Fahrradreisen

Fahrradreisen mit Zelt unternehme ich seit meiner Schulzeit. Von Beginn an standen meine Fahrradreisen unter dem Motto "Grenzen überschreiten, Horizonte erweitern". Während wir in einer permanent beschleunigten Gesellschaft zunehmend naturentfremdet in künstlichen Umwelten und virtuellen Realitäten leben, und wir motorisiert und automobil Landschaften durchhasten, ist das Fahrradreisen mit Zelt eine entschleunigte Reiseform, die eine Unmittelbarkeit und Authentizität von Wahrnehmungen und Erlebnissen bietet und damit Erfahrungen und Erkenntnisse ermöglicht. Heute verfehlt Tourismus weitgehend seine ursprüngliche Intention von Welterfahrung und Welterkenntnis, denn er ist heute Bestandteil der Konsumkultur, und die Tourismus-Industrie vermarktet Ablenkungen, Zerstreuungen und seichte Vergnügungen. Fahrradreisen mit Zelt ist eine Alternative, denn es ist eine sehr kostengünstige Form des Reisens, es ist nicht exklusiv und nicht elitär, sondern demokratisch, denn Jeder und Jede kann mit dem Fahrrad reisen, um den „Kopf zu lüften“, Grenzen zu überschreiten und den Horizont zu erweitern. Fahrradreisen ist naturverträglich und globalisierbar, in Gegensatz zum KFZ-Verkehr. 

Inhalt dieser Internetseite:

Fahrradreise Mittlere Mittelmeerregion - Ein Reiseerlebnisbericht
Fahrradreise südöstliches Europa - Ein Reiseerlebnisbericht
Fahrradreise Schlesien 2021 - Ein Reiseerlebnisbericht
Fahrradreise Schlesien 2019 - Ein Reiseerlebnisbericht
Fahrradreise mittlere Ostseeregion - Ein Reiseerlebnisbericht
Fahrradreise Island - Erlebnisse einer Nordeuropa-Reise

Am Fernpaß (1216 m) am 28.05.2025 während meiner Fahrradreise in die mittlere Mittelmeerregion im Sommer 2025, wobei  ich die Alpen entlang dem Fahrradfernwanderweg "Via Claudia Augusta" überquerte. Der Fahrradfernwanderweg "Via Claudia Augusta" folgt der Trasse einer ehemaligen römischen Fernstraße über die Alpen, wobei der Fernpaß (1216 m) und der Reschenpaß (1507 m) überquert werden.  

Fahrradreise 

Mittlere Mittelmeerregion

 

Ein Reiseerlebnisbericht

 

von Manfred Suchan

 
 
Im Sommer des Jahres 2025 habe ich vom 06. Mai bis zum 21. September eine Fahrradreise mit Zelt in die mittlere Mittelmeerregion unternommen. Seit mehreren Jahrzehnten unternehme ich Fahrradreisen mit Zelt. Zuletzt hatte ich im Jahr 2023 vor zwei Jahren eine Fahrradreise mit Zelt durch das südöstliche Europa unternommen, wobei ich u.a. die heutige Megacity Istanbul besucht hatte.
 
Die Reiseziele meiner Fahrradreisen sind weder Staaten, noch Länder, sondern von mir selbst definierte geografische Regionen bzw. geografische Räume, was eine Frage wissenschaftlicher Kategorienbildung ist. Während z.B. in den Geschichtswissenschaften Kategorienbildung insbesondere in Gestalt von Zeitaltern und Epochen erfolgt, die gemäß signifikanter und gut begründeter Kriterien voneinander abgegrenzt werden müssen, so sind dies in der Geografie geografische Räume. Gegenstand und Reiseziel meiner in diesem Reiseerlebnisbericht dargestellten Fahrradreise ist die mittlere Mittelmeerregion.
 
Teile der Mittelmeerregion waren schon öfter Ziel meiner Reisen gewesen. Seit vielen Jahrzehnten ist jedoch bis heute aus politischen Gründen eine Reise um das gesamte Mittelmeer nicht möglich, sodaß jeweils nur Teile der Mittelmeerregion bereist werden können. Zur Römerzeit war dies noch gänzlich anders gewesen, als das Mittelmeer als „Mare Nostrum“ das Zentrum des Imperium Romanum bildete. Die Römerzeit war ein durchgehendes und zentrales Thema meiner Fahrradreise in die mittlere Mittelmeerregion.
 
Analog zum Mittelmeer im Süden Europas ist die Ostsee das Mittelmeer des nördlichen Europas, und ebenso wie das Mittelmeer im Süden Europas bildet auch die Ostseeregion eine naturgeografische und eine kulturgeografische Einheit. Ebenso wie das Mittelmeer im Süden Europas ist die Ostsee ein Nebenmeer des Atlantischen Ozeans. Daher bietet sich ein Vergleich der Mittelmeerregion und der Ostseeregion an.
 
Immerhin läßt sich mittlerweile seit 1990 die Ostsee als dem Mittelmeer im nördlichen Europa im Zuge einer Fahrradeise vollständig umrunden, was ich nach mehreren Fahrradreisen in Skandinavien und Teilen der Ostseeregion dann im Sommer und Herbst des Jahres 2017 durchgeführt habe.
 
Als kulturgeografische Regionen sind sowohl die Ostseeregion, als auch die Mittelmeerregion durch die Schifffahrt und den Fernhandel geprägt. Die Geschichte der Ostseeregion ist zudem geprägt durch eine mehr als tausendjährige Auseinandersetzung um die Vorherrschaft in der Ostseeregion, für die der Begriff „Domininum maris baltici“ geschaffen wurde. Ähnlich verhält es sich in der Mittelmeerregion, über die insbesondere das Imperium Romanum ein Domininum errichtet hatte, das mehrere Jahrhunderte Bestand hatte und das nachhaltig die Geschichte Europas, Asiens und Afrikas, der drei Kontinente der sogenannten „Alten Welt“ prägte. Das Imperium Romanum fand imperiale Nacheiferer, die auf dessen Territorium, mit dessen Städten und dessen Bevölkerung andere Imperien errichteten, wie z.B. das im Zuge der arabischen Expansion geschaffene arabische Imperium, einer Orientalischen Despotie und Sklavenhaltergesellschaft, die eine Vorherrschaft über die Mittelmeerregion anstrebte, sowie das Militärimperium des Osmanischen Reiches, einer Orientalischen Despotie und Sklavenhaltergesellschaft, die ebenso eine Vorherrschaft über die Mittelmeerregion anstrebte.
 
Zweifellos ist die mittlere Mittelmeerregion eine kulturhistorisch herausragende Region in Europa, denn hier gab es mehr als in anderen Regionen Europas kulturhistorische Kontinuitäten von der Antike über das Mittelalter bis in die Neuzeit. Insbesondere sind es republikanisch verfaßte Städte, die die kulturhistorische Kontinuität von der Antike über das Mittelalter hinweg in die Neuzeit leisteten. Allerdings erfuhren die Städte am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit einen Verlust ihrer Selbstständigkeit, Freiheit und Bedeutung im Zuge des Aufstiegs des absolutistischen Staates, der mit Ausnahme der Schweiz zum neuzeitlichen Staatsmodell in Europa avancierte. Somit ist das Modell der Schweiz im heutigen Europa ein Sonderfall, da nur in der Schweiz sich Traditionen direkter Demokratie, kommunaler Selbstverwaltung und genossenschaftlicher Organisation, die im Mittelalter weit verbreitet waren, entgegen den Tendenzen einer Zentralisierung seit dem Zeitalter des Absolutismus bis in die Gegenwart halten konnten. Bis heute haben die Städte ihre ehemalige Selbstständigkeit, Freiheit und Bedeutung nicht wiedererlangt.
 
Wie schon Fahrradreisen zuvor, begann ich am 06.05.2025 auch meine Fahrradreise in die mittlere Mittelmeerregion in Berlin, nachdem ich mehrmals meine Planungen für diese Fahrradreise modifiziert und erweitert hatte. Zuerst folgte ich von Berlin aus dem Fahrrad-Fernwanderweg D 11, der auf Teilstrecken u.a. entlang der Flüsse Saale, Main, dem Main-Donau-Kanal, sowie der Donau und dem Lech verläuft. Nach zwei Wochen Fahrt erreichte ich am 22.05.2025 die Stadt Donauwörth an der Donau. In Donauwörth an der Donau beginnt der Fahrrad-Fernwanderweg „Via Claudia Augusta“, der einer früheren Römerstraße über die Alpen folgt, wobei der Fernpaß (1216 m) und der Reschenpaß (1507 m) passiert werden. Entlang dem Fahrrad-Fernwanderweg „Via Claudia Augusta“ überquerte ich die Alpen. Bislang hatte ich mit dem Wetter überwiegend Glück, doch am Nordrand der Alpen gelangte ich in mehrtägigen Dauerregen.
 
Weiter ging es dann im Tal des Flusses Etsch durch Süd-Tirol und hinab in die Ebene des Flusses Po. Am Südrand der Alpen unternahm ich am 04.06.2025 eine Tagesexkursion am Gardasee entlang, wobei ich u.a. zur Stadt Arco gelangte. Die steilen Felsen in der Umgebung vor Arco sind ein bekannten und beliebtes Klettergebiet. Dann fuhr ich weiter über die Städte Verona und Padua durch die Ebene des Flusses Po. Die Universität der Stadt Padua gilt nach der Universität der Stadt Bologna als die zweitälteste der Welt. Sie wurde von Studenten der Universität Bologna gegründet, die eine größere intellektuelle Freiheit suchten, wie ich bei meinem Besuch der Stadt Padua am 06.06.2026 erfahren konnte. Dann erreichte ich am 09.06.2025 mein erstes Reiseziel in Italien, die ehemalige Seerepublik Venedig.
 
In Italien sind Campingplätze noch weit mehr als in anderen Ländern höchst ungleichmäßig in der Landschaft verteilt, es gibt große räumliche Disparitäten, sie konzentrieren sich in einigen Gegenden in großer Zahl, während sie woanders über große Distanzen vollständig fehlen. So gibt es z.B. am Gardasee eine große Konzentration vieler Campingplätze, und ebenso auf der Halbinsel von Cavallino im Nordosten der Lagune von Venedig. Dort zeltete ich auf einem Campingplatz und unternahm von hier aus Exkursionen in das historische Stadtzentrum von Venedig. In Venedig gibt es keinen KFZ-Verkehr. Der Verkehr erfolgt hier ausschließlich zu Fuß und per Boot, und mit Booten ist Venedig auch von der Halbinsel von Cavallino aus erreichbar.
 
Interessiert bin ich insbesondere an der Geschichte der Seerepublik Venedig, an deren Rolle bei der Eroberung und Plünderung der Weltmetropole Konstantinopel im Jahre 1204 während des 4. Kreuzzuges und den weitreichenden globalhistorischen Folgen des damit eingeleiteten Untergangs des Byzantinischen Reiches, der mit der Eroberung Konstantinopels im Jahre 1453 durch das expandierenden Militärimperium des Osmanischen Reiches seinen Abschluss fand. Diese Themen knüpfen an meinen Besuch der heutigen Megacity Istanbul vor zwei Jahren im Rahmen meiner Fahrradreise durch das südöstliche Europa an.
 
Von Venedig aus fuhr ich weiter entlang der Küste der Adria zur Stadt Ravenna. Auch hier logierte ich auf einem Campingplatz an der Adria-Küste, von wo aus ich am 17. und 18.06.2025 Stadtexkursionen ins historische Stadtzentrum von Ravenna unternommen hatte. Die Stadt Ravenna hat eine herausragende historische und kulturgeschichtliche Bedeutung, die insbesondere den Zeitraum des Übergangs von der Antike zum Mittelalter umfasst: Ab dem Jahr 402 war Ravenna Sitz der weströmischen Kaiser, und ab 493 war Ravenna Hauptstadt des Reichs der Ostgoten, dessen Herrscher Théoderich (451-526) hier residierte. Die damalige Bedeutung und Rolle Théoderichs im Imperium Romanum ist beachtenswert, denn faktisch regierte er als Vizekaiser des oströmischen Kaisers Justinian I. (482-565) den westlichen Teil des Imperium Romanums, ohne daß dies explizit vertraglich und verfassungsrechtlich fixiert war. Dann war Ravenna von 540 bis zur Eroberung durch die Lagobarden im Jahre 751 Hauptstadt eines oströmischen/byzantinischen Verwaltungsbezirks (Ecarchat). Aus diesem Zeitraum des 5. bis 7. Jahrhunderts n. Chr. sind verschiedene historische Gebäude erhalten, von denen acht seit 1996 den Status des UNESCO-Weltkulturerbes haben. Herausragend sind insbesondere die in den Gebäuden erhaltenen Mosaike.
 
Mein nächstes Reiseziel war die Stadt Bologna, die ich am 21.06.2025 erreichte. Bologna kann auf eine rd. 2500-jährige Geschichte zurückblicken. Die Bedeutung der Stadt Bologna resultiert aus ihrer Lage an einem Fernhandelsweg, der schon zur Zeit der Etrusker nördlich des Apennin-‐Gebirges am Südrand der Po-Ebene verlief. Bologna ist in anderen Ländern insbesondere durch ihre Universität bekannt, die als die weltälteste gilt. Die Umstände der Gründung der zweiältesten Universität in der Stadt Padua hatte ich oben schon kurz erwähnt. Die Universität der Stadt Padua wurde von Studenten der Universität Bologna gegründet, die eine größere intellektuelle Freiheit suchten. Das Thema Universität ist in der Stadt Bologna allerdings nicht in besonderem Maße präsent, wie ich feststellen mußte, und die technokratische Bologna-Reform der EU ist hier nirgends ein Thema, die möglicherweise das Ende der europäischen Universitätsidee bedeutet, wie einige Kritiker meinen.
 
Meine Fahrradreise setzte ich von Bologna nach Florenz fort. Hierbei ist das Gebirge der Apeninnen, auch Abruzzen genannt, zu überqueren. Die Pässe gelten als steil, und Höhen von rd. 900 m müssen bewältigt werden. Mit meinem schwerbeladenen Reisefahrrad wollte ich jedoch nicht stundenlang steile Paßstraßen hinaufschieben, und deshalb fuhr ich am 24.06.2025 die Strecke von Bologna über das Gebirge zur Stadt Prato per Regionalbahn, in der eine Fahrradmitnahmemöglichkeit besteht. Von Prato ist es nur noch wenige Kilometer bis nach Florenz. Florenz gilt als die bedeutendste Stadt der Renaissance-Kunst in Italien und möglicherweise weltweit, und zweifellos kann man hier wochenlang Museen und Galerien besuchen. Meine Stadtexkursion in Florenz habe ich auf einige wenige herausragende Sehenswürdigkeiten beschränkt.
 
Von Florenz aus fuhr ich am 28.06.2025 weiter Richtung Rom durch die Regionen Toskana, Umbrien und Latium. Dabei folgte ich von Florenz aus dem Fluß Arno. Ich bin dann am Lago Trasimeno (259 m) entlang gefahren, einem See vulkanischen Ursprungs. Von dort gelangte ich am 30.06.2025 zur Stadt Perugia und in das Tal des Flusses Tiber. Gemäß meinem Fahrradreiseführer „Europa per Rad“ von Herbert Lindemann, einem Standardwerk über Fahrradreisen in Europa, soll es entlang dem Fluß Tiber einen guten Fahrradweg geben, auf dem man nach Rom gelangt.
 
Einen Fahrradweg auf eigener Trasse gibt es am Fluß Tiber jedoch nicht, wie ich feststellen mußte. Tatsächlich habe ich in Italien gute Fahrradwege hauptsächlich in Süd-Tirol, dem Tal des Flusses Etsch bis Verona sowie in Teilen der nördlichen Po-Ebene antreffen können, weiter südlich jedoch fast nicht. Die Landstraßen am Fluß Tiber haben zudem oft die Eigenschaft, daß sie aus dem Tal heraus auf und über seitlich gelegene Berge und Höhenzüge verlaufen, oft mit steilen Steigungen, die ein bisweilen mehrstündiges Schieben des bepackten Reisefahrrads erfordern, und dies bei tagelang anhaltenden hochsommerlichen Temperaturen von annähernd +40° C im mittleren Italien.
 
Insbesondere aufgrund der anhaltenden hohen Temperaturen in der mittleren Mittelmeerregion im Hochsommer habe ich mein Fahrradreisevorhaben durch die mittlere Mittelmeerregion geteilt und gekürzt und den geplanten südlichen Teil südlich von Rom vorerst weggelassen. Geplant hatte ich zuerst eine Fortsetzung meiner Fahrradreise durch die mittlere Mittelmeerregion durch Süd-Italien und auf die Insel Sizilien einschließlich des Besuchs der Liparischen Inseln und der Insel Malta. Auch wollte ich von Sizilien aus in Tunesien bis an den Rand der Sahara reisen, um dann über die Inseln Sardinien und Korsika weiter zu fahren. Zweifellos sind die Hochsommermonate nicht die geeignete Jahreszeit für eine Fahrradreise in der Mittelmeerregion, sondern vielmehr das Frühjahr.
 
Italien ist mindestens genauso wie Deutschland ein Land des Automobilismus und der Autogerechten Planung, doch das Fahrrad hat hier anders als in Deutschland als Verkehrsmittel im Alltag keinerlei Bedeutung. Es gibt lediglich Rennradfahrer, die das Rennradfahren auf den Landstraßen als Sport betreiben. Ich habe während meiner Fahrradreise den Eindruck gewonnen, daß von der automobilen Gesellschaft Italiens sowohl das Fahrrad als Verkehrsmittel als auch Fahrradfahrer abgelehnt werden. Aggressiv setzt die hegemoniale automobile Gesellschaft ihre Interessen durch, sie fordert eine Ausweitung des Automobilismus und der autogerechten Planung, sie vernetzt und koordiniert sich per Internet, und sie schikaniert Fahrradfahrer, was seit einigen Jahren in zahlreichen Ländern Europas permanent zunimmt. Die Automobile Gesellschaft ist der zentrale Bestandteil einer permanent beschleunigten Gesellschaft, und sie bildet in Europa eine mächtige Lobbymacht, die in Europa die Prioritäten sowohl der Verkehrspolitik als auch der Verkehrs- und Stadtplanung bestimmt und gestaltet.
 
In der ehemaligen Weltstadt und heutigen Metropole Rom habe ich an vier Tagen vom 04. bis zum 08.07.2025 Stadtexkursionen im historischen Stadtzentrum durchgeführt, wobei ich archäologische Stätten und Museen besuchte. Hierbei galt mein besonderes Interesse den dortigen Relikten aus der Römerzeit. Wie auch andernorts sind jedoch auch in Rom die baulichen Relikte der Römer in den nachfolgenden Jahrhunderten als Steinbruch genutzt worden. Dennoch ist einiges erhalten, und dieses ist beeindruckend und beachtenswert, wie z.B. das Forum Romanum, der Palatin und das Kolosseum. Das Pantheon ist ein römischer Tempel, der vollständig, und nicht nur als Ruine erhalten ist, denn er wurde seit der Spätantike als Kirche genutzt. Ansonsten galten die Relikte aus der Römerzeit über Jahrhunderte hinweg als „heidnisch“, und sie wurden oft absichtlich zerstört. Diese Sicht änderte sich erst ab dem Zeitalter der Renaissance, und die Anfänge der Sammlungen der Museen gehen darauf zurück. Überaus beeindruckend sind in Rom die Sammlungen der Kapitolinischen Museen und der Vatikanischen Museen, die ich besucht habe.
 
In Rom erinnert im Park Borghese ein Denkmal an Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) und seine Reise nach Italien und Rom in den Jahren 1786 bis 1788. Diese Reise von Goethe gilt als ein herausragendes Beispiel einer Bildungsreise im Zeitalter der Aufklärung. Heute geht es jedoch nicht mehr um Horizonterweiterung und Welterkenntnis, wie noch im Zeitalter der Aufklärung. Im heutigen Zeitalter des Massentourismus vermarktet die Tourismus-Industrie als Bestandteil der Konsumkultur Ablenkungen, Zerstreuungen und seichte Vergnügungen, und die gelangweilten Touristen vertrödeln ihre Zeit, wie man in sämtlichen Touristenzentren unübersehbar feststellen kann.
 
Mein Besuch der heutigen Metropole Rom und der ehemaligen antiken Weltstadt Rom fiel allerdings sehr kurz aus. Wesentlicher Grund sind die extrem hohen Campingplatzgebühren in Italien und insbesondere in Rom, wo ich für eine Übernachtung mit meinem kleinen Zelt 52,- Euro zahlte. Andere Campingplätze bei Rom erheben ähnlich hohe Preise. Italien gilt als das Land in Europa mit den mit Abstand höchsten Campingplatzgebühren, und am teuersten sind diese offensichtlich in Rom und in Florenz. Die Campingplätze in Italien lassen sich allerhand einfallen, um die Preise in die Höhe zu treiben, wie z.B. Schwimmbadlandschaften und Toiletten mit 24 Stunden Musikbeschallung, um sich mit 5 Sternen in der Tourismuswerbung platzieren zu können. Offensichtlich sind die meisten Campingplatznutzer so ignorant und bequem, daß sie dieses mitmachen und akzeptieren. Im Zeitalter des Massentourismus sind die Campingplätze heute ein Bestandteil der Tourismusindustrie. Die meisten Touristen im heutigen Zeitalter des Massentourismus suchen nicht Horizonterweiterung und Welterfahrung, sondern sie suchen Ablenkungen, Zerstreuungen und seichte Vergnügungen und vertrödeln ihre Zeit, und dieses erleichtert ihnen die Tourismusindustrie als einem Bestandteil der Konsumkultur der fortgeschrittenen Industriegesellschaft.
 
Von Rom aus habe ich am 09.07.2025 meine Fahrradreise zur nahegelegenen Hafenstadt Civitavecchia und von dort per Fähre zur Hafenstadt Olbia auf der Insel Sardinien fortgesetzt. Auf der Insel Sardinien habe ich nur einen kleinen Teil im Norden bereist und bin dann am 11.07.2025 per Fähre zur Hafenstadt Bonifacio auf der benachbarten Insel Korsika weitergereist. Zuerst war mein Plan gewesen, dort der weitgehend ebenen Ostküste zur Hafenstadt Bastia zu folgen. Ich bin dann jedoch über Sartene und Propriano Richtung Ajaccio gefahren. Hier konnte ich zwei bedeutende archäologische Stätten der Megalithkultur besuchen, am 13.07.2025 auf der Hochebene von Cauria und am 16.07.2025 bei Filitosa. Aufgrund der Kürzung meiner aktuellen Fahrradreise ist der Besuch weiterer archäologischer Stätten der Megalithkultur auf der Insel Malta und auf der Insel Sardinien weggefallen. Zuletzt war die Megalithkultur ein Thema meiner Fahrradreise durch die südliche Nordseeregion im Jahre 2022 gewesen, wobei ich die archäologischen Stätten der Megalithkultur bei Carnac in der Bretagne und bei Avebury in Süd-England (in der Nähe von Stonehenge) besucht hatte.
 
Angenehm war, daß auf den Inseln Sardinien und Korsika die Tageshöchstthemperaturen etwas niedriger waren, als in der Toskana, Umbrien und Latium, und zudem wehte vom Meer her stets ein leichter Wind.
 
Von der Hafenstadt Ajaccio bin ich am 20.07.2025 per Fähre zur Hafenstadt Marseille weitergereist, um meine Fahrradreise durch das südliche und zentrale Frankreich fortzusetzen. Marseille gilt als die älteste Stadt in Frankreich, denn sie wurde ca. 600 v. Chr. von Griechen aus Kleinasien gegründet. Mein besonderes Interesse galt hier Museen, die die Mittelmeerregion in ihrer Gesamtheit zum Thema haben.
 
Von Marseille aus folgte ich alsbald Fahrradwegen entlang dem Fluss Durance und erreichte am 25.07.2025 die Stadt Avignon. Bedeutendste Sehenswürdigkeit ist dort der ab dem Jahre 1335 errichtete Papstpalast, der bis zum Jahr 1430 die Residenz mehrerer Päpste und Gegenpäpste gewesen war.
 
Auf dem gut ausgebauten Fahrradweg „Via Rhona“ (= Eurovelo 17) fuhr ich weiter zur Stadt Orange. Mit dem Namen Arausio war diese eine bedeutende Stadt im Imperium Romanum gewesen, und aus diesem Zeitraum ist ein Theater erhalten, das während der Regierungszeit von Kaiser Augustus Augustus (reg. 31 v. Chr. bis 14 n. Chr.) erbaut worden war und das ich am 27.07.2025 besuchte. Es gilt als eins der am besten erhaltenen antiken Theater.
 
Auf meiner Weiterfahrt folgte ich dem Fluß Ardèche. Dieser fließt in einer spektakulären Schlucht durch ein Kalksteinmassiv. Diese Schlucht wird von zahlreichen Kajakfahrern befahren, und es gibt dort eine Vielzahl von Kajak-Verleihern. Diese Gelegenheit habe ich genutzt und bin am 30.07.2025 ebenfalls mit einem geliehenen Kajak durch diese Schlucht gefahren, eine Strecke von ca. 32 km.
 
Dem Fluß Ardèche folgte ich nun hinauf in das Zentralmassiv, wobei ich am 01.08.2025 den Paß „Col de la Chavade“ (1266 m) überquerte. Dieser bildet eine Klima- und Vegetationsgrenze, an der die Klima- und Vegetationszone der mediterranen Subtropen der Mittelmeerregion endet. Nördlich des Paß „Col de la Chavade“ (1266 m) gleicht die Landschaft im Zentralmassiv der Landschaft der Mittelgebirge im mittleren Europa; die Landschaft in den Hochlagen des Zentralmassivs ist von Almwirtschaft und Fichtenmonokulturen geprägt, und auch die Tagestemperaturen sind hier deutlich kühler als in der Mittelmeerregion, einschließlich des Tales des Flusses Ardèche.
 
Bei meiner Fahrt durch das Zentralmassiv besuchte ich u.a. die Stadt Le Puy en Velay. Nun folgte ich dem Fahrradweg „Via Allier“ entlang dem Tal des Flusses Allier. Dann erreichte ich die Stadt Clermont-Ferrand. Es ist eine Doppelstadt, und das historische Zentrum befindet sich in Clermont. Hier hat Papst Urban II. im Jahre 1095 zum Ersten Kreuzzug aufgerufen, und dieses historische Ereignis mit weitreichenden globalhistorischen Folgen, die Papst Urban II. nicht intendiert hatte, bildet meinen Motivationsgrund für meinen Besuch der Stadt Clermont als dem Ort dieses historischen Ereignisses.
 
Es gilt, historische Forschung an den geografischen Originalschauplätzen historischer Ereignisse zu betreiben, eine geschichtswissenschaftliche Methode, die sich auf Herodot von Harlikarnassos (ca. 490 – 420 v. Chr.) zurückführen läßt. Allerdings fand ich bei meiner Stadtexkursion in Clermont am 07.08.2025 lediglich ein Denkmal von Papst Urban II. vor. Obwohl Teile des historischen Stadtzentrums von Clermont seit 1998 Unesco-Weltkulturerbe sind, erfährt der historisch interessierte Besucher nichts über dieses historische Ereignis und seine überaus weitreichenden globalhistorischen Folgen.
 
Zuletzt war das Zeitalter der Kreuzzüge mein Thema in Venedig gewesen, insbesondere die Rolle der Seerepublik Venedigs bei der Eroberung und Plünderung der Weltstadt Konstantinopel im Jahre 1204 während des Vierten Kreuzzuges und den weitreichenden, die globalen Verhältnisse der Gegenwart prägenden Folgen. Diese Eroberung und Plünderung Konstantinopels 1204 auf Veranlassung der Seerepublik Venedig bildet den Beginn der Untergangsphase des Byzantinischen Reiches.
 
Zweifellos sind die Kreuzzüge ein Beispiel für eine Aktion, die im historischen Verlauf eine Eigendynamik entwickelte und zu einem historischen Ergebnis und Folgen führte, die gänzlich den ursprünglichen Intentionen, hier denen von Papst Urban II., entgegen gesetzt waren. Gemäß dem Kausalprinzip von Ursache und Wirkung war das Ergebnis der Kreuzzüge der Untergang des Byzantinschen Reiches und der Aufstieg des Militärimperiums des Osmanischen Reiches, einer Orientalischen Despotie und Sklavenhaltergesellschaft, die fortan bis vor die Tore der Stadt Wien expandierte. Auch Venedig verlor seine Rolle als See- und Handelsmacht, die Seehandelsrouten verlagerten sich von Mittelmeer zum Atlantik, wo neue See- und Handelsmächte entstanden und Weltgeltung erlangten.
 
Von Clermont-Ferrand aus hatte ich am 08.08.2025 eine Exkursion auf den ehemaligen Vulkan Puy de Dôme (1465 m) unternommen. Vom Paß „Col de Cayssat“ (1078 m), den ich per Fahrrad erreichte, gelangt man über einen ehemaligen Maultierpfad auf den Gipfel des ehemaligen Vulkans Puy de Dôme (1465 m). Die oberste Gipfelregion ist waldfrei, und es stellt sich die Frage, ob es sich hier um eine natürliche klimatische Waldgrenze handelt, was ich nicht vermute. In den meisten Gebirgen wurde in historischer Zeit die natürliche klimatische Waldgrenze durch die Ausweitung der Almwirtschaft herabgedrückt, und offensichtlich erfolgte dies auch hier am Puy de Dôme (1465 m). Von oben bietet sich ein Panoramablick über die Kette der ehemaligen Vulkane des Zentralmassivs.
 
Von Clermont-Ferrand fuhr ich weiter auf dem Fahrradweg „Via Allier“, der entlang des Flusses Allier verläuft, zur Stadt Vichy. Erst vor wenigen Jahren hatte ich am 01.08.2018 im Rahmen einer Fahrradexkursion die Stadt Vichy besucht, sodaß jetzt meine Stadtexkursion in Vichy am 09.08.2025 nur kurz ausfiel. Vichy präsentiert sich als ein Kurort, als eine Stadt der „Belle Epoque“, des Second Empire und als Sommerresidenz von Kaiser Napoleon III.. Der Zeitraum der Jahre 1940 bis 1944, als Vichy unter besonderen Begleitumständen die Hauptstadt Frankreichs war, wird hingegen nirgendwo in der Stadt thematisiert. Neu ist, daß Vichy seit 2021 von der UNESCO gemeinsam mit zehn weiteren Städten in sieben Ländern Europas auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt wurde als „Grandes Villes d' Eaux d' Europe“.
 
Bei der Stadt Moulins verlies ich am 11.08.2025 das Tal des Flusses Allier, das unterhalb von Vichy den Landschaftscharakter einer großen agrarindustriellen Mais-Monokultur hat. Ich fuhr weiter an die Loire bei der kleinen Stadt Decize. Auf meiner Weiterreise umfuhr ich das Mittelgebirge des Morvan, das Höhen bis 901 m erreicht, im Südwesten.
 
Dann besuchte ich am 17.08.2025 die Stadt Autun, die unter dem Namen Augustodunum eine Hauptstadt des römischen Galliens gewesen war. Zuvor war Bibracte am Mount Beuvery (821 m) in den Hochlagen des Morvan im 2. und 1. Jh. v. Chr. die Hauptstadt des keltischen Stammes der Haeduer gewesen. Dort gibt es eine archäologische Stätte und ein Museum, die ich vor wenigen Jahren am 02.08.2013 im Rahmen einer Tagesexkursion per Fahrrad besucht hatte. Nach der Niederlage des Vercingetorix (ca. 82-46 v. Chr.) im Jahre 52 v. Chr. wurde diese Hauptstadt von Bibracte nach Augustodunum, dem heutigen Autun verlegt. Aus der römischen Antike gibt es in Autun verteilt über das Stadtgebiet bauliche Relikte, darunter ein Amphitheater, das 17.000 Zuschauer faßte.
 
Meine Fahrradreise setzte ich durch eine agrarindustrielle Weinbau-Monokultur zur Stadt Dijon fort, der ehemaligen Hauptstadt des Herzogtums Burgund. Der Name der Region Burgund geht auf die Burgunder zurück. Die Burgunder siedelten vor der sogenannten Völkerwanderung im Bereich der Flüsse Oder und Weichsel. Dann gründeten sie ein kurzlebiges Königreich am Mittelrhein, wo die Burgunder Gegenstand der Nibelungensage wurden. Anschließend wurden die Burgunder vom Imperium Romanum als Föderaten im Raum zwischen der Loire, der Rhone und der heutigen Schweiz angesiedelt, wo sie ein weiteres Königreich gründeten. Im Mittelalter gab es hier ein Herzogtum Burgund mit der Hauptstadt Dijon, das bis zur französischen Revolution bestand.
 
Von den Burgundern ist heute außer dem Namen einer Region nichts mehr übrig geblieben. Faktisch haben sich die Burgunder in der Weltgeschichte verlaufen, wie die meisten Völkerschaften im Zeitalter der sogenannten Völkerwanderung. Heute erinnert noch die Nibelungensage an die Burgunder und an das Zeitalter der sogenannten Völkerwanderung.
 
Nach meinem Besuch der Stadt Dijon folgte ich am 22.08.2025 dem Fahrradfernwanderweg Eurovelo 6 Richtung Osten. Als Donauradweg ist der Eurovelo 6 etwas weiter östlich der beliebteste und am meisten befahrene Fernradweg in Europa. Der Eurovelo 6 folgt dem Fluß Doubs am Nordwestrand des Jura-Gebirges.
 
Bei der Stadt Besançon versäumte ich am 23.08.2025 den Besuch der Zitadelle, die vom Festungsbaumeister Sébastian Le Prestre de Vauban (1633 - 1707) im 17. Jahrhundert für König Ludwig XIV. errichtet worden war. Vauban hatte den neuzeitlichen Festungsbau (Zitadelle) zu einer neuzeitlichen Wissenschaft entwickelt. Der neuzeitliche Territorialstaat Frankreich ist von mehr als 160 von Vauban geplanten neuzeitlichen Fortifikationen (Zitadelle) umgeben. 12 dieser Fortifikationen Vaubans sind seit 2008 Unesco-Weltkulturerbe, darunter die Zitadelle von Besançon. Diese neuzeitlichen Festungen sind zusammen mit stehenden Heeren und exakt vermessenen und permanent militärisch bewachten Grenzlinien ein Charakteristikum des neuzeitlichen, absolutistischen und zentralistischen Staates in Abgrenzung zum Personenverbandsstaat des Mittelalters. Die Architektur der neuzeitlichen Zitadelle wird insbesondere durch das Aufkommen von Kanonen mit großer Zerstörungskraft bestimmt. Das Aufkommen von Kanonen mit großer Zerstörungskraft leitete zudem den Niedergang der freien und selbstständigen Städte ein, deren Freiheit und Selbstständigkeit nun nicht mehr wie noch im Mittelalter durch Stadtmauern geschützt werden konnte.
 
Entlang dem Fahrradfernwanderweg Eurovelo 6 gelangte ich nun ins Elsaß. Das Elsaß hatte ich bislang nur einmal kurz besucht im Rahmen einer mehrwöchigen Fahrradreise mit Zelt im Sommer des Jahres 1983. Diese Fahrradreise führte grenzüberschreitend durch mehrere Länder des mittleren Europas, und das Motto war „Europa ohne Grenzen“. Damals trennte noch der „Eiserne Vorhang“ die östliche von der westlichen Hälfte Europas, sodaß diese Fahrradreise auf Länder der westlichen Hälfte Europas beschränkt bleiben mußte. Glücklicherweise sind heute Fahrradreisen auch in der östlichen Hälfte Europas möglich, und in den zurückliegenden Jahren habe ich auch in der östlichen Hälfte Europas mehrere Fahrradreisen unternommen.
 
Ich erinnere mich noch gut daran, daß es damals bei der Fahrradreise mit Zelt im Sommer des Jahres 1983 Probleme mit dem aggressiven Fahrstil der KFZ-Fahrer auf den Straßen gab, und diese Probleme fanden ihre Fortsetzung auf den Campingplätzen. Heute muß ich nach zahlreichen weiteren Fahrradreisen in verschiedenen Teilen Europas feststellen, daß diese Probleme mit dem aggressiven Fahrstil von KFZ-Fahrern trotz dem zwischenzeitlichen Ausbau weiterer Fahrradwege in einigen Ländern keinesfalls abgenommen haben, sondern im Gegenteil ganz erheblich zugenommen haben und weiterhin zunehmen. Die hegemoniale automobile Gesellschaft vernetzt sich über das Internet, um ihre Interessen auch aggressiv und militant durchzusetzen und Fahrradfahrer zu schikanieren.
 
Das Elsaß wollte ich mir jetzt gründlicher ansehen, um die dortigen Verhältnisse und historischen Entwicklungen insbesondere im extremen 20. Jahrhundert mit denen in Schlesien zu vergleichen, wo Entwicklungen durchaus ähnlich verlaufen sind. Schlesien und das Elsaß sind Regionen in Europa, in denen sich zeigen muß, ob Europa nach dem extremen 20. Jahrhundert eine Zukunft hat und wie diese Zukunft aussehen könnte.
 
Im Elsaß angelangt, besuchte ich am 25.08.2025 die Stadt Mühlhausen/Mulhouse. Diese im Jahre 1308 zur Freien Reichsstadt erhobenen Stadt trat im Jahre 1515 der Schweizer Eidgenossenschaft bei. Auf Beschluss des Stadtrats erfolgte allerdings im Jahre 1798 der Anschluß an Frankreich. Zweifellos würde die Stadt Mühlhausen/Mulhouse einen weitreichenden völkerrechtlichen Präzedenzfall mit dem möglichen Charakter einer historischen Zäsur schaffen, wenn heute der Stadtrat beschließen würde, der Schweizer Eidgenossenschaft beizutreten.
 
Die Städte erfuhren am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit einen Verlust ihrer Selbstständigkeit, Freiheit und Bedeutung im Zuge des Aufstiegs des absolutistischen Staates, der mit Ausnahme der Schweiz zum neuzeitlichen Staatsmodell in Europa avancierte. Somit ist das Modell der Schweiz im heutigen Europa ein Sonderfall, da nur in der Schweiz sich Traditionen direkter Demokratie, kommunaler Selbstverwaltung und genossenschaftlicher Organisation, die im Mittelalter weit verbreitet waren, entgegen den Tendenzen einer Zentralisierung seit dem Zeitalter des Absolutismus bis in die Gegenwart halten konnten. Bis heute haben die Städte ihre ehemalige Selbstständigkeit, Freiheit und Bedeutung nicht wiedererlangt und sie sind weiterhin der Machtpolitik der Staaten untergeordnet.
 
Bei meiner Weiterfahrt folgte ich dem Eurovelo 5 zur kleinen Stadt Cernay. Von hier aus führt die im Ersten Weltkrieg angelegte ehemalige Militärstraße „Route des Cretes“ durch die Hochlagen der Vogesen. Hier war der Hartmannsvillerkopf (956 m) mit insgesamt 30.000 Kriegstoten im Ersten Weltkrieg stark umkämpft, und seit dem Jahre 2017 befaßt sich ein deutsch-französisches Historial hier mit den historischen Ereignissen, das ich am 27.08.2025 besuchte. Neu ist, daß hier beide Seiten gleichermaßen und gleichberechtigt in den Blick genommen werden, womit dem Anspruch der Geschichtsdidaktik auf Multiperspektivität nachgekommen wird. Tatsächlich jedoch ist in der real-existierenden Gedenk- und Erinnerungskultur im gesamten Europa der geschichtsdidaktische Anspruch auf Multiperspektivität bis heute fast nirgendwo anzutreffen, sodaß dem deutsch-französischen Historial am Hartmannsvillerkopf (956 m) der Charakter eines beachtenswerten zukunftsweisenden Modells im öffentlichen Umgang mit Geschichte in Europa zukommt, von dem zu hoffen ist, daß es Schule macht. Insbesondere in der östlichen Hälfte Europas ist dieses zwingend erforderlich, wie dort die Entwicklungen seit 1989/90 zeigen, die an das Konfliktgeschehen der Zwischenkriegszeit anknüpfen.
 
Auch unternahm ich am 29.08.2025 eine Tour auf den Großen Belchen/Grand Ballon (1424 m), dem höchsten Berg der Vogesen. Die ehemalige Militärstraße „Route des Cretes“ führt bis auf eine Höhe von 1325 m in die Hochlagen der Vogesen hinauf, wohin ich per Fahrrad fuhr. Von dort führt ein Wanderpfad auf den Gipfel des Großen Belchen/Grand Ballon (1424 m). Mittlerweile war das Wetter wieder kühl und wechselhaft mit häufigem Regen. Im weiteren Verlauf meiner Fahrradreise besuchte ich im Elsaß die frühneuzeitliche Festungsstadt Neuf-Brisach, die Stadt Colmar, die Stadt Schlettstadt/Sélestat und die Hohe Königsburg.
 
Weiter fuhr ich zur Stadt Straßburg. Nach zwei Tagen Stadtexkursion in Straßburg setzte ich am 06.09.2025 meine Fahrradreise auf dem Fahrrad-Fernwanderweg Eurovelo 5 fort, der entlang dem Marne-Rhein-Kanal verläuft. Dieser alte Kanal aus dem Zeitalter des Merkantilismus durchquert in der Umgebung der Stadt Saverne die Vogesen mit zahlreichen Schleusen. Dann folgt der Eurovelo 5 dem Saarkanal nach Norden ins Saarland. Ich erreichte dann am 08.09.2025 die Stadt Saarbrücken im Saarland. Auch mein letzter Besuch des Saarlands liegt ebenso wie mein letzter Besuch des Elsaß schon lange zurück, und er erfolgte wie im Falle des Elsaß während meiner Fahrradreise im Sommer des Jahres 1983. Nach der üblichen Stadtexkursion, bei der ich in Saarbrücken Museen besuchte, setzte ich am 10.09.2025 meine Fahrradreise auf dem Saar-Radweg entlang des Flusses Saar fort.
 
Im Saarland folgte ich dem Fluß Saar zur Stadt Trier, die ich am 11.09.2025 erreichte. Trier hatte ich gegen Ende meiner Fahrradreise 2022 vor drei Jahren besucht. Neben Augsburg und Kempten ist Trier die älteste Stadt auf dem Territorium der heutigen Bundesrepublik Deutschland, und sie wurde wie diese zur Römerzeit unter der Regierung von Kaiser Augustus (reg. 31 v. Chr. bis 14 n. Chr.) im Jahre 17 vor Chr. unter dem Namen Augusta Treverorum gegründet. Eine herausragende Bedeutung erlangte die Stadt Trier im Zuge der Reformen des Kaisers Diokletian (reg. 284 – 305 n. Chr.) und der damit verbundenen Aufteilung des Imperium Romanum in vier Herrschaftsgebiete (Präfekturen), der sogenannten Tetrarchie, wobei die Stadt Augusta Treverorum Residenzstadt des westlichen Teils dieser vier Präfekturen wurde, der Präfektura Galliae, deren Territorium von den Britischen Inseln bis nach Mauretanien reichte. Aufgrunddessen entwickelte sich die Stadt Augusta Treverorum zur größten Stadt im Imperium Romanum nördlich der Alpen mit rd. 80.000 Einwohnern im 3. Jahrhundert und es erfolgte eine umfangreiche Bautätigkeit. Wie auch andernorts, darunter auch Rom, wurden auch in Trier die baulichen Relikte aus der Römerzeit über Jahrhunderte hinweg als Steinbruch genutzt.
 
In Trier gibt es ein exzellentes Museum zur Römerzeit, das Rheinische Landesmuseum Trier, und vor drei Jahren gab es dort eine Sonderausstellung zum Thema des „Untergangs“ des Imperium Romanums, ein Thema das viele Facetten hat, und es stellt sich die Frage, ob das Imperium Romanum in Folge der sogenannten Völkerwanderung tatsächlich untergegangen ist, und ob nicht vielmehr ein Transformationsprozeß stattgefunden hatte, was das Weströmische Reich betrifft.
 
Der von Konstantinopel aus regierte östliche Teil des Imperium Romanums kann hingegen eine Kontinuität bis weit ins Mittelalter vorweisen, wobei dessen Untergang, wie schon erwähnt, durch die Eroberung und Plünderung der Weltstadt Konstantinopel im Jahre 1204 während des 4. Kreuzzuges auf Veranlassung der Seerepublik Venedig eingeleitet wurde. Die Römerzeit war ein durchgehendes Thema meiner Fahrradreise in die mittlere Mittelmeerregion.
 
Von Trier aus folgte ich dem Fahrradweg entlang des Flusses Mosel zur Stadt Koblenz, die ich am 17.09.2025 erreichte. Die Stadt Koblenz liegt an der Einmündung der Mosel in den Rhein, und von der Festung Ehrenbreitstein bietet sich ein Panoramablick über die Flußlandschaft. Meine Fahrradreise setzte ich nun auf dem Rheinradweg entlang des Flusses Rhein fort. Ich passierte die Städte Andernach, Remagen und Bonn und erreichte die Stadt Köln, wo ich meine Fahrradreise am 21.09.2025 beendete.

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Fahrradreise Mittlere Mittelmeerregion I - Ein Reiseerlebnisbericht. Textversion 01 vom 23.10.2025.
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Manfred SUCHAN
Geograf
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Goethe-Denkmal im Park Borghese in Rom am 09.07.2025 während meiner Fahrradreise in die mittlere Mittelmeerregion im Sommer 2025. In Rom erinnert im Park Borghese ein Denkmal an Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) und seine Reise nach Italien und Rom in den Jahren 1786 bis 1788. Diese Reise von Goethe gilt als ein herausragendes Beispiel einer Bildungsreise im Zeitalter der Aufklärung. Heute geht es jedoch nicht mehr um Horizonterweiterung und Welterkenntnis, wie noch im Zeitalter der Aufklärung. Im heutigen Zeitalter des Massentourismus vermarktet die Tourismus-Industrie als Bestandteil der Konsumkultur Ablenkungen, Zerstreuungen und seichte Vergnügungen, und die gelangweilten Touristen vertrödeln ihre Zeit, wie man in sämtlichen Touristenzentren unübersehbar feststellen kann. 

Am Bosporus am 28.08.2023 während meiner Fahrradreise durch das südöstliche Europa im Sommer und Herbst 2023. 

Fahrradreise

Südöstliches Europa 

 Ein Reiseerlebnisbericht 

 von Manfred Suchan 

 
Dieser Reiseerlebnisbericht beinhaltet die Erlebnisse, Erfahrungen und Reflektionen meiner Fahrradreise vom 14. Juni 2023 bis zum 27. November 2023 durch die südöstliche Europa-Region. 
 

Einleitung 

 
Vom 14. Juni 2023 bis zum 27. November 2023 habe ich eine Fahrradreise durch die südöstliche Europa-Region unternommen. Auch jetzt war ich wieder mit Fahrrad und Zelt unterwegs. Bestandteil meiner Fahrradreisen sind zahlreiche Besichtigungen und Museumsbesuche. Fahrradreisen mit Zelt unternehme ich seit meiner Schulzeit. Während wir in einer permanent beschleunigten Gesellschaft zunehmend naturentfremdet in künstlichen Umwelten und virtuellen Realitäten leben, bietet das Fahrradreisen mit Zelt eine entschleunigte Reiseform, die eine für Wahrnehmungs- und Erkenntnisprozesse erforderliche Unmittelbarkeit und Authentizität des Reiseerlebnisses ermöglicht. Heute verfehlt Tourismus weitgehend seine ursprüngliche Intention von Welterfahrung und Welterkenntnis, denn die Tourismus-Industrie ist Bestandteil der Konsumkultur, und sie vermarktet Ablenkungen, Zerstreuungen und seichte Vergnügungen. Fahrradreisen mit Zelt ist eine Alternative. Fahrradreisen mit Zelt ist zudem eine sehr kostengünstige Form des Reisens, sie ist nicht exklusiv und nicht elitär, sondern demokratisch, denn jeder und jede kann sie praktizieren, um den „Kopf zu lüften“ und den Horizont zu erweitern. Zudem ist das Fahrradreisen naturverträglich und globalisierbar, in Gegensatz zum KFZ-Verkehr. 
 
Eine kurze Rucksackreise durch Teile des südöstlichen Europas hatte ich im Jahre 2014 durchgeführt, bei der ich durch Österreich, die Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Nordmazedonien, Kosovo, Albanien, Montenegro, Bosnien, Serbien und Kroatien gereist bin, doch seither bestand meine Absicht, eine längere Südost-Europa-Reise mit dem Fahrrad zu unternehmen. Diese beabsichtigte Fahrradreise durch das südöstliche Europa sollte einen Umfang haben, der sich logistisch noch sinnvoll bewältigen läßt, denn auf meinen Fahrradreisen nehme ich für sämtliche bereiste Regionen und Länder detaillierte Reiseführer (1) und Landkarten mit, da der Erkenntnisgehalt und die Qualität einer Reise insbesondere von der Qualität und Quantität der verfügbaren Reiseinformationen abhängen. Dadurch wird auch die sinnvolle maximale Länge und Dauer einer Fahrradreise limitiert. Größere Fahrradreisevorhaben, wie z.B. eine Weltreise an einem Stück, etwa im Stile eines Marco Polo, halte ich insbesondere aus derartigen organisatorischen und logistischen Gründen für ungeeignet, und es ist sinnvoller, große Fahrradreisevorhaben in überschaubarere und besser planbare kleinere Reisevorhaben aufzuteilen. Mittlerweile bin ich zu der Auffassung gelangt, daß es auch sinnvoller gewesen wäre, die im Jahr 2023 von mir durchgeführte Fahrradreise durch das südöstliche Europa in zwei separate Teile aufzuteilen, und schon in den Jahren zuvor hatte ich meine Fahrradreisen durch verschiedene geographische Regionen in zwei oder mehr separate Teile aufgeteilt: Skandinavien 2011, 2012 und 2015, die Ostseeregion 2009, 2014 und 2017, die Alpenregion 2015, 2016 und 2021, das östliche Mitteleuropa 2014, 2019 und 2021, sowie die südliche Nordseeregion 2020 und 2022. 
 
Bezüglich der gewählten Reiseroute für diese intendierte Fahrradreise durch das südöstliche Europa sah meine erste Planung vor, dem Verlauf der Donau entlang des Donau-Radweges (= Eurovelo 6) (2) zu folgen, um vom mittleren Europa zum südöstlichen Europa zu gelangen, und in Form einer Rundreise wollte ich dann im Uhrzeigersinn durch das südöstliche Europa radeln. Diesen Plan habe ich im Folgenden verschiedentlich abgeändert, insbesondere, um überwiegend durch Gegenden zu gelangen, die ich auf meinen Reisen bislang noch nicht kennengelernt habe. Gefahren bin ich dann auf meiner Fahrradreise die im Folgenden kurz skizzierte Reiseroute: Meine Fahrradreise durch das südöstliche Europa startete ich in Berlin und fuhr entlang dem Elbe-Radweg (= Eurovelo 7) (3) durch Sachsen nach Tschechien und weiter durch die Slowakei, das östliche Ungarn, Rumänien, Bulgarien, den Nordwesten der Türkei und erreichte nach rd. 4.500 km Fahrt die Megacity Istanbul am Bosporus. Von dort setzte ich meine Fahrradreise entlang der Südküste des Marmarameeres hin zur Meerenge der Dardanellen fort. Weiter fuhr ich durch Nord-Griechenland, Nordmazedonien, Serbien, Kroatien, Slowenien und Österreich und gelangte zurück nach Berlin. 
 
Meine Fahrradreise durch das südöstliche Europa startete ich am 14. Juni 2023. Doch eigentlich wollte ich diese Fahrradreise schon früher im Jahr beginnen. Es bestand jedoch das Problem, daß die Reisebedingungen aufgrund der fortdauernden sogenannten "Corona-Krise" auch im Jahr 2023 lange unklar gewesen sind. Ich hatte dann eine Recherche durchgeführt, um mir einen Überblick über die weltweite aktuelle Lage und über aktuelle Reisebedingungen zu verschaffen. Umfassende Informationen hielt ich vor einem Reisebeginn für unabdingbar, da zum Einen bis heute kein offizielles Ende der sogenannten "Corona-Krise" erklärt worden ist und in verschiedenen Ländern das Reisen einschränkende Auflagen und Maßnahmen weiter fortbestehen, und zum Anderen bei mir der Erfahrungshintergrund meiner zweiten Südamerika-Reise im Frühjahr 2020 besteht, die aufgrund des unter dem Vorwand der sogenannten "Corona-Krise" errichteten globalen Maßnahmenregimes scheiterte, wovon ich in meinem Texte: "Impressionen in Zeiten der 'Corona-Krise' - Ein Reisebericht aus Südamerika" berichte. Aufgrund dieser auch im Jahr 2023 unklaren und unsicheren Verhältnisse bezüglich Reisemöglichkeiten und Reisefreiheit habe ich mich auch im Jahr 2023 auf eine Fahrradreise in Europa beschränkt und habe angedachte Reisevorhaben außerhalb Europas und nach Übersee erneut zurückgestellt. 
 
Der vorliegende Reiseerlebnisbericht meiner Fahrradreise durch das südöstliche Europa besteht aus zwei Teilen: einem ersten Teil, der mein Konzept des Fahrradreisens als eine Methode der Erfahrung und der Erkenntnis vorstellt. Der zweite Teil stellt den Verlauf der Reise dar, wobei einzelne Themen, die ich auf der Reise angetroffen habe und mit denen ich mich eingehender befaßt habe, ausführlicher behandelt werden. 
 

Teil 1: Fahrradreisen als Erkenntnismethode 

 
Das Reisen mit dem Fahrrad ist nicht nur eine Form der Fortbewegung und ein Stil des Reisens, es ist darüber hinaus vielmehr eine Methode der Wahrnehmung, Erfahrung und Erkenntnis von „Welt“, „Natur“ und „Wirklichkeit“, die eine große Unmittelbarkeit und Authentizität ermöglicht. Der Reisestil und die Reiseart sind zugleich Wahrnehmungs- und Erkenntnismethode, um den Forschungsgegenstand, die historisch gewachsene Natur- und Kulturlandschaft, erfassen und „lesen“ zu können. Dafür darf man die Landschaft nicht motorisiert durchhasten, sondern es bedarf eines angemessenen, unmittelbaren Reisestils und einer angemessenen Geschwindigkeit. Auch das Übernachten im Zelt inmitten der Landschaft ermöglicht weitere Unmittelbarkeit und direkte, unverfälschte Wahrnehmungs- und Erkenntnismöglichkeiten. 
 
Wir leben heute zunehmend in künstlichen und virtuellen Welten, die unsere Wahrnehmungen und Erfahrungen prädisponieren, prägen und formen. Hinzu kommt die Konsumkultur, die Ablenkungen, Zerstreuungen und seichte Vergnügungen produziert und vermarktet, sowie die permanente Beeinflussung durch Massenmedien einer Massengesellschaft. In einer permanent beschleunigten Gesellschaft durchhasten wir automobil die Landschaften, die abgeschirmt von unseren sinnlichen Wahrnehmungen lediglich durch die Windschutzscheibe flüchtig zur Kenntnis genommen werden. Jegliche Intensität und Authentizität der Wahrnehmung von „Welt, „Natur“ und „Wirklichkeit“ ist in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft verloren gegangen, und dies erreicht nun im angebrochenen digitaltechnischen Zeitalter gänzlich neue Ausmaße, Intensitäten und Qualitäten der Entfremdung des Menschen. Es zeichnet sich ab, daß im digitaltechnischen Zeitalter das Individuum gänzlich ein Objekt von Überwachung, Kontrolle und Manipulation werden wird. 
 
Es ist bekannt, daß in der Wissenschaft die Wahl der angewandten Methoden und das Erkenntnisinteresse der Forschenden die zu erzielenden wissenschaftlichen Ergebnisse prädisponieren, mitbestimmen und prägen, und wissenschaftliche Objektivität und methodische Exaktheit zwar postuliert, realiter aber nur begrenzt möglich sind. Hierzu kommt das Diktat der Herrschenden Meinung (HM), das nicht nur die öffentliche Meinung bestimmt, sondern gleichfalls den gesamten etablierten Wissenschaftsbetrieb, sodaß die viel beschworene Wissenschafts- und Forschungsfreiheit zwar auf dem Papier steht, doch tatsächlich bestimmen die Interessen staatlicher und nichtstaatlicher Akteure und Lobbyisten und deren Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiepolitik den Universitäts-, Wissenschafts- und Forschungsbetrieb. Mit der sogenannten „Bologna-Reform“ wurde der Universitäts- und Wissenschaftsbetrieb im gesamten EUropa gleichgeschaltet, und dieser ist seither ein Anhängsel des Wirtschaftsprozesses im europäischen Großwirtschaftsraum, der von der Europäischen Union verwaltet wird. Heute sitzen Wissenschaftler in Bibliotheken, Archiven und Laboren, und kaum jemand verläßt diese Komfortzone des Elfenbeinturms, um selbst in Erfahrung zu bringen, wie die Welt beschaffen ist und was in der Welt der Fall ist. 
 
Für den geo- und biowissenschaftlich sowie historisch-anthropologisch Kundigen ist die Landschaft ein aufgeschlagenes und zu lesendes Geschichtsbuch, und der Boden ein Archiv der Geschichte der Erde, der Natur und der Menschheit. Doch die Landschaft zu „lesen“ vermag nur der, der sich darum bemüht und diese nicht mit Ignoranz durchhastet. Eine geeignete Form des Reisens und ein angemessener Reisestil ist eine Voraussetzung, wie es z.B. Fahrradreisen, Wandern und Reisen mit dem Kanu ermöglichen. Die Reiseart und die Fortbewegungsform sind ebenso wie der Aufenthalt in der Natur zu allen Tages- und Jahreszeiten zugleich wesentliches Wahrnehmungsmittel sowie Erfahrungs- und Erkenntnismethode. Diese methodische Praxis hebt zugleich ein Stück weit die Entfremdung des modernen Menschen von der Natur auf. In wesentlichen Teilen kann diese methodische Praxis auf Fridtjof Nansen (1861-1930) und sein Konzept des „Friluftsliv“ (Freiluftleben) zurückgeführt werden (4). Die Entfremdung von der Natur ist eine Entfremdung von unserem blauen Planeten als einem lebenden dynamischen System, mit dem der Mensch über einen gemeinsamen evolutions-ökologischen Prozeß aufs Engste verbunden ist, und was von unserem modernen, evolutions-ökologisch fundierten geodynamischen Weltbild zum Ausdruck gebracht wird. 
 
Doch unsere fortgeschrittene Industriegesellschaft löscht überall, wo sie tätig wird, unwiederbringlich sämtliche in der Landschaft und im Boden enthaltene Informationen, indem sie die Landschaften planiert und zweckrational umgestaltet und das gesamte, die Landschaft bildende Substrat, also die Pedosphäre und Lithosphäre, zu einer amorphen Matrix durchmischt, nutzlos für zukünftige Wissenschaften. Der Lärm, den die Industriegesellschaft bei der Umwandlung der Landschaften, der Natur und der Gesellschaften in gleichförmige und sterile Monokulturen permanent erzeugt, ist bis in die entferntesten Periferien omnipräsent, er beeinträchtigt jegliches Nachdenken und man kann sich diesem nirgendwo entziehen. 
 
Methodische Hilfsmittel, insbesondere zur Dokumentation der Reise, sind eine Digitalkamera und insbesondere mein Notizbuch. Das Notizbuch ist das zentrale Medium der Dokumentation, Reflektion und Erkenntnisgewinnung in meiner Reise- und Lebenspraxis. M.E. ist das Notizbuch eine der bedeutendsten und wertvollsten Kulturtechniken, denn es ermöglicht, das gesamte Leben als einen fortschreitenden und zusammenhängenden Erfahrungs- und Erkenntnisprozess zu gestalten und zu organisieren. In Form der Kulturtechnik des Notizbuches wird deutlich erkennbar, daß sich die Schrift und das Schreiben von ihrem ursprünglichen Entstehungszusammenhang als bürokratische Verwaltungs- und Herrschaftstechnik in den alten Hochkulturen vollständig emanzipiert hat und zu einem Mittel der Reflektion und Erkenntnisgewinnung geworden ist. Das Schreiben war schon im alten Griechenland zu einer Kulturtechnik entwickelt worden, mit der Menschen über Jahrhunderte hinweg miteinander kommunizieren konnten. Im Zuge der voranstürmenden Digitaltechnischen Revolution wird voraussichtlich zukünftig das Notizbuch als der letzte Zufluchtsort geistiger Freiheit verbleiben. 
 
Meine Reisenotizen in meinem Notizbuch bilden die Grundlage für die Verfassung weiterer Texte, wie z.B. dem vorliegenden Reiseerlebnisbericht sowie Texten zu verschiedenen Einzelthemen, mit denen ich mich im Rahmen der jeweiligen Reise befaßt habe, und dies insbesondere, weil mir diese Themen während der Reise wiederholt begegnet sind. Grundlage dafür ist, daß ich meine Reisen weitgehend offen bezüglich der Themen und der Ergebnisse beginne. So liegt bei Reisebeginn auch die Reiseroute nicht detailliert fest, sondern nur die geografische Region, die ich auf der jeweiligen Reise bereisen und kennenlernen will. Somit bereise ich auch keine Länder, sondern von mir definierte und ausgewählte geografische Regionen, und dies ist eine Frage der wissenschaftlichen Kategorienbildung und der Klassifizierung. 
 
Schon die menschliche Sprache ist ein System der Kategorienbildung: Die von den in die Welt hineingeworfenen Menschen vorgefundene unermeßliche, unendlich vielfältige, unüberblickbare, unverstandene und unbegriffene Natur wird mittels der Sprache in einzelne Begriffe zergliedert, womit die unendliche und unüberblickbare Vielfalt der Natur handhabbar und zugleich kommunizierbar wird. Dieser Prozeß der Kategorienbildung ist eine radikale Reduktion der unendlichen Vielfalt in der Natur, um diese für die Begrenztheit des menschlichen Denkens verständlich und begreifbar zu machen. Es entsteht somit immer nur ein reduziertes Erklärungsmodell von „Natur, „Welt“ und „Wirklichkeit“, was jedoch niemals in der Lage ist, „Natur“, „Welt“ und „Wirklichkeit“ vollständig und endgültig zu erfassen und zu repräsentieren. Daher läßt sich das vom begrifflichen Denken gelieferte Modell der Wirklichkeit nicht mit der Wirklichkeit selbst gleichsetzen. Verschiedene Kulturen haben im Verlauf der Menschheitsgeschichte verschiedene Erklärungsmodell von „Natur, „Welt“ und „Wirklichkeit“ entwickelt, was ein Bestandteil der kulturellen Vielfalt der Menschheit ist, und diese wandeln sich im Laufe der Zeit. Auch unsere wissenschaftlich fundierten Erklärungsmodelle von „Natur, „Welt“ und „Wirklichkeit“ verändern sich im Laufe der Zeit, z.B. im Rahmen einer „wissenschaftlichen Revolution“ (5). 
 
Kategorienbildung ist eine Grundlage einer jeden wissenschaftlichen Disziplin, und es stellt sich die Frage, was die Wissenschaftlichkeit einer wissenschaftlichen Kategorienbildung ausmacht: Jede wissenschaftlichen Kategorienbildung in jeder wissenschaftlichen Disziplin muß nach signifikanten, nachvollziehbar und überzeugend begründeten Kriterien erfolgen. Im Rahmen meiner Reisen erfolgt diese Kategorienbildung insbesondere nach natur- und kulturgeografischen Kriterien. Die weitgehende Offenheit der Reise bezüglich Reiseroute und Themen ist eine Grundlage dafür, daß die Reise den Charakter eines ergebnisoffenen Lern- und Erkenntnisprozesses hat, dessen Bestandteil die Reiseerlebnisse und die Reiseerfahrungen sind, womit Aspekte der Erlebnispädagogik (6) Berücksichtigung finden. 
 

Teil 2: Verlauf meiner Fahrradreise durch das südöstliche Europa 

 
Im Folgenden stelle ich meine Fahrradreise durch das südöstliche Europa und meine Reiseerlebnisse ausführlicher dar, wobei ich einige markante Themen hervorhebe und umfangreicher ausführe: 
 
Meine Fahrradreise durch das südöstliche Europa beginne ich am 14. Juni 2023 vor meiner Haustüre in Berlin, wo ich auch schon einen Teil meiner Fahrradreisen in den Jahren zuvor begonnen hatte. Die Metropole Berlin verlasse ich auf dem Mauerradweg (7) entlang des Teltow-Kanals. Hinter der Berliner Stadtgrenze, entlang der bis 1989 die Berliner Mauer verlief, beginnt auch heute noch mit einer markanten Bebauungs- und Siedlungsgrenze abrupt der Ländliche Raum. Eine suburbane Zersiedlung der Berlin umgebenden Agrarlandschaft hat bislang kaum stattgefunden. Über holprige Betonplattenwege gelange ich durch eine flurbereinigte, monotone, großflächige Agrarlandschaft, die durch die Industrialisierung der Landwirtschaft in der DDR geschaffen wurde. Weiter fahre ich durch den Fläming. Die Landschaft ist hier durch ausgedehnte gleichförmige Kiefern-Monokulturen geprägt, in denen es umfangreiche Reste ehemaliger Militäranlagen gibt, die langsam verfallen. Ein großer Teil dieser ehemaligen Militäranlagen wurde vom sowjetischen Militär (8) genutzt, bis dieses im Jahre 1994 vollständig abgezogen wurde. Dieser Abzug des sowjetischen Militärs war im Rahmen des Zwei-plus-Vier-Vertrages (9) bis zum 31. Dezember 1994 vereinbart worden. Während die KSZE (10) in ihrer Charta von Paris (11) im November 1990 den Ost-West-Konflikt für beendet erklärte, der Warschauer Pakt am 1. Juli 1991 aufgelöst wurde (12) und das sowjetische Militär aus der östlichen Hälfte Europas abgezogen wurde, wurde jedoch die Zusage, die Nato nicht nach Osten auszuweiten, nicht eingehalten (13). Bei Torgau erreiche ich die Elbe und fuhr entlang dem Elbe-Radweg (= Eurovelo 7) durch Sachsen nach Tschechien. 
 

Waldsterben in den Sudeten 

 
Bei der Stadt Děčín/Tetschen verließ ich den Elbe-Radweg. Bei meinen Fahrradreisen durch Teile des östlichen Mitteleuropas in den Jahren 2019 und 2021 war ich nördlich der Sudeten entlanggefahren. Jetzt fuhr ich an der Südseite des Riesengebirges entlang und besuchte dabei auch die Stadt Hradec Králové/Königgrätz. Hier und in der Umgebung hatte es während des Preußisch-Österreichischen Krieges (14) am 03.07.1866 die Schlacht bei Königgrätz gegeben, die als die zweitgrößte Schlacht des 19. Jahrhunderts gilt. Der Preußisch-Österreichgische Krieg des Jahres 1866 war nicht der erste Krieg zwischen Preußen und der Habsburger-Monarchie gewesen, ihm gingen die drei Schlesischen Kriege in den Jahren 1740 bis 1763 (15) voraus. In der gesamten Umgebung der Stadt Hradec Králové/Königgrätz erinnern zahlreiche Denkmäler und Grabstätten an dieses historische Ereignis des Jahres 1866, und zahlreiche Infotafeln erklären in vier Sprachen (Tschechisch, Englisch, Deutsch, Polnisch) zahlreiche Details des Geschehens. Die in der gesamten Landschaft anzutreffenden zahlreichen detaillierten Infotafeln und die vielen Erinnerungs- und Gedenkorte zeigen auf, daß hier große geschichtswissenschaftliche und archäologische Anstrengungen geleistet werden, um die Ereignisse des Jahres 1866 zu rekonstruieren und aufzuklären. Im Dorf Chlum gibt es zu diesen historischen Ereignissen ein „Kriegsmuseum 1866“ (16) mit einem benachbarten Aussichtsturm. Die Ausstellungen des Museums gliedern sich im Wesentlichen in zwei Teile, wobei der Ausstellungsteil im Erdgeschoß die historischen Umstände und Rahmenbedingungen der Ereignisse des Jahres 1866 zum Thema hat, während ein weiterer Ausstellungsteil im Untergeschoß Aspekte und Einzelheiten der Schlacht bei Königgrätz am 03.07.1866 darstellt. In Anbetracht der Ereignisse des (extremen) 20. Jahrhunderts gelangt das 19. Jahrhundert oft in den Hintergrund und wird kaum wahrgenommen (abgesehen von der Ära der Napoleonischen Kriege), sodaß es aufschlußreich ist, daß hier bedeutende Ereignisse des 19. Jahrhunderts ausführlich dargestellt werden. U.a. wird im Museum darauf verwiesen, daß die Ereignisse des Jahres 1866 als Bestandteil der Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs angesehen werden sollten. Beachtenswert ist der Umstand, daß der Krieg des Jahres 1866 Seuchen zur Folge hatte: Eine Cholera-Epidemie forderte alleine in der Habsburger-Monarchie ca. 120.000 Todesopfer, was die Zahl der Kriegstoten der Schlacht bei Königgrätz mit ca. 55.000 Todesopfern deutlich übertrifft. Vergleichbares ereignete sich dann in größerem Maßstab während des Ersten Weltkrieges, der die sogenannte „Spanische Grippe“ zur Folge hatte mit ca. 25 bis 50 Mio. Todesfällen weltweit (17). 
 
Weiter fuhr ich durch den Glatzer Kessel zum Altvatergebirge (18). Das Riesengebirge und das Altvatergebirge sind Bestandteile des Gebirgszuges der Sudeten (19), der ca. 310 km lang und 30 bis 50 km breit ist. Im Altvatergebirge unternahm ich am 02.07.2023 eine Fahrrad-Exkursion in die Gipfelregion, wobei ich die höchste Erhebung des Altvatergebirges, den Altvater/Pradet (1491 m) erreichte. Vergleichen wollte ich die Hochlagen des Altvatergebirges mit denen des Riesengebirges. Zuletzt war ich im Jahre 2019 während einer Fahrradreise durch Schlesien im Riesengebirge gewesen und war dort am 26.09.2019 auf die Schneekoppe (1603 m) (20) gelangt, dem höchsten Berg des Riesengebirges. Das Riesengebirge ist ein Naturschutzgebiet, das als Nationalpark (Karkonoski Park Narodowy) geschützt ist (21). Im Riesengebirge liegt die klimatische Waldgrenze (22) bei einer Höhe von etwa 1200 m. Die höchsten Lagen des Riesengebirges im Bereich der Schneekoppe (1603 m) liegen oberhalb der klimatischen Waldgrenze, und diese baumlose Hochgebirgslandschaft ähnelt dem Kahlen Fjell (23) des Skandinavischen Gebirges. Die potentielle natürliche Vegetation (24) im Riesengebirge ist entsprechend den Höhenstufen (25) in den Tallagen Laubwald (26) und in den Hochlagen Bergwald (27). 
 
Das Riesengebirge und das Altvatergebirge waren in den 80er Jahren die Regionen in Europa gewesen, die am Meisten vom Waldsterben (28) betroffen gewesen sind. Während meines Studiums an der Freien Universität Berlin war das Thema „Waldsterben“ damals in meinem Nebenfach Biologie ein auch von mir bearbeitetes Thema gewesen. In der zweiten Hälfte der 80er Jahre konnte ich mir selbst im Riesengebirge ein Bild von der Lage machen: In den gesamten Hochlagen des Riesengebirges waren die dort dominierenden Fichtenreinbestände großflächig über etliche Quadratkilometer hinweg abgestorben, sodaß der Wald im Riesengebirge überwiegend aus grauen Fichtengerippen bestand. 
 
Es stellt sich die Frage, warum insbesondere in den Mittelgebirgen in Europa großflächige Fichtenmonokulturen dominieren und nicht natürliche, standortgerechte Mischwälder, die sich dort im Zuge einer Sukzessionsfolge (29) als Klimax-Zustand etablieren würden. Das Erscheinungsbild des Waldes (30) änderte sich durch die Einwirkungen des Menschen erheblich im Laufe der Zeit, was die Geschichte des Waldes aufzeigt (31). Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurden im Zuge der Entstehung der modernen Forstwirtschaft (32) aus forstwirtschaftlichen Erwägungen heraus insbesondere in Mitteleuropa und auch im Riesengebirge großflächige Fichtenmonokulturen angelegt, die auch heute noch überwiegend das Erscheinungsbild des Waldes prägen. Anstatt auf natürlichen Wald als einer artenreichen Biozönose (33) treffen wir somit heute überall auf artenarme Monokulturen (34) forstwirtschaftlicher Nutzholzplantagen (35), die sich durch sehr geringe Biodiversität (36) auszeichnen. Auch im Riesengebirge und im Altvatergebirge besteht der Wald nahezu vollständig aus Fichtenmonokulturen. Die sich weltweit permanent ausdehnenden Monokulturen der industriellen Land- und Forstwirtschaft sind die Hauptursache des globalen Verlustes an Biodiversität und des rasanten Artensterbens (37). Im gegenwärtigen Erdzeitalter des Anthropozän (38) ereignet sich derzeit das sechste Massenaussterben (39) der Erdgeschichte, und dieses ist noch weit vor dem sogenannten „Klimawandel“ das größte ökologische Problem. 
 
Warum waren insbesondere die Sudeten und das Altvatergebirge mehr als andere Waldgebiete in Europa vom Waldsterben betroffen? In Mitteleuropa haben wir zu etwa 90% Wetterlagen mit Westwind, sodaß die Luftverschmutzungen nahezu sämtlicher Industriegebiete Europas, insbesondere aus England, Nord-Frankreich, Belgien, dem Ruhrgebiet, der DDR und Böhmen die Sudeten erreichten. Zudem sind Fichtenmonokulturen wie jede Monokultur im Vergleich mit der standortgerechten potentiellen natürlichen Vegetation sehr viel weniger stabil und weit anfälliger gegenüber jeder Form von Umweltbelastung, und somit auch gegenüber industriellen Luftverschmutzungen. Mit der Einrichtung von Entschwefelungsanlagen und der Erfindung und Verbreitung der Gipskartonplatte im Gebäude-Innenausbau verschwand das Thema „Waldsterben“ in den 90er Jahren aus den Schlagzeilen. 
 
Doch die Kritik an der industriellen Forstwirtschaft und der durch sie bewirkten Umwandlung der Wälder in monotone, gleichförmige und artenarme Nutzholzplantagen mit sehr geringer Biodiversität behält weiterhin ihre Berechtigung, zumal die forstindustrielle Umwandlung artenreicher natürlicher Wälder in gleichförmige und monotone Nutzholzplantagen weltweit weiter voranschreitet, wobei die industrielle Forstwirtschaft „Wald“ als eine Ansammlung von Holzgewächsen begreift, die sich zweckrational ausschließlich über den Nutzholzertrag in Kubikmeter pro Hektar und Jahr bemessen und quantifizieren läßt, und dem Wald als Ökosystem keinerlei Bedeutung und Wert zukommt. So sind die sogenannten „Waldschäden“ wie Borkenkäferplagen, großflächiger Windbruch und Waldbrandgefahr überhaupt erst ein Produkt der Bewirtschaftungsmethoden der modernen industriellen Forstwirtschaft und der durch sie geschaffenen gleichförmigen und sterilen Monokulturen, doch die industrielle Forstwirtschaft leugnet einen Kausalzusammenhang, was auch beim Wikipedia-Artikel zum Thema „Waldschäden“ (40) deutlich wird. 
 
Warum expandieren weltweit die gleichförmigen und sterilen Monokulturen der industriellen Forstwirtschaft auf Kosten naturnaher artenreicher Wälder? In der Industriegesellschaft werden sowohl die Natur, als auch die Gesellschaft gemäß „instrumenteller Vernunft“ (41) (Max Horkheimer) zweckrational zugerichtet und in sterile, gleichförmige Monokulturen umgewandelt, und jegliche Vielfalt geht dabei verloren (42). Die fortgeschrittene Industriegesellschaft hat das Ziel, permanentes Wirtschaftswachstum zu erzwingen, wofür sämtliche Bereiche der Gesellschaft zugerichtet und gleichgeschaltet werden. Mit der permanenten Ausweitung des Konsums verbunden ist ein permanent wachsender Verbrauch von Rohstoffen und eine permanent wachsende Verschwendung von Energieressourcen mit der Folge sich ausweitender Naturzerstörungen. Ebenso wird im auf Hochtouren laufenden industriellen Produktionsprozeß die menschliche Arbeits- und Lebenszeit verschwendet. Immer weitere gesellschaftliche Bereiche werden ökonomischem Kalkül unterworfen, zweckrational zugerichtet und gemäß instrumenteller Vernunft gleichgeschaltet und industrialisiert. 
 
Die alternativlose Notwenigkeit permanenten Wirtschaftswachstums ist nicht nur Produkt einer Medienkampagne, es ist vielmehr die Grundlage nahezu jeglicher wirtschaftlicher und politischer Theorie und Praxis (43). Nur durch permanentes Wirtschaftswachstum, das im Allgemeinen in Form des Bruttosozialprodukts (BSP) gemessen wird, entsteht nach allgemeiner Auffassung Wohlstand und Lebensqualität, und diese messen sich in der Menge der konsumierbaren Industrie-Produkte und Waren. In der Konsumgesellschaft (44), die zugleich eine Wegwerfgesellschaft ist, werden die Menschen auf die Rolle und Funktion von Konsumenten standardisierter Industriefertigprodukte reduziert und es verkümmert ihre Kreativität und Initiative. Folge ist eine Konsumkultur, die durch Passivität und Bequemlichkeit, durch Ablenkungen, Zerstreuungen und seichte Vergnügungen, durch Besinnungs- und Reflektionslosigkeit geprägt ist. Die Konsumkultur verhindert, daß die Menschen nach dem Modell der Maslowschen Bedürfnishierarchie (45) die Ebene der Transzendenz erreichen. In der Konsumkultur bleiben sie Gefangene nicht reflektierter Leidenschaften und manipulierter Wünsche. Die Konsumkultur ist nach der Analyse des Sozialpsychologen Erich Fromm (1900-1980) vom Haben und nicht vom Sein bestimmt: „Wenn die Menschen jemals frei werden, das heißt dem Zwang entrinnen sollen, die Industrie durch pathologisch übersteigerten Konsum auf Touren zu halten, dann ist eine radikale Änderung des Wirtschaftssystems vonnöten“ (46). 
 
Der Umgang mit dem Rohstoff Holz in unserer Konsumgesellschaft entwertet diesen zu einem Wegwerfprodukt, und immer größere Mengen an Holz, die zu immer kurzlebigeren Produkten verarbeitet werden, müssen den Wirtschaftsprozeß passieren, um weiteres Wirtschaftswachstum der mit dem Rohstoff Holz verbundenen Branchen zu gewährleisten. Es besteht also auch hier ein Wachstumszwang (47), da sich in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft scheinbar sämtliche wirtschaftlichen, politischen und sozialen Probleme durch permanentes Wirtschaftswachstum lösen lassen. Die ökologische Krise bildet hingegen eine Ausnahme, sodaß es seit Anfang der 70er Jahre eine Wachstumskritik (48) gibt. Das Konzept eines sogenannten „Grünen Wachstums“ (49) ist jedoch der Versuch, der Wachstumskritik auszuweichen und das Dogma des Wirtschaftswachstums zu retten. Erforderlich ist eine stationäre Wirtschaft (50) im Sinne von Subsistenzwirtschaft (51). Wenn wir zukünftig naturnahe artenreiche Wälder mit hoher Biodiversität haben wollen, ist somit ein Abschied vom Dogma des Wirtschaftswachstums und ein anderer gesellschaftlicher Umgang mit dem Rohstoff Holz erforderlich. 
 
Die Gipfelregion des Altvatergebirges ist mit Straßen und großen Parkplätzen autogerecht erschlossen, und ein riesiger Turm dominiert den Gipfel, der die technische Beherrschung der Gebirgsnatur durch die Industriegesellschaft zum Ausdruck bringt. Anspruch der automobilen Gesellschaft ist es, jeden noch so abgelegenen Punkt in der Landschaft automobil erreichen zu können, und zu diesem Zweck werden sämtliche Landschaften automobil erschlossen und entsprechend zugerichtet. Autogerechte Planung hat überall weiterhin Priorität, und allenorts leistet insbesondere die EU große Aufwendungen, um in dem von ihr verwalteten und permanent erweiterten europäischen Großwirtschaftsraum die KFZ-Infrastruktur auszubauen und auszuweiten, denn die automobile Beschleunigung der Gesellschaft ist Mittel zur Erzeugung permanenten Wirtschaftswachstums. 
 

Nationalismus und das Scheitern des Völkerbundes 

 
Bei meiner Weiterfahrt besuchte ich in der Stadt Opava/Troppau das Schlesische Museum (52). Schon bei meinen früheren Fahrradreisen hatte ich die Schlesischen Museen in den Städten Görlitz und Kattowitz besucht. Dann gelangte ich durch das Hultschiner Ländchen (53). Das Hultschiner Ländchen ist ein Teil der Region Oberschlesien (54). Bei der Kreisreform vom 01.01.1818 im Regierungsbezirk Oppeln wechselte das Hultschiner Ländchen mit der Stadt Hultschin/Hlučín aus dem Landkreis Leobschütz (55) in den Landkreis Ratibor (56). Am 01.01.1920 wurde das Hultschiner Ländchen ohne Volksabstimmung ein Bestandteil der als ein Zerfallsprodukt der Habsburger-Monarchie neu entstandenen Tschechoslowakei, während im übrigen Oberschlesien Volksabstimmungen (57) durchgeführt wurden, für die eine Interalliierte Regierungs- und Plebiszitkommission (58) zuständig war, die zudem Teilungspläne für Oberschlesien ausarbeitete. Die Angelegenheit wurde an eine Kommission des Völkerbundes übertragen, und der Völkerbundsrat entschied sich 1921 für eine Teilung Oberschlesiens. Sowohl der Interalliierten Regierungs- und Plebiszitkommission, als auch dem Völkerbund lag offensichtlich die Auffassung zugrunde, die Nationalität der Menschen sei eine natürliche, von Geburt an gegebene, unveränderliche, exakt zu messende und zu ermittelnde Eigenschaft, und ebenso seien Nationen naturgegebene Tatsachen, deren natürliche Grenzen sich exakt in der Landschaft ermitteln und bestimmen lassen. Tatsächlich jedoch ist das östliche Europa und mehr noch das südöstliche Europa durch hochgradige ethnische und sprachliche Gemengelagen geprägt, sodaß es dort zuvor überwiegend Vielvölkerstaaten gab. Jeder Versuch von Grenzziehungen im Zuge der Schaffung homogener Nationalstaaten muß zwangsläufig zu endlosen und eskalierenden Konflikten führen, was sich tatsächlich auch ereignete, sodaß radikale und kompromißlose Nationalisten die Konflikte eskalierten und ein neuer großer Krieg entstehen konnte. Vor diesem Hintergrund beginnt m.E. das Scheitern des Völkerbundes (59) in Oberschlesien. Unübersehbar wurde am Beispiel von Oberschlesien deutlich, daß nicht Gleichberechtigung angestrebt wird und Minderheitenrechte im Vordergrund stehen, sondern Machtpolitik betrieben wird. 
 
Noch immer gilt es in Europa als Zumutung und als ein zu beseitigender Zustand, wenn mehrere Sprachgruppen in einem Staat zusammenleben (müssen), und der homogene Nationalstaat gilt weiterhin als das anzustrebende Ideal der Politik. Doch insbesondere die östliche Hälfte Europas ist durch eine hochgradige Gemengelage der verschiedenen Sprachgruppen, Ethnien und Religionen geprägt, wie ein Blick auf eine Siedlungskarte unübersehbar erkennen läßt. Daher waren bis zum Ersten Weltkrieg die meisten Staaten in der östliche Hälfte Europas Vielvölkerstaaten (60) bzw. Nationalitätenstaaten. So auch das Kaiserreich Österreich-Ungarn (61), welches ein geradezu idealtypisches Beispiel eines Vielvölkerstaates gewesen ist. Der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn sah sich der weitgehenden Gleichberechtigung der Sprachgruppen und Völker verpflichtet, was in Artikel 19 (Gleichberechtigung aller Volksstämme des Staates) der Dezemberverfassung Österreich-Ungarns von 1867 zum Ausdruck gelangte, und wie der Historiker Philipp Ther in seinem Buch: „Die dunkle Seite der Nationalstaaten. ‚Ethnische Säuberungen‘ im modernen Europa“ feststellt: „Jeder der ‚Volksstämme‘ der Monarchie hatte gemäß der Verfassung von 1867 anerkannte Rechte, Individuen durften wegen ihrer Nationalität nicht benachteiligt werden“ (62). Der Historiker und Politiker František Palacký (1789-1876) vertrat die Auffassung: „Wahrlich, existierte der österreichische Kaiserstaat nicht schon längst, man müßte im Interesse Europas, im Interesse der Humanität selbst sich beeilen, ihn zu schaffen“ (63). 
 
Doch radikale Nationalisten trugen wesentlich zur Auflösung und zum Ende des Vielvölkerstaats Österreich-Ungarn bei, und sie erreichten ihr Ziel am Ende des Ersten Weltkrieges. Hierbei kam dem vom Philosophen Tomáš Garrigue Masaryk (64) im Exil gebildete Tschechoslowakische Nationalrat (65), dessen Generalsekretär der Soziologe Edvard Beneš (66) wurde, eine herausragende Bedeutung zu. Dieser Tschechoslowakische Nationalrat wurde nämlich von den Entente-Staaten als Exilregierung anerkannt. Masaryk veröffentlichte sein Programm in seinem Buch „Das neue Europa“ (67). Aus dem Tschechoslowakischen Nationalrat ging am 14.10.1918 eine vorläufige tschecho-slowakische Regierung (68) hervor, die am 18.10.1918 die tschechoslowakische Unabhängigkeitserklärung (69) verfaßte, welche am 28.10.1918 in Kraft trat. 
 
Unter dem Vorwand des Selbstbestimmungsrechtes der Völker erzwangen die Siegermächte des Ersten Weltkrieges eine Neuordnung der östlichen Hälfte Europas nach dem Konzept des Nationalstaates. Insbesondere in Ostmitteleuropa (70) und dem sogenannten Zwischeneuropa (71) entstanden neue Nationalstaaten, in denen allen das zentralistische französische Verfassungsmodell übernommen wirde. Doch da es kein Gebiet gab, auf das nicht mehrere Nationalitäten Anspruch erhoben, mußten unausweichlich alle territorialen Regelungen im Osten und Südosten Europas willkürlich sein. In Ihrem Buch: „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ analysiert die Historikerin Hannah Arendt die Folgen des Friedensvertrags von Versailles (72): „Da es sich in Versailles darum handelte, den Status quo in Europa zu restaurieren, blieb gar nichts anderes übrig, als das westliche Prinzip auf den Osten zu übertragen; die einzige Alternative in diesem Rahmen wäre die Einführung kolonialer Unterdrückungsmethoden nach Europa gewesen – wie sie die Panbewegungen immer schon vorgeschlagen hatten“ (73). Arendt hebt hervor, daß „diese neuen Staaten nicht lebensfähig waren. Ihrem Anspruch auf nationale Souveränität entsprach keine der Voraussetzungen, auf welchen die Nationalstaaten, nach deren Muster sie errichtet waren, ruhten. (…) Die Friedensverträge errichteten keine Nationalstaaten, sondern eine Reihe von Nationalitätenstaaten im Zwergmaßstab, wobei sie mehr oder minder eine dieser Nationalitäten zum Staatsvolk avancieren ließen (wie die Tschechen, die rund 50 Prozent der Bevölkerung der Tschechoslowakei, oder der Serben, die nicht mehr als 42 Prozent der Bevölkerung Jugoslawiens ausmachten) (…). Und wie es in einem Nationalstaat wie Polen aussah, in welchem das Staatsvolk kaum zwei Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachte, ist bekannt genug. (…) In den Augen der Minderheiten und der nationalen Gruppen, also aller Völker, welchen in Versailles kein Staat zugebilligt worden war, waren die Verträge das Resultat eines willkürlichen oder parteiischen oder intriganten Spiels, das einen die Herrschaft und anderen die Knechtschaft zuspielte. In den Augen der neuen Staatsvölker war die territoriale Verteilung ebenfalls völlig willkürlich, und sie beeilten sich, den schon bestehenden territorialen Konflikten zahllose neue Grenzstreitigkeiten hinzuzufügen. Mehr denn je waren die territorialen Grenzen zu etwas Willkürlichem und Zufälligem geworden, durch das kein Volk und keine Nationalität zu begrenzen war. Es hätte in dieser Ecke Europas wahrlich nicht Hitlers bedurft, um alle gegen alle zu hetzen“ (74). Infolgedessen war die Zwischenkriegszeit in ganz Europa durch eine Vielzahl bewaffneter Auseinandersetzungen geprägt (75). Hannah Arendt fügt hinzu: „Die Repräsentanten der großen Nationen waren sich wohl bewußt, daß innerhalb des Nationalstaates nationale Minderheiten früher oder später assimiliert oder liquidiert werden müssen“ (76). Der Historiker Karl Schlögel stellt in seinem Text: „Bugwelle des Krieges“ fest, daß das östliche Mitteleuropa „in besonderem Maße zur Experimentierfeld der Moderne wurde – und zum Schauplatz ihres Scheiterns. Europa ist dort, wo es am dichtesten war, gesprengt worden. Man kann diesen Prozeß als die ‚Entmischung‘ Europas bezeichnen, an dessen Ende ethnische Säuberung, Völkermord und ethnisch fast vollständig homogene Staaten stehen. Es handelt sich um den gewalttätigsten Entwurzelungsvorgang der modernen Geschichte“ (77). 
 
Die Tschechoslowakei (78) entstand nach dem Ersten Weltkrieg am 28.10.1918 als ein Zerfallsprodukt des Kaiserreichs Österreich-Ungarn auf Grundlage des Konzepts des „Tschechoslowakismus“ (79). Sie war ein Nationalitätenstaat mit einer Bevölkerungszahl von 13,6 Mio. Einwohnern (1921), darunter 50 % Tschechen, 23 % Deutschen, 14 % Slowaken und 13 % Ungarn, Polen, Ukrainern und weiteren Minderheiten. Die Deutschen in der Tschechoslowakei (80), die nach den Tschechen die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe bildeten, werden auch als „Sudetendeutsche“ (81) bezeichnet. Die Tschechoslowakei hätte mit dem Konzept einer Willensnation (82) nach dem Modell der Schweiz eine historische Chance gehabt. Neben dem Konzept der Willensnation gründet das Modell der Schweiz auf einer Tradition kommunaler Selbstverwaltung, genossenschaftlicher Selbstorganisation und direkter Demokratie, und diese Tradition hat ihren Ursprung im Mittelalter, wo sie weit verbreitet war, doch sie ist heute nirgendwo sonst noch erhalten, und diese Tradition hat nur in der Schweiz allen modernen Tendenzen zur Zentralisierung, die sich seit dem Zeitalter des Absolutismus ereignen, erfolgreich widerstanden. In der Schweiz ist die Vorstellung, einzelne der Sprachgruppen assimilieren oder gar aussiedeln und deportieren zu wollen, geradezu absurd und undenkbar. Doch kompromißlose radikale Nationalisten verhinderten eine Tschechoslowakei als einer „Schweiz im östlichen Mitteleuropa“. 
 
Dazu hat beigetragen, das sich die Tschechoslowakei bei ihrer Entstehung am zentralistischen französischen Verfassungsmodell orientiert hatte. Der Historiker Rudolf Jaworski kommentiert „den ungelösten Widerspruch zwischen der multinationalen Struktur der Tschechoslowakei und dem nationalstaatlichen Anspruch der Tschechen, die nur 51 % der Gesamtbevölkerung ausmachten“, in seinem Text: „Die Sudetendeutschen als Minderheit in der Tschechoslowakei 1918-1938“: „‘To je náš stát‘ (das ist unser Staat) lautete die apodiktische Formel des jungen tschechischen Nationalstaatsbewußtsein. Dieser Staat wurde als das exklusive Eigentum der tschechischen Nation begriffen“ (83). In seinem Buch: „Die Anglo-Amerikaner und die Vertreibung der Deutschen“ kommentiert der Völkerrechtler Alfred Maurice de Zayas diese Entwicklungen: „Nachdem den Sudetendeutschen die Vereinigung mit den Tschechen aufgezwungen worden war (…), hätte die Prager Regierung überflüssige Spannungen vermeiden können, wenn sie die Deutschen zu voller Partnerschaft im Staat herangezogen hätte, auf der Grundlage völliger praktischer wie theoretischer Gleichberechtigung. Die Prager Regierung hätte den Deutschen die Rechte und Möglichkeiten der Tschechen und der Slowaken ebenfalls einräumen sollen. Leider wurde das Modell einer neuen Schweiz, wie es Dr. Benesch bei den Pariser Friedensverhandlungen so feierlich verkündet hatte, niemals verwirklicht“ (84). 
 
Der Nationalitätenkonflikt in der Tschechoslowakei führte zur Sudetenkrise (85) und zum Münchener Abkommen vom 29.09.1938 (86) mit der Folge der Zerschlagung der Tschechoslowakei (87). In seinem Buch: „Die Vertreibung. Böhmen als Lehrstück“ stellt der Kommunikationswissenschaftler und ehemalige Berliner Wissenschaftssenator Peter Glotz (1939-2005) die Frage: „Was für ein Staat wurde im Herbst 1938 von den Signaturmächten des Münchner Abkommens – Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien – amputiert und im Frühjahr 1939 von Hitler zerschlagen? Kühl ausgedrückt: ein brodelnder Nationalitätenstaat, den viele seiner Protagonisten zum Nationalstaat hatten machen wollen, eine ‚neue Demokratie‘, die sich redlich bemühte, aber sich an ihren viel zu großen Minderheiten verschluckt hatte, eine Konstruktion (der Tschechoslowakismus), die nicht trug. Die ČSR war demokratischer als die anderen neuen Nationalstaaten, zum Beispiel die autoritären (und reichlich antisemitisch eingestellten) Regime in Polen, Ungarn und Rumänien. Aber sie war auf einer falschen Versprechung gegründet worden, dem berühmten Satz von Außenminister Beneš in seinem Mémoire III vom Januar 1919: ‚Das Regime würde ähnlich dem der Schweiz sein.‘“ (88). So trugen die Umstände des Zerfalls der Tschechoslowakei zur Entstehung des Zweiten Weltkrieges (89) bei. 
 
In der Stadt Hlučín/Hultschin besuchte ich das Museum des Hultschiner Ländchens (90). Das kleine, exzellent konzipierte Museum bietet eine Fülle gut aufbereiteter Materialien mit umfangreichen Informationen, die durchgängig zweisprachig angeboten werden (Tschechisch, Deutsch). Die Ausstellung ist in sechs thematische Bereiche gegliedert, die jeweils einer eigenen historischen Chronologie folgen. Für ein Verständnis des historischen Zusammenhangs der historischen Ereignisse ist es sehr hilfreich, daß die historischen Entwicklungen im Hultschiner Ländchen im Zusammenhang mit den Entwicklungen in den Nachbarregionen dargestellt werden, insbesondere den angrenzenden Teilen Oberschlesiens mit den Städten Ratibor und Leobschütz. Anschließend fuhr ich weiter durch die Stadt Ostrava/Ostrau, die Teil des oberschlesischen Industriegebietes ist. 
 
Dann erreichte ich die im Tal des Flusses Olza/Olse gelegene „Doppelstadt“ Český Těšín/Cieszyn/Teschen (91), deren Entstehung auf das Jahr 810 n. Chr. zurückgeführt wird. Tatsächlich handelt es sich auch bei dieser „Doppelstadt“ um eine einzige historisch gewachsene Stadt, die später in der Neuzeit von einer Staatsgrenze geteilt wurde. Derartige Teilungen von Städten sind ein weit verbreitetes Phänomen der Neuzeit und sie ereigneten sich insbesondere im Zeitalter des Nationalismus und der Herausbildung von Nationalstaaten (92). Immer wieder gelangte ich bei meinen Fahrradreisen in Europa durch zahlreiche dieser eigenartigen „Doppelstädte“. Insbesondere interessiert mich an diesen „Doppelstädten“ die jeweilige Teilungssituation, sodaß ich stets beide Teile einer „Doppelstadt“ besuche. Diese geteilten Städte können auch als Ausdruck des Niedergangs der Städte seit dem Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit angesehen werden, und sie sind somit ein Ausdruck der in der Neuzeit erlangten Dominanz des zentralistischen absolutistischen Staates über die zuvor weitgehend selbstständigen Städte. Bis heute haben die Städte ihre frühere Bedeutung und Selbstständigkeit nicht wieder erlangt. 
 
Dann überquerte ich den Jablunkapaß (550 m) und gelangte in die Slowakei. In der Slowakei erreichte ich das Tal des Flusses Waag/Váh. Bei meiner Fahrradreise im Jahre 2019 durch Teile des östlichen Mitteleuropas war ich nach der Durchquerung von Schlesien und der Überquerung des Jablunkapasses (550 m) das Tal des Flusses Waag/Váh zur Donau herabgefahren. Jetzt folgte ich dem Tal des Flusses Waag/Váh flußaufwärts und durchquerte die Slowakei südlich der Westkarpaten (Beskiden). 
 

Autogerechte Planung für die automobile Gesellschaft 

 
Das umfangreiche Netz gut ausgebauter und einheitlich ausgeschilderter Fahrradwege in Tschechien endet abrupt an der Grenze zur Slowakei. Obwohl Tschechien und die Slowakei bis zum Jahre 2003 einen gemeinsamen Staat gebildet hatten, hat sich seither die Verkehrspolitik der beiden Länder offensichtlich in entgegengesetzte Richtungen entwickelt. Während in Tschechien ein umfangreiches Netz gut ausgebauter und gut ausgeschilderter Fahrradwege entstanden ist, das das gesamte Land abdeckt, und wobei die Fahrradwege oft auf separaten Trassen abseits vom KFZ-Verkehr verlaufen, und ansonsten die bestehenden KFZ-Straßen erhalten werden, fehlen hingegen in der Slowakei Fahrradwege fast vollständig, und im gesamten Land werden überall neue Autobahnen und Autoschnellstraßen gebaut. 
 
Im gesamten nun von mir durchfahrenen Südost-Europa hat das Fahrrad als Verkehrsmittel keinerlei Bedeutung, es gibt nahezu nirgendwo Fahrradwege und es sind dort rein automobile Gesellschaften entstanden. Diese Entwicklung hin zu rein automobilen Gesellschaften wird von der EU massiv gefördert, wie omnipräsente große Infotafeln und unzählige Straßenbaustellen im gesamten südöstlichen Europa aufzeigen. Selbst die Eurovelo-Routen, die als Fahrrad-Fernwanderwege durch Europa angelegt sind, befinden sich im gesamten südöstlichen Europa noch fast gänzlich im Planungsstadium und existieren faktisch so gut wie nicht. Zweifellos sind diese Verkehrsverhältnisse eine Folge der Prioritätensetzung in Europa, wo Automobilismus und autogerechte Planung gefördert werden zum Zweck der permanenten Beschleunigung und Mobilisierung der Gesellschaft, um permanentes Wirtschaftswachstum im gesamten europäischen Großwirtschaftsraum zu gewährleisten, der von der EU verwaltet wird. Fahrradwege gibt es erst erst wieder in Österreich, und dort besteht tatsächlich ein exzellentes und vorbildliches Fahrradwegenetz. 
 
Am Beispiel der Slowakei wird deutlich, daß insbesondere die EU große Anstrengungen und große finanzielle Aufwendungen leistet, worauf auf zahlreichen Infotafeln hingewiesen wird, um die KFZ-Infrastruktur in Europa auszubauen und den KFZ-Verkehr zu fördern. Im gesamten Europa entsteht nach dem Vorbild der USA auf Grundlage autogerechter Planung eine automobile Gesellschaft mit automobiler Lebensweise als einer Erscheinungsform und Ausprägung der fortgeschrittenen Industriegesellschaft. Am Beispiel der USA lassen sich schon heute die Entwicklungen studieren, die in einigen Jahren danach auch in Europa umgesetzt werden, und in der gesamten östlichen Hälfte Europas erfolgen diese Entwicklungen derzeit am radikalsten und schnellsten. 
 
Ein Beispiel dafür bietet die Stadt Spisska Nova Ves in der östlichen Slowakei. Dort gelangte ich durch die in der östlichen Hälfte Europas üblichen und weit verbreiteten Plattenbausiedlungen, sowie durch riesige Gewerbe- und Einkaufsareale, die durch riesige Werbetafeln weit in der Landschaft sichtbar sind. Die Slowakei präsentiert sich als ein Land in Europa mit den größten und meisten Werbetafeln im öffentlichen Raum. Diese Gewerbe- und Einkaufsareale sind mit riesigen Parkplätzen autogerecht geplant und ausgestaltet, und unübersehbar orientiert sich dieses Planungskonzept am Vorbild der automobilen us-amerikanischen Gesellschaft. Diese Planungskonzepte werden seit 1989/90 insbesondere in der östlichen Hälfte Europas geradezu idealtypisch umgesetzt, und man trifft sie mittlerweile fast überall insbesondere bei größeren Städten an. Man meint, sich in den USA zu befinden, wenn es nicht in der Umgebung große Plattenbausiedlungen geben würde. Noch weniger als in der westlichen Hälfte Europas ist bis heute in der östlichen Hälfte Europas begriffen und verstanden worden, daß der Automobilismus als Grundlage der Beschleunigten Gesellschaft ein Herrschaftsmodell zur Steuerung der Gesellschaft ist. Doch schon vor 1989/90 hatte die östliche, „realsozialistische“ Variante der industriellen Moderne mit ihrer autogerechten Planung für die jetzt erfolgenden Entwicklungen die Grundlagen und die Erwartungshaltungen geschaffen. 
 
Ein charakteristisches Element der Automobilisierung der Gesellschaft ist das Konzept des „Drive In“ und des „Drive Through“. Ziel der Entwicklung ist die totale Automobilisierung aller Bereiche des Lebens, wobei man möglichst nicht mehr aus dem Auto aussteigen muß. In den USA gibt es Häuser, in denen man im eigenen Automobil in speziellen Aufzügen in die eigene Wohnung gelangen kann, und es sind dort Wohnmobile üblich und überall präsent, in denen ein PKW in einer integrierten Garage mitgeführt wird. Die totale Automobilisierung bedeutet, daß wir zukünftig nahezu unser gesamtes Leben im Auto als einer Art Ganzkörpervollprothese verbringen werden, in der uns zukünftig in Zuge der unbegrenzten Möglichkeiten der Digitaltechnischen Revolution virtuelle Realitäten simuliert werden. Wir befinden uns auf dem Weg zum Trans- und Posthumanismus und der Technologischen Singularität. 
 
Weiter fuhr ich über Košize/Kaschau nach Ungarn. Bei der Stadt Tokaj passierte ich den Fluß Theiß und fuhr durch die Ungarische Tiefebene. Dort ereignete sich beim Dorf Ura am 20. 07.2023 ein außergewöhnlich schweres Gewitter mit 4 cm großen Hagelkörnern. 
 

Kulturelle Vielfalt in Siebenbürgen 

 
Weiter fuhr ich nach Siebenbürgen (93) in Rumänien, wo ich mehrere Städte besuchte, darunter: Clui-Napoka/Koloszvar/Klausenburg, Targu Mures/Marosvásávheli/Neumarkt am Mieresch, Sighisoara/Schäßburg/Segesvar, Sibiu/Nagyszeben/Hermannstadt, Alba Julia/Gyulafehevar/Karlsburg bzw. Weißenburg. Die Mehrzahl der Städte in Siebenbürgen wurde während der hochmittelalterlichen Stadtgründungsphase (94) von sogenannten „Siebenbürger Sachsen“ (95) gegründet. 
 
Die Stadt Clui-Napoka/Koloszvar/Klausenburg (96) kündigt sich schon viele Kilometer, bevor ich sie erreichte, durch ausgedehnte Industrie- und Gewerbegebiete an. Dann durchfahre ich auf stadtautobahnähnlichen Boulevards große Areale mit großen Plattenbauten, die hier in einem eigenen Baustiel errichtet sind, der von der üblichen Monotonie der von Magdeburg bis Wladiwostok stilbildenden Plattenbauten, den „Wohnmaschinen“ der östlichen, „realsozialistischen“ Variante der industriellen Moderne, abweicht. In meinem Reiseführer wird die Stadt Klausenburg als „Studentenstadt, Touristenstadt und Kulturstadt“ vorgestellt, doch mein erster Eindruck ist von riesigen Industrie- und Gewerbegebieten, die weit in die umgebende Landschaft reichen, und von verkehrsreichen, großen und lauten Straßen geprägt. Endlich erreiche ich das Stadtzentrum, das von zahlreichen großen repräsentativen historischen Gebäuden geprägt ist. Da Klausenburg die größte und älteste Stadt in Siebenbürgen ist, habe ich hier einen Aufenthalt mit Stadtexkursionen eingeplant, um diese Stadt etwas näher und besser kennenzulernen. 
 
Die beiden größten Denkmäler der Stadt Klausenburg sind Ausdruck konkurrierender nationalistischer Geschichtspolitiken in der real-existierenden Gedenk- und Erinnerungskultur: Das Eine ist ein im Jahre 1902 errichtetes Reiterstandbild von König Matthias Corvinus (1443 – 1490) (97) auf dem Platz Piața Unirii, das Andere eine Statue von Fürst Mihai Vitaezul (1558 – 1601) (98) auf dem Platz Piața Mihai Vitaezul. Des Weiteren gibt es auch in Klausenburg eine Skulptur von Romulus und Remus mit der Kapitolinischen Wölfin (99), und diese Skulpturen, die in großer Zahl in den meisten Orten in Rumänien anzutreffen sind, sind ein Präsent von Italien, wo diese offensichtlich als standardisierte Industriefertigprodukte in Massen hergestellt und über große Teile der Welt verbreitet werden. 
 
Auf dem größten und zentralsten Platz in Klausenburg, dem Piața Unirii, treffe ich auf eine kleine Fotoausstellung, die das Verhältnis von Deutschen und Rumänen zum Thema hat. Mich interessiert die Situation von Minderheiten in Europa im Vergleich der Verhältnisse in den einzelnen Ländern. Konkret stellt sich die Frage, warum insbesondere nach 1989/90 nahezu sämtliche „Siebenbürger Sachsen“ aus Siebenbürgen ausgewandert sind, sodaß heute beinahe keine deutschsprachige Minderheit in Siebenbürgen mehr existent ist. Damit findet die sprachliche und ethnische Homogenisierung insbesondere der östlichen Hälfte Europas ihre Fortsetzung, die insbesondere das extreme 20. Jahrhundert prägt und deren heutiges Ergebnis sprachlich und ethnisch homogene Nationalstaaten sind. U.a. ist ein Ergebnis des extremen 20. Jahrhunderts, daß nahezu sämtliche deutschsprachige Minderheiten in der östlichen Hälfte Europas verschwunden sind, und mit der Auswanderung der Siebenbürger Sachsen findet dieser Prozeß seinen Abschluß. Es ist signifikant, daß der Prozeß der Homogenisierung von Nationalstaaten in der östlichen Hälfte Europas nach 1989/90 wieder erneut einsetzte und seine Fortsetzung erfährt und heute insbesondere in der östlichen Hälfte Europas überall der Nationalismus wieder auflebt. 
 
Die historische Altstadt der Stadt Sighisoara/Schäßburg/Segesvar (100), die ich am 29. und 30.07.2023 besuchte, ist seit 1999 Unesco-Welterbe (101). Mittlerweile habe ich während meiner Reisen in zahlreichen Ländern eine Vielzahl von Unesco-Welterbestätten besucht, und mein Gesamteindruck ist, daß dieses Programm überwiegend ein Instrument der Tourismusförderung und der Förderung der jeweiligen Tourismus-Industrie ist, als daß es tatsächlich zur Förderung der kulturellen Vielfalt der Menschheit nennenswert beiträgt. So findet der gesamte Bereich der sogenannten „immateriellen Kultur“ nahezu keine Berücksichtigung, obwohl wir in einem Zeitalter leben, das durch einen weltweiten rasanten und irreversiblen Verlust an kultureller Vielfalt geprägt ist, wobei ein bedeutender Bestandteil dieses Verlustes das rasante weltweite Aussterben von Sprachen (102) ist. Der Verlust an kultureller Vielfalt korreliert mit dem globalen Verlust an biologischer Vielfalt/Biodiversität (Biokulturelle Diversität) (103). In der Industriegesellschaft werden sowohl die Natur, als auch die Gesellschaft zweckrational zugerichtet und in sterile, gleichförmige Monokulturen umgewandelt, und jegliche Vielfalt geht dabei verloren. Die fortgeschrittene Industriegesellschaft hat eine gleichförmige globale Konsumgesellschaft mit einheitlicher Konsumkultur zur Folge. Diese globale Konsumkultur wird durch das derzeit bestehende Unesco-Welterbeprogramm gefördert. Es müßte auf andere Grundlagen mit anderen Prioritäten gesetzt werden, um einen sinnvollen Beitrag zum Erhalt kultureller Vielfalt einschließlich biokultureller Vielfalt zu leisten. 
 
Des Weiteren hat eine Ernennung zum Unesco-Weltkulturerbe eine Zunahme und Intensivierung des Automobilverkehrs zur Folge, denn die Mehrzahl der Touristen reist mit dem eigenen PKW an. Folge ist, daß Automobile den Charakter von Unesco-Welterbestätten prägen, denn überall wird mit diesen PKW selbst in engen Gassen herumgefahren, und auch werden diese dort abgestellt. Tatsächlich haben heute im gesamten Europa die zentralen Plätze nahezu aller mittelalterlichen Städte den Charakter von Abstellflächen für Automobile, und es ist erstaunlich, wie vorausschauernd die Stadtgründer der mittelalterlichen Städte gewesen sind, daß sie die Parkplatznöte unseres automobilen Zeitalters vorausgesehen haben und in den Stadtzentren schon damals große Parkplätze angelegt haben. Jedes Foto eines mittelalterlichen Stadtbildes wird so in nahezu ganz Europa nichts anderes als ein Foto einer großen Ansammlung von Automobilen. Auch an Unesco-Welterbestätten ist dies der Fall, wie auch das Beispiel von Schäßburg zeigt, denn überall in der unteren und oberen Altstadt fahren und stehen Automobile herum. 
 
In der gesamten östlichen Hälfte Europas gilt das unbegrenzte Herumhasten mit großen und schnellen West-Autos als die Verwirklichung des Freiheits- und Glücksversprechens der Epochenwende von 1989/90. Rücksichtsloses und riskantes Rasen auf den Straßen wird als die Verwirklichung persönlicher Freiheit mißverstanden. Wie ich auf meiner Fahrradreise feststellen mußte, sind auch im gesamten südöstlichen Europa rein automobile Gesellschaften entstanden, in denen das Fahrrad als Verkehrsmittel keinerlei Relevanz hat. Die Straßen sind dort von der Brutalität und Gewalttätigkeit des KFZ-Verkehrs geprägt, und rücksichtslos wird das sozialdarwinistische Prinzip des "Rechts des Stärkeren" ausgelebt. Respekt hat man vor den größeren und schnelleren KFZ, und Fahrradfahrer werden nicht als Verkehrsteilnehmer wahrgenommen, sondern als lästiges Verkehrshindernis. So habe ich im gesamten südöstlichen Europa auch nahezu keinerlei Fahrradreisende angetroffen, von denen offensichtlich diese Region aus guten Gründen konsequent gemieden wird. Diese im gesamten von mir bereisten südöstlichen Europa anzutreffende Brutalität und Gewalttätigkeit des KFZ-Verkehrs erreicht in Rumänien einen Höhepunkt. Sie nimmt zu, je weiter ich in Europa nach Osten gelange, und sie korreliert offensichtlich mit den in dieser Richtung zunehmenden sozialen Disparitäten und gesellschaftlichen Gegensätzen, die insbesondere in Rumänien besonders deutlich hervortreten. Es sind die Modernisierungsgewinner, die mit großen und schnellen West-Autos rücksichtslos die Straßen für sich beanspruchen und die mit Arroganz und Überheblichkeit alle anderen verdrängen. Von diesen wird das sozialdarwinistische Prinzip des „Rechts des Stärkeren“ brutal und rücksichtslos praktiziert und ausgelebt. Die Position in der gesellschaftlichen Hierarchie der Modernisierungsgewinner gelangt durch die abgestufte Größe und Geschwindigkeit des Automobils zum Ausdruck, und durch aggressive Fahrweise und Lautstärke wird die Position in dieser Hierarchie zu verbessern gesucht. In dieser automobilen Hierarchie haben Fahrradfahrer eine Position von Parias oder vogelfreien Geächteten.  
 
Hermannstadt/Sibiu (104) kann zweifellos als die kulturelle Hauptstadt Siebenbürgens gelten, wovon ich mich bei meinem Besuch der Stadt selbst überzeugen konnte, und schon im Jahre 2007 wurde sie zur europäischen Kulturhauptstadt (105) ernannt. Unter anderem besuche ich dort das Freilichtmuseum Astra (106), das mit mehr als 400 historischen Gebäuden und Objekten als das größte Freilichtmuseum Europas gilt. Motto des Freilichtmuseums Astra ist kulturelle Vielfalt. Doch diese kulturelle Vielfalt der Menschheit geht weltweit rasant zurück. Weltweit breitet sich eine einheitliche und gleichförmige globale Konsumkultur aus, und der homogene Nationalstaat gilt auch nach dem extremen 20. Jahrhundert weiterhin als Ideal der Politik. So ist kulturelle Vielfalt heute oft nur noch museal erhalten und wird als exotisches Anschauungsobjekt konserviert und ausgestellt, während der irreversible Verlust an kultureller Vielfalt weltweit unvermindert weiter voranschreitet. Konserviert werden in Museen Bestandteile der „materiellen Kultur“, wie z.B. Gebäude und Trachten, nicht jedoch Bestandteile der „immateriellen Kultur“, wie z.B. Sprachen, und Sprachwissenschaftler gehen davon aus, daß in wenigen Jahrzehnten die Mehrzahl der heute noch gesprochenen ca. 6.500 Sprachen ausgestorben sein wird. 
 
Siebenbürgen ist auch heute noch eine mehrsprachige Region und damit im heutigen Europa ein Sonderfall, denn die Ethnischen Säuberungen (107), Deportationen (108) und Vertreibungen (109) des extremen 20. Jahrhunderts, die die "Entmischung Europas" bewirkten und die ein Europa homogener Nationalstaaten (110) geschaffen haben, haben dort nie stattgefunden. Somit wäre Siebenbürgen das geeignete Modell für eine Europaregion. Heute fehlt eine allgemeine öffentliche Diskussion über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Europas. Das Thema Europa wird heute in den Medien auf „EU“ und „Euro“ reduziert, und es gerät aus dem Blick, daß Europa, wie der Soziologe Ulrich Beck und der Politologe Edgar Grande in ihrem Buch: „Das kosmopolitische Europa“ hervorheben, ein „hochkomplexes und äußerst differenziertes, politisch bewegtes und bewegliches politisches Projekt“ ist, das sich aus einer Vielzahl unterschiedlicher miteinander in Wechselwirkung stehenden politischen Prozessen, Ebenen und Akteuren zusammensetzt, die in ihrer interdependenten Gesamtheit das europäische Projekt ausmachen (111). Europa erscheint heute mehr als eine Veranstaltung zur Rettung der Idee der Nation und des Nationalstaates, obwohl diese nach dem extremen 20. Jahrhundert als historisch überholt gelten müssen, als daß neue Ideen und Konzepte jenseits der Idee der Nation und des Nationalstaates entwickelt und umgesetzt werden. 
 
Wir sind nach dem extremen 20. Jahrhundert an einem Punkt angelangt, wo die Grundlagen des Zeitalters der Moderne einer Überprüfung und Revision mit Blick auf alternative zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten unterzogen werden müssen, und hierzu gehört insbesondere die politische Religion des modernen Nationalismus, dessen wesentliches Fundament zum einen die Sprachen bilden und zum anderen die Nationalgeschichte als Legitimationsmythos des Nationalstaates (112). Nationalisten betreiben Geschichtspolitik und nutzen die herrschende Gedenk- und Erinnerungskultur als quasireligiösen Kult der politischen Religion des Nationalismus. Der homogene Nationalstaat gilt weiterhin als das anzustrebende Ideal der Politik. Die Ethnischen Säuberungen, Zwangsumsiedlungen, Vertreibungen und Deportationen des extremen 20. Jahrhunderts, die die heutige Welt der homogenen Nationalstaaten schufen, dürfen nicht in Frage gestellt werden, und der durch diese Verbrechen erreichte Zustand wird hartnäckig verteidigt. Doch niemand will die Verantwortung für den entstandenen immensen Gesamtschaden übernehmen, stattdessen werden weiterhin Schuldige gesucht. Ergebnis ist die alternativlose Affirmation des Bestehenden. Eine Suche nach Alternativen wird unterdrückt, da herrschende Paradigmen und Dogmen in Frage gestellt werden könnten. Das Ziel einer Aufklärung wird verfehlt. 
 
Bei meiner Weiterfahrt besuche ich die archäologische Stätte der antiken Hauptstadt der Daker, Sarmizegetusa Regia (113) sowie die archäologische Stätte der antiken Hauptstadt der römischen Provinz Dakien, Ulpia Traiana Sarmizegetusa (114). 
 

Am Bosporus 

 
Danach überquerte ich die Südkarpaten beim Paß Banita (759 m) und fuhr durch die Schlucht des Flusses Jiu. Bei meiner Weiterfahrt im Tal des Flusses Jiu gelangte ich durch die Städte Targu Jiu und Craiova. Der große zentrale Platz der Stadt Craiova beim Rathaus wird von einem großen Reiterstandbild überragt, das den Fürsten Mihai Viteazul (1558 – 1601) mit erhobener Streitaxt darstellt. Zwischen dem Rathaus und dem axtschwingenden Reiterstandbild treffe ich überraschenderweise auf eine aktuelle World Press Fotoausstellung 2023 (115). Die Fotos sind auch hier exzellent und beeindruckend, doch erfährt man kaum etwas zu Zusammenhängen und Hintergründen der aufgezeigten Problemlagen. Um einen sinnvollen Beitrag zu gesellschaftlicher Aufklärung zu leisten, , müßte jedoch genau dieses erfolgen, alles andere ist oberflächliche Effekt- und Sensationshascherei einer Gesellschaft des Spektakels, in der die öffentliche Meinung durch Massenmedien geprägt und manipuliert wird. Auch hier wird die thematische Karte der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ (116) zur weltweiten Lage der Pressefreiheit (117) kommentarlos und kritiklos übernommen. Auf dieser Karte werden nicht die Kriterien dargestellt und begründet, nach denen die Kategorienbildung (118) und Klassifizierung (119) vorgenommen worden ist. Eine solche Karte ist nutzlos und ohne Aussagegehalt. Jegliche Klassifizierung und Kategorienbildung muß nach signifikanten Kriterien und gut begründet erfolgen. Bedauerlicherweise trifft man überall auf mangelhafte uns schlechte Karten, selbst bei renommierten Verlagen, da die meisten Kartenhersteller keinerlei Ahnung von Kartografie haben.
 
Dann erreichte ich die Donau, die ich beim Fährhafen Orjahovo überquerte. Weiter fuhr ich durch Bulgarien, wobei ich die Städte Pleven und Veliko Tarnovo besuche. Die bedeutendste Touristenattraktion in Veliko Tarnovo ist eine Festung aus dem 12. Jahrhundert. Im Folgenden überquerte ich das Balkan-Gebirge über den Paß Republikata (700 m) und erreichte die Grenzstadt Svilengrad. Svilengrad präsentiert sich als ein höchst eigenartiger und außergewöhnlicher Grenzort, der insbesondere durch eine große Anzahl großer Glücksspielcasinos geprägt ist. Schon oft bin ich bei meinen Fahrradreisen durch Grenzorte gelangt, die den Charakter von Markt- und Einkaufsstädten haben, die insbesondere von Käufern aus den jeweiligen Nachbarländern aufgesucht werden, wenn z.B. zwischen den jeweiligen Ländern ein Währungsgefälle besteht. Doch in Svilengrad gibt es nahezu keine Geschäfte, sondern nur mehrere große Glücksspielcasinos, die offensichtlich gut besucht werden, obwohl allgemein bekannt ist, daß in Glücksspielcasinos die Betreiber der Casinos gewinnen und die Spieler verlieren. Weiter fahre ich nach Ost-Thrakien, wobei ich u.a. durch die Stadt Edirne/Adrianopel gelange. Im Jahre 125 n. Chr. war diese Stadt durch Kaiser Hadrian ausgebaut worden, und sie erhielt den Namen Hadrianopolis. Nach ihrer Eroberung im Jahre 1362 war Edirne/Adrianopel von 1368 bis zur Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 die Hauptstadt des Osmanischen Reiches (120). Nach rd. 4.500 km Fahrt erreichte ich am 28.07.2023 die Megacity Istanbul und den Bosporus.
 
Seit der Antike gilt die Meerenge des Bosporus als die Grenze zwischen den Kontinenten Europa und Asien, und er bildet somit das südwestliche Ende Europas. Geografisch betrachtet ist Europa lediglich ein Subkontinent, der gemeinsam mit Asien den Kontinent Eurasien bildet (121). Daß Europa als eigenständiger Kontinent angesehen wird, ist historisch und kulturell begründet. Schon der Geograf und Historiker Herodot von Halikarnassos (ca. 490 – 425 v. Chr.) (122) hatte das nördliche Asien als eine "Fortsetzung Europas" bezeichnet. Daher ist der östlichste Punkt Europas nicht bestimmbar und nicht auffindbar, und bei seiner Suche würde man irgendwann die Küste des Pazifischen Ozeans erreichen. Einen westlichen Punkt in Europa erreichte ich am 19.08.2022 während meiner Fahrradreise durch die südliche Nordseeregion am "Land's End" (5° 43‘ 1,3‘‘ W) im Südwesten von England. Doch „Land‘s End“ ist nicht der westlichste Punkt in Europa. Dieser liegt auch nicht im Westen der Bretagne, den die Römer „Finis terrae“ nannten, da dort die ihnen bekannte Welt ihr westliches Ende im Atlantik zu finden schien. Der westlichste Punkt auf dem Festland in Europa befindet sich auf der Iberischen Halbinsel beim Cabo da Roca (9° 30‘ 2,9‘‘ W). Etwas einfacher bestimmbar ist der nördlichste Punkt Europas: Während meiner Fahrradreise durch das nördliche Europa im Jahre 2017 erreichte ich am 18.09.2017 das Nordkap (71° 10‘ 21‘‘ N). Das Nordkap befindet sich allerdings auf der Insel Magerøya, sodaß als der nördlichste Festlandspunkt in Europa das nahegelegene Kap Kinnarodden (71° 8‘ 2‘‘ N) gilt. 
 
In Istanbul habe ich mich insgesamt acht Tage aufgehalten und habe im historischen Stadtzentrum Sehenswürdigkeiten und Museen besucht. Meine Favoriten sind dort zwei exzellente Museen, das archäologische Museum und das wissenschaftshistorische Museum zur Geschichte der Wissenschaften im Islam, das in Zusammenarbeit mit der Goethe-Universität in Frankfurt am Main konzipiert wurde. Zu meiner Verwunderung sind in diesen beiden exzellenten Museen nur sehr wenige Touristen anzutreffen. Hingegen drängen sich Touristenmassen zu Zehntausenden im Topkapi-Palast, um den überschwänglichen Luxus der osmanischen Sultane zu bestaunen. 
 

Die Theodosianische Landmauer als die größte Stadtmauer in Europa 

 
Am beeindruckendsten ist in Istanbul m.E. die gewaltige "Theodosianische Landmauer" (123), die größte mittelalterliche Stadtmauer in Europa. Sie wurde aus Anlaß der Plünderung der Stadt Rom durch die Goten im Jahre 410 n. Chr. (124) errichtet, um Vergleichbares in Konstantinopel/Byzanz (125) zu verhindern. Diese Plünderung von Konstantinopel erfolgte dann jedoch im Jahre 1204 n. Chr. während des Vierten Kreuzzuges (126), wobei insbesondere der Republik Venedig (127) eine entscheidende Rolle zukommt. Diese Plünderung von Konstantinopel im Jahre 1204 n. Chr. und die Errichtung des Lateinischen Kaiserreiches (128) leitete den Untergang des Byzantinischen Reiches ein, und dieser Untergang fand mit der Eroberung Konstantinopels durch das expandierende Militärimperium des Osmanischen Reiches im Jahre 1453 (129) seinen Abschluß. Diese Ereignisse des Jahres 1453 sind dort Thema eines großen Diaramas mit dem Namen "Panorama 1453". 
 
Die Eroberung von Konstantinopel im Jahre 1453 gilt als ein Markstein der Epochenwende vom Mittelalter zur Neuzeit. In diesen Zusammenhang möchte ich im Folgenden zwei Aspekte hervorheben: a) Der Niedergang der Städte sowie b) die Verlagerung der Welthandelsrouten und der Welthandelszentren in Europa. 
 
a) Über einen Zeitraum von annähernd 1000 Jahren, d.h. über die Spätantike und das gesamte Mittelalter hinweg schützte die Theodosianische Landmauer, die über diesen Zeitraum hinweg die größte Stadtmauer in Europa war, wirkungsvoll die Stadt Konstantinopel, und sie bot ein weit bekanntes Beispiel für die Städte in Europa, die sich ebenfalls mit Stadtmauern schützten und damit auch ein hohes Maß an politischer Unabhängigkeit und Selbstständigkeit wahren konnten. Daher bestand der bedeutendste gesellschaftspolitische Gegensatz im Mittelalter zwischen den meist republikanisch verfaßten Städten und den autokratisch regierten feudalen Flächenstaaten. Insbesondere aufgrund der Entwicklung von Kanonen mit immer zerstörerischer Wirkung boten jedoch Stadtmauern am Ende des Mittelalters immer weniger Schutz. Sultan Mehmet II (= „Mehmet der Eroberer“) (1432-1481) (130) hatte die Eroberung von Konstantinopel zu seiner Lebensaufgabe gemacht und diese über viele Jahre hinweg akribisch und mit großem Aufwand vorbereitet. U.a. ließ er für die Zerstörung der Theodosianischen Landmauer in größerer Zahl die damals weltgrößten Kanonen herstellen, mit deren Einsatz dann tatsächlich die Zerstörung der Mauer und die Eroberung der Stadt gelang. Die Zerstörung der Theodosianischen Landmauer durch die damals weltgrößten Kanonen war ein Fanal, denn sie machte in ganz Europa unübersehbar deutlich, daß die traditionellen mittelalterlichen Stadtmauern keinen Schutz mehr boten. In der Folge wurden in der Frühen Neuzeit neue Festungskonzepte entwickelt, insbesondere das der Zitadelle (131), und entstand eine neue Wissenschaft der Fortifikationswissenschaft (132). Im Vergleich zu den Mauern und Burgen des Mittelalters waren jedoch diese neuen Festungen der Frühen Neuzeit aufwändiger und kostenintensiver, sodaß die Fürsten im Zeitalter des Absolutismus (133) bestrebt waren, ihre Einnahmen mithilfe einer merkantilistischen Wirtschaftspolitik (134) zu steigern, deren Bestandteil die Gründung von Fernhandelskompanien (135) war. Der Kanonenbau und der Festungsbau stehen in einem Wechselverhältnis zueinander: Der Bau von Kanonen mit immer zerstörerischer Wirkung führt zum Bau immer aufwändigerer Fortifikationen. Die Fortentwicklung der Destruktivkraft von Kanonen erreicht später im Ersten Weltkrieg als dem ersten totalen industriellen Krieg und der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts einen (vorläufigen) Höhepunkt, in dem diese als Massenvernichtungswaffe 70% aller Kriegstoten verursachen. 
 
b) Die Eroberung von Konstantinopel im Jahre 1453 unterbrach weitgehend die Fernhandelsverbindungen zwischen Europa und Asien, die durch das Mittelmeer und das Schwarze Meer verliefen und die mit den transkontinentalen Fernhandelsrouten in Asien verbunden waren. Dies förderte die Suche nach alternativen Seehandelsrouten nach Südasien und Südost-Asien über den Atlantischen und den Indischen Ozean, wobei u.a. der Kontinent Amerika entdeckt wurde. Der Handel über das Mittelmeer verlor an Bedeutung, und ebenso die bislang dominierenden Fernhandelszentren in der Mittelmeerregion, wie z.B. Venedig und Genua. Diese wurden von neuen Fernhandelszentren in der südlichen Nordseeregion abgelöst, wie Amsterdam, Antwerpen und London, in denen der Fernhandel über Handelskompanien (135) betrieben wurde, die mit weitgehenden Privilegien und Vollmachten ausgestattet waren, einschließlich des Rechts zur Eroberung und quasi-staatlichen Verwaltung von Kolonien in Übersee. Herausragende Beispiele dieser Handelskompanien sind die Britische Ostindien-Kompanie (EIC) (136), die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) (137) und die französische Ostindien-Kompanie (138). 
 

Megacitys 

und die Zukunft der Menschheit im real-existierenden Weltsystem 

 
Die Megacity (139) Istanbul hat heute 15 bis 18 Millionen Einwohner – die genaue Zahl ist nicht bekannt – und die suburbane Metropolregion dieser Megacity wuchert ungeregelt und planlos in alle Richtungen und insbesondere entlang der Küsten des Marmarameeres. Mittlerweile ist die Siedlungsfläche der Megacity Istanbul mit der Siedlungsfläche der Dreimillionenstadt Bursa zu einer riesigen suburbanen Agglomeration zusammengewachsen, die heute, wie ich feststellen kann, die gesamte nordöstliche Hälfte des Marmarameeres von Tekirdağ bis Mudanya umfaßt. Insbesondere die Stadt Bursa weist ein rasantes Bevölkerungswachstum auf, und ihre Einwohnerzahl hat sich seit 1970 von rd. 200.000 Einwohnern auf heute mehr als 3 Mio. Einwohner mehr als verzehnfacht. Bei weiterem Anhalten dieser Entwicklungsdynamik ist abzusehen, daß diese riesige suburbane Agglomeration im Südosten Europas in naher Zukunft um das gesamte Marmarameer herum wuchern wird. Noch gelangt man heute in der Südwest-Hälfte des Marmarameeres durch Ländlichen Raum, der noch nicht in suburbanes Bau- und Siedlungsland umgewandelt worden ist und von Baustellen dominiert wird, wie dies in der Nordost-Hälfte der Marmarameerregion der Fall ist. Die Mehrheit der Menschheit wird in wenigen Jahrzehnten in Megacitys mit 10 bis 50 Millionen Einwohnern leben, und eine solche Megacity kann man mit der Metropolregion Istanbul-Bursa im Südosten Europas besuchen und studieren. 
 
Es stellt sich die Frage nach der Rolle der weltweit zunehmenden und rasant anwachsenden Megacitys im gegenwärtigen real-existierenden Weltsystem. M.E. haben diese Megacitys den Charakter und die Funktion von Abschieberäumen und Verwahranstalten der globalen Überschußbevölkerung, die aus dem Ländlichen Raum verdrängt wird, da sich dort weltweit immer mehr die riesigen agrarindustriellen Monokulturen auf Kosten der traditionellen Subsistenzwirtschaft der Menschen im Ländlichen Raum ausweiten. Die Menschen verlassen nicht freiwillig den Ländlichen Raum und geben ihre traditionelle Subsistenzwirtschaft auf, sondern sie werden dazu genötigt. Auf der Suche nach Existenzmöglichkeiten roden die aus dem Ländlichen Raum verdrängten Menschen in Naturschutzgebieten Land oder sie siedeln in den anwachsenden Slums an den Rändern der Städte. Die Urbanisierung nimmt weltweit rasant zu. Schon in wenigen Jahrzehnten wird weltweit die Mehrzahl der Menschen in Megacitys mit 10 bis 50 Mio. Einwohnern leben. 
 
Die riesigen agrar- und forstindustriellen Monokulturen werden sich global auch in Zukunft weiter ausweiten, die Menschen aus dem Ländlichen Raum verdrängen, die Biodiversität dramatisch verringern und das rasante Artensterben weiter forcieren, wenn mithilfe des Konzepts eines sogenannten „Grünen Wachstums“, das im Rahmen eines „Green New Deal“ umgesetzt werden soll, das Dogma des permanenten Wirtschaftswachstums gerettet werden soll. Der aktuellen Kampagne um das Thema "Klimawandel" kommt die Aufgabe zu, das Konzept eines "Green New Deal" durchzusetzen und umzusetzen. Nicht zufällig hat diese Kampagne ihren Ursprung in den USA. M.E. geht es um die Rettung des Lebensstils des "American Way of Life" sowie der Konsumkultur der fortgeschrittenen Industriegesellschaft, und die Kampagne entspricht den Interessen der Industrie. In diesem Rahmen hat die aktuelle Kampagne zum Thema "Klimawandel" die Aufgabe, der Konsequenz einer Änderung sowohl unserer Lebensweise, als auch unserer Wirtschaftsweise auszuweichen und sie abzuwenden, damit alles so bleiben kann, wie es ist, und insbesondere soll das Dogma des permanenten Wirtschaftswachstums nicht beeinträchtigt und in Frage gestellt werden. Die im Zuge dieser Kampagne vertretene Sichtweise auf den Problemkomplex entspringt einer spezifischen Problemwahrnehmung aus den gesellschaftlichen Besonderheiten einer us-amerikanischen Binnenperspektive und sie ist in dieser Form nicht globalisierbar. Schon in Europa kann man auf Grundlage anderer historischer Erfahrungen zu anderen Einschätzungen und Ergebnissen gelangen. Umso mehr muß dies auf anderen Kontinenten der Fall sein. 
 
Bei der aktuellen Kampagne zum Thema „Klimawandel“ besteht das Problem, daß die Vielfalt, Komplexität und die Interdependenzen globaler Naturzerstörungen auf einen einzigen Begriff reduziert werden, den sogenannten "Klimawandel". M.E. geht es in dieser groß inzenierten Kampagne darum, daß wir in Konsequenz der globalen Naturzerstörungen, dem Verlust an Biodiversität und dem rasanten Artensterben nicht unsere Lebens- und Wirtschaftsweise ändern müssen, daß vielmehr alles so bleiben kann, wie es ist. Mit einem "Green New Deal" erfolgt ein "Greenwashing" der fortgeschrittenen Industriegesellschaft. Naturschutz und Naturschützer sind dabei ein Hindernis, denn es werden die eh schon in der industriellen Land- und Forstwirtschaft bestehenden Monokulturen in weit größerem Umfang ausgeweitet werden müssen, um den Rohstoffhunger der weiterhin am Wirtschaftswachstumsdogma festhaltenden fortgeschrittenen Industriegesellschaft befriedigen zu können, und ebenso die Konsumerwartungen der weiter anwachsende Weltbevölkerung, die weltweit gemäß dem "American Way of Life" leben möchte, denn dieser wurde mittlerweile massenmedien-vermittelt und entwicklungspolitisch gefördert zum globalen Standard. Die Forderung der Naturschützer nach einer Änderung unserer Lebens- und Wirtschaftsweise paßt hier nicht hinein, denn das Entwicklungs- und Glücksversprechen für mehrere Milliarden Menschen müßte enttäuscht werden. Die weitere Zuspitzung der globalen Krise erscheint daher unvermeidlich. Sowohl Landflucht, als auch Urbanisierung nehmen weltweit weiter zu. 
 
Erforderlich ist daher ein anderes Entwicklungsmodell, das im Gegensatz zur Konsum- und Wegwerfgesellschaft globalisierbar ist, das ohne ein Dogma permanenten Wirtschaftswachstums auskommt und das mit einer Änderung sowohl unserer Lebensweise, als auch unserer Wirtschaftsweise einher geht. In einem weltweiten Maßstab benötigen die Menschen insbesondere den Erhalt und die Förderung von Perspektiven im Ländlichen Raum und ein Ende ihrer Verdrängung. Dieses wird im Konzept des „Green New Deal“ ignoriert, da der Blick ausschließlich auf die Verhältnisse in den USA beschränkt ist. Anstatt weiterem Wirtschaftswachstum ist vielmehr eine stationäre Wirtschaft im Sinne von Subsistenwirtschaft gefordert. Hier geht es primär um die Änderung unseres Lebensstils. Es geht um Entschleunigung, einfaches Leben, Lebensreform und Selbstversorgung. Meines Erachtens muß bei der Suche nach Alternativen hier angesetzt werden. Ich denke hier u.a. z.B. an die Lebensreformbewegung (140). 
 
Die Mehrheit der Megacitys ist durch permanente ökologische, soziale und gesundheitliche Krisen und Ausnahmezustände geprägt. Dies kann man am Beispiel der heute schon bestehenden Megacitys studieren. Im Zuge der sich zuspitzenden multiplen Globalkrise wird der Ausnahmezustand zukünftig der globale Dauerzustand sein. Die Verfassungswirklichkeit des Ausnahmezustands ist der Maßnahmenstaat (141). Willkommen im extremen 21. Jahrhundert, in dem der Totalitarismus digitaltechnisch modernisiert neu erfunden wird: Anstatt Alternativen zuzulassen und zu entwickeln, wurde stattdessen mittlerweile präventiv mithilfe der neuen Möglichkeiten der digitalen Technik ein flächendeckendes globales Überwachungs- und Kontrollregime errichtet, das die gesamte Menschheit erfaßt, und die Ereignisse des 11.09.2001 lieferten dafür den Vorwand (142). 
 

Ethnische Säuberungen und das extreme 20. Jahrhundert 

 
Nach meinem Besuch der Megacity Istanbul setzte ich meine Fahrradreise entlang der Südküste des Marmarameeres hin zur Meerenge der Dardanellen fort. Dabei gelangte ich westlich der Stadt Mudanya durch das ehemalige griechische Dorf Triglia, das heute Tirilye heißt (143). Tirilye/Triglia ist ein Beispiel von zahlreichen weiteren Ortschaften in Kleinasien, die von ihren Einwohnern im Zuge des griechisch-türkischen Bevölkerungsaustausches (144) auf Grundlage des Vertrags von Lausanne von 1923 (145) verlassen werden mußten. Der griechisch-türkischen Bevölkerungsaustausches schuf als „Modell Lausanne“ einen Präzedenzfall für nachfolgende Zwangsmigrationen, Ethnische Säuberungen, Deportationen und Vertreibungen im 20. Jahrhundert. 
 
Auf internationaler Ebene traten insbesondere westeuropäische Politiker und Wissenschaftler für ethnische Säuberungen ein, und dies zeigt, wie wichtig es ist, die Ebene der internationalen Politik und den dort bestehenden Konsens zu einem System homogener Nationalstaaten zu betrachten. In der internationalen Politik schuf die während der Konferenz von Lausanne am 30.01.1923 vereinbarte Konvention zum Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei, die Bestandteil des Vertrags von Lausanne vom 24.07.1923 war, als „Modell Lausanne“ einen Präzedenzfall für nachfolgende Vertreibungen, was der Historiker Philipp Ther in seinem Buch: „Die Außenseiter. Flucht, Flüchtlinge und Integration im modernen Europa“ hervorhebt: „Während das Leid der Flüchtlinge rasch in Vergessenheit geriet, priesen Politiker aus ganz Europa das Abkommen von Lausanne als Modell zur Beilegung von Konflikten zwischen verfeindeten Nationen. Das Stichwort ‚Lausanne‘ diente von 1937 bis 1947 als Referenzpunkt für ein knappes Dutzend internationaler Abkommen, in denen massenhafte Bevölkerungsverschiebungen vereinbart und geregelt wurden. Ein näherer Blick auf das türkisch-griechische Verhältnis zeigt, dass die Konflikte mitnichten gelöst waren“ (146). 
 
Der Experte für Völkerrecht Alfred-Maurice de Zayas bestätigt in seinem Buch: „Die Nemesis von Potsdam. Die Anglo-Amerikaner und die Vertreibung der Deutschen“, daß das „Modell Lausanne“ einen Präzedenzfall für nachfolgende Vertreibungen im 20. Jahrhundert schuf: „Nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich dann die gewaltsame Umsiedlung als politisches Prinzip (…) allgemein durch. Der Vertrag über den Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei, von dem etwa zwei Millionen Menschen betroffen waren, wurde zum historischen Markstein, weil ihm der Völkerbund zustimmte und seine Durchführung überwachte – ein unheilvolles Vorzeichen dessen, was später kam“ (147). Von den Zwangsmigrationen im Rahmen des Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei waren ca. 1,6 Mio. Personen betroffen, darunter ca. 1,2 Mio. Griechen in Kleinasien sowie ca. 400.000 Muslime in Griechenland. Der gewaltsame Bevölkerungsaustausch führte zu einem abrupten Ende der seit der Antike über einen Zeitraum von 2.500 Jahren bestehenden Siedlungskontinuität von Griechen in Kleinasien sowie zu einem Ende der seit fast 500 Jahren bestehenden muslimischen Gemeinden in Griechenland. Das „Modell Lausanne“ wurde in der internationalen Politik zum Präzedenzfall für nachfolgende Vertreibungen und Ethnische Säuberungen im extremen 20. Jahrhundert, sodaß das 20. Jahrhundert zu einem extremen Jahrhundert werden konnte, dessen Alleinstellungsmerkmal als einem extremen Jahrhundert insbesondere Ethnische Säuberungen sind. Ethnische Säuberungen wurden zu einem international akzeptablen Mittel, das versprach, innen- und außenpolitische Probleme wirksam und nachhaltig zu lösen, und immer häufiger und in wachsendem Umfang wurde darauf zurückgegriffen. Das Beispiel der Griechen und weiterer Minderheiten Kleinasiens, wie insbesondere der Armenier (148), zeigt, daß der Übergang von Ethnischen Säuberungen zum Genozid fließend ist, daß beide Phänomene nicht voneinander getrennt werden können, sondern gemeinsam betrachtet und analysiert werden müssen. 
 
Ethnische Säuberungen sind auch in der Gegenwart noch Realität in Europa, wie insbesondere das Beispiel des Zerfalls des ehemaligen Jugoslawien zeigt, und die Idee des ethnisch homogenen Nationalstaats ist auch heute weiterhin das Ideal und Leitbild der Politik. Der Nationalstaat ist heute die weltweit einzige allgemein akzeptierte Organisationsform der Menschen, und überall werden sie genötigt, sich als Nationen zu organisieren. Noch immer findet auch gewaltsam „Nation Building“ (149) statt. Vertreibungen, Ethnische Säuberungen, Terrorismus, Konflikte und Kriege sind die Folgen und werden billigend in Kauf genommen. 
 
Südost-Europa bietet hierfür ein idealtypisches Beispiel. Die Region Südost-Europa, die auch als Balkanraum bezeichnet wird, umfaßt eine Fläche von über 960.000 km² mit rund 90 Millionen Einwohnern (150). Noch mehr als das östliche Europa ist Südost-Europa durch eine hochgradige Gemengelage der verschiedenen Sprachgruppen, Ethnien und Religionen geprägt, wie ein Blick auf eine Siedlungskarte unübersehbar erkennen läßt. Somit ist Südost-Europa die Region in Europa, die sich am wenigsten dafür eignet, dort das Modell des homogenen Nationalstaates im Zuge von „Nation Building“ durchsetzen zu wollen. Doch genau dieses wird bis heute immer wieder versucht. Daher ist heute diese Region insbesondere durch ethnonationale Konflikte bekannt. Doch noch vor 200 Jahren gab es dort weder Nationalstaaten, noch nationale Mehr- oder Minderheiten. Diese sind ein Produkt des 19. und des 20. Jahrhunderts, wie der Historiker Holm Sundhaussen in seinem Text: „Staatsbildung und ethnisch-nationale Gegensätze in Südosteuropa“ erklärt: „Wie in anderen europäischen Regionen, so hat sich auch in Teilen des Balkanraums die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung im Laufe des 20. Jahrhunderts infolge von Flucht und Auswanderung einerseits sowie Vertreibung, Umsiedlung und Massenmord andererseits grundlegend verändert. Mit der Bildung von Nationen als imaginierten Abstammungs- bzw. Blutsgemeinschaften sowie der Durchsetzung des Nationalstaatsprinzips bzw. des Rechts auf nationale Selbstbestimmung in einer Region, die durch extreme ethnische Gemengelagen geprägt war, setzte ein säkularer Prozess mehr oder minder gewaltsamer Abgrenzungen und Bevölkerungsverschiebungen ein“ (151). Holm Sundhaussen hebt hervor, daß mit jeder neuen Staatsbildung und Grenzveränderung die Zahl der Minderheiten zunahm: „Staats-, Nations- und Minderheitenbildung sowie Ethnozid (…) bedingten sich wechselseitig“ sodaß im „Balkanraum im vergangenen Jahrhundert über zehn Millionen Menschen Opfer unfreiwilliger Migration geworden“ sind (152). Dieser Prozeß wird „Balkanisierung“ genannt. 
 
In Südost-Europa erreichten die ethnonational bedingten Flüchtlingsströme und Vertreibungen sowie andere Formen „ethnographischer Flurbereinigungen“, wie Deportationen, Ethnische Säuberungen und Genozide ihren Höhepunkt in drei Kriegsperioden des 20. Jahrhunderts: 
1. Der Kriegsperiode in den Jahren 1912 bis 1923 mit den Balkankriegen (153) der Jahre 1912 und 1913, und dem griechisch-türkischen Krieg (154), der sich in den Jahren 1919 bis 1922 nach der Auflösung des Osmanischen Reiches ereignete, und der mit dem erwähnten Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei endete, der während der Konferenz von Lausanne am 30.01.1923 vereinbart worden war, und der Bestandteil des Vertrags von Lausanne vom 24.07.1923 war, und der als „Modell Lausanne“ in der internationalen Politik zum Präzedenzfall für nachfolgende Vertreibungen im extremen 20. Jahrhundert wurde. 
2. Während des Zweiten Weltkriegs. 
3. Den vier Jugoslawienkriegen (155): Dem 10-Tage-Krieg, dem Kroatienkrieg, dem Bosnienkrieg und dem Kosovokrieg, die sich in den Jahren von 1991 bis 1999 ereigneten. 
Der Historiker Karl Schlögel zeigt in seinem Text: „Bugwelle des Krieges“ auf, daß mit dem Krieg in Jugoslawien in den 90er Jahren die Bilder zurückgekehrt sind, die man in Europa längst vergessen hatte: „Wiedergekehrt war mit einem Mal auch das Vokabular, das in Europa seit den unmittelbaren Nachkriegsjahren nicht mehr in Gebrauch gewesen war. Es gab wieder Lager in unendlich vielen Varianten – Sammel-, Filtrations-, Durchgangs- und Auffanglager. Europa wimmelte plötzlich wieder von einer Spezies, von der man geglaubt hatte, sie sei ausgestorben oder komme nur noch in weit entlegenen und exotischen Weltgegenden vor: Flüchtlinge, Vertriebene, Displaced Persons. Das 20. Jahrhundert, das eben dabei war, sich zu verabschieden, hatte sich noch einmal zu erkennen gegeben als das ‚Jahrhundert der Flüchtlinge‘, der gewaltsamen Bevölkerungsverschiebungen und der ethnischen Säuberungen“ (156). 
 
Derzeit entstehen mit Programmen von „Nation Building“ insbesondere in Südost-Europa eine Vielzahl von Kleinststaaten, die sich wie „echte“ Nationalstaaten gebärden sollen, mit allen dazugehörigen Attributen, einschließlich „säbelschwingender Reiterstandbilder“ (157) in den Hauptstädten. Im heutigen internationalen System ist das Konzept von Kleinstaaten nach Auffassung des Historikers Eric J. Hobsbawm in seinem Buch: „Nationen und Nationalismus“ jedoch sinnlos: „Gegen die Kleinstaaterei heute, zumindest in ihrer ethnisch-sprachlichen Form, spricht jedoch nicht nur, daß sie keine Lösung für die aktuellen Tagesprobleme bereithält, sondern auch, daß sie diese noch erschwert, sofern die betreffende Bewegung die Macht hat, ihr politisches Programm auch in die Praxis umzusetzen. Kulturelle Freiheit und Pluralismus sind gegenwärtig zweifellos besser gewährleistet in größeren Staaten, die sich dessen bewußt sind, daß sie Vielvölkerstaaten sind, in denen viele Kulturen nebeneinander bestehen, als in kleinen, die das Ideal einer ethnisch-sprachlichen und kulturellen Homogenität anstreben“ (158). Der Historiker Hans-Ulrich Wehler hebt in seinem Buch: „Nationalismus. Geschichte, Formen, Folgen“ hervor: „Die uneingeschränkte Garantie aller Grundrechte, dazu der regionalen und kulturellen Autonomie in einem föderalistischen Staatensystem sollte endlich eine höhere Priorität genießen als das im Zeitalter der Globalisierung ohnehin verblassende Ideal des souveränen Nationalstaats. Die Gewährleistung dieser Rechte würde den Menschen jenes ersehnte Maß an Autonomie verschaffen, das ursprünglich vom Hoffnungsziel des Selbstbestimmungsrechts der Völker verkörpert wurde“ (159). 
 
Eine solche Auffassung vertritt auch der Philosoph Jürgen Habermas in seinem Text: „Vom Sinn und Unsinn nationaler Selbstbestimmung“: „Die Forderung nach Selbstbestimmung kann unmittelbar nur die Durchsetzung gleicher Bürgerrechte zum Inhalt haben. (…) Eine Sezessionsforderung ist erst dann berechtigt, wenn die zentrale Staatsgewalt einem Teil der Bevölkerung (…) seine Rechte vorenthält. (…) Solange nämlich alle Bürger gleiche Rechte genießen und niemand diskriminiert wird, besteht kein normativ überzeugender Grund zur Separierung vom bestehenden Gemeinwesen. Unter dieser Voraussetzung kann nämlich von Repression und ‚Fremdherrschaft‘, die Minderheiten das Recht zur Sezession gäben, nicht die Rede sein. Dem entspricht auch die Beschlußlage der UN-Generalversammlung, die in Übereinstimmung mit der UN-Charta zwar allen Völkern ein Recht auf Selbstbestimmung garantiert, aber ohne den Begriff ‚Volk‘ im ethnischen Sinne festzulegen. Ausdrücklich verneint wird ein Sezessionsrecht“ (160). Bezüglich der UN-Charta führen dies die Völkerrechtler Alfred Verdross und Bruno Simma in ihrem Buch: „Universelles Völkerrecht. Theorie und Praxis“ näher aus: „Hingegen wird ein Sezessionsrecht, also ein Anspruch auf Losreißung von solchen Staaten, die sich in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Gleichberechtigung und des Selbstbestimmungsrechts der Völker verhalten, und daher eine das ganze Volk vertretende Regierung, ohne Diskriminierung von Rasse, Glaube und Farbe besitzen, ausdrücklich verneint“ (161). Zur Vermeidung von Diskriminierungen stellt Habermas das Konzept einer „differenzempfindlichen Inklusion“ vor: „Im allgemeinen kann Diskriminierung nicht durch nationale Unabhängigkeit, sondern nur durch eine Inklusion abgeschafft werden, die für den kulturellen Hintergrund individueller und gruppenspezifischer Unterschiede hinreichend sensibel ist“, und Habermas führt „verschiedene Wege zum prekären Ziel einer ‚differenzempfindlichen‘ Inklusion“ auf: „die föderalistische Gewaltenteilung, eine funktional spezifizierte Übertragung bzw. Dezentralisierung von staatlichen Kompetenzen, vor allem die Gewährung kultureller Autonomie, gruppenspezifische Rechte, Politiken der Gleichstellung und andere Arrangements für einen effektiven Minderheitenschutz“ (162). 
 

Vom Marmarameer an die Dardanellen 

und durch das nördliche Griechenland 

 
Bei der Meerenge der Dardanellen besuchte ich die archäologische Stätte der berühmten antiken Stadt Troja, und die Archäologen haben dort gegliedert in verschiedene Epochen eine Siedlungskontinuität von rd. 5000 Jahren nachgewiesen. Zweifellos hat die antike Stadt Troja eine sehr günstige verkehrsgeographische Lage am Übergang der Dardanellen ins Ägäische Meer, was die lange Siedlungskontinuität begründet. An der Ägäisküste Kleinasiens gibt es weitere bedeutende archäologische Stätten aus der Antike, wie insbesondere Pergamon und Ephesus, doch deren Besuch hätte den Rahmen meiner Südost-Europa-Fahrradreise vollends überdehnt, und sie müssen Ziel einer weiteren Reise zu einem späteren Zeitpunkt sein. 
 
Bei meiner Weiterfahrt überquerte ich bei Çanakkale per Fähre die Meerenge der Dardanellen zum gegenüberliegenden Hafenort Kilitbahir und fuhr über die Halbinsel Gallipoli weiter. In der Hafenstadt Gelibolu erinnern zwei Denkmäler an den Kartografen Piri Reis (1470-1554) (163), der als einer der Ersten im Jahre 1513 eine Karte erstellte, in der der amerikanische Kontinent eingezeichnet ist (164). Weiter fahre ich um den Golf von Saros am Ägäischen Meer. Ich erreiche die Stadt Alexandrupolis und fahre durch West-Thrakien weiter zur Hafenstadt Kavála. Bedeutendste Sehenswürdigkeiten sind dort ein Aquädukt aus der Römerzeit und eine byzantinische Festung. Am zentralen Platz Eleftherias in Hafennähe befindet sich ein Denkmal, das an Alexander III. von Makedonien (= Alexander der Große) (356-323 v. Chr.) (165) erinnert, und es wird ein Auszug aus einer von ihm im Jahre 324 v. Chr. gehaltenen Rede zitiert, in der er Gleichberechtigung und Gleichbehandlung aller Einwohner in dem von ihm geschaffenen Alexanderreich (166) verkündet. 
 
Im Zuge des griechisch-türkischen Bevölkerungsautausches auf Grundlage des Vertrags von Lausanne 1923 ist die Einwohnerzahl der Stadt Kavála um das Vierfache angewachsen. In die Stadt Kavála, die damals nicht viel mehr als 20.000 Einwohner hatte, war eine große Zahl von annähernd 80.000 Flüchtlingen gelangt. Zu diesem Thema gibt es dort ein „Museum of Greek Refugees“, das ich besuche. Im gesamten Europa sind die Ethnischen Säuberungen, Zwangsmigrationen, Deportationen und Vertreibungen des extremen 20. Jahrhunderts bislang nur sehr unzureichend aufgearbeitet, und Museen, die sich diesem Themenkomplex widmen, sind weiterhin eine Seltenheit. Das Thema ist im gesamten Europa unbequem und unerwünscht. Die Ethnischen Säuberungen, Zwangsumsiedlungen, Vertreibungen und Deportationen des extremen 20. Jahrhunderts, die die heutige Welt der homogenen Nationalstaaten schufen, dürfen nicht in Frage gestellt werden, und der durch diese Verbrechen erreichte Zustand wird hartnäckig verteidigt. Flüchtlinge, Deportierte und Vertriebene sollen mit ihren Anliegen nicht öffentlich in Erscheinung treten, sie sollen den Mund halten, sich anpassen und assimilieren. Mich interessiert hier beim „Museum of Greek Refugees“ insbesondere das museumspädagogische Konzept und wie das Thema präsentiert wird. Das Museum besteht aus drei kleinen Räumen, in denen insbesondere Dinge ausgestellt sind, die die Flüchtlinge aus Kleinasien mitgebracht haben, und die Bestandteil ihres Lebens in Kleinasien waren. Ihre wesentliche Bedeutung haben diese Exponate als Erinnerungsträger, und mit jedem Gegenstand ist eine umfangreiche Geschichte verbunden, die es zu vermitteln gilt. Dieses leisten die beiden Kuratoren des Museums im Rahmen von Führungen durch das Museum. 
 
Weiter fahre ich nach Thessaloniki. Dort besuche ich zwei exzellente Museen: Das Museum für byzantinische Kultur (167) und das Archäologische Museum. Insgesamt besuche ich in Nord-Griechenland mehrere bedeutende archäologische Stätten ehemaliger antiker Städte: Der Stadt Philippi, der Stadt Amphipolis, der Stadt Argilos, der Stadt Stagira, die insbesondere als Geburtsort des Philosophen Aristoteles (384-322 v. Chr.) (168) bekannt ist, und der Stadt Pella, dem Geburtsort von Alexander III. von Makedonien (= Alexander der Große) (356-323 v. Chr.). 
 
Weiter fuhr ich im Tal des Flusses Axios/Vadar nach Nord-Mazedonien. Dort besuchte ich die archäologische Stätte der antiken Stadt Stobi und erreichte dann die Stadt Skopje am Fluß Vardar/Axios. Entlang des Flußufers reihen sich dort zahlreiche große, repräsentative Gebäude und insbesondere eine kaum zu überblickende Zahl großer Denkmäler. Sicherlich ist Skopje die Stadt mit den meisten großen Denkmälern, sowohl was deren Gesamtzahl anbelangt, als auch im relationalen Verhältnis zur Stadtgröße und zur Bevölkerungszahl. Das größte und zentralste dieser zahlreichen Denkmäler ist ein Reiterstandbild im Zentrum des Platzes Plostad Makedonija, das Alexander III. von Makedonien (= Alexander der Große) (356-323 v. Chr.) mit erhobenem Schwert darstellt. Hingegen würde es Alexander III. von Makedonien sicherlich bevorzugen, wenn mit seiner Rede aus dem Jahr 324 v. Chr. an ihn erinnert würde, wie es in der Stadt Kavála der Fall ist. Doch Verstorbene haben keine Mitsprachemöglichkeiten und keine Rechte, und sie können nach Belieben geschichtspolitisch instrumentalisiert werden. Das Genre des „säbelschwingenden Reiterstandbildes“, das sich in den europäischen Hauptstädten konzentriert, ist ein Charakteristikum des Zeitalters des modernen Nationalismus, und es existiert nicht in der Ikonografie der Antike und des Mittelalters. 
 
Bei meiner Weiterfahrt folge ich dem Verlauf des Flusses Morava zur Donau. Dort besuche ich die archäologische Stätte der antiken Stadt Viminacium (169). Während der Römerzeit war Viminacium die Hauptstadt der Provinz Moesia superior mit ca. 40.000 Einwohnern. Die nahegelegene Stadt Smederovo liegt an der Einmündung des Flusses Jezava in die Donau. Hier gibt es eine in den Jahren 1428 bis 1430 erbaute Festung, deren Mauern der damals noch unbeschädigten Theodosianischen Landmauer von Konstantinopel gleichen, die offensichtlich beim Bau zum Vorbild genommen wurde. Doch auch diese Festung in Smederovo wurde im Jahre 1459 vom expandierenden osmanischen Militärimperium erobert, und dessen Armeen belagerten in den Jahren 1523 und 1683 sogar die Stadt Wien (170). 
 

Planungsleitbilder im Zeitalter der industriellen Moderne 

 
Entlang der Donau erreiche ich die Stadt Belgrad (171), die an der Einmündung des Flusses Save/Sava in die Donau liegt. Die Stadt Belgrad ist eine der größten und bedeutendsten Metropolen sowohl an der Donau, als auch im gesamten südöstlichen Europa. Da es bei Belgrad keinen zentrumsnahen Campingplatz gibt, quartiere ich mich in einem Hostel ein, um im Rahmen von Stadtexkursionen und Museumsbesuchen die Stadt näher kennenzulernen. Im Stadtgebiet von Belgrad verläuft entlang der Donau ein gut ausgebauter und ausgeschilderter Abschnitt des Donau-Radweges (= Eurovelo 6). Doch dieser gute Ausbauzustand des Donauradweges endet alsbald an den Stadtgrenzen von Belgrad. Zwar gilt der Donau-Radweg (= Eurovelo 6) als der beliebteste und am meisten befahrene Fahrrad-Fernwanderweg in Europa, der von rd. 150.000 Fahrradreisenden pro Jahr genutzt wird, doch dies gilt, wie ich feststellen kann, nur für die oberen Abschnitte, die durch Deutschland und Österreich verlaufen, und vielleicht noch für den weiteren Abschnitt bis Budapest. Der gesamte untere Teil des Donau-Radwegs, der durch das südöstliche Europa verläuft, wird hingegen kaum von Fahrradreisenden befahren, und auch der Ausbauzustand und die Ausschilderung sind dort oft mangelhaft. Wie schon dargestellt sind im gesamten südöstlichen Europa rein automobile Gesellschaften entstanden und das Fahrrad hat als Verkehrsmittel keinerlei Bedeutung. Verkehrs- und Stadtplanung sind überall im südöstlichen Europa gemäß dem Leitbild autogerechter Planung auf die Förderung des KFZ-Verkehrs ausgerichtet, und, wie ich feststellen mußte, leistet insbesondere die EU im südöstlichen Europa große Aufwendungen, um die Infrastruktur für den KFZ-Verkehr auszubauen und auszuweiten, und dies auch in den Nicht-Mitgliedsstaaten. 
 
Heute hat sich der Automobilismus weltweit durchgesetzt, er prägt das Zeitalter der Industriellen Moderne, und er präsentiert sich als alternativlos. Weltweit wird der Automobilismus durch die Verkehrs- und Stadtplanung gemäß dem Planungsleitbild der „autogerechten Planung“ gefördert, und dies erfolgt ebenso im gesamten Europa. Schon vor 1989/90 war die Verkehrs- und Stadtplanung sowohl der westlichen, als auch der östlichen „realsozialistischen“ Variante der Industriellen Moderne alternativlos auf das Planungsleitbild der „autogerechten Planung“ ausgerichtet, das die permanente Mobilisierung, Mobilmachung und Beschleunigung aller Bereiche der Gesellschaft zum Ziel hat, um permanentes Wirtschaftswachstum zu gewährleisten. Hierbei wird die Gesellschaft als eine große, zweckrational zu optimierende Maschine verstanden, einem Anspruch, dem auch die Stadt-, Verkehrs- und Bauplanung zu genügen hat. In idealtypischer Weise sind derartige Konzepte theoretisch ausgearbeitet und praktisch umgesetzt worden insbesondere von Le Corbusier (1887-1965), Oscar Niemeyer (1907-2012) und Vertretern der „Charta von Athen“ (172). Gemäß der Planungsphilosophie des Architekten und Stadtplaners Le Corbusier ist das Haus eine „Maschine zum Wohnen“. Individuelle Lebensäußerungen, die nicht den funktionalen Vorgaben dieser am Modell einer Maschine orientierten Planungskonzepte entsprechen, müssen als eine zu behebende Störgröße und als zu sanktionierende Ordnungswidrigkeit erscheinen. Die Stadt-, Verkehrs- und Bauplanung sowohl der westlichen, als auch der östlichen, real-sozialistischen Variante der industriellen Moderne hatten gleichermaßen alternativlos das Planungsleitbild der „autogerechten Stadt“ zur Grundlage, und dies ist eins von vielen Beispielen der alternativlosen Konvergenz der westlichen und der östlichen, „real-sozialistischen“ Variante der industriellen Moderne. Idealtypisch ist die Planungsphilosophie von Le Corbusier bei der von ihm geplanten und ab 1952 erbauten Planstadt Chandigarh (173) realisiert worden, die ich während meiner Südasien-Reise am 16. und 17.11.2019 besucht habe. In Belgrad ist ab 1948 gleichfalls ein großer Stadtteil mit dem Namen „Novi Beograd“ (174) nach den architektonischen Ideen von Le Corbusier errichtet worden, den ich am 20.10.2023 im Rahmen meiner Stadtexkursionen besuchte. Ebenso wie Candigarh ist Novi Beograd in rechtwinklige Planquadrate eingeteilt, zwischen denen vielspurige Autostraßen verlaufen. In Novi Beograd sind diese Planquadrate mit den „Wohnmaschinen“ der industriellen Moderne ausgefüllt, die dort wie auch im gesamten Raum zwischen Magdeburg und Wladiwostok im Plattenbaustil erbaut wurden. Im Gegensatz zur westlichen Variante der industriellen Moderne gelang es der östlichen, „realsozialistischen“ Variante der industriellen Moderne jedoch nicht, die errichteten autogerechten Planungslandschaften mit großen und schnellen Automobilen zu bevölkern. Dieses erfolgt nun seit 1989/90 in Form einer nachholenden Modernisierung, wobei die östliche Hälfte Europas mit großen und schnellen West-Autos geradezu überschwemmt wird. Das unbegrenzte Herumhasten mit großen und schnellen West-Autos gilt seither in der gesamten östlichen Hälfte Europas zwischen Magdeburg und Wladiwostok, Murmansk und Istanbul als die Verwirklichung des Freiheits- und Glücksversprechens der Epochenwende von 1989/90, sodaß seit 1989/90 in der gesamten östlichen Hälfte Europas rein automobile Gesellschaften entstanden sind, heute der Automobilismus dort alternativlos ist und das Fahrrad als Verkehrsmittel keinerlei Bedeutung hat. 
 
Stadt- und Verkehrsplanung präformiert und prädisponiert die Gesellschaft, und sie sind Ausdruck der jeweils herrschenden Paradigmen und Ideologien. So kommen seit 1989/90 in der östlichen Hälfte Europas neue Planungskonzepte zum Tragen, in denen die Konsumkultur der fortgeschrittenen Industriegesellschaft zur Ausprägung gelangt. Ein Beispiel bietet der Stadtteil „Beograd na vodi“ östlich des Flusses Save, der derzeit mit zahlreichen Großbaustellen weiter anwächst. Hier, gegenüber dem westlich der Save gelegenen Stadtteil Novi Beograd entsteht ein städtebaulich neues Konzept urbaner Modernität, das sich in verschiedenen Aspekten vom hegemonialen städtebaulichen Planungsleitbild des 20. Jahrhunderts, das insbesondere durch der „Carta von Athen“ geprägt wurde, verabschiedet. Das neue städtebauliche Konzept ist nun für die Konsumkultur der fortgeschrittenen Industriegesellschaft optimiert, die nun nach 1989/90 im gesamten Europa die hegemoniale gesellschaftliche Realität darstellt. Der Konsum von Konsumprodukten wird werbewirksam als „Lifestyle“ vermarktet, und um an den propagierten „Lifestylen“ partizipieren zu können, ist der Erwerb darauf abgestimmter Konsumprodukte erforderlich. Hier im neu entstehenden Stadtteil „Beograd na vodi“ wird in diesem Rahmen auf schier endlosen straßenbegleitenden Werbetafeln der Begriff der Kunst (Art) dekonstruiert, sein traditioneller Begriffsgehalt wird geradezu aufgelöst, um ihn zum Vermarktungszweck völlig neu zu schaffen und mit neuem Inhalt zu füllen, und es entstehen neue Begriffe, wie: „Art of Shopping“, Art of Play“, „Art of Fashion“, Art of Entertainment“ u.a.m.. In der Konsumkultur der fortgeschrittenen Industriegesellschaft sind die Menschen Opfer fremdgesteuerter Wünsche und nicht reflektierter Leidenschaften, und so unterliegen sie permanenten Manipulationen. Während in der westlichen Hälfte Europas jahrzehntelange Erfahrungen mit der Konsumkultur der fortgeschrittenen Industriegesellschaft bestehen, und es mittlerweile eine lange Tradition der Kritik an dieser gibt, auf deren Grundlage eine Alternativkultur besteht, fehlen diese Erfahrungen in der östlichen Hälfte Europas (noch) weitgehend, weswegen in der östlichen Hälfte Europas diesbezüglich weit radikalere und rasantere Entwicklungen möglich sind, die in dieser Form in der westlichen Hälfte Europas kaum durchsetzbar wären. 
 

Am Rande der Alpen-Region 

 
Bei meiner Weiterfahrt folge ich dem Verlauf des Flusses Sava/Save flußaufwärts, wobei ich u.a. zur Stadt Sremska Mitrovica gelange. Hier befinden sich archäologische Stätten der antiken Stadt Sirmium (175), die im Imperium Romanum die Hauptstadt der Provinz Pannonia inferior (Unter-Pannonien) gewesen war. Im Zuge der Reformen des Diokletian (reg. 284 – 305 n. Chr.) (176) wurde Sirmium im Jahre 296 n. Chr. zudem eine der vier Hauptstädte des Imperium Romanum mit einer kaiserlichen Residenz. Zu diesen vier Hauptstädten des Imperium Romanum zählten neben Sirmium zudem Trier, Thessaloniki und Nicomedia. Des Weiteren ist Sirmium die Geburtsstadt mehrerer römischer Kaiser. Die archäologische Stätte des ehemaligen Kaiserpalastes in Sirmium ist heute von einer Halle überbaut, die besucht werden kann. 
 
Meine Fahrt setzte ich entlang des Flusses Sava/Save fort und besuche bei der Stadt Vukovar das Museum der Vučedol-Kultur (177). In einer gut konzipierten und aufwändig gestalteten Ausstellung präsentiert das exzellente Museum gegliedert in Themenbereiche den aktuellen archäologischen Kenntnisstand der Erforschung der Vučedol-Kultur, die zeitgleich mit den frühen Hochkulturen in Mesopotamien und Ägypten existierte, doch von der wir derzeit noch wenig wissen. In der Stadt Vukovar befindet sich ein großer Wasserturm mit Kriegsschäden aus dem Kroatienkrieg der Jahre 1991 bis 1995, der heute ein Mahnmal ist und der eine Erinnerungsstätte zum Thema der Belagerung der Stadt Vukovar im Jahre 1991 beinhaltet (178), die ich besuche. Es stellt sich die Frage nach den Gründen und Umständen des Zerfalls des ehemaligen Jugoslawien, und warum diese Entwicklungen nach 1989/90 in Jugoslawien gewaltsam erfolgten, während diese in der übrigen östlichen Hälfte Europas vergleichsweise friedlich verliefen. Insbesondere in Südost-Europa ist nach 1989/90 eine Vielzahl kleiner Nationalstaaten entstanden, die sich nun als Nationalstaaten gegeneinander abgrenzen. Der neu entstandene Nationalismus in der östlichen Hälfte Europas konterkariert und gefährdet heute die Integration in Europa, wohingegen in der westlichen Hälfte Europas vor 1989/90 die Integration schon weit vorangeschritten war und insbesondere der Nationalismus zu großen Teilen überwunden war. Jetzt wird Europa seit 1989/90 ausgehend von der östlichen Hälfte Europas von einer neuen Welle des Nationalismus überzogen. 
 
Weiter fahre ich nach Zagreb und dann nach Ljubljana/Laibach. Auf dem Weg ins Stadtzentrum von Ljubljana passiere ich zwei quer über die Straße verlaufende Sperren durch hydraulische Poller. Diese Sperren durch hydraulische Poller sind mittlerweile in sehr vielen Stadtzentren von Großstädten im gesamten Europa anzutreffen. Per Knopfdruck können damit in Sekundenschnelle ganze Innenstädte abgesperrt werden. Zusammen mit der mittlerweile bestehenden flächendeckenden und lückenlosen Kameraüberwachung des öffentlichen Raumes sind die hydraulischen Poller Bestandteil einer „Architektur des Ausnahmezustands“, die sich seit den Ereignissen des 11.09.2001 weltweit in unheimlicher Geschwindigkeit ausweitet. Seit den Ereignissen des 11.09.2001 wurde der Ausnahmezustand (179) zum neuen Paradigma des Regierens, und seine Imperative durchdringen alle Bereiche der Gesellschaft und ebenso die Stadtplanung und Architektur. 
 
Über Maribor/Marburg an der Drau fahre ich weiter zum Tal der Mur und durch das klimatisch begünstigte Burgenland. Erstmalig treffe ich in Österreich wieder auf gute Fahrradwege, seitdem ich Tschechien verlassen habe. Ich gelange durch die Stadt Sopron/Ödenburg und passiere den Neusiedler See. Dann erreiche ich die Metropole Wien, und auch hier halte ich mich ein paar Tage auf zum Zweck von Stadtexkursionen und Museumsbesuchen. Da die drei Campingplätze bei Wien: Camping Wien Neue Donau, Camping Wien Süd, Camping Wien West, sowie der Campingplatz in Klosterneuburg ihren diesjährigen Saisonbetrieb schon beendet haben, quartierte ich mich in einem Hostel in Wien ein. U.a. besuchte ich in Wien das Naturhistorische Museum, das eins der größten naturhistorischen Museen der Welt ist, das Technische Museum und das Weltmuseum. Danach folgte ich dem Donau-Radweg (= Eurovelo 6). In der Stadt Tulln hat ein Denkmal am Donauufer die Nibelungensage (180) zum Thema, wobei die Begegnung von Kriemhild mit Hunnenkönig Attila/Etzel dargestellt ist. Ich passiere die Stadt Krems und gelange zur Burg Dürnstein. Hier ist das Zeitalter der Kreuzzüge präsent, denn in der Burg Dürnstein wurde König Richard Löwenherz (181), der vom 3. Kreuzzug zurückkehrte, von Dezember 1192 bis März 1193 gefangen gehalten. Erst nach der Zahlung eines Lösegeldes in Höhe von 100.000 Mark Silber, was etwa dem damaligen Staatshaushalt des Königreichs England von zwei Jahren entspricht, wurde er wieder freigelassen. Mit diesem Geld wurde u.a. der Bau der Stadtmauern der Stadt Wien (182) finanziert. Weiter fahre ich zur Stadt Linz und erreiche dann die Stadt Passau, von wo aus ich mit der Regionalbahn nach Berlin zurückfahre. Am 27. November 2023 endet nach 8850 km Fahrradfahrt meine Fahrradreise durch das südöstliche Europa. 
 

Anmerkungen: 

 
1) Eine gute Planungsgrundlage für Fahrradreisen bieten die folgenden Fahrrad-Reiseführer:
Herbert Lindenberg: Europa per Rad. Markgröningen, 8. Auflage 2022 (Reise Know-How Verlag).
Thomas Schröder, Helmut Hermann: Fahrrad Weltführer. Markgröningen, 4. Auflage 2016 (Reise Know-How Verlag).
Neil Pike, Harriet Pike: Adventure Cycle-Touring Handbook. Worldwide Cycling Route & Planning Guide. Hindhead (Surrey), 3. Auflage 2015 (Trailblater Publications).
 
2) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Donauradweg_(D6)
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/EuroVelo

3) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Elberadweg_(D10)

4) Vgl.: Friedjof Nansen: Freiluftleben. 1920, Leipzig. Vor dem Hintergrund der soeben erfolgten Zivilisationskatastrophe des Ersten Weltkrieges stellt Friedjof Nansen (1861-1930) in Anlehnung an Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) mit „Friluftsliv“ (Freiluftleben) sein Konzept eines einfachen, naturverbundenen Lebens vor, das dazu beitragen soll, die geistigen Grundlagen und Werte der europäischen Kultur zu erneuern. Meine methodische Praxis verstehe ich als eine Weiterentwicklung und Erweiterung dieses Konzeptes.

5) Vgl.: Thomas S. Kuhn: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen. Frankfurt am Main, 1967. Kuhn vertritt die These, daß sich der Fortschritt in der Wissenschaft nicht durch kontinuierliche Veränderung vollzieht, sondern durch revolutionäre Prozesse, wobei im Rahmen eines „Paradigmenwechsels“ ein bisher geltendes Erklärungsmodell verworfen wird und durch ein anderes ersetzt wird.

6) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erlebnispädagogik

7) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Mauerweg

8) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gruppe_der_Sowjetischen_Streitkräfte_in_Deutschland
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Sowjetarmee

9) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zwei-plus-Vier-Vertrag
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufenthalts-_und_Abzugsvertrag

10) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/KSZE

11) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Charta_von_Paris

12) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Warschauer_Pakt#Auflösung

13) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/NATO-Osterweiterung#Kontroversen

14) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Preußisch-Österreichischer_Krieg
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Preußisch-österreichischer_Dualismus

15) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Schlesische_Kriege

16) Vgl.: https://www.muzeumhk.cz/muzeum-valky-1866

17) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Spanische_Grippe

18) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Altvatergebirge

19) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sudeten

20) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Schneekoppe

21) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Riesengebirge#Naturschutz

22) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wald-_und_Baumgrenze

23) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fjell

24) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Potenzielle_natürliche_Vegetation

25) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Höhenstufe_(Ökologie)

26) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Laubwald

27) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bergwald

28) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Waldsterben

29) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sukzession_(Biologie)

30) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wald

31) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Waldes_in_Mitteleuropa

32) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Forstwirtschaft

33) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Biozönose

34) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Monokultur

35) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Forst
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftswald
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Plantage

36) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Biodiversität

37) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Aussterben#Aktuelle_Situation

38) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Anthropozän

39) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Massenaussterben#Das_gegenwärtige_Massenaussterben

40) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Waldschäden

41) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Instrumentelle_Vernunft
Sowie: Max Horkheimer: Zur Kritik der instrumentellen Vernunft. 1974, Frankfurt am Main. Die instrumentelle Vernunft und ihre Kritik bildet die analytische Schlüsselkategorie der Kritischen Theorie der vom Sozialphilosophen Max Horkheimer (1895-1973) begründeten Frankfurter Schule, die auf Grundlage interdisziplinärer geistes- und gesellschaftswissenschaftlicher Analysen eine Synthese von Gesellschafts- und Kulturkritik leistet.
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Horkheimer#Kritik_der_instrumentellen_Vernunft

42) Vgl.: Zur Geschichte der weltweiten Ausweitung der Monokulturen vgl.: Florian Hurtig: Paradise Lost. Vom Ende der Vielfalt und dem Siegeszug der Monokultur. 2020, München.

43) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftswachstum

44) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Konsumgesellschaft

45) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bedürfnishierarchie

46) Siehe: Erich Fromm: Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft. 1979, München. S. 168-169. In seiner Analyse der Konsumgesellschaft, die zu einem Klassiker der Konsumkritik geworden ist, entwirft Erich Fromm das Modell einer neuen Gesellschaft, die auf die Erfordernisse des nicht-entfremdeten, am Sein orientierten Individuums ausgerichtet ist.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Fromm

47) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wachstumszwang

48) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wachstumskritik

49) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Grünes_Wachstum

50) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Stationäre_Wirtschaft

51) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Subsistenzwirtschaft

52) Vgl.: https://www.szm.cz/de

53) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hultschiner_Ländchen

54) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Oberschlesien

55) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Landkreis_Leobschütz
Teil des Landkreises Leobschütz ist die Stadt Katscher/Kietrz:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kietrz
Dort hatte die Familie meines Vaters Wolfgang Suchan (1920-2011) einen Bauernhof, den sie im Zuge der Ethnischen Säuberungen im Jahre 1945 verlassen mußte.

56) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Landkreis_Ratibor

57) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Volksabstimmung_in_Oberschlesien

58) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Interalliierte_Regierungs-_und_Plebiszitskommission_für_Oberschlesien

59) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkerbund#Scheitern

60) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vielvölkerstaat

61) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Österreich-Ungarn

62) Siehe: Philipp Ther: Die dunkle Seite der Nationalstaaten. ‚Ethnische Säuberungen‘ im modernen Europa. 2012, Bonn. S. 52.

63) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/František_Palacký

64) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tomáš_Garrigue_Masaryk

65) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tschechoslowakischer_Nationalrat

66) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Edvard_Beneš

67) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Das_neue_Europa

68) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vorläufige_tschecho-slowakische_Regierung

69) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tschechoslowakische_Unabhängigkeitserklärung

70) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ostmitteleuropa

71) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zwischeneuropa

72) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedensvertrag_von_Versailles

73) Siehe: Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft. 2022, München. S. 569.

74) Siehe: Ebenda. S. 567-568.

75) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Dreißigjähriger_Krieg#Bewaffnete_Auseinandersetzungen_der_Zwischenkriegszeit
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Zwischenkriegszeit#Bewaffnete_Auseinandersetzungen

76) Siehe: Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft. 2022, München. S. 571.

77) Siehe: Karl Schlögel: Bugwelle des Krieges. S. 185-186. In: Stefan Aust, Stephan Burgdorff (Hg.): Die Flucht. Über die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten. 2003, Bonn. S. 179-196.

78) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tschechoslowakei
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Tschechoslowakische_Denkschriften_für_die_Friedenskonferenz_von_Paris_1919

79) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tschechoslowakismus

80) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_in_der_Ersten_Tschechoslowakischen_Republik

81) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sudetendeutsche

82) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Willensnation

83) Siehe: Rudolf Jaworski: Die Sudetendeutschen als Minderheit in der Tschechoslowakei 1918-1938. S. 34-35. In: Wolfgang Benz (Hg.): Die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten. Ursachen, Ereignisse, Folgen. 1995, Frankfurt am Main. S. 33-44.

84) Siehe: Alfred Maurice de Zayas: Die Anglo-Amerikaner und die Vertreibung der Deutschen. 1981, München. S. 49-50.

85) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sudetenkrise

86) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Münchner_Abkommen

87) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zerschlagung_der_Tschechoslowakei

88) Siehe: Peter Glotz: Die Vertreibung. Böhmen als Lehrstück. 2003, München. S. 120-121.

89) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Chronologie_des_Zweiten_Weltkrieges
https://de.wikipedia.org/wiki/Vorgeschichte_des_Zweiten_Weltkrieges_in_Europa
https://de.wikipedia.org/wiki/Vorgeschichte_des_Zweiten_Weltkrieges_im_Pazifikraum
https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Weltkrieg

90) Vgl.: https://www.muzeum-hlucinska.cz

91) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Cieszyn
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Olsagebiet

92) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_geteilter_Orte

93) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Siebenbürgen

94): Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gründungsstadt#Gründungsstädte_des_Mittelalters

95) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Siebenbürger_Sachsen

96) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Cluj-Napoca

97) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Matthias_Corvinus

98) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mihai_Viteazul

99) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Romulus_und_Remus
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Kapitolinische_Wölfin

100) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Schäßburg

101) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/UNESCO-Welterbe

102) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bedrohte_Sprache
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachtod

103) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturökologie#Biokulturelle_Diversität

104) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hermannstadt

105) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturhauptstadt_Europas

106) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Muzeul_Civilizației_Populare_Tradiționale_"ASTRA"_din_Sibiu

107) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnische_Säuberung

108) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Deportation

109) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vertreibung

110) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalstaat
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Nation

111) Siehe: Ulrich Beck, Edgar Grande: Das kosmopolitische Europa. 2004, Frankfurt am Main. S. 23.

112) Vgl. hierzu meinen Text: „Der moderne Nationalismus als eine politische Religion. Über die Konstruktion der Nation im Zeitalter des modernen Nationalismus“.

113) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sarmizegetusa_Regia

114) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ulpia_Traiana_Sarmizegetusa

115) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/World_Press_Photo
sowie: https://www.worldpressphoto.org/

116) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Reporter_ohne_Grenzen

117) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rangliste_der_Pressefreiheit

118) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorisierung_(Kognitionswissenschaft)

119) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Klassifizierung

120) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Osmanisches_Reich

121) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geographie_Europas#Größe,_Grenzen_und_Lage

122) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Herodot

123) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Theodosianische_Mauer

124) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Plünderung_Roms_(410)
und: https://de.wikipedia.org/wiki/Untergang_des_Römischen_Reiches
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkerwanderung

125) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Konstantinopel
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Belagerungen_und_Eroberungen_von_Konstantinopel

126) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Eroberung_von_Konstantinopel_(1204)
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Vierter_Kreuzzug

127) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Republik_Venedig
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Seerepubliken

128) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Lateinisches_Kaiserreich
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Rückeroberung_von_Konstantinopel_1261

129) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Eroberung_von_Konstantinopel_(1453)

130) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mehmed_II.

131) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Festung#Geschichte_der_neuzeitlichen_Festung
und: https://de.wikipedia.org/wiki/Zitadelle
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Bastion

132) Die Fortifikationswissenschaft erreichte im Zeitalter des Absolutismus insbesondere durch das Werk von Sébastian Le Prestre de Vauban (1633-1707) einen Höhepunkt.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sébastien_Le_Prestre_de_Vauban

133) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Absolutismus

134) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Merkantilismus

135) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Handelskompanie

136) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Britische_Ostindien-Kompanie

137) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Niederländische_Ostindien-Kompanie

138) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Französische_Ostindienkompanie

139) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Megastadt

140) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Lebensreform

141) Vgl.: Ernst Fraenkel: Der Doppelstaat. Frankfurt am Main, 1984. In seiner im Jahre 1941 erstmals erschienenen Analyse des NS-Staates unterscheidet Fraenkel die Parallelexistenz eines weiterhin fortbestehenden „Normenstaates“ neben einem errichteten „Maßnahmenstaat“ zur extralegalen Machtentfaltung und willkürlicher, enthemmter Gewaltausübung. Tatsächlich sind derartige Strukturen in unterschiedlicher Ausprägung nahezu überall anzutreffen, sodaß das Potential von Fraenkels Modell des „Doppelstaats“ (Dual State) für die Gegenwartsanalyse weitgehend ungenutzt brach liegt. Als ein Beispiel unter weiteren können die USA nach dem 11.09.2001 aufgeführt werden, die in der Folgeentwicklung Strukturen eines „Doppelstaates“ (Dual State) ausgebildet haben.

142) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Überwachungsstaat
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/PRISM

143) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tirilye

144) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bevölkerungsaustausch_zwischen_Griechenland_und_der_Türkei
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Griechenverfolgungen_im_Osmanischen_Reich_1914-1923

145) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Lausanne

146) Siehe: Philipp Ther: Die Außenseiter. Flucht, Flüchtlinge und Integration im modernen Europa. 2017, Berlin. S. 90.

147) Siehe: Alfred Maurice de Zayas: Die Anglo-Amerikaner und die Vertreibung der Deutschen. 1981, München. S. 19.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Nemesis_von_Potsdam

148) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Armenier_in_der_Türkei
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkermord_an_den_Armeniern
des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkermord_an_den_Assyrern_und_Aramäern
Vgl. hierzu auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Turanismus#Turanismus_und_Panturkismus

149) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationenbildung

150) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Südosteuropa

151) Siehe: Holm Sundhaussen: Staatsbildung und ethnisch-nationale Gegensätze in Südosteuropa. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. 53. Jahrgang, B 10-11/2003, 03. März 2003. S. 5.

152) Siehe: Ebenda: S. 5.
Vgl. auch: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/27752/staatsbildung-und-ethnisch-nationale-gegensaetze-in-suedosteuropa/


153) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Balkankriege

154) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Griechisch-Türkischer_Krieg

155) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Jugoslawienkriege

156) Siehe: Karl Schlögel: Bugwelle des Krieges. S. 179. In: Stefan Aust, Stephan Burgdorff (Hg.): Die Flucht. Über die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten. 2003, Bonn. S. 179-196.

157) Stilprägend für die nationalistische europäischen Gedenk- und Erinnerungskultur ist das Genre des „säbelschwingenden Reiterstandbildes“, das die europäischen Erinnerungslandschaften prägt und das sich insbesondere in den europäischen Hauptstädten konzentriert. Die Gewalterfahrung und die Menschenopfer im Krieg werden zum prägenden kollektiven Identifikationsmythos der Nation, der die Nation zur Machtbehauptung gegen den äußeren Feind zusammenschweißt. Kriegerdenkmäler und Totenkult bilden das Identifikationszentrum der Nationalkultur, deren primäre Aufgabe es ist, die Bereitschaft der Bürger zum zukünftigen Opfertod zur Machtbehauptung der Nation zu fördern. Dieses Erscheinungsbild der öffentlichen Gedenk- und Erinnerungskultur und ihrer Ikonografie ist eine spezifische europäische Besonderheit auf Grundlage der kulturellen Hegemonie der Idee des Nationalismus in Europa als einem Produkt des Zeitalters der Moderne. Zentrum und Periferie der europäischen Erinnerungslandschaften unterscheiden sich diametral: Während in den Hauptstädten mit opulenten Denkmälern heroische Siege gefeiert werden und zur nächsten Schlacht mobilisiert wird, um Ruhm, Ehre und Größe der Nation zu vermehren, werden im ländlichen Raum in nahezu allen Dörfern mit Mahnmalen die Kriegstoten betrauert.

158) Siehe: Eric J. Hobsbawm: Nationen und Nationalismus. Mythos und Realität seit 1780. 2005, Bonn. S. 213. In seiner Analyse zur Geschichte der Nationen und des Nationalismus, die mittlerweile ein Klassiker der Geschichtswissenschaft ist, vertritt Hobsbawm die These: „Ein ethnisch und/oder sprachlich begründeter Nationalismus, der für jede ‚Nation‘ einen eigenen souveränen Staat anstrebt, ist als allgemeines Programm nicht praktikabel, ist für die politischen und selbst für die ethnischen und sprachlichen Probleme der Welt am Ausgang des 20. Jahrhunderts irrelevant und hat mit hoher Wahrscheinlichkeit schlimme Folgen, wenn tatsächlich der Versuch unternommen wird, ihn in die Praxis umzusetzen.“

159) Siehe: Hans-Ulrich Wehler: Nationalismus. Geschichte, Formen, Folgen. 2001, München. S. 108.

160) Siehe: Jürgen Habermas: Vom Sinn und Unsinn nationaler Selbstbestimmung. S. 193-194. In: Derselbe: Zum Verhältnis von Nation, Rechtsstaat und Demokratie. S. 190-195. In: Derselbe: Politische Theorie (= Philosophische Texte Band 4). 2009, Frankfurt am Main. S. 176-208.

161) Siehe: Alfred Verdross, Bruno Simma: Universelles Völkerrecht. Theorie und Praxis. 1976, Berlin. S. 255.

162) Siehe: Jürgen Habermas: Vom Sinn und Unsinn nationaler Selbstbestimmung. S. 197-198. In: Derselbe: Zum Verhältnis von Nation, Rechtsstaat und Demokratie. S. 190-195. In: Derselbe: Politische Theorie (= Philosophische Texte Band 4). 2009, Frankfurt am Main. S. 176-208.

163) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Piri_Reis

164) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Karte_des_Piri_Reis

165) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_der_Große

166) vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alexanderreich

167) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Museum_für_byzantinische_Kultur_Thessaloniki

168) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles

169) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Viminatium

170) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erste_Wiener_Türkenbelagerung
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Zweite_Wiener_Türkenbelagerung
und: https://de.wikipedia.org/wiki/Türkenkriege

171) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Belgrad

172) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Charta_von_Athen_(CIAM)

173) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Chandigarh

174) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Novi_Beograd

175) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sirmium

176) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Diokletian

177) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vučedol-Kultur

178) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wasserturm_von_Vukovar
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Kroatienkrieg

179) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ausnahmezustand

180) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungensage
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkerwanderung

181) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Löwenherz

182) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Stadtmauern

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Fahrradreise südöstliches Europa - Ein Reiseerlebnisbericht. Textversion 01 vom 03.01.2024.
Mein Reiseerlebnisbericht kann mit zahlreichen Fotos auf meiner Internetseite aufgerufen werden:
https://manfredsuchan.net/fahrradreise-suedoestliches-europa
Dort kann zudem mein Reiseerlebnisbericht im PDF-Format herunter geladen werden.
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Manfred SUCHAN
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An der "Theodosianischen Landmauer" der Weltmetropole Konstantinopel am 02.09.2024 während meiner Fahrradreise durch das südöstliche Europa im Sommer und Herbst 2024. Die gewaltige "Theodosianische Landmauer" ist die größte mittelalterliche Stadtmauer in Europa. Sie wurde aus Anlaß der Plünderung der Stadt Rom durch die Goten im Jahre 410 n. Chr. errichtet, um Vergleichbares in Konstantinopel/Byzanz zu verhindern. Über einen Zeitraum von annähernd 1000 Jahren, d.h. über die Spätantike und das gesamte Mittelalter hinweg schützte die Theodosianische Landmauer, die über diesen Zeitraum hinweg die größte Stadtmauer in Europa war, wirkungsvoll die Stadt Konstantinopel, und sie bot ein weit bekanntes Beispiel für die Städte in Europa, die sich ebenfalls mit Stadtmauern schützten und damit ein hohes Maß an politischer Unabhängigkeit und Selbstständigkeit wahren konnten. 

Fahrradbrücke des Fahrradfernwanderweges "Green Velo" über den Fluß San bei der Stadt Premissel/Przemysl am 24.09.2021 während meiner zweiten Fahrradreise durch Schlesien und angrenzende Regionen im Herbst 2021.  

Fahrradreise Schlesien 2021

Ein Reiseerlebnisbericht

von Manfred Suchan


Vom 18.08.2021 bis zum 28.10.2021 habe ich eine zweite Fahrradreise (1) mit Zelt durch Schlesien (2) und angrenzende Regionen unternommen (3). Diese zweite Fahrradreise ist eine Fortsetzung meiner ersten Fahrradreise durch Teile von Schlesien und angrenzender Regionen, die ich zwei Jahre zuvor im Jahre 2019 vom 15.09.2019 bis zum 01.11.2019 durchgeführt hatte. 
 
Diesen beiden Fahrradreisen durch Schlesien und angrenzende Regionen vorausgegangen waren Diskussion mit meinem Bruder Rainald zur jüngeren Geschichte und insbesondere den Ereignissen in Oberschlesien (4) ab 1945. Im Zentrum dieser Diskussionen stehen zum Einen die historischen Umstände der Ethnischen Säuberungen (5), im Rahmen derer die Familie unseres Vaters Wolfgang Suchan (1920-2011) den Bauernhof der Familie Suchan-Maiß, unserer Großeltern Josef Anton Suchan (1883-1945) und Anna Franziska Suchan, geb. Maiß (1883-1972) im Straßendorf Langenau (Ratiborer Straße 29) bei der kleinen Stadt Katscher/Kietrz (6) in Oberschlesien verlassen mußten. Zum Anderen ist dies der Fall Josef Anton Suchan (1883-1945), unseres Großvaters, der am 05.10.1045 in einem Internierungslager (7) bei der Stadt Myslowitz/Mysłowice (8) in Oberschlesien verstorben ist. Auf Grundlage meiner bisherigen Recherchen war ich davon ausgegangen, daß es sich bei diesem Internierungslager bei Myslowitz/Mysłowice um ein Speziallager (9) gehandelt hat. Speziallager unterstanden dem NKWD (10), und sie wurden ab 1945 im gesamten von der Roten Armee besetzten Territorium in der östlichen Hälfte Europas eingerichtet. Die Speziallager waren Bestandteil des Gulag-Lagersystems (11) der Sowjetunion (UDSSR) (12) im Zeitalter der Herrschaft von Josef W. Stalin (13).
 
Vor einigen Jahren hatte ich noch die Gelegenheit genutzt, mit meinem Vater Wolfgang Suchan (1920-2011) als Zeitzeugen Gespräche über diesen Themenkomplex zu führen. Mittlerweile stellen sich weitere und neue Fragen, für deren Diskussion nun kein Zeitzeuge mehr zur Verfügung steht. Um die historische Wirklichkeit angemessen erfassen und verstehen zu können, habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, das extreme 20. Jahrhundert (14) in seiner gesamten historischen Tiefe auszuloten und in seiner gesamten geografischen Breite zu vermessen. 
 
Diese Diskussionen, und angeregt durch eine Schlesienreise von Rainald im Jahre 2017 haben mich dazu motiviert, in meinem bewährten wahrnehmungs-, erlebnis- und erkenntnisintensiven Reisestil mit Fahrrad und Zelt zwei Fahrradreisen durch Teile des östlichen mittleren Europas mit Schwerpunkt Schlesien zu unternehmen, um im erkenntnispraktischen Stile eines Herodot von Halikarnassos (ca. 490 - 420 v. Chr.) (15) geschichtliche Forschung und Erkenntnisfindung an den geografischen Originalschauplätzen historischer Begebenheiten und Ereignisse in größtmöglicher Unmittelbarkeit und Authentizität betreiben zu können. 
 
Bei meiner ersten Fahrradreise im Jahre 2019 hatte ich unter anderem in Oberschlesien das Straßendorf Langenau bei der kleinen Stadt Katscher/Kietrz besucht, wo sich der Bauernhof der Familie Suchan-Maiß, meiner Großeltern Josef Anton Suchan (1883-1945) und Anna Franziska Suchan, geb. Maiß (1883-1972) befunden hatte (Ratiborer Straße 29). Von der ehemaligen Bausubstanz und dem historischen Ortsbild ist kaum mehr etwas verblieben, und auch der Bauernhof meiner Großeltern ist nicht auffindbar. Von Oberschlesien aus war ich 2019 über den Jablunka-Paß (550 m) (16) und durch das Tal des Flusses Waag (17) an die Donau weiter gefahren. Jetzt war es mein Plan, meine Fahrradreise in Oberschlesien fortzusetzen, um dort unter anderem die Städte Gleiwitz/Gliwice, Kattowitz/Kattowice und Myslowitz/Mysłowice zu besuchen.
 
Während meine Reiseroute bei meiner Fahrradreise 2019 in Schlesien durch Teile der Sudeten (18) verlief, folgte ich diesmal weitgehend dem Verlauf des Flusses Oder (19). In der wahrnehmungsgeografischen (20) Vorstellung vieler Bewohner der westlichen Hälfte Europas beginnt östlich der Oder „Sibirien“ (21). Vor 1989/90 begann diese wahrnehmungsgeografische Kategorie „Sibirien“ schon östlich der Elbe, und sie hat sich seither auf den Raum östlich der Oder reduziert. Diese wahrnehmungsgeographische Vorstellung von „Sibirien“ ist im gesamten westlichen Europa verbreitet, und noch heute beginnt für viele Bewohner des Rheinlands „Sibirien“ als einer wahrnehmungsgeografischen Kategorie schon östlich der Elbe. Diese wahrnehmungsgeographische Kategorie „Sibirien“ beinhaltet neben der geografischen Region Sibirien das gesamte östlich gelegene Europa, und diese wahrnehmungsgeographische Kategorie „Sibirien“ wird mit einem (extralegalen) Raum der Barbarei und der Gewalt assoziiert (22).
 
Tatsächlich interessieren sich die meisten Bewohner der weltlichen Hälfte Europas nicht für die östliche Hälfte Europas und deren historische und gesellschaftspolitische Besonderheiten und Probleme, und die Kenntnis der Verhältnisse in der östlichen Hälfte Europas ist bei den meisten Bewohnern der westlichen Hälfte Europas minimal bis nicht vorhanden. Auch mehr als 30 Jahre nach den Ereignissen von 1989/90 sind die meisten Bewohner der westliche Hälfte Europas noch niemals in Länder der östlichen Hälfte Europas gereist, dem wahrnehmungsgeografischen Raum „Sibirien“. Dahingegen hat die Mehrzahl der Bewohner der östlichen Hälfte Europas mittlerweile Reisen in Länder der westlichen Hälfte Europas unternommen. Diese auf Ignoranz beruhende Unkenntnis der Verhältnisse in der östlichen Hälfte Europas bildet die Grundlage der durch Propaganda begleiteten Rückkehr der Geopolitik (23) und Machtpolitik nach 1989/90, sodaß heute Europa erneut gespalten ist und von einem neuen Eisernen Vorhang durchzogen wird, der entlang der östlichen Außengrenzen der Europäischen Union (EU) verläuft. 
 
Von Berlin aus erreichte ich die Oder bei der „Doppelstadt“ (24) Frankfurt an der Oder/Słubice (25). Meine Fahrt setzte ich auf dem Oderradweg fort. Bei meiner Fahrt auf dem Oderradweg gelangte ich durch die Städte Eisenhüttenstadt und Guben/Gubin. Auch die Stadt Guben (26) bildet gemeinsam mit der Stadt Gubin (27) eine „Doppelstadt“, die durch Brücken miteinander verbunden sind, wie es bei der „Doppelstadt“ Frankfurt an der Oder/Słubice der Fall ist. Beide „Doppelstädte“, sowohl Frankfurt an der Oder/Słubice, als auch Guben/Gubin werden durch die „Oder-Neiße-Linie“ (28) geteilt und voneinander getrennt. 
 
Sämtliche Fahrradfernwanderwege enden abrupt an dieser „Oder-Neiße-Linie“. Faktisch beginnt für Fahrradreisende östlich der „Oder-Neiße-Linie“ „Sibirien“. In der gesamten östlichen Hälfte Europas hat das Fahrrad als Verkehrsmittel und als Reisemittel keinerlei Bedeutung, und daher gibt es bis heute in der gesamten östlichen Hälfte Europas nahezu keine Verkehrsinfrastruktur für Fahrradfahrer, wie z.B. ausgeschilderte Fahrradfernwanderwege. Selbst die Eurovelo-Routen (29) sind in der östlichen Hälfte Europas allenfalls in einem Planungsstadium und existieren faktisch noch nicht in der Landschaft. In der gesamten östlichen Hälfte Europas gilt seit 1989/90 das hemmungslose, unbegrenzte und rücksichtslose Herumhasten mit großen und schnellen West-Autos als die Verwirklichung des Freiheits- und Glücksversprechens der Epochenwende von 1989/90. Auf den Straßen in der östlichen Hälfte Europas wird seither das sozialdarwinistische (30) Prinzip des Rechts des Stärkeren hemmungslos und rücksichtslos ausgelebt. In den posttotalitären Gesellschaften der östlichen Hälfte Europas wird dies als die Verwirklichung der persönlichen Freiheit (31) und der freien Entfaltung der Persönlichkeit (32) mißverstanden. Aufgrund dieser real-existierenden Verkehrsverhältnisse muß für Fahrradfahrer die wahrnehmungsgeographische Kategorie „Sibirien“ östlich der „Oder-Neiße-Linie“ tatsächlich ein extralegaler Raum der Barbarei und der Gewalt erscheinen. 
 
Meine Fahrradreise setzte ich nun östlich des Flusses Neiße fort. Ich gelangte durch die Städte Grünberg/Zielona Gora, Glogau/Głogow, Lubin und Liegnitz/Legnica. Im kleinen Ort Wahlstatt/Legnicie Pole (33) besuchte ich das dortige „Museum der Schlacht von Wahlstatt“ (34), dessen materialreiche Ausstellung mit dem Titel „Zusammentreffen von zwei Welten“ eine Mongolenschlacht, die hier in der Umgebung am 09.04.1241 stattgefunden hatte, zum Thema hat. Die mongolische Herrschaft (35) prägte die östliche Hälfte Europas und insbesondere die Geschichte Rußlands. Wie die Ereignisse am 09.04 1241 zeigen, ist die mongolische Expansion in Europa nicht aufgehalten worden, und ebensowenig war Polen entgegen bestehender Geschichtsmythen ein „Bollwerk des christlichen Europas nach Osten“. Tatsächlich hatte das Byzantinische Reich (36) in der Spätantike und im Mittelalter über viele Jahrhunderte hinweg bis zu seinem Untergang (37) genau diese Rolle und Funktion eines „Bollwerks des christlichen Europas nach Osten“ ausgefüllt, doch von den Mongolen wurde es bei deren Expansion nördlich umgangen. 
 
Bei meiner Weiterfahrt gelangte ich durch die Städte Jauer/Jawor und Schweidnitz/Swidnica und dann zum kleinen Ort Kreisau/Krzyzowa (38). Kreisau/Krzyzowa besuchte ich während meiner beiden Schlesien-Fahrradreisen am 01.10.2019 sowie am 27.08.2021. Bekannt ist der Ort durch den in den Akten der Gestapo (39) so genannten „Kreisauer Kreis“ (40), dessen Mitglieder sich dort getroffen hatten, um auf Grundlage eigener Analysen Alternativen zur NS-Herrschaft (41) zu entwickeln. Der „Kreisauer Kreis“ kann als der bedeutendste „Think Tank“ (42) der Opposition gegen die NS-Herrschaft angesehen werden. Die vom „Kreisauer Kreis“ entworfenen Konzepte hätten nach einem erfolgreichen Staatsstreich am 20. Juli 1944 (Unternehmen Walküre) (43) eine konzeptionelle Grundlage der Übergangsregierung (44) Beck/Goerdeler (45) gebildet. Gemäß dem Modell des „Doppelstaates“ (Dual State) (46) des Politikwissenschaftlers und Juristen Ernst Fraenkel (1898-1975), das zum Jahreswechsel 1940/1941 erstmals veröffentlicht wurde, kann der Staatsstreich vom 20. Juli 1944 aufgefaßt werden als ein Versuch, aus den noch bestehenden Institutionen des „Normenstaates“ heraus die Institutionen des durch die NS-Herrschaft geschaffenen „Maßnahmenstaates“ zu überwinden, um eine Rechtsstaatlichkeit wieder herzustellen und den Krieg sofort zu beenden.
 
In Kreisau/Krzyzowa gibt es im ehemaligen Gutshof der Familie Moltke mehrere Ausstellungen zu Themen jüngerer Geschichte sowie eine Jugendbildungsstätte (47), die von der Europäischen Union (EU) und dem Bundesfamilienministerium finanziert wird, und es besteht der Anspruch, „Impulse für die zukünftige Entwicklung Europas zu schaffen“. Die Ausstellungen fordern in verschiedenen Aspekten zum Widerspruch heraus: Eine wissenschaftliche historische Analyse des Zeitgeschehens, dessen Entstehungsbedingungen und eine Einordnung in den gesamthistorischen Prozeß findet man dort nicht, statt dessen wird versucht, Geschichte in den Kategorien von Schuld und Sühne aufzufassen und abzuhandeln. Haß zwischen den Menschen, Individuen wie Völkern, wird als Ursache von Kriegen und insbesondere den Verbrechen im weiteren Umfeld des Zweiten Weltkrieges diagnostiziert. Vergebung und Versöhnung werden als Therapie angeboten (48). Dieser Umgang mit Geschichte kommt gänzlich ohne historisch-wissenschaftliche Analyse von Ursachen und Zusammenhängen aus. Kriege entstehen nicht aus Haß von Menschen aufeinander, sondern aus Machtkalkül von Groß- und Weltmächten und der in diesen herrschenden Eliten. Derart zu einer Aufklärung beizutragen, wäre ein sinnvolles Anliegen einer Ausstellung und darüber hinaus einer internationalen Jugendbegegnungsstätte, die mehr sein will als ein Ringelpietz nach dem Motto: „Seid alle lieb und nett zueinander und alles wird gut“, der für naturentfremdete und verzogene Großstadtkinder in herrschaftlichen Gebäuden von der EU und dem Bundesfamilienministerium veranstaltet wird. 
 
Es entsteht der Eindruck, daß der „Kreisauer Kreis“ geschichtspolitisch (49) instrumentalisiert wird und ein vorgefertigtes Geschichtsbild (50) vermittelt wird, und nicht die Intention einer Aufklärung (51) im Vordergrund steht, die Besucher darin zu unterstützen, sich eine eigene und unabhängige Meinung auch zu historischen Themen zu bilden. Eine bei meinem jetzigen Besuch von Kreisau/Krzyzowa am 27.08.2021 neu hinzugekommene Ausstellung erzählt wie üblich Geschichte als Geschichte von Nationen und Nationalstaaten, und es wird „das Recht zur Entwicklung einer nationalen Identität“ gefordert. Die Intentionen des „Kreisauer Kreises“ waren jedoch ganz andere: „Das Ende des Nationalismus“ (52) stellt der Experte für Völkerrecht Helmuth James von Moltke (53) in seiner Denkschrift „Ausgangslage, Ziele und Aufgaben“ vom 24.04.1941 als eine anzustrebende Zielsetzung dar. 
 
Weiter fuhr ich zum Berg Zopten/Ślęża (718 m) (54). Ab dem Ort Tapadła ist dort das Gelände bewaldet und die Straße steigt zum Tapadła-Paß an. Nun gelangte ich entlang der Oder am 28.08.2021 zur schlesischen Metropole Breslau/Wrocław (55), in der ich mich mehrere Tage aufhielt und dort Museen, Ausstellungen und Sehenswürdigkeiten besuchte, darunter das Historische Museum und das „Zentrum für Geschichte – Das Depot“ mit seiner Hauptausstellung: „Wrocław 1945 – 2016“. Dieses historische Zentrum und seine Ausstellung ist als Teil des Programms der „Europäischen Kulturhauptstadt Wrocław 2016“ entstanden. Zudem war dort eine Freiluftausstellung zu sehen mit dem Titel: „Wurzeln schlagen – Die West- und Nordgebiete – Der Anfang“. 
 
Von Breslau/Wrocław aus habe ich meine Fahrradreise nach Oberschlesien fortgesetzt. Um nicht die selbe Reiseroute wie bei meiner Fahrradreise vor zwei Jahren noch einmal zu fahren und auch um etwas Zeit zu sparen, bin ich mit einer Regionalbahn von Breslau/Wrocław zur Stadt Ratibor/Racibórz (56) in Oberschlesien gefahren. Mittlerweile gibt es auch in Schlesien moderne Niederflurwaggons mit Fahrradabteilen, sodaß heute die Beförderung eines bepackten Reisefahrrads per Bahn in Schlesien problemlos möglich ist. Diese Möglichkeit eines Fahrradtransports in modernen Niederflurwaggons mit Fahrradabteilen, wie man sie heute in Schlesien antrifft, besteht jedoch noch nicht in allen Landesteilen von Polen. 
 
Von Oberschlesien aus war ich bei meiner Fahrradreise im Jahre 2019 vor zwei Jahren über den Jablunka-Paß (550 m) und durch das Tal des Flusses Waag an die Donau weiter gefahren. Jetzt setzte ich meine Fahrradreise in Oberschlesien fort, wo ich unter anderem die Städte Gleiwitz/Gliwice, Kattowitz/Kattowice und Myslowitz/Mysłowice besuchte. Hauptattraktion der Stadt Gleiwitz/Gliwice (57) ist der hölzerne Radioturm des Sender Gleiwitz (58), der mit einer Höhe von 118 Metern die weltweit höchste Holzkonstruktion ist. Auch besuchte ich in Gleiwitz das städtische Museum, in dem sich ein Ausstellungsteil mit den Ereignissen in Oberschlesien in den Jahren 1919 bis 1921 widmet. In größerem Umfang sind diese Ereignisse der Jahre 1919 bis 1921 in Oberschlesien (59) Thema des „Museums der Aufständischen“ am Anna-Berg (406 m) (60), das ich am 10.10.2019 besucht hatte. Im diesem „Museum der Aufständischen“ am Anna-Berg (406 m) wird, wie es meist in Museen zu historischen Themen in Polen der Fall ist, monoperspektivisch (61) eine Sicht auf die historischen Ereignisse ausschließlich aus der Perspektive polnischer Nationalisten vermittelt. Hier in Oberschlesien beginnt in diesen Jahren 1919 bis 1921 das Scheitern des Völkerbundes (62), sodaß in Europa ein neuer großer Krieg entstehen konnte. 
 
Das Scheitern des Völkerbundes in den Jahren 1920-1922 in Oberschlesien leitete insgesamt sein Scheitern ein, da es dem Völkerbund in Europa nach dem Ersten Weltkrieg nicht gelang, entgegen überall sprießender ethnonationalistischer Forderungen, mehrsprachige, multiethnische Territorialkonzepte auf dem Grundsatz der Gleichberechtigung zu entwickeln, sondern gemäß dem Zeitgeist auf praktisch unmögliche sprachliche und ethnische Separation setzte, sodaß sich in Folge allerseits gewaltsame Lösungen durchsetzten und sich gegenseitig an Radikalität überboten. Daher ist die Zwischenkriegszeit durch eine Vielzahl von bewaffneten Konflikte geprägt (63). Diese bewaffneten Auseinandersetzungen in der Zwischenkriegszeit waren eine wesentliche Voraussetzung dafür, daß ein neuer großer Krieg in Europa entstehen konnte. Sowohl die bewaffneten Auseinandersetzungen in der Zwischenkriegszeit, als auch die Flüchtlingskrise in der Zwischenkriegszeit hatten ihre wesentliche Ursache im nicht funktionierenden Minderheitenschutz des Versailler Vertragssystems (64). Während nahezu sämtliche Akteure sich bemühten, die Konflikte und Krisen der Zwischenkriegszeit zu vermehren und zu forcieren, war der Völkerbund mit der Bearbeitung und Moderation dieser immer weiter anwachsenden und sich zuspitzenden Probleme letztlich überfordert, sodaß ein neuer großer Krieg in Europa entstehen konnte. 
 
In Oberschlesien bin ich nach einem Besuch der Stadt Gleiwitz/Gliwice nach Kattowitz/Kattowice (65) weitergefahren. Hier habe ich am 05.09.2021 das Schlesische Museum (66) besucht. Das bekannteste und größte Denkmal in Kattowitz/Kattowice befindet sich nördlich vom Marktplatz in einem von großen, modernen Gebäuden umgebenen Park. Es ist das „Denkmal der schlesischen Aufständischen“. Es besteht aus drei Teilen mit den Jahreszahlen 1919, 1920 und 1921, die zugleich die drei bewaffneten Auseinandersetzungen in Oberschlesien dieser Jahre symbolisieren. Ein flacher Kegel in der Mitte dieses Denkmals symbolisiert offensichtlich den Annaberg (406 m), der ein Zentrum der gewaltsamen Auseinandersetzungen dieser Jahre bildete. 
 
Von Kattowitz/Kattowice aus habe ich am 06.09.2021 eine Exkursion in die Nachbarstadt Myslowitz/Mysłowice unternommen. Im 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg lag die Stadt Myslowitz/Mysłowice an einem Dreiländereck zwischen den Territorien der drei Kaiserreiche Rußland, Österreich-Ungarn und Deutschland, und sie war ein bedeutender Ort der Auswanderung nach Übersee. Ab 1871 wurde dieses „Dreiländereck“ „Dreikaiserreichs-Ecke“ (67) genannt. Aus dieser geografischen Lage resultierte die besondere Bedeutung der Stadt Myslowitz als Grenzübergangsort und als Ort der Auswanderung insbesondere aus dem östlichen und südöstlichen Europa. Auf dem Gelände der ehemaligen Emigrationstation in Myslowitz/Mysłowice informiert heute eine Infotafel, daß im 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg von hier rund 1,4 Millionen Auswanderer aus dem östlichen und südöstlichen Europa nach Übersee, insbesondere nach Amerika ausgewandert sind, wie ich bei meinem Besuch der Stadt Myslowitz/Mysłowice am 06. und am 07. 09.2021 im Rahmen meiner Fahrradreise durch Schlesien und angrenzende Regionen feststellen konnte. Diese Auswanderung nach Übersee ist auch ein Thema des Stadtmuseums von Myslowitz/Mysłowice, das ich am 07.09.2021 besucht habe. Das Stadtmuseum der Stadt Myslowitz/Mysłowice teilt sich das Museumsgebäude mit dem „Zentralen Polnischen Feuerwehrmuseum“, das eins der weltgrößten Feuerwehrmuseen ist. Während die Informationen in diesem großen Feuerwehrmuseum dreisprachig angeboten werden (Polnisch, Englisch, Deutsch), sind die Informationen im erheblich kleineren Stadtmuseum der Stadt Myslowitz/Mysłowice bedauerlicherweise nur einsprachig (Polnisch). 
 
Auch fand ich am 06.09.2021 auf dem Gelände der ehemaligen Emigrationsstation in Myslowitz/Mysłowice den Ort, an dem sich das Internierungslager befunden hatte, in dem mein Großvater Josef Anton Suchan (1883-1945) am 05.10.1945 verstorben ist. Auf Grundlage meiner bisherigen Recherchen war ich davon ausgegangen, daß es sich bei diesem Internierungslager bei Myslowitz/Mysłowice um ein Speziallager gehandelt hatte. Speziallager unterstanden dem NKWD, und sie wurden ab 1945 im gesamten von der Roten Armee besetzten Territorium in der östlichen Hälfte Europas eingerichtet. Die Speziallager waren Bestandteil des Gulag-Lagersystems der Sowjetunion (UDSSR) im Zeitalter der Herrschaft von Josef W. Stalin. 
 
Eine Infotafel auf dem Gelände der ehemaligen Emigrationsstation in Myslowitz/Mysłowice erklärt, daß sich hier zum Einen in den Jahren 1941 bis 1945 ein „NS-Polizeiersatzgefängnis“ befunden habe, in dem 204 Personen verstorben seien. Offensichtlich handelte es sich bei diesem „NS-Polizeiersatzgefängnis“ um eine Institution des „NS-Maßnahmenstaates“ (Ernst Fraenkel) (68). Zum Anderen sei hier nach dem Einmarsch der Roten Armee ab dem 05.02.1945 von polnischen Behörden ein „Straflager“ errichtet worden. In diesem Lager, das 1947 aufgelöst wurde, sollen nach Auskunft der Infotafel 2331 Personen verstorben sein. Offensichtlich ist dies das Internierungslager, in dem mein Großvater Josef Anton Suchan am 05.10.1945 verstorben ist. Dieses Internierungslager ist auch Thema eines kleinen Ausstellungsteils des Stadtmuseums von Myslowitz/Mysłowice, das ich am 07.09.2021 besucht habe. Unter anderem ist dort der Lagerkomplex in einem Modell nachgebildet. Nach Angaben des Stadtmuseums soll es im Jahre 1945 in diesem Internierungslager eine Typhus-Epidemie gegeben haben, in Folge der offensichtlich auch Josef Anton Suchan am 05.10.1945 verstorben ist. 
 
Bei meinem Besuch des Schlesischen Museums in Kattowitz/Kattowice am 05.09.2021 habe ich dort eine nicht näher kommentierte thematische Karte angetroffen, in der die in den Jahren 1945 bis 1951 in Oberschlesien existierenden Internierungslager aufgeführt sind. Aufgeführt werden dort drei vom NKWD verwaltete Speziallager bei den Städten Slawentzitz/Sławiecice (69), Tost/Toszek (70) und Gleiwitz/Gliwice, die bis zum Jahre 1947 existierten. In der Gedenkstätte Bautzen wird allerdings in Oberschlesien nur das Speziallager Tost/Toszek aufgeführt. Weiter werden in der thematischen Karte des Schlesischen Museums in Kattowitz/Kattowice 66 weitere Internierungslager aufgeführt, die von polnischen Akteuren eingerichtet und unterhalten wurden, darunter auch ein Internierungslager bei der Stadt Myslowitz/Mysłowice. Sowohl die zahlreichen Speziallager, die nach dem Einmarsch der Roten Armee in der östlichen Hälfte Europas außerhalb der SBZ/DDR existierten, als auch die Archipele der nicht zu überblickenden Vielzahl unterschiedlicher weiterer extralegaler Internierungslager, die nach dem Einmarsch der Roten Armee in der östlichen Hälfte Europas von diversen weiteren Akteuren eingerichtet worden waren, darunter Akteuren aus Polen, sind bis heute weitgehend unbekannt und wissenschaftlich vollständig unerforscht. 
 
Diese Vielfalt zahlreicher diverser weiterer Internierungslager in der östlichen Hälfte Europas ist für mich vollkommen überraschend und neu, dann ich war bislang davon ausgegangen, daß in der von der Roten Armee besetzten östlichen Hälfte Europas ab 1945 lediglich vom NKWD eingerichtete und vom NKWD verwaltete Speziallager existiert haben. Es stellt sich die Frage, wie im Jahre 1945 in der von der Roten Armee besetzten östlichen Hälfte Europas, in der jegliche Staatlichkeit zusammengebrochen war, plötzlich Akteure auftauchen, die in der Lage waren, parallel und unabhängig von der Sowjetischen Besatzungsmacht und dem NKWD, aber offensichtlich von diesen geduldet, in Eigenregie in kürzester Zeit die östliche Hälfte Europas mit einem Archipel von unzählbaren extralegalen Internierungslagern zu überziehen, um dort wahllos und beliebig Personen einzusperren. Meines Erachtens ist es skandalös, daß diese unzähligen extralegalen Internierungslager auch nach 1989/90 bis heute nahezu unbekannt und unerforscht bleiben konnten. Auch die zahlreichen Speziallager, die in der östlichen Hälfte Europas außerhalb der SBZ/DDR existierten, darunter die Speziallager in Schlesien und den weiteren „Wiedergewonnenen Gebieten“ sind bis heute geschichtswissenschaftlich vollständig unerforscht. Das Thema Speziallager wird in Europa bislang ausschließlich in Deutschland auf dem Territorium der ehemaligen SBZ/DDR erforscht und sonst nirgends.
 
Von Oberschlesien aus setzte ich meine Fahrradreise zur Stadt Krakau fort. Auf dem Weg nach Krakau gelangte ich am 07.09.2021 zur Stadt Auschwitz/ Oświęcim (71), wo ich die beiden Gedenkstätten auf dem Gelände des ehemaligen NS-Konzentrationslagers Auschwitz (72) besuchte, die Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen sogenannten „Stammlagers“ (Auschwitz I) (73) sowie die Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers Birkenau (Auschwitz II) (74), die im „Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau“ (75) zusammengefaßt sind. 
 
In der Stadt Krakau (76) hielt ich mich vom 09. bis zum 15.09.2021 auf und besuchte dort Museen und Sehenswürdigkeiten, darunter das Universitätsmuseum, in dem der Astronom Nikolaus Kopernikus (1473-1543) (77) Hauptthema ist, das Museum für jüdische Geschichte und Kultur und das Museum der Heimatarmee. Thema der umfangreichen Ausstellung des Museums der Heimatarmee, die sich über zwei Etagen erstreckt, ist der polnische Untergrundstaat (78) und dessen bewaffnete Streitkräfte, die sogenannten polnische Heimatarmee (Armia Krajowa) (79) während der Okkupationszeit 1939 bis 1945. Partisanen- und Widerstandsaktivitäten (80) gab es in nahezu allen besetzten Ländern, und diese waren Bestandteil der Kriegsführung der Alliierten (81). Bezüglich der Partisanenaktivitäten (82) der polnischen Heimatarmee (Armia Krajowa) ist im „Museum der Heimatarmee“ nicht zu erkennen, ob in Polen jemals eine Debatte über Sinnhaftigkeit, Angemessenheit und Methoden von „Widerstand“ stattgefunden hat. In anderen europäischen Ländern ist der Befund ähnlich. Die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Aktivitäten der Heimatarmee stellt sich insbesondere in Anbetracht der enormen Kriegszerstörungen und Bevölkerungsverluste in Polen (ca. 15 % der Bevölkerung), die diese Untergrundarmee des polnischen Untergrundstaates nicht verhindert hat, sondern mit ihren Aktivitäten vielmehr erheblich dazu beigetragen hat, daß die Kriegszerstörungen und Bevölkerungsverluste ein derart großes Ausmaß erlangt haben. Weder wurde die Zeit der NS-Herrschaft verkürzt, noch wurden deren Verbrechen verhindert. Im historischen Rückblick sieht eine Bilanz der Aktivitäten der polnischen Heimatarmee ernüchternd aus: Weder leistete sie einen Beitrag zur Beendigung des Krieges, noch zur Beendigung des Besatzungsregimes, und auch nicht zum Ende der NS-Verbrechen. Vielmehr wurde durch ihre Aktivitäten der Gesamtschaden der historischen Epoche des Zweiten Weltkrieges noch ganz erheblich vergrößert. 
 
Im Gegensatz dazu hat es in Deutschland eine intensive und gehaltvolle Debatte zu diesem Themenkomplex gegeben. Jeglicher Widerstand begründet sich auf dem Widerstandsrecht (83). Hierbei hat der Jurist Fritz Bauer eine abschließende und möglicherweise zeitlos endgültige Definition des Begriffes „Widerstand“ formuliert: „Widerstand meint Verwirklichung eigener oder fremder Menschenrechte. Widerstand ist ein Spezialfall der Notwehr oder - wenn Widerstand zugunsten Dritter ausgeübt wird – der Nothilfe. Er setzt einen Angriff oder Eingriff in Grundrechte oder ihre Vorenthaltung voraus“ (84). 
 
Auch besuchte ich das Historische Museum der Stadt Krakau, dessen Ausstellungen sich über mehrere Gebäude in verschiedenen Teilen von Krakau erstrecken, unter anderem die Ausstellung: “Krakau – Die Okkupationszeit 1939-1945“ (85) im ehemaligen Gebäude der Emaillewarenfabrik von Oskar Schindler, sowie die Ausstellung: „People of Krakow in Times of Terror 1939-1945-1956“, die sich in einem Gebäude mit dem Namen „Dom Śląski“ (Schlesisches Haus) befindet. Dieses Gebäude hat eine besondere Geschichte, in deren wechselvollem Verlauf sich die Tragödien des extremen 20. Jahrhunderts widerspiegeln. Diese wechselvolle Geschichte ist Grundlage der Ausstellung. Die Besucher erfahren, daß das Haus ab 1918 Sitz einer „Society for the Protection of Western Borderlands of Poland“ gewesen ist, deren Ziel u.a. die Eingliederung von Schlesien in den neu entstandenen und durch Kriege erweiterten polnischen Staat war. Mehr über diesen Zeitraum erfahren die Besucher allerdings nicht. Tatsächlich waren damals polnische Nationalisten größenwahnsinnig und wollten einen neuen polnischen Staat in der Größe des ehemaligen Staates Polen-Litauen (86) errichten, der in der frühen Neuzeit der flächengrößte Staat in Europa gewesen war, und dies wollten sie auch mit militärischen Mitteln erzwingen, ohne Rücksichten auf die jeweilige ortsansässige Bevölkerung und ohne deren Zustimmung, und tatsächlich hatte diese kriegerische Expansionspolitik einigen Erfolg, wenn auch nicht im gewünschten Umfang. In diesem Rahmen soll es auch Pläne gegeben haben, die polnische Westgrenze bis an die Elbe zu verschieben, und in der Lage nach dem Ersten Weltkrieg und der Demilitarisierung (87) Deutschlands erschien es als problemlos möglich, derartige weitreichende Pläne durchzusetzen. Diese Vorgeschichte ist jedoch nicht Thema der Ausstellung im „Dom Śląski“. Thema der Ausstellung ist zum Einen die Terrorherrschaft des NS-Besatzungsregimes 1939 bis 1945 insbesondere durch die Gestapo, die in diesem Gebäude ein Gefängnis eingerichtet hatte, dessen Zellen besichtigt werden können. Schwerpunkt der Ausstellung bilden Biografien von Zeitzeugen, die in verschiedener Weise dem NS-Repressionsapparat ausgesetzt waren. In gleicher Weise wird der Zeitraum 1945 bis 1956 im Zeitalter der Herrschaft von Josef W. Stalin und dem insbesondere durch den NKWD praktizierten Terror dargestellt. 
 
Des Weiteren besuchte ich die östlich von Krakau gelegene Planstadt Nova Huta (88). Anschließend setzte ich meine Fahrradreise durch die historische Region Galizien (89) fort, wo ich die Städte Tarnów, Rzeszów und Premissel/Przemyśl besuchte. In der Stadt Tarnów (90) besuchte ich am 16.09.2021 das Ethnografische Museum, das eine informative und materialreiche Ausstellung über die Geschichte, die Kultur und die Migrationsbewegungen der Sinti und Roma (91) enthält, die im Mittelalter aus Südasien über Persien und Kleinasien nach Europa eingewandert waren. Bis heute ist der Ursprung und die Geschichte der Sinti und Roma nicht ausreichend wissenschaftlich erforscht. 
 
Die Stadt Premissel/Przemyśl (92) erreichte ich am 22.09.2021. Sie liegt am Ufer des Flusses San sowie am Rande der Biskiden/Karpaten, und die Grenze zur Ukraine ist nur wenige Kilometer entfernt. Eine Besonderheit der Stadt Premissel/Przemyśl sind die erhaltenen Überreste einer der größten Festungsanlagen in Europa, die ab dem Jahre 1854 errichtet worden waren, als Premissel/Przemyśl Teil des Kaiserreiches Österreich-Ungarn war und an der Grenze zum Kaiserreich Rußland lag. Diese Festungsanlagen zählen zu den größten in Europa, und sie erstrecken sich im gesamten Umland um die Stadt herum. Diese Festungsanlagen waren im Ersten Weltkrieg stark umkämpft (93), und aufgrund der vielen Kriegstoten wurden sie als „Verdun der Ostfront“ bezeichnet. In Museen und Gedenkstätten kann man hier erfahren, daß während des Ersten Weltkrieges hier bei Kampfhandlungen und Belagerungen es mehr als 100.000 Kriegstote gegeben hat. Als der erste totale industrielle Krieg (94) ist der Erste Weltkrieg die „Urkatastrophe“ des extremen 20. Jahrhunderts, und Verdun (95) ist das Symbol des massenmordenden Abschlachtens im totalen industriellen Krieg. 
 
Heute liegt die Stadt Premissel/Przemyśl in unmittelbarer Nähe zur Grenze von Polen und der Ukraine und somit zugleich an der östlichen Außengrenze der Europäischen Union (EU). Von Premissel/Przemyśl fuhr ich am 24.09.2021 weiter auf dem „Green Velo“ (96), einem der wenigen in Polen existierenden Fahrrad-Fernwanderwege, der in der Nähe der heutigen EU-Außengrenze verläuft. Die Gegend ist waldreich, und im abgelegenen kleinen Ort Radruz (97) kann man eine Holzkirche aus dem 16. Jahrhundert der christlich-orthodoxen Konfession besichtigen, die seit 2013 UNESCO-Welterbe ist. In der Umgebung sind insgesamt 24 Holzkirchen erhalten. 
 
Mitte der 90er Jahre wurde voreilig der erfolgreiche KSZE-Prozeß (98) aufgegeben, der als ein zentraler Bestandteil der Entspannungspolitik (99) ein Ende des Ost-West-Konflikts ermöglicht hat. Doch heute ist Europa wieder gespalten und wird von einem neuen „Eisernen Vorhang“ (100) durchzogen, der entlang der östlichen Außengrenzen der Europäischen Union verläuft. In der östlichen Hälfte Europas ist ein neuer „Kalter Krieg“ (101) entstanden. Die Länder beiderseits dieses neuen „Eisernen Vorhangs“, darunter die östlichen neuen Mitgliedsstaaten der EU der großen EU-Osterweiterung (102) der Jahre 2004 und 2007 sind nun „Frontstaaten“ in diesem neuen „Kalten Krieg“, und einige Folgen sind während meiner Fahrradreise unübersehbar, wie z.B. eine flächendeckende Totalüberwachung (103) sowohl der Städte als auch der Landschaft im Ländlichen Raum durch Kameraüberwachung, worauf auch überall auf Schildern hingewiesen wird. 
 
Auf meiner Weiterfahrt auf dem Fahrradweg „Green Velo“ gelangte ich zur Gedenkstätte Belzec (104), die ich am 26.09.2021 besuchte, und fuhr dann weiter zur Stadt Zamość (105). Die historische Altstadt der ab dem Jahre 1578 errichteten Stadt Zamość ist mit ihrem Marktplatz und dem Renaissance-Rathaus seit 1992 UNESCO-Weltkulturerbe. Anschließend besuchte ich vom 28.09.2021 bis zum 01.10.2021 die Stadt Lublin (106), und dort das Museum zur Stadtgeschichte und das Schloßmuseum, sowie die Gedenkstätte und Museum Majdanek (107) auf dem Gelände des ehemaligen NS-Konzentrationslagers Lublin, das von Oktober 1941 bis Juli 1944 existierte. Die Gesamtzahl der Inhaftierten in diesem Zeitraum betrug rund 150.000 Personen, von denen ca. 80.000 hier ihr Leben verloren haben. 
 
Von Lublin fuhr ich über die Orte Nałeczów, Kozienice und Warka weiter zur Metropole Warschau (108). Eine Vielzahl von Museen (109) und Gedenkstätten erfordert in Warschau einen mehrtägigen Aufenthalt, weswegen ich mich zum Zweck von Stadtexkursionen und dem Besuch von zahlreichen Museen und Gedenkstätten sowie Sehenswürdigkeiten vom 03. bis zum 12.10.2021 insgesamt zehn Tage in Warschau aufhielt. Unter anderen besuchte ich in Warschau am 05.10.2021 das Nationalmuseum (110). Herausragend und einzigartig ist hier die Faras-Sammlung, die auf archäologische Ausgrabungen in den Jahren 1961 bis 1964 bei Faras (111) in Nubien (112) am Nil zurück geht. Ausgestellt sind insbesondere Wandgemälde der Kathedrale von Faras (113), die bei der Errichtung des Assuan-Staudamms später von den Wassermassen des Nasser-Stausees überflutet wurde. Während die Geschichte Ägyptens zu großen Teilen erforscht und dokumentiert ist, ist dies bei der Geschichte Nubiens, Äthiopiens (114) und weiterer angrenzender Regionen in Afrika bislang erst spärlich erfolgt. In Folge der sogenannten „Islamischen Expansion“ (115) wurde die Geschichte Nubiens verschüttet, und die Geschichte Äthiopien wurde von den historischen Entwicklungen in Europa und Westasien abgeschnitten und isoliert. 
 
Auch besuchte ich das Historische Museum von Warschau (116), das Wissenschaftszentrum Kopernikus (117) und das Geologische und Paläontologische Museum (PAN) (118) sowie das Museum der Geschichte der polnischen Juden (119). Des Weiteren besuchte ich die Warschauer Zitadelle (120) mit dem X-Pavillon-Museum (121) und dem Katyn-Museum (122), sowie das Museum des ehemaligen Pawiak-Gefängnisses (123) und das Museum des Warschauer Aufstands (124). Von Warschau aus unternahm ich einen Tagesausflug zur Gedenkstätte Treblinka (125). 
 
Nach meinem Besuch der Metropole Warschau setzte ich meine Fahrradreise südlich des Flusses Weichsel (126) durch den Kampinoski-Naturpark (127) fort. Hier gibt es ausgeschilderte Fahrradwege, und in den Waldgebieten dieses ca. 40 Kilometer langen Naturparks sollen unter anderem Elche leben. Der Kampinoski-Naturpark soll sich durch eine außergewöhnlich große Biodiversität (128) hervorheben. Tatsächlich ist jedoch der größte Teil des Areals von den überall anzutreffenden Kiefernmonokulturen (129) der industriellen Forstwirtschaft geprägt, die im gesamten nördlichen und östlichen Europa das Erscheinungsbild des Waldes dominieren. Mein Eindruck dieses und des nachfolgenden Naturparks Krajobrazowy, die beide den gleichen Landschaftscharakter und eine ähnliche Ausdehnung haben, ist, daß es sich bei diesen Naturparks überwiegend um heute von Kiefernmonokulturen bestandene große glazialzeitliche Sandansammlungen handelt, die sich am Rande des glazialzeitlichen Warschau-Berliner Urstromtals (130) gebildet hatte, das heute vom Fluß Weichsel durchflossen wird. 
 
Bei meiner Weiterfahrt besuchte ich am 13.10.2021 beim Ort Wiaczemin Polski in der Niederung des Flusses Weichsel ein „Freilichtmuseum für Weichselansiedlung“ mit regionaltypischen Gebäuden der Weichselniederung. Während der frühneuzeitlichen Binnenkolonisation (131) sind die großen Flußtäler der südlichen Ostseeregion von der Oder bis zur Newa besiedelt und für die landwirtschaftliche Nutzung erschlossen worden, insbesondere durch Siedler aus den Niederlanden, Friesland und Norddeutschland, die als erfahrene Deichbauer von den Landesfürsten für die Besiedlung der bislang nicht nutzbaren großen Flußtäler gezielt angeworben wurden (132). Zum Teil verweisen Ortsnamen auf die Herkunft der Siedler. Oft waren diese Siedler Glaubensflüchtlinge, die von Landesfürsten, wie z.B. König Friedrich II. (133) zur „Peuplierung“ (134) im Rahmen des Landesausbaus angeworben wurden, wie z.B. Hugenotten (135). Dies erfolgte im Rahmen einer merkantilistischen Politik (136) absolutistischer Staaten (137). Hier sind es sogenannte „Olender“ (Olendrzy) (138), überwiegend Mennoniten (139) aus Friesland, den Niederlanden und Norddeutschland, die sich im Marschland entlang der Weichsel auf Warften (140) angesiedelt hatten. Im Kirchengebäude auf dem Museumsgelände gibt es eine informative Ausstellung zur Geschichte der Siedler. Das umgebende Land ist von Entwässerungsgräben durchzogen und entspricht der Marschlandschaft (141) an der Nordseeküste. Bei der Weiterfahrt gelangte ich mehrmals an verfallenen Gebäuderesten vorbei, die auf zugewachsenen Warften stehen. Offensichtlich handelt es sich um aufgegebene Gehöfte der ehemaligen Siedler, die diese im Zuge der großen Ethnischen Säuberungen in der östlichen Hälfte Europas 1945 ff dauerhaft verlassen mußten. 
 
Ich gelangte nun zur Stadt Płock (142), wo ich am 14.10.2021 das Regionalmuseum besuche. Dieses Museum hat einen ethnografischen Schwerpunkt mit mehreren Ausstellungen. Herausragend ist hier eine exzellente Ausstellung über Kunst des Fernen Ostens, insbesondere des buddhistischen Asiens. Diese Ausstellung ist in vier regionale Bereiche gegliedert: Tibet, Korea, Japan und China. Die Anfänge dieser Ausstellung gehen auf das Jahr 1913 zurück. Informative Begleittexte erläutern den Entstehungskontext und die Verbreitungsgeschichte des Buddhismus (143). Den Ursprung des Buddhismus bildet die Lehre des Siddhartha Gautama (568-483 v. Chr.) (144), dem historischen Buddha (145), der im nördlichen Südasien wirkte. Durch synkretistischen (146) Kulturaustausch insbesondere mit dem Hellenismus (147) entstand in Zentralasien (148), insbesondere den Regionen Baktrien (149) und Gandhara (150) der Greako-Buddhismus (151). Der Greako-Buddhismus breitete sich während der Regierungszeit von Kaiser Ashoka (304-232 v. Chr.) (152) im Maurya-Reich (153) aus, das den größten Teil Südasiens umfaßte. Zudem breitete sich der Buddhismus von Zentralasien aus nach Tibet (154), und insbesondere über die transkontinentalen Fernhandelsrouten der Seidenstraße (155) bis nach Korea, Japan und China in Ostasien aus (156). In diesen verschiedenen Regionen entwickelte der Buddhismus unterschiedliche regionaltypische Ausprägungen, die in der jeweiligen buddhistischen Kunst ihren Ausdruck finden, wie z.B. Buddha-Statuen (157). 
 
Wie das Beispiel des Graeko-Buddhismus und der Ausbreitung des Buddhismus zeigt, umfaßt der Kulturraum der Antike faktisch das gesamte Eurasien, in dem in der Antike ein permanenter synkretistischer Kulturaustausch stattfand. Dieser Raum des synkretistischen Kulturaustausches in der Antike in Eurasien entspricht dem Begriff der „Achsenzeit“ (158), der durch den Philosophen Karl Jaspers (1883-1969) (159) geprägt wurde. Dieser synkretistische Kulturaustausch innerhalb Eurasiens und insbesondere zwischen Europa und Asien erfuhr erst im Mittelalter einen Abbruch insbesondere durch die sogenannte „Islamische Expansion“ (160) und die Etablierung islamischer Imperien (161) in Westasien, Nordafrika, Zentralasien und Südasien, und mit dem Untergang des Byzantinischen Reiches (162), dem westlichen Ende des transkontinentalen Seidenstraßenhandels, kam dieser synkretistische Kulturaustausch zwischen Europa und Asien gänzlich zum Erliegen. Diese Ausstellung über Kunst des buddhistischen Asiens hatte mich dazu inspiriert, in Paris das „Musée national des Arts asiatiques Guimet“ (163) am 23. und 24.09.2022 zu besuchen, das die größte Sammlung asiatischer Kunst außerhalb Asiens beherbergt. Ein Schwerpunkt dieses Museums ist Kunst der graeko-buddhistischen Gandhara-Kultur. Die Exponate des Museums verdeutlichen in anschaulicher Weise den allmählichen Wandel des Buddhismus und einzelner Kunststile entlang der Seidenstraße. Zu diesem Themenbereich übertreffen die Ausstellungen des „Musée national des Arts asiatiques Guimet“ die entsprechenden Ausstellungen sowohl des Britischen Museums in London, als auch des Louvre in Paris. 
 
Anschließend gelangte ich bei meiner Weiterfahrt durch die Städte Włocławeck, Strzelno und Trzemeszno und besuchte dann die Stadt Gnesen/Gniezno (164). Gnesen/Gniezno gilt als eine der ältesten Städte in Polen. Auch hier unternahm ich eine Stadtexkursion. In Gnesen/Gniezno wollte ich am 18.10.2021 das „Museum der Ursprünge des polnischen Staates“ (165) besuchen, doch es ist Montag, und montags haben auch in Polen Museen geschlossen. 
 
Nun erreichte ich am 19.10.2021 die Stadt Posen/Poznań (166). Zentrum von Posen/Poznań ist der Marktplatz mit dem Alten Rathaus, und dieser hält einem Vergleich mit dem Marktplatz von Breslau/Wrocław stand. Eine weitere Touristenattraktion in Posen/Poznań ist die Dom-Insel im Fluß Warte/Warta. Hier besuchte ich das Informationszentrum „Brama Poznania“. In vier Ausstellungsräumen wird dort die Geschichte der Dom-Insel, der Stadt Posen/Poznań sowie des polnischen Staates dargestellt. Die Besucher erhalten einen Audioguide, der sowohl durch die Ausstellung, als auch weiter über die Dom-Insel führt. Die benachbarte Kathedrale ist die älteste in Polen, und ihre baulichen Anfänge sind mehr als 1000 Jahre alt. 
 
Des Weiteren besuchte ich in Posen/Poznań am 21.10.2021 das am Marktplatz gelegene Archäologische Museum. Von den fünf Ausstellungen des Archäologische Museums haben drei Ausstellungen ihren thematischen Schwerpunkt im nördlichen Afrika. 1. Detailreich ist die Ausstellung über Archäologie des Sudan. Der Sudan ist bis heute archäologisch wenig erforscht, obwohl es dort noch sehr viel zu entdecken gibt. Nubien ist auch Thema der Faras-Sammlung des Nationalmuseums in Warschau, die ich am 05.10.2021 besucht hatte. 2. Felsbilder in der Sahara (167) sind Thema einer weiteren Ausstellung. Diese sind nicht nur ein Zeugnis der Kulturgeschichte, sondern zugleich der Umweltgeschichte (168) und der Klimageschichte (169). Postglazialer Klimawandel führte u.a. in Nordafrika zum Entstehen erster staatlich organisierter Gesellschaften gemäß dem Modell der „Hydraulischen Gesellschaft“ (170), und damit zum Entstehen der Frühen Hochkulturen (171). Bedauerlicherweise gelangt diese Ausstellung nicht bis zu diesem spannenden und relevanten Thema. 3. Die 3. Ausstellung präsentiert Exponate aus dem alten Ägypten. Des weiteren bietet das Museum eine Ausstellung 4. zur Prähistorie Polens und eine weitere 5. zur Geschichte Polens. 
 
Zudem besuchte ich in Posen/Poznań das Ethnografische Museum und am 22.10.2021 das Bamberger Museum. Zahlreiche Siedler aus Franken, insbesondere der Stadt Bamberg (172) hatten sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Posen und Umgebung angesiedelt, denn aufgrund des Großen Nordischen Krieges 1700 bis 1721 (173) und der Pest-Epidemie 1708 bis 1714 war die Bevölkerung in der Umgebung von Posen stark dezimiert, und der Stadtrat von Posen hatte beschlossen, Siedler aus dem katholischen Franken anzuwerben. Die Posener Bamberger pflegten weiterhin ihre Traditionen, was in dem Bamberger Museum zum Ausdruck gelangt. Das kleine Bamberger Museum wurde im Jahre 2003 von einer seit 1996 bestehenden Bamberger Gesellschaft in Posen/Poznań gegründet. Diese pflegt Beziehungen zur Bamberger Region in Franken und bemüht sich um europäische Integration und internationale Verständigung in einem Europa ohne Grenzen. 
 
Auch besuchte ich in Posen/Poznań am 22.10.2021 das „Museum des Posener Aufstandes 1918-1919“. Thema des Museums ist der sogenannte Posener oder Großpolnische Aufstand vom 27.12.1918 bis zum 16.02.1919 (174), der sich im Zeitraum zwischen dem Ende des Ersten Weltkrieges am 11.11.1918 und dem Versailler Vertag vom 28.06.1919 ereignete und der mit militärischen Mitteln vollendete Tatsachen schuf, ohne daß die im Versailler Vertrag geforderten Volksabstimmungen (175) stattfanden. Ebenso wie im Museum der Aufständischen am Annaberg (406 m) in Oberschlesien, das ich am 10.10.2019 besucht hatte, werden auch hier die Ereignisse ausschließlich aus der Sicht polnischer Nationalisten dargestellt (176). Anschließend besuchte ich das Museum zum Posener Aufstand im Juni 1956 (177), das sich in Räumen des Residenzschlosses (178) befindet. 
 
Meine Fahrradreise setzte ich zur Stadt Pniewy fort. In der Nähe der Stadt Miedzyrevz kann bei dem kleinen Ort Pniewo ein Museum zur Festungsfront Oder-Warthe-Bogen (179) („Ostwall“) besucht werden. Ich gelangte durch die Städte Zielenzig/Sulecin und Drossen/Lebuskie und erreichte am 27.10.2021 zum zweiten Mal auf dieser Fahrradreise die „Doppelstadt“ (180) Frankfurt an der Oder/Słubice. Von der Stadt Fürstenwalde fuhr ich über den Spreeradweg (181) nach Berlin zurück, wo meine Fahrradreise am 28.10.2021 endete. 
 
Auch bei dieser Fahrradreise durch Schlesien und angrenzende Regionen bestätigte sich der im gesamten Europa anzutreffende Befund: Noch ist das extreme 20. Jahrhundert weitgehend unverstanden, und die Gedenk- und Erinnerungskultur verharrt in Kategorien des 19. Jahrhunderts, während aktuell das begonnene 21. Jahrhundert mit gänzlich neuartigen Herausforderungen aufwartet, die ebenfalls weitgehend unverstanden sind. 
 

Anmerkungen:

1) Vergleiche (Vgl.): https://de.wikipedia.org/wiki/Fahrradreise
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Reiserad
Eine gute Planungsgrundlage für Fahrradreisen bieten die folgenden Fahrrad-Reiseführer:
Herbert Lindenberg: Europa per Rad. Markgröningen, 8. Auflage 2022 (Reise Know-How Verlag).
Thomas Schröder, Helmut Hermann: Fahrrad Weltführer. Markgröningen, 4. Auflage 2016 (Reise Know-How Verlag).
Neil Pike, Harriet Pike: Adventure Cycle-Touring Handbook. Worldwide Cycling Route & Planning Guide. Hindhead (Surrey), 3. Auflage 2015 (Trailblater Publications).

2) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Schlesien

3) Bei meiner Fahrradreise verwendet habe ich die folgenden Reiseführer:
Isabella Gawin: Polen., Der Süden. 8. Auflage 2018, Bielefeld (Reise Know-How Verlag).
Izabella Gawin, Dieter Schulze: Kulturschock Polen. 3. Auflage 2015, Bielefeld (Reise Know-How Verlag).
Jan Szurmant, Magdalena Niedzielska-Szurmant: Krakau. 6. Auflage 2017, Erlangen (Michael Müller Verlag).
Jan Szurmant, Magdalena Niedzielska-Szurmant: Warschau. 3. Auflage 2015, Erlangen (Michael Müller Verlag).
Diese Reiseführer haben sich bei meiner Reise als informativ und nützlich erwiesen.

4) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Oberschlesien

5) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnische_Säuberung

6) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kietrz

7) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Internierungslager

8) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Myslowitz

9) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Speziallager
Speziallager unterstanden dem NKWD, und sie wurden ab 1945 im gesamten von der Roten Armee besetzten Territorium in der östlichen Hälfte Europas eingerichtet. Auf dem Territorium der SBZ/DDR gab es zehn Speziallager, darunter das Speziallager Bautzen
Vgl.:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gedenkstätte_Bautzen#Geschichte_des_Speziallagers_Bautzen._1945-1956
und das Speziallager auf dem Gelände des ehemaligen NS-Konzentrationslagers Sachsenhausen:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Speziallager_Sachsenhausen
Die zahlreichen Speziallager, die in der östlichen Hälfte Europas außerhalb der SBZ/DDR existierten, darunter die Speziallager in Schlesien und den weiteren „Wiedergewonnenen Gebieten“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wiedergewonnene_Gebiete
sind bis heute geschichtswissenschaftlich vollständig unerforscht. Das Thema Speziallager wird in Europa bislang ausschließlich in Deutschland auf dem Territorium der ehemaligen SBZ/DDR erforscht und sonst nirgends. Nach Angaben der Gedenkstätte Bautzen bei meinem Besuch am 20. und 21.09.2019 soll es östlich der Oder-Neiße-Linie in Schlesien, den „Wiedergewonnenen Gebieten“ und deren Umgebung insgesamt fünf Speziallager gegeben haben (Tost, Oppeln, Landsberg, Posen, Graudenz). Ein Speziallager bei der Stadt Myslowitz/Mysłowice ist allerdings nicht darunter. Auf Grundlage meiner bisherigen Recherchen war ich davon ausgegangen, daß mein Großvater Josef Anton Suchan (1883-1945) am 05.10.1045 in einem Speziallager bei der Stadt Myslowitz/Mysłowice in Oberschlesien verstorben ist. Bei meinen weitergehenden Recherchen in Oberschlesien stellte sich jedoch heraus, daß es ab 1945 in der von der Roten Armee besetzten östlichen Hälfte Europas nicht nur Speziallager gegeben hat, die dem NKWD unterstanden, sondern zusätzlich eine nicht zu überblickende Vielzahl unterschiedlicher weiterer Internierungslager, die von diversen weiteren Akteuren eingerichtet worden waren, darunter Akteuren aus Polen. Die Archipele dieser diversen Internierungslager sind bis heute weitgehend unbekannt und wissenschaftlich vollständig unerforscht.

10) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/NKWD

11) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gulag

12) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sowjetunion

13) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Stalin

14) Der Historiker Eric Hobsbawm unterscheidet ein langes 19. Jahrhundert von einem kurzen und extremen 20. Jahrhundert, das mit dem Ersten Weltkrieg als der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts beginnt und das mit den Ereignissen 1989/90 endet.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/19._Jahrhundert
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Langes_19._Jahrhundert
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/20._Jahrhundert
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Kurzes_20._Jahrhundert
Vgl. des Weiteren: Eric Hobsbawm: Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. München, 1995.
Das extreme 20. Jahrhundert ist sowohl Folge, als auch Bestandteil des Zeitalters des Imperialismus, das in zwei Weltkriegen kulminiert. Heute ist das gesamte Zeitalter der Moderne und insbesondere das Industriezeitalter in Verdacht geraten, im extremen 20. Jahrhundert zu kulminieren.

Als charakteristische Elemente, die das 20. Jahrhundert in seiner gesamten historischen Tiefe und geografischen Breite als ein extremes Jahrhundert mit Alleinstellungsmerkmal charakterisieren und prägen können aufgeführt werden: a) Die Ethnische Säuberung, b) die Totale Institution des Lagers als die Totale Institution zur zweckrationalen Verwaltung von Menschenmassen in ihren verschiedenen Erscheinungsformen, c) der Ausnahmezustand, d) der Doppelstaat, e) die totale Mobilmachung, f) der totale industrielle Krieg, und weitere. Als charakteristische und prägende Elemente haben sie den Gehalt von analytischen Kategorien, die deshalb im Zentrum einer jeden Analyse zum extremen 20. Jahrhundert stehen müssen.

15) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Herodot

16) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Jablunkapass

17) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Waag

18) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sudeten

19) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Oder

20) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrnehmungsgeographie

21) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sibirien

22) Grundlage der wahrnehmungsgeografischen Kategorie „Sibirien“ ist das Narrativ eines „Ost-West-Gegensatzes“, das die gesamte europäische Geschichte seit ihren Anfängen bestimmt und gestaltet; dieses Narrativ wird immer wieder neu reproduziert, und es erscheint in immer wieder neuer Gestalt. Schon bei den alten Griechen gab es einen Ost-West-Gegensatz zwischen der Welt des antiken Griechenlands
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Antikes_Griechenland
und dem Persischen Imperium
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Perserreich
als der Orientalischen Despotie. Der Ost-West Gegensatz in Europa fand eine Neuauflage mit der Aufteilung des Imperium Romanum
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsteilung_von_395
in einen lateinischen weströmischen Teil und einen von griechischer Kultur dominierten oströmischen Teil, der in der Aufteilung der christlichen Kirche in einen lateinischen römisch-katholischen und einen griechisch-orthodoxen Teil seine Entsprechung fand:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Morgenländisches_Schisma
Aus diesem Gegensatz wurde der Gegensatz zwischen Abendland
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Abendland
und Morgenland. Diese Spaltung wurde durch die Eroberungen der Mongolen und der Osmanen vertieft. Der Historiker Dittmar Dahlmann stellt fest: „Was einst als der Norden Europas verstanden wurde, wandelte sich mit der Aufklärung und verstärkt im Laufe des 19. Jahrhunderts zum Osten Europas, wobei der Osten mit der Barbarei identifiziert wurde, während der Westen sich im Selbstverständnis als Hort der Zivilisation begriff. Die Grundlage dafür ist in einer Verschiebung des europäischen Zentrums vom Süden zum Westen hin zu sehen. Der Osten löste den bis dahin barbarischen Norden ab.“ Siehe: Dittmar Dahlmann: Osteuropäische Geschichte. S. 211. In: Christoph Cornelißen (Hg.): Geschichtswissenschaften. Eine Einführung. Frankfurt am Main, 2000. S. 206-220.

Dieses Narrativ des „Ost-West-Gegensatzes“ ist offensichtlich mittlerweile durch jahrtausendelange Einübung so mächtig geworden, sodaß seine Überwindung und Ablösung nicht gelingt, was am Beispiel der Entwicklungen seit 1989/90 aufgezeigt werden kann, denn entgegen ersten Hoffnungen auf ein endgültiges Ende des Ost-West-Konflikts und ein neues Zeitalter des Friedens und der Kooperation befindet sich Europa heute faktisch wieder in einem neuen „Kalten Krieg“ und ist durch einen neuen „Eisernen Vorhang“ gespalten, und die Welt ist von neuen geopolitisch motivierten Konflikten und Kriegen geprägt. Die USA und China zeichnen sich als die Hauptakteure eines neuen globalen Ost-West-Konflikts der Zukunft ab.

23) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geopolitik

24) Die „Doppelstadt“ Frankfurt an der Oder/Słubice ist ein Beispiel des eigenartigen Phänomens der „Doppelstadt“. Derartige Teilungen von Städten sind ein weit verbreitetes Phänomen der Neuzeit, und sie ereigneten sich insbesondere im Zeitalter des Nationalismus und der Herausbildung von Nationalstaaten. Immer wieder gelangte ich bei meinen Fahrradreisen in Europa durch zahlreiche dieser eigenartigen „Doppelstädte“, die es im heutigen Europa in großer Zahl gibt:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_geteilter_Orte
Insbesondere interessiert mich an diesen „Doppelstädten“ die jeweilige Teilungssituation, sodaß ich stets beide Teile einer „Doppelstadt“ besuche. Diese geteilten Städte können auch als Ausdruck des Niedergangs der Städte seit dem Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit angesehen werden, und sie sind somit ein Ausdruck der in der Neuzeit erlangten Dominanz des zentralistischen absolutistischen Staates über die zuvor weitgehend selbstständigen und freien Städte.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Stadt
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_und_Reichsstädte
Bis heute haben die Städte ihre frühere Bedeutung und Selbstständigkeit nicht wieder erlangt, und sie sind weiterhin ein Spielball der von Nationalstaaten zur Machtbehauptung der Nation betriebenen Machtpolitik.

25) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Frankfurt_(Oder)
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Słubice

26) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Guben

27) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gubin

28) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Oder-Neiße-Linie

29) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/EuroVelo

30) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdarwinismus

31) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Persönliche_Freiheit

32) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Entfaltung_der_Persönlichkeit
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Persönlichkeitsrecht_(Deutschland)

33) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wahlstatt

34) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Museum_der_Schlacht_von_Wahlstatt

35) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mongolisches_Reich

36) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Byzantinisches_Reich

37) Die Plünderung der Weltmetropole Konstantinopel
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Konstantinopel
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Belagerungen_und_Eroberungen_von_Konstantinopel
im Jahre 1204 n. Chr. während des Vierten Kreuzzuges
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Eroberung_von_Konstantinopel_(1204)
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Vierter_Kreuzzug
wobei insbesondere der Republik Venedig
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Republik_Venedig
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Seerepubliken
eine entscheidende Rolle zukommt, und die Errichtung des Lateinischen Kaiserreiches
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Lateinisches_Kaiserreich
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Rückeroberung_von_Konstantinopel_1261
leiteten den Untergang des Byzantinischen Reiches ein, und dieser Untergang fand mit der Eroberung Konstantinopels durch das expandierende Militärimperium des Osmanischen Reiches im Jahre 1453
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Eroberung_von_Konstantinopel_(1453)
seinen Abschluß. Die Eroberung von Konstantinopel im Jahre 1453 gilt als ein Markstein der Epochenwende vom Mittelalter zur Neuzeit.

38) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kreisau

39) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geheime_Staatspolizei

40) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kreisauer_Kreis

41) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialismus
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/NS-Forschung

42) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Denkfabrik

43) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Unternehmen_Walküre
Sowie: Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Attentat_vom_20._Juli_1944

44) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Übergangsregierung

45) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Schattenkabinett_Beck/Goerdeler

46) Vgl.: Ernst Fraenkel: Der Doppelstaat. Recht und Justiz im „Dritten Reich“. Frankfurt am Main, 1984.
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Doppelstaat
In dieser Analyse der Herrschaft im NS-Staat, die zum Jahreswechsel 1940/1941 erstmals veröffentlicht wurde, unterscheidet der Jurist und Politikwissenschaftler Ernst Fraenkel (1898-1975)
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Fraenkel_(Politikwissenschaftler)
die fortexistierenden Institutionen eines legalen „Normenstaates“, dessen Handeln sich an Gesetzen orientiert, von den neu geschaffenen Institutionen eines extralegalen „Maßnahmenstaates“ als Instrument willkürlicher Machtentfaltung und enthemmter Gewaltausübung. Als historische Beispiele für Institutionen des „Maßnahmenstaates“ können aufgeführt werden insbesondere die Konzentrationslager, des Weiteren die SS, die Gestapo, der SD, das RSHA, die „Aktion T4“, die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD, und weitere. Der „Maßnahmenstaat“ kann als eine radikalisierte Form „Totaler Institutionen“ und der in diesen herrschenden „Besonderen Gewaltverhältnisse“ angesehen werden, die auf Extralegalität und Sonderbehandlung abzielen.

47) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Jugendbegegnungsstätte_Kreisau

48) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Versöhnungskitsch

49) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtspolitik

50) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsbild

51) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufklärung
Aufklärung kann nach Willi Oelmüller verstanden werden als ein „Prozeß von Traditionskritik und Traditionsbewahrung, der den jeweils geschichtlich erreichten Stand öffentlich anerkannter und teilweise bereits institutionalisierter sittlich-politischer Errungenschaften verteidigt und durchsetzt. Aufklärung sollte so (…) eine Orientierungshilfe bei der Bewältigung ungelöster Lebens- und Handlungsprobleme sein.“ Siehe: Willi Oelmüller: Die unbefriedigte Aufklärung. Beiträge zu einer Theorie der Moderne von Lessing, Kant und Hegel. Frankfurt am Main, 1979. S. I.

52) Siehe: Helmuth James von Moltke: Ausgangslage, Ziele und Aufgaben (24.04.1941). S. 510. In: Ger van Roon: Neuordnung im Widerstand. Der Kreisauer Kreis innerhalb der Deutschen Widerstandsbewegung. München, 1967. S. 507-523. Unter den anzustrebenden Zielen führt Moltke in seiner Denkschrift vom 24.04.1941 auf: „a) Das Ende der Machtpolitik. b) Das Ende des Nationalismus. c) Das Ende des Rassegedankens. d) Das Ende der Gewalt des Staates über den Einzelnen. Diese vier (…) werden sich selbst ad absurdum führen“.

53) Vgl.: Günter Brakelmann: Helmuth James von Moltke. 1907-1945. Eine Biographie. München, 2007.
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Helmuth_James_Graf_von_Moltke

54) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ślęża

55) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Breslau

56) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Racibórz

57) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gleiwitz

58) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sender_Gleiwitz

59) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufstände_in_Oberschlesien
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Volksabstimmung_in_Oberschlesien_1921
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Interalliierte_Regierungs-_und_Plebiszitskommission_für_Oberschlesien
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Teilungspläne_für_Oberschlesien

60) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/St._Annaberg#Politische_Bedeutung_und_Schlachtfeld

61) Im „Museum der Aufständischen“ am Anna-Berg (406 m), das ich am 10.10.2019 besucht habe, wird, wie es meist in Museen zu historischen Themen in Polen der Fall ist, monoperspektivisch eine Sicht auf die historischen Ereignisse ausschließlich aus der Perspektive polnischer Nationalisten vermittelt.

Dahingegen ist Multiperspektivität
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Multiperspektivität_(Geschichtswissenschaft)
ein Prinzip der Geschichtsdidaktik:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsdidaktik
In Polen ist Multiperspektivität in der realexistierenden Gedenk- und Erinnerungskultur jedoch auch heute noch vollkommen unbekannt, wie bei dem Besuch zahlreicher Museen zu historischen Themen, Gedenkstätten und Denkmälern im gesamten Polen deutlich wird. Die gesamte Gedenk- und Erinnerungskultur in Polen dient dem geschichtspolitischen Ziel der Entwicklung einer nationalen Identität. Ähnlich wie in Polen sind diesbezüglich die Verhältnisse der Gedenk- und Erinnerungskultur in der gesamten östlichen Hälfte Europas.

62) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkerbund

63) Geprägt ist die Zwischenkriegszeit durch eine Vielzahl von bewaffneten Auseinandersetzungen:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zwischenkriegszeit#Bewaffnete_Auseinandersetzungen
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Dreißigjähriger_Krieg#Bewaffnete_Auseinandersetzungen_der_Zwischenkriegszeit
Diese bewaffneten Auseinandersetzungen in der Zwischenkriegszeit waren eine wesentliche Voraussetzung dafür, daß ein neuer großer Krieg in Europa entstehen konnte.

64) Sowohl die bewaffneten Auseinandersetzungen in der Zwischenkriegszeit, als auch die Flüchtlingskrise in der Zwischenkriegszeit hatten ihre wesentliche Ursache im nicht funktionierenden Minderheitenschutz des Versailler Vertragssystems:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedensvertrag_von_Versailles
Der im Versailler Vertrag vorgesehene Minderheitenschutz und dessen Scheitern in der Zwischenkriegszeit wird von diesem Wikipedia-Artikel verschwiegen. Der nicht funktionierende Minderheitenschutz des Versailler Vertragssystems und die zahlreichen bewaffneten Auseinandersetzungen in der Zwischenkriegszeit führten dazu, daß in Europa ein neuer großer Krieg entstehen konnte.

Während nahezu sämtliche Akteure sich bemühten, die Konflikte und Krisen der Zwischenkriegszeit zu vermehren und zu forcieren, war der Völkerbund mit der Bearbeitung und Moderation dieser immer weiter anwachsenden und sich zuspitzenden Probleme letztlich überfordert.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Minderheitenschutz#Minderheitenschutz_des_Völkerbunds

65) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kattowitz

66) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Schlesisches_Museum_(Katowice)

67) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Dreikaisereck

68) Vgl. Anmerkung 46.

69) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sławięcice

70) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Toszek

71) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Oświęcim

72) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Auschwitz#Gedenkstätten,_Mahnmale,_Kultur

73) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Auschwitz_I_(Stammlager)

74) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Auschwitz-Birkenau

75) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Staatliches_Museum_Auschwitz-Birkenau

76) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Krakau

77) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_Kopernikus

78) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Polnischer_Untergrundstaat

79) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Polnische_Heimatarmee

80) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Widerstand_gegen_den_Nationalsozialismus#Widerstand_in_besetzten_und_verbündeten_Ländern

81) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alliierte#Zweiter_Weltkrieg

82) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Partisan

83) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Widerstandsrecht

84) Siehe: Fritz Bauer: Widerstandsrecht und Widerstandspflicht des Staatsbürgers. S. 492. In: Arthur Kaufmann (Hg.): Widerstandsrecht. Darmstadt, 1972. S. 482-504.
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Remer-Prozess

85) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fabryka_Emalia_Oskara_Schindlera

86) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Polen-Litauen
Am Beginn des Staates Polen-Litauen steht die Union von Krevo von 1358:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Union_von_Krewo
In diese Union von Krevo des Jahres 1358 hatte das Großfürstentum Litauen
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Großfürstentum_Litauen
rund drei Viertel des Territoriums eingebracht.

87) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedensvertrag_von_Versailles#Militärische_Bestimmungen

88) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nowa_Huta

89) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Galizien

90) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tarnów

91) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Roma

92) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Premissel

93) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Belagerung_von_Przemyśl

94) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Totaler_Krieg

95) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_um_Verdun

96) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Green_Velo

97) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Cerkiew_św._Paraskewy_(Radruż)

98) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/KSZE
Der KSZE-Prozeß ist dokumentiert in: Europäische Menschenrechtsdokumente und der KSZE-Prozeß. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.): Menschenrechte. Dokumente und Deklarationen. Bonn, 1995. S. 219-457. Wenn man heute die Dokumente des gesamten KSZE-Prozesses noch einmal liest, wird deutlich, wie erheblich die heutige Politik in Europa vom KSZE-Prozeß und dessen Intentionen abgewichen ist. Die Beendigung des KSZE-Prozesses Mitte der 90er Jahre korreliert signifikant mit der Zunahme von Krisen, Konflikten und Kriegen in Europa, die wir seither feststellen müssen.

99) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Entspannungspolitik
Sowie: Gottfried Niedhart: Entspannung in Europa. Die Bundesrepublik Deutschland und der Warschauer Pakt 1966 bis 1975. Bonn, 2014.
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Wandel_durch_Annäherung

100) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Eiserner_Vorhang

101) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kalter_Krieg
Zur Entstehung des neuen Kalten Krieges vgl.: Johan Galtung: Die NATO-Osterweiterung oder: Der Beginn des Zweiten Kalten Krieges. In: Derselbe: Die andere Globalisierung. Perspektiven für eine zivilisierte Weltgesellschaft im 21. Jahrhundert. Münster, 1998. S. 68-80.

102) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erweiterung_der_Europäischen_Union

103) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Überwachungsstaat
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Gläserner_Mensch_(Datenschutz)

104) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vernichtungslager_Belzec#Gedenkort
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_Reinhardt
Die „Aktion Reinhard“ kann angesehen werden als die Anwendung der „Aktion T4“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_T4
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Krankenmorde_in_der_Zeit_des_Nationalsozialismus
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_T4#Personelle_Kontinuitäten
auf den Fall einer Ethnischen Säuberung unter besonderen Begleitumständen während des Zweiten Weltkrieges.

105) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zamość

106) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Lublin

107) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Konzentrations-_und_Vernichtungslager_Lublin-Majdanek#Die_Gedenkstätte

108) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Warschau

109) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Museen_in_Warschau

110) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalmuseum_Warschau

111) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Faras#Erforschung

112) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nubien
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Nubien_im_Mittelalter
Des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Sudan

113) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kathedrale_von_Faras

114) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Äthiopiens

115) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Expansion#Eroberung_Ägyptens
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Arabische_Eroberung_Ägyptens#Invasion_in_Nubien

116) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Muzeum_Warszawy

117) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftszentrum_Kopernikus

118) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Museum_der_Erde_(Warschau)

119) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Museum_der_Geschichte_der_polnischen_Juden

120) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zitadelle_Warschau

121) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/X._Pavillon_der_Zitadelle_Warschau

122) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Katyn-Museum

123) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Pawiak

124) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Museum_des_Warschauer_Aufstandes

125) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vernichtungslager_Treblinka#Gedenkstätte

126) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weichsel

127) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalpark_Kampinos

128) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Biodiversität

129) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Monokultur#Forstwirtschaft

130) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Warschau-Berliner_Urstromtal

131) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Binnenkolonisation
Des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Hochmittelalterliche_Ostsiedlung

132) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weichseldeutsche

133) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_II._(Preußen)

134) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Peuplierung
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Friderizianische_Kolonisation

135) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hugenotten
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Edikt_von_Potsdam

136) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Merkantilismus

137) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Absolutismus

138) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hauländer

139) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mennoniten

140) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Warft

141) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Marschland

142) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/ Płock

143) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Buddhismus
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Buddhismus
Von den monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) unterscheidet der Buddhismus sich grundlegend. Grundlage des Buddhismus ist der in der Antike Eurasiens erreichte Entwicklungsstand der Ethik (Praktische Philosophie), der in der Lehre vom „Edlen achtfachen Pfad“ zum Ausdruck gelangt:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Edler_achtfacher_Pfad
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Buddhistische_Philosophie#Ethik
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Buddhistische_Ethik#Grundlagen
Somit sind die Grundlagen des Buddhismus Ethik (Praktische Philosophie) in Gestalt einer Weisheits- und Tugendlehre, und dafür wird keine Religion benötigt, im Gegenteil: Die Freiheit des Individuums, insbesondere dessen geistige Freiheit ist eine Voraussetzung, um Weisheit und Tugend anstreben zu können.

144) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Siddhartha_Gautama

145) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Buddha
Vgl. auch: Helmut Uhlig: Buddha. Die Wege des Erleuchteten. 1994, Bergisch Gladbach.

146) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Synkretismus

147) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hellenismus
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Alexanderreich

148) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zentralasien#Antike

149) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Baktrien#Alexander_der_Große
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Seleukidenreich
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Griechisch-Baktrisches_Königreich

150) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gandhara
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Indo-Griechisches_Königreich

151) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Graeco-Buddhismus
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Gandhara#Kunst_und_Kultur

152) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ashoka

153) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Maurya-Reich

154) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Buddhismus_in_Tibet
Vgl. auch: Helmut Uhlig: Tibet. Ein verbotenes Land öffnet seine Tore. 1986, Bergisch Gladbach.

155) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Seidenstraße
Vgl. auch: Helmut Uhlig: Die Seidenstraße. Antike Weltkultur zwischen China und Rom. 1986, Bergisch Gladbach.

156) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Buddhismus#Ausbreitung_in_Südasien_und_Ostasien

157) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Buddha-Statue
Mit Buddha-Statuen findet das Ideal der Apatheia
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Apatheia
der Philosophie der Antike
https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_der_Antike
Eurasiens einen Ausdruck. In diesem Wikipedia-Artikel wird der Raum der Philosophie der Antike auf den Mittelmeer-Raum begrenzt. Wie das Beispiel des Graeko-Buddhismus hingegen zeigt, umfaßt der Raum der Philosophie der Antike faktisch das gesamte Eurasien, in dem in der Antike ein permanenter synkretistischer Kulturaustausch stattfand. Dieser Raum des synkretistischen Kulturaustausches in der Antike in Eurasien entspricht dem Begriff der „Achsenzeit“, der durch den Philosophen Karl Jaspers (1883-1969) geprägt wurde.

158) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Achsenzeit

159) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Jaspers

160) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Expansion
Vgl. insbesondere: https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Expansion#Folgen_der_arabischen_Expansion

161) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kalifat
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Osmanisches_Reich#Politische_Geschichte
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Mogulreich#Geschichte
Diese islamischen Imperien waren Sklavenhaltergesellschaften
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei_im_Islam
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Sklaverei#Sklaverei_im_arabischen_Raum
und Militärimperien. Der gesamte Staatsapparat und das Militär basierten auf dem Prinzip der Sklaverei. Als Tributleistung wurden von den eroberten und unterworfenen Bevölkerungen, überwiegend Christen, ein Teil von deren Kindern gefordert und eingezogen, die sogenannten „Knabenlese“.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Knabenlese
Diese verschleppten Kinder wurden zum Islam zwangsbekehrt, indoktriniert und zu treu ergebenen Dienern des Herrschers erzogen. Sie fanden nun Verwendung im Staatsapparat, wo sie die dem Herrscher untergebene Bevölkerung verwalteten, und im Militärapparat, dessen Grundlage Sklavenarmeen waren
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Knabenlese#Herkunft_und_Funktion_der_Dev şirme:_die_Institution_der_„Sklavenarmeen“
Diese Militärsklaven wurden Mamluken genannt
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mamluken
und auch Janitscharen
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Janitscharen
Während das Christentum, das in der östlichen Mittelmeerregion vergleichbar mit dem Buddhismus ebenfalls durch einen synkretistischen Kulturaustausch mit dem Hellenismus entstanden war, und das im Imperium romanum anfänglich als eine sozialrevolutionäre Bewegung wirkte, bis es dort Staatsreligion wurde, die Sklaverei der Antike in seinem Einflußbereich überwand und abschaffte, bildet der Islam dazu eine radikale Gegenbewegung, indem er als eine Religion der Eroberer und der Herrscher die Sklaverei der Antike ausweitet und zum staatstragenden Prinzip der Herrschaft und deren Expansion macht. Damit wird die Sklaverei der Antike intensiviert, räumlich ausgeweitet und über das Mittelalter hinweg in die Neuzeit tradiert und transportiert.

162) Vgl. Anmerkungen 36 und 37.

163) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Musée_Guimet

164) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gniezno

165) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Museum_der_Ursprünge_des_polnischen_Staates

166) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Posen

167) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Felsbilder_der_Sahara

168) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Umweltgeschichte

169) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Klimageschichte

170) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hydraulische_Gesellschaft

171) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Frühe_Hochkultur

172) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bamberg

173) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Großer_Nordischer_Krieg

174) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Posener_Aufstand_(1918-1919)

175) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Volksabstimmungen_infolge_des_Versailler_Vertrags
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedensvertrag_von_Versailles#Unmittelbare_Gebietsabtretungen

176) Vgl. Anmerkung 61.

177) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Posener_Aufstand_(1956)

178) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Residenzschloss_Posen

179) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Festungsfront_Oder-Warthe-Bogen#Festungs-_und_Fledermausmuseum_Pniewo

180) Vgl. Anmerkungen 24 und 25.

181) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Spreeradweg

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Fahrradreise Schlesien 2021 – Ein Reiseerlebnisbericht. Textversion 02
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Manfred SUCHAN
Geograf
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Über meine Reisen berichte ich auf meinen Internetseiten:
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Im Naturpark Krajobrazowy südlich des Flusses Weichsel am 15.10.2021. Der Naturpark Krajobrazowy und der benachbarte Kampinoski-Naturpark sollen sich durch eine außergewöhnlich große Biodiversität hervorheben. Tatsächlich ist jedoch der größte Teil des Areals von den überall anzutreffenden Kiefernmonokulturen der industriellen Forstwirtschaft geprägt, die im gesamten nördlichen und östlichen Europa das Erscheinungsbild des Waldes dominieren. Mein Eindruck dieses und des benachbarten Kampinoski-Naturparks, die beide den gleichen Landschaftscharakter und eine ähnliche Ausdehnung haben, ist, daß es sich bei diesen Naturparks überwiegend um heute von Kiefernmonokulturen bestandene große glazialzeitliche Sandansammlungen handelt, die sich am Rande des glazialzeitlichen Warschau-Berliner Urstromtals gebildet hatte, das heute vom Fluß Weichsel durchflossen wird.  


Die Stabkirche Wang befindet sich nicht mehr in Norwegen, sondern heute bei Krummhübel/Karpacz im Riesengebirge unterhalb der Schneekoppe am 26.09.2019 während meiner ersten Fahrradreise durch Schlesien und angrenzende Regioinen im Herbst 2019.  

Fahrradreise Schlesien 2019

Ein Reiseerlebnisbericht

von Manfred Suchan

 
Neben einer geografischen Dimension hat jede Reise auch eine geschichtliche Dimension, weil eine jede Erscheinung im Raum und alles Seiende Stadium eines zeitlichen Prozesses ist, und insbesondere, wenn persönliche Bezüge hinzukommen, kann die historische Dimension den Schwerpunkt der Reise bilden.
 
Im Zentrum der Diskussion zwischen meinem Bruder Rainald und mir stehen seit einiger Zeit die jüngere Geschichte und insbesondere die Ereignisse in Oberschlesien (1) ab 1945. Zum Einen sind dies die historischen Umstände der Ethnischen Säuberungen (2), im Rahmen derer die Familie unseres Vaters Wolfgang Suchan (1920-2011) den Bauernhof der Familie Suchan-Maiß, unserer Großeltern Josef Anton Suchan (1883-1945) und Anna Franziska Suchan, geb. Maiß (1883-1972) im Straßendorf Langenau (Ratiborer Straße 29) bei der kleinen Stadt Katscher/Kietrz (3) in Oberschlesien verlassen mußte. Zum Anderen ist dies der Fall Josef Anton Suchan (1883-1945), unseres Großvaters, der am 05.10.1045 in einem Internierungslager (4) bei der Stadt Myslowitz/Mysłowice (5) in Oberschlesien verstorben ist. Auf Grundlage meiner bisherigen Recherchen war ich davon ausgegangen, daß es sich bei diesem Internierungslager bei Myslowitz/Mysłowice um ein Speziallager (6) gehandelt hatte. Speziallager unterstanden dem NKWD (7), und sie wurden ab 1945 im gesamten von der Roten Armee besetzten Territorium in der östlichen Hälfte Europas eingerichtet. Die Speziallager waren Bestandteil des Gulag-Lagersystems (8) der Sowjetunion (UDSSR) (9) im Zeitalter der Herrschaft von Josef W. Stalin (10).
 
Vor einigen Jahren hatte ich noch die Gelegenheit genutzt, mit meinem Vater Wolfgang Suchan (1920-2011) als Zeitzeugen Gespräche über diesen Themenkomplex zu führen. Mittlerweile stellen sich weitere und neue Fragen, für deren Diskussion nun kein Zeitzeuge mehr zur Verfügung steht. Um die historische Wirklichkeit angemessen erfassen und verstehen zu können, habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, das extreme 20. Jahrhundert (11) in seiner gesamten historischen Tiefe auszuloten und in seiner gesamten geografischen Breite zu vermessen.
 
Diese Diskussionen, und angeregt durch eine Schlesienreise von Rainald vor zwei Jahren haben mich dazu motiviert, in meinem bewährten wahrnehmungs-, erlebnis- und erkenntnisintensiven Reisestil mit Fahrrad und Zelt im Herbst 2019 vom 15.09.2019 bis zum 01.11.2019 eine Fahrradreise (12) durch Teile des östlichen mittleren Europas mit Schwerpunkt Schlesien (13) zu unternehmen, um im erkenntnispraktischen Stile eines Herodot von Halikarnassos (ca. 490 - 420 v. Chr.) (14) geschichtliche Forschung und Erkenntnisfindung an den geografischen Originalschauplätzen historischer Begebenheiten und Ereignisse in größtmöglicher Unmittelbarkeit und Authentizität betreiben zu können.
 
Hatten meine zurückliegenden Schlesien-Reisen mehr die Sudeten (15) zum Ziel gehabt, so erschloß mir die Fahrradreise im Jahre 2019 einen größeren historisch-geografischen Raum: Meine Fahrradreise begann ich am 15.09.2019 in Berlin, fuhr durch die zweisprachige Lausitz (16) und gelangte am 20.09.2019 zur Stadt Bautzen (17), wo sich die Gedenkstätte Bautzen (18) u.a. mit dem geschichtswissenschaftlich bislang kaum erschlossenen Thema „Speziallager“ befaßt. Meine Fahrradreise setzte ich an den Fluß Lausitzer Neiße fort, wobei ich die Stadt Görlitz erreichte, die sich am Nordwestende von Niederschlesien (19) befindet. Die „Europastadt“ (20) und „Doppelstadt“ (21) Görlitz-Zgorzelec (22) ist heute Teil einer grenzübergreifenden „Europa-Region“ (23) im Dreiländereck Deutschland, Polen, Tschechien, der Europaregion Neiße (ERN) (Europaregion Neisse-Nisa-Nysa) (24), ein zukunftsweisendes Konzept, das in Europa langsam Schule macht. Das Schlesische Museum in Görlitz, das ich am 22.09.2019 besucht habe, bietet einen Einstieg in das Thema „Schlesien“ (25). 
 
Meine Fahrradreise setzte ich in Schlesien am Rande der Sudeten Richtung Südosten fort. Der höchste Teil der Sudeten ist das Riesengebirge (26) mit der Schneekoppe (1603 m) (27), dem höchsten Berg der Sudeten und des Riesengebirges. Das Riesengebirge ist ein Naturschutzgebiet, das als Nationalpark (Karkonoski Park Narodowy) geschützt ist (28). Im Riesengebirge liegt die klimatische Waldgrenze (29) bei einer Höhe von etwa 1200 m. Die höchsten Lagen des Riesengebirges im Bereich der Schneekoppe (1603 m) liegen oberhalb der klimatischen Waldgrenze, und diese baumlose Hochgebirgslandschaft ähnelt dem Kahlen Fjell (30) des Skandinavischen Gebirges. Die potentielle natürliche Vegetation (31) im Riesengebirge ist entsprechend den Höhenstufen (32) in den Tallagen Laubwald (33) und in den Hochlagen Bergwald (34). 
 
Im Riesengebirge gelangte ich am 25.09.2019 zum Ort Krummhübel/Karpacz (35), der sich unterhalb der Schneekoppe (1603 m) befindet. In der zweiten Hälfte der 80er Jahre war ich häufiger gemeinsam mit meinen Freunden aus Berlin und Polen hier im Riesengebirge gewesen. In den 80er Jahren war das Riesengebirge die vom „Waldsterben“ (36) am stärksten betroffene Region Europas gewesen. Während meines Studiums an der Freien Universität Berlin war das Thema „Waldsterben“ damals in meinem Nebenfach Biologie ein auch von mir bearbeitetes Thema gewesen. In der zweiten Hälfte der 80er Jahre konnte ich mir selbst im Riesengebirge ein Bild von der Lage machen: In den gesamten Hochlagen des Riesengebirges waren die dort dominierenden Fichtenreinbestände großflächig über etliche Quadratkilometer hinweg abgestorben, sodaß graue Fichtengerippe die Berglandschaft der Sudeten prägten. Jetzt wanderte ich am 26.09.2019 von Krummhübel/Karpacz aus auf die Schneekoppe (1603 m) hinauf. Vom Gipfel aus sind die grauen, abgestorbenen Fichtenreinbestände teilweise auch heute noch sichtbar. 
 
Im weiteren Verlauf meiner Fahrradreise besuchte ich am 01.10.2019 das Dorf Kreisau/Krzyzowa (37). Bekannt ist der Ort durch den in den Akten der Gestapo (38) so genannten „Kreisauer Kreis“ (39), dessen Mitglieder sich dort getroffen hatten, um auf Grundlage eigener Analysen Alternativen zur NS-Herrschaft (40) zu entwickeln. Der „Kreisauer Kreis“ kann als der bedeutendste „Think Tank“ (41) der Opposition gegen die NS-Herrschaft angesehen werden. Die vom „Kreisauer Kreis“ entworfenen Konzepte hätten nach einem erfolgreichen Staatsstreich am 20. Juli 1944 (Unternehmen Walküre) (42) eine konzeptionelle Grundlage der Übergangsregierung (43) Beck/Goerdeler (44) gebildet. Gemäß dem Modell des „Doppelstaates“ (Dual State) (45) des Politikwissenschaftlers und Juristen Ernst Fraenkel (1898-1975), das zum Jahreswechsel 1940/1941 erstmals veröffentlicht wurde, kann der Staatsstreich vom 20. Juli 1944 aufgefaßt werden als ein Versuch, aus den noch bestehenden Institutionen des „Normenstaates“ heraus die Institutionen des durch die NS-Herrschaft geschaffenen „Maßnahmenstaates“ zu überwinden, um eine Rechtsstaatlichkeit wieder herzustellen und den Krieg sofort zu beenden. 
 
In Kreisau/Krzyzowa gibt es im ehemaligen Gutshof der Familie Moltke mehrere Ausstellungen zu Themen jüngerer Geschichte sowie eine Jugendbildungsstätte (46), die von der Europäischen Union (EU) und dem Bundesfamilienministerium finanziert wird, und es besteht der Anspruch, „Impulse für die zukünftige Entwicklung Europas zu schaffen“. Die Ausstellungen fordern in verschiedenen Aspekten zum Widerspruch heraus: Eine wissenschaftliche historische Analyse des Zeitgeschehens, dessen Entstehungsbedingungen und eine Einordnung in den gesamthistorischen Prozeß findet man dort nicht, statt dessen wird versucht, Geschichte in den Kategorien von Schuld und Sühne aufzufassen und abzuhandeln. Haß zwischen den Menschen, Individuen wie Völkern, wird als Ursache von Kriegen und insbesondere den Verbrechen im weiteren Umfeld des Zweiten Weltkrieges diagnostiziert. Vergebung und Versöhnung werden als Therapie angeboten (47). Dieser Umgang mit Geschichte kommt gänzlich ohne historisch-wissenschaftliche Analyse von Ursachen und Zusammenhängen aus. Kriege entstehen nicht aus Haß von Menschen aufeinander, sondern aus Machtkalkül von Groß- und Weltmächten und der in diesen herrschenden Eliten. Derart zu einer Aufklärung beizutragen, wäre ein sinnvolles Anliegen einer Ausstellung und darüber hinaus einer internationalen Jugendbegegnungsstätte, die mehr sein will als ein Ringelpietz nach dem Motto: „Seid alle lieb und nett zueinander und alles wird gut“, der für naturentfremdete und verzogene Großstadtkinder in herrschaftlichen Gebäuden von der EU und dem Bundesfamilienministerium veranstaltet wird. 
 
Es entsteht der Eindruck, daß der „Kreisauer Kreis“ geschichtspolitisch (48) instrumentalisiert wird und ein vorgefertigtes Geschichtsbild (49) vermittelt wird, und nicht die Intention einer Aufklärung (50) im Vordergrund steht, die Besucher darin zu unterstützen, sich eine eigene und unabhängige Meinung auch zu historischen Themen zu bilden. Die Ausstellungen zu Themen jüngerer Geschichte in Kreisau/Krzyzowa erzählen wie üblich Geschichte als Geschichte von Nationen und Nationalstaaten. Die Intentionen des „Kreisauer Kreises“ waren jedoch ganz andere: „Das Ende des Nationalismus“ (51) stellt der Experte für Völkerrecht Helmuth James von Moltke (52) in seiner Denkschrift „Ausgangslage, Ziele und Aufgaben“ vom 24.04.1941 als eine anzustrebende Zielsetzung dar. 
 
Des Weiteren besuchte ich in Schlesien vom 03. bis zum 06.10.2019 die schlesische Metropole Breslau/Wrocław (53), und dann die Stadt Oppeln/Opole (54), in deren Umgebung heute noch eine kleine deutschsprachige Minderheit leben soll - ansonsten beseitigte die größte und erfolgreichste ethnische Säuberung des 20. Jahrhunderts ab 1945 dauerhaft und nachhaltig die deutschsprachige Bevölkerung aus der östlichen Hälfte Europas. 
 
Am Anfang dieser Entwicklung steht das Scheitern des Völkerbundes in den Jahren 1920-1922 in Oberschlesien (55), das am Annaberg (406 m) (56) deutlich wird. Diese Ereignisse der Jahre 1919 bis 1921 in Oberschlesien sind Thema des „Museums der Aufständischen“ am Anna-Berg (406 m), das ich am 10.10.2019 besucht habe. In diesem Museum wird, wie es meist in Museen zu historischen Themen in Polen der Fall ist, monoperspektivisch (57) eine Sicht auf die historischen Ereignisse aus der Perspektive polnischer Nationalisten vermittelt. Hier in Oberschlesien begann in diesen Jahren 1919 bis 1921 das Scheitern des Völkerbundes, sodaß in Europa ein neuer großer Krieg entstehen konnte. 
 
Das Scheitern des Völkerbundes in den Jahren 1920-1922 in Oberschlesien leitete insgesamt sein Scheitern ein, da es dem Völkerbund in Europa nach dem Ersten Weltkrieg nicht gelang, entgegen überall sprießender ethnonationalistischer Forderungen, mehrsprachige, multiethnische Territorialkonzepte auf dem Grundsatz der Gleichberechtigung zu entwickeln, sondern gemäß dem Zeitgeist auf praktisch unmögliche sprachliche und ethnische Separation setzte, sodaß sich in Folge allerseits gewaltsame Lösungen durchsetzten und sich gegenseitig an Radikalität überboten. Daher ist die Zwischenkriegszeit durch eine Vielzahl von bewaffneten Konflikten geprägt (58). Diese bewaffneten Auseinandersetzungen in der Zwischenkriegszeit waren eine wesentliche Voraussetzung dafür, daß ein neuer großer Krieg in Europa entstehen konnte. Sowohl die bewaffneten Auseinandersetzungen in der Zwischenkriegszeit, als auch die Flüchtlingskrise in der Zwischenkriegszeit hatten ihre wesentliche Ursache im nicht funktionierenden Minderheitenschutz des Versailler Vertragssystems (59). Während nahezu sämtliche Akteure sich bemühten, die Konflikte und Krisen der Zwischenkriegszeit zu vermehren und zu forcieren, war der Völkerbund mit der Bearbeitung und Moderation dieser immer weiter anwachsenden und sich zuspitzenden Probleme letztlich überfordert, sodaß ein neuer großer Krieg in Europa entstehen konnte. 
 
Auch besuchte ich am 11.10.2019 das Straßendorf Langenau bei der kleinen Stadt Katscher/Kietrz in Oberschlesien, wo die Familie meines Vaters Wolfgang Suchan (1920-2011) herkommt. Das Straßendorf Langenau erstreckt sich nordöstlich von Katscher/Kietrz entlang der Landstraße zur Stadt Ratibor/Racibórz (60), der Ratiborer Straße. Im Zuge der Gemeindegebietsreformen des Jahres 1920 war Langenau ein Stadtteil von Katscher/Kietrz geworden. Hier bestätigt sich der Eindruck von Rainald bei seiner Schlesienreise im Jahre 2017: Von der ehemaligen Bausubstanz und dem historischen Ortsbild ist kaum mehr etwas verblieben, und auch der Bauernhof der Familie Suchan-Maiß, meiner Großeltern Josef Anton Suchan (1883-1945) und Anna Franziska Suchan, geb. Maiß (1883-1972) in Langenau (Ratiborer Straße 29) ist nicht auffindbar. 
 
Aus Zeitgründen verschob ich eine angedachte Weiterfahrt in Oberschlesien unter anderem nach Gleiwitz/Gliwice (61), Kattowitz/Katowice (62) und Myslowitz/Mysłowice auf eine Folgereise, die ich dann im Jahre 2021 durchführte. Meine Fahrradreise führte mich nun über die oberschlesische Industriestadt Ostrau/Ostrava (63) und den Jablunkapaß (550 m) (64) und weiter durch das Tal des Flusses Waag (65) an die Donau (66). 
 
Über mehrere Jahrhunderte bildete neben dem Rhein die Donau die Nordostgrenze des Imperium romanum (67), und die Römerstadt Carnuntum (68), ehemals Hauptstadt der Provinz Pannonien (69) mit ca. 50.000 Einwohnern, die ich am 20.10.2019 besucht habe, wird heute von Archäologen Stück für Stück rekonstruiert. In Wien (70), der Metropole des ehemaligen Habsburger-Reiches, kann man wochenlang prunkvolle Sehenswürdigkeiten besichtigen. Von Wien aus setzte ich am 23.10.2019 meine Fahrradreise auf dem Donauradweg (71) Richtung Passau fort. Mit der Nibelungensage (72) ist im Nibelungengau (73) das Zeitalter der sogenannten „Völkerwanderung“ (74) präsent: Gemäß der Sage trafen die Nibelungen hier Hunnenkönig Etzel bzw. Attila. In der Tat wurde von den Römern die Provinz Pannonien mit der Hauptstadt Carnuntum im Jahre 430 der Herrschaft der Hunnen (75) übergeben, und nicht nur die Burgunder (76) irrten damals durch die Weltgeschichte. Von der Stadt Passau aus fuhr ich per Regionalbahn am 01.11.2019 zurück nach Berlin. 

Anmerkungen: 

1) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Oberschlesien

2) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnische_Säuberung

3) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kietrz

4) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Internierungslager

5) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Myslowitz

6) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Speziallager
Speziallager unterstanden dem NKWD, und sie wurden ab 1945 im gesamten von der Roten Armee besetzten Territorium in der östlichen Hälfte Europas eingerichtet. Auf dem Territorium der SBZ/DDR gab es zehn Speziallager, darunter das Speziallager Bautzen und das Speziallager auf dem Gelände des ehemaligen NS-Konzentrationslagers Sachsenhausen.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Speziallager_Sachsenhausen
Die zahlreichen Speziallager, die in der östlichen Hälfte Europas außerhalb der SBZ/DDR existierten, darunter die Speziallager in Schlesien und den weiteren „Wiedergewonnenen Gebieten“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wiedergewonnene_Gebiete
sind bis heute geschichtswissenschaftlich vollständig unerforscht. Das Thema Speziallager wird in Europa bislang ausschließlich in Deutschland auf dem Territorium der ehemaligen SBZ/DDR erforscht und sonst nirgends. Nach Angaben der Gedenkstätte Bautzen bei meinem Besuch am 20. und 21.09.2019 soll es östlich der Oder-Neiße-Linie in Schlesien, den „Wiedergewonnenen Gebieten“ und deren Umgebung insgesamt fünf Speziallager gegeben haben (Tost, Oppeln, Landsberg, Posen, Graudenz). Ein Speziallager bei der Stadt Myslowitz/Mysłowice ist allerdings nicht darunter. Auf Grundlage meiner bisherigen Recherchen war ich davon ausgegangen, daß mein Großvater Josef Anton Suchan (1883-1945) am 05.10.1045 in einem Speziallager bei der Stadt Myslowitz/Mysłowice in Oberschlesien verstorben ist. Bei meinen weitergehenden Recherchen in Oberschlesien stellte sich jedoch heraus, daß es ab 1945 in der von der Roten Armee besetzten östlichen Hälfte Europas nicht nur Speziallager gegeben hat, die dem NKWD unterstanden, sondern zusätzlich eine nicht zu überblickende Vielzahl unterschiedlicher weiterer Internierungslager, die von diversen weiteren Akteuren eingerichtet worden waren, darunter Akteuren aus Polen. Die Archipele dieser diversen Internierungslager sind bis heute weitgehend unbekannt und wissenschaftlich vollständig unerforscht.

7) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/NKWD

8) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gulag

9) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sowjetunion

10) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Stalin

11) Der Historiker Eric Hobsbawm unterscheidet ein langes 19. Jahrhundert von einem kurzen und extremen 20. Jahrhundert, das mit dem Ersten Weltkrieg als der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts beginnt und das mit den Ereignissen 1989/90 endet.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/19._Jahrhundert
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Langes_19._Jahrhundert
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/20._Jahrhundert
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Kurzes_20._Jahrhundert
Vgl. des Weiteren: Eric Hobsbawm: Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. München, 1995.
Das extreme 20. Jahrhundert ist sowohl Folge, als auch Bestandteil des Zeitalters des Imperialismus, das in zwei Weltkriegen kulminiert. Heute ist das gesamte Zeitalter der Moderne und insbesondere das Industriezeitalter in Verdacht geraten, im extremen 20. Jahrhundert zu kulminieren.

Als charakteristische Elemente, die das 20. Jahrhundert in seiner gesamten historischen Tiefe und geografischen Breite als ein extremes Jahrhundert mit Alleinstellungsmerkmal charakterisieren und prägen können aufgeführt werden: a) Die Ethnische Säuberung, b) die Totale Institution des Lagers als die Totale Institution zur zweckrationalen Verwaltung von Menschenmassen in ihren verschiedenen Erscheinungsformen, c) der Ausnahmezustand, d) der Doppelstaat, e) die totale Mobilmachung, f) der totale industrielle Krieg, und weitere. Als charakteristische und prägende Elemente haben sie den Gehalt von analytischen Kategorien, die deshalb im Zentrum einer jeden Analyse zum extremen 20. Jahrhundert stehen müssen.

12) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fahrradreise
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Reiserad
Eine gute Planungsgrundlage für Fahrradreisen bieten die folgenden Fahrrad-Reiseführer:
Herbert Lindenberg: Europa per Rad. Markgröningen, 8. Auflage 2022 (Reise Know-How Verlag).
Thomas Schröder, Helmut Hermann: Fahrrad Weltführer. Markgröningen, 4. Auflage 2016 (Reise Know-How Verlag).
Neil Pike, Harriet Pike: Adventure Cycle-Touring Handbook. Worldwide Cycling Route & Planning Guide. Hindhead (Surrey), 3. Auflage 2015 (Trailblater Publications).

13) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Schlesien

14) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Herodot

15) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sudeten

16) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Lausitz#Bevölkerung_und_Sprache
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Sorbische_Sprache
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Regional-_und_Minderheitensprachen_in_Europa
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Europäische_Charta_der_Regional-_oder_Minderheitensprachen
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachpolitik
Des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Minderheitenschutz
Der Minderheitenschutz des Versailler Vertragssystems funktionierte nicht, weswegen die Zwischenkriegszeit durch zahlreiche bewaffnete Konflikte geprägt ist:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zwischenkriegszeit#Bewaffnete_Auseinandersetzungen
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Dreißigjähriger_Krieg#Bewaffnete_Auseinandersetzungen_der_Zwischenkriegszeit
Aufgrund dieser zahlreichen bewaffneten Auseinandersetzungen in der Zwischenkriegszeit konnte in Europa ein neuer großer Krieg entstehen.

17) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bautzen

18) Vgl.:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gedenkstätte_Bautzen#Geschichte_des_Speziallagers_Bautzen._1945-1956

19) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Provinz_Niederschlesien

20) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Europastadt

21) Die „Doppelstadt“ Görlitz-Zgorzelec ist ein Beispiel des eigenartigen Phänomens der „Doppelstadt“. Derartige Teilungen von Städten sind ein weit verbreitetes Phänomen der Neuzeit, und sie ereigneten sich insbesondere im Zeitalter des Nationalismus und der Herausbildung von Nationalstaaten. Immer wieder gelangte ich bei meinen Fahrradreisen in Europa durch zahlreiche dieser eigenartigen „Doppelstädte“, die es im heutigen Europa in großer Zahl gibt:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_geteilter_Orte
Insbesondere interessiert mich an diesen „Doppelstädten“ die jeweilige Teilungssituation, sodaß ich stets beide Teile einer „Doppelstadt“ besuche. Diese geteilten Städte können auch als Ausdruck des Niedergangs der Städte seit dem Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit angesehen werden, und sie sind somit ein Ausdruck der in der Neuzeit erlangten Dominanz des zentralistischen absolutistischen Staates über die zuvor weitgehend selbstständigen und freien Städte.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Stadt
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_und_Reichsstädte
Bis heute haben die Städte ihre frühere Bedeutung und Selbstständigkeit nicht wieder erlangt, und sie sind weiterhin ein Spielball der von Nationalstaaten zur Machtbehauptung der Nation betriebenen Machtpolitik.

22) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Görlitz
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Zgorzelec
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_von_Görlitz

23) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Europaregion
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Europaregionen

24) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Euroregion_Neiße
Sowie: https://www.neisse-nisa-nysa.org

25) Vgl.: https://www.schlesisches-museum.de

26) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Riesengebirge

27) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Schneekoppe

28) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Riesengebirge#Naturschutz

29) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wald-_und_Baumgrenze

30) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fjell

31) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Potenzielle_natürliche_Vegetation

32) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Höhenstufe_(Ökologie)

33) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Laubwald

34) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bergwald

35) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Krummhübel

36) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Waldsterben

37) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kreisau

38) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geheime_Staatspolizei

39) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kreisauer_Kreis

40) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialismus
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/NS-Forschung

41) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Denkfabrik

42) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Unternehmen_Walküre
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Attentat_vom_20._Juli_1944

43) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Übergangsregierung

44) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Schattenkabinett_Beck/Goerdeler

45) Vgl.: Ernst Fraenkel: Der Doppelstaat. Recht und Justiz im „Dritten Reich“. Frankfurt am Main, 1984.
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Doppelstaat
In dieser Analyse der Herrschaft im NS-Staat, die zum Jahreswechsel 1940/1941 erstmals veröffentlicht wurde, unterscheidet der Jurist und Politikwissenschaftler Ernst Fraenkel (1898-1975)
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Fraenkel_(Politikwissenschaftler)
die fortexistierenden Institutionen eines legalen „Normenstaates“, dessen Handeln sich an Gesetzen orientiert, von den neu geschaffenen Institutionen eines extralegalen „Maßnahmenstaates“ als Instrument willkürlicher Machtentfaltung und enthemmter Gewaltausübung. Als historische Beispiele für Institutionen des „Maßnahmenstaates“ können aufgeführt werden insbesondere die Konzentrationslager, des Weiteren die SS, die Gestapo, der SD, das RSHA, die „Aktion T4“, die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD, und weitere. Der „Maßnahmenstaat“ kann als eine radikalisierte Form „Totaler Institutionen“ und der in diesen herrschenden „Besonderen Gewaltverhältnisse“ angesehen werden, die auf Extralegalität und Sonderbehandlung abzielen.

46) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Jugendbegegnungsstätte_Kreisau

47) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Versöhnungskitsch

48) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtspolitik

49) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsbild

50) Vgl.: Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufklärung
Aufklärung kann nach Willi Oelmüller verstanden werden als ein „Prozeß von Traditionskritik und Traditionsbewahrung, der den jeweils geschichtlich erreichten Stand öffentlich anerkannter und teilweise bereits institutionalisierter sittlich-politischer Errungenschaften verteidigt und durchsetzt. Aufklärung sollte so (…) eine Orientierungshilfe bei der Bewältigung ungelöster Lebens- und Handlungsprobleme sein.“ Siehe: Willi Oelmüller: Die unbefriedigte Aufklärung. Beiträge zu einer Theorie der Moderne von Lessing, Kant und Hegel. Frankfurt am Main, 1979. S. I.

51) Siehe: Helmuth James von Moltke: Ausgangslage, Ziele und Aufgaben (24.04.1941). S. 510. In: Ger van Roon: Neuordnung im Widerstand. Der Kreisauer Kreis innerhalb der Deutschen Widerstandsbewegung. München, 1967. S. 507-523. Unter den anzustrebenden Zielen führt Moltke in seiner Denkschrift vom 24.04.1941 auf: „a) Das Ende der Machtpolitik. b) Das Ende des Nationalismus. c) Das Ende des Rassegedankens. d) Das Ende der Gewalt des Staates über den Einzelnen. Diese vier (…) werden sich selbst ad absurdum führen“.

52) Vgl.: Günter Brakelmann: Helmuth James von Moltke. 1907-1945. Eine Biographie. München, 2007.
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Helmuth_James_Graf_von_Moltke

53) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Breslau

54) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Oppeln

55) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufstände_in_Oberschlesien
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Volksabstimmung_in_Oberschlesien_1921
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Interalliierte_Regierungs-_und_Plebiszitskommission_für_Oberschlesien
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Teilungspläne_für_Oberschlesien

56) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/St._Annaberg#Politische_Bedeutung_und_Schlachtfeld

57) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Multiperspektivität_(Geschichtswissenschaft)
Multiperspektivität ist ein Prinzip der Geschichtsdidaktik:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsdidaktik
In Polen ist Multiperspektivität in der realexistierenden Gedenk- und Erinnerungskultur jedoch auch heute noch vollkommen unbekannt, wie bei dem Besuch zahlreicher Museen zu historischen Themen, Gedenkstätten und Denkmälern im gesamten Polen deutlich wird. Die gesamte Gedenk- und Erinnerungskultur in Polen dient dem geschichtspolitischen Ziel der Entwicklung einer nationalen Identität. Ähnlich wie in Polen sind diesbezüglich die Verhältnisse der Gedenk- und Erinnerungskultur in der gesamten östlichen Hälfte Europas.

58) Geprägt ist die Zwischenkriegszeit durch eine Vielzahl von bewaffneten Auseinandersetzungen:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zwischenkriegszeit#Bewaffnete_Auseinandersetzungen
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Dreißigjähriger_Krieg#Bewaffnete_Auseinandersetzungen_der_Zwischenkriegszeit
Diese bewaffneten Auseinandersetzungen in der Zwischenkriegszeit waren eine wesentliche Voraussetzung dafür, daß ein neuer großer Krieg in Europa entstehen konnte.

59) Sowohl die bewaffneten Auseinandersetzungen in der Zwischenkriegszeit, als auch die Flüchtlingskrise in der Zwischenkriegszeit hatten ihre wesentliche Ursache im nicht funktionierenden Minderheitenschutz des Versailler Vertragssystems.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedensvertrag_von_Versailles
Der im Versailler Vertrag vorgesehene Minderheitenschutz und dessen Scheitern in der Zwischenkriegszeit wird von diesem Wikipedia-Artikel verschwiegen. Der nicht funktionierende Minderheitenschutz des Versailler Vertragssystems und die zahlreichen bewaffneten Auseinandersetzungen in der Zwischenkriegszeit führten dazu, daß in Europa ein neuer großer Krieg entstehen konnte.
Während nahezu sämtliche Akteure sich bemühten, die Konflikte und Krisen der Zwischenkriegszeit zu vermehren und zu forcieren, war der Völkerbund mit der Bearbeitung und Moderation dieser immer weiter anwachsenden und sich zuspitzenden Probleme letztlich überfordert.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Minderheitenschutz#Minderheitenschutz_des_Völkerbunds

60) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Racibórz

61) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gleiwitz

62) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Katowitz

63) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ostrava

64) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Jablunkapass

65) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Waag

66) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Donau

67) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Imperium_romanum
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Limes_(Römisches_Reich)#Donau-Iller-Rhein-Limes_(DIRL)
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Donau-Iller-Rhein-Limes

68) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Carnuntum_(Zivilstadt)
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Carnuntum_(Militärlager)

69) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Pannonia_(Provinz)

70) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wien

71) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Donauradweg

72) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungensage

73) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungengau

74) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkerwanderung

75) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hunnen

76) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Burgunden

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Fahrradreise Schlesien 2019 – Ein Reiseerlebnisbericht. Textversion 04
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Manfred SUCHAN
Geograf
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Das Rathaus der Stadt Breslau am 28.08.2021. 

 Während meiner Fahrradreise durch die mittlere Ostseeregion am 15.06.2014. 


Fahrradreise 

mittlere Ostseeregion 

 

Ein Reiseerlebnisbericht 

 

von Manfred Suchan 

 

1. Einleitung 

Vom 03.06.2015 bis zum 04.07.2015 unternahm ich eine Fahrradreise mit Zelt durch die mittlere Ostseeregion, wobei ich durch das südöstliche Schweden, über die Åland-Inseln, durch den Südwesten Finnlands, sowie durch Estland und Lettland gelangte. Die Ostsee (1) ist das Mittelmeer des nördlichen Europas, und analog zum Mittelmeer (2) im Süden Europas bildet auch die Ostseeregion eine naturgeografische und eine kulturgeografische Einheit. Ebenso wie das Mittelmeer im Süden Europas ist die Ostsee ein Nebenmeer des Atlantischen Ozeans. Es bietet sich ein Vergleich (3) der Ostseeregion und der Mittelmeerregion an. 
 
Als eine kulturgeografische (4) Region ist sowohl die Ostseeregion, als auch die Mittelmeerregion durch die Schiffahrt und den Fernhandel geprägt. Die Geschichte der Ostseeregion ist geprägt durch eine mehr als tausendjährige Auseinandersetzung um die Vorherrschaft in der Ostseeregion, für die der Begriff „Domininum maris baltici“ (5) geschaffen wurde. Ähnlich verhält es sich in der Mittelmeerregion, über die insbesondere das Imperium romanum (6) ein Domininum errichtet hatte, das imperiale Nacheiferer fand, wie z.B. das im Zuge der arabischen Expansion geschaffene arabische Imperium (7), das ein Dominium über die Mittelmeerregion anstrebte, sowie das Militärimperium des Osmanischen Reiches (8), das ebenso ein Dominium über die Mittelmeerregion anstrebte. 
 
Naturgeografisch (9) ist die Ostseeregion insbesondere durch die Eiszeiten (10) und den glaziomorphologischen Formenschatz der Glazialen Serie (11) geprägt, die sämtliche Landschaften der Ostseeregion geformt und gestaltet hat. Im naturgeografischen Sinne umfaßt die Ostseeregion somit alle während der Glazialzeiten durch die Glaziale Serie geformten und gestalteten Landschaften im nördlichen Europa, wobei sich das Zentrum der glazialzeitlichen Vereisungen im skandinavischen Gebirge befand. 

2. Inhalt 

1. Einleitung 
2. Inhalt 
3. Entspannungspolitik und Reisefreiheit 
4. Von Schweden über die Åland-Inseln nach Finnland 
5. Geopolitik und die neue Spaltung Europas 
6. Nationalismus und Geopolitik 
7. Von Finnland durch Estland nach Lettland 
8. Anmerkungen 

3. Entspannungspolitik und Reisefreiheit

Schon im Jahre 1988 hatte ich vom 25.07.1988 bis zum 13.08.1988 eine Rundreise durch die Ostseeregion im Uhrzeigersinn unternommen, bei der ich durch die Länder Dänemark, Schweden und Finnland gelangte. Nach der Umfahrung des Bottnischen Meerbusens endete meine Umrundung der Ostsee im Jahre 1988 jedoch in Finnland, denn die Baltischen Länder Estland, Lettland und Litauen lagen damals jenseits des "Eisernen Vorhangs" (12), und ich mußte mit der Fähre von Turku/Åbo vorbei an den Åland-Inseln wieder zurück nach Schweden fahren und meine Reise durch die Ostseeregion durch Schweden und Dänemark fortsetzen. Schon damals hatte ich die Absicht, im Rahmen einer Reise eine vollständige Umrundung der gesamten Ostseeregion durchzuführen, sobald die Verhältnisse in Europa dieses erlauben würden. Daß sich diese Verhältnisse in Europa insbesondere bezüglich der allgemeinen Reisefreiheit (13) ändern würden, war in der zweiten Hälfte der 80er Jahre absehbar, denn der KSZE-Prozeß (14) hatte die Verwirklichung allgemeiner Reisefreiheit im gesamten Europa zum Ziel und diese erheblich gefördert. Zudem förderte in der zweiten Hälfte der 80er Jahre die Politik der Perestroika (15) von Michail S. Gorbatschow (16) die Intentionen des KSZE-Prozesses in der östlichen Hälfte Europas. 
 
Der KSZE-Prozeß war der zentrale Bestandteil der Entspannungspolitik, und er hatte entscheidend dazu beigetragen, daß der Ost-West-Konflikt (17) und das Zeitalter der Bipolarität und der Blockkonfrontation ein Ende finden konnten. Getragen war die Entspannungspolitik (18) von dem Konzept „Wandel durch Annäherung“, und der gesamte KSZE-Prozeß war von diesem Konzept geprägt und durchdrungen. Wie in der Schlußakte von Helsinki der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) vom 01.08.1975 über die Grenzen des „Eisernen Vorhangs“ hinweg vereinbart wurde, war Ziel des KSZE-Prozesses u.a. „die Stärkung freundschaftlicher Beziehungen und des Vertrauens zwischen den Völkern“, was u.a. erfolgen sollte durch die „Entwicklung von Kontakten“ zwischen den Menschen, dies auch durch Förderung von „Möglichkeiten für umfassendes Reisen“, sodaß „der Tourismus zu einer vollständigen Kenntnis des Lebens, der Kultur und der Geschichte anderer Länder, zu wachsendem Verständnis zwischen den Völkern, zur Verbesserung der Kontakte (…) beiträgt“ wofür „die Entwicklung des Tourismus auf individueller und kollektiver Grundlage zu fördern“ ist. Des Weiteren war Ziel „eine Steigerung des Austausches (...) von Informationen“, und eine „wirksame Ausübung“ von „Menschenrechten und Grundfreiheiten“ zu „fördern und ermutigen“. Mit der Charta von Paris (19) vom 21.11.1990 erklärte die KSZE den Ost-West-Konflikt für beendet, und es bestand die Hoffnung auf ein neues Zeitalter des Friedens und der Kooperation.

Seit 1989/90 ist eine Reise durch die meisten Länder an der östlichen Ostsee problemlos möglich, und seit Jahren habe ich meine intendierte Reise durch die gesamte Ostseeregion immer wieder aufgeschoben. Zuletzt hatte ich in den Jahren 2009, 2011 und 2012 Fahrradreisen durch Teile des nördlichen Europas unternommen. Meine Fahrradreise im Jahre 2014 durch die Ostseeregion fiel kürzer als ursprünglich intendiert und geplant aus, da mir zwischen der Wintersaison und der Sommersaison nur ein begrenzter Zeitrahmen zur Verfügung stand, sodaß ich im Rahmen dieser Fahrradreise 2014 nicht die gesamte Ostsee umfuhr, sondern nur den zentralen Teil der Ostseeregion. Aufgrund des begrenzten Zeitrahmens war eine Umfahrung des Bottnischen Meerbusens und des Finnischen Meerbusens mit einem Besuch der Metropole St. Petersburg, sowie ein Besuch der Stadt Königsberg/Kaliningrad, der Stadt Danzig und eine Weiterfahrt durch das nördliche Polen nicht möglich. Weitere Folgereisen sind erforderlich, um die gesamte Ostseeregion als eine geografische Einheit vollständig kennenzulernen. 
 

4. Von Schweden über die Åland-Inseln nach Finnland 

Meine Fahrradreise durch die mittlere Ostseeregion begann ich am 03.06.2014. Von Berlin aus fuhr ich per Regionalbahn zum Fährhafen Saßnitz auf der Ostseeinsel Rügen. Von dort überquerte ich mit der Fähre die Ostsee nach Trelleborg im Süden Schwedens. Mein Plan war, entlang der Ostküste Richtung Nordost bis nach Stockholm zu fahren. So folgte ich in Trelleborg dem Küstenradweg, dem Sverigeleden. Entlang der Küste verläuft hier auch der Fahrrad-Fernwanderweg Eurovelo 10 (20), der als Ostseeküstenradweg über eine Gesamtdistanz von 7.980 km um die gesamte Ostsee herum führt. Gesäumt ist die Küste im Südosten Schwedens von alten Bunkern aus dem Zweiten Weltkrieg. Über Ystad und Simrishamn gelangte ich zur Hafenstadt Karlskrona, die eine von 15 Unesco-Welterbestätten in Schweden ist. Dort besuchte ich das Marinemuseum, zu dem mehrere Museumsschiffe gehören. 
 
Meine Absicht war, meine Fahrradreise auf der Ostseeinsel Öland (21) fortzusetzen. Die Insel Öland weist zahlreiche Sehenswürdigkeiten auf, darunter neolithische Steinmonumente und eine größere Zahl von 400 historischen Blockwindmühlen. Zudem gibt es eine große Vielfalt unterschiedlicher Naturräume, und ein Teil der Insel Öland ist Unesco-Welterbe. Von der Stadt Kalmar aus wollte ich über die Ölandbrücke (22) zur Insel Öland gelangen, doch ich mußte feststellen, daß die Ölandbrücke für Fahrräder gesperrt ist. Zwar gibt es eine Fähre, doch diese hat bis zum 23. Juni stark eingeschränkte Verkehrszeiten, sodaß ich meine Fahrradreise auf dem Festland fortsetzte. Während in Norwegen gerne und häufig Tunnel für Fahrradfahrer gesperrt sind, wie ich auf meiner Fahrradreise durch das südliche Norwegen im Jahre 2011 feststellen mußte, und was zu teilweise tagelangen Umwegen nötigt, sind es in Schweden Brücken, deren Nutzung man Fahrradfahrern vorenthält. Zweifellos ist dies ein Fall von Ungleichbehandlung und Diskriminierung von Fahrradfahrern, wie man sie in automobilen Gesellschaften überall antrifft. 
 
Das der automobilen Gesellschaft zugrunde liegende Planungsleitbild der Autogerechten Planung (23) ist ein Beispiel für Strukturelle Gewalt (24) und strukturelle Diskriminierung, hier: gegenüber Fahrradfahren, die systematisch diskriminiert werden. Bezüglich struktureller Diskriminierung von Fahrradfahrern durch die autogerechte Planung automobiler Gesellschaften läßt sich in Skandinavien ein Gefälle feststellen: Während in Dänemark das Fahrradfahren überall strukturell und auch in der Verkehrsplanung gefördert wird, und das Fahrradfahren in Dänemark ähnlich populär ist, wie in den Niederlanden, ist hingegen die schwedische Gesellschaft eine automobile Gesellschaft, in der das Fahrradfahren im Alltag eine untergeordnete Rolle und Bedeutung hat. Dieser Automobilismus einer automobilen Gesellschaft erfährt in Norwegen eine Steigerung und erlangt auf der Insel Island einen Höhepunkt, wo eine autozentrierte Gesellschaft wie in den USA besteht. 
 
Im Fährhafen Oskarshamn besteht die Möglichkeit, per Fähre zur ehemaligen Hansestadt Visby (25) auf der im Zentrum der Ostsee gelegenen Insel Gotland (26) zu gelangen. Aufgrund des knappen Zeitrahmens meiner Fahrradreise 2014 stellte ich einen Besuch der Insel Gotland jedoch vorerst zurück. Auf meiner großen Nordeuropa-Fahrradreise im Jahre 2017 habe ich meinen Besuch auf der Insel Gotland nachgeholt und diese Insel ausgiebig erkundet, wobei ich mich auf den Spuren der Gotlandreise des Naturforschers Carl von Linné (1707-1778) (27) bewegte, die er im Jahre 1741 durchgeführt hatte. In der Geschichte der Ostseeregion hat die Insel Gotland eine zentrale und herausragende Bedeutung. Schon zu Zeiten der Wikinger (28) war die Insel Gotland ein Zentrum des Ostseehandels (29), wobei die Fahrtgemeinschaften der Wikinger, die im östlichen Europa Rus (30) und Waräger (31) genannt wurden, mit ihren leichten Wikingerschiffen (32) von der Ostseeregion über den Fluß Newa, den Ladogasee und die osteuropäischen Flüsse auf den Fernhandelsrouten durch das östliche Europa (33) in die östliche Mittelmeerregion gelangten. Dort betrieben die Waräger insbesondere in der Weltstadt (34) Konstantinopel (35) erfolgreichen Handel und stellten als Warägergarde (36) die Leibgarde des Kaisers des Byzantinischen Reiches (37). Entlang der Fernhandelsrouten im östlichen Europa gründeten Waräger mehrere Städte, darunter im Jahre 753 Lagoda (38) und im Jahre 859 Nowgorod (39), die die ältesten Städte auf dem Territorium des heutigen Rußland sind. Im Jahre 862 errichtete Warägerfürst Rurik (ca. 830-879) (40) in Nowgorod das Zentrum seiner Herrschaft, und sein Nachfolger Oleg von Nowgorod (41) eroberte bei seinem Bestreben, die Fernhandelswege im östlichen Europa zu beherrschen, im Jahre 882 die Stadt Kiew (42), wohin er die Hauptstadt des von ihm regierten Großfürstentums der Kiewer Rus (43) verlegte. Diese Fernhandelsaktivitäten (44) der Wikinger bzw. Waräger reichten bis nach Bagdad (45). Von diesem erfolgreichen transkontinentalen Fernhandel der Wikinger bzw. Waräger zeugen umfangreiche Funde von Silbermünzen auf der Insel Gotland. Bis ins Mittelalter hinein dominierten die Wikinger bzw. Waräger den Ostseehandel. 
 
Durch Bildung gemeinsamer Fahrtgemeinschaften mit den Wikingern auf der Insel Gotland (46) gelang es den Hansen (47), am Ostseehandel zu partizipieren, dessen Kernbereich alsbald von den Hansen dominiert wurde. Die Fahrtgemeinschaften sowohl der Wikinger als auch der Hansen sind ein Beispiel für Gilden (48). Diese Zusammenarbeit mit den Gotländern auf der Insel Gotland ist entscheidend für die weitere Entwicklung der Hansen. Mit ihren im Vergleich zu den leichten Wikingerschiffen erheblich schwereren Hansekoggen (49), die sich im Gegensatz zu Ersteren auch nicht für einen Transport über Land eigneten, blieb der Handelsraum der Hansen allerdings stets nur auf den Kernraum des Handelsraumes der Wikinger/Waräger beschränkt, und er endete im östlichen Europa in der Stadtrepublik Nowgorod (50). Der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit ist geprägt durch den Niedergang der selbstständigen und freien Städte und den Aufstieg des absolutistischen Staates sowie durch die Verlagerung der Welthandelsrouten und der Welthandelszentren in Europa, wodurch sowohl der Ostseehandel, als auch der Handel über das Mittelmeer an Bedeutung verloren (51). Eine Folge dieser grundlegenden und radikalen Veränderungen der Verhältnisse war der Niedergang der Hansen und der Niedergang der selbstständigen und freien Hansestädte (52) am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. 
 
Weiter fuhr ich über Västervik und Nyköping nach Stockholm. Die Metropole Stockholm hatte ich zuletzt im Sommer 1988 während meiner erwähnten Rundreise durch die Ostseeregion besucht. In Stockholm unternahm ich eine Stadtrundfahrt, doch für Besuche der zahlreichen Museen fehlte mir die Zeit. Zweifellos müßte man sich auch in der Metropole Stockholm für Stadtexkursionen und Museumsbesuche mehrere Tage aufhalten, was ich später während meiner großen Nordeuropafahrradreise im Jahre 2017 nachholte. 
 
Von Stockholm aus fuhr ich zum Fährhafen Grisslehamn. Von dort gelangte ich per Fähre nach Mariehamn, der Hauptstadt der Åland-Inseln (53). Die Hafenstadt Mariehamm war im Jahre 1861 auf Veranlassung von Kaiser Alexander II. (54) gegründet worden. Die Bevölkerung der Åland-Inseln ist schwedischsprachig, und die Åland-Inseln haben einen sehr weitgehenden Autonomiestatus (55) und Selbstverwaltung (56). Seit der Bildung des Großfürstentums Finnland (57) im Jahre 1809 sind die Åland-Inseln ein Bestandteil von Finnland. Das Großfürstentums Finnland hatte einen weitgehenden Autonomiestatus und Selbstverwaltung, wobei Kaiser Alexander I. (58) das Staatsoberhaupt von drei autonomen Staaten war: vom Kaiserreich Rußland (59), vom Königreich Polen (60) und vom Großfürstentum Finnland. Bei meiner Weiterfahrt auf den Åland-Inseln gelangte ich zur Burg Kastleholm aus dem 12. Jahrhundert und dann zur Ruine der Festung Bromarsund. 
 
Die Festung Bromarsund (61) wurde im Jahre 1854 während des Krimkrieges (62) durch eine britische und französische Flotte zerstört. Der Krimkrieg in den Jahren 1853 bis 1856 wird im Allgemeinen kaum beachtet, doch seine Bedeutung ist erheblich. Er war der größte Krieg zwischen den Napoleonischen Kriegen (63) und dem Ersten Weltkrieg, und schon der Krimkrieg wäre ein Weltkrieg geworden, wenn das Königreich Preußen und das Kaiserreich Österreich-Ungarn im Krimkrieg nicht neutral geblieben wären. Zuvor hatte schon der Siebenjährige Krieg (64) in den Jahren 1756 bis 1763 den Charakter eines Weltkrieges gehabt, da er unter Beteiligung aller europäischen Großmächte weltweit auf mehreren Kontinenten geführt wurde, sodaß sich mit dem Siebenjährigen Krieg das Zeitalter des Imperialismus (65) ankündigte, das in den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts kulminierte. Der Krimkrieg führte zum Ende des Mächtegleichgewichtes der Pentarchie (66) und zum Zerfall der sogenannten „Heiligen Allianz“ (67), was eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, daß später der Erste Weltkrieg entstehen konnte. Während im Krimkrieg das Kaiserreich Rußland isoliert war, sodaß eine Kriegsniederlage unvermeidlich war, waren im Ersten Weltkrieg die Kaiserreiche Deutschland und Österreich-Ungarn isoliert mit den gleichen Folgen (68). 
 
Bei meiner Weiterfahrt auf den Åland-Inseln folgte ich der nördlichen Trasse der Schärenringstraße (69). Mit einer kleinen Seilfähre und über eine schmale Brücke gelangte ich zur Insel Vårdö, auf der ich den Fährhafen Hummelvik erreichte. Die Fähren der Ålandstrafiken-Fährlinien (70) verbinden die verstreut liegenden Åland-Inseln miteinander sowie mit dem finnischen Festland. Vom Fährhafen Hummelvik verkehrt die Nordlinie der Ålandsfähren zum Fährhafen Torsholma auf der Insel Brändö. Die Fährfahrt von Hummelvik nach Torsholma auf der Insel Brändö dauert 2 ½ Stunden, und sie verläuft durch das zwischen den Åland-Inseln und dem finnischen Festland liegenden Schärenmeer (71) mit unzähligen kleinen Inseln. Durch die postglaziale Landhebung (72) verringert sich die Wassertiefe im Bereich des Schärenmeeres um jährlich etwa 0,5 cm. Obwohl es am 20. Juni während meines Aufenthalts auf den Schäreninseln Mittsommertag ist, betrug die Temperatur am Tag nur +10 Grad Celsius und nachts +6 Grad Celsius, und im nördlichen Finnland hatte es sogar geschneit. Immerhin ist es auf den Åland-Inseln am Mittsommertag auch mitten in der Nacht noch hell. Die Fähre legt an den Inseln Kumlinge, Enklinge und Lappo an, bevor der Fährhafen Torsholma erreicht ist. Die Insel Brändö ist eine durch Dämme und Brücken verbundene Inselgruppe, über die eine ca. 23 km lange Straße bis zum Fährhafen Åvo im Norden der Insel führt. Von dort erreiche ich mit einer weiteren Fähre den Fährhafen Oknäs auf einer dem finnischen Festland vorgelagerten Insel. 
 
Meine Fahrt setzte ich zum Ort Kustavi/Gustavs fort, wobei ich den Meeresarm Ströönn mit einer Seilfähre überquerte. Weiter fuhr ich zur Stadt Turku/Åbo (73), die bis zum Jahre 1819 die Hauptstadt Finnlands gewesen ist. Im Jahre 1819 wurde die Hauptstadt Finnlands auf Veranlassung von Kaiser Alexander I. nach Helsinki verlegt. Nach einer Stadtexkursion in Turku/Åbo setzte ich meine Fahrt nach Helsinki fort. Die von mir durchfahrene Landschaft im Südwesten Finnlands ist etwas monoton, in den Niederungen überwiegt Landwirtschaft auf oft großen Feldern, und die Hügel sind meistens bewaldet, wobei Baumarten der Vegetationszone des Borealen Nadelwaldes (74), also Kiefern, Fichten und Birken überwiegen. Doch in den Dörfern wachsen auch Linden, die für die mitteleuropäische Laubmischwaldzone (75) typisch sind. Wir befinden uns hier im Bereich einer markanten Vegetations- und Klimagrenze, für die der Naturforscher Carl von Linné auf Grundlage der Erkenntnisse seiner Forschungsreisen im nördlichen Europa den Begriff „Limes norrlandicus“ (76) geprägt hat. Die Vegetations- und Klimagrenze des „Limes norrlandicus“ verläuft etwa entlang des 61. Breitengrades durch das nördliche Europa, und sie trennt die Zone des Laubmischwaldes im mittleren Europa von der nördlich angrenzenden Zone des Borealen Nadelwaldes. 
 
In Helsinki bin ich zum ersten Mal, und ich nutzte die Gelegenheit, mir diese Stadt anzusehen, um sie näher kennenzulernen. Ein Wahrzeichen von Helsinki ist die beeindruckende Finlandia-Halle, in der in der ersten Hälfte der 70er Jahre die KSZE-Konferenzen stattfanden, die die Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki am 01.08.1975 zum Ergebnis hatten. Dieser KSZE-Prozeß hatte erheblich dazu beigetragen, daß der Ost-West-Konflikt ein Ende finden konnte und wir heute z.B. von Finnland nach Estland reisen können. Bekanntermaßen war die Forderung nach Reisefreiheit ein wesentlicher Moment des Wandels Ende der 80er Jahre, doch heute wird die Reisefreiheit überall wieder erheblich eingeschränkt.
 

5. Geopolitik und die neue Spaltung Europas

Die Finlandia-Halle macht heute einen verwaisten Eindruck, doch aufgrund der jüngsten krisenhaften Entwicklungen in der Ukraine (77) und zuvor in Georgien (78) möchte man sich eine Wiederaufnahme der KSZE-Konferenzen wünschen. Im Rahmen seiner Politik der Perestroika sprach Michail S. Gorbatschow in den 80er Jahren vom „Gemeinsamen Haus Europa“, doch allzu offensichtlich blieben seither Chancen ungenutzt und zudem gab es nach der Epochenwende 1989/90 seither unübersehbar Fehlentwicklungen. 
 
Zwar hatte die KSZE in ihrer Charta von Paris im November 1990 den Ost-West-Konflikt für beendet erklärt, am 1. Juli 1991 wurde der Warschauer Pakt aufgelöst (79) und das sowjetische Militär wurde aus der östlichen Hälfte Europas abgezogen. Auch aus Deutschland wurde das sowjetische Militär im Jahre 1994 vollständig abgezogen. Dieser Abzug des sowjetischen Militärs war im Rahmen des Zwei-plus-Vier-Vertrages (80) bis zum 31. Dezember 1994 vereinbart worden. Jedoch wurde die Zusage, die Nato nicht nach Osten auszuweiten, nicht eingehalten (81). Im Zuge der seit 1989/90 erfolgenden geopolitischen (82) Neuaufteilung globaler Interessen- und Einflußzonen erweitert sich parallel und nahezu zeitgleich mit der NATO (83) die Europäische Union (84) als imperialer Akteur immer weiter, und ein Beitritt zur NATO ist faktisch die Voraussetzung für eine Aufnahme in die EU. In ihrem Buch: Das Ende des Imperiums. Was aus den Staaten der Sowjetunion wurde“ stellen die Autoren Thomas Kunze und Thomas Vogel fest: „Das Denken in Blöcken ist noch nicht überwunden“ (85). 
 
Der ehemalige Umweltminister von Brandenburg, Matthias Platzeck stellt in seinem Buch „Wir brauchen eine neue Ostpolitik. Russland als Partner“ rückblickend fest: „Die Euphorie war groß. Der Geist der Zeit spiegelte sich in der Charta von Paris für ein neues Europa wider, die im November 1990 von den USA, der UDSSR und mehr als dreißig europäischen Staaten unterzeichnet wurde. In der Präambel wurde festgehalten: ‚Das Zeitalter der Konfrontation und der Teilung Europas ist zu Ende gegangen. … Europa befreit sich vom Erbe der Vergangenheit. Durch den Mut von Männern und Frauen … bricht in Europa ein neues Zeitalter der Demokratie, des Friedens und der Einheit an.‘ Der Kampf der Ideologien schien ein für alle Mal beendet, die Frage von Krieg und Frieden in Europa endgültig entschieden. Heute müssen wir feststellen, dass sich die an das Ende des Kalten Krieges geknüpften Hoffnungen nicht erfüllt haben, dass vielmehr die Gräben zwischen Ost und West neu aufgeworfen sind und wir uns wieder als Gegner betrachten. Im Rückblick mutet die Verheißung von damals geradezu blauäugig und naiv an“ (86). 
 
Mittlerweile hat sich Europa vom Sicherheitsverständnis des KSZE-Prozesses verabschiedet. In Europa wird seither "Sicherheit" nicht mehr verstanden als Ergebnis von Völkerverständigung und wechselseitigem Kennenlernen der Menschen, von kulturellem Austausch und der Verwirklichung allgemeiner Reisefreiheit im gesamten Europa, sondern nunmehr sicherheitstechnisch durch Aufrüstungen von Grenzregimen und flächendeckender Überwachung und Kontrolle der Menschen, was sich heute im gesamten Europa feststellen läßt. Mittlerweile begrenzt ein neuer "Eiserner Vorhang" die Reisefreiheit in Europa. Dieser neue "Eiserner Vorhang" verläuft entlang der Außengrenze der EU, und er prägt den Begriff der "Festung Europa", denn seit 1989/90 wird die in der östlichen Hälfte Europas erlangte Reisefreiheit von der EU als Bedrohung aufgefaßt, und durch Aufrüstung des Grenzregimes wird versucht, diese neue gewonnene Reisefreiheit in der östlichen Hälfte Europas zu kontrollieren und zu unterbinden. 
 
Daß bis heute nicht eine Reisefreiheit im gesamten Europa erreicht werden konnte, ist hauptsächlich im Prinzip der Gegenseitigkeit begründet, das bei Einreise- und Visa-Bestimmungen allgemein zur Anwendung kommt. Das Prinzip der Gegenseitigkeit bedeutet, daß Staaten wechselseitig ihren Bürgern visafreies Reisen gewähren. Wie ich feststellen konnte, ist es tatsächlich im östlichen Europa die EU, die schon seit Längerem ein visafreies Reisen in der gesamten östlichen Hälfte Europas verhindert: Vorschläge der Regierung Rußlands zur beiderseitigen Visafreiheit wurden bislang von der EU abgelehnt. Die Intentionen das KSZE-Prozesses werden damit konterkariert. Die Autoren Thomas Kunze und Thomas Vogel stellen in ihrem Buch: Das Ende des Imperiums. Was aus den Staaten der Sowjetunion wurde“ fest: „Trotz jahrelanger Diskussion ist es bis heute nicht gelungen, die Visaschranken zwischen der EU und der Russischen Föderation zu beseitigen“ (87). 
 
Es zeigt sich auch hier, daß sich die westliche Hälfte Europas bequem in ihrer Konsumkultur in der westlichen Hälfte Europas westlich des "Eisernen Vorhangs" eingerichtet hatte, sie wurde von den Ereignissen der Jahre 1989/90 überrascht, und bis heute zeigt die westliche Hälfte Europas wenig Bereitschaft, die spezifischen Besonderheiten in der östlichen Hälfte Europas verstehen und angemessen berücksichtigen zu wollen. Gleichberechtigte Partnerschaft wird nicht angestrebt, vielmehr erklärte der Westen seinen "Sieg im Kalten Krieg", und seither soll sich der Osten dem Westen und dessen westlicher Variante der industriellen Moderne anpassen, obwohl die globalen ökologischen Krisen aufzeigen, daß Alternativen jenseits der industriellen Moderne benötigt werden und entwickelt werden müssen. Ergebnis dieser Ignoranz und Arroganz des Westens ist ein neuer "Eiserner Vorhang", wie wir heute feststellen müssen, und die vom KSZE-Prozeß intendierte Reisefreiheit im gesamten Europa existiert bis heute nicht.
 

6. Nationalismus und Geopolitik

In Europa wird heute die Reisefreiheit, der Austausch und die Entwicklung von Kontakten zwischen den Menschen wieder eingeschränkt. Ethnonationalistische Konflikte nehmen zu, und sie sind die größte Herausforderung für europäische Politik. Der homogene Nationalstaat (88) gilt weiterhin als das anzustrebende Ideal der Politik, und der Nationalismus (89) wird wieder zur Leitideologie Europas (90). Insbesondere in der östlichen Hälfte Europas ist die „Entwicklung einer nationalen Identität“ (91) oberstes Staatsziel der Politik, und immer weniger werden dort Rücksichten auf Minderheitenrechte (92) und Menschenrechte (93) genommen. In seinem Buch: „Friedensprojekt Europa“ stellt der Sozialwissenschaftler und Friedensforscher Dieter Senghaas fest: „Dieser ‚Ethnonationalismus‘ ist erneut zu einem Kernproblem regionaler, nationaler und internationaler Politik geworden“ (94). Die Soziologin Ingrid Oswald verweist in Ihrem Buch: „Nationalitätenkonflikte im östlichen Teil Europas“ darauf, daß die „ethnische Verschachtelung die Bildung von Nationalstaaten von vornherein zu einem äußerst schwierigen, extrem konfliktträchtigen Unterfangen“ (95) macht. Dieser in der östlichen Hälfte Europas seit 1989/90 neu entstandene Nationalismus wird von Welt- und Supermächten im Zuge der seit 1989/90 stattfindenden Neuaufteilung globaler Interessen- und Einflußzonen geopolitisch instrumentalisiert, wie insbesondere die Entwicklungen in der Ukraine zeigen. Der in der Ukraine entstandene ethnonationalistische Konflikt, der mit einer konsequenten Beachtung von Minderheitenrechten (96) und konsequenter Gleichberechtigung (97) vermeidbar gewesen wäre, wird heute zum Schaden der Bevölkerung der Ukraine von Welt- und Supermächten im Zuge der seit 1989/90 stattfindenden Neuaufteilung globaler Interessen- und Einflußzonen geopolitisch instrumentalisiert.
 
Der Nationalismus in der östlichen Hälfte Europas ist heute nicht weniger gefährlich als in der Zwischenkriegszeit (98) zwischen den beiden Weltkriegen, wie die aktuellen Entwicklungen zeigen. Die Entwicklungen im ehemaligen Jugoslawien (99) sind ein mögliches Szenario für die gesamte östliche Hälfte Europas, wenn sich dort ethnonationalistische Konflikte weiter zuspitzen, worauf der Friedens- und Konfliktforscher Johan Galtung (100) in seinem Buch: „Die andere Globalisierung. Perspektiven für eine zivilisierte Weltgesellschaft im 21. Jahrhundert“ hinweist: „das könnte eines Tages zur Makro-Version dessen führen, was wir im relativ kleinen Ausmaß im ehemaligen Jugoslawien erlebt haben“ (101). 
 
Folge der Auflösung der Sowjetunion (102) war, daß in den verschiedenen Nachfolgestaaten große russischsprachige Minderheiten leben. So auch in den baltischen Ländern. In Estland zählt ein Viertel der Bevölkerung zur russischsprachigen Minderheit. In Lettland sind 60 Prozent der insgesamt zwei Millionen Einwohner Lettlands Letten, und die übrigen 40 Prozent der Bevölkerung sind überwiegend Russen, Weißrussen und Ukrainer. Seit der Unabhängigkeit 1991 werden in beiden Ländern insbesondere die russischsprachigen Minderheiten diskriminiert insbesondere durch Sprachpolitik (103) und Staatsangehörigkeitsgesetzgebungen (104). In ihrem Buch: Das Ende des Imperiums. Was aus den Staaten der Sowjetunion wurde“ stellen die Autoren Thomas Kunze und Thomas Vogel fest: „Noch 2015 besitzen die Hälfte der russischen Minderheit in Lettland und ein Viertel aller Russen in Estland keine lettischen oder estnischen Pässe“ (105), und „viele Russen verfügen in Estland wie auch in Lettland nur über einen sogenannten Fremdenpass und haben kein Wahlrecht“ (106). Kunze und Vogel zeigen auf, daß die lettische Regierung keine Zweisprachigkeit in Lettland duldet: „2012 gab es ein Volksbegehren, um Russisch als zweite Amtssprache einzuführen. Es war von Beginn an zum Scheitern verurteilt, die betroffenen staatenlosen Russen, Ukrainer oder Weißrussen waren zur Abstimmung nicht zugelassen. Sie dürfen sich auch um keine öffentlichen Ämter bewerben“ (107), doch es „ist die staatliche Diskriminierung der russischen Minderheit, zumal in einem Land der EU, nicht nachvollziehbar. Bis heute haben weder Estland noch Lettland die Europäische Charta für Regional- und Minderheitensprachen unterzeichnet“ (108) Trotz dieser in der östlichen Hälfte Europas verbreiteten Defizite in den Bereichen Minderheitenrechte, Gleichberechtigung, Partizipation und Demokratie wurden bei der großen EU-Erweiterung im Jahre 2004 zahlreiche Länder der östlichen Hälfte Europas in die EU aufgenommen. 
 
Die Lage der russischsprachigen Minderheiten in der östlichen Hälfte Europas nach der Auflösung der Sowjetunion ähnelt der Lage der deutschsprachigen Minderheiten in den neu entstandenen Nationalstaaten in der östlichen Hälfte Europas nach dem Ersten Weltkrieg; auch diesen deutschsprachigen Minderheiten und weiteren Minderheiten wurden in den nach dem Ersten Weltkrieg neu entstandenen Nationalstaaten in der östlichen Hälfte Europas Minderheitenrechte und eine Gleichberechtigung verweigert, sodaß sich die Nationalitätenkonflikte der Zwischenkriegszeit zu einem großen Krieg zuspitzen konnten. 
 
Minderheitenrechte, Partizipation und Demokratie sowie innovative und zukunftsweisende Konzepte sind heute in EUropa kein relevantes Thema mehr, denn die Europäische Union will sich heute als handlungs-, leistungs- und interventionsfähiger sowie durchsetzungsstarker globaler Akteur im Rahmen der erwarteten zukünftigen geopolitischen Krisen und Konflikte im Weltsystem präsentieren, um erfolgreich mit anderen Welt- und Supermächten geopolitisch konkurrieren zu können, und diese neuen Krisen und Konflikte im Weltsystem haben schon begonnen, wie wir in mehrfacher Weise feststellen müssen. 
 
So hat sich die EU zu einem technokratischen Imperium entwickelt, das zwar den permanent erweiterten europäischen Großwirtschaftsraum effizient verwaltet, in dem es aber an Minderheitenrechten und Gleichberechtigung, an Partizipation und Demokratie sowie an innovativen und zukunftsweisenden Konzepten mangelt. Der Politologe Dirk Jörke zeigt in seinem Buch: „Die Größe der Demokratie. Über die räumliche Dimension von Herrschaft und Partizipation“ auf, daß „ab einer bestimmten Größe der Bevölkerung oder des Staatsgebietes sich die Qualität der Demokratie verschlechtert und in sehr großen Herrschaftsverbänden nur in einem schwachen Sinne von der Existenz demokratischer Institutionen und Praktiken ausgegangen werden kann“ (109). Je mehr sich die Europäische Union als ein technokratisches Imperium erweitert, umso mehr nehmen Partizipation und Demokratie ab und umso mehr wird der Mangel an innovativen und zukunftsweisenden Konzepten größer.
 
In den Medien wird heute das Thema Europa auf „EU“ und „Euro“ reduziert, und es gerät aus dem Blick, daß Europa, wie der Soziologe Ulrich Beck und der Politologe Edgar Grande in ihrem Buch: „Das kosmopolitische Europa“ hervorheben, ein „hochkomplexes und äußerst differenziertes, politisch bewegtes und bewegliches politisches Projekt“ ist, das sich aus einer Vielzahl unterschiedlicher miteinander in Wechselwirkung stehenden politischen Prozessen, Ebenen und Akteuren zusammensetzt, die in ihrer interdependenten Gesamtheit das europäische Projekt ausmachen (110). Dies läuft auf eine Förderung einer Multiebenendiversität des Politischen im Rahmen eines Mehrebenensystems einer dezentrierten Weltgesellschaft hinaus. In seinem Buch: „Der gespaltene Westen“ skizziert der Philosoph Jürgen Habermas ein Mehrebenensystem einer „Weltinnenpolitik ohne Weltregierung“: „Im Lichte der Kantschen Idee kann man sich eine politische Verfassung einer dezentrierten Weltgesellschaft, ausgehend von den heute bestehenden Strukturen, als ein Mehrebenensystem vorstellen, dem im Ganzen der staatliche Charakter aus guten Gründen fehlt“ (111). Es könnte somit in Europa ein völlig neues Modell von Politik entstehen, das sich von historisch überholten Politikformen verabschiedet, deren Scheitern in Anbetracht des extremen 20. Jahrhunderts unübersehbar geworden ist. 
 
Aufgrund des Fortbestandes wesentlicher, für das extreme 20. Jahrhundert typischer Merkmale (112) hält das extreme 20. Jahrhundert jedoch bis heute weiter an, und es erfährt seine technologische Modernisierung im digitaltechnischen Zeitalter. Nach der Epochenwende 1989/90 erfolgt eine Neuaufteilung globaler Interessen- und Einflußzonen. Es ist eine neue Zuspitzung von globalen Gegensätzen zwischen Großmächten (113), Weltmächten (114) und Supermächten (115), zwischen imperialen Machtblöcken feststellbar, vergleichbar mit dem Zeitalter des Imperialismus, das in zwei Weltkriegen gipfelte, und es findet gerade ein „Wettlauf“ (scramble) (116) um eine Neuverteilung raumrelevanter Interessen- und Einflußzonen zur zukünftigen Absicherung von Herrschaftsansprüchen statt. Im diesem neuen Zeitalter imperialer Geopolitik und Machtpolitik ist wissenschaftlich-technischer Fortschritt, die auf Hochtouren laufende und effizienzmaximierte Industriegesellschaft und permanentes Wirtschaftswachstum alternativlos, denn nur diese sind die Grundlage für erfolgreiche geoimperiale Machtpolitik, wie das Zeitalter des Imperialismus zeigt, das in zwei Weltkriegen kulminierte. Erfolgreiche geoimperiale Machtpolitik kann nur betrieben werden, wenn Alternativen erfolgreich unterdrückt werden, und der geoimperiale Akteur, der erfolgreicher und effizienter Alternativen unterdrückt, ist im Rahmen der geoimperialen Konkurrenz im Vorteil. Alternativen sind erst wieder möglich, wenn ein vollständiger Bruch mit dem extremen 20. Jahrhundert und eine vollständige Revision (117) der dieses extreme 20. Jahrhundert ermöglichenden Ideen und Konzepte erfolgt ist und auch tatsächlich grundsätzlich anders und auf anderen Grundlagen Politik gemacht wird. 
 
So mangelt es an zukunftsweisenden Alternativen, und ein Wechsel der Agenda (118) steht noch aus, sodaß der Friedens- und Konfliktforscher Johan Galtung in seinem Text: „Geopolitik nach dem Kalten Krieg: ein Essay zur Agendatheorie“ zu der Schlußfolgerung gelangt, „daß die politische Klasse dieser Erde ein momentanes geopolitisches Agendavakuum mit unvollendeten Agenden der Vergangenheit füllt (…). Die politische Klasse hat nicht umgedacht, und das liegt nur teilweise daran, daß sie keine Zeit für kreative Aktivitäten hatte“ (119). Noch erfolgte kein vollständiger historischer Bruch mit dem extremen 20. Jahrhundert und es erfolgte keine vollständige Revision der dieses extreme 20. Jahrhundert ermöglichenden Ideen und Konzepte, da wesentliche, das extreme 20. Jahrhundert prägende und konstituierende Merkmale fortbestehen, sodaß sich das extreme 20. Jahrhundert heute digitaltechnisch modernisiert ins 21. Jahrhundert verlängert und die abschließende Historisierung des extremen 20. Jahrhunderts durch den Historiker Eric Hobsbawm (1917–2012) als „Das Zeitalter der Extreme“ (120) zu früh erfolgt ist. Wie die auch nach der vermeintlichen Epochenwende 1989/90 fortbestehenden Krisen, Konflikte und Kriege zeigen, setzt sich das extreme 20. Jahrhundert als „Zeitalter der Extreme“ vielmehr im 21. Jahrhundert weiter fort, da wesentliche das extreme 20. Jahrhundert prägende Merkmale weiter fortbestehen, diese sich einem historischen Bruch verweigern und ihre Kontinuität ins 21. Jahrhundert verlängern. Nach dem Zeitalter der Bipolarität und der Blockkonfrontation bestand zu Beginn der 90er Jahre tatsächlich die Hoffnung, daß ein neues globales Zeitalter des Friedens, der Kooperation und der Entwicklung anbrechen würde, was sich jedoch als Illusion erwies, wie wir heute feststellen müssen.
 

7. Von Finnland durch Estland nach Lettland 

Von Helsinki fuhr ich per Fähre über den Finnischen Meerbusen nach Tallinn/Reval (121) in Estland. Die historische Altstadt der ehemaligen Hansestadt Tallinn/Reval ist seit 1997 Unesco-Weltkulturerbe. Die mittelalterliche Altstadt ist mitsamt der Stadtmauer und zahlreichen Türmen nahezu vollständig erhalten, was im heutigen Europa nach den Kriegszerstörungen des Zweiten Weltkrieges und den Zerstörungen durch mehrere Jahrzehnte autogerechter Stadtplanung eine außerordentliche Seltenheit ist. Tallinn/Reval wird von erheblich mehr Touristen besucht als Helsinki. 
 
Die Stadt Tallinn/Reval verließ ich Richtung Südosten. Ich gelangte auf eine kleine, verkehrsarme Landstraße, wobei ich durch die Orte Loo, Kostivere und Raasiku gelange. Nun ging es weiter auf Schotterstraßen zum Ort Kehra. Anders als bei den schwedischen und norwegischen Schotterstraßen ist die Oberfläche der estländischen Schotterstraßen nicht gewalzt und glatt, sondern von grobem Kies bedeckt, was das Radfahren erschwert und verlangsamt und zudem wenig materialschonend ist. Beim Ort Aegviidu gelangte ich auf die Landstraße 39, auf der ich Richtung Tartu/Dorpat weiterfahre. Anders als die von mir in Schweden und Finnland durchfahrene, meist hügelige Landschaft, ist die Landschaft in Estland überwiegend sehr flach bis leicht wellig, was das Radfahren zwar erleichtert, allerdings nur wenig landschaftliche Abwechslung bietet. Ich gelangte durch eine Agrarlandschaft, die von flurbereinigten Großflächen der vor 1989 betriebenen industriellen Landwirtschaft geprägt ist. 
 
Dann erreichte ich die Universitätsstadt Tartu/Dorpat. Die Universität (122) von Tartu/Dorpat wurde im Jahre 1632 gegründet, und sie ist eine der ältesten und bedeutendsten Universitäten im nördlichen Europa. Meine Fahrt setze ich Richtung Südwesten fort, und ich erreiche die an der Grenze zu Lettland gelegene „Doppelstadt“ Valga (123) /Valka (124). Tatsächlich handelt es sich auch bei dieser „Doppelstadt“ um eine einzige historisch gewachsene Stadt, die im Jahre 1286 mit dem Namen Walk (125) erstmals schriftlich erwähnt worden ist, und der Stadtname Walk wurde bis 1920 verwendet. Allerdings wurde die Stadt Walk im Zeitalter des Nationalismus in der späten Neuzeit im Jahre 1920 von einer Staatsgrenze in zwei Teile geteilt. Heute verläuft mitten durch die Stadt Valga/Valka die Grenze zwischen Estland und Lettland. Derartige Teilungen von Städten sind ein weit verbreitetes Phänomen der Neuzeit und sie ereigneten sich insbesondere im Zeitalter des Nationalismus und der Herausbildung von Nationalstaaten. Immer wieder gelangte ich bei meinen Fahrradreisen in Europa durch zahlreiche dieser eigenartigen „Doppelstädte“ (126), die es im heutigen Europa in großer Zahl gibt. Insbesondere interessiert mich an diesen „Doppelstädten“ die jeweilige Teilungssituation, sodaß ich stets beide Teile einer „Doppelstadt“ besuche. Diese geteilten Städte können auch als Ausdruck des Niedergangs der Städte seit dem Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit angesehen werden, und sie sind somit ein Ausdruck der in der Neuzeit erlangten Dominanz des zentralistischen absolutistischen Staates über die zuvor weitgehend selbstständigen und freien Städte. Bis heute haben die Städte ihre frühere Bedeutung und Selbstständigkeit nicht wieder erlangt, und sie sind weiterhin ein Spielball der von Nationalstaaten zur Machtbehauptung der Nation betriebenen Machtpolitik. 
 
Meine Fahrradreise setze ich im Tal des Flusses Gauja fort, wobei ich durch die Städte Valmira und Cēsis gelange, und dann die ehemalige Hansestadt Riga (127) erreiche. Weiter fahre ich zur Hafenstadt Liepāja/Libau, von wo aus ich mit der Fähre „Urd“ über die südliche Ostsee nach Travemünde fahre. Von Travemünde fahre ich am 04.07.2014 per Regionalbahn zurück nach Berlin, wo meine Fahrradreise durch die mittlere Ostseeregion endet. Tatsächlich ist es jedoch mehr eine Reiseunterbrechung, denn weitere Fahrradreisen sind erforderlich, um die gesamte Ostseeregion als eine geographische und historische Einheit kennenzulernen. 
 

8. Anmerkungen:

1) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ostsee

2) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelmeer
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelmeerraum

3) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vergleich_(Philosophie)
Die Methode des Vergleichs ersetzt sowohl in der Geographie als auch in der Geschichtswissenschaft sowie weiteren Geistes- und Gesellschaftswissenschaften die Methode des Experiments in den Naturwissenschaften. In der Geographie wurde die Methode des Vergleichs insbesondere durch Alexander von Humboldt (1769-1859) eingeführt und angewandt.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_von_Humboldt

4) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturgeographie

5) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Dominium_maris_baltici
Des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Dominium_maris_septentrionalis

6) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Imperium_romanum

7) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Expansion#Arabische_Eroberung_des_römischen_Orients
Da es sich um eine arabische Expansion handelt, die ein arabisches Imperium schuf, ist es ungeeignet und irreführend, diese als eine „islamische Expansion“ zu bezeichnen, wie es auf Wikipedia erfolgt. Zum Vergleich wird von einer mongolischen Expansion
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/13._Jahrhundert#Die_mongolische_Expansion
gesprochen, die ein Mongolisches Imperium
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mongolisches_Reich
zur Folge hatte.

8) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Osmanisches_Reich
Das Osmanische Imperium kann als eine orientalische Despotie angesehen werden. Als einer orientalischen Despotie unterscheidet sich das Osmanische Imperium grundsätzlich zum im Zeitalter des Hellenismus
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hellenismus
durch Alexander III. von Makedonien (= Alexander der Große) (356-323 v. Chr.)
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_der_Große
geschaffene kosmopolitische Alexanderreich
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alexanderreich
in dem er im Jahre 324 Gleichbehandlung und Gleichberechtigung sämtlicher Einwohner verkündet hatte.

9) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Physische_Geographie

10) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Eiszeitalter
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Känozoisches_Eiszeitalter
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Letzte_Kaltzeit

11) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Glaziale_Serie

12) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Eiserner_Vorhang

13) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Reisefreiheit
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Freizügigkeit

14) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/KSZE
Der KSZE-Prozeß ist dokumentiert in: Europäische Menschenrechtsdokumente und der KSZE-Prozeß. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.): Menschenrechte. Dokumente und Deklarationen. Bonn, 1995. S. 219-457. Wenn man heute die Dokumente des gesamten KSZE-Prozesses noch einmal liest, wird deutlich, wie erheblich die heutige Politik in Europa vom KSZE-Prozeß und dessen Intentionen abgewichen ist. Die Beendigung des KSZE-Prozesses Mitte der 90er Jahre korreliert signifikant mit der Zunahme von Krisen, Konflikten und Kriegen in Europa, die wir seither feststellen müssen.

15) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Perestroika
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Perestroika_verstehen_-_Neues_Denken_verteidigen
Des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Zerfall_der_Sowjetunion#Reformpolitik_Gorbatschows_und_die_Folgen

16) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Michail_Sergejewitsch_Gorbatschow

17) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ost-West-Konflikt
Unzulässigerweise wird der Begriff „Ost-West-Konflikt“ und der Begriff „Kalter Krieg“ bei Wikipedia synonym gebraucht. Dies ist Ausdruck eines weitverbreitenen eingeschränkten Geschichtsbewußtseins
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsbewusstsein
und eines eingeschränkten Geschichtsbildes,
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsbild
das insbesondere eine piefige Berliner Mauergesellschaft prägt, bei der der Horizont des Geschichtsraumes
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsraum
und des Weltbildes
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltbild
an der Berliner Mauer endet, und der es nicht gelingt, den begrenzten Blick und die beschränkte Perspektive über Berlin im „Kalten Krieg“ hinaus zu erweitern.

Während der Begriff „Kalter Krieg“ auf den historischen Zeitabschnitt der Blockkonfrontation und der Bipolarität des Staatensystems zwischen der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs und den Ereignissen 1989/90 beschränkt und begrenzt ist, ist der Begriff „Ost-West- Konflikt“ hingegen weit umfassender: Der „Ost-West-Konflikt“ ist in Form des „Ost-West-Gegensatzes“ ein Narrativ, das die gesamte europäische Geschichte seit ihren Anfängen bestimmt und gestaltet; dieses Narrativ wird immer wieder neu reproduziert, und es erscheint in immer wieder neuer Gestalt. Schon bei den alten Griechen gab es einen Ost-West-Gegensatz zwischen der Welt des antiken Griechenlands
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Antikes_Griechenland
und dem Persischen Imperium
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Perserreich
als der Orientalischen Despotie. Der Ost-West Gegensatz in Europa fand eine Neuauflage mit der Aufteilung des Imperium Romanum
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsteilung_von_395
in einen lateinischen weströmischen Teil und einen von griechischer Kultur dominierten oströmischen Teil, der in der Aufteilung der christlichen Kirche in einen lateinischen römisch-katholischen und einen griechisch-orthodoxen Teil seine Entsprechung findet:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Morgenländisches_Schisma
Aus diesem Gegensatz wurde der Gegensatz zwischen Abendland
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Abendland
und Morgenland. Diese Spaltung wurde durch die Eroberungen der Mongolen und der Osmanen vertieft. Der Historiker Dittmar Dahlmann stellt fest: „Was einst als der Norden Europas verstanden wurde, wandelte sich mit der Aufklärung und verstärkt im Laufe des 19. Jahrhunderts zum Osten Europas, wobei der Osten mit der Barbarei identifiziert wurde, während der Westen sich im Selbstverständnis als Hort der Zivilisation begriff. Die Grundlage dafür ist in einer Verschiebung des europäischen Zentrums vom Süden zum Westen hin zu sehen. Der Osten löste den bis dahin barbarischen Norden ab.“ Siehe: Dittmar Dahlmann: Osteuropäische Geschichte. S. 211. In: Christoph Cornelißen (Hg.): Geschichtswissenschaften. Eine Einführung. Frankfurt am Main, 2000. S. 206-220.

Dieses Narrativ des „Ost-West-Gegensatzes“ ist offensichtlich mittlerweile durch jahrtausendelange Einübung so mächtig geworden, sodaß seine Überwindung und Ablösung nicht gelingt, was am Beispiel der Entwicklungen seit 1989/90 aufgezeigt werden kann, denn entgegen ersten Hoffnungen auf ein endgültiges Ende des Ost-West-Konflikts und ein neues Zeitalter des Friedens und der Kooperation befindet sich Europa heute faktisch wieder in einem neuen „Kalten Krieg“, und die Welt ist von neuen Konflikten und Kriegen geprägt. Die USA und China zeichnen sich als die Hauptakteure eines globalen Ost-West-Konflikts der Zukunft ab.

18) Vgl.:  https://de.wikipedia.org/wiki/Entspannungspolitik
Sowie: Gottfried Niedhart: Entspannung in Europa. Die Bundesrepublik Deutschland und der Warschauer Pakt 1966 bis 1975. Bonn, 2014.
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Wandel_durch_Annäherung

19) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Charta_von_Paris

20) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ostseeküsten-Route_(EV10)
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/EuroVelo

21) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Öland

22) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ölandbrücke

23) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Autogerechte_Stadt

24) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Strukturelle_Gewalt

25) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Visby

26) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gotland

27) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_von_Linné#Reise_durch_Öland_und_Gotland

28) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wikinger
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Wikingerzeit

29) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ostseehandel

30) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rus_(Volk)

31) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Waräger

32) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wikingerschiff
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Wikingerschiffbau
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Wikingerschiffbaus

33) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weg_von_den_Warägern_zu_den_Griechen
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Bernsteinstraße

34) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltstadt

35) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Konstantinopel

36) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Warägergarde

37) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Byzantinisches_Reich

38) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Staraja_Ladoga

39) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weliki_Nowgorod

40) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rjurik

41) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Oleg_(Kiewer_Rus)

42) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kiew#Mittelalterliche_Blütezeit

43) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kiewer_Rus
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Rus

44) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wikingerzeit#Handel

45) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Waräger#In_Arabien_und_Asien

46) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hanse#Gotländische_Genossenschaft
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Visby#Anfänge_der_Geschichte_der_deutschen_Gotlandfahrer
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Ostseehandel#Aufstieg_der_Hanse_im_Ostseeraum_(1150-1250)

47) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hanse

48) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gilde_(Berufsverband)
Gilden müssen von Zünften unterschieden werden, was oft nicht korrekt erfolgt. Gilden können als eine Assoziation freier und gleichberechtigter Individuen zu einem bestimmten, vertraglich vereinbarten Zweck angesehen werden, ähnlich Genossenschaften und Bruderschaften. Dieses Konzept der Gilde ist eine das gesamte Mittelalter prägende und gestaltende Form gesellschaftlicher Selbstorganisation von unten. Ein Beispiel von Gilden sind die Fahrtgemeinschaften sowohl der Wikinger als auch der Hansen.

Ausführlich dargestellt ist die Bedeutung und Rolle der Gilden und der freien Städte im Mittelalter im fünften und sechsten Kapitel „Gegenseitige Hilfe in der Stadt des Mittelalters“ des im Jahre 1902 erschienenen Werks: „Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt“ des Geografen Peter A. Kropotkin (1842-1921):
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Pjotr_Alexejewitsch_Kropotkin
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Gegenseitige_Hilfe_in_der_Tier-_und_Menschenwelt

Kropotkin hebt die Besonderheiten der freien Städte des Mittelalters hervor: „Freiheit, Selbstverwaltung und Frieden zu gewährleisten, war das Hauptziel der Stadt des Mittelalters“. Die Stadt des Mittelalters war „ein Versuch, (…) einen engen Verband zu gegenseitiger Hilfe und Beistand zu organisieren, für Konsum und Produktion und für das gesamte soziale Leben, ohne den Menschen die Fesseln des Staates aufzulegen, sondern unter völliger Wahrung der Freiheit für die Äußerungen des schöpferischen Geistes einer jeden besonderen Gruppe von Individuen in der Kunst, dem Handwerk, der Wissenschaft, dem Handel und der politischen Organisation“. Die Stadt des Mittelalters war „eine befestigte Oase inmitten eines Landes, das unter dem Feudaljoch lebte“. Kropotkin stellt fest: “Die mittelalterlichen Städte haben ohne Zweifel der europäischen Zivilisation einen außerordentlichen Dienst erwiesen. Sie haben sie davor bewahrt, den Theokratien und despotischen Staaten der Vorzeit zu verfallen“ und „der Verlust, den Europa durch den Untergang seiner freien Städte erlitt, kann nur verstanden werden, wenn wir das 17. Jahrhundert mit dem 14. oder 13. vergleichen“. Siehe: Peter A. Kropotkin: Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt (1902). Frankfurt am Main, 2011. S. 150, S. 154, S. 164, S. 174 und S. 170.

Am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit erfolgte ein Niedergang der Städte, und im Zeitalter des Absolutismus
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Absolutismus
wird der absolutistisch regierte Staat allgemeiner Standard. Als einziger Ausnahme in Europa ist nur in der Schweiz allen modernen Tendenzen zur Zentralisierung, die sich seit dem Zeitalter des Absolutismus ereignen, erfolgreich widerstanden worden. Neben dem Konzept der Willensnation gründet das Modell der Schweiz auf einer Tradition kommunaler Selbstverwaltung, genossenschaftlicher Selbstorganisation und direkter Demokratie, und diese Tradition hat ihren Ursprung im Mittelalter, wo sie weit verbreitet war, doch sie ist heute nirgendwo sonst noch erhalten.

Mit seinem im Jahre 1902 erschienenen Buch „Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt“ hat sich der Geograf Peter A. Kropotkin dem von Konkurrenz und „Kampf ums Dasein“ geprägten sozialdarwinistischen Mainstream seines Zeitalters, dem Zeitalter des Imperialismus, widersetzt und den Aspekt der Kooperation als Prinzip der Evolution und darüber hinaus der Menschheitsgeschichte hervorgehoben. Kropotkin hat sich den Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis seiner Zeit in nahezu allen wissenschaftlichen Disziplinen erarbeitet, und auf dieser Grundlage setzt er dem sozialdarwinistischen Mainstream seines Zeitalters, dem Zeitalter des Imperialismus, eine wissenschaftlich fundierte und umfassend begründete alternative Sichtweise entgegen: Nicht Konkurrenz, sondern Kooperation ist das wesentliche Prinzip sowohl in der Evolution, als auch in der Menschheitsgeschichte.

49) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kogge

50) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weliki_Nowgorod#Handel_mit_Gotländern_und_Hanse
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Republik_Nowgorod
Die Republik Nowgorod und weitere Stadtrepubliken und Fürstentümer im östlichen Europa wurden in der frühen Neuzeit vom expandierenden Zarentum Rußland
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zarentum_Russland
erobert. Das Zarentum Rußland konnte sich zu einem der flächengrößten Imperien ausdehnen, indem es das nach dem Ende des Mongolischen Imperiums entstandene Machtvakuum im östlichen Europa und im nördlichen Asien ausfüllte. Das Zarentum Rußland kann als eine despotische Form des Absolutismus mit dem Charakter einer Orientalischen Despotie angesehen werden, in der zeitweise terroristische Formen der Herrschaftsausübung praktiziert wurden. Zar Ivan IV. (= Ivan der Schreckliche) (1530-1584)
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Iwan_IV._(Russland)
schuf zum Zweck terroristischer Herrschaftsausübung die Garde der Opritschniki, die am 06.01.1570 die Bevölkerung der Stadtrepublik Nowgorod massakrierte. Das Ende der Stadtrepublik Nowgorod ist ein markantes Beispiel für den Niedergang der selbstständigen und freien Städte am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, der sich im gesamten Europa ereignete, und des Aufstiegs des absolutistischen Staates, hier: in Gestalt des zaristischen Imperiums. Die Kaiser Peter I. (1672-1725), Elisabeth I. (1709-1762), Peter III. (1728-1762), Katharina II. (1729-1796), Alexander I. (1777-1825) und Alexander II (1818-1881) bemühten sich letztlich erfolglos um Reformen in diesem entstandenen Imperium. Bis heute haben die Städte ihre frühere Bedeutung und Unabhängigkeit nicht wieder erlangt. Die von Zar Ivan IV. (= Ivan der Schreckliche) begründete despotische und terroristische Herrschaftspraxis kulminiert letztendlich in der Herrschaft Stalins.

51) Die Eroberung von Konstantinopel im Jahre 1453 gilt als ein Markstein der Epochenwende vom Mittelalter zur Neuzeit, und die Folgen waren weitreichend. Sie unterbrach weitgehend die seit der Antike bestehenden Fernhandelsverbindungen zwischen Europa und Asien, die durch das Mittelmeer und das Schwarze Meer verliefen und die mit den transkontinentalen Fernhandelsrouten in Asien, wie insbesondere der Seidenstraße verbunden waren:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Seidenstraße
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Indienhandel
Des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Römisch-indische_Beziehungen

Diese Unterbrechung der transkontinentalen Fernhandelsverbindungen in Eurasien förderte die Suche nach alternativen Seehandelsrouten nach Südasien und Südost-Asien über den Atlantischen und den Indischen Ozean, wobei u.a. der Kontinent Amerika entdeckt wurde. Der Handel über das Mittelmeer verlor an Bedeutung, und ebenso die bislang dominierenden Fernhandelszentren in der Mittelmeerregion, wie z.B. Venedig und Genua. Diese wurden von neuen Fernhandelszentren in der südlichen Nordseeregion abgelöst, wie Amsterdam, Antwerpen und London, in denen der Fernhandel über Handelskompanien
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Handelskompanie
betrieben wurde, die von den absolutistisch regierenden Fürsten mit weitgehenden Privilegien und Vollmachten ausgestattet waren, einschließlich des Rechts zur Eroberung und quasi-staatlichen Verwaltung von Kolonien in Übersee. Die Fürsten im Zeitalter des Absolutismus waren zum Zweck ihrer Machtentfaltung und Machtausweitung nach innen und außen bestrebt, ihre Einnahmen mithilfe einer merkantilistischen Wirtschaftspolitik
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Merkantilismus
zu steigern, deren Bestandteil die Gründung von Fernhandelskompanien war. Die Fernhandelskompanien waren Aktiengesellschften, womit sich diese von den Fahrtgemeinschaften der Hansen grundsätzlich unterscheiden, die nach dem Prinzip der Gilde organisiert waren. Herausragende Beispiele dieser Handelskompanien sind die Britische Ostindien-Kompanie (EIC)
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Britische_Ostindien-Kompanie
die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC)
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Niederländische_Ostindien-Kompanie
und die französische Ostindien-Kompanie
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Französische_Ostindienkompanie

52) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hansestadt

53) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Åland

54) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_II._(Russland)
Kaiser Alexander II. leitete im Kaiserreich Rußland umfangreiche Reformen ein:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Große_Reformen
Diese Reformpolitik fand mit dem tödlichen Attentat im Jahre 1881 einen Abbruch. Von seinen Nachfolgern wurden fortan Reformen gemieden, sodaß sich die Verhältnisse in Rußland zuspitzten, wodurch die Revolutionen in den Jahren 1905 und 1917 möglich wurden, die bei einer Fortsetzung der Reformpolitik nicht erfolgt wären.

Dies ist eine Frage kontrafaktischer Geschichte:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kontrafaktische_Geschichte
Kontrafaktische Geschichte ist notwendiger Bestandteil von Geschichtswissenschaft, die mehr sein will als Geschichtsschreibung, die den gegenwärtigen Zustand als das determinierte und alternativlose Ergebnis des historischen Prozesses darstellt. Es gilt, die im historischen Prozeß angelegten möglichen Entwicklungspfade herauszupräparieren, und zu analysieren und gut und umfassend zu begründen, warum der eine Entwicklungspfad zur Ausprägung gelangte, und nicht andere, ebenso im historischen Prozeß angelegte und gleichermaßen mögliche Entwicklungspfade. Dieses bildet eine Grundlage, um die Methode des Vergleichs in der Geschichtswissenschaft erfolgreich anwenden zu können. Die Methode des Vergleichs ersetzt sowohl in der Geschichtswissenschaft als auch in der Geographie sowie weiteren Geistes- und Gesellschaftswissenschaften die Methode des Experiments in den Naturwissenschaften.

Mit Attentaten wird Weltpolitik gemacht, wie auch das Beispiel des tödlichen Attentats von Sarajewo
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Attentat_von_Sarajevo
am 28.06.1914 auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand von Österreich-Este zeigt, das den Ersten Weltkrieg auslöste. Von den feststellbaren Folgen muß man auf die Absichten der Auftraggeber der Täter schließen, denn nichts in der Geschichte geschieht zufällig.

55) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Autonomie_(Politikwissenschaft)

56) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Åland#Selbstverwaltung

57) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Großfürstentum_Finnland

58) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_I._(Russland)

59) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Russisches_Kaiserreich

60) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kongresspolen

61) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bomarsund

62) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Krimkrieg

63) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Napoleonische_Kriege

64) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Siebenjähriger_Krieg

65) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Imperialismus

66) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Pentarchie_(Europa)

67) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Heilige_Allianz

68) Dies verweist auf die Rolle, die Bedeutung und den Erfolg von Geheimdiplomatie:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geheimdiplomatie
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Geheimvertrag

69)Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Schärenringstraße

70) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ålandstrafiken
Sowie: https://www.alandstrafiken.ax/

71) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Schärenmeer

72) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Postglaziale_Landhebung

73) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Turku

74) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Borealer_Nadelwald

75) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Külgemäßigte_Klimazone#Laubmischwaldklimate

76) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Limes_norrlandicus

77) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Ukraine_(seit_1991)

78) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kaukasuskrieg_2008

79) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Warschauer_Pakt#Auflösung

80) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zwei-plus-Vier-Vertrag
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufenthalts-_und_Abzugsvertrag

81) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/NATO-Osterweiterung#Kontroversen

82) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geopolitik

83) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/NATO-Erweiterung
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/NATO-Osterweiterung

84) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erweiterung_der_Europäischen_Union

85) Siehe: Thomas Kunze, Thomas Vogel: Das Ende des Imperiums. Was aus den Staaten der Sowjetunion wurde. Bonn, 2016. S. 109.

86) Siehe: Matthias Platzeck: Wir brauchen eine neue Ostpolitik. Russland als Partner. Berlin, 2020. S. 46-47.

87) Siehe: Thomas Kunze, Thomas Vogel: Das Ende des Imperiums. Was aus den Staaten der Sowjetunion wurde. Bonn, 2016. S. 80.

88) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalstaat

89) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalismus

90) Vgl. hierzu meinen Text: Der moderne Nationalismus als eine politische Religion – Über die Konstruktion der Nation im Zeitalter des modernen Nationalismus.

91) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationale_Identität

92) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Minderheitenrechte

93) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Menschenrechte

94) Siehe: Dieter Senghaas: Friedensprojekt Europa. Frankfurt am Main, 1992. S. 116. Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts und der Blockkonfrontation fragt Senghaas nach einer neuen konstruktiven Politik der aktiven Friedensgestaltung, die die Perspektive einer gesamteuropäischen Friedensordnung entfaltet. Diskutiert werden neue, jetzt erforderliche Instrumentarien der Konfliktregelung und erforderliche Änderungen in der internationalen Politik mit Blick auf die weitere Zivilisierung von Politik.

95) Siehe: Ingrid Oswald: Nationalitätenkonflikte im östlichen Teil Europas. Berlin, 1993. S. 8. Die Autorin stellt die Vielfalt der ethnonationalistischen Konflikte in den einzelnen Ländern des östlichen Europas dar, die infolge der Auflösungsprozesse ab 1990 entstanden sind. Während die Staaten in der westlichen Hälfte Europas zusammenstreben und Souveränitätsrechte abgeben, ist mit der Rückkehr des Nationalismus in der östlichen Hälfte Europas der entgegengesetzte Prozeß in Gang gekommen.

96) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Minderheitenschutz

97) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ukrainisierung
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Russische_Sprache_in_der_Ukraine

98) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Dreißigjähriger_Krieg#Bewaffnete_Auseinandersetzungen_der_Zwischenkriegszeit
sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Zwischenkriegszeit#Bewaffnete_Auseinandersetzungen

99) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Jugoslawienkriege

100) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Johan_Galtung

101) Siehe: Johan Galtung: Die andere Globalisierung. Perspektiven für eine zivilisierte Weltgesellschaft im 21. Jahrhundert. Münster, 1998. S. 80.

102) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zerfall_der_Sowjetunion

103) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachpolitik

104) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Staatenloser#Auflösung_der_Sowjetunion
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Nichtbürger_(Lettland)
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Estland#Russische_Minderheit

105) Siehe: Thomas Kunze, Thomas Vogel: Das Ende des Imperiums. Was aus den Staaten der Sowjetunion wurde. Bonn, 2016. S. 66.

106) Siehe: Ebenda. S. 107.

107) Siehe: Ebenda. S. 96.

108) Siehe: Ebenda. S. 107.
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Europäische_Charta_der_Regional-_oder_Minderheitensprachen
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Minderheitenschutz#Europäische_Charta_der_regionalen_oder_Minderheitensprachen

109) Siehe: Dirk Jörke: Die Größe der Demokratie. Über die räumliche Dimension von Herrschaft und Partizipation. Berlin, 2019. S. 20.

110) Siehe: Ulrich Beck, Edgar Grande: Das kosmopolitische Europa. Frankfurt am Main, 2004. S. 23.

111) Siehe: Jürgen Habermas: Der gespaltene Westen. 2004, Frankfurt am Main. S. 134.

112) Als charakteristische Elemente, die das 20. Jahrhundert in seiner gesamten historischen Tiefe und geografischen Breite als ein extremes Jahrhundert mit Alleinstellungsmerkmal charakterisieren und prägen können aufgeführt werden: Die Ethnische Säuberung, die Totale Institution des Lagers als die Totale Institution zur zweckrationalen Verwaltung von Menschenmassen in ihren verschiedenen Erscheinungsformen, der Ausnahmezustand, der Doppelstaat, die totale Mobilmachung, der totale industrielle Krieg, und weitere. Als charakteristische und prägende Elemente haben sie den Gehalt von analytischen Kategorien, die deshalb im Zentrum einer jeden Analyse zum extremen 20. Jahrhundert stehen müssen.

113) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Großmacht

114) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltmacht

115) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Supermacht

116) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wettlauf_um_Afrika

117) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Revisionismus

118) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Agenda_Setting

119) Siehe: Johan Galtung: Geopolitik nach dem Kalten Krieg: ein Essay zur Agendatheorie. S. 143 und 145. In: Derselbe: Die andere Globalisierung. Perspektiven für eine zivilisierte Weltgesellschaft im 21. Jahrhundert. Münster, 1998. S. 125-145.

120) Vgl.: Eric Hobsbawm: Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. München, 1995.

121) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tallinn

122) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Universität_Tartu

123) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Valga_(Valga)

124) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Valka

125) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Walk_(Stadt)

126) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_geteilter_Orte

127) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Riga

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Fahrradreise mittlere Ostseeregion - Ein Reiseerlebnisbericht. Textversion 02.
Mein Reiseerlebnisbericht kann mit zahlreichen Fotos auf meiner Internetseite aufgerufen werden:
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Dort kann zudem mein Reiseerlebnisbericht im PDF-Format herunter geladen werden. 
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Manfred SUCHAN
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Blick über die ehemalige Hansestadt Tallinn/Reval am 26.06.2014 während meiner Fahrradreise durch die mittlere Ostseeregion im Frühsommer 2014. 

Blick hinab in das Nypsan-Tal beim Ort Vopnafjördur im Nordosten der Insel Island am 19.07.2012 während meiner Fahrradreise im Sommer 2012. 

Fahrradreise Island 

 
Erlebnisse einer Nordeuropa-Reise im Jahre 2012 

 
von Manfred Suchan 

 
 Vom 01.07.2012 bis zum 02.10.2012 unternahm ich eine Fahrradreise mit Zelt durch Teile des nordwestlichen Europas. Im Rahmen dieser Fahrradreise besuchte ich die Insel Island, die Färöer-Inseln, Teile des südlichen Norwegens, einen kleinen Teil des südwestlichen Schwedens, sowie Jütland in Dänemark. 
 
Im Zentrum meiner Fahrradreise stand die im Nordatlantik gelegene Insel Island (1). Island hat eine Gesamtfläche von rd. 103.100 qkm. Die Geografie Islands (2) weist eine Vielzahl von Besonderheiten auf, und insbesondere deswegen ist Island ein beliebtes Reiseziel. Durch die Lage der Insel Island auf dem Mittelatlantischen Rücken (3) sind die Landschaften Islands insbesondere durch Vulkanismus (4) geprägt, und es gibt zahlreiche Geothermalgebiete (5). Aufgrund des weitverbreiten Vulkanismus hat die Geothermalenergie (6) und deren Nutzung auf der Insel Island eine große Bedeutung. Zudem prägen Gletscher (7), die 9 % der Inselfläche bedecken, deren Gletscherdynamik (8) und der glaziomorphologische Formenschatz der Glazialen Serie (9) große Teile der Landschaften Islands. In ihrer Mehrzahl sind die Gletscher Islands Plateaugletscher (10). 
 
Die klimatische Waldgrenze (11) auf der Insel Island liegt je nach Geländeexposition auf einer Höhe von 300 m bis 600 m (im Durchschnitt bei 500 m), sodaß ca. 25 % bis 30 % der Fläche der Insel Island bewaldet sein könnte, was vor der “Landnahme” (12) vor rd. 1.100 Jahren auch tatsächlich der Fall gewesen ist. Die Frage, wie die Pflanzengesellschaften einer potentiellen natürlichen Vegetation (13) auf der Insel Island beschaffen und zusammengesetzt sind, kann nicht beantwortet werden, da aufgrund der extremen Abgelegenheit Islands im Nordatlantik im Postglazial (14) eine nacheiszeitliche Wiederbesiedlung durch Pflanzen und Tiere gemäß einer natürlichen Sukzessionsfolge (15) bislang nur höchst unvollständig erfolgen konnte. 
 
Island hat eine Bevölkerungszahl von ca. 340.000 Einwohnern (Ew), von denen in der Metropolregion der Hauptstadt Reykyavík (16) ca. 200.000 Einwohner leben, d.h. ca. 37 % der Bevölkerung der Insel Island. Somit verteilt sich die Bevölkerung sehr ungleichmäßig über die Insel, und es bestehen große regionale Disparitäten. Die Gesamteinwohnerdichte der Insel Island ist mit 3,0 Ew/qkm im Vergleich mit anderen europäischen Ländern sehr gering (Deutschland: 226 Ew/qkm, Dänemark: 130 Ew/qkm, Schweden: 21 Ew/qkm). 
 
Am 01. Juli 2012 flog ich mit dem Flugzeug nach Keflavik, einem ca. 40 km westlich der isländischen Haupsstadt Reykjavík gelegenen internationalen Großflughafen. Mein für meine Fahrradreise ausgerüstetes Fahrrad – ein Mountainbike mit Gepäckträgern des Herstellers Tubus (17) und wasserdichten Packtaschen der Hersteller VauDe (18) und Ortlieb (19) - konnte für eine Zusatzgebühr in Höhe von 40 Euro zerlegt und verpackt mitbefördert werden. Das Fugzeug landete nach ca. 3 ½ Stunden Flug gegen 1: 15 h Ortszeit am frühen Morgen des 02. Juli 2012 auf dem Flughafen Keflavik in der Morgendämmerung bei Nieselregen und Temperaturen um 10°C. Eine gut ausgestattete Touristeninformation – nach meiner Einschätzung die materialienreichste von ganz Island - versorgt dort die ankommenden Touristen umfassend mit jeder gewünschten Information. 
 
Durch eine karge, wolkenverhangene Landschaft radel ich entlang der Küste zur Stadt Reykjavik, wo ich zwei Tage auf dem zentral neben einer goßen Jugendherberge (20) gelegenen Campingplatz (21) campiere und mir die Hauptstadt Reykjavík ansehe (22). Sehenswert ist u.a. das Isländische Nationalmuseum (23), das museumspädagogisch gut aufbereitet die isländische Geschichte (24) seit der Landnahmezeit vor nun mehr als 1.100 Jahren zweisprachig in Isländisch und Englisch darstellt. Im Foyer der Stadthalle von Reykjavik befindet sich eine riesige Reliefkarte von Island mit ca. 10 m Durchmesser. Im Park Laugardalur liegt ein großer Botanischer Garten (25). Auf einer Fläche von 2,5 Hektar beeindruckt dieser Botanischer Garten mit einer großen Fülle von mehr als 5.000 verschiedenen Pflanzenarten, darunter auch viele hohe Bäume, und er zeigt auf, was auf der heute oft überaus kargen und in weiten Teilen wüstenhaften Insel Island bei den bestehenden naturräumlichen und klimatischen Bedingungen alles wachsen und gedeihen könnte. Die Frage, warum die Insel Island heute nicht gemäß ihren naturräumlichen und klimatischen Potentialen eine grüne, zu großen Teilen von artenreichen Mischwäldern mit großer Biodiversität (26) bedeckte Insel ist, sondern sich stattdessen heute als eine überaus karge, zu großen Teilen wüßtenhafte Insel präsentiert, wird zur Leitfrage meiner Fahrradreise. 
 
Mein Reiseplan sieht vor, nach Möglichkeit innerhalb des kurzen isländischen Sommers die gesamte Insel Island mit ihrer landschaftlichen Vielfalt kennenzulernen. Hierzu werde ich die Insel entgegen des Uhrzeigersinns umrunden und sie auf Hochlandrouten durchqueren. Insbesondere im Hochland (27) der Insel Island haben Fahrradreisen den Charakter einer Expedition (28). 
 
Die Hauptstadtregion Reykjavík verlasse ich über die zuerst vierspurige und stark befahrene Ringstraße 1 (29) Richtung südosten. Diese Ringstraße umrundet mit einer Gesamtlänge von ca. 1400 km die gesamte Insel. Sie ist größtenteils asphaltiert, während Nebenstrecken meistens Schotterstaßen sind. Die das Hochland durchquerenden Strecken sind hingegen zu großen Teilen automobil kaum passierbare Pisten. Überregionale Radwege fehlen, sodaß Fahrradradreisende die Landstraße mit PKWs, Wohnwagengespannen, riesigen Geländewagen und LKWs teilen müssen. Schnell gelange ich vorbei an den Orten Selfoss und Hella und durchfahre die von den Flüssen Hvita und Pjorsa durchflossene Schwemmlandebene im Südwesten von Island, einer Region intensiver landwirtschaftzlicher Nutzung. 
 
Die Südküste Islands ist geprägt von großen Plateaugletschern, dem Eyafallajökull, Myrdalsjökull und dem Vatnajökull (30), dem größten Gletscher in Europa. Die Gletscherzungen dieser Plateaugletscher reichen weit in die hier schmale Küstenebene hinab. Große, monotone, von Gletscherflüssen aufgeschüttete Sanderflächen (31) wie der Myrdalssandur und der Skeidararsandur müssen durchquert werden. Der gesamte glaziomorphologische Formenschatz der glazialen Serie läßt sich in Europa nirgendwo besser studieren, als auf der Insel Island. Dazwischen liegt die Lavawüste Eldhraun, die infolge eines katastrophalen Lavaausbruchs aus der nördlich gelegenen Laki-Spalte (32) in den Jahren 1783 bis 1784 entstand. Die Laki-Spalte ist Teil eines Island entlang des Mittelatlantischen Rückens durchziehenden tektonischen Grabensystems, einer Zone mit intensivem Vulkanismus, der die Insel Island ihre Entstehung verdankt. 
 
Nach der Duchquerung des schier endlosen Skeidararsandur, auf dem häufig Sandstürme toben, erreiche ich den Birkenbuschwald bei Skaftafell am Fuße des mächtigen, 2110 m hohen Hvannadalshnúkur (33) am Südende des Vatnajökuls. Neben dem Informationszentrum des Skaftafell-Nationalparks (34) befindet sich ein großer Campingplatz, der im Sommer gut besuchter Ausgangspunkt für Bergwanderungen und Gletschertouren (35) ist. Bergführer und Trekking-Agenturen bieten hier Exkursionen auf und über den Gletscher Vatnajökull an (36). Weiter östlich treiben Eisberge in Gletscherzungenendseen der Geltscher Kviarjökull, Fjallsjökull und Breidarmerkurjökull (37). Im Ort Höfn beeindruckt eine umfangreiche und informative Gletscherausstellung. 
 
Mit der Umquerung des Kap Hvalnes beginnt die beeindruckende Fjordlandschaft Ost-Islands (38). Die den Süden Islands prägenden Sander, Alluvialebenen und Ausgleichsküsten weichen hier weit ins Land hineinreichenden, von mehr als 1000 m hohen, schneebedeckten Bergen umgebenen Fjorden (39). Im Schutz der Fjordküste liegen zahlreiche kleine Hafen- und Fischereiorte. 
 
Danach fuhr ich vorbei an den Orten Vopnafjördur, Porshöfn und Raufarhöfn in den abseits der Touristenrouten gelegenen Nordosten Islands. Hier gelangt man im Norden der Halbinsel Melrakkasletta bis auf drei Kilometer an den Polarkreis heran. Auf dem weiteren Weg zum Ort Kopasker war aufgrund starken Sturms nur ein Schieben des Fahrrads möglich. 
 
Auf holprigen Pisten durchradelte ich die Schluchten des Jökulsárgljúfur-Nationalparks (40), in dem noch Reliktbestände des Island einst zu weiten Teilen bedeckenden Birkenwaldes existieren. Hier kann man eine Vorstellung davon gewinnen, wie große Teile der Insel Island vor der “Landnahme” vor ca. 1.100 Jahren ausgesehen haben müssen, als große Teile der Insel Island noch waldbedeckt gewesen sind. 
 
Danach gelangte ich in das von rezentem Vulkanismus geprägte Gebiet um den See Myvatn (41). Auf dem Weg zum Vulkan Krafla (818 m) (42) gelange ich am Krafla-Kraftwerk (43) vorbei. Dieses ist das größte Thermalenergiekraftwerk auf der Insel Island. Ich umwanderte den Kraterrand des Vulkans Krafla und durchquerte noch dampfende, erst wenige Jahre alte Lavaströme. An vielen Stellen trifft man auf postmagmatische Exhalationen, wie Solfataren (44) und Fumarolen (45), und auch auf blubbernde Schlammlöcher (46), wie sie z.B. auch im Yellowstone-Nationalpark (47) vorkommen, den ich im Jahre 1990 im Rahmen einer Fahrradreise durch Nordamerika besucht hatte (48). 
 
Weiter im Osten gelangte ich in die am Südende des ca. 60 km langen Eyjafjördur gelegenen Stadt Akureyri (49). Mit ca. 17.000 Einwohnern ist Akureyri die zweitgrößte Stadt Islands und Oberzentrum des Nordteils der Insel (50). In Akueyri besuchte ich den Botanischen Garten (51). Dieser beeindruckt mit einer großen Fülle von rd. 7.000 verschiedenen Pflanzenarten, darunter auch viele hohe Bäume, und ebenso wie der Botalische Garten im Park Laugardalur in Reykjavik zeigt der Botanischen Garten in Akureyri auf, was auf der heute oft überaus kargen und in weiten Teilen wüstenhaften Insel Island bei den bestehenden naturräumlichen und klimatischen Bedingungen alles wachsen und gedeihen könnte. 
 
Die an der Fjordküste der Halbinsel Tröllaskagi weiter nördlich gelegenen Hafenorte Dalvik, Olafsfjörður und Siglufjörður drängen sich auf dem schmalen Küstenstreifen vor steil aufragenden Bergen. In Siglufjörður (52) stellt ein sehenswertes Hering Museum (53) den Alltag in den Fischereihäfen dar, bevor die Populationen des Atlantischen Herings (54) aufgrund von Überfischung (55) in den 60er Jahren dauerhaft zusammenbrachen und sich bis heute nicht erholt haben. Das Beispiel des Atlantischen Herings bei Island zeigt, daß Meeresfischpopulationen aufgrund von Überfischung dauerhaft und nachhaltig zusammenbrechen können und sich auch über lange Zeiträume nicht wieder regenerieren, sodaß die Meeresfischerei aufgegeben werden muß, da sie sich durch Überfischung der Bestände selbst die Grundlagen entzogen hat. Durch die Methoden der industriellen Fischerei findet derzeit weltweit eine rücksichtslose Ausplünderung der Fischbestände sämtlicher Meere und Ozeane statt, sodaß in Kürze nahezu sämtliche Meeresfischpopulationen zusammengebrochen sein werden und erst dann die Ausplünderung der Meere durch die industrielle Fischerei ihr “natürliches” Ende finden wird. 
 
Nun durchquerte ich die Halbinsel Skagi und gelangte vorbei an den Orten Blönduos und Hvammstangi in den Westen Islands, von wo aus ich über die Kaldidalur-Route (56) eine kurze, aber steile Tour durch das Hochland fuhr. Nun erreichte ich die bekannten isländischen Touristenattraktionen (57) des Þingvellir-Nationalparks (58), der Springquellen bei Geysir (59) sowie dem Wasserfall Gullfoss (60). Von dort aus durchfuhr ich ein zweites Mal das isländische Hochland auf der Kjölur-Piste (61). Auf dieser miserablen Piste durchquerte ich die von den Plateaugletschern Langjökull und Hofsjökull eingerahmte edaphische dunkle Lavawüste Kjalhraun (62) und gelangte zu den Geothermalgebieten (63) bei Kerlingarfjöll (64) und Hveravellir (65). 
 
Im Verlauf meiner Fahrradreise setzte sich bei mir zunehmend die Erkenntnis durch, daß sich die gesamte Insel Island mit allen ihren Regionen und ihrer landschaftlichen Vielfalt kaum im Rahmen einer Fahrradreise innerhalb eines kurzen Sommers vollständig bereisen läßt sodaß gegenenenfalls eine weitere Island-Reise erforderlich ist. So ließ ich vorerst die Region der Westfjorde (66) aus und umrundete die Halbinsel Snaefellsnes (67) mit dem markanten, 1446 m hohen vergletscherten Vulkan Snaefellsjökull an ihrem Westende, wobei starker Sturm z.T. kaum ein Schieben des Fahrrads ermöglichte. 
 
Über Reykjavík fuhr ich dann wieder Richtung Osten, um – nun schon immerhin in der zweiten Augusthälfte am Ende des isländischen Sommers – gegebenenfalls noch die anspruchsvolle Sprengisandur-Route (68) durch das Hochland zu befahren. Doch aufgrund mehrerer Regentage disponierte ich um und und fuhr statt dessen – immer noch bei Regenwetter – die Fjallabak-Route (69) durch das zwischen den Plateaugletschern Myrdalsjökull und Vatnajökull gelegene Hochland, wobei zahlreiche, ca. 40 cm tiefe Gletscherflüsse gefurtet werden mußten. Hierbei gelangte ich zum Geothermalgebiet Landmannalaugar (70) und zur Eldgiá-Spalte (71) die Teil eines Island entlang des mittelatlantischen Rückens durchziehenden tektonischen Grabensystems ist (72). 
 
Auf meiner Weiterfahrt querte ich bei stürmischem Gegenwind den schier endlosen Seidararsandur und erreichte endlich den Schutz des Birkenbuschwaldes bei Skaftafell am Südrend des Gletschers Vatnajökull – nun zum zweiten Mal auf meiner Reise. Entlang der Südküste radelte ich weiter in den Osten Islands zum Hafenort Seydisfjördur (73). Von Seydisfjördur fuhr ich am 05.09.2012 mit der Fähre Norönna (74) mit einem Zwischenaufenthalt am 06.09.2012 in Tórshavn (75) auf den Färöer-Inseln (76) nach Hirtshals in Dänemark, wo die Fähre am 08.09.2012 angelangte. 
 
Island beeindruckt mit einer ungeahnten landschaftlichen Vielfalt und einer Fülle von Sehenswürdigkeiten, doch es überrascht das zuerst unverständliche, nahezu vollständige Fehlen von Wald. 15 Mio. Jahre alte Braunkohlevorkommen in den geologisch ältesten Landesteilen zeigen auf, daß Island im Tertiär – also vor den mehrmaligen eiszeitlichen Totalvergletscherungen Islands – eine weitgehend von artenreichen Mischwäldern bedeckte Insel gewesen war. Nur aufgrund der extremen Abgelegenheit Islands im Nordatlantik konnte eine postglaziale Wiederbesiedlung durch Pflanzen und Tiere gemäß einer natürlichen Sukzessionsfolge nur höchst unvollständig erfolgen. Immerhin war Island zur Landnahmezeit vor nun mehr als 1.100 Jahren zu 25-30% bewaldet. Nahezu vollständige Entwaldung Islands in historischer Zeit und jahrhundertelanger Viehverbiß insbesondere durch die omnipräsenten Schafe führten zur Desertifikation. Heute ist nur ca. 1% der Fläche Islands waldbedeckt. Die artenreichen botanischen Gärten in Reykjayik und Akureyri sowie kleinere, aber erfolgreiche Waldanpflanzungen in verschiedenen Landesteilen zeigen auf, daß Island sehr wohl das naturräumliche und klimatische Potential für ausgedehnte, artenreiche Wälder hat und eine weitgehend (wieder-)bewaldete Insel sein könnte. 1992 forderte in Rio de Janeiro die Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen (UNCED) mit dem Leitbild eines sustainable development im Rahmen der Agenda 21 (77) insbesondere Zivilgesellschaft und Kommunen auf, die Biodiversität zu fördern – für Island in besonderem Maße eine langfristige Herausforderung. 
 

Anmerkungen: 

1) Vgl.: https://www.wikipedia.org/wiki/Island

2) Vgl.: https://www.wikipedia.org/wiki/Geographie_Islands

3) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelatlantischer_Rücken
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelozeanischer_Rücken
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Plattentektonik

4) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vulkanismus
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Vulkane_in_Island

5) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geothermalgebiet

6) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geothermie
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Geothermale_Energie_in_Island

7) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gletscher
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Gletscher_Islands

8) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gletscherdynamik

9) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Glaziale_Serie

10) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Plateaugletscher

11) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wald-_und_Baumgrenze

12) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Islands#Landnahmezeit_(874_bis_930)

13) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Potenzielle_natürliche_Vegetation

14) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Postglazial

15) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sukzession_(Biologie)
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Klimaxvegetation

16) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Reykjavík

17) Vgl.: https://www.tubus.com/produkte

18) Vgl.: https://www.vaude.com/de/de/ausruestung/fahrradtaschen.html

19) Vgl.: https://www.ortlieb.com/de_de/produkte/radfahren

20) Vgl.: https://www.hostel.is

21) Vgl.: https://www.reykjavikcampsite.is

22) Vgl.: https://www.visitreykjavik.is

23) Vgl.: https://www.nationalmuseum.is

24) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Islands

25) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Botanischer_Garten_Reykjavík
Sowie: https://www.grasagardur.is

26) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Biodiversität

27) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Isländisches_Hochland

28) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Expedition

29) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hringvegur

30) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vatnajökull

31) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sander

32) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Laki-Krater

33) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hvannadalshnúkur

34) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Skaftafell-Nationalpark
Sowie: https://www.vjp.is
Und: https://www.visitvatnajokull.is

35) Vgl.: https://www.mountaineers.is
Sowie: https://www.isalp.is

36) Vgl.: https://www.mountainguides.is

37) Vgl.: https://www.icelagoon.com

38) Vgl.: https://www.east.is

39) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fjord

40) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Jökulsárgljúfur-Nationalpark

41) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mývatn
Sowie: https://www.visitmyvatn.is

42) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Krafla

43) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Krafla-Kraftwerk

44) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Solfatare

45) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fumarole

46) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Schlammtopf

47) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Yellowstone-Nationalpark
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Größeres_Yellowstone-Ökosystem
Der im Jahre 1872 gegründete Yellostone-Nationalpark ist der älteste Nationalpark der Welt. Die vulkanogene Landschaft ist insbesondere für Geowissenschaftler eine Attraktion.

48) Fahrradreisen mit Zelt unternehme ich seit meiner Schulzeit. Darunter ist eine Fahrradreise durch Nordamerika über eine Gesamtdistanz von rd. 7.500 km, die ich vom 19.07.1990 bis zum 10.10.1990 gemeinsam mit meinem Bruder Rainald durchführte. Bei dieser Fahrradreise fuhren wir entlang des Hudsonriver nach Kanada, folgten dort dem Fluß Ottawa und fuhren nördlich der Großen Seen weiter zum Yellowstone-Nationalpark in den Rockey-Mountains. Unsere Fahrradreise durch Nordamerika endete in Los Angeles.

49) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Akureyri
Sowie: https://www.visitakureyri.is

50) Vgl.: https://www.nordurland.is

51) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Botanischer_Garten_Akureyri

52) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Siglufjörður

53) Vgl.: https://www.sild.is

54) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Atlantischer_Hering

55) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Überfischung

56) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kaldidalur
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Kaldadalsvegur

57) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gullni_hringurinn

58) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Þingvellir

59) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Großer_Geysir
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Geysir

60) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gullfoss

61) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kjölur

62) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kjalhraun

63) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kerlingarfjöll
Sowie: https://www.kerlingarfjoll.is

64) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hveravellir
Sowie: https://www.hveravellir.is

66) Vgl.: https://www.westfjords.is

67) Vgl.: https://www.snaefellsnes.is

68) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sprengisandur

69) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fjallabaksleið_nyrðri

70) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Landmannalaugar
Sowie: https://www.landmannalaugar.info

71) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Eldgjá

72) Vgl.: https://www.katlageopark.is

73) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Seyðisfjörður
Sowie: https://www.seydisfjordur.is

74) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Norröna
Sowie: https://www.smyrilline.com

75) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tórshavn
Sowie: https://www.visittorshavn.fo

76) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Färöer
Sowie: https://www.faroeislands.com
Und: https://www.visitfaroeislands.com

77) Vgl.: https://www.wikipedia.org/wiki/Agenda21

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Fahrradreise Island - Erlebnisse einer Nordeuropa-Reise im Jahre 2012. Textversion 03.
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Manfred SUCHAN
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Lavawüste im Hochland der Insel Island in der Nähe des Ortes Mödrudalur am 18.07.2012 während meiner Fahrradreise im Sommer 2012.  

Grenzen überschreiten, Horizinte erweitern.

Selbst sehen, was in der Welt der Fall ist. 
Selbst herausfinden, wie die Welt beschaffen ist. 

Denke selbst, glaube nichts, überprüfe alles. 

In einer Schutzhütte am See Toneträsk in Lappland am 16.06.2015 während meiner Fahrradreise durch Skandinavien im Frühjahr 2015. 
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