naturerlebnis haben und sie stattdessen genötigt werden, sich ausschließlich in künstlichen Umwelten unwirtlicher und häßlicher urbaner Ghettos aufzuhalten, wo sie verwaltet, überwacht und kontrolliert werden und dort von unserer Konsumkultur mit Ablenkungen, Zerstreuungen und seichten Vergnügungen beschäftigt und ruhig gestellt werden. Die Landschaften werden zunehmend nach den Interessen der industriellen Land- und Forstwirtschaft umgestaltet, deren sterile und gleichförmige Monokulturen sich weltweit rasant ausweiten, und Naturschutz kann nur in kleinen verbleibenden Nischen und Reservaten stattfinden. Der Ökologe und Evolutionsbiologe Josef H. Reichholf stellt in seinem Buch: „Naturschutz – Krise und Zukunft“ fest: „Naturschützerische Einschränkungen halten die Menschen heute eher von der Natur fern, anstatt sie dazu einzuladen, sich ihr interessiert zuzuwenden. (…) Der Mensch gilt (…) als Belastung für die Umwelt, er stört die natürliche Harmonie. Deshalb müssen wir von ‚der Natur‘ getrennt werden. (…) Wie brauchen einen Naturschutz, der ein Miteinander von Menschen und Natur zum Ziel hat“ (95). Beim Naturschutz konkurrieren autoritäre Konzepte, die Mensch und Natur als unvereinbare Gegensätze begreifen und die die Menschen aus der Natur ausgrenzen wollen, mit demokratischen Konzepten, die die Menschen einbeziehen wollen. Während überall die Natur auf den Begriff einer „Res extensa“ reduziert (96) wird, Natur zweckrational umgestaltet, reguliert, planiert, verbaut und zerstört wird und sich sterile und gleichförmige Monokulturen rasant ausweiten, errichtet autoritäre Naturschutzpraxis in wenigen kleinen Naturschutzgebieten ein Regime, das die Menschen als Bedrohung gängelt, einschränkt und ausgrenzt, sodaß Natur zu einem dem Menschen entfremdeten musealen Ausstellungsstück von Seltenheitswert wird. 
 
Demokratische Naturschutzkonzepte setzen hingegen den allgemeinen und weitgehend uneingeschränkten Zugang zur Landschaft und zur Natur voraus, aus der die Menschen nicht ausgesperrt werden dürfen. Der Zugang zur Landschaft und der Aufenthalt in der Natur sind ein Menschenrecht. In Skandinavien wird der Zugang zur Landschaft und der Aufenthalt in der Natur durch das Jedermannsrecht (97), einem alten Gewohnheitsrecht gewährleistet. Naturerlebnispädagogik ist dabei eine Methode, den naturentfremdeten Menschen unserer Konsumkultur der fortgeschrittenen Industriegesellschaft einen Zugang und Kontakt zur Natur mit persönlicher Naturerfahrung und einem unmittelbaren und unverfremdeten Naturerlebnis zu ermöglichen. Der Gegensatz Mensch – Natur wird damit ein Stück weit aufgehoben, sodaß ein Naturverständnis und eine Einsicht in Zusammenhänge und Interdependenzen erlangt werden kann. Ich bin davon überzeugt, daß nur derjenige, der die Natur selbst kennen gelernt hat und ihre Zusammenhänge und Interdependenzen verstehen gelernt hat, diese auch wirksam schützen kann. Nur mithilfe demokratischer Naturschutzkonzepte besteht die Chance und die Möglichkeit, daß sich die Idee des Naturschutzes ausweitet, diese die gesamte Gesellschaft durchdringt und als Leitbild sämtliche gesellschaftlichen Bereiche gestaltet: Unsere Städte, Gärten und Parkanlagen, die Landwirtschaft, die Wälder und die Gewässer. 
 

7. Monokulturen und Biodiversitätskrise im Anthropozän 

Das schwedisch-norwegische Grenzland im Bereich des Skandinavischen Gebirges ist aufgrund des rauen Klimas mit kurzen und kühlen Sommern und langen Wintern, der bergigen Höhenlagen und der kargen, oft steinigen Böden nur sehr dünn besiedelt. So beträgt die Bevölkerungsdichte auf dem Gebiet der Gemeinde Älvdalen (98), auf dem sich der Ort Idre befindet, ein Einwohner pro Quadratkilometer. Zum Vergleich beträgt die durchschnittliche Einwohnerzahl der Provinz Dalarnas län (99) 9,5 Einwohner pro qkm, die vom gesamten Schweden 21 Einwohner pro qkm und die von Deutschland 226 Einwohner pro qkm. In den kleinen, verstreut in den einsamen Wäldern liegenden Dörfern wurde früher Almwirtschaft betrieben, doch heute ist hier kaum mehr eine konkurrenzfähige Landwirtschaft möglich, zumal in den kurzen, kühlen und feuchten Sommern häufig die Heuernte schlecht ausfiel. So verbleibt die Forstwirtschaft. Auch in Skandinavien prägen heute große, sterile und gleichförmige Kiefern- und Fichtenmonokulturen das Erscheinungsbild des Waldes. 
 
Es stellt sich die Frage, warum in Europa großflächige und gleichförmige Kiefern- und Fichtenmonokulturen dominieren und nicht natürliche, standortgerechte Mischwälder, die sich dort im Zuge einer natürlichen Sukzessionsfolge (100) als Klimaxvegetation etablieren würden. Das Erscheinungsbild des Waldes änderte sich durch die Einwirkungen des Menschen erheblich im Laufe der Zeit, was die Geschichte des Waldes aufzeigt (101). Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurden im Zuge der Entstehung der modernen Forstwirtschaft (102) aus forstwirtschaftlichen Erwägungen heraus großflächige Kiefern- und Fichtenmonokulturen angelegt, die auch heute noch überwiegend das Erscheinungsbild des Waldes prägen. Anstatt auf natürlichen Wald als einer artenreichen Biozönose (103) treffen wir somit heute überall auf artenarme Monokulturen (104) forstwirtschaftlicher Nutzholzplantagen (105), die sich durch sehr geringe Biodiversität auszeichnen. Mit Ausnahme einiger Naturschutzgebiete besteht auch im Skandinavischen Gebirge heute der Wald nahezu vollständig aus gleichförmigen Kiefern- und Fichtenmonokulturen. Die sich weltweit permanent ausdehnenden Monokulturen der industriellen Land- und Forstwirtschaft sind die Hauptursache des globalen Verlustes an Biodiversität und des aktuellen rasanten Artensterbens (106). Im gegenwärtigen Erdzeitalter des Anthropozän (107) ereignet sich derzeit das sechste Massenaussterben (108) der Erdgeschichte; dieses Massenaussterben ist irreversibel, und es ist anders als der sogenannte „Klimawandel“ das größte ökologische Problem. 
 
 Wie dargestellt ist das Klimageschehen hochgradig komplex mit einer kaum zu überblickenden Vielzahl von Interdependenzen und mikroklimatischen landschaftlichen Differenzierungen, und diese wandeln sich auf unserem dynamischen Planeten permanent, wie auch die Klimageschichte (109) aufzeigt. Insbesondere besteht eine wechselseitige Interdependenz zwischen Klima und Vegetation, wie Alexander von Humboldt hervorgehoben hat. Die gegenwärtige Debatte um das Thema des sogenannten „Klimawandels“ vollzieht jedoch eine doppelte Reduktion des komplexen Themenzusammenhangs: Zum Einen wird die komplexe Vielfalt der ökologischen Krisen auf ein einziges Thema reduziert: den sogenannten Klimawandel. Zum Anderen wird die hochgradige Komplexität und Interdependenz des Klimageschehens auf einen einzigen Faktor reduziert: den sogenannten Treibhauseffekt. Zweifellos war die Ökologiedebatte und die Ökologiebewegung vor dem Einsetzen der Kampagne (110) um den sogenannten Klimawandel in Analyse und Praxis erheblich weiter fortgeschritten. 
 
Die Kritik an der industriellen Forstwirtschaft und der durch sie bewirkten Umwandlung der Wälder in monotone, gleichförmige und artenarme Nutzholzplantagen mit sehr geringer Biodiversität ist erforderlich, denn die forstindustrielle Umwandlung artenreicher natürlicher Wälder in gleichförmige und monotone Nutzholzplantagen schreitet weltweit weiter voran, wobei die industrielle Forstwirtschaft „Wald“ als eine Ansammlung von Holzgewächsen begreift, die sich zweckrational ausschließlich über den Nutzholzertrag in Kubikmeter pro Hektar und Jahr bemessen und quantifizieren läßt, und dem Wald als Ökosystem keinerlei Bedeutung und Wert zukommt. So sind die sogenannten „Waldschäden“ wie Borkenkäferplagen, großflächiger Windbruch und Waldbrandgefahr überhaupt erst ein Produkt der Bewirtschaftungsmethoden der modernen industriellen Forstwirtschaft und der durch sie geschaffenen gleichförmigen und sterilen Nadelholz-Monokulturen, doch die industrielle Forstwirtschaft leugnet einen Kausalzusammenhang, was auch beim Wikipedia-Artikel zum Thema „Waldschäden“ (111) deutlich wird. 
 
Warum expandieren weltweit die gleichförmigen und sterilen Monokulturen der industriellen Forstwirtschaft auf Kosten naturnaher artenreicher Wälder? In der Industriegesellschaft werden sowohl die Natur, als auch die Gesellschaft gemäß instrumenteller Vernunft zweckrational zugerichtet und in sterile, gleichförmige Monokulturen umgewandelt, und jegliche Vielfalt geht dabei verloren (112). Die fortgeschrittene Industriegesellschaft hat das Ziel, permanentes Wirtschaftswachstum zu erzwingen, wofür sämtliche Bereiche der Gesellschaft zugerichtet und gleichgeschaltet werden. Mit der permanenten Ausweitung des Konsums verbunden ist ein permanent wachsender Verbrauch von Rohstoffen und eine permanent wachsende Verschwendung von Energieressourcen mit der Folge sich ausweitender Naturzerstörungen. Ebenso wird im auf Hochtouren laufenden industriellen Produktionsprozeß die menschliche Arbeits- und Lebenszeit verschwendet. Immer weitere gesellschaftliche Bereiche werden ökonomischem Kalkül unterworfen, zweckrational zugerichtet und gemäß instrumenteller Vernunft gleichgeschaltet und industrialisiert. 
 
Die alternativlose Notwenigkeit permanenten Wirtschaftswachstums ist nicht nur Produkt einer Medienkampagne, es ist vielmehr die Grundlage nahezu jeglicher wirtschaftlicher und politischer Theorie und Praxis (113). Nur durch permanentes Wirtschaftswachstum, das im Allgemeinen in Form des Bruttosozialprodukts (BSP) gemessen wird, entsteht nach allgemeiner Auffassung Wohlstand und Lebensqualität, und diese messen sich in der Menge der konsumierbaren Industrie-Produkte und Waren. In der Konsumgesellschaft (114), die zugleich eine Wegwerfgesellschaft ist, werden die Menschen auf die Rolle und Funktion von Konsumenten standardisierter Industriefertigprodukte reduziert, und es verkümmert ihre Kreativität und Initiative. Folge ist eine Konsumkultur, die durch Passivität und Bequemlichkeit, durch Ablenkungen, Zerstreuungen und seichte Vergnügungen, durch Besinnungs- und Reflektionslosigkeit geprägt ist. Die Konsumkultur verhindert, daß die Menschen nach dem Modell der Maslowschen Bedürfnishierarchie (115) die Ebene der Transzendenz erreichen. In der Konsumkultur bleiben sie Gefangene nicht reflektierter Leidenschaften und manipulierter Wünsche. Die Konsumkultur ist nach der Analyse des Sozialpsychologen Erich Fromm (1900-1980) (116) in seinem Buch: „Haben oder Sein“, das zu einem Klassiker der Konsumkritik geworden ist, vom Haben und nicht vom Sein bestimmt: „Wenn die Menschen jemals frei werden, das heißt dem Zwang entrinnen sollen, die Industrie durch pathologisch übersteigerten Konsum auf Touren zu halten, dann ist eine radikale Änderung des Wirtschaftssystems vonnöten“ (117). 
 
Der Umgang mit dem Rohstoff Holz in unserer Konsumgesellschaft entwertet diesen zu einem Wegwerfprodukt, und immer größere Mengen an Holz, die zu immer kurzlebigeren Produkten verarbeitet werden, müssen den Wirtschaftsprozeß passieren, um weiteres Wirtschaftswachstum der mit dem Rohstoff Holz verbundenen Branchen zu gewährleisten. Während früher überwiegend langlebige Holzprodukte hergestellt wurden, die über mehrere Generationen hinweg Bestand hatten, werden heute in unserer mobilen und mobilisierten, permanent beschleunigten Gesellschaft immer mehr und immer kurzlebigere Nutzungs- und Verwendungszwecke für den Rohstoff Holz entwickelt und erschlossen, überwiegend werden Wegwerfprodukte produziert, sodaß Massendurchsatz Qualität ersetzt. So führt die maschinisierte industrielle Forstwirtschaft neben der Zerstörung der Wälder als eines Ökosystems zu einer Entwertung des Rohstoffs Holz, und ein allgemeiner Bewußtseinswandel im Umgang mit dem Rohstoff Holz ist nicht erkennbar. 
 
Es besteht also auch hier ein Wachstumszwang (118), da sich in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft scheinbar sämtliche wirtschaftlichen, politischen und sozialen Probleme durch permanentes Wirtschaftswachstum lösen lassen. Die ökologische Krise bildet hingegen eine Ausnahme, sodaß es seit Anfang der 70er Jahre eine Wachstumskritik (119) gibt. Das Konzept eines sogenannten „Grünen Wachstums“ (120) ist jedoch der Versuch, der Wachstumskritik auszuweichen und das Dogma des Wirtschaftswachstums zu retten. Erforderlich ist eine stationäre Wirtschaft (121) im Sinne von Subsistenzwirtschaft (122). Wenn wir zukünftig naturnahe artenreiche Wälder mit hoher Biodiversität haben wollen, ist somit ein Abschied vom Dogma des Wirtschaftswachstums und ein anderer gesellschaftlicher Umgang mit dem Rohstoff Holz erforderlich. 
 
In den Naturschutzgebieten (123) im Skandinavischen Gebirge wird keine Forstwirtschaft betrieben, sodaß die natürliche Vegetation dort erhalten ist. Hier kann man einen Eindruck davon gewinnen, wie naturbelassene Wälder mit mehrhundertjährigen Bäumen im Gegensatz zu den gleichförmigen Monokulturen der industriellen Forstwirtschaft aussehen. 
 

8. Rewilding Europe

Freilebende Wildtiere sind nahezu überall auf der Welt eine Seltenheit geworden. 97% des Gesamtgewichts der auf dem Lande lebenden Wirbeltiere sind heute domestizierte Haus- und Nutztiere des Menschen (67%) und die Menschen selber (30%); freilebende Wildtiere bilden lediglich nur noch 3% der lebenden Wirbeltier-Biomasse auf dem Land (124). Hauptgrund sind die sich permanent ausweitenden Monokulturen in der Land- und Forstwirtschaft sowie die industrielle Massentierhaltung. Die im Prozeß der Domestikation (125) domestizierten Tiere und Pflanzen sind Kunstprodukte des Menschen, sie sind nicht Bestandteil des evolutions-ökologischen Prozesses, und innerhalb der Geschichte des Lebens auf dem Planeten Erde sind sie ortlos (126). Innerhalb der Menschheitsgeschichte (127) ist der Prozeß der Domestikation eine erst sehr junge Erscheinung, und er ist mit der Neolithischen Revolution (128) verbunden. Der Prozeß der Domestikation erfaßte nicht nur Tiere und Pflanzen, ganze Landschaften und Ökosysteme wurden domestiziert und umgestaltet. Auch der Mensch selber wurde vom Prozeß der Domestikation erfaßt und verändert (129). 
 
Aufgrund der Reliefunterschiede der bergigen Landschaft im Bereich des Skandinavischen Gebirges und der über die Baumgrenze, die in norra Dalarna je nach Geländeexposition bei 750 bis 900 m Höhe liegt, reichenden Fjellgebiete bietet die Landschaft vielfältige Lebensräume in verschiedenen Klima- und Vegetationszonen. Zahlreiche freilebende Tierarten, die woanders in Europa verdrängt oder ausgestorben sind, finden hier noch weitgehend ungestörte Lebensräume. Sehr zahlreich sind die omnipräsenten Elche (130) und auch Rentiere (131), deren südliche Verbreitungsgrenze in Schweden bis nach Idre reicht. Sehr gering ist hingegen die Anzahl von Bären (132), Luchsen (133), Wölfen (134), Vielfraßen (135), Steinadlern (136) und Auerhühnern (137), und auch die Anzahl der wenigen Moschusochsen (138) ist sehr gering, die vor einigen Jahren vom Dovre Fjell in Norwegen abwanderten. Diese Population der Moschusochsen scheint zu gering zu sein, um dort dauerhaft Bestand haben zu können. Bei schrumpfenden Populationen geht genetische Vielfalt verloren (139), und bei sehr kleinen Populationen besteht die akute Gefahr des Aussterbens (140). 
 
In der Industriegesellschaft werden sämtliche Landschaften, die Natur und ebenso die Menschen und die Gesellschaft gemäß instrumenteller Vernunft zweckrational zugerichtet und in sterile, gleichförmige Monokulturen umgewandelt, und jegliche Vielfalt geht dabei verloren. Folge dieser zweckrationalen gleichförmigen Uniformierung und sterilen Gleichschaltung ist der feststellbare Verlust an Biodiversität, die Zerstörung der Biosphäre und das rasante Artensterben. In Europa gibt es heute nur noch wenige Gebiete, die als Wildnis (141) bezeichnet werden können, und einige von diesen befinden sich an der nördlichen Periferie Europas. Europaweit setzt sich die European Wilderness Society (142) für den Schutz von Wildnisgebieten und Naturlandschaften ein. Rewilding (143) ist ein ökologisches Konzept, das darauf abzielt, Naturlandschaften mit ihrer natürlichen Flora und Fauna zu erhalten und diese durch Renaturierung (144) wieder herzustellen und natürliche ökologische Prozesse im Sinne von Prozeßschutz (145) wieder herzustellen. 
 
Es reicht jedoch nicht aus, lediglich Naturschutzgebiete auszuweiten, selbst wenn diese 50% der Erdoberfläche umfassen sollten, wie es der Biologe Edward O. Wilson vorschlägt (146). Erforderlich ist vielmehr eine umfassende Renaturierung der gemäß instrumenteller Vernunft zweckrational zugerichteten und zunehmend monotonen und gleichförmigen Landschaften und eine Änderung unserer Lebens- und Wirtschaftsweise, die damit einher gehen muß. Diese zukünftige Lebens- und Wirtschaftsweise muß so gestaltet sein, daß diese von dem primären Ziel, die natürliche Vielfalt und Biodiversität zu fördern, in Gänze durchdrungen ist. Dies bedeutet nichts anderes als eine entgegengesetzte Richtung der heutigen Entwicklungstrends, die auf eine Zerstörung jeglicher Vielfalt abzielen und gleichförmige und monotone Monokulturen schaffen. 
 
Renaturierungen verstanden als Prozeßschutz müssen nicht aufwändig und teuer sein, wenn sie von dem Konzept „Natur Natur sein lassen“ getragen werden. Das Konzept „Natur Natur sein lassen“ ist ein Leitbild des Naturschutzes, das im Nationalpark Bayerischer Wald entwickelt worden ist (147). Eingriffe in die Natur sollen zukünftig unterbleiben, und diese soll sich gemäß der natürlichen Sukzession zu einer Wildnis entwickeln. Das Konzept „Natur Natur sein lassen“ wird ebenfalls in den Nationalpark-Informationseinrichtungen des Biosphärenreservates (148) Wattenmeer (149) vorgestellt und vermittelt, wie z.B. im Nationalparkhaus „Wattwelten“ auf der Nordseeinsel Norderney. Den natürlichen Prozessen, der Dynamik, die jegliche Formen in der Natur schafft und erhält, soll der erforderliche Raum belassen werden, sodaß nicht versucht wird, die Natur zweckrational zuzurichten und dafür ihre Prozeßdynamiken zu unterdrücken, wie es ingenieurtechnische Maßnahmen der Landschaftsverbauung und Regulierung praktizieren, sondern vielmehr sollen diese natürlichen Prozeßdynamiken verstanden und erhalten werden, sodaß der Mensch sich diesen mit seiner Lebens- und Wirtschaftsweise anpaßt. 
 
Die Individuenzahl vieler Wildtierpopulationen ist geringer, als die einsamen Naturlandschaften an der nördlichen Periferie Europas und im skandinavischen Bergland es erwarten lassen, obwohl sich Schweden in den Darstellungen der Tourismuswerbung als ein Naturparadies präsentiert. So beträgt in Schweden die Zahl der Bären ca. 3200, der Luchse ca. 1500 und der Wölfe ca. 250 Individuen. Dagegen tummeln sich in schwedischen Wäldern annähernd 500.000 Elche, sodaß statistisch betrachtet etwa ein Elch auf 20 Schweden kommt. Einen nicht unwesentlichen Einfluß auf diese Bestandszahlen hat die zahlreiche Lobby der Jäger. Die Jagd ist in Schweden populär, und jährlich erlegen die Jäger in der zweiwöchigen Jagdsaison im September ca. 100.000 Elche, doch die Zahl der Elche nimmt trotzdem weiter zu. Wölfe, Luchse und Bären sind die natürlichen Konkurrenten der gefüllten Kühltruhen der Jäger, sodaß deren Anzahl klein gehalten wird. Doch auch die traditionell von Rentierhaltung lebenden Samen (150) haben ein Interesse an geringen Bestandszahlen der Raubtiere. Immerhin leben in Lappland (151) bzw. Sápmi (152) – ein Gebiet, das sich im Norden Europas über die Territorien von Norwegen, Schweden, Finnland und Rußland (Karelien) erstreckt – etwa 500.000 Rentiere. So besteht in Europa die anachronistische Situation, daß es in mehreren dichtbesiedelten Ländern, wie z.B. Italien und Spanien, aber auch kleineren Nachbarländern wie Estland, Lettland und Litauen, oder ärmeren Ländern wie Rumänien, Bulgarien, Serbien und Albanien z.B. für Wölfe mehr Lebensraum gibt, als in Schweden. 
 
Die südliche Verbreitungsgrenze der Rentiere reicht in Schweden bis in die Region von Idre. Auf den benachbarten Fjellgebieten des Nipfjäll und am Städjan, sowie den angrenzenden Wäldern und oft auch entlang der Landstraßen lassen sich häufig größere Herden von z.T. mehr als 100 Rentieren beobachten. Während die Sommerweidegebiete der Rentiere oberhalb der Waldgrenze auf dem kahlen Fjell liegen, wandern die Rentierherden zum Winter hinab in die geschützten und bewaldeten Tallagen. Entsprechend der Verbreitung der Rentiere reichen die Siedlungsgebiete der Samen, deren Lebens- und Wirtschaftsweise traditionell eng mit der Nutzung der Rentiere verbundenen ist, ebenfalls bis nach Idre (153). 
 
Die Samen sind ein indigenes Volk (154), das im Norden von Fennoskandinavien (155) am Rande der Arktis in Lappland bzw. Sápmi lebt. Ursprünglich waren die Samen ein nomadisch lebendes Jägervolk, das vor allem von der Jagd auf das Wildren lebte. Heute gibt es im gesamten Lappland (Sápmi) keine Wildrene mehr. Freilebende, wilde Rentiere gibt es in Europa heute nur noch etwa 25.000 im südlichen Norwegen, davon ca. 10.000 auf der Hardangervidda. Daß es heute im gesamten Lappland (Sápmi) keine Wildrene mehr gibt, ist eine Folge der Kolonisierung und Aufteilung von Lappland (Sápmi) durch die Staaten Norwegen, Schweden und Rußland (156). Diese Staaten erhoben von den Samen Steuern und Zwangsdienste, und die Samen gingen in der frühen Neuzeit von der vormaligen Rentierjagd zur bis heute praktizierten Rentierhaltung über, wobei die Rentiere individueller und besteuerbarer Besitz der einzelnen Samen sind. Bis ins 18 Jahrhundert waren diese Rentierherden kleiner als heute, sodaß die Gefahr einer Überweidung der Fjellgebiete durch die praktizierte Rentierwirtschaft (157) besteht. 
 
Das weiter südwestlich gelegene Fulufjäll als südlichstes schwedisches Fjellgebiet liegt südlich der Verbreitungsgrenze der Rentiere. Die Frage, warum auf dem Fulufjäll keine Rentiere vorkommen, obwohl offenkundig die naturräumlichen Voraussetzungen dafür gegeben sind, wird kontrovers diskutiert, blieb jedoch bislang ohne zufriedenstellende Antwort. Das Fehlen der Rentiere ist sicherlich ein Grund dafür, daß auf dem Fulufjäll eine besonders artenreiche Moos- und Flechtenvegetation vorkommt. Im Jahre 2002 wurde der Nationalpark Fulufjäll (158) eingerichtet, der ein Areal von 40.000 ha umfaßt. Ein Naturpark-Informationszentrum (Naturum) in der Nähe des Wasserfalls Njupeskär bringt den Besuchern in museumspädagogisch exellent aufbereiteten Ausstellungen die Tier- und Pflanzenwelt des Fulufjälls nahe (159). 
 
Diese faszinierende Naturlandschaft bietet mit ihren schier endlosen Wäldern, einsamen Seen, Flüssen, Mooren und Fjellgebieten vielfältige, inbesondere auch touristische Potentiale. Bekannt wurde die Region Dalarna insbesondere durch die Reise des Naturforschers Carl von Linné durch Dalarna im Jahre 1734, der zuvor im Jahre 1732 das damals weitgehend unbekannte Lappland im Rahmen seiner Lappland-Expedition bereist hatte. 
 

9. Naturschutz und Tourismus als Bestandteile von Entspannungspolitik 

Noch im Mittelalter (160) gab es in Europa zwischen den Staaten keine Grenzlinien, wie wir sie heute kennen, sondern Grenzsäume und Grenzländer, die als „Mark“ (161) bezeichnet wurden. Diese Grenzregionen waren in der Vergangenheit häufig abgelegene, dünn besiedelte und strukturschwache Regionen mit Naturlandschaften und Wildnisgebieten, die oft den Charakter eines Niemandslandes (Terra nullius) (162) hatten. Im Mittelalter waren stehende Heere (163) weitgehend unbekannt, und in der Feudalgesellschaft (164) mußte der jeweilige Landesfürst und Lehnsherr (165) im Kriegsfall seine Vasallen (166) auffordern, ihrer Dienstpflicht nachzukommen. Im späteren Mittelalter waren Söldnerheere (167) mit Landsknechten (168) üblich. Der Personenverbandsstaat (169) der mittelalterlichen Feudalgesellschaft wandelte sich zur frühen Neuzeit (170) hin zum Territorialstaat (171). 
 
Der Saumcharakter der Grenzen des Mittelalters verschwand insbesondere im Zeitalter des Absolutismus (172) in der frühen Neuzeit. Der absolutistisch regierte Staat war bestrebt, seine politische Herrschaft nach innen und nach außen auszuweiten, und zu diesem Zweck war er bemüht, durch merkantilistische Wirtschaftspolitik (173) einschließlich der Gründung von Fernhandelskompanien (174) seine Steuereinnahmen (175) zu steigern, um den Staat effizient bürokratisch zu verwalten und insbesondere, um stehende Heere zu unterhalten. Es entstanden Grenzlinien, die vermessen, markiert und militärisch gesichert wurden, oft durch die Errichtung umfangreicher Fortifikationen (176). 
 
Im Zeitalter des Nationalismus (177) führte der Nationalstaat (178) zum Zweck der Machtbehauptung die Totale Institution der Allgemeinen Wehrpflicht (179) ein, die den Krieg zum Volkskrieg der mobilisierten Nation radikalisierte und die die totale und totalitäre Verfügung des Staates über die Bürger zur Folge hat. Zudem radikalisierte sich im Zeitalter des Nationalismus der trennende Charakter der in der frühen Neuzeit geschaffenen Grenzlinien des Territorialstaates, wobei durch Ethnische Säuberungen (180) das Ideal eines homogenen Nationalstaates realisiert werden sollte und die unerwünschten Bevölkerungsanteile und Minderheiten (181) denaturalisiert, d.h. unter Entzug der Staatsangehörigkeit (182) ausgebürgert und über die Grenzen abgeschoben wurden (183). 
 
In diesem neuzeitlichen Zeitalter der Staatenkonkurrenz grenzen sich die miteinander konkurrierenden Territorialstaaten gegeneinander ab und sie bedrohten sich gegenseitig militärisch. Die gegensätzlichen und konfligierenden Gebietsansprüche (184) der Territorialstaaten sind bis heute Ursache einer unübersehbaren Vielzahl von Territorialstreitigkeiten (185). 
 
Im Zeitalter des Imperialismus (186), das in zwei Weltkriegen kulminierte, entwarfen die Geografen Friedrich Ratzel (1844-1904) (187), Karl Haushofer (1869-1946) (188) und Otto Maull (1887-1957) (189) die Theorie des Staates als eines politischen “Raumorganismus”. Der Geograph Otto Maull beschreibt in seinem Buch: „Politische Grenzen“ im Jahre 1928 die „Grenze als ein in der Entwicklung begriffenes, sich im Grunde dauernd umbildendes Organ des Staatsorganismus, als eine Raumform des staatlichen Lebens (…). Es ist eine Zone, in der die Kräfte des Staates dauernd wirken, in der sie wechselnder Abschwächung und Verstärkung unterliegen, in der die Umbildung der Kraftverhältnisse schon einzusetzen vermögen, wenn eben etwa eine neue Grenze auf dem Papier festgelegt ist und noch ihrer Fixierung in der Landschaft harrt. Es ist so eine Zone des Kampfes in friedlichem, aber auch in blutigem Ringen, weil es eine Form des Lebens ist, und weil alles Leben Kampf ist, weil es – anders ausgedrückt - Werden und Vergehen, aber nicht Stillstand ist, wie Garantiepakte und Rechtsauffassungen wollen. Die Grenze ist geradezu der ‚Ausdruck der Bewegung‘ meint an anderer Stelle Ratzel. Nur zeitweise Perioden des künstlichen Stillstands der Linie gaukeln eine Konstanz, eine Kontinuität vor, die immer wieder aufgehen wird, denn in der Grenze spiegeln sich die Lebensregungen der Staaten, die in Beziehung zur Umwelt treten, wachsen, abnehmen, auch dahinsterben. Es sind die Lebensäußerungen eines Raumorganismus, der dementsprechend aber auch raumorganische, lebensfähige Grenzen verlangt, die als Glieder dem Ganzen dienen vermögen und keine starren Mauern oder gar nur fixe Linien sind, die den Staat in seinem Wachstum beengen, ihn in seinen Lebensregungen stören und ihm gar die Lebensfähigkeit rauben. Wer die Grenze darum als geographisches Wesen begreifen will, darf sie nicht loslösen vom Staate, aus ihrer Vereinzelung begreifen zu wollen, sondern muß sie aus den geographischen Forderungen des Staatsorganismus, aus seiner genetischen Entwicklung und seinen Landschaftsbedingungen und seinen Landschaftsansprüchen verstehen, als peripherisches Organ eines politischen Raumorganismus werten“ (190). 
 
Diese Theorie des Staates als eines politischen “Raumorganismus” ist Ausdruck des sozialdarwinistischen (191) Mainstreams, der das Denken im Zeitalter des Imperialismus in den unterschiedlichsten Bereichen prägte, und sie wurde zur Grundlage von Geopolitik (192). Die Theorie des Staates als eines politischen “Raumorganismus” kann als ein Beispiel für eine solche, mittlerweile glücklicherweise weitgehend überwundene geopolitische Staatenkonkurrenz aufgeführt werden. Allerdings blieben durch die Staatenkonkurrenz Naturpotentiale in Grenzregionen oft erhalten, da die Grenzregionen dünn besiedelt und strukturschwach blieben. Heute, im Zeitalter einer beginnenden Staatenkooperation, versuchen Länder vielfach gemeinsam, diese grenznahen Naturlandschaften durch Schutzprogramme zu erhalten und gleichzeitig einen naturverträglichen Tourismus zu fördern, der die Grenzregionen zu einem gemeinsamen und verbindenden Raum der Begegnung, der Mehrsprachigkeit, des kulturellen Austausches und der Völkerverständigung (193) werden läßt. Die insbesondere in der Neuzeit entstandenen Grenzlinien, an denen sich die Staaten gegenseitig abgrenzten und militärisch bedrohten, entwickeln sich so wieder zu Grenzräumen, aus denen sich die Staaten weitestgehend zurückziehen, in denen sie ihre Hoheitsrechte (194) zurückfahren und ihre Gebietsansprüche ruhen lassen. Hiermit gelangt der Wandel des Völkerrechts (195) weg von einem Recht souveräner Staaten und ihrer Interessen hin zu einem Recht der Menschen und der Menschheit zu einer manifesten Ausprägung. 
 
In Europa gibt es mittlerweile zahlreiche Beispiele für derartige gelungene und erfolgreiche Konzeptionen grenzübergreifender Kooperation in den Bereichen Naturschutz und Tourismus. Schon als Schüler hatte ich bei meinen zahlreichen Fahrradexkursionen von meinem damaligen Wohnort Mönchengladbach aus den Naturpark Maas-Schwalm-Nette (196) im Dreiländereck Deutschland, Niederlande und Belgien ausgiebig kennengelernt, und dieser ist Bestandteil einer Europaregion (197). Es ist eine der ersten Regionen in Europa, die vollständig durch ein ausgeschildertes Fahrradweg-Knotenpunktsystem erschlossen war. Die Anfänge dieses Naturparks gehen auf das Jahr 1965 zurück. Heute läßt sich dort nahezu nicht mehr erkennen, daß es hier früher einmal eine Grenze gegeben hat und daß es sich hier um ein ehemaliges Grenzgebiet handelt. Die gemeinsame Grenze der Niederlande und der Bundesrepublik Deutschland hat heute einen Charakter wie eine Grenze zwischen den Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland, die in der Landschaft nicht erkennbar ist. Die gemeinsame Grenzregion der Niederlande und der Bundesrepublik Deutschland kann sowohl als eine der ersten, als auch als eine der erfolgreichsten Konzeptionen grenzübergreifender Kooperation in den Bereichen Naturschutz und Tourismus in Europa gelten, und sie hat das Potential einer Modellregion für erfolgreiche Kooperation und Integration in Europa, von der sowohl Europa als auch andere Weltregionen lernen können. 
 
Mittlerweile gibt es weitere Beispiele grenzübergreifender Kooperation in den Bereichen Naturschutz und Tourismus in Europa. U.a. können aufgeführt werden der Nationalpark Bayerischer Wald/Sumava/Mühlviertel (198) als größtem zusammenhängendem Waldgebiet Mitteleuropas im gemeinsamen Dreiländereck von Bayern, Tschechien und Österreich, der Nationalpark Sächsische Schweiz/Ceské Svýcarsko (199) in der Grenzregion von Sachsen und Tschechien, der Naturpark Unteres Odertal (200) in der gemeinsamen Grenzregion der Republik Polen und der Bundesrepublik Deutschland, der Karkonoski Park Narodowy in den Sudeten im polnisch-tschechischen Grenzgebiet, und der Naturpark Baltisches Seengebiet im Dreiländereck von Lettland, Litauen und Belarus, neben weiteren. 
 
Da die zunehmende Verinselung und Zerschneidung der naturnahen Bereiche in der Landschaft einen bedeutsamen Gefährdungsfaktor für viele Arten darstellt, ist es Ziel, die grenzübergreifenden Naturschutzgebiete zu einem länderübergreifenden Biotopverbund (201) als Bestandteilen eines europäischen Naturschutzgebietsnetzes zusammenzuführen, wobei Biotopverbundachsen von europäischer Dimension entstehen (202). Ein Austausch zwischen Populationen und eine Wanderung von Tieren zwischen den einzelnen Habitaten soll so ermöglicht werden. Ein Beispiel einer derartigen grenzübergreifenden Biotopverbundachse von europäischen Dimensionen ist das „Grüne Band Europa“ (203), das entlang des ehemaligen „Eisernen Vorhangs“ verläuft und an dem 24 Staaten in Europa beteiligt sind. Bestandteil des „Grünen Band Europa“ ist das „Grüne Band Deutschland“ (204). 
 
Die schwedisch-norwegische Grenzregion im skandinavischen Gebirge kann als ein weiteres gelungenes Beispiel für eine derartige grenzübergreifende Kooperation in den Bereichen Naturschutz und Tourismus hervorgehoben werden (205), die auch vom schwedischen Tourismusverband Svenska Turistföreningen (206) und vom norwegischen Tourismusverband Den Norske Turistforening (207) gefördert wird. Doch so friedlich, wie diese Region heute erscheint, war es auch hier im schwedisch-norwegischen Grenzgebiet nicht immer gewesen. 1905 drohte bei der Auflösung der schwedisch-norwegischen Union (208) ein bewaffneter Konflikt, der Dank des diplomatischen Engagements des Polarforschers und Diplomaten Fridtjof Nansen verhindert werden konnte (209). 
 
Die Geschichte der Ostseeregion (210), deren Bestandteil Skandinavien ist, ist geprägt von einer mehr als tausendjährigen Auseinandersetzung um die Vorherrschaft in der Ostseeregion, und für diese wurde der Begriff „Domininum maris baltici“ (211) geprägt. Im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges (212) erlangte das Königreich Schweden (213) als Großmacht im nördlichen Europa das Domininum maris baltici. In diesem Zeitraum erweiterte das Königreich Schweden seinen Territorialbesitz in der Ostseeregion erheblich. Auch das damalige Königreich Dänemark-Norwegen (214) mußte im Frieden von Brömsebro (215) im Jahre 1645 Territorien an Schweden abtreten, darunter Jämtland, Härjedalen und auch den heutigen Nordwesten der Provinz Dalarna mit den kleinen Städten Idre und Särna. Im Finnskogszentrum in Lekvattnet in der Nähe der Stadt Torsby in Värmland, das Bestandteil des Värmlandsmuseum (216) ist, und das wir regelmäßig im Rahmen unserer mehrtägigen Kanutour „Abenteuer im Norden“ besuchen, ist dargestellt, daß im 17. Jahrhundert aufgrund der zahlreichen Kriege, die die schwedischen Könige damals führten, ca. ein Drittel der männlichen Bevölkerung eines jeden Jahrgangs ums Leben gekommen ist. Die schwedische Vorherrschaft in der Ostseeregion wurde im Großen Nordischen Krieg (1700–1721) (217) durch das Kaiserreich Rußland (218) abgelöst. Aus dem Zeitraum des Zweiten Weltkrieges lassen sich noch heute vielerorts im schwedisch-norwegischen Grenzgebiet bauliche Relikte von Militäranlagen und Fortifikationen finden, u.a. beim Skogsmuseum "Lomkällan" bei Särna im Nordwesten von Dalarna. 
 
Es gilt zu hoffen, daß auch in anderen Weltregionen diese vielversprechenden grenzübergreifenden kooperativen Konzepte in den Bereichen Naturschutz und Tourismus aufgegriffen und umgesetzt werden, denn diese Konzepte grenzüberschreitender Kooperation in den Bereichen Naturschutz und Tourismus können über diese Aspekte hinaus als ein gelungenes und erfolgreiches Praxismodell für Peacekeeping (219) und angewandte Entspannungspolitik gelten, denn sie ersetzen die strukturelle Gewalt (220) des Territorialstaates durch einen strukturellen Frieden. Zu diesem Zweck sollten diese kooperativen grenzübergreifenden Konzepte ergänzt und erweitert werden durch die Einrichtung von entmilitarisierten Zonen (221), in denen die kooperierenden Staaten ihre Hoheitsrechte zurückfahren, ihre Gebietsansprüche ruhen lassen und auf eine militärische Nutzung sowie die wirtschaftliche Ausbeutung verzichten, wofür der Antarktis-Vertrag von 1959 (222) und der politische Status der Antarktis (223) ein Modell bieten. 
 
Der Antarktis-Vertrag trat 1961 in Kraft, und er verhinderte die drohende Zerstückelung des antarktischen Kontinents in nationale Einflußsphären. Im Antarktis-Vertrag stellten die Vertragsstaaten Gebietsansprüche zurück, und sie erklärten, daß es „im Interesse der ganzen Menschheit liegt, die Antarktis für alle Zeiten ausschließlich für friedliche Zwecke zu nutzen“ und auf eine militärische Nutzung sowie die wirtschaftliche Ausbeutung zu verzichten, um die Anktarktis stattdessen gemeinsam wissenschaftlich zu erforschen. Die Initiative zum Antarktis-Vertrag ging vom Internationalen Geophysikalischen Jahr 1957/58 (IGJ) (224) aus. Das IGJ war eine Fortsetzung der beiden internationalen Polarjahre (225) 1882/83 und 1932/33; es war aber nicht auf die Polargebiete beschränkt, sondern hatte die weltweite Forschung auf allen Gebieten der Geophysik zum Ziel. Zudem war das Internationale Geophysikalische Jahr 1957/58 ein Versuch von Seiten der Wissenschaft, den Wettlauf (scramble) um die nationalstaatliche Inbesitznahme der Antarktis zu unterbinden. 
 
Der Antarktis-Vertrag ist in der Geschichte der Staaten ein Novum, denn erstmals seit der Entstehung von Staaten (226) im Zeitalter der Frühen Hochkulturen (227) verzichten Staaten darauf, ihren Machtbereich und Hoheitsbereich überall dorthin auszudehnen, wo es irgendwie möglich und erzwingbar erscheint. Es ist nun möglich, im gemeinsamen Interesse der Menschheit an einer friedlichen Zukunft die im historischen Prozeß erfolgte Machtausdehnung der Staaten wieder zurückzuführen. Die insbesondere in der Neuzeit entstandenen Grenzlinien, an denen sich die Staaten gegenseitig abgrenzten und militärisch bedrohten, entwickeln sich so wieder zu Grenzräumen, aus denen sich die Staaten weitestgehend zurückziehen, in denen sie ihre Hoheitsrechte zurückfahren und ihre Gebietsansprüche ruhen lassen, die bis heute Ursache einer unübersehbaren Vielzahl von Territorialstreitigkeiten sind. 
 
Ein Vergleich der beiden Polarregionen (228) läßt jedoch in der Nordpolarregion entgegengesetzte Entwicklungen erkennen. In der Nordpolarregion, der Arktis entwickeln sich derzeit die geopolitischen Verhältnisse leider anders als in der Antarktis, und die Anrainerstaaten der Arktis sind bestrebt, dort ihre Hoheitsgebiete auszudehnen und gegeneinander abzugrenzen, insbesondere, um Zugriff auf die Rohstoffvorkommen der Arktis zu erhalten und diese durch Militärpräsens abzusichern. Diese Entwicklung wird dadurch begünstigt, daß die Arktis durch einen Rückgang der Meereisbedeckung in Folge der globalen Erwärmung in der Arktis (229) insbesondere für die Schifffahrt besser zugänglich ist. Die fünf Anrainerstaaten des Arktischen Ozeans, Norwegen, Rußland, die USA, Kanada und Dänemark, sehen sich als allein zuständig für die Nordpolarregion an. Zur Koordination ihrer Interessen haben die fünf arktischen Anrainerstaaten 1996 den Arktischen Rat (230) gegründet, an dem die in der Region lebenden indigenen Völker beteiligt werden. Diese erklärte Alleinzuständigkeit der fünf arktischen Anrainerstaaten stellt der Politikwissenschaftler Gerd Braune in seinem Buch: „Die Arktis - Portrait einer Weltregion“ dar als eine „Absage insbesondere an europäische Staaten (…), die unter Beteiligung eines größeren Kreises von Akteuren ein neues Rechtsregime für den Arktischen Ozean zu schaffen gedachten, ähnlich den Antarktischen Verträgen, die die Antarktis quasi zu einem internationalen Territorium erklärten“ (231). 
 
So ist der politische Status der Arktis (232) bis heute weitgehend ungeklärt, und ein Arktis-Vertrag analog zum Antarktis-Vertrag ist nicht in Sicht, der über die Nordpolarregion hinaus ein Modell für weitere Regionen in verschiedenen Weltgegenden bieten könnte. Statt dessen bietet die Arktis heute ein Beispiel für den derzeit stattfindenden neuen geopolitischen Wettlauf (scramble) (233) um eine Neuaufteilung globaler Interessenzonen nach der Epochenwende von 1989/90. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace (234) hat den Vorschlag gemacht, ein Meeresschutzgebiet mit dem Namen „Arctic sanctuary“ (235) um den Nordpol herum zu errichten. Dieses Meeresschutzgebiet soll jedoch lediglich eine Fläche von 2,8 Mio. km² des gesamten arktischen Ozeans umfassen, der eine Fläche von 14 Mio. km² hat. Die gesamte Region der Arktis mit ihren Festlandgebieten ist noch erheblich größer, und u.a. umfaßt sie als eine vegetationsgeografisch und klimageografisch bestimmte Region, wie dargestellt, auch die Hochlagen des Skandinavischen Gebirges bis zur Hardangervidda, womit sie bis an den Rand des mittleren Europas reicht. Um die gesamte Region der Arktis wirksam zu schützen, wäre ein Schritt in die richtige Richtung, sie als Ganzes zu einem Biosphärenreservat (236) und einem Erbe der Menschheit (237) zu erklären. 
 
Die heutige Reisefreiheit (238) und Kooperation in Europa sind ein wesentliches Ergebnis des KSZE-Prozesses (239). Der KSZE-Prozeß war der zentrale Bestandteil der Entspannungspolitik (240), und er hatte entscheidend dazu beigetragen, daß der Ost-West-Konflikt und das Zeitalter der Bipolarität und der Blockkonfrontation ein Ende finden konnten. Getragen war die Entspannungspolitik von dem Konzept „Wandel durch Annäherung“ (241), und der gesamte KSZE-Prozeß war von diesem Konzept geprägt und durchdrungen. Wie in der Schlußakte von Helsinki der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) vom 01.08.1975 über die Grenzen des „Eisernen Vorhangs“ hinweg vereinbart wurde, war Ziel des KSZE-Prozesses u.a. „die Stärkung freundschaftlicher Beziehungen und des Vertrauens zwischen den Völkern“, was u.a. erfolgen sollte durch die „Entwicklung von Kontakten“ zwischen den Menschen, dies auch durch Förderung von „Möglichkeiten für umfassendes Reisen“, sodaß „der Tourismus zu einer vollständigen Kenntnis des Lebens, der Kultur und der Geschichte anderer Länder, zu wachsendem Verständnis zwischen den Völkern, zur Verbesserung der Kontakte (…) beiträgt“ wofür „die Entwicklung des Tourismus auf individueller und kollektiver Grundlage zu fördern“ ist. Des Weiteren war Ziel „eine Steigerung des Austausches (...) von Informationen“, und eine „wirksame Ausübung“ von „Menschenrechten und Grundfreiheiten“ zu „fördern und ermutigen“. Mit der Charta von Paris (242) vom 21.11.1990 erklärte die KSZE den Ost-West-Konflikt für beendet, und es bestand die Hoffnung auf ein neues Zeitalter des Friedens und der Kooperation. 
 
In Europa wird jedoch heute die Reisefreiheit, der Austausch und die Entwicklung von Kontakten zwischen den Menschen wieder zunehmend eingeschränkt. Insbesondere in der östlichen Hälfte Europas nehmen ethnonationalistische Konflikte zu, und sie sind seit 1989/90 die größte Herausforderung für europäische Politik. Während in der westlichen Hälfte Europas die Länder zunehmend miteinander kooperieren, vollzieht sich in der östlichen Hälfte Europas seit 1989/90 der entgegengesetzte Prozeß: Die Länder streben auseinander und grenzen sich gegeneinander ab. In der östlichen Hälfte Europas ist seit 1989/90 die Entwicklung einer nationalen Identität oberstes Ziel der Politik, und der homogene Nationalstaat gilt als das Ideal der Politik. Daher sind insbesondere heute derartige grenzübergreifende Konzepte aktuell, die Naturschutz und einen umweltverträglichen Tourismus verbinden und die Grenzregionen zu einem gemeinsamen und verbindenden Raum der Begegnung, der Mehrsprachigkeit, des kulturellen Austausches und der Völkerverständigung machen. 
 

10. Pulka selber bauen 

Die vielfältigen landschaftlichen Potentiale des schwedisch-norwegischen Grenzlandes bieten eine Vielzahl von Möglichkeiten für touristische Aktivitäten, sowohl im Sommer, wie auch im Winter. Die zahlreichen Flüsse und Seen locken im Sommer zahlreiche Angler in die Region und auch Kanuten schätzen die einsamen Gewässer. Berge und Fjellgebiete, wie Nipfjäll, Städjan, das Langfjället bei Grövelsjön und das Fulufjäll mit seinen botanischen und geologischen Besonderheiten, sowie die Femundsmarka (243) und das Gebiet um den See Rogen, das bei Quartärforschern insbesondere als Typlokalität von Staffelmoränen bekannt ist, eignen sich sowohl im Sommer als auch im Winter für tagelange Wanderungen, auf denen man außerhalb der Hauptsaison kaum einem Menschen begegnet. Verkehrsarme Straßen bieten sich für ausgedehnte Fahrradtouren an. Der Winter dauert, wie schon weiter oben ausgeführt, hier im mittelschwedischen Bergland im schwedisch-norwegischen Grenzland nördlich des “Limes norrlandicus” mit großer Schneesicherheit annähernd ein halbes Jahr an - einem Zeitraum, in dem nahezu sämtliche Wintersportarten ausgeübt werden können. Sämtliche Infrastruktureinrichtungen, wie Liftanlagen, Abfahrtpisten (Idre Fjäll und Fjätervålen) und gespurte Loipen (Idre Fjäll und Grövelsjön) sind vorhanden. Doch die großartigsten landschaftlichen Eindrücke gewinnt man bei möglichst mehrtägigen Ski-, Schneeschuh- oder Hundeschlittenexkursionen, z.T. mit Expeditionscharakter, in die Einsamkeit der tiefverschneiten Wald-, Berg- und Fjelllandschaften. Für derartige mehrtägige Wintertouren ist ein Pulka das ideale Transportgerät.
 
Für eine Wintertour (244) mit Ski oder Schneeschuhen ist ein Pulka ideal: Weit müheloser als mit einem Rucksack lassen sich auch größere Lasten für längere Touren über größere Distanzen vergleichsweise mühelos mit eigener Kraft durch die verschneite Winterlandschaft transportieren, sei es eine Wochenendtour oder eine Grönlanddurchquerung auf den Spuren von Fridtjof Nansen. Die im Handel erhältlichen Pulkas haben hohe Preise, sodaß sich ein Selbstbau anbietet. Im Internet lassen sich einige gute Bauanleitungen finden:
 
http://www.fjaellwanderung.de/ausruestung/selber-machen/pulka/
https://www.outdoorseiten.net/wiki/Pulka
http://www.gooutdoor.de/index-Dateien/Page622.htm
http://www.bushcraft-deutschland.de/thread/12206-zuggestell-fuer-eine-pulka/
http://www.instant-trout-company.de/Eigenbau%20einer%20Pulka.html
https://roald.jimdo.com/wintersport/pulka-zugschlitten/pulkabau/
http://www.krabach.info/snow_sled/snow_sled.htm
https://www.skipulk.com/wp-content/uploads/2016/03/pulkbook.pdf
http://www.wolfgang-reinelt.de/Outdoor/PulkaHowTo/index.html 

11. Anmerkungen: 

 1) Vgl.: https://www.rucksack-reisen.de

2) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fjell

3) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Skandinavisches_Gebirge

4) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Forum_Anders_Reisen
Sowie: https://www.forumandersreisen.de
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Ökotourismus

5) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Tourismus-Börse_Berlin

6) Vgl.: https://bvkanu.de

7) Vgl.: https://idre-stugor.se/

8) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Idre
Sowie: https://www.visitidre.se

9) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Dalarna
Sowie: https://www.dalarna.se

10) Vgl.: https://www.gammelbyn.se

11) Vgl.: https://www.welcome-scandinavia.com

12) Vgl.: https://www.kanuverleih-schweden.de/

13) Vgl.: https://www.idrefjall.se

14) Vgl.: https://www.fjatervalen.se

15) Vgl.: https://www.hovfjallet.se

16) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Trekking

17) Vgl.: https://visitsweden.de/
Sowie: https://treffpunkt-schweden.com/tourist-information-bueros-in-schweden
Vgl. auch: https://www.norrmagazin.de

18) Vgl.: https://www.grovelsjon.com

19) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fulufjäll
Sowie: https://www.fulufjallet.se
Und: https://www.dalarna.se/fulufjallet

20) Vgl.: https://www.rucksack-reisen.de/winterurlaub/schneeschuhwandern/unendliche-weiten-schneeschuh-huettenwanderung/
Sowie: https://www.rucksack-reisen.de/winterurlaub/langlauf-skitour/back-country-skiwandern-im-fulufjaell/

21) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Svenska_Turistföreningen

22) Vgl.: http://deutsch.turistforeningen.no/

23) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alpiner_Verein

24) Einen exzellenten auch weltweiten Wetterbericht bieten die folgenden Internetportale:
https://www.klart.se/
https://www.yr.no/en

25) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Limes_norrlandicus

26) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_von_Linné

27) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Expedition_nach_Lappland

28) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vegetationszone
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Vegetation

29) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Külgemäßigte_Klimazone#Laubmischwaldklimate

30) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Borealer_Nadelwald

31) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Paradigmenwechsel

32) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_von_Humboldt

33) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vegetationsgeographie

34) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Potenzielle_natürliche_Vegetation
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Klimaxvegetation

35) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Klimazone

36) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Klimatologie
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Klimageschichte

37) Vgl.: Thomas S. Kuhn: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen. Frankfurt am Main, 1967. Kuhn vertritt die These, daß sich Fortschritt in der Wissenschaft nicht durch kontinuierliche Veränderung, sondern durch revolutionäre Prozesse vollzieht, wobei ein bisher geltendes Erklärungsmodell verworfen und durch ein anderes ersetzt wird. Dieser Vorgang vollzieht sich im Rahmen eines “Paradigmenwechsels”.

38) Vgl. Kapitel 7: „Forschungsreisen mutiger Wissenschaftler erweitern unser Weltbild“ in meinem Text: „Impressionen in Zeiten der ‚Corona-Krise‘ – Ein Reisebericht aus Südamerika“.

39) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Postglazial

40) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wald-_und_Baumgrenze

41) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tromsø

42) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Polarforschung

43) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fridtjof_Nansen

44) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nansens_Fram-Expedition

45) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tromsø_Museum

46) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weichsel-Kaltzeit
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Letzte_Kaltzeit
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Känozoisches_Eiszeitalter
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Eiszeitalter
Des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Quartärforschung

47) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tundra

48) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Subpolare_Klimazone

49) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Arktis
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Arktische_Fauna

50) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hardangervidda

51) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Riesengebirge

52) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vegetationsperiode

53) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kältepol

54) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Krummholz

55) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Moor-Birke#Die_Fjell-Birke

56) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Pflanzengesellschaft

57) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wald

58) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Biosphäre

59) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Biodiversität

60) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Aussterben#Aktuelle_Situation

61) Zum Zusammenhang von Wald und Klima vgl.: Charles Eisenstein: Klima. Eine neue Perspektive. Berlin, 2019. S. 128-130. Der Philosoph und Mathematiker Charles Eisenstein stellt fest: „Da Winde im Allgemeinen aus Hochdruck- in Tiefdruckgebiete wehen, werden feuchte Winde von den Meeren in Richtung bewaldeter Landmassen gezogen und bringen die Niederschläge, die wiederum die Wälder aufrechterhalten. Das ist der Grund, warum bewaldete Kontinente tief bis ins Innere verlässliche und reichliche Niederschläge genießen; und das ist auch der Grund, warum diese Niederschläge begonnen haben auszubleiben, da die Abholzung sich in Amazonien, Süd-Ost-Asien, Afrika und Sibirien einem kritischen Niveau nähert.“ Siehe S. 129.
Sowie:
https://news.mongabay.com/2012/02/new-meteorological-theory-argues-that-the-worlds-forests-are-rainmakers/

62) Vgl.: Wolfgang Huber: Naturgut Boden – Nutzung, Zerstörung, Erhaltung. In: Heike Leitschuh u.a. (Hg.): Jahrbuch Ökologie 2015. Re-Naturierung. Gesellschaft im Einklang mit der Natur. 2014, Stuttgart. S. 158-164.

63) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bodenerosion

64) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bodendegradation

65) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zwerg-Birke

66) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weidengewächse

67) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Pionierwald

68) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Old_Tjikko

69) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Pulka

70) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Autogerechte_Stadt

71) Vgl.: Fridtjof Nansen: Freiluftleben. 1920, Leipzig.

72) Vgl.: https://www.freiluftleben.at/berichte/friluftsliv-norw-freiluftleben/
Sowie: https://www.researchgate.net/publication/234057667_Friluftsliv_-_ein_skandinavischer_Ansatz_schulischer_und_ausserschulischer_Outdoor-Bildung
Und: https://www.bergundsteigen.com/wp-content/uploads/2021/08/76-81-friluftsliv.pdf

73) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Naturport

74) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Trekking

75) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Expedition

76) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bushcrafting

77) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Survival
Das Konzept des „Survival“ ist deutschsprachigen Lesern insbesondere durch die Bücher und die abenteuerlichen Expeditionen des Expeditionsreisenden und Menschenrechtsaktivisten Rüdiger Nehberg bekannt gemacht worden.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rüdiger_Nehberg

78) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erlebnispädagogik

79) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Abenteuer
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Abenteuerreise

80) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wagnis_(Begriff)
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Wagnis_(Pädagogik)

81) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Persönlichkeit

82) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mut

83) Der Philosoph Immanuel Kant beantwortete die Frage „Was ist Aufklärung?“ mit seiner Definition, die Berühmtheit erlangt hat: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen. Selbst verschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe den Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufklärung

84) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wildnispädagogik

85) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis_für_freie_Menschen

86) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Umweltbildung

87) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Umweltbewusstsein

88) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Jacques_Rousseau

89) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Henry_David_Thoreau

90) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Arne_Næss#Deep_Ecology_-_Die_Tiefenökologie

91) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Instrumentelle_Vernunft
Sowie: Max Horkheimer: Zur Kritik der instrumentellen Vernunft. 1974, Frankfurt am Main. Die instrumentelle Vernunft und ihre Kritik bildet die analytische Schlüsselkategorie der Kritischen Theorie der vom Sozialphilosophen Max Horkheimer (1895-1973) begründeten Frankfurter Schule, die auf Grundlage interdisziplinärer geistes- und gesellschaftswissenschaftlicher Analysen eine Synthese von Gesellschafts- und Kulturkritik leistet.
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Horkheimer#Kritik_der_instrumentellen_Vernunft
Die Kritik der instrumentellen Vernunft ist eine Kritik der Naturbeherrschung, wobei die Beherrschung der Natur in der Beherrschung der inneren und äußeren Natur des Menschen, der Beherrschung der Individuen und der Beherrschung der Gesellschaft ihre Fortsetzung findet, und dieser Gewaltzusammenhang bildet ein transhistorisches Kontinuum.

92) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Naturschutz

93) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Naturschöne
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Ästhetik

94) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Erhabene

95) Siehe: Josef H. Reichholf: Naturschutz. Krise und Zukunft. 2010, Berlin. S. 11-12.

96) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Reduktionismus

97) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Jedermannsrecht
Das Jedermannsrecht ist ein uraltes Gewohnheitsrecht, das sich aus der Zeit vor der Neolithischen Revolution und der Entstehung von Staaten an der nördlichen Periferie Europas bis heute erhalten hat. Als Gewohnheitsrecht besteht ein derartiges Jedermannsrecht nicht nur in Skandinavien, sondern nahezu der gesamten Ostseeregion einschließlich Rußland. In einer eingeschränkten Form in Gestalt eines Landschaftsbetretungsrechts
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Betretungsrecht_(Erholung,_Sport)
existiert es auch in der Bundesrepublik Deutschland und weiteren Ländern.

98) Vgl.: https://www.alvdalen.se

99) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Dalarnas_län

100) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sukzession_(Biologie)

101) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Waldes_in_Mitteleuropa

102) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Forstwirtschaft

103) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Biozönose

104) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Monokultur

105) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Forst
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftswald
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Plantage

106) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Aussterben#Aktuelle_Situation

107) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Anthropozän

108) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Massenaussterben#Das_gegenwärtige_Massenaussterben

109) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Klimageschichte

110) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kampagne

111) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Waldschäden

112) Vgl.: Zur Geschichte der weltweiten Ausweitung der Monokulturen vgl.: Florian Hurtig: Paradise Lost. Vom Ende der Vielfalt und dem Siegeszug der Monokultur. 2020, München.

113) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftswachstum

114) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Konsumgesellschaft

115) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bedürfnishierarchie

116) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Fromm

117) Siehe: Erich Fromm: Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft. 1979, München. S. 168-169. In seiner Analyse der Konsumgesellschaft, die zu einem Klassiker der Konsumkritik geworden ist, entwirft Erich Fromm das Modell einer neuen Gesellschaft, die auf die Erfordernisse des nicht-entfremdeten, am Sein orientierten Individuums ausgerichtet ist.

118) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wachstumszwang

119) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wachstumskritik

120) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Grünes_Wachstum

121) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Stationäre_Wirtschaft

122) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Subsistenzwirtschaft

123) Vgl.: https://www.sverigesnationalparker.se/de/
Sowie: https://www.naturvardsverket.se
Und: https://www.naturensar.se

124) Vgl.: Ernst Ulrich von Weizsäcker, Anders Wiekmann: Wir sind dran. Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. 2019, München. S. 46-47.
Sowie: Ernst Ulrich von Weizsäcker: Neue Aufklärung für die Volle Welt. Die Zukunftsagenda des Club of Rome. S. 138. In: Maja Göpel u.a. (Hg.): Jahrbuch Ökologie 2017/18. „Leitkultur“ Ökologie? Was war, was ist, was kommt? 2018, Stuttgart. S. 182-186.

125) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Domestizierung
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Pflanzenzüchtung

126) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Evolutionsgeschichte
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Erdgeschichte

127) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Menschheitsgeschichte
Die Menschheitsgeschichte kann als die Geschichte der Ausbreitung und Ausdifferenzierung des anatomisch modernen Menschen Homo sapiens vor ca. 70.000 Jahren von seinem Ursprung im östlichen Afrika über den gesamten Planeten Erde bis zur Gegenwart aufgefaßt werden. Hierbei hatten mehrere technologische Revolutionen weitreichende gesellschaftliche Folgewirkungen, insbesondere die Prometheische Revolution, die Neolithische Revolution, die Industrielle Revolution und aktuell die Digitaltechnische Revolution. Die Menschheitsgeschichte endet mit dem Ende der Menschheit:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ende_der_Menschheit
Das Ende der Menschheit ist unvermeidbar. Das Einzige, was wir beeinflussen können, ist der Zeitpunkt, an dem das Ende der Menschheit eintritt. Wenn die Menschheit so weiter macht, wie bisher, wird dieses Ende in sehr naher Zukunft eintreten. Auf Grundlage der natürlichen Verhältnisse auf dem Planeten Erde könnten Menschen hingegen potentiell noch etwa eine Milliarde Jahre existieren.

128) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Neolithische_Revolution

129) In seinem Buch: „Die Mühlen der Zivilisation. Eine Tiefengeschichte der frühesten Staaten“ zeigt der Politologe und Anthropologe James C. Scott auf, in welchem Umfang der Mensch selber vom Prozeß der Domestikation erfaßt und verändert wurde: Im Zuge des Prozesses der Domestikation traten wie bei domestizierten Tieren auch beim Menschen sowohl anatomische Veränderungen, als auch Verhaltensänderungen auf, darunter ein neuartiges Herdenverhalten, das die Entstehung und das Leben in Massengesellschaften ermöglichte. Zudem entstanden zahlreiche neuartige Krankheiten, die es in der Menschheitsgeschichte zuvor nicht gab. Es änderte sich das Reproduktionsverhalten des Menschen mit der Folge stark erhöhter Fruchtbarkeitsraten, die die erhöhte Mortalitätsrate durch die zahlreichen neuentstandenen Krankheiten mehr als ausglichen und die ein Bevölkerungswachstum zur Folge hatten. Von den neu entstandenen Staaten wurde dieses Bevölkerungswachstum aus machpolitischen Gründen gefördert, um die Anzahl der den Macheliten der frühen Staaten unterworfenen Arbeitskräfte, Steuerzahler und Soldaten zu erhöhen. Vgl.: James c. Scott: Die Mühlen der Zivilisation. Eine Tiefengeschichte der frühesten Staaten. 2022, Berlin.

130) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Elch

131) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ren

132) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Braunbär

133) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Eurasischer_Luchs

134) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wolf#Skandinavische_Population

135) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vielfraß

136) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Steinadler

137) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Auerhuhn

138) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Moschusochse

139) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Genetische_Vielfalt

140) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kleinste_überlebensfähige_Population
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Genetischer_Flaschenhals
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Populationsdynamik

141) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wildnis

142) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/European_Wilderness_Society
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/PAN_Parks_Foundation

143) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rewilding
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Rewilding_Europe

144) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Renaturierung
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Renaturierungsökologie
Renaturierung war ein von mir insbesondere in den Jahren 1981 bis 1984 bearbeitetes Projekt. Die Ortsgruppen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und des Deutschen Bundes für Vogelschutz (DBV) (heute: Naturschutzbund Deutschland NABU) in Mönchengladbach, wo ich während meiner Schulzeit wohnte, hatten die Renaturierung insbesondere von Kleingewässern und Feuchtgebieten zu ihrem Arbeitsschwerpunkt gemacht und arbeiteten eng zusammen. An diesem Projekt hatte ich mich über einen Zeitraum von mehreren Jahren beteiligt.

145) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Prozessschutz

146) Vgl.: Edward O. Wilson: Die Hälfte der Erde. Ein Planet kämpft um sein Leben. 2016, München.
Sowie: Edward O. Wilson: Der Wert der Vielfalt. Die Bedrohung des Artenreichtums und das Überleben des Menschen. 1995, München.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Edward_O._Wilson

147) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalpark_Bayerischer_Wald
Sowie: https://www.nationalpark-bayerischer-wald.bayern.de/ueber_uns/steckbrief/index.htm

148) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Biospärenreservat

149) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wattenmeer_(Nordsee)
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalpark_Niedersächsisches_Wattenmeer
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalpark_Schleswig-Holsteinisches_Wattenmeer
Des Weiteren: https://www.nationalparkhaus-wattenmeer.de/liste-der-nationalparkhaeuser

150) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Samen_(Volk)
Sowie: https://www.samer.se

151) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Lappland

152) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sápmi

153) Vgl.: https://www.idresameby.se
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Siida

154) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Indigene_Völker
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Indigene_Völker_Europas

155) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fennoskandinavien

156) Vgl.: John Trygve Solbakk: Colonisation and division of Sápmi. In: Derselbe: The Sámi People – A Handbook. 2006, Karasjok. S. 35-39.

157) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Samen_(Volk)#Rentierwirtschaft

158) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalpark_Fulufjället
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Fulufjellet-Nationalpark
Vgl. auch: https://www.alltrails.com/de/parks/sweden/dalarna/fulufjallet-nationalpark/wildlife

159) Vgl.: https://www.naturumfulufjallet.se

160) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter

161) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mark_(Territorium)

162) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Niemandsland

163) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Stehendes_Heer

164) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Feudalismus

165) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Lehnswesen

166) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vasall

167) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Söldner_in_der_europäischen_Geschichte

168) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Landsknecht

169) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Personenverbandsstaat

170) vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Neuzeit

171) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Territorialstaat

172) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Absolutismus

173) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Merkantilismus

174) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Handelskompanie

175) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Steuer
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Steueraufkommen_(Deutschland)

176) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Festung#Geschichte_der_neuzeitlichen_Festung
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Bastion

177) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalismus

178) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalstaat

179) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrpflicht

180) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnische_Säuberung

181) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Minderheit
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnische_Minderheit

182) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Staatsangehörigkeit
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Ausbürgerung
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Staatenloser

183) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Flüchtling
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Zwangsmigration
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Deportation
Des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Vertreibung
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Abschiebung_(Recht)
Für die zahlreichen staatenlosen Flüchtlinge in der Zwischenkriegszeit
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zwischenkriegszeit
führte der Polarforscher und Diplomat Fridtjof Nansen als Hochkommissar des Völkerbundes
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkerbund
für Flüchtlingsfragen den sogenannten „Nansen-Paß“ ein:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nansen-Pass

184) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gebietsanspruch

185) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Territorialstreitigkeiten

186) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Imperialismus

187) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Ratzel

188) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Haushofer

189) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Maull

190) Siehe: Otto Maull: Politische Grenzen. (= Dr. A. Grabowsky (Hg.): Weltpolitische Bücherei Band 3). 1928, Berlin. S. 18-19.

191) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdarwinismus

192) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geopolitik

193) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkerverständigung

194) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hoheit_(Staatsrecht)

195) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkerrecht
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Souveränität#Souveränität_im_Völkerrecht

196) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Naturpark_Maas-Schwalm-Nette
Sowie: https://www.naturpark-msn.de

197) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Europaregion
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Euregio_Maas-Rhein

198) Vgl.: https://www.waldwildnis.de
Sowie: https://www.npsumava.cz

199) Vgl.: https://www.cheskesvycarsko.cz

200) Vgl.: https://www.nationalpark-unteres-odertal.de

201) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Biotopverbund

202) Vgl.: Peter Fink, Uwe Rieken: Biotopverbund über Grenzen hinweg! In: Heike Leitschuh u.a. (Hg.): Jahrbuch Ökologie 2015. Re-Naturierung. Gesellschaft im Einklang mit der Natur. 2014, Stuttgart. S. 62-68.

203) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Grünes_Band_Europa

204) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Grünes_Band_Deutschland

205) Vgl.: https://www.graenslandet.se
Sowie: https://femundsmarkanasjonalpark.no/en/

206) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Svenska_Turistföreningen
Sowie: https://www.svenskaturistforeningen.se

207) Vgl.: https://www.dnt.no/
Sowie: http://deutsch.turistforeningen.no/

208) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Union_zwischen_Schweden_und_Norwegen
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Norwegens#Union_mit_Schweden_(1814-1905)

209) Vgl.: Fridtjof Nansen: Norwegen und die Union mit Schweden. 1905, Leipzig.

210) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ostsee

211) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Dominium_maris_baltici

212) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Dreißigjähriger_Krieg

213) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Schwedens#Schweden_als_Großmacht_(1611-1719)
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Schwedisches_Reich

214) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Norwegens#Union_mit_Dänemark_(1523-1814)
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Dänemark-Norwegen

215) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Frieden_von_Brömsebro

216) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Värmlands_Museum

217) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Großer_Nordischer_Krieg

218) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Russisches_Kaiserreich

219) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Peacekeeping

220) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Strukturelle_Gewalt
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Johan_Galtung

221) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Entmilitarisierte_Zone
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Atomwaffenfreie_Zone

222) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Antarktis-Vertrag

223) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Politischer_Status_der_Antarktis

224) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Internationales_Geophysikalisches_Jahr

225) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Internationales_Polarjahr

226) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Staatsentstehung
Vgl. insbesondere: James C. Scott: Die Mühlen der Zivilisation. Eine Tiefengeschichte der frühesten Staaten. 2022, Berlin.

227) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hochkultur_(Geschichtswissenschaft)

228) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Polargebiet

229) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Folgen_der_globalen_Erwärmung_in_der_Arktis

230) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Arktischer_Rat

231) Siehe: Gerd Braune: Die Arktis. Portrait einer Weltregion. 2016, Bonn. S. 132.

232) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Politischer_Status_der_Arktis

233) Ein bekanntes Beispiel für einen geopolitisch, machtpolitisch und wirtschaftspolitisch motivierten „Wettlauf“ (scramble) von Großmächten
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Großmacht
und Weltmächten
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltmacht
ist der sogenannte „Wettlauf um Afrika“ (Scramble for Africa):
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wettlauf_um_Afrika
im Zeitalter des Imperialismus
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Imperialismus#Zeitalter_des_Imperialismus_(ca._1870-1914)
Das Zeitalter des Imperialismus kulminierte in zwei Weltkriegen.

234) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Greenpeace

235) Vgl.: https://www.greenpeace.de/publikationen/arctic-sanctuary-arktis-schutzgebiet
Sowie: https://en.wikipedia.org/wiki/Arctic_sanctuary

236) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Biosphärenreservat

237) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erbe der Menschheit

238) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Reisefreiheit
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Freizügigkeit

239) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/KSZE
Der KSZE-Prozeß ist dokumentiert in: Europäische Menschenrechtsdokumente und der KSZE-Prozeß. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.): Menschenrechte. Dokumente und Deklarationen. 1995, Bonn. S. 219-457. Wenn man heute die Dokumente des gesamten KSZE-Prozesses noch einmal liest, wird deutlich, wie erheblich die heutige Politik in Europa vom KSZE-Prozeß und dessen Intentionen abgewichen ist. Die Beendigung des KSZE-Prozesses Mitte der 90er Jahre korreliert signifikant mit der Zunahme von Krisen, Konflikten und Kriegen in Europa, die wir seither feststellen müssen.

240) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Entspannungspolitik
Sowie: Gottfried Niedhart: Entspannung in Europa. Die Bundesrepublik Deutschland und der Warschauer Pakt 1966 bis 1975. Bonn, 2014.

241) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wandel_durch_Annäherung

242) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Charta_von_Paris

243) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Femundsmarka-Nationalpark
Sowie: https://femundsmarkanasjonalpark.no/en/

244) Vgl.: https://www.graenslandet.se

245) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Pulka

246) Grundlegende Kenntnisse für die erfolgreiche Planung und Durchführung von mehrtägigen Wintertouren bieten die folgenden Bücher:
Rainer Höh: Winterwandern. 2006, Bielefeld.
Lars Fält: Outdoor im Winter. Ausrüstung, Sicherheit und Know-how für Wintertouren. 2013, Stuttgart.
Dietmar Heim, Dirk Klawatzki: Wintertrekking. 2013, Welver.

Nachfolgend einige weitere, für Wintertouren nützliche Informationen:
http://www.sarekmaniac.de/03_Ausruestung/Ausrustung.htm
http://www.sarekmaniac.de/07_Links/Links.htm
http://www.rgs.org/NR/rdonlyres/6F643E3F-3167-466F-ABED-95F6915FDE2C/0/PolarManual.pdf
http://www.instant-trout-company.de/tipsundtricks.html

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------Ein Winter im Skandinavischen Gebirge. Erlebnisse an der nördlichen Periferie Europas
im Winter 2013/14. Ein Erlebnisbericht. Textversion 09.
Mein Erlebnisbericht kann mit zahlreichen Fotos auf meiner Internetseite aufgerufen werden:
https://manfredsuchan.net/ein-winter-in-schweden
Dort kann zudem mein Erlebnisbericht im PDF-Format herunter geladen werden. 

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Manfred SUCHAN
Geograf und Outdoorguide
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Über meine Reisen berichte ich auf meinen Internetseiten:
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Kahles Fiell auf dem Hochplateau des Fulufjells während einer Schneeschuhtour mit einer Tourengruppe am 10.02.2015.

Die zahlreichen glazialzeitlichen Seen in Schweden sind ideal für mehrtägige Kanutouren, hier auf dem See Skallbergssjön (195 m) in Värmland am 20.08.2016. 

Ein Sommer in Schweden

Erlebnisse an der nördlichen Periferie Europas im Sommer 2016

Ein Erlebnisbericht von Manfred Suchan

 

1. Einleitung

Im Sommer 2016 war ich erneut als Saisonmitarbeiter des Reise- und Tourenveranstalters "Rucksack Reisen" (1) tätig gewesen. „Rucksack-Reisen“ veranstaltet in Schweden im Sommer mehrtägige Kanutouren, Fjellwanderungen und Fahrradtouren, sowie im Winter Touren mit Schneeschuhen und Skiern durch die tief verschneiten Landschaften des skandinavischen Fjells (2) im Skandinavischen Gebirge (3). Zusätzlich zu den Veranstaltungen in Schweden betreibt der Reiseveranstalter „Rucksack-Reisen“ im Sommer ein Sommercamp am naturbelassenen Mittellauf der Loire in Frankreich, von wo aus mehrtägige Kanutouren auf der Loire veranstaltet werden. Der Reiseveranstalter “Rucksack Reisen” ist Mitglied im Tourismus-Dachverband “Forum Anders Reisen” (4), dessen rd. 150 Mitglieder sich dem Leitbild eines nachhaltigen und naturverträglichen Tourismus verpflichtet haben. Seitdem ich im Jahre 2006 den Tourenveranstalter "Rucksack Reisen" kennengelernt habe, bin ich immer wieder als Tourenbegleiter und Outdoor-Guide sowohl im Sommer als auch im Winter in Schweden und auch an der Loire mit „Rucksack-Reisen“ unterwegs gewesen. 
 
In Schweden unterhält der Touren- und Reiseveranstalter “Rucksack Reisen” mehrere touristische Destinationen, darunter das „Aktivcamp Idre“ mit dem „Rucksack Idre Stugor“ (5) bei der kleinen Stadt Idre (6) im Nordwesten der Provinz Dalarna (7) in Mittelschweden, des Weiteren die Ferienanlage „Gammelbyns Stugby“ (8) in der südlich angrenzenden Provinz Värmland bei Rattsjöberg (9) in der Nähe der Stadt Torsby, und das „Aktivcenter Stömne“ im Dorf Stömne ebenfalls in der Provinz Värmland in der Nähe der Stadt Arvika, sowie ein Sommercamp am See Laxsjön in der Nähe der Stadt Bengtsfors in der Provinz Västra Götaland (Dalsland) und zudem den Kanuverleih „Kanucenter Arvica“ (10). 

2. Inhalt 

  1. Einleitung 
  2. Inhalt 
  3. Im Kanuland Dalsland 
  4. Am Rande der Wildnis am Skandinavischen Gebirge 
  5. Abenteuer im Värmland 
  6. An der Vegetations- und Klimagrenze des „Limes norrlandicus“ 
  7. Weitere Abenteuer im Värmland 
  8. Wieder am Rande der Wildnis am Skandinavischen Gebirge 
  9. Zu Fuß in die Wildnis des „Gränslandet“ im Skandinavischen Gebirge 
10. Industrielle Forstwirtschaft und Biodiversitätskrise 
11. Anmerkungen 

3. Im Kanuland Dalsland 

 In der Sommersaison fahren die Reisebusse von “Rucksack Reisen” jeden Freitag von Münster mit einem Zwischenstop am Fernbusbahnhof in Hamburg nach Schweden. Am 01.07.2016 war ich in Hamburg zugestiegen und erreichte nach einer Nachtfahrt und zwei Fährüberfahrten über die sogenannte „Vogelfluglinie“ (11) am frühen Morgen des 02.07.2016 das Sommercamp des Tourenanbieters “Rucksack Reisen” am See Laxsjön in der Nähe der Stadt Bengtsfors in der Provinz Västra Götaland (Dalsland) (12). Dieses Sommercamp befindet sich auf dem Gelände des Campingplatzes „Laxsjöns friluftsgård“ am Ufer des Sees Laxsjön, der eine Wasserspiegelhöhe von 76 m hat. Das Sommercamp ist Ausgangsort von einwöchigen und zweiwöchigen Kanutouren. Diese mehrtägigen Kanutouren des Tourenanbieters “Rucksack Reisen” werden mit Canadiern (13) durchgeführt, die viel Platz für die mitgeführte Ausrüstung bieten und die sich deswegen hervorragend für auch wochenlange Kanutouren eignen. Bei meiner Ankunft regnet es dort aus wolkenverhangenem grauem Himmel. Immerhin soll das Wetter (14) in der vergangenen Woche überwiegend sonnig gewesen sein. 
 
Morgen werde ich hier als Tourenbegleiter mit einer Gruppe zu einer einwöchigen Kanutour „Kanuwoche Dalsland“ (15) starten. Aufgrund der vielen Seen, die oft miteinander verbunden sind, ist Dalsland eine für Kanutouren beliebte Region (16). 11% der Landesfläche von Dalsland sind von Gewässern bedeckt, sodaß Dalsland eins der beliebtesten Paddelreviere in Europa ist. Dalsland liegt im klimatisch begünstigten südlichen Teil von Schweden, und das Klima entspricht weitgehend dem in Norddeutschland und Dänemark. Obwohl im klimatisch begünstigten südlichen Schweden gelegen, ist die Landschaft in Dalsland auch heute noch dünn besiedelt und sie ist von Seen und Wäldern geprägt. Dalsland im südlichen Schweden ist vom mittleren Europa aus ohne lange Anfahrten gut zu erreichen, sodaß die Region insbesondere auch bei Kanuten aus dem mittleren Europa beliebt ist. In der Region Dalsland und Nordmarken hat die Organisation DANO für die mittlerweile zahlreichen Kanufahrern rd. 110 Lagerplätze mit einfachen Schutzhütten, Feuerstellen und Trockentoiletten angelegt (17). Wildnisregionen (18) sind in Schweden erst weiter nördlich im Skandinavischen Gebirge zu finden. 
 
03.07.2016: Meine Gruppe, mit der ich heute zu einer einwöchigen Kanutour „Kanuwoche Dalsland“ starte, hat einschließlich mir insgesamt 14 Teilnehmer, davon die Hälfte Kinder im Alter von 6 bis 15 Jahren. Parallel startet eine weitere Gruppe mit 13 Teilnehmern, darunter ebenfalls ca. die Hälfte Kinder, sowie eine dritte Gruppe mit sechs erwachsenen Teilnehmern. Der Tag beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück. Es folgt das Verpacken der persönlichen Ausrüstung der Tourteilnehmer in wasserdichte Packsäcke. Als Bestandteile der Gruppenausrüstung werden wie auf jeder mehrtägigen Kanutour des Tourenveranstalters „Rucksack-Reisen“ Zelte, Werkzeug und Campingküchenausrüstung sowie Lebensmittel verpackt in wasserdichten Tonnen mitgenommen. Anschließend erhalten die Tourteilnehmer die Canadier, mit denen sie auf Tour gehen werden, sowie Paddel mit einer individuell passenden Schaftlänge und Schwimmwesten in einer individuell passenden Größe. Die Schwimmwesten müssen während der Kanutour im Boot auf dem Wasser stets getragen werden. 
 
Bei jeder Kanutour erfolgt vor dem Tourbeginn eine Kanueinweisung, bei der die Tourenbegleiter das Ein- und Aussteigen ins Boot, die richtige Paddelhaltung und die wichtigsten Paddelschläge erklären und demonstrieren (19). Bestandteil der Kanueinweisung ist zudem die Demonstration einer „Boot-über-Boot-Bergung“ (T-Bergung), die nach Möglichkeit mit den Tourteinehmern auf dem Wasser geübt wird. Sowohl die Verwendung der Schwimmwesten, als auch die „Boot-über-Boot-Bergung“ können tödliche Kanuunfälle auf dem Wasser verhindern. Dabei ist das größte Risiko insbesondere auf größeren Seen fernab vom Ufer die Gefahr einer Unterkühlung (Hypothermie) (20) von gekenterten Kanuten, die den Verlust des Bewußtseins und eine Lähmung der Muskulatur zur Folge haben kann. Diese Gefahr wird oft erheblich unterschätzt, denn das Wasser großer Seen im nördlichen Europa kann je nach Jahreszeit und Wetterlege sehr kalt sein (21), und dies auch im Sommer. Deswegen soll in Ufernähe gefahren werden, und große Seen sollen nach Möglichkeit nicht überquert werden. 
 
Kurz nach 12:00 Uhr sind die Canadier beladen und die Tour beginnt. Vorerst ist das Wetter wechselhaft und es gibt in dichter Folge Regenschauer. Gegen 13:00 Uhr beträgt die Lufttemperatur über dem See Laxsjön (76 m) +18 °C und die Temperatur des Oberflächenwassers +16 °C. Hinter unserer Parallelgruppe überqueren wir den See Laxsjön nach Norden und fahren ca. einen Kilometer östlich des Ortes Billingsfors in eine Bucht hinein, an deren westlichem Ende ein Teilstück des Dalslandkanals (22) beginnt. Es folgt die Passage von insgesamt vier Schleusenanlagen, die Letzte eine Doppelschleuse mit zwei Schleusenkammern. Nun gelangen wir in den See Bengtsbrohöljen (90,3 m), den wir durchfahren. Nach gut zwei Kilometern Fahrt durch den See Bengtsbrohöljen erreichen wir an dessen Nordende die Stadt Bengtsfors, wo zwei weitere Schleusen zu passieren sind. Wir haben uns beeilt, da am späteren Nachmittag der Schleusenbetrieb eingestellt wird und wir die Boote und die gesamte Ausrüstung dann aufwändig hätten umtragen müssen. Nun sind wir am Südostende des Sees Lelång (93 m) (23) angelangt. Unsere heutige Fahrt endet gegen 19:00 Uhr an einem Lagerplatz mit Feuerstelle an der Nordseite einer Insel, die nördlich des Ortes Gran in den See Lelång hineinreicht. Nach dem Aufbau der Zelte wird an der Feuerstelle gemeinsam Essen gekocht. 
 
04.07.2016: Am Morgen gegen 7:00 Uhr ist das Wetter sonnig und die Lufttemperatur beträgt +11 °C. Zum Frühstück wird u.a. an der Feuerstelle schwedischer Kochkaffee gekocht. Regelmäßig backe ich auf meinen Kanutouren zum Frühstück am Kochfeuer in der Pfanne Pfannekuchen. Meine Pfannekuchen sind insbesondere bei den Kindern beliebt, und stets entsteht eine Warteschlange für die nächsten Pfannekuchen. Pfannekuchen backe ich morgens stets so lange, bis sich niemand mehr in die Warteschlange anstellt. Nach dem Campabbau und dem Beladen der Canadier setzen wir die Kanutour auf dem See Lelång nach Norden fort. Das Wetter bleibt den Tag über heiter mit leichtem Wind aus Südwest. Die Lufttemperatur beträgt gegen 13:00 Uhr +19 °C und die Temperatur des Öberflächenwassers +15 °C. Nach einer Mittagspause folgen wir dem Westufer des Sees Lelång weiter nach Norden bis zu einem Lagerplatz nördlich des Ortes Åkerkärr, wo wir die Zelte aufbauen. 
 
05.07.2016: Das sonnige und warme Sommerwetter hält an. Bezüglich des weiteren Tourverlaufs findet eine Weiterfahrt zum See Västra Silen keine Mehrheit mehr, und die Gruppe entscheidet sich für eine kurze Rundtour über den Ort Kråkviken, wobei jedoch eine längere Portage erforderlich sein wird. So erfolgt die Weiterfahrt gegen 12:30 Uhr über den See Lelång nach Südosten, bis die Landstraße 172 erreicht ist. Hier erfolgt nun die Portage von etwas mehr als einem Kilometer Länge über Teerstraßen und Schotterwege Richtung Nordnordost bis zum Camp des Kanuverleihs „Silverlake“ am Südende des Sees Västra Silen (97,1 m). Nach einer Pause fahren wir weiter nach Nordosten Richtung des Ortes Krokfors, wo wir ca. 500 m weiter südlich einen Lagerplatz anlaufen und dort unser Camp errichten. 
 
06.07.2016: Der Tag wird erneut heiter und warm. Die Abfahrt erfolgt gegen 12:30 Uhr, und wir fahren zuerst zur nahegelegenen Schleuse Krokfors. Hier gibt es eine Einkaufsmöglichkeit, und wir können geräucherten Fisch, Knäckebrot und Milch einkaufen. Nun überqueren wir den See Västra Silen nach Nordwesten zum Ort Vårvik. Eine Kirche steht dort weithin sichtbar auf einer Insel, die über einen Damm mit dem Festland verbunden ist. Der Wind kommt heute aus Nordwest, an den Vortagen war es Südwest. Wir überqueren nun den See Västra Silen nach Südost. Kurz nach 14:00 Uhr beträgt die Lufttemperatur +18 °C und die Temperatur des Oberflächenwassers im See Västra Silen +16 °C. Bei Skifors erfolgt eine kurze Portage über einen Damm mit einer Landstraße, womit wir den See Svärdlång (95,5 m) erreichen. Nach weiteren zwei Kilometern Fahrt gelangen wir am Südende des Sees Svärdlång zu einer von Norden in den See hineinreichende Halbinsel mit einem Lagerplatz, wo wir gegen 16:00 Uhr unser Camp aufbauen. Hier treffen wir auch auf unsere Parallelgruppe. Der See läd zum Baden ein. 
 
07.07.2016: Der Tag ist erneut sonnig. Nach der Abfahrt gegen 11:00 Uhr durchqueren wir den schmalen See Svärdlång (95,5 m). Zwischen Bengtsfors und Skåpafors erreichen wir die Landstraße 164 mit einem Rastplatz, wo wir eine Mittagspause einlegen. Danach fahren wir am Ufer entlang nach Westen und passieren eine kleine, niedrige Brücke. Danach erwartet uns neben einem Stauwehr eine Portage. Die Boote müssen samt Ausrüstung ca. 500 m an einer Fabrikanlage vorbei den Hang herunter getragen werden. Dann erreichen wir den See Laxsjön (76 m) und folgen dessen Westufer. Der kleine Lagerplatz an der Landspitze gegenüber der Halbinsel Baldersnäs ist von einer anderen Kanugruppe belegt. Daraufhin überqueren wir den See Laxsjön bei Wind und hohen Wellen aus SSW hin zum Nordufer der Halbinsel Baldersnäs. Am dortigen Lagerplatz treffen wir auf unsere Parallelgruppe, mit der wir uns den Lagerplatz teilen. Mittlerweile ist dort ein Grill- und Kochplatz mit einem Unterstand und einer Trockentoilette angelegt worden, den es in den Vorjahren noch nicht gegeben hatte. Den Abend gestalten beide Kanugruppen zusammen. 
 
08.07.2016: Über Nacht hat sich von Süden eine dichte Wolkendecke über die Landschaft um den See Laxsjön geschoben, und am frühen Morgen regnet es kurz. Doch über den Vormittag hinweg heitert es zunehmend auf, bis sich gegen Mittag erneut die Sonne durchsetzt. Nach einem ausgiebigen Frühstück gemeinsam mit unserer Parallelgruppe starten wir gegen 11:30 Uhr mit unseren bepackten Kanus von unserem Lagerplatz am Nordende der Halbinsel Baldersnäs und folgen der Westküste nach Norden bis zu einer Anlegestelle in der Mitte der Halbinsel. Von hier aus erreicht man nach kurzem Weg das Zentrum der Halbinsel Baldersnäs mit alten landwirtschaftlichen Gebäuden, einem Naturum, Cafés und Souvenierläden. Die Gebäude sind von einer Parklandschaft mit altem Baumbestand umgeben. Nicht zuletzt aufgrund der Lage im See ist die Halbinsel Baldersnäs klimatisch begünstigt, sodaß wärmeliebende Laubbaumarten dominieren: Eichen, Linden, Ulmen, Eschen, Roßkastanien, Rotbuchen, zudem Bergahorn, Schwarzerlen, Mehlbeere u.a. Wir befinden uns hier unübersehbar und eindeutig innerhalb der Vegetationszone (24) des Laubmischwalds (25) des mittleren Europas. 
 
Der Wind aus Süden ist heute deutlich schwächer als am Vortag, sodaß wir auf dem See Laxsjön zum Campingplatz Laxsjöns friluftsgård, auf dessen Gelände sich das Sommercamp des Tourenanbieters „Rucksack-Reisen“ befindet, zügig und ohne nennenswerte Beeinträchtigung durch Wellen weiterfahren, die uns gestern Nachmittag bei der Überquerung des Sees Laxsjön zu schaffen gemacht hatten. Am Strand beim Campingplatz erfolgt die Entladung der Canadier und der Transport der Ausrüstung zum Sommercamp. Wie nach jeder mehrtägigen Outdoor-Tour erfolgt nun gemeinsam mit den Teilnehmern der Kanutour die Endreinigung der gesamten Ausrüstung, die am morgigen Samstag von der nächsten startenden Kanugruppe in gereinigtem und vollständigen Zustand übernommen wird. Anschließend packe ich meine persönliche Ausrüstung, da ich morgen mit dem aus Deutschland ankommenden Reisebus gegen 6:00 Uhr nach Idre weiterfahren soll, um dort mit einer Gruppe auf Tour zu gehen. 
 

4. Am Rande der Wildnis am Skandinavischen Gebirge 

 09.07.2016: Am frühen Morgen um 4:30 Uhr ist es beim Sommercamp am See Laxsjön heiter bei einer Lufttemperatur von +8 °C. Der Sonnenaufgang ereignet sich kurz vor 5:00 Uhr und kurz darauf bildet sich Bodennebel. Die Reisebusse aus Deutschland treffen nach einer Nachtfahrt gegen 6:15 Uhr mit neuen Tourteilnehmern beim Sommercamp des Tourenveranstalters „Rucksack-Reisen“ am Laxsjön ein. Nach einer kurzen Pause zum Ausladen und Umladen steige ich zu, und die Fahrt geht weiter nach Stömne und Arvika, wo die Busse weitere Zwischenstops einlegen und Reisegäste aussteigen. Dann fahren die Reisebusse bei Sunne auf die Autoschnellstraße E 45, und die Fahrt geht vorbei an der Stadt Torsby nach Malung, wobei die Flüsse Klarälven und Västerdalälven überquert werden. Bei der Weiterfahrt über Sälen und Särna gelangen wir nun in das Skandinavische Gebirge, und es gibt stärkere Regenschauer. Sälen ist ein bedeutender Wintersportort und Startplatz des jährlich stattfindenden Wasalaufs. 
 
Hier am Rande des Skandinavischen Gebirges verläuft die Fahrt nun durch ausgedehnte Wälder der zirkumpolaren Klima- und Vegetationszone des Borealen Nadelwaldes (26). Es dominieren hier Fichten, Kiefern und Birken. Im gesamten Fennoskandinavien (27) sind diese Borealen Nadelwälder heute durch die gleichförmigen Monokulturen der industriellen Forstwirtschaft, durch die großflächige forstindustrielle Bewirtschaftung durch Großmaschinen und durch großflächige Kahlschläge geprägt. In diesen Nutzholzplantagen der industriellen Forstwirtschaft bilden dicht stehenden Kiefern oder Fichten Reinbestände, die eine einheitliche Größe und gleiches Alter haben. Nach ca. 80 Jahren werden die Bestände dieser Monokulturen von forstindustriellen Großmaschinen von Typus „Harvester“ großflächig abgeschitten, und es entstehen riesige Kahlschläge von oft mehreren Quadratkilometern. Lediglich in Naturschutzgebieten, die in Schweden knapp 15% der Landesfläche ausmachen, und in denen keine Forstwirtschaft betrieben wird, kann man einen Eindruck davon gewinnen, wie naturbelassene Wälder mit mehrhundertjährigen mächtigen Baumindividuen aussehen. Diese naturbelassenen Naturschutzgebiete, die häufig Wildnischarakter haben, befinden sich insbesondere im Skandinavischen Gebirge. 
 
Die Reisebusse treffen gegen 14:00 Uhr beim „Aktivcamp Idre“ und dem „Rucksack Idre Stugor“ bei der kleinen Stadt Idre im Nordwesten der Provinz Dalarna ein. In Idre werde ich heute als Tourenbegleiter mit einer Gruppe von insgesamt sechs Teilnehmern zu der einwöchigen Outdoor-Tour „Wildniswoche“ (28) starten. Die „Wildniswoche“ besteht aus einer dreitägigen Trekkingtour über einen Teil des Fulufjells (29), dem südlichsten Fjellgebiet in Schweden, sowie einer dreitägigen Kanutour durch ein Seengebiet beim Ort Nornäs mit den Seen Ransi, Noren, Tyri, Kullhån, Kyrkkamfjärden und Horrmunden, die über den kleinen Fluß Björnån miteinander verbunden sind. Hierbei fahren die Tourteilnehmer mit Fahrrädern zum jeweiligen Ort, an dem diese Touren beginnen. M.E. ist die „Wildniswoche“ eine der schönsten und abwechslungsreichsten Outdoor-Touren, die der Tourenanbieter „Rucksack-Reisen“ in Schweden veranstaltet. Die Tourteilnehmer haben innerhalb dieser einwöchigen Tour sowohl die Möglichkeit, verschiedene unterschiedliche Naturlandschaften kennenzulernen, die das mittlere Skandinavien prägen, als auch die Gelegenheit, verschiedene Reiseformen (Trekking, Kanufahren, Radfahren) zu praktizieren. Diese „Wildniswoche“ war die erste mehrtägige Tour, die ich vor mehreren Jahren als Tourenbegleiter für den Tourenanbieter „Rucksack-Reisen“ mit einer Tourengruppe in Schweden durchgeführt hatte, und seither habe ich diese „Wildniswoche“ wiederholt mit Tourengruppen durchgeführt. Bei nahezu allen mehrtägigen Outdoor-Touren des Tourenveranstalters „Rucksack-Reisen“ erfolgt im Sommer die Übernachtung in mitgeführten Zelten, wobei überwiegend das Zelt „Vaude Campo“ verwendet wird. 
 
Im Skandinavischen Gebirge gibt es zudem zahlreiche Schutzhütten in verschiedenen Größen und Ausstattungen (30): Bewirtschaftete Fjellstationen, Schutzhütten mit oder ohne Hüttenwart mit regulären Übernachtungsmöglichkeiten, einfache, immer geöffnete Rasthütten für Rastpausen, oft mit einem kleinen gußeisernen Ofen zum Beheizen im Winter, in denen man im Notfall übernachten darf, sowie Windschutzhütten (Vindskydd, Shelter) in Form eines offenen Unterstandes, oft mit einer Feuerstelle davor. Für die Meisten dieser Hütten im Skandinavischen Gebirge in Schweden ist der schwedische Tourismusverband „Svenska Turistföreningen“ (STF) (31) zuständig. Der schwedische Tourismusverband und der norwegische Tourismusverband (32) erfüllen im Skandinavischen Gebirge die Aufgaben, die in den Alpen den Alpenvereinen (33) zukommen. Daher empfiehlt sich für Fjällwanderungen in Schweden eine Mitgliedschaft im schwedischen Tourismusverband, in der zudem eine Mitgliedschaft im internationalen Jugendherbergsverband enthalten ist. 
 
Die „Wildniswoche“ wird aus organisatorischen und logistischen Gründen in zwei Varianten angeboten, einer Variante, bei der zuerst die Trekkingtour über das Fulufjell erfolgt, und danach sich die dreitägige Kanutour anschließt, sowie einer weiteren Variante, bei der zuerst die Kanutour und dann die Trekkingtour durchgeführt wird. Unsere „Wildniswoche“ beginnt mit der Trekkingtour über das Fulufjell. Das Fulufjell ist ein Bestandteil des Skandinavischen Gebirges, und es ist beiderseits der schwedisch-norwegischen Grenze, die über das Fulufjell verläuft, ein Naturschutzgebiet (34). Das Skandinavische Gebirge ist ein altes Gebirge, und seine Gebirgsbildung (Orogenese) (35) erfolgte vor etwa 440 bis 390 Millionen Jahren im frühen Silur bis zum mittleren Devon während der Kaledonischen Orogenese (36). Das Skandinavische Gebirge wurde durch Erosion nachfolgend weitgehend eingeebnet; es hat den Charakter eines Rumpfgebirges (37), bei dem steile Bergspitzen (Nunatakker) weitgehend fehlen und in der Höhe Hochplateaus wie beim Fulufjell häufig anzutreffen sind, die den landschaftlichen Charakter des skandinavischen Fjells prägen. Die höchsten Erhebungen auf dem Fulufjell erreichen eine Höhe von 1047 m. Im Gegensatz zum Skandinavischen Gebirge sind die Alpen ein geologisch junges Gebirge, dessen Orogenese vor etwa 135 Millionen Jahren einsetzte und bis heute anhält, weswegen die Alpen durch mit der Höhe steiler werdende Bergspitzen geprägt sind. 
 
Nach der Vorbereitung der Tour und dem Packen der Ausrüstung gemeinsam mit den Tourteilnehmern starten wir gegen 18:00 Uhr mit Fahrrädern von Idre über Särna und weiter Richtung Mörkret am Fulufjell. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit werden wir ca. einen Kilometer hinter Särna vom Kleinbus des Tourenveranstalters „Rucksack-Reisen“, der unser Gepäck transportiert, aufgenommen und bis zu unserem heutigen Lagerplatz im Fulantal am Fuße des Fulufjell mitgenommen, wo wir gegen 20:00 Uhr eintreffen. Es erfolgt der Aufbau der Zelte und gemeinsames Kochen am Kochfeuer. Es gibt hier einige Stechmücken und vor allem große Mengen winziger lästiger Gnitzen (38), die hier kaum größer als 1 mm sind. In Kanada sind diese erheblich größer, und sie werden dort „Black Flies“ oder auch „Knots“ genannt. Oft sind Gnitzen lästiger als Stechmücken, da sie gerne in Massen auftreten und überall hin zu gelangen scheinen, in die Bekleidung und durch schlechte Moskitonetze auch in die Zelte. 
 
10.07.2016: Am heutigen Tag bleibt das Wetter heiter. Nach dem gemeinsamen Frühstück und dem Abbau der Zelte folgen wir gegen 11:30 Uhr dem Schotterweg im Fulantal ca. zwei Kilometer nach Südosten bis zu seinem Ende und steigen dann zum Fulufjell auf. Beim Aufstieg auf das Fulufjell folgen wir dem Tal des kleinen Flusses Göljån durch den Bergwald zur Göljånstugan, einem Pfad von ca. sieben Kilometer Länge. Im Tal des Flusses Göljån sind noch immer die Spuren des Unwetters des Jahres 1997 anzutreffen, u.a. umgestürzte Bäume und Muren. Während dieses Unwetters im August 1997 fielen hier innerhalb von 24 Stunden bis zu 40 cm Regen, die höchste je in Skandinavien gemessene Niederschlagsmenge, die zu großen Bergstürzen und Überschwemmungen führte. Besonders betroffen war der Fluß Göljån, dessen Wassermassen sich auf das 500-fache erhöhten. Durch die bis zu 6 m hohe Flutwelle wurden ca. 10.000 m² Bäume entwurzelt. 
 
Nach vier Kilometern Aufstieg legen wir an einer kleinen Windschutzhütte (Vindskydd, Shelter) eine Mittagspause ein. Die Waldgrenze (39) liegt hier bei einer Höhe von ca. 800 m, wobei die letzten 50 bis 100 m des Bergwaldes von Fjellbirken (40) gebildet werden. Die Waldgrenze ist die Grenze des geschlossenen Waldes, und sie wird unterschieden von der höher gelegenen Baumgrenze, die die Grenze des Vorkommens einzelner Bäume ist. Die Waldgrenze ist eine Klima- und Vegetationsgrenze, und sie trennt die Vegetationszone des Borealen Nadelwaldes von der Vegetationszone der subarktischen Tundra (41) der subpolaren Klimazone (42). Höhenlagenbedingt reicht diese subpolare Klimazone mit der Vegetationszone der subarktischen Tundra entlang des Skandinavischen Gebirges weit nach Süden bis zur Hardangervidda (43), und sie ist ein Teil der Arktis (44). Die waldfreie Bergtundra oberhalb der Waldgrenze wird im Skandinavischen Gebirge „Kahles Fjell“ genannt. Vor Erreichen der Schutzhütte Göljånstugan queren wir eine Blockhalde (45) aus rotem, ca. 900 Millionen Jahren altem Sandstein (46), einem Sedimentgestein (47), das das Fulufjellmassiv bildet. Dies ist eine Besonderheit, da das anstehende Gestein des Baltischen Schildes (48) meistens Kristallingestein (49) ist, wie z.B. Granit, Gneis und kristalline Schiefer. An den Blöcken aus Sandstein lassen sich gut farblich differenzierte Schichtungen sowie Rippeln erkennen, die Aufschluß über die Sedimentationsbedingungen und die damals herrschenden paläoökologischen (50) und paläoklimatischen (51) Verhältnisse liefern. In schattigen Geländenischen liegen hier noch jetzt im Hochsommer größere Altschneereste. 
 
Die Fjellhütte Göljånstugan erreichen wir kurz nach 17:00 Uhr. Die Göljånstugan ist eine der in den skandinavischen Fjellgebieten häufig anzutreffenden Schutzhütten, die zwar für Rastpausen bei Wanderungen genutzt werden können, die allerdings nur in Notfällen zu Übernachtungen genutzt werden sollen. Ca. 30 Meter oberhalb der Hütte bauen wir neben einigen niedrigwachsenden Fjellbirken unsere Zelte auf. In der Göljånstugan gibt es einen für Fjellhütten typischen kleinen gußeisernen Holzofen, den wir anfeuern, um auf dem Ofen zu kochen. In einem separaten Holzschuppen befindet sich zu diesem Zweck ein größerer Holzvorrat sowie Sägen und Äxte, die zum Inventar einer jeden Fjellhütte gehören. Ebenso gehört zum Inventar einer jeden Fjellhütte eine Schneeschaufel, die meist über dem Eingang oben am Giebel des Daches befestigt ist, da im Winter die Eingänge der zugeschneiten Fjellhütten und oft auch die gesamte Hütte erst aus dem oft mehrere Meter hohen Tiefschnee und hohen Schneeverwehungen ausgegraben werden müssen. 
 
11.07.2016: In der Nacht ist es bewölkt und es regnet häufiger. Im Laufe des Vormittags heitert es nach und nach auf und die Regenschauer werden seltener. Nach einem Frühstück in der Göljånstugan starten wir gegen 11:00 Uhr zu unserer heutigen Tagesetappe von ca. 14 km. Zuerst gelangen wir bei geringen Steigungen über das Kahle Fjell auf dem Hochplateau des Fulufjells. Auf dem Kahlen Fjell befinden wir uns in der Vegetationszone der subarktischen Tundra und in der subpolaren Klimazone. Höhenlagenbedingt reicht diese subpolare Klimazone mit der Vegetationszone der subarktischen Tundra entlang des Skandinavischen Gebirges weit nach Süden bis zur Hardangervidda. Dort im Süden des Skandinavischen Gebirges liegt die Waldgrenze auf einer Höhe von ca. 1100 m. In den Fjellgebieten bei Idre liegt die Waldgrenze je nach Geländeexposition bei 750 bis 900 m, und sie fällt nach Norden weiter ab, wobei sie in der Umgebung des Nordkaps (71° 10‘21‘‘ N) Meeresspiegelniveau erreicht. Zum Vergleich liegt die Waldgrenze in den Zentralalpen bei ca. 2000 m, in den nördlichen Randalpen bei ca. 1800 m, im Riesengebirge (52) bei ca. 1250 m und im Harz bei ca. 1000 m Höhe. 
 
Die klimatische Waldgrenze ist eine sensible und dynamische Grenze, an der schon geringe klimatische Veränderungen erhebliche Veränderungen im Erscheinungsbild der Vegetation zur Folge haben, und daher eignet sich die klimatische Waldgrenze insbesondere zum Studium des Klimawandels. Damit Wald wachsen kann, ist eine Vegetationsperiode (53) von mindestens zehn Wochen mit Durchschnittstemperaturen von mindestens +10 °C erforderlich. Wie kalt es im Winter wird, ist hingegen nicht wesentlich. So befindet sich z.B. ein Kältepol (54) der Nordhalbkugel bei Werchojansk in Ost-Sibirien, wo Temperaturen bis -67,8 °C gemessen wurden, im Bereich des Borealen Nadelwaldes (= Taiga). Die kälteste Temperatur in Schweden von -53 °C wurde im Jahre 1941 in der Gemeinde Vilhelmina in der Provinz Västerbottens län in Lappland gemessen, ebenfalls im Bereich des Borealen Nadelwaldes. Im obersten Teil des Waldes an der Waldgrenze befindet sich eine Krummholzzone (55). Im Skandinavischen Gebirge wird dieser oberste Teil des Waldes an der Waldgrenze über eine Höhendistanz von etwa 150 m von Fjellbirken gebildet, die vom Wind und den winterlichen Schneemassen oft bizarr geformt wurden. In den Alpen hingegen wird der Bergwald in der Krummholzzone an der Waldgrenze von Legföhren an besonnten Hängen und Grünerlen an schattigen Standorten gebildet. 
 
Die waldfreie subarktische Tundra der subpolaren Klimazone wird im Skandinavischen Gebirge “Kahles Fjell” genannt, doch auch hier wachsen Bäume wie z.B. Zwergbirken (56) und Weiden (57), die Bestandteile der Pflanzengesellschaften der subarktischen Tundra sind. Diese Bäume werden jedoch kaum höher als knöchelhoch, und sie schmiegen sich kriechwüchsig dem Boden an, weswegen sie nicht „Wald“ genannt werden, obwohl sie oft große Flächen bedecken und dichte und geschlossene Bestände bilden. Ihre Laubblätter sind winzig und meist kleiner als ein Zentimeter. Hebt man die kriechwüchsigen Stämmchen dieser Bonsaiformen etwas vom Boden an, wird deutlich, daß diese durchaus Längen von mehr als einem Meter erreichen können. Mithilfe des Kriechwuchses können diese Bäume die extremen winterlichen Klimabedingungen im langen Winter der subarktischen Tundra unter der schützenden Schneedecke überdauern, während oberhalb der Schneebedeckung sich in der kahlen subpolaren Landschaft Schneestürme ungehindert entfalten können, wobei jegliche Vegetation oberhalb der schützenden Schneedecke der Abrasion durch die vom Wind insbesondere in bodennahe Luftschichten mitgeführten Schneekristalle ausgesetzt ist, deren Wirkung ähnlich der eines Sandstrahlgebläses ist. 
 
Bei einer geringfügigen Erhöhung der Jahresdurchschnittstemperaturen beginnen diese kriechwüchsigen Bonsaiformen insbesondere in der Nähe der Baumgrenze wieder höhere Stämme auszubilden, die die winterliche Schneedecke überragen. Faktisch ist die Vegetation der subpolaren Klimazone der subarktischen Tundra zu großen Teilen ein Pionierwald (58) im Wartezustand, der bei geeigneten Klimabedingungen sofort in die Höhe wachsen kann, um einen hohen Wald zu bilden. Tatsächlich gab es schon während des postglazialen Klimaoptimums vor 8.000 bis 6.000 Jahren in Skandinavien überall dort, wo heute Tundra ist, borealen Nadelwald. Einige Reliktbestände dieses ehemaligen borealen Nadelwaldes des postglazialen Klimaoptimums haben sich sogar in der rezenten Tundra des kahlen Fjells über Jahrtausende hinweg bis heute erhalten. Ein bekanntes Beispiel ist die Fichte „Old Tjikko“ (59) auf dem Fulufjell. 
 
Nach ca. 4 km erreichen wir die Fjellhütte Tangsjöstugan. Dort laufen Wanderwege aus verschiedenen Richtungen zusammen, und wir treffen dort auf weitere Wandergruppen. In direkter Umgebung liegen einige kleine Seen mit einer Wasserspiegelhöhe von 940 m. Im weiteren Verlauf folgen wir dem markierten Sommerweg entlang des Baches Tangån nach Südosten über eine Distanz von ca. 10 km bis zur Fjellhütte Tangåstugan. Ein separater, markierter Winterweg verläuft parallel in 1 bis 2 km Abstand nordöstlich des Sommerwegs im Tangådalen durch höher gelegenes Gelände. Dieser Weg zwischen den Fjellhütten Tangsjöstugan und Tangåstugan ist ein Teil des Fernwanderwegs „Südlicher Kungsleden“ (60). Etwa zwei Kilometer vor Erreichen der Tangåstugan geht die Tundrenvegetation des Kahlen Fjells allmählich zu höherwüchsigen Vegetationsformen über. Dies ist an den Fjellbirken gut erkennbar, die auf dem Hochplateau des Fulufjells knöchelhohe, kriechwüchsige Bonsaiformen bilden, dann etwas tiefer ca. 1 m hohe Sträucher, und um die Tangåstugan gehen diese über in die bizarr geformten Fjellbirken der Krummholzzone am oberen Rand der Waldgrenze, die hier auf einer Höhe von ca. 805 m liegt. An der Waldgrenze treffen wir auf eine Erdkröte. Immer wieder bin ich erstaunt, wie häufig sowohl in den Alpen als auch im Skandinavischen Gebirge Amphibien wie Erdkröten, Grasfrösche und Alpensalamander oberhalb der Waldgrenze angetroffen werden können. Kurz nach 17:00 Uhr erreichen wir die Tangåstugan, die auf einer Höhe von ca. 795 m liegt, als die Regenschauer wieder zunehmen. Dort bauen wir unsere Zelte auf und kochen in der Hütte Essen. Dort ist noch eine weitere Wandergruppe zugegen. Später trifft noch eine größere Gruppe ein, die in Zelten und unter Planen östlich der Hütte übernachtet. 
 
12.07.2016: Über Nacht haben sich die Wolken weitgehend aufgelöst, und der Tag beginnt heiter bei einer Lufttemperatur von +11 °C um 7:30 Uhr. Nach Frühstück und Zeltabbau setzen wir unsere Fjellwanderung gegen 9:30 Uhr von der Tangåstugan nach Osten den Abhang des Fulufjells herab zum Ort Morbäkssätern fort, eine Distanz von 3,5 km. Zuerst erfolgt ein kurzer Anstieg aus dem Tangåntal hinauf aufs Kahle Fjell oberhalb der Baumgrenze bei ca. 815 m Höhe. Nach ca. einem Kilometer führt der Weg nach Osten vom Fulufjell hinab. Die Waldgrenze liegt hier bei ca. 760 Höhenmetern, und der Bergwald wird in den oberen 50 Metern von einer Krummholzzone aus bizarr geformten Fjellbirken gebildet. Nachdem wir beim Abstieg vom Fulufjell durch einen ergiebigen Regenschauer gelangt sind, treffen wir um 10:45 Uhr in der Schutzhütte Morbäkssätern ein. Kurz nach 11:00 Uhr trifft der Kleinbus des Tourenveranstalters „Rucksack-Reisen“ ein, wir erhalten Fahrräder und unsere Wanderausrüstung wird aufgeladen. 
 
Nun radeln wir eine Strecke von ca. 25 km über die Orte Sorsjön und Nornäs bis zum Südende des Sees Ransi, der auf einer Höhe von 451 m liegt. Der Kleinbus ist schon dort, und wir erhalten unsere Kanuausrüstung für die bevorstehende dreitägige Kanutour. Die Kanutour führt über mehrere Seen (Ransi, Noren, Tyri, Kullhån, Kyrkkamfjärden und Horrmunden), die über den kleinen Fluß Björnån miteinander verbunden sind. Nach einer Mittagspause führe ich die Kanueinweisung durch. Anschließend wir beladen wir die Canadier. Mit insgesamt drei Canadiern legen wir um 15:00 Uhr ab und fahren am Ostufer des Sees Ransi entlang. Gegen 15:30 Uhr beträgt die Lufttemperatur +18 °C und die Temperatur des Oberflächenwassers des Sees Ransi +17 °C. 
 
Am Nordostufer des Sees Ransi erreichen wir zuerst die Schutzhütte Dragonsbygget. In den Vorjahren haben wir bei unseren Kanutouren dort regelmäßig campiert, und dies sollte auch heute erfolgen. Zu meiner großen Überraschung treffen wir jetzt dort auf Schilder, die ein Campieren hier und in einem Umkreis von 300 m um die Schutzhütte Dragonsbygget herum verbieten. Dies ist ungewöhnlich, da hier die „Wildnistouren“ des Tourenveranstalters „Rucksack-Reisen“ seit mehreren Jahrzehnten veranstaltet werden und dies in der gesamten Region auch überall bekannt ist. Daraufhin fahren wir am Nordufer des Sees Ransi weiter nach Westen bis zur Schutzhütte Rausenkojan, die auf einer nach Süden in den See Ransi hineinreichenden Landzunge liegt. Westlich der Halbinsel befindet sich die lange Bucht Flottmyrfjärden und an deren Ende die Einfahrt in den kleinen Fluß Björnån. Überraschenderweise gibt es auch hier bei der Schutzhütte Rausenkojan Campingverbotschilder, die ein Campieren hier und in einem Umkreis von 300 m um die Schutzhütte Rausenkojan herum verbieten. Offensichtlich gibt es dieses Verbot erst seit Kurzem, denn die kleinen Schilder sind sehr neu. Wir bleiben dennoch hier, denn es ist mittlerweile 18:00 Uhr. Wir bauen die Zelte auf, baden im See und kochen in der Hütte am kleinen Holzofen, da gerade in dem Moment, als wir zum Kochen die Feuerstelle vor der Hütte benutzen wollten, ein Regenschauer niedergeht. 
 
13.07.2016: Unser Lagerplatz bei der Rausenkojan liegt idyllisch auf einer nach Süden in den See Ransi hineinreichenden Halbinsel mit Panoramablick nach Südosten über den See. Über Nacht hat sich erneut das Wettergeschehen beruhigt. Gelegentlich hört man in der Ferne das Tröten von Kranichen. Nach dem Frühstück packen wir zusammen und starten gegen 11:00 Uhr. Wir paddeln nach Südwesten durch die lange Bucht Flottmyrfjärden und in den kleinen Fluß Björnån hinein. Dort erreichen dann nach ca. 500 m einen Damm (Fjärddammen, Ransidammen) mit einer darüber verlaufenden Schotterstraße. Hier ist eine Portage erforderlich, und wir umtragen Boote und Ausrüstung. Ca. 500 m weiter gibt es im kleinen Fluß Björnån Stromschnellen bei einer kleinen Brücke Salfossen, die wir nach Besichtigung ohne nennenswerte Probleme durchfahren. Der kleine Fluß Björnån führt wenig Wasser, sodaß die Boote immer wieder auf Steinen auf- und festsitzen. Oft sieht man an den hervorragenden Teilen der Steine Abrieb von Kanus. Es ist eine materialverschleißende Paddelstrecke, die aber landschaftlich überaus abwechslungsreich und reizvoll ist. Kurz unterhalb der soeben durchfahrenen kleinen Stromschnelle und noch vor Erreichen des Sees Noren befindet sich am Flußufer ein Lagerplatz mit Windschutzhütte und Feuerstelle als möglicher Alternative zu Lagerplätzen im See Ransi. 
 
Nun gelangen wir in den See Noren (447 m) und erreichen den kleinen Ort Nornäs, wo eine Brücke mit der Landstraße W 1037 den See überquert. Die Weiterfahrt erfolgt nun vorbei am kleinen Ort Nornäs und über den See Noren, an dessen Südende wieder ein ca. ein Kilometer langer Abschnitt des Flusses Björnån folgt. An einer kleinen Windschutzhütte (Vindskydd, Shelter) am Seeufer legen wir eine Mittagspause ein, während ein Regenschauer niedergeht. Kurz darauf gibt es vor einer Brücke mit der Landstraße W 1030 ein Wehr mit nachfolgenden Stromschnellen, die nach Besichtigung von allen Tourteilnehmern ohne größere Probleme befahren werden. 
 
Wir gelangen nun in den See Tyri (444 m). Um 16:00 Uhr beträgt die Lufttemperatur +19 °C und die Wassertemperatur +18 °C. Am Westufer des Sees Tyri finden wir insgesamt vier kleine Windschutzhütten (Vindskydd, Shelter) vor: Die Nördlichste liegt in einer Bucht gegenüber einer kleinen Siedlung am Ostufer. Die Zweite liegt auf der Südwestseite einer kleinen, schmalen, dem Westufer vorgelagerten Insel. Die Dritte liegt in einer Bucht, wo im Hinterland der Wald als Kahlschlag abgeholzt wurde. Die möglichen Plätze für den Zeltaufbau sind hier ziemlich wurzelig, doch es gibt eine Feuerstelle mit Sitzmöglichkeiten. Die vierte kleine Windschutzhütte ebenfalls mit Feuerstelle befindet sich am Nordufer einer Südausbuchtung des Tyrisees mit dem Namen Björksundsfjorden, wo wir gegen 17:30 Uhr bleiben. Hinter der Schutzhütte steigt das Gelände zu einem Hügel hin an, und auch hier ist der Wald per Kahlschlag gerodet. Doch findet sich dort viel Feuerholz in Form der von den Forstarbeitern zurückgelassenen Äste. Am schmalen Uferstreifen finden sich einige wenige schmale und ebene Plätze für den Zeltaufbau. Aufgrund des Schauerwetters bauen wir aus der mitgeführten Plane (Tarp) ein Vordach vor der Schutzhütte, das die Feuerstelle überdacht. Unter der Plane kochen wir an der Feuerstelle. Zwischen den Seggen im flachen Uferwasser platschen immer wieder Fische. Voraussichtlich wäre man hier beim Angeln erfolgreich. 
 
14.07.2016: Wie es im Sommer dem üblichen Tagesgang entspricht, hat sich das Wettergeschehen über Nacht beruhigt. Zwar gibt es in der Nacht noch wenige kleine Regenschauer, doch der Tag beginnt bei schwachem Wind trotz geschlossener Wolkendecke trocken. Wir frühstücken unter der aufgespannten Plane (Tarp) vor der kleinen Schutzhütte, und ich backe Pfannekuchen auf der Feuerstelle. Gegen 12:00 Uhr setzen wir unsere Fahrt fort. Nach wenigen 100 m geht der Tyri-See (444 m) an seinem Südende in den kleinen Fluß Björnån über, den wir über eine Distanz von ca. zwei Kilometern befahren, bis er in den See Kullhån (442 m) einmündet. Dieser Flußabschnitt ist sehr abwechslungsreich. Es gibt dort einige kleine Abschnitte schneller strömenden Wassers mit Felsblöcken, an denen die Boote aufgrund geringer Wassermenge im Fluß Björnån öfter entlangschaben. Auch hier findet sich an den Steinen viel Materialabrieb von den Kunststoff-Bootsrümpfen der hier im Sommer hindurchfahrenden Kanus. Aufgrund der vorherrschenden grünen und roten Farbe dieses Materialabriebs auf den Steinen ist erkennbar, daß dieser überwiegend von den grünen und roten Kunststoff-Canadiern stammt, die der Tourenveranstalter „Rucksack-Reisen“ verwendet. Diese Kunststoff-Canadier sind zwar sehr robust, doch sie vertragen es nicht, wenn sie häufig an rauhen und scharfkantigen Steinen entlangschaben. Noch weniger vertragen es diese Kunststoff-Canadier, wenn man sie anstatt sie zu entladen und zu tragen aus Bequemlichkeit gar über steinigen oder felsigen Boden zieht, insbesondere, wenn sie schwer beladen sind. Dann entstehen insbesondere am vorderen und hinteren Ende (Bug und Heck) des hervorstehenden Kiels der Boote schnell Löcher im Bootsrumpf, die nur mit großem Aufwand repariert werden können. 
 
Immerhin gibt es auf diesem Abschnitt des kleinen Flusses Björnån keine Hindernisse, die Portagen oder auch eine Besichtigung vor deren Befahrung erfordern. In ruhigen Wasserabschnitten wachsen zahlreiche gelbblühende Teichrosen und weisblühende Seerosen, sowie Sumpfhahnenfuß und Weiteres. Wir gelangen in den See Kullhån (442 m), auf dem wir Richtung Nordwest weiterfahren, dann die Seen Kyrkkamfjärden, Tuvfjärden und Paddviken passieren und danach den See Horrmunden (442 m) erreichen. Am gegenüberliegenden westlichen Seeufer liegt der kleine Ort Digernäsåsen und am Nordostufer der kleine Ort Lövnäset. Vom Ort Lövnäset aus überqueren wir nun den See Horrmunden nach Westen und gelangen an dessen Westufer zur schmalen Durchfahrt in den See Vidjesundsfjärden, an den sich nach Nordwesten der See Idbäcksfjärden anschließt. Auf der neben der schmalen Durchfahrt von Norden in den See hineinreichenden Halbinsel legen wir eine Mittagspause mit Picknick ein. 
 
Gegen 16:00 Uhr setzen wir unsere Fahrt in den See Vidjesundsfjärden und dort weiter nach Nordwesten in den See Idbäcksfjärden hinein fort. Kurz nach 16:00 Uhr beträgt die Lufttemperatur und ebenso die Temperatur des Oberflächenwassers im See Vidjesundsfjärden +17 °C. Beeindruckend ist die nahezu vollständige Ruhe und Stille in der Landschaft: Kein Verkehrslärm, auch kein Windgeräusch, selbst Tiergeräusche wie Vogelzwitschern und Insektenbrummen sind sehr rar. Die Schutzhütte am Nordwestende des Sees Idbäcksfjärden erreichen wir gegen 17:30 Uhr. Offensichtlich wurde diese Hütte früher von Fischern genutzt, denn neben der Schutzhütte liegen weiterhin kieloben zwei alte Holzboote, die in Klinkerbauweise konstruiert sind, so wie früher schon die berühmten Wikingerschiffe (61). Diese Boote befinden sich schon seit meinem ersten Aufenthalt an diesem Ort im Sommer 2007 hier, und sie sind mittlerweile verwittert und von Flechten überwachsen. Es ist bedauerlich, daß diese Holzboote nicht für die Nachwelt erhalten bleiben, etwa in einem der mittlerweile zahlreichen Skansen-Freilichtmuseen (62). Nach unserer Anlandung erfolgt nun das übliche Programm mit Zeltaufbau und Kochen an der Feuerstelle vor der Hütte. 
 
15.07.2016: Der heutige Tag wird zum Nachmittag hin zunehmend sonnig und warm. Nach einem gemeinsamen Frühstück vor der Schutzhütte am Nordwestende des Sees Idbäcksfjärden tragen wir die gesamte Ausrüstung zu einem nahegelegenen Schotterweg. Kurz nach 11:00 Uhr wird dort diese Ausrüstung mitsamt der drei von uns verwendeten Canadier von einem Kleinbus des Tourenveranstalters „Rucksack-Reisen“ abgeholt. Außerprogrammmäßig erhalten wir diesmal keine Fahrräder für die Rückfahrt nach Idre, sondern wir werden in dem Kleinbus nach Idre mitgenommen. Die Canadier werden bei einem Zwischenstop am Südende des Sees Ransi dort für die nächste Tourengruppe deponiert, die zur „Wildniswoche“ startet, ebenso Paddel und Schwimmwesten, für deren Aufbewahrung dort eine Kiste steht. Im „Aktivcamp Idre“ mit dem „Rucksack Idre Stugor“ des Touren- und Reiseveranstalters “Rucksack Reisen” treffen wir am frühen Nachmittag ein. Die Lufttemperatur beträgt dort +21 °C. Auf dem Gelände bauen wir unsere Zelte auf, in denen wir noch einmal übernachten werden, dann erfolgt gemeinsam die Endreinigung und Übergabe der Ausrüstung, die gereinigt und vollständig mit der nächsten Tourengruppe umgehend wieder auf Tour gehen wird. 
 
Anschließend nutzen wir den übrigen Nachmittag zu einer Exkursion zu Fuß durch den kleinen Ort Idre. Unter anderem gibt es in Idre eine Touristeninformation (63) mit umfangreichen Informationsangeboten auch in deutscher und englischer Sprache, deren Besuch sehr lohnend ist, zwei größere Lebensmittelgeschäfte, einen Bankautomaten, an dem schwedische Kronen erhältlich sind, eine Tankstelle, ein Sportgeschäft mit Skiverleih, einen Campingplatz, mehrere Hotels, Restaurants und Souvenierläden, des weiteren Bushaltestellen mit Busverbindungen u.a. nach Älfdalen, Mora und Grövelsjön, sowie mehrere täglich gelehrte Postbriefkästen. Nach der Rückkehr der mehrtägigen Touren findet an jedem Freitag Abend, und so auch heute, im „Rucksack Idre Stugor“ das wöchendliche Grillen statt mit gemütlichem Abend bis Mitternacht. Danach ist es bei mittlerweile zunehmender Bewölkung und einsetzenden Regenschauern beinahe richtig dunkel, und die hellen Nächte der Mittsommerzeit um den 20. Juni herum, in denen die Abenddämmerung nahtlos in die Morgendämmerung übergeht, neigen sich in der Umgebung von Idre ihrem Ende entgegen. 
 

5. Abenteuer im Värmland 

 Am Samstag, dem 16. Juli 2016 fahre ich von Idre mit den nach Deutschland zurückfahrenden Reisebussen des Reiseveranstalters „Rucksack-Reisen“ über Särna, Sälen und Malung nach Torsby in der Provinz Värmland. Wenige Kilometer vor Erreichen der Stadt Torsby hält der Reisebus an der Autoschnellstraße E 45 beim Ort Överbyn. Von dort aus gelange ich zum in ca. 12 km Entfernung gelegenen Dorf Rattsjöberg am in einer Höhe von 196 m gelegenen See Rattsjön. Hier beim See Rattsjön befindet sich die Destination „Gammelbyns Stugby“ (64) des Reise- und Tourenveranstalters „Rucksack-Reisen“, von wo aus Tagestouren in die Umgebung, aber auch mehrtägige Kanutouren veranstaltet werden, und zudem können dort Hütten gemietet werden. Hier werde ich in den nächsten Tagen als Tourenbegleiter mitarbeiten. 
 
19.07.2016: Heute werde ich als Tourenbegleiter mit einer Kanugruppe die viertägige Kanutour „Abenteuer im Norden“ (65) durchführen. Seit zwei Tagen bin ich mit den für diese Tour erforderlichen Vorbereitungen beschäftigt. Insgesamt werden heute zwei größere Gruppen mit 19 Personen und mit 21 Personen parallel starten, darunter jeweils etwa die Hälfte Kinder. Ich werde mit der Gruppe mit 19 Teilnehmern auf Tour gehen. Die Tourteilnehmer treffen am frühen Nachmittag ein. Es erfolgt nun das Packen der persönlichen Ausrüstung der Tourteilnehmer. Die Gruppenausrüstung und die Lebensmittel hatte ich schon am Vortag zusammengestellt, überprüft und verpackt. Um 17:00 Uhr werden die Tourteilnehmer beider Gruppen von einem Reisebus in einer ca. einstündigen Fahrt über kleine Schotterstraßen und Waldwege zur Einsatzstelle am Fluß Rottnan gefahren, die sich in der Nähe der gemeinsamen Grenze von Norwegen und Schweden befindet. Zeitgleich werden die Ausrüstung und die Canadier von einem Kleinbus mit Bootsanhänger transportiert und an der Einsatzstelle entladen. Für beide Gruppen gemeinsam führe ich an Land eine Kanueinweisung durch einschließlich der Demonstration einer T-Bergung, und ich stelle zudem das Material der Gruppenausrüstung vor. Anschließend erfolgt das Beladen der Canadier. Diesmal haben wir alle Ausrüstungstonnen beider Gruppen separat nach Gruppenzugehörigkeit markiert, da es in der Vergangenheit bei Parallelgruppen öfter zu Tonnen- und Materialverwechselungen gekommen ist. 
 
Nach dem Start folgt eine Fahrt von ca. 1,5 km Länge vom Nordufer des Sees Övre Ingevattsjön zum Südostufer des Sees Nedre Ingevattsjön (203 m), wo wir einen großen Lagerplatz mit zwei Feuerstellen vorfinden, der Platz für beide Gruppen bietet, sowie reichlich Feuerholz in einem Rodungsgebiet im Hinterland des Lagerplatzes. An diesem ersten Lagerplatz demonstriere ich den Tourteilnehmern ausführlich den korrekten Aufbau der Zelte (Vaude Campo), da sich dadurch Materialdefekte (Stangenbrüche, Löcher, Reisverschlußdefekte u.a.m.) ganz erheblich vermindern lassen. Erfahrungsgemäß haben viele Tourteilnehmer nur geringe Kenntnisse vom Kanufahren, und viele nehmen das erste Mal an einer Outdoor-Tour teil und übernachten das erste Mal in einem Zelt. Daher ist es eine Aufgabe der Tourenbegleiter und der Outdoor-Guides, den Tourteilnehmern grundlegende Kenntnisse zu vermitteln, die für die erfolgreiche Durchführung und das Gelingen einer Outdoor-Tour erforderlich sind, darunter der korrekte Umgang mit Säge und Axt, die Kunst des Feuermachens mit nur einem Streichholz, auch unter widrigen Umständen, wenn es z.B. drei Tage lang geregnet hat und alles vor Nässe trieft, Kochen am Campfeuer, Knotenkunde, Aufbau von Planenkonstruktionen (Tarp), u.a.m. (66). Auf den mehrtägigen Outdoortouren entsteht im Zuge eines gruppendynamischen Prozesses im Allgemeinen schnell eine Gruppe, die zusammenarbeitet, sodaß der Tourenbegleiter bald nur noch bei Bedarf über die Vermittlung von Informationen und Kenntnissen hinaus die Gruppe anleitet. Aufgabe des Tourenbegleiters ist es nicht, die Gruppe anzuführen, seine Aufgabe ist es, die Gruppe darin zu unterstützen, daß ihre Tour gelingt und erfolgreich verläuft. Der gruppendynamische Prozeß der Gruppenbildung wird dadurch gefördert, daß die Tourteilnehmer schon bei der Reisebuchung vom Tourenveranstalter „Rucksack-Reisen“ ausführliche und detaillierte Informationen zur jeweiligen Outdoortour und ihrem Ablauf erhalten, sodaß sie die Tour gut informiert und gut vorbereitet beginnen können. 
 
20.07.2016: Der Tag beginnt heiter, und um 7:00 Uhr beträgt die Lufttemperatur +11 °C. Unser Lagerplatz hat sich als ideal für zwei große Gruppen erwiesen, da er zwei Feuerstellen und Platz für bis zu 40 Zelte bietet. Beim Frühstück wird an der Feuerstelle schwedischer Kochkaffee gekocht und ich backe in der Pfanne Pfannekuchen am Feuer. Meine Pfannekuchen sind insbesondere bei den Kindern beliebt, und stets entsteht eine Warteschlange für die nächsten Pfannekuchen. Pfannekuchen backe ich morgens immer so lange, bis sich keins der Kinder mehr in die Warteschlange anstellt. Trotz der beiden großen Gruppen und der zahlreichen Kinder gelingt heute der Campabbau und die Abfahrt noch vor 11:00 Uhr. Unsere Parallelgruppe startet zuerst. Die Weiterfahrt führt vom See Nedre Ingevattsjön (203 m) nach Süden in den kleinen Fluß Rottnan. Hier gibt es eine zu passierende Holzrutsche. Der kleine Fluß Rottnan wartet mit vielen flachen Passagen auf, bei denen die Boote häufig auflaufen. Landschaftlich ist die Strecke hingegen phantastisch. Wir gelange in den See Nedre Myrgubbsjön (200 m) wo wir am Südwestufer unsere Parallelgruppe einholen und an einem kleinen Strand eine Mittagspause einlegen. Die Weiterfahrt erfolgt auf dem Fluß Rottnan in den See Långsjön (198 m). Gegen 16:00 Uhr beträgt hier die Lufttemperatur +24 °C und die Temperatur des Oberflächenwassers +21 °C. Gegen 16:30 Uhr erreichen wir am Südostufer des Sees Långsjön einen Lagerplatz im Wald mit angelegter Feuerstelle und einem Panoramablick über den See, wo wir unser Camp aufbauen. Eine Weiterfahrt war wegen mangelnder Lagerplätze nicht ratsam, zumal unsere Parallelgruppe den nächstfolgenden Lagerplatz aufsuchen wollte. 
 
21.07.2016: Der Tag beginnt sonnig und windstill, und um 7:00 Uhr beträgt die Lufttemperatur +12 °C. Nach dem Frühstück und Campabbau setzen wir unsere Fahrt fort. Nach wenigen Metern passieren wir erneut eine Holzrutsche wie beim Start am gestrigen Vormittag. Die ersten Kilometer geht es erneut auf dem kurvenreichen und landschaftlich sehr schönen Verlauf des kleinen Flusses Rottnan entlang. Immer wieder stecken die Boote fest oder schurbeln über Steine, da der Fluß klein ist und zudem derzeit etwa 30-40 cm weniger Wasser führt, als dem Normalmittelwasserstand entspricht, wie sich am Ufer erkennen läßt. Durch eine Röhre kann man vom Fluß Rottnan in den benachbarten See Vittjärnsjön gelangen, der von dem Fluß Rottnan nicht durchflossen wird. Bei der Weiterfahrt passieren wir bei einer den Fluß überspannenden Stromleitung einen Lagerplatz mit Feuerstelle, wo offensichtlich unsere Parallelgruppe in der vergangenen Nacht campiert hat. Wir gelangen dann in den kleinen See Hötjön und kurz darauf in den See Näverbodsjön (195 m). Ab hier gibt es für den restlichen weiteren Verlauf der Kanutour keine weiteren Gefälle- und Fließgewässerabschnitte mehr. Tatsächlich hat der Fluß Rottnan ab hier den Charakter eines ca. 20 km langen Stausees mit einer einheitlichen Seespiegelhöhe von 195 m, der bis zu einem Staudamm am Südostende des Sees Skallbergsjön reicht. 
 
Am Ostende des Sees Näverbodsjön passieren wir eine Landstraßenbrücke, hinter der wir links am Ende einer Bucht anlegen und eine Exkursion zu Fuß in den kleinen Ort Lekvattnet unternehmen. Es gibt dort einen kleinen Landhandel sowie ein kleines Finnskogs-Museum, das Bestandteil des Värmlandsmuseum (67) ist, das wir heute nicht besuchen. Zudem gibt es hier Müllcontainer mit Mülltrennung zur Müllentsorgung. Die anschließende Fahrt über den langen See Lekvattensjön zieht sich. Das Wetter bleibt heiter, und warm und um 17:00 Uhr beträgt die Lufttemperatur +24 °C und die Temperatur des Oberflächenwassers +22 °C. Den von uns angesteuerten Lagerplatz am Südostende des Sees Böranjön gegenüber dem Berg Jossiberg (ca. 340 m) finden wir allerdings am Abend von unserer Parallelgruppe belegt. Es hatte die Absprache gegeben, daß die Parallelgruppe den ca. zwei km entfernten Campingplatz beim Ort Skogsgården aufsuchen wird, und wir diesen Lagerplatz. Nun sollen wir kurzfristig einen alternativen Lagerplatz finden, da es hier für zwei größere Gruppen sehr eng werden würde. Letztlich errichten wir unser Camp auf halbem Wege nach Skogsgården in Ufernähe im Wald an einem Schotterplatz an einem kleinen Forstweg gegenüber dem Ort Mårbacken, der sich als ein tauglicher und akzeptabler Ausweichort erweist. Von Stechmücken bleiben wir auf dieser Kanutour zwar weitgehend verschont, auch von Gnitzen, doch gibt es stattdessen zahlreiche Bremsen, die anders als Mücken auch auf den Seen fernab vom Ufer präsent sind. So bin ich heute ca. 30 Mal von Bremsen gebissen worden. 
 
22.07.2016: In der Nacht bleibt der Himmel klar, doch es kühlt dennoch nicht stärker ab. Gegen 04:00 Uhr beträgt die Lufttemperatur +15 °C und um 7:30 Uhr +16 °C. Unser Lagerplatz am Ufer bei Långmyren gegenüber dem Ort Mårbacken erwies sich als brauchbare Alternative, und auch der vorbeilaufende Forstweg wird offensichtlich nur selten befahren. Nach Frühstück und Campabbau setzen wir unsere Fahrt gegen 11:15 Uhr fort. Wir passieren die Straßenbrücke beim Ort Skogsgården und fahren dort an dem Campingplatz vorbei. Bei der Weiterfahrt gelangen wir an zahlreichen Baumstümpfen am Ufer und im seichten Wasser vorbei. Offensichtlich ist hier das Wasserspiegelniveau durch Aufstau angehoben worden. Unsere heutige Fahrt endet vergleichsweise früh nach ca. 8-9 km Fahrt am Nordende des Sees Skallbergsjön, wo wir am linken Ufer gegenüber dem Berg Styggberget einen sehr schönen Lagerplatz mit Feuerstelle finden, der von der Sonne beschienen wird. Dort treffen wir um 14:20 Uhr ein. In der Feuerstelle finden wir noch Glut vor, aus der wir Feuer entfachen. Eigentlich sollte jedes Campfeuer bei Abfahrt gründlich und mit viel Wasser gelöscht werden, was hier unübersehbar nicht erfolgt ist. Nun bauen wir die Zelte auf. Das hochsommerliche Wetter und das warme Seewasser laden zum Schwimmen ein. Um 16:00 Uhr beträgt die Lufttemperatur +26 °C und die Temperatur des Oberflächenwassers des Sees Skallbergsjön +24 °C. Ca. 200 m weiter südöstlich, am Ende der in den See Skallbergsjön nach Süden hineinreichenden Halbinsel gibt es noch einen weiteren Lagerplatz mit Feuerstelle. 
 
23.07.2016: Der Tag beginnt heiter, und um 7:30 Uhr beträgt die Lufttemperatur +16 °C. Nach Frühstück und Campabbau setzen wir unsere Fahrt um 11:15 Uhr fort. Entlang des Westufers des Sees Skallbergsjön paddeln wir bis zur Abholstelle am Südwestende des Sees, die wir gegen 13:00 Uhr erreichen. Östlich davon ist ein Staudamm zu sehen, der für den Rückstau des Wassers auf ein einheitliches Wasserspiegelniveau von 195 m bis zum See Hötjön oberhalb des Ortes Lekvattnet verantwortlich ist. Die Parallelgruppe ist schon dort an der Abholstelle und ebenso der Kleinbus des Tourenveranstalters „Rucksack-Reisen“ mit Bootsanhänger, sodaß die Canadier und die Ausrüstung zügig verladen werden können. Die Rückfahrt zur Destination „Gammelbyns Stugby“ erfolgt wieder in einer etwa einstündigen Fahrt im Reisebus. 
 

6. An der Vegetations- und Klimagrenze des „Limes norrlandicus“ 

 
Vom 24.07.2016 bis zum 15.08.2016 und vom 21.08.2016 bis zum 02.09.2016 unternehme ich von der Destination „Gammelbyns Stugby“ aus Tagestouren mit Tourengruppen zu verschiedenen Zielen in der Umgebung. Auf dem Programm dieser Tagestouren sind Wanderungen auf das in ca. 9 km Entfernung liegende Hovfjället mit einer Höhe von 543 m im Gipfelbereich, die Wanderung „Boviggenrundan“ am See Boviggen (326 m), die Wanderung „Fiskestiegen“ am See Rattsjön (196 m), Kanutouren auf dem See Mangen (199 m) und auf dem See Broken (128 m), Fahrradtouren um den See Broken (128 m), des Weiteren Floßtouren auf dem Fluß Klarälven (68), sowie Besuche des Elchfreigeheges „Värmlands Moose Park“ (69) und einer Huskyfarm bei Torsby. 
 
Zeitweise habe ich dabei Gelegenheit zu Fahrradexkursionen in die Umgebung. Es ist eine abwechslungsreiche, überwiegend bewaldete bergige Landschaft, in die zahlreiche Seen eingestreut sind. Auf kurzen Distanzen gibt es dort einen häufigen Wechsel unterschiedlicher Höhenlagen und Höhenstufen (70). Dementsprechend gibt es ein kleinräumiges Mosaik von Vegetations- und Klimazonen. Jeder der zahlreichen Seen in der Umgebung hat eine andere Höhenlage, die von 86 m bis über 400 m reicht. So z.B. die Seen: Kilen 86 m, Kläggen 88 m, Broken 127 m, Rattsjön 196 m, Mangen 199 m, Boviggen 326 m, Kroksjön 385 m, Hällsjön 402 m, Lövtjärnet 433 m. Es handelt sich auf engem Raum um ein Mosaik von Niveauunterschieden im Bereich von ca. 350 Höhenmetern. Da mit steigender Höhe die Temperatur pro 100 m um durchschnittlich 0,6 °C abnimmt, entspricht dieser Höhenunterschied immerhin einer Differenz der Jahresdurchschnittstemperatur von ca. 2,1 °C. Dem entsprechend hat jeder See ein eigenes Lokalklima und eine unterschiedliche Zusammensetzung der natürlichen Vegetation. Während das Tal des Flusses Röjdan noch der Zone des Laubmischwaldes zugeordnet werden kann, da dort überall Ackerbau betrieben wird und unter anderem Hafer angebaut wird, befinden sich die höheren Lagen zunehmend in der Zone des Borealen Nadelwaldes. Aufgrund dieser landschaftlichen Verhältnisse wird sich eine Vegetations- und Klimagrenze nicht als klar bestimmbare Linie im Gelände feststellen lassen, vielmehr gibt es ein hochgradig differenziertes Mosaik mit Übergangsbereichen, Buchten und Inseln je nach Höhenlage, Geländeniveau und Geländeexposition – soweit es sich um die jeweilige natürliche Pflanzenbedeckung (Klimaxvegetation) handelt, die die exakte Widerspiegelung der klimatischen Verhältnisse ist. 
 
Wir befinden uns hier im Bereich der Klima- und Vegetationsgrenze des “Limes norrlandicus” (71). Der Begriff des "Limes norrlandicus" wurde vom Naturforscher Carl von Linné (1707-1787) (72) auf Grundlage seiner Forschungsreisen in Skandinavien geprägt, darunter seine Lappland-Expedition (73) im Jahre 1732 und seine Reise durch Dalarna im Jahre 1734. Carl von Linné erkannte, daß sich die verschiedenen Pflanzenarten, die er ausführlich mithilfe der von ihm entwickelten binären Nomenklatur klassifiziert hatte, nicht beliebig auf der Erdoberfläche verteilen, sondern daß sie in Abhängigkeit vom jeweiligen Klima Vegetationszonen bilden, und er prägte den Begriff des „Limes norrlandicus“, einer markanten Klima- und Vegetationsgrenze, die sich etwa entlang des 61. Breitengrades durch das nördliche Europa erstreckt und die die mitteleuropäische Laubmischwaldzone von der nördlich angrenzenden, zirkumpolaren Vegetationszone des Borealen Nadelwaldes trennt. Der "Limes norrlandicus" ist zugleich auch eine kulturgeografische Grenze. So bildet er die Nordgrenze des Ackerbaus und die Südgrenze der Almwirtschaft in Skandinavien. 
 
Auf dieser Erkenntnisgrundlage konnte der Naturforscher und Geograf Alexander von Humboldt (1769–1859) (74) die Grundregel der Vegetationsgeographie (75) formulieren, die besagt, daß die Zusammensetzung der (potentiellen) natürlichen Pflanzengesellschaften (Klimaxvegetation) (76) an einem bestimmten Ort auf der Erde die exakte Widerspiegelung der jeweiligen klimatischen Verhältnisse an diesem Ort ist. Auf dieser Grundlage ließen sich nun auf der gesamten Welt Vegetationszonen und Klimazonen (77) bestimmen und unterscheiden. Die systematische Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Pflanzenstandorten, ihrer Höhe über dem Meeresspiegel und ihrer geographischen Lage ließ Humboldt zum Begründer der Vegetationsgeographie werden. Zudem gilt Humboldt als Begründer der vergleichenden Klimatologie (78). Alexander von Humboldt hatte damit begonnen, die Natur und auch den Menschen mit seinem Einwirken auf die Natur in einem ökologischen Zusammenhang mit ihren lokalen und globalen Wechselwirkungen im Rahmen einer dynamischen Forschungsperspektive zu betrachten, zu studieren und zu erforschen, und dies macht bis heute die Aktualität von Humboldt aus. Eine wesentliche Erkenntnisleistung Humboldts ist, daß sich Vegetation und Klima wechselseitig beeinflussen und bedingen, und daß sie im Zusammenhang betrachtet, studiert und analysiert werden müssen. 
 
Ein Klimawandel müßte sich insbesondere hier in dieser Region an einer Veränderung der Zusammensetzung der natürlichen Vegetation an den unterschiedlichen Lokalitäten studieren lassen, denn die Klima- Und Vegetationsgrenze des „Limes norrlandicus“ ist keine statische Grenze, sondern vielmehr eine hochdynamische Grenze, die sich im Postglazial (79) erheblich verändert hatte. So verlief während des postglazialen Klimaoptimums vor ca. 8.000 bis 6.000 Jahren die Klima- und Vegetationsgrenze des „Limes norrlandicus“ viel weiter nördlich durch Nord-Europa, etwa auf der Höhe der Stadt Tromsø, und auch die klimatische Waldgrenze lag damals deutlich höher als heute. 
 
Die Stadt Tromsø (80) im nördlichen Norwegen ist ein bedeutendes Zentrum der Polarforschung (81). Geprägt wurde die Polarforschung insbesondere durch den Polarforscher Fridtjof Nansen (1861-1930) (82), dessen berühmte Nordpolarexpedition mit dem Polarschiff „Fram“ in den Jahren 1893 bis 1896 (813 in Tromsø endete. Das Tromsø Museum (84), das ich während einer Fahrradreise durch Skandinavien am 13.06.2015 besucht habe, ist Bestandteil der Universität Tromsø. Der naturkundliche Teil dieses Museums hat die postglaziale Klimageschichte Nord-Skandinaviens zum Thema. U.a. wird dargestellt, daß während des postglazialen Klimaoptimums vor ca. 8.000 bis 6.000 Jahren das Skandinavische Gebirge, die Alpen und auch die Insel Island, die heute zu 9% von Gletschern bedeckt ist, ohne Vergletscherungen gewesen sind. Die rezenten Vergletscherungen in Europa sind erst nach dem postglazialen Klimaoptimum wieder neu entstanden, sodaß diese kein unmittelbares Relikt aus der letzten Eiszeit (= Weichsel-Kaltzeit) (85) sind, die vor ca. 12.000 Jahren endete. 
 

7. Weitere Abenteuer im Värmland 

 16.08.2016: Heute werde ich zum zweiten Mal in dieser Sommersaison 2016 als Tourenbegleiter mit einer Kanugruppe die viertägige Kanutour „Abenteuer im Norden“ durchführen. Erneut werden zwei Kanugruppen parallel starten mit jeweils 13 Teilnehmern, darunter wieder zahlreiche Kinder. In meiner Gruppe sind von den 13 Teilnehmern fünf Kinder im Alter von 7-10 Jahren. Das Wetter ist sonnig und vergleichsweise warm. Um 17:00 Uhr erfolgt die Abfahrt per Reisebus von der Destination „Gammelbyns Stugby“ zum Ort des Tourbeginns am Fluß Rottnen in der Nähe der schwedisch-norwegischen Grenze. Nach der Ankunft gegen 18:00 Uhr folgt eine Kanueinweisung und das Beladen der Canadier. Für das Zuwasserlassen der Boote wurde zwischenzeitlich eine Bootsrutsche gebaut, sodaß der Start beider Gruppen zügig erfolgen kann und wir gegen 19:00 Uhr auf dem Wasser sind. Wir fahren bis zum Südende des Sees Nedre Ingevattsjön (203 m), wo wir an dem großen Lagerplatz mit zwei Feuerstellen anlanden. Da die Gruppengrößen diesmal mit je 13 Teilnehmern kleiner sind, wollen wir die auf dieser Tour eher spärlich vorhandenen Lagerplätze in geeigneter Größe überwiegend gemeinsam mit beiden Gruppen nutzen. Unsere Parallelgruppe ist allerdings weiter gefahren. Am Folgetag erfahren wir, daß sie an diesem Abend noch bis zum See Nedre Myrgubbsjön (200 m) weiter gefahren ist und dort am Südwestufer an einem Sandstrand gelagert hat. 
 
17.08.2016: Die Nacht ist sternklar, wolkenlos und windstill. Es wird kalt. Obwohl wir uns hier noch im klimatisch begünstigten Südteil von Schweden und auf einer Höhe von lediglich 203 m befinden, kann hier Mitte August die Lufttemperatur bis an die 0 Grad Grenze absinken: Um 6:00 Uhr am Morgen beträgt die Lufttemperatur nur +1 °C. Im Schlafsack wird es kühl. Alle Tourteilnehmer haben gefroren. Es zeigt, daß es nicht übertrieben ist, sondern angemessen, wenn man für Outdoor-Touren in Skandinavien auch im Sommer einen Schlafsack verwendet, der für Frosttemperaturen ausgelegt ist, und dies nicht nur bei Fjellwanderungen im Skandinavischen Gebirge. Immerhin erwärmt die Sonne am Vormittag langsam die Landschaft. Nach Frühstück und Campabbau starten wir um 11:00 Uhr. Auf dem kleinen Fluß Rottnan ist deutlich mehr Wasser als zuvor am 20. Juli 2016, sodaß ein zügiges Fortkommen möglich ist, ohne immer wieder aufzusetzen. So ist nach weniger als zwei Stunden Fahrt der Lagerplatz am Südufer des Sees Långsjön (198 m) erreicht, wo wir auf unsere Parallelgruppe treffen. Nach einer Pause fahren wir weiter und paddeln durch eine Röhre unter einer Landstraße hindurch in den See Vittjärnsjön. Dort fahren wir am Ostufer entlang nach Süden und gelangen nach ca. 100 m an einen guten Lagerplatz mit einer Feuerstelle, der sich als Lagerplatz für unsere Touren eignet. 
 
Bei unserer Weiterfahrt auf dem kleinen Fluß Rottnan erreichen wir kurz hinter einer alten Steinbogenbrücke mit zwei Bögen am linken Flußufer eine große Wiese mit einer Scheune, wo wir erneut auf unsere Parallelgruppe treffen, die dort lagern will. Es gibt dort am Waldrand Platz für Zelte und eine Feuerstelle. Wir fahren noch ca. einen Kilometer weiter bis zu der Lichtung bei einer den Fluß überspannenden einfachen Stromleitung, wo wir anlanden und unser Camp errichten. Es gibt hier eine Feuerstelle und aufgrund erfolgter Forstarbeiten viel Feuerholz in der Umgebung. Trotz der zurückliegenden kühlen Nachttemperaturen wird es heute tagsüber einigermaßen warm. Um 16:00 Uhr beträgt die Lufttemperatur +19 °C und die Wassertemperatur im Fluß Rottnan +15 °C. Im nahegelegenen See Persilamp gibt es eine Badestelle, wo wir schwimmen gehen. Auf halbem Wege dorthin steht eine Trockentoilette. Wie an jedem Abend auf Kanutour kochen wir auch heute Abend gemeinsam am Feuer. Es ziehen Wolken auf, doch es bleibt trocken. 
 
18.08.2016: Aufgrund der Bewölkung kühlt es in der Nacht bei Weitem nicht so stark ab wie in der Vornacht. Um 6:00 Uhr beträgt die Lufttemperatur + 11 °C. Der Tag beginnt heiter. Zum Frühstück gibt es u.a. den obligatorischen, am Feuer zubereiteten schwedischen Kochkaffee und selbstgebackene Pfannekuchen. Nach dem Campabbau starten wir gegen 11:00 Uhr, kurz nachdem die Parallelgruppe vorbei gefahren ist. Wir gelangen durch den See Hötjärn und kurz darauf durch den See Näverbodsjärn (195 m). Kurz nach 12:00 Uhr erreichen wir den Ort Lekvattnet zeitgleich mit der Parallelgruppe. Die Tourteilnehmer besuchen den kleinen Landhandel, und diesmal gelingt es mir, die Gruppe für einen Besuch des gegenüberliegenden Finnskogszentrum zu gewinnen, das Bestandteil des Värmlandsmuseums ist. Thema der sehenswerten Ausstellung des Finnskogszentrum ist die Geschichte und Kultur der Waldfinnen (86), die im Zeitraum vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des 17. Jahrhunderts von Finnland in das bewaldete und kaum besiedelte Grenzgebiet zwischen Schweden und Norwegen eingewandert sind. 
 
Unsere Fahrt setzen wir auf dem See Lekvattensjön (195 m) fort. Wir gelangen bis zu dem Lagerplatz im Kiefernwald gegenüber dem Jossiberg (ca. 340 m) mit Sandstrand. Aus Osten zieht Bewölkung auf, doch es bleibt bis in den Abend hinein trocken. Um 15:30 Uhr beträgt die Lufttemperatur + 19 °C und die Temperatur des Oberflächenwassers im See vor unserem Lagerplatz + 16 °C. Nach einer Weile trifft unsere Parallelgruppe ein, die ebenfalls auf dem großen Lagerplatz ihr Camp aufbaut, zumal es dort eine weitere, zweite Feuerstelle gibt. Im Laufe des Abends löst sich die Bewölkung auf. 
 
19.08.2016: Nach Frühstück und Campabbau starten wir um 11:15 Uhr. Unsere Fahrt verläuft auf dem zu einem langen, schmalen See mit einer einheitlichen Wasserspiegelhöhe von 195 m aufgestauten kleinen Fluß Rottnan. Wir passieren den Campingplatz beim Ort Skogsgården. Eine Mittagspause legen wir am Seeufer unterhalb der Almhütte Kittorp ein, wo es eine angelegte Feuerstelle und die Möglichkeit zum Aufstellen mehrerer Zelte gibt. Vergleichsweise früh erreichen wir heute den von uns angesteuerten Lagerplatz im Wald auf einer Halbinsel am Nordende des Sees Skallbergsjön (195 m) gegenüber dem Berg Styggberget. Unsere Parallelgruppe trifft kurze Zeit später ein und lagert ca. 50 m weiter unterhalb am Ufer an einem weiteren dort vorhandenen Lagerplatz mit Feuerstelle. Mit dem Zeltaufbau werden wir knapp vor dem Einsetzen von Regen fertig. Über der Feuerstelle spannen wir eine Plane (Tarp) auf, die den Regen abhält, sodaß wir uns dort im Freien trocken aufhalten und kochen können. 
 
20.08.2016: Zum Morgen hin verdichtet sich die Bewölkung erneut, und es gibt einige kürzere, wenig ergiebige Regenschauer. Um 5:30 Uhr beträgt die Lufttemperatur + 11 °C. Nach Frühstück und Campabbau setzen wir um 11:30 Uhr parallel mit unserer Parallelgruppe unsere Fahrt auf dem See Skallsbergsjön (195 m) fort. Bei nun überwiegend heiterem Wetter folgen wir dem Westufer und erreichen die Abholstelle am Südwestende des Sees Skallsbergsjön um 13:00 Uhr. Kurz darauf trifft dort der rote Kleinbus des Tourenveranstalters „Rucksack-Reisen“ mit Bootsanhänger ein. Gemeinsam werden die Canadier und die Ausrüstung verladen. Um 14:00 Uhr erfolgt die Rückfahrt im Reisebus zur Destination „Gammelbyns Stugby“ bei Rattsjöberg. Es erfolgt dort die nach dem Ende einer jeden mehrtägigen Tour übliche gemeinsame Endreinigung der Gemeinschaftsausrüstung, die gereinigt und vollständig übergeben wird. Diese Ausrüstung wird in Kürze mit der nächsten startende Tourgruppe wieder auf Tour gehen und wird erneut mehrere Tage im Einsatz sein. Wie an allen Destinationen des Tourenveranstalters „Rucksack-Reisen“ findet auch am heutigen Freitag nach der Rückkehr der mehrtägigen Touren das wöchentliche Grillen statt mit gemütlichem Abend. 
 

8. Wieder am Rande der Wildnis am Skandinavischen Gebirge 

 03.09.2016: In der kommenden Woche werde ich zum zweiten Mal in dieser Sommersaison 2016 als Tourenbegleiter mit einer Tourengruppe von insgesamt vier Teilnehmern die einwöchige Outdoor-Tour „Wildniswoche“ durchführen. Nach Idre gelange ich mit dem aus Deutschland eintreffenden Reisebus des Tourenveranstalters „Rucksack-Reisen“, der um 9:30 Uhr den üblichen Zwischenstop beim Ort Överbyn an der Autoschnellstraße E 45 einlegt. Die Weiterfahrt verläuft über Malung, Sälen und Särna nach Idre, wo der Reisebus gegen 13:00 Uhr beim „Aktivcamp Idre“ und dem „Rucksack Idre Stugor“ eintrifft. Dort treffe ich auf die Teilnehmer meiner Tourengruppe, und gemeinsam packen wir die Ausrüstung. Bei unserer jetzigen „Wildniswoche“ werden wir wieder mit der dreitägigen Trekkingtour über einen Teil des Fulufjells beginnen, der sich die dreitägige Kanutour durch das über den kleinen Fluß Björnån verbundene Seengebiet in der Umgebung des Ortes Nornäs anschließt. 
 
Gegen 17:00 Uhr beginnt unsere „Wildniswoche“ mit einer gemeinsamen Fahrradfahrt von Idre über den Weiler Strömsildret zum Ort Mörkret am Fuße des Fulufjells, von wo wir dem Tal des kleinen Flusses Fulan Richtung Südosten bis zur Einmündung des Tales des vom Fulufjell herabfließenden kleinen Flusses Göljån folgen. Für diese Strecke von ca. 50 km benötigen wir ca. 3:30 Stunden Fahrradfahrt. Es wird am Abend kalt, sodaß wir ein wenig durchgefroren am Lagerplatz im Wald ca. 2 km vor der Einmündung des Flusses Göljån in den Fluß Fulan angelangen. Hierhin sind unsere Rucksäcke mit unserer Ausrüstung für unsere Trekkingtour über das Fulufjell schon von einem der Kleinbusse des Tourenveranstalters „Rucksack-Reisen“ gebracht worden. Am Lagerplatz bauen wir unsere Zelte auf. Anschließend wird es bald gegen 21:00 Uhr dunkel, sodaß das Kochen an der Campfeuerstelle im Licht unserer Stirnlampen erfolgt. 
 
04.09.2016: Am Morgen ist es wolkenlos sonnig, und um 8:00 Uhr beträgt die Lufttemperatur + 5 °C. Das Wetter bleibt den Tag über heiter, und es wird tagsüber angenehm warm, was nach der kalten Nacht von allen begrüßt wird. Die Tourteilnehmer schlafen lange, da sie von der vorausgegangenen nächtlichen Reisebusfahrt von Deutschland nach Schweden noch müde sind. Nach Frühstück und Campabbau starten wir daher erst um 12:30 Uhr. Ansonsten ist auf den meisten unserer mehrtägigen Outdoor-Touren ein Start gegen 11:00 Uhr ein geeigneter Zeitpunkt, um den jeweiligen Zielort früh und mit Zeitspielraum zu erreichen, zumal es mittlerweile schon wieder vergleichsweise früh gegen 21:00 Uhr dunkel wird. Dem Fahrweg im Tal des Flusses Fulan am Fuße des Fulufjells folgen wir nach Südosten bis an sein Ende nach ca. 2 km, wo das vom Fulufjell herabführende Tal des kleinen Flusses Göljån in das Tal des Flusses Fulan einmündet. Von hier aus steigen wir entlang des Göljåntals den ca. 7 km langen Wanderpfad durch den Bergwald hinauf aufs Fulufjell. Nach ca. 4 km erreichen wir eine kleine Windschutzhütte (Vindskydd, Shelter) neben einem kleinen Moor, wo wir eine Pause einlegen. Die Waldgrenze erreichen wir auf einer Höhe von ca. 800 m. Vor Erreichen der Göljånstugan queren wir wieder die Blockhalde aus dem rotem, ca. 900 Millionen Jahren altem Sandstein, der das Massiv des Fulufjells bildet. Die Altschneereste, die sich hier in schattigen Nischen am 10.07.2016 noch befunden hatten, sind mittlerweile abgeschmolzen. Die Schutzhütte Göljånstugan erreichen wir gegen 18:00 Uhr. Die Zelte bauen wir dort wieder im Windschutz einiger Fjellbirken auf. In der Göljånstugan feuern wir den kleinen Holzofen an. Während dieser bollert, kochen wir unser Abendessen am mitgeführten Trangia-Spirituskocher. 
 
05.09.2016: An unserem Lagerplatz bei der Schutzhütte Göljånstugan am Osthang des Fulufjells kurz oberhalb der Waldgrenze beginnt der Tag sonnig und windstill bei einer Lufttemperatur von + 5 °C. Auch hier wird die Waldgrenze von einer Krummholzzone mit bizarr geformten, zerzausten und knorrigen Fjellbirken gebildet. Unsere jetzige Tourengruppe läßt sich gerne am Vormittag viel Zeit, sodaß es auch heute wieder beinahe 12:30 Uhr wird, bis wir zu unserer heutigen Fjellwanderung starten. Unser Weg über das leicht wellige Hochplateau des Kahlen Fjells folgt über eine Distanz von ca. vier Kilometern dem markierten Sommer- und Winterweg zur Fjellhütte Tangsjöstugan. Die Routenführung der Winterwege weicht oft von der Routenführung der Sommerwege ab, da Winterwege oft über im Sommer unpassierbare Seen, Moore und Blockfelder hinwegführen, die im Winter zugefroren sind und unter einer Schneebedeckung liegen. Sommer- und Winterwege sind durchgehend markiert, wobei der Abstand zwischen den Markierungen so beschaffen ist, daß von jeder der Markierungen mindestens die nächstfolgende gesehen werden kann. Im Skandinavischen Gebirge sind alle Winterwege in kurzen Abständen mit liegenden roten Andreaskreuzen markiert, die auf ca. 2 m hohen Stangen montiert sind, damit diese auch bei hoher winterlicher Schneebedeckung noch erkennbar bleiben. 
 
Das Kahle Fjell oberhalb der Waldgrenze ist von subarktischer Tundra geprägt, und im Skandinavischen Gebirge reicht diese subarktische Tundrenzone der subpolaren Klimazone höhenlagenbedingt bis weit in den Süden Skandinaviens. Gegen 14:00 Uhr erreichen wir die Fjellhütte Tangsjöstugan, wo wir eine Pause einlegen. Es ist sonnig, und die Lufttemperatur beträgt + 9 °C. Die Tangsjöstugan ist eine vergleichsweise geräumige, ganzjährig geöffnete Rast- und Übernachtungshütte mit insgesamt 12 Betten (Doppelstockbetten) in vier Schlafnischen und einer kleinen Küche zur Selbstversorgung. Auf unseren mehrtägigen Wintertouren (87) über das Fulufjell mit Schneeschuhen und Langlaufski wird u.a. die Tangsjöstugan für Übernachtungen genutzt. Im weiteren Verlauf folgen wir dem Sommerweg entlang des Baches Tangån nach Südosten über eine Distanz von 10 km bis zur Fjellhütte Tangåstugan, wo wir unsere Zelte aufbauen. Dieser Weg zwischen den Fjellhütten Tangsjöstugan und Tangåstugan ist ein Teil des Fernwanderwegs „Südlicher Kungsleden“. Die Tangåstugan ist eine ganzjährig geöffnete Rast und Übernachtungshütte mit drei Betten und einer kleinen Küche zur Selbstversorgung. Hier gibt es ein Notruftelefon. 
 
06.09.2016: Am Morgen ist es bewölkt und windig und die Lufttemperatur beträgt + 6 °C. Nach einem Frühstück in der Tangåstugan starten wir kurz nach 9:00 Uhr zum Abstieg vom Fulufjell zum Ort Morbäckssätern, wo wir um 10:40 Uhr eintreffen. Beim Abstieg durch den Bergwald bei dem heutigen windigen Wetter zeigt sich wieder erneut, welch einen wirksamen Windschutz der Bergwald insbesondere im Vergleich zum darüberliegenden Kahlen Fjell bietet, auch wenn es sich nur um vergleichsweise lichten Wald aus kurzwüchsigen Bäumen handelt. Bei jedem Passieren der Waldgrenze hat man insbesondere bei windigem Wetter immer wieder erneut den Eindruck, sich abrupt in einer anderen Klimazone zu befinden. Dies ist hauptsächlich eine Folge des im allgemeinen wenig beachteten Windchill-Faktors (88). Bei Wind wird in waldfreiem Gelände die Wärme sowohl vom menschlichen Körper als auch von den durch die Sonnenbestrahlung erwärmten bodennahen Luftschichten weggeführt, und eine Auskühlung ist die Folge. Entgegen der verbreiteten Auffassung wird tagsüber durch die Sonneneinstrahlung (Insolation) (89) nicht die gasförmige Luft erwärmt, sondern der Boden und die sich am Boden befindlichen Dinge, wie insbesondere die Bäume, und diese Dinge geben die aufgenommene Wärme dann an die sie umgebende Luft ab, worüber sich ausschließlich die bodennahen Luftschichten erwärmen. Im vom Wald gebildeten und weitgehend windstillen vierdimensionalen Klimaraum wird diese erwärmte Luft festgehalten. Unterhalb der Waldgrenze ist es im Wald meistens weitgehend windstill, sodaß die tagsüber erwärmten bodennahen Luftschichten vom Wind nicht weggeführt werden können. Entfernt man den Wald an seiner Höhengrenze und an den polaren Kältegrenzen großflächig, ändert sich folglich das Klima, Schnee bleibt im Frühjahr länger liegen und es verkürzt sich die Vegetationsperiode. 
 
Ein Beispiel für Klimaverschlechterung durch Entwaldung bietet die Insel Island, die ich im Rahmen einer Fahrradreise im Sommer 2012 ausgiebig kennenlernte. Zur Zeit der sogenannten „Landnahme“ vor ca. 1100 Jahren war die Insel Island noch zu 25-30% bewaldet gewesen bis zu einer klimatischen Höhengrenze von ca. 500 m. Ca. 200 Jahre später war die Insel Island nahezu vollständig entwaldet, und das Klima verschlechterte sich insbesondere aufgrund des Wirkens des Windchill-Faktors im stürmischen Nordatlantik, wodurch u.a. nun Ackerbau nicht mehr möglich war. In seinem Buch: „Kollaps. Warum Gesellschaften überleben oder untergehen“ stellt der Evolutionsbiologe Jared Diamond ausführlich dar, daß die Insel Island „ökologisch das am stärksten geschädigte Land Europas“ ist, denn „seit der ersten Besiedlung durch den Menschen wurden die ursprünglichen Bäume des Landes und die gesamte Vegetation weitgehend zerstört, und etwa die Hälfte des ursprünglichen Bodens wurde durch Erosion in den Ozean geschwemmt“ (90). 
 
Beim Ort Morbäckssätern am Fuße des Fulufjells trifft gegen 11:40 Uhr der Kleinbus des Tourenanbieters „Rucksack-Reisen“ ein. Wir erhalten Fahrräder, mit denen wir über die Orte Sörsjön und Nornäs bis zum Südende des Sees Ransi (451 m) radeln, wo wir kurz nach 14:00 Uhr eintreffen. Hier erhalten wir die Ausrüstung für den zweiten Teil der „Wildniswoche“, unsere bevorstehende Kanutour über mehrere Seen, die durch den kleinen Fluß Björnån miteinander verbunden sind. Der Tourenveranstalter „Rucksack-Reisen“ verwendet für sämtliche Kanutouren grüne und rote Canadier aus Kunststoff, die in zwei Größen vorhanden sind: Größere mit vier Sitzbänken und kleinere mit drei Sitzbänken. Um bei mehrtägigen Touren besser das Gepäck unterbringen zu können, werden für diese mehrtägigen Touren meistens die größeren Canadier mit vier Sitzbänken verwendet, die von jeweils zwei Tourteilnehmern gefahren werden. Aktuell sind jedoch nur die kleineren Canadier mit 3 Sitzbänken vor Ort am Südende des Sees Ransi verfügbar, sodaß wir unsere Kanutour mit insgesamt drei der kleineren Canadier starten, um unser Gepäck besser unterbringen zu können. Für unsere kleine Gruppe ideal wären zwei der großen Canadier mit je vier Sitzbänken. Nach einem Mittagessen und der Kanueinweisung starten wir entlang des Ostufers des Sees Ransi. Doch starker Wind aus Südwesten drückt die Boote ans Ufer, sodaß wir gegen den Wind über den See ans gegenüberliegende Westufer paddeln und in dessen Windschutz diesem nach Nordwesten folgen. Gegen 18:00 Uhr erreichen wir dort die Schutzhütte Rausenkojan, die auf einer nach Süden in den Ransi hineinreichenden Landzunge liegt. Hier bauen wir unsere Zelte auf und kochen trotz starkem Wind an der Feuerstelle neben der Hütte. 
 
07.09.2016: Über Nacht lösen sich die Wolken weitgehend auf, und der Wind kommt zum Erliegen. Wohl aufgrund des gestrigen starken Windes aus Südwesten blieb die Nacht mild und die Lufttemperatur beträgt am Morgen + 11 °C. Das ufernahe Oberflächenwasser im See Ransi hat eine Temperatur von +12 °C. Das milde Wetter lockt zu einem kurzen Bad im See. Nach dem Frühstück und dem Campabbau setzen wir gegen 12:00 Uhr unsere Kanutour nach Südwesten in die lange Bucht Flottmyrfjärden hinein fort. Nach ca. 500 m erreichen wir einen Ransidammen (Fjärddammen), unterhalb dem der kleine Fluß Björnån den See Ransi entwässert. Hier ist wieder eine Portage erforderlich. Die Weiterfahrt erfolgt auf dem kleinen Fluß Björnån, wobei wir aufgrund des niedrigen Wasserstandes mehrmals festfahren. In der kleinen Stromschnelle bei der Brücke kurz vor Erreichen des Sees Noren (447 m) läuft eins der Boote voll Wasser, als es quer zur Strömung gerät. Unsere Weiterfahrt erfolgt vorbei am Ort Nornäs über den See Noren (447 m) bei auflebendem Wind aus Westen. Um 14:30 Uhr beträgt die Lufttemperatur +17 °C und die Temperatur des Oberflächenwassers im See Noren +13 °C. An der Windschutzhütte (Vindskydd, Shelter) am Südende des Sees Noren machen wir Rast. Über den kleinen Fluß Björnån fahren wir in Richtung zum See Tyri weiter. Nach kurzer Distanz erreichen wir das Wehr kurz vor einer Brücke mit der Landstraße W 1030 mit nachfolgenden Stromschnellen, die nach Besichtigung von allen Tourteilnehmern ohne größere Probleme befahren werden und alle Boote gut hindurchgelangen. Die Landschaft am kleinen Fluß Björnån ist auch hier schon in herbstlichen Farben, und auch die zahlreichen Teichrosen und Seerosen sind mittlerweile verblüht. Über den See Tyri (444 m) fahren wir nach Südwesten in die Bucht Björksundsfjorden hinein bis zur dortigen Windschutzhütte (Vindskydd, Shelter) am Nordufer, wo wir kurz nach 18:00 Uhr eintreffen. Wir bauen unsere Zelte auf und kochen an der dortigen Feuerstelle. Im Laufe des Abends kommt der Wind vollends zum Erliegen und der Himmel wird klar. 
 
08.09.2016: Der Tag beginnt windstill und mit dichtem Nebel über dem See Tyri und der umgebenden Landschaft. Nach Sonnenaufgang löst sich der Nebel bald auf. Am Morgen beträgt die Lufttemperatur +4 °C, doch am Vormittag wird es bald warm, sodaß ein kurzes Bad im See möglich ist. Nach Frühstück und Zeltabbau setzen wir um 11:30 Uhr unsere Kanutour fort. Es folgt ein dritter Fließgewässerabschnitt des Flusses Björnån mit einigen kleinen, leichten Stromschnellen. Dann gelangen wir über den See Kullhån (442 m) nach Nordwesten in die Seen Kyrkkamfjärden, Tuvfjärden und Paddviken, durch die man den großen See Hormunden (442 m) erreicht. Eine Mittagspause legen wir an einer Halbinsel ein, die von Norden zwischen Horrmunden und Paddviken in den See hineinreicht, ca. 500 m südöstlich des Ortes Lövnäset. Hier gibt es eine angelegte Feuerstelle und Platz für Zelte, sodaß hier ein für unsere Kanutouren geeigneter Lagerplatz ist. Weiter fahren wir nach Westen über den See Horrmunden südlich der Insel Lövön. Die Lufttemperatur beträgt am Nachmittag +18 °C und die Temperatur des Oberflächenwassers im See Hormunden +13 °C. Am Westufer fahren wir hinein in die enge Zufahrt zum See Vidjesundsfjärden und dort weiter nach Nordwesten in den See Idbäcksfjärden, wo wir um 17:00 Uhr unser heutiges Tagesziel erreichen, unseren Lagerplatz mit Feuerstelle bei der Hütte mit den zwei alten kielobenen Holzbooten. Wir bauen dort unsere Zelte auf und kochen an der Feuerstelle. Bis in den Abend hinein haben wir bestes Spätsommerwetter.  
 
09.09.2016: Über Nacht zieht Bewölkung auf und gegen Morgen regnet es einige Male kurz. Am Morgen beträgt die Lufttemperatur +12 °C. Am Vormittag bleibt es bewölkt, doch immerhin ist es nun trocken. Es gibt Frühstück mit schwedischem Kochkaffe und Pfannekuchen an der Feuerstelle. Schon gegen 10:00 Uhr trifft der rote Kleinbus des Tourenveranstalters „Rucksack-Reisen“ mit Fahrrädern ein, doch die drei Fahrer paddeln zuerst hinaus auf den See zum Angeln. Nach dem Verladen der Ausrüstung ist dann um 12:00 Uhr Abfahrt, nachdem sich die Tourteilnehmer doch zu einer Fahrradfahrt für einen Teil des Rückwegs nach Idre entschieden haben. Wir gelangen zum Ort Nornäs, wo wir an der Einmündung der Landstraße W 1030 auf die Landstraße W 1037 auf Wunsch der Tourteilnehmer in einem Café absteigen, zumal von Westen Regenwolken anrücken. Nach einer Weile werden wir hier vom Kleinbus des Tourenveranstalters „Rucksack-Reisen“ abgeholt und nach Idre mitgenommen. 
 

9. Zu Fuß in die Wildnis des „Gränslandet“ im Skandinavischen Gebirge 

 10.09.2016: In diesem Jahr 2016 endet die Sommersaison im „Aktivcamp Idre“ und im „Rucksack Idre Stugor“ am heutigen Samstag, und die Reisegäste fahren heute mit dem Reisebus zurück nach Deutschland. Im „Aktivcenter Stömne“ dauert die Sommersaison noch eine Woche länger, sodaß dort ein Reisebus am 17.09.2016 zurückfährt. 
 
Meine Absicht ist, diese Woche vom 10. bis zum 17.09.2016 für eine Wanderung in das Gebiet des Sees Rogen (91) zu nutzen. Der See Rogen liegt auf einer Höhe von 758 m, und er wird über den Fluß Röa/Røa nach Westen in den Femundsee (662 m) (92) entwässert. Der See Rogen liegt inmitten einer abgelegenen, nahezu unbesiedelten Wildnis-Region im Skandinavischen Gebirge mit dem Namen „Gränslandet“ (93), in der neun Naturschutzgebiete beiderseits der schwedisch-norwegischen Grenze zu einem Biotopverbund (94) zusammengefaßt sind. In dieser abgelegenen Wildnis-Region gibt es keine Straßen, und sie läßt sich nur zu Fuß auf einigen wenigen Wanderpfaden durchqueren, darunter dem Fernwanderweg „Südlicher Kungsleden“, oder auf dem Wasser per Kanu, wobei jedoch abseits vom See Rogen aufgrund der unwegsamen Geländebeschaffenheit zahlreiche schwierige und anstrengende Portagen zu bewältigen sind. Der Reise- und Tourenveranstalter „Rucksack-Reisen“ bietet eine zweiwöchige Kanureise durch das Gebiet das Sees Rogen an, die Expeditionscharakter hat (95). Zweifellos ist dies die abenteuerlichste Kanureise, die ein Kanureiseveranstalter in Europa anbietet. Dieses Gebiet um den See Rogen war im Eiszeitalter ein Zentrum der Vereisung, von wo aus das Gletschereis bis in so entfernte Regionen wie Brandenburg gelangte. Davon zeugen die vom Gletschereis in Brandenburg zurückgelassenen überaus zahlreichen Findlinge und Feldsteine, die u.a. aus dem Gebiet um den See Rogen stammen. Nahezu sämtliche der zahlreichen mittelalterlichen Dorfkirchen in Brandenburg sind aus diesen vom Eiszeiteis zurückgelassenen Findlingen und Feldsteinen erbaut. Charakteristisch für die Landschaft um den See Rogen sind Staffelmoränen, die sogenannten „Rogenmoränen“, und bei Geowissenschaftlern und Quartärforschern ist die Region um den See Rogen als Typlokalität für Staffelmoränen bekannt, sodaß sie ein beliebtes Exkursionsgebiet ist. 
 
Am Freitag, 16.09.2016 kann ich von einem Mitarbeiter des Reiseveranstalters „Rucksack-Reisen“ von Idre nach Stömne mitgenommen werden, sodaß für mein Vorhaben einer Wanderung in das Gebiet des Sees Rogen fünf Tage verbleiben. Fünf Tage reichen allerdings nicht für die Umsetzung meines ursprünglichen Plans einer Umrundung des gesamten Sees Rogen, einer Gesamtdistanz von ca. 90 km, sodaß ich mein Vorhaben kürzen muß. Eine Umrundung des gesamten Sees Rogen habe ich dann im Winter 2018 im Rahmen einer Schneeschuhtour mit Pulka vom 25.02. bis zum 09.03.2018 durchgeführt. 
 
11.09.2016: In der Nacht regnet es öfter, und der Tag beginnt bewölkt und mit Regenschauern bei einer Lufttemperatur von +12 ° C. Gegen Mittag klart es auf, sodaß ich gegen 12:30 Uhr mit einem Fahrrad und meinem schweren Rucksack auf dem Gepäckträger des Fahrrads vom Rucksack Idre Stugor in Richtung Grövelsjön starte. Im Rucksack habe ich u.a. ein Zelt, einen Trangia-Campingkocher und Lebensmittel für fünf Tage. Von Idre beträgt die Distanz nach Grövelsjön auf der Landstraße ca. 40 km. Das Wetter ist sonnig, und heiteres Wetter mit Wind aus Süden soll über die gesamte Woche anhalten. 
 
Die STF Fjellstation Grövelsjön erreiche ich kurz nach 15:00 Uhr. Sie liegt auf einer Höhe von 816 m beim kleinen Ort Grövelsjön (96). Gövelsjön ist im Winter ein beliebtes Langlaufskigebiet mit gespurten Loipen und zudem ganzjähriger Ausgangspunkt von Fjellwanderungen und Treckingtouren. Die STF Fjellstation Grövelsjön wird vom schwedischen Tourismusverband „Svenska Turistföreningen“ unterhalten, der für die meisten Fjellhütten im Skandinavischen Gebirge in Schweden zuständig ist. Die STF Fjällstation Grövelsjön ist Ausgangspunkt für Wanderungen und Outdoor-Touren in die umgebenden Fjellgebiete, und zudem ist sie eine bedeutende Station auf dem Fernwanderweg „Südlicher Kungsleden“. Bis zum ca. sechs Kilometer langen See Grövelsjön, der sich auf einer Höhe von 763 m befindet und durch den die Grenze zwischen Schweden und Norwegen verläuft, beträgt die Entfernung ca. einen Kilometer. Der See Grövelsjön wird durch den Fluß Grövlan entwässert, der gemeinsam mit dem Fluß Storån und dem Fluß Sörälven bei Idre in den See Idresjön einmündet, wo diese den Fluß Österdalälven bilden. 
 
Der Naturforscher Carl von Linné (1707-1778) unternahm im Jahre 1734 eine Reise durch Dalarna, bei der er nach Grövelsjön gelangte. Zuvor hatte Carl von Linné im Jahre 1732 eine Expedition nach Lappland durchgeführt. Während seiner Reise durch Dalarna studierte und beschrieb Linné die Vegetation und die Gesteine und ebenso das Leben der Menschen. Diese Reise durch Dalarna begann Linné in der Bergbaustadt Falun (97). Er reiste auf dem alten Sommerweg, der vom Mälarsee bis in das nördliche Dalarna verläuft. Von Falun aus gelangte Linné über die Orte Bjursås und Leksand an den Siljan-See (161,7 m) (98), der das geographische Zentrum von Dalarna bildet. Weiter reiste er über Rättvik, Ore, Mora, Älfdalen und Särna und gelangte nach Idre, wo er u.a. den markanten Berg Städjan (1131 m ü. NN) erstieg. Dann setzte er seine Reise nach Grövelsjön fort. Auf seiner Weiterreise erreichte Linné den Femund-See und gelangte bis zur Bergbaustadt Røros (99). Von dort reiste er wieder zurück nach Grövelsjön und Idre. Die weitere Rückreise verlief über die Orte Särna, Sälen, Malung, Nås, Floda, und Gagnef. Am 17. August 1734 kehrte der Naturforscher Carl von Linné wieder in die Bergbaustadt Falun zurück, wo seine Reise durch Dalarna endete. Auf seiner Reise durch Dalarna gelangte Linné nicht in das abgelegene und nur schwer zugängliche Wildnisgebiet um den See Rogen, das das Ziel meiner fünftägigen Rucksack-Wanderung ist. 
 
Um 15:30 Uhr starte ich von der STF Fjällstation Grövelsjön mit meinem schweren Rucksack mit einem Gewicht von schätzungsweise 25 kg nach Nordosten hinauf auf das Langfjället. Schnell liegt der Bergwald hinter mir, dessen Obergrenze nordöstlich von Grövelsjön auf einer Höhe von 850 bis 900 m auch hier von Fjellbirken gebildet wird. An der Waldgrenze beträgt die Lufttemperatur +14° C. Im Winter führen unsere Tagestouren mit Langlaufski regelmäßig über das tief verschneite Langfjället zur Oskarstugan. Jetzt leuchtet die kahle Fjelllandschaft oberhalb der Waldgrenze in bunten Herbstfarben. Der Wanderpfad ist Teil des Fernwanderwegs „Südlicher Kungsleden“. Auf dem Langfjället erreicht der Wanderpfad in der Nähe der Jakobshöjden (1103 m) eine Höhe von 1035 m. Nun neigt sich der Weg ganz langsam hinab zum See Hävlingen (778 m), aus dem der Fluß Storån fließt, der bei Idre in den See Idersjön (442 m) einmündet. Am See Hävlingen gelange ich wieder in Bergwald und in den Nationalpark Töfsingdalen. Zwischen den Seen Hävlingen und Särsjön ist das Gelände stark verblockt. Am Südostende des Sees Hävlingen erreiche ich um 20:45 Uhr in der Dämmerung einige verschlossene Hütten und baue in deren Nähe das Zelt auf, ein Vaude Taurus. Von Grövelsjön bis hier habe ich heute eine Distanz von ca. 12 km zurückgelegt. 
 
12.09.2016: Am Morgen ist die Temperatur am Südende des Sees Hävlingen auf +3° C abgesunken. Es ist heiter und windstill, und am Vormittag erwärmt die Sonne schnell und wirksam die Landschaft. Vom Südende des Sees Hävlingen steigt der Wanderpfad nach Nordosten zum Slagufjället an. Das Gelände ist sehr stark verblockt, sodaß ich mit dem schweren Rucksack nur langsam voran komme. Oberhalb der Waldgrenze, hier bei ca. 850 m, wird das Gelände auf dem Hochplateau des Kahlen Fjells ebener und gangbarer. Ich erreiche den auf einer Höhe von ca. 928 m gelegenen See Slagusjön mit einer kleinen Schutzhütte am Südufer. Der Weg führt nun ca. 3 km nach Osten über das Kahle Fjell zum See Storrödjärnen auf einer Höhe von ca. 875 m. Am Nordufer dieses Sees befindet sich die Berghütte Storrödjärnstugan mit Übernachtungsmöglichkeiten. Das Gelände fällt nun langsam ab nach Norden zum See Rogen auf einer Höhe von 758 m und es ist auch teilweise wieder verblockt. Gegen 17:30 Uhr erreiche ich das Südostende des Sees Rogen mit einer kleinen Windschutzhütte (Vindskydd, Shelter) mit Feuerstelle. Auch hier gibt es wie am Südostende des Sees Hävlingen eine Trockentoilette. Bis hier hin habe ich heute eine Distanz von ca. 11 km zurückgelegt. Mein ursprünglicher Plan, heute noch bis zur ca. 10 km entfernten Rogenstugan zu gelangen, erweist sich als unrealistisch. Das überwiegend stark verblockte und nur schwer passierbare Gelände sowie der schwere Rucksack erlauben kein schnelles Gehtempo und keine langen Tagesdistanzen. Neben der kleinen Windschutzhütte baue ich mein Zelt auf. 
 
13. 09.2016: Der Tag beginnt am Morgen erneut mit sonnigem und windstillem Wetter bei einer Temperatur von +3° C. Es bleibt weiterhin den gesamten Tag sonnig und windstill. Aufgrund des begrenzten Zeitrahmens meiner Tour von fünf Tagen lasse ich das aufgebaute Zelt und mein Gepäck bei der kleinen Windschutzhütte am Südende des Sees Rogen zurück und setze meine Tour mit kleinem Tagesgepäck in Richtung zur ca. 10 km entfernten Rogenstugan fort, um von dort im Laufe des Abends hierhin zurückzukehren. Das Gelände bis zur Waldgrenze beim See Fisklöstjärnen auf ca. 815 m ist extrem verblockt, doch ohne das Gewicht des schweren Rucksacks komme ich dennoch schnell voran und springe geradezu über die Felsblöcke. Die Waldgrenze hat hier beim Aufstieg auf das Fjell einen mehrere Kilometer breiten Übergangsbereich zur Baumgrenze und zum Kahlen Fjell mit Bergtundra, wobei sich der Wald mal verdichtet und dann wieder auflöst, sodaß nur noch vereinzelte, oft kümmerliche Bäume verbleiben. 
 
Auf ca. halber Strecke erreiche ich die mit 993 m Höhe höchste Erhebung Tandsjövålen auf dem Kahlen Fjell. Hier beträgt die Temperatur um 13:45 Uhr +16° C. Es bietet sich ein fantastischer Panorama-Rundblick über den gesamten See Rogen, den See Bredåsjön (790 m), sowie das Seen- und Insellabyrinth des Stor-Tandsjön (764 m) und des Väster-Abborvikarna (773 m) im Norden. Diese Seenlandschaft ist durch Staffelmoränen geprägt, die die Seenlandschaft in ein rhythmisches Labyrinth von Seen und Inseln zergliedern. Dieser Landschaftstypus prägt den gesamten Bereich des grenzübergreifenden Verbundes von Naturschutzgebieten „Gränslandet“, wodurch diese glaziogene Landschaft überaus vielgestaltig und abwechslungsreich ist. Von der Fjellhöhe Tandsjövålen (993 m) geht es nun nach Nordwesten hinab zum See Rogen (758 m), wobei ich erneut Blockfelder, Moore und auch vegetationsgebundene Dünen aus hellem Feinsand überquere. Kurz vor Erreichen den Rogenstugan gelange ich zu der kleinen Hüttensiedlung Rogsbodarna, wo ich allerdings niemanden antreffe. Ein breiter Feinsandstrand erstreckt sich hier weit in den See hinaus und läd zu einem Bad ein. Die Lufttemperatur beträgt hier um 15:45 Uhr +16° C, und die Temperatur des Oberflächenwassers beträgt +11° C. Um den kleinen See Hundsviken herum verläuft der Weg nun über schmale Oser (100) zur Fjellhütte Rogenstugan. Die Rogenstugan ist eine ganzjährig geöffnete Rast- und Übernachtungshütte mit einer kleinen Küche zur Selbstversorgung. Es gibt einen Hüttenwart und eine Einkaufsmöglichkeit von Lebendmitteln. Wie die meisten Fjellhütten im Skandinavischen Gebirge in Schweden wird auch die Rogenstugan vom schwedischen Tourismusverband „Svenska Turistföreningen“ (STF) unterhalten. 
 
Um vor Einbruch der Dunkelheit zurück am Zelt zu sein, halte ich mich an der Rogenstugan nicht lange auf und folge dem Pfad westlich des Sees Hundsviken nach Nordosten und gelange auf den Weg zurück, der hinauf auf die Anhöhe Tandsjövålen (993 m) führt, und wo man bei nun tiefstehender Sonne erneut einen phantastischen Überblick über die wunderschöne Landschaft des „Gränslandet“ hat. Zügig geht es nun weiter hinab und das Tageslicht reicht noch gut aus, um den schwer erkennbaren Weg durch die Blockfelder zu finden. Zwei Mal begegne ich auf dem Rückweg mehreren Rentieren. Im Gegensatz zum rentierfreien Fulufjell weisen die von mir heute durchquerten Fjellgebiete deutlich erkennbare Beweidungsspuren auf. Die Naturschutzgebiete um den See Rogen sind heute Sommerweidegebiet für die Rentierzucht, die von Samen (101) betrieben wird. Die Siedlungsgebiete der Samen und das Vorkommen der Rentiere reichen in Schweden bis nach Idre (102). 
 
Die Samen sind ein indigenes Volk (103), das am Rande der Arktis im Norden von Fennoskandinavien (104) in Lappland (105) bzw. Sápmi (106) lebt. Ursprünglich waren die Samen ein nomadisch lebendes Jägervolk, das vor allem von der Jagd auf das Wildren lebte. Heute gibt es im gesamten Lappland (Sápmi) keine Wildrene mehr. Freilebende, wilde Rentiere gibt es in Europa heute nur noch etwa 25.000 im südlichen Norwegen, davon ca. 10.000 auf der Hardangervidda. Daß es heute im gesamten Lappland (Sápmi) keine Wildrene mehr gibt, ist eine Folge der Kolonisierung und Aufteilung von Lappland (Sápmi) durch die Staaten Norwegen, Schweden und Rußland (107). Diese Staaten erhoben von den Samen Steuern und Zwangsdienste, und die Samen gingen in der frühen Neuzeit von der vormaligen Rentierjagd zur bis heute praktizierten Rentierhaltung über, wobei die Rentiere individueller und besteuerbarer Besitz der einzelnen Samen sind. Bis ins 18 Jahrhundert waren diese Rentierherden kleiner als heute, sodaß seither die Gefahr einer Überweidung der Fjellgebiete durch die praktizierte Rentierwirtschaft (108) besteht. Aus der Zeit, in der wildlebende Rentiere gejagt wurden, existieren im Gebiet um den See Rogen noch 150 gut erhaltene Rentierfallgruben. 
 
14.09.2016: Am Morgen gibt es Hochnebel bei überwiegend Windstille und einer Temperatur vom +10° C. Das Zelt steht in Ufernähe am Südostende des Sees Rogen (758 m) auf einer Düne aus feinem weisgrauem Sand. Der Tag wird erneut sonnig und warm. Gegen Mittag kommt zeitweise leichter Wind auf. Ich folge dem Weg zurück über das Slagufjället zum See Hävlingen, wobei ich durch Bergwald und Moorgebiete gelange, die hier mit Plankenwegen ausgelegt sind. Der obere Teil des Bergwalds auf einer Höhe um ca. 850 m herum, ein Bereich, der je nach Geländeexposition um mehr als 100 Höhenmeter schwanken kann, wird auch hier von einer Krummholzzone aus knorrigen, verbogenen und bizarr geformten Fjellbirken gebildet. Nun gelange ich aufs Kahle Fjell und erreiche am Nachmittag zwischen den Hütten Storrödtjärnstugan und Slagusjön die höchste Erhebung meiner Überquerung des Slagufjället bei ca. 930 m Höhe bei sonnigem Wetter und einer Lufttemperatur von +17° C. Der Weg hinab zum See Hävlingen (778 m) verläuft durch Bergwald, wobei erneut stark verblocktes und nur schwer passierbares Gelände durchquert werden muß. Große Teile der glaziogenen Landschaften des „Gränslandet“ sind von ausgedehnten, nur schwer passierbaren Blockfelder bedeckt, die bei Wanderungen im Gebiet des Sees Rogen immer wieder oft über Distanzen von mehreren Kilometern durchquert werden müssen. Im Vergleich dazu sind Wanderungen am Fulufjell aufgrund des weitgehenden Fehlens derartiger endloser, schwer passierbarer Blockfelder erheblich müheloser und schneller durchführbar. Die kleine Windschutzhütte am Südostende des Sees Hävlingen (778 m) erreiche ich um 18:30 Uhr und baue das Zelt in dessen Nähe am See auf. 
 
Hier am Ufer des Sees Hävlingen gibt es einige Stechmücken, doch war insgesamt diese Sommersaison 2016 an allen Orten, an denen ich mich aufgehalten habe, ausgesprochen mückenarm. Immer wieder halten sich Gerüchte von skandinavischen Mückenplagen, was ich aus langjähriger Erfahrung zahlreicher Outdoortouren und Reisen in Skandinavien nicht bestätigen kann. Tatsächlich ähnelt das Mückenaufkommen in Skandinavien dem in Mitteleuropa an vergleichbaren Standorten und Biotopen. Bedeutendster Faktor für die Häufigkeit von Mücken ist m.E. das Vorkommen von Kleinfischen in Uferregionen von Gewässern, die dort den Bestand an Mückenlarven klein halten. Bei Kleinstgewässern, wie z.B. in Moorgebieten, wo Kleinfische fehlen, kann es dann auch lokal zu Massenvorkommen von Mücken kommen. Ein weiterer bedeutender Faktor für das Vorkommen von Stechmücken ist die Häufigkeit von Wirtstieren der blutsaugenden Stechmücken. Diese Wirtstiere sind meist Warmblüter (Vögel, Säugetiere), in etwa 15% der Fälle auch Lurche und Kriechtiere, nach neueren Erkenntnissen auch Raupen und andere Insektenlarven. Ansonsten ist das jeweilige örtliche und zeitliche Vorkommen von Stechmücken von einer Vielzahl von Faktoren abhängig (u.a. Jahreszeit, Tageszeit, Vegetation, Wetter, Wind, Sonne, Temperatur), und es ist sinnvoll, diese Faktoren und auch die Biologie und die Lebensweise der Stechmücken zu kennen, um ihnen ausweichen zu können. 
 
15.09.2016: In der Nacht regnete es kurz. Der Morgen beginnt windstill mit Nebel bei einer Lufttemperatur von +10° C. Der Nebel löst sich im Laufe des Vormittags auf und der Tag ist erneut heiter. Heute steht der Rückweg über das Langfjället zur STF Fjellstation Grövelsjön an, eine Distanz von ca. 10 km. Ich gelange durch mäßig verblocktes Gelände und erreiche nach ca. 1,5 km einen Wegkreuzungspunkt, von dem aus Wanderpfade in fünf Richtungen führen. Eine Infotafel verweist darauf, daß es hier früher die Sommersiedlung „Hävlingskällorna“ der Idresamen gegeben hat. In der Umgebung gibt es zahlreiche Rentiere. Kurz darauf ist die Waldgrenze erreicht, und der oft breit ausgetretene markierte Weg über das Langflället läßt sich aufgrund des weitgehenden Fehlens von Hindernissen, wie Z.B. endlosen Blockfeldern, gut und zügig passieren. So komme ich auf die Idee, noch heute von der Fjällstation Grövelsjön nach Idre zurückzuradeln, falls ich dort früh genug eintreffen sollte, da die Fahrt von Idre nach Stömne am Vormittag des morgigen Tages erfolgen soll. Nach weiteren drei Kilometern passiere ich auf dem Kahlen Fjell die kleine Schutzhütte Särsjöbäken. Der höchste Punkt der Überquerung des Langfjället ist südöstlich der Jakobshöjden bei ca. 1035 m erreicht. Bei annähernd windstillem Wetter beträgt hier die Nachmittagstemperatur immerhin +17° C. Das restliche Stück des Weges bis zur STF Fjellstation Grövelsjön auf ca. 810 m Höhe ist schnell zurückgelegt, sodaß ich dort um 16:30 Uhr eintreffe. Dort hatte ich vor fünf Tagen das Fahrrad abgestellt. Nach einer Pause radel ich mit dem schweren Rucksack auf dem Gepäckträger des Fahrrads festgeschnallt die ca. 40 km lange Landstraße zurück nach Idre. 
 

10. Industrielle Forstwirtschaft und Biodiversitätskrise

Mein Gesamteindruck meiner fünftägigen Rucksack-Wanderung in der Region um den See Rogen ist, daß das „Gränslandet“ als eins der landschaftlich schönsten Naturgebiete Skandinaviens gelten kann, und die Tour dieser Woche wird mit Sicherheit nicht die einzige bleiben. Die Bergwälder im Naturreservat Langffjellet, im Nationalpark Töfsingdalen, im Naturreservat Rogen und den weiteren Naturschutzgebieten im Biotopverbund „Gränslandet“ sind naturbelassen und werden nicht forstwirtschaftlich genutzt. Man trifft hier auf große, knorrige, mehrhundertjährige Bäume, hauptsächlich Kiefern mit einem Stammdurchmesser im unteren Stammbereich von bis zu einem Meter. Diese Wälder präsentieren sich in einem völlig anderen Charakter als die forstindustriell genutzten Wälder außerhalb der Naturschutzgebiete, die durch gleichförmige Kiefern- und Fichtenmonokulturen geprägt sind, in denen die dicht stehenden Kiefern oder Fichten Reinbestände bilden und eine einheitliche Größe und gleiches Alter haben. Nach ca. 80 Jahren werden die Bestände dieser Monokulturen von forstindustriellen Großmaschinen von Typus „Harvester“ großflächig abgeschitten, und es entstehen riesige Kahlschläge von oft mehreren Quadratkilometern. Wie auf einem riesigen Acker werden dann auf diesen Kahlschlägen von riesigen Maschinen im Boden tiefe Furchen gezogen und kleine Bäume der nachwachsenden Kiefern- oder Fichtenmonokulturen gepflanzt, um wieder nach ca. 80 Jahren von Großmaschinen von Typus „Harvester“ großflächig abgeschitten zu werden. Diese Form der industriellen Forstwirtschaft besteht erst seit wenigen Jahrzehnten. In der Forstwirtschaft hat sich vor erst wenigen Jahrzehnten ein grundlegender und radikaler Wandel vollzogen. 
 
Früher war die Waldarbeit eine schwere körperliche Arbeit und sie fand überwiegend im Winter statt. Alle Arbeitsvorgänge wurden in Handarbeit durchgeführt, und das Holz wurde mit Pferdeschlitten auf den Eisbahnen speziell präparierter Winterwege transportiert, eine für die damalige Zeit perfektionierte Transporttechnik, wobei ein Pferd eine Last von 30 Tonnen befördern konnte, was etwa der Hälfte der Transportlast eines heutigen Holztransport-LKW entspricht. Einen grundlegenden Wandel erfuhr die Forstwirtschaft mit dem systematischen Einsatz von Maschinen, der mit dem Aufkommen der ersten Motorsägen in den 40er Jahren begann, doch schon kurz darauf wurden auch für sämtliche andere Arbeiten in der Forstwirtschaft Maschinen entwickelt und eingesetzt. Diese Entwicklung setzte zuerst in Nordamerika ein und fand alsbald auch in Europa statt. In Skandinavien begann man zuerst in Schweden mit dem Maschineneinsatz in der Forstwirtschaft, doch schon Ende der 50er Jahre war der umfassende Maschineneinsatz in der Forstwirtschaft überall Standard. 
 
Die Veränderungen, die damit verbunden waren, waren grundlegend und weitreichend. Zum Einen veränderte sich das Arbeiten in der Forstwirtschaft: Statt schwerer Handarbeit stand nun das Bedienen von Maschinen im Vordergrund, und der Maschineneinsatz vergrößerte die erzielte Arbeitsleistung. Heute gibt es Universalmaschinen, die in einem Arbeitsgang Bäume fällen, entasten, entrinden und auf die gewünschte Länge zuschneiden, um diese dann transportfertig am Wegesrand zu stapeln. Zum Anderen veränderte der Maschineneinsatz den Wald grundlegend und radikal. Im Rahmen der traditionellen Forstwirtschaft wurde ein selektiver Holzeinschlag betrieben, wobei einzelne Bäume dem Wald entnommen wurden. Dabei blieb der Wald als Ökosystem weitgehend unbeeinträchtigt und unverändert, es änderte sich weder die Artenzusammensetzung der Pflanzengesellschaften des Waldes und die Biodiversität, noch der Stockwerkaufbau des Waldes mit dem Nebeneinander verschiedener Wuchshöhen und Altersjahrgänge u.a.m.. Durch selektiven Holzeinschlag wurde der Wald lediglich etwas lichter, und durch Naturverjüngung wuchsen wieder Bäume nach. Mit dem Maschineneinsatz der industriellen Forstwirtschaft wurde der Wald umfassend verändert und maschinengerecht umgestaltet. Kahlschläge ersetzen seither den selektiven Holzeinschlag, und meist wird eine schnellwachsende Baumart nachgepflanzt, sodaß einheitliche, gleichförmige und artenarme Monokulturen entstehen mit gleichem Alter und gleicher Höhe der Bäume, bin nach wenigen Jahrzehnten (ca. 80 Jahren) die riesigen Maschinen von Typ „Harvester“ wieder anrücken und die Bäume dieses monotonen Stangenwaldes nach dem Rasenmäherprinzip wieder abschneiden. Forstwege und Forststraßen erschließen heute die letzten Winkel der Wälder Skandinaviens, sodaß sich überall der gleiche Zustand des Waldes bietet bis an die klimatische Nordgrenze des borealen Nadelwaldes, und man muß heute abgelegene Naturschutzgebiete aufsuchen, um einen Eindruck davon zu erhalten, wie ein natürlicher Wald mit alten mehrhundertjährigen Bäumen im Vergleich zu den Monokulturen der forstindustriellen Nutzholzplantagen aussehen. 
 
Anstatt auf natürlichen Wald als einer artenreichen Biozönose (109) treffen wir somit heute überall auf artenarme Monokulturen (110) forstwirtschaftlicher Nutzholzplantagen (111), die sich durch sehr geringe Biodiversität auszeichnen. Mit Ausnahme einiger Naturschutzgebiete besteht auch im Skandinavischen Gebirge heute der Wald nahezu vollständig aus gleichförmigen Kiefern- und Fichtenmonokulturen. Die sich weltweit permanent ausdehnenden Monokulturen der industriellen Land- und Forstwirtschaft sind die Hauptursache des globalen Verlustes an Biodiversität (112) und des aktuellen rasanten Artensterbens (113). Im gegenwärtigen Erdzeitalter des Anthropozän (114) ereignet sich derzeit das sechste Massenaussterben (115) der Erdgeschichte; dieses Massenaussterben ist irreversibel, und es ist anders als der sogenannte „Klimawandel“ das größte ökologische Problem. 
 
Die Kritik an der industriellen Forstwirtschaft und der durch sie bewirkten Umwandlung der Wälder in monotone, gleichförmige und artenarme Nutzholzplantagen mit sehr geringer Biodiversität ist erforderlich, denn die forstindustrielle Umwandlung artenreicher natürlicher Wälder in gleichförmige und monotone Nutzholzplantagen schreitet weltweit weiter voran, wobei die industrielle Forstwirtschaft „Wald“ als eine Ansammlung von Holzgewächsen begreift, die sich zweckrational ausschließlich über den Nutzholzertrag in Kubikmeter pro Hektar und Jahr bemessen und quantifizieren läßt, und dem Wald als Ökosystem keinerlei Bedeutung und Wert zukommt. So sind die sogenannten „Waldschäden“ wie Borkenkäferplagen, großflächiger Windbruch und Waldbrandgefahr überhaupt erst ein Produkt der Bewirtschaftungsmethoden der modernen industriellen Forstwirtschaft und der durch sie geschaffenen gleichförmigen und sterilen Nadelholz-Monokulturen, doch die industrielle Forstwirtschaft leugnet einen Kausalzusammenhang, was auch beim Wikipedia-Artikel zum Thema „Waldschäden“ (116) deutlich wird. 
 
Warum expandieren weltweit die gleichförmigen und sterilen Monokulturen der industriellen Forstwirtschaft auf Kosten naturnaher artenreicher Wälder? In der Industriegesellschaft werden sowohl die Natur, als auch die Gesellschaft gemäß instrumenteller Vernunft zweckrational zugerichtet und in sterile, gleichförmige Monokulturen umgewandelt, und jegliche Vielfalt geht dabei verloren (117). Die fortgeschrittene Industriegesellschaft hat das Ziel, permanentes Wirtschaftswachstum zu erzwingen, wofür sämtliche Bereiche der Gesellschaft zugerichtet und gleichgeschaltet werden. Mit der permanenten Ausweitung des Konsums verbunden ist ein permanent wachsender Verbrauch von Rohstoffen und eine permanent wachsende Verschwendung von Energieressourcen mit der Folge sich ausweitender Naturzerstörungen. Ebenso wird im auf Hochtouren laufenden industriellen Produktionsprozeß die menschliche Arbeits- und Lebenszeit verschwendet. Immer weitere gesellschaftliche Bereiche werden ökonomischem Kalkül unterworfen, zweckrational zugerichtet und gemäß instrumenteller Vernunft gleichgeschaltet und industrialisiert. 
 
Die alternativlose Notwenigkeit permanenten Wirtschaftswachstums ist nicht nur Produkt einer Medienkampagne, es ist vielmehr die Grundlage nahezu jeglicher wirtschaftlicher und politischer Theorie und Praxis (118). Nur durch permanentes Wirtschaftswachstum, das im Allgemeinen in Form des Bruttosozialprodukts (BSP) gemessen wird, entsteht nach allgemeiner Auffassung Wohlstand und Lebensqualität, und diese messen sich in der Menge der konsumierbaren Industrie-Produkte und Waren. In der Konsumgesellschaft (119), die zugleich eine Wegwerfgesellschaft ist, werden die Menschen auf die Rolle und Funktion von Konsumenten standardisierter Industriefertigprodukte reduziert, und es verkümmert ihre Kreativität und Initiative. Folge ist eine Konsumkultur, die durch Passivität und Bequemlichkeit, durch Ablenkungen, Zerstreuungen und seichte Vergnügungen, durch Besinnungs- und Reflektionslosigkeit geprägt ist. Die Konsumkultur verhindert, daß die Menschen nach dem Modell der Maslowschen Bedürfnishierarchie (120) die Ebene der Transzendenz erreichen. In der Konsumkultur bleiben sie Gefangene nicht reflektierter Leidenschaften und manipulierter Wünsche. Die Konsumkultur ist nach der Analyse des Sozialpsychologen Erich Fromm (1900-1980) (121) in seinem Buch: „Haben oder Sein“, das zu einem Klassiker der Konsumkritik geworden ist, vom Haben und nicht vom Sein bestimmt: „Wenn die Menschen jemals frei werden, das heißt dem Zwang entrinnen sollen, die Industrie durch pathologisch übersteigerten Konsum auf Touren zu halten, dann ist eine radikale Änderung des Wirtschaftssystems vonnöten“ (122). 
 
Der Umgang mit dem Rohstoff Holz in unserer Konsumgesellschaft entwertet diesen zu einem Wegwerfprodukt, und immer größere Mengen an Holz, die zu immer kurzlebigeren Produkten verarbeitet werden, müssen den Wirtschaftsprozeß passieren, um weiteres Wirtschaftswachstum der mit dem Rohstoff Holz verbundenen Branchen zu gewährleisten. Während früher überwiegend langlebige Holzprodukte hergestellt wurden, die über mehrere Generationen hinweg Bestand hatten, werden heute in unserer mobilen und mobilisierten, permanent beschleunigten Gesellschaft immer mehr und immer kurzlebigere Nutzungs- und Verwendungszwecke für den Rohstoff Holz entwickelt und erschlossen, überwiegend werden Wegwerfprodukte produziert, sodaß Massendurchsatz Qualität ersetzt. So führt die maschinisierte industrielle Forstwirtschaft neben der Zerstörung der Wälder als eines Ökosystems zu einer Entwertung des Rohstoffs Holz, und ein allgemeiner Bewußtseinswandel im Umgang mit dem Rohstoff Holz ist nicht erkennbar. 
 
Es besteht auch hier ein Wachstumszwang (123), da sich in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft scheinbar sämtliche wirtschaftlichen, politischen und sozialen Probleme durch permanentes Wirtschaftswachstum lösen lassen. Die ökologische Krise bildet hingegen eine Ausnahme, sodaß es seit Anfang der 70er Jahre eine Wachstumskritik (124) gibt. Das Konzept eines sogenannten „Grünen Wachstums“ (125) ist jedoch der Versuch, der Wachstumskritik auszuweichen und das Dogma des Wirtschaftswachstums zu retten. Erforderlich ist eine stationäre Wirtschaft (126) im Sinne von Subsistenzwirtschaft (127). Wenn wir zukünftig naturnahe artenreiche Wälder mit hoher Biodiversität haben wollen, ist somit ein Abschied vom Dogma des Wirtschaftswachstums und ein anderer gesellschaftlicher Umgang mit dem Rohstoff Holz erforderlich. 
 
In den Naturschutzgebieten (128) im Skandinavischen Gebirge wird keine Forstwirtschaft betrieben, sodaß die natürliche Vegetation dort erhalten ist. Hier kann man einen Eindruck davon gewinnen, wie naturbelassene Wälder mit mehrhundertjährigen Bäumen im Gegensatz zu den gleichförmigen Monokulturen der industriellen Forstwirtschaft aussehen. 
 
16.09.2016: Gegen 11:00 Uhr erfolgte meine Abfahrt von Idre in einem der roten Kleinbusse des Reiseveranstalters „Rucksack-Reisen“. Die Fahrt verläuft bei nun bewölktem Wetter über Särna, Sälen, Malung, Torsby und Arvika nach Stömne, wo ich gegen 16:00 Uhr im „Aktivcenter Stömne“ des Reiseveranstalters „Rucksack-Reisen“ eintreffe. Im „Aktivcenter Stömne“ endet am morgigen Samstag, 17.09.2016 die Sommersaison, und ich werde von hier morgen mit dem Reisebus nach Deutschland zurückfahren. 
 
Im Dorf Stömne ist es sonnig und warm. Mir wird berichtet, daß hier die Nachmittagstemperaturen in der zurückliegenden Woche +26° C betragen haben, erheblich höher als in Idre. Immerhin befinden wir uns hier in Stömne im klimatisch begünstigten Südteil Schwedens, südlich der Klima- und Vegetationsgrenze des „Limes norrlandicus“, während hingegen Idre nördlich der Klima- und Vegetationsgrenze des „Limes norrlandicus“ liegt. Dies zeigt auch ein Blick auf die Vegetation in der Umgebung von Stömne. Mächtige, mehrhundertjährige Eichen umgrenzen das Gelände des „Aktivcenter Stömne“, und die Umgebung ist überwiegend landwirtschaftlich genutzt. In Stömne befinden wir uns in der Laubmischwaldzone. 
 
Immer wieder aufs Neue bin ich darüber fasziniert, wie markant, ausgeprägt und deutlich sich die Klima- und Vegetationsgrenze des "Limes norrlandicus" im nördlichen Europa präsentiert. Sie ist eine der markantesten Klima- und Vegetationsgrenzen in Europa. Die unterschiedlichen Standorte des Reiseveranstalters „Rucksack-Reisen“ bieten ideale Möglichkeiten, den mit der Klima- und Vegetationsgrenze des "Limes norrlandicus" verbundenen Vegetations- und Landschaftswandels zu erfahren und zu studieren. Gerade heute wurde dies einmal wieder überaus deutlich: Während in der Umgebung von Idre die Vegetation, die Landschaft und auch das Wetter derzeit schon fortgeschritten herbstlich ist, und dort herbstliche gelbe und rote Farben dominieren, so präsentiert sich die Umgebung von Stömne noch in sattem Grün. Auch die Tagestemperaturen liegen in Stömne südlich der Klima- und Vegetationsgrenze des "Limes norrlandicus" derzeit ca. 10° C höher als in der Region um Idre, die nördlich der Klima- und Vegetationsgrenze des "Limes norrlandicus" liegt. Die zwischen Idre und Stömne liegende Destination „Gammelbyns Stugby“ bei Rattsjöberg in der Nähe der Stadt Torsby liegt intermediär und weist je nach Höhenlage Merkmale sowohl der südlichen Laubmischwaldzone, als auch der nördlichen borealen Zone auf, was diese Übergangsregion für naturkundliche Exkursionen und Studien in besonderem Maße interessant macht. Dies alles geht mir durch den Sinn, während ich auf der Veranda des alten Schulhauses von Stömne am heutigen Spätsommerabend bei einem Glas Rotwein sitze und zwischen den mächtigen, mehrhundertjährigen Eichen hindurch auf den Stömnefjorden blicke, der ein Teil des langen Sees Glafsfjorden (45,2 m) ist. 
 

11. Anmerkungen: 

 1) Vgl.: https://www.rucksack-reisen.de

2) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fjell

3) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Skandinavisches_Gebirge

4) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Forum_Anders_Reisen
Sowie: https://www.forumandersreisen.de
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Ökotourismus

5) Vgl.: https://idre-stugor.se/

6) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Idre
Sowie: https://www.visitidre.se

7) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Dalarna
Sowie: https://www.dalarna.se

8) Vgl.: https://www.gammelbyn.se

9) Vgl.: https://www.welcome-scandinavia.com

10) Vgl.: https://www.kanuverleih-schweden.de/

11) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vogelfluglinie

12) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Dalsland

13) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kanadier_(Kanutyp)
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Kanu

14) Einen exzellenten auch weltweiten Wetterbericht bieten die folgenden Internetportale:
https://www.klart.se/
https://www.yr.no/en

15) Vgl.: https://www.rucksack-reisen.de/sommerurlaub/schweden/kanufahren/kanuwoche-dalsland/

16) Vgl.: https://www.faltboot.org/wiki/index.php/Dalslandkanal

17) Vgl.: https://dalslandnordmarken.se/de/lagerplatze/

18) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wildnis

19) Eine gute Einführung in das Kanufahren und die Paddeltechnik bieten die folgenden Bücher:
Franz Riegel, Dieter Raffler: Stechpaddel Fahrschule. 2016, Hamburg.
Rainer Höh: Kanu-Handbuch. 2010, Bielefald.
Jürgen Gerlach: Richtig Kanu fahren. 2006, München.
Rainer Mareik: Kanuwandern. 2005, Welver.

20) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hypothermie

21) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Temperaturschichtung
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Ökosystem_See

22) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Dalsland-Kanal

23) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Lelång

24) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vegetationszone
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Vegetation

25) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Külgemäßigte_Klimazone#Laubmischwaldklimate

26) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Borealer_Nadelwald

27) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fennoskandinavien

28) Vgl.: https://www.rucksack-reisen.de/sommerurlaub/schweden/kombireisen/wildniswoche-fulufjaell/

29) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fulufjäll
Sowie: https://www.fulufjallet.se
Und: https://www.dalarna.se/fulufjallet
Des Weiteren: https://www.naturumfulufjallet.se

30) Eine gute Auflistung und Darstellung von Fjellhütten in der Umgebung des Fernwanderweges „Südlicher Kungsleden“, der auch über das gesamte Fulufjell führt, findet sich hier:
https://laufliebhaber.de/schutzhuetten-rasthuetten-und-fjaellstationen-kungsleden-sued/

31) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Svenska_Turistföreningen

32) Vgl.: http://deutsch.turistforeningen.no/

33) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alpiner_Verein


34) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalpark_Fulufjället
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Fulufjellet-Nationalpark

35) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Orogenese
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Plattentektonik

36) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kaledonische_Orogenese

37) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rumpfgebirge

38) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gnitzen

39) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wald-_und_Baumgrenze

40) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fjellbirke

41) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tundra

42) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Subpolare_Klimazone

43) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hardangervidda

44) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Arktis
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Arktische_Fauna

45) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Blockhalde

46) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sandstein

47) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sedimente_und_Sedimentgesteine

48) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Baltischer_Schild

49) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kristallingestein

50) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Paläoökologie

51) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Paläoklimatologie
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Klimageschichte

52) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Riesengebirge

53) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vegetationsperiode

54) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kältepol

55) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Krummholz

56) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zwerg-Birke

57) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weidengewächse

58) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Pionierwald

59) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Old_Tjikko

60) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Südlicher_Kungsleden

61) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wikingerschiffbau

62) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Skansen_(Stockholm)
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Freilichtmuseum

63) 17) Vgl.: https://visitsweden.de/
Sowie: https://treffpunkt-schweden.com/tourist-information-bueros-in-schweden
Vgl. auch: https://www.norrmagazin.de

64) Vgl.: https://www.gammelbyn.se

65) Vgl.: https://www.rucksack-reisen.de/familienurlaub/schweden/abenteuer-im-norden/

66) Eine gute Vermittlung von Outdoor-Kenntnissen leisten die folgenden Bücher: Rainer Höh: Outdoor-Praxis. 2008, Bielefeld.
Sowie: Volker Lapp: Wie helfe ich mir draußen. Touren- und Expeditionsratgeber. 2016, Stuttgart.

67) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Värmlands_Museum

68) Vgl.: https://www.vildmark.se/de/

69) Vgl.: https://moose-world.se/

70) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Höhenstufe_(Ökologie)

71) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Limes_norrlandicus

72) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_von_Linné

73) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Expedition_nach_Lappland

74) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_von_Humboldt

75) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vegetationsgeographie

76) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Potenzielle_natürliche_Vegetation
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Klimaxvegetation

77) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Klimazone

78) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Klimatologie
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Klimageschichte

79) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Postglazial

80) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tromsø

81) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Polarforschung

82) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fridtjof_Nansen

83) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nansens_Fram-Expedition

84) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tromsø_Museum

85) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weichsel-Kaltzeit
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Letzte_Kaltzeit
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Känozoisches_Eiszeitalter
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Eiszeitalter
Des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Quartärforschung

86) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Waldfinnen
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Schwedenfinnen

87) Vgl.: https://www.rucksack-reisen.de/winterurlaub/schneeschuhwandern/unendliche-weiten-schneeschuh-huettenwanderung/
Sowie: https://www.rucksack-reisen.de/winterurlaub/langlauf-skitour/back-country-skiwandern-im-fulufjaell/

88) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Windchill

89) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Insolation_(Physik)

90) Siehe: Jared Diamond: Kollaps. Warum Gesellschaften überleben oder untergehen. 2020, Frankfurt am Main. S. 248-249.

91) Vgl.: https://www.graenslandet.se/de/nio-skyddade-naturomraden/rogen
Sowie: https://www.faltboot.org/wiki/index.php/Rogen_Naturreservat

92) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Femundsee

93) Vgl.: https://www.graenslandet.se/de/
Sowie: https://femundsmarkanasjonalpark.no/en/

94) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Biotopverbund

95) Vgl.: https://www.rucksack-reisen.de/sommerurlaub/schweden/kanufahren/rogen-roea-femund/

96) Vgl.: https://www.grovelsjon.com

97) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Falun

98) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Siljan

99) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Røros

100) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Os_(Landschaft)

101) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Samen_(Volk)
Sowie: https://www.samer.se 

102) Vgl.: https://www.idresameby.se
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Siida

103) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Indigene_Völker
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Indigene_Völker_Europas

104) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fennoskandinavien

105) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Lappland

106) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sápmi

107) Vgl.: John Trygve Solbakk: Colonisation and division of Sápmi. In: Derselbe: The Sámi People – A Handbook. 2006, Karasjok. S. 35-39.

108) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Samen_(Volk)#Rentierwirtschaft

109) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Biozönose

110) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Monokultur
Zur Geschichte der weltweiten Ausweitung der Monokulturen vgl.: Florian Hurtig: Paradise Lost. Vom Ende der Vielfalt und dem Siegeszug der Monokultur. 2020, München.

111) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Forst
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftswald
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Plantage

112) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Biodiversität

113) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Aussterben#Aktuelle_Situation

114) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Anthropozän

115) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Massenaussterben#Das_gegenwärtige_Massenaussterben

116) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Waldschäden

117) Vgl.: Zur Geschichte der weltweiten Ausweitung der Monokulturen vgl.: Florian Hurtig: Paradise Lost. Vom Ende der Vielfalt und dem Siegeszug der Monokultur. 2020, München.

118) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftswachstum

119) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Konsumgesellschaft

120) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bedürfnishierarchie

121) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Fromm

122) Siehe: Erich Fromm: Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft. 1979, München. S. 168-169. In seiner Analyse der Konsumgesellschaft, die zu einem Klassiker der Konsumkritik geworden ist, entwirft Erich Fromm das Modell einer neuen Gesellschaft, die auf die Erfordernisse des nicht-entfremdeten, am Sein orientierten Individuums ausgerichtet ist.

123) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wachstumszwang

124) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wachstumskritik

125) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Grünes_Wachstum

126) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Stationäre_Wirtschaft

127) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Subsistenzwirtschaft

128) Vgl.: https://www.sverigesnationalparker.se
Sowie: https://www.naturvardsverket.se
Und: https://www.naturensar.se

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Ein Sommer in Schweden. Erlebnisse an der nördlichen Periferie Europas im Sommer 2016. Ein Erlebnisbericht. Textversion 01.
Mein Erlebnisbericht kann mit zahlreichen Fotos auf meiner Internetseite aufgerufen werden:
https://manfredsuchan.net/ein-sommer-in-schweden
Dort kann zudem mein Erlebnisbericht im PDF-Format herunter geladen werden. 

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Manfred SUCHAN
Geograf und Outdoorguide
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Grenzen überschreiten, Horizinte erweitern.

Selbst sehen, was in der Welt der Fall ist. 
Selbst herausfinden, wie die Welt beschaffen ist. 

Denke selbst, glaube nichts, überprüfe alles. 

In einer Schutzhütte am See Toneträsk in Lappland am 16.06.2015 während meiner Fahrradreise durch Skandinavien im Frühjahr 2015. 
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