Reisen, Expeditionen

Am Felsentor "Pont d'Arc" beim Fluß Ardèche am Südostrand des Zentralmassivs am 31.07.2025 während meiner Fahrradreise in die mittlere Mittelmeerregion im Sommer 2025.

Grenzen überschreiten, 

Horizonte erweitern

 
Mit unserer permanent beschleunigten Lebensweise in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft ist eine zunehmende Naturentfremdung verbunden, und die Menschen durchhasten motorisiert immer schneller die Landschaften, um jedoch immer weniger wahrzunehmen und immer weniger zu verstehen. Wie authentisch wir die Welt und Natur wahrnehmen, wird von der Unmittelbarkeit unserer Welterfahrung und des Naturerlebnisses bestimmt. Mein von Unmittelbarkeit geprägter Reisestil soll diesem Anspruch genügen, und er ist so zugleich Erkenntnismethode. 

Wir leben heute zunehmend naturentfremdet in künstlichen, urbanen Umwelten und virtuellen Realitäten des digitaltechnischen Zeitalters, die unsere Wahrnehmungen, Erlebnisse und Erfahrungen prädisponieren, prägen und formen. Die urbane Lebensweise ist gleichermaßen von Naturentfremdung, Körperentfremdung und Bewegungsmangel geprägt. Durch jahrzehntelange autogerechte Planung sind unsere Städte heute unwirtlich, laut, hektisch, aggressiv und häßlich. Die architektonische Gewalt der urbanen Planungslandschaften präformiert die urbane Gesellschaft. In den urbanen Ghettos werden die Menschen verwaltet, überwacht und kontrolliert. Die Konsumkultur produziert und vermarktet Ablenkungen, Zerstreuungen und seichte Vergnügungen, und permanent unterliegen wir der Beeinflussung und der Manipulation durch Massenmedien einer Massengesellschaft. Die Fähigkeit und Bereitschaft zum Alleinsein und zur Einsamkeit, zur Ruhe und Stille, zur Selbstfindung, zur Reflektion und zum Nachdenken ist verloren gegangen. In einer permanent beschleunigten Gesellschaft durchhasten wir automobil die Landschaften, die abgeschirmt von unseren sinnlichen Wahrnehmungen lediglich durch die Windschutzscheibe flüchtig zur Kenntnis genommen werden. Jegliche Intensität und Authentizität der Wahrnehmung und Erfahrung von „Welt", „Natur“ und „Wirklichkeit“ ist in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft verloren gegangen, und dies erreicht nun im angebrochenen digitaltechnischen Zeitalter gänzlich neue Ausmaße, Intensitäten und Qualitäten der Entfremdung des Menschen. 
 
Uns wird erzählt, das Zeitalter der Entdeckungen sei vorbei, alle Berge seien bestiegen, alle Kontinente, Ozeane, Polargebiete, Wüsten und Wälder seien durchquert, alle Flüsse befahren, und es gäbe nichts Unbekanntes mehr zu erforschen, wir könnten uns nur noch auf schon vielfach begangenen Pfaden bewegen und uns ein Bild der Welt standardisiert und vorgefertigt von den Medien, insbesondere dem Fernsehen, bequem im Sessel präsentieren lassen. Doch der Drang, zu entdecken, zu erforschen, zu hinterfragen, Herausforderungen zu suchen, selbst zu sehen und zu begreifen, eigene Erfahrungen zu sammeln, Erkenntnisse zu erlangen und diese zu kommunizieren, das ist alles unmittelbarer und integraler Bestandteil unseres Menschseins, sodaß wir uns immer wieder neu auf Entdeckungsreisen begeben und Herausforderungen in der Natur suchen. 
 
In einer Zeit, in der technisch alles machbar und erzwingbar erscheint, in der die Natur und auch die Natur des Menschen und die Gesellschaft als technisch beherrschbar, als kontrollier- und steuerbar gelten, in der wir gewohnt sind, zum Erreichen von Zielen die Gewalt der technischen Mittel zu steigern, als ein Denken und Handeln in Alternativen zuzulassen, in der wir energieressourcenaufwendig bequem und klimatisiert in Rekordzeit in alle entlegenen Winkel der Welt reisen können und uns in T-Shirt, Shorts und Flipflops in atemberaubende und schwindelerregende Höhen der Berge liften lassen können, eröffnet ein Zurück zum menschlichen Maß, zu selbstgesetzten Herausforderungen "by fair means", aus eigener Kraft möglichst ohne technische Hilfsmittel neue Möglichkeitsräume für das persönliche Abenteuer. 

Es werden ein Stück weit die Grenzen aufgehoben und überschritten, die unsere Kultur durchdringen und bestimmen: Die Grenzen des Dualismus einer einerseits vom Menschen geschaffenen technischen Zivilisation und ihrer künstlichen, nach monofunktionaler Zweckrationalität und „instrumenteller Vernunft“ gestalteten Umwelt, sowie einer zurückgedrängten, dem Menschen nur noch äußerlichen, ihn nicht mehr unmittelbar berührenden, ihm zunehmend fremden Natur, die nur noch als auszubeutendes Rohstofflager wahrgenommen und begriffen wird, die einer fortschreitenden technischen Durchdringung der Welt immer mehr weichen muß und die in Reservate abgedrängt wird. In unserer technischen Zivilisation, in der technisch alles machbar und erzwingbar erscheint, in der die Natur und auch die Natur des Menschen und die Gesellschaft als technisch beherrschbar, als kontrollier- und steuerbar gelten, in der sich die Beherrschung und Ausbeutung der Natur in der Beherrschung und Ausbeutung des Menschen fortsetzt, in der wir gewohnt sind, zum Erreichen von Zielen die Gewalt der technischen Mittel zu steigern, als ein Denken und Handeln in Alternativen zuzulassen, eröffnen sich in der Einsamkeit der Natur Räume der Freiheit. 

Denke selbst, glaube nichts, überprüfe alles.

 Selbst sehen, was in der Welt der Fall ist. 
Selbst herausfinden, wie die Welt beschaffen ist.  


In den modernen Massengesellschaften bestimmen die Massenmedien die öffentliche Meinung, und somit bestimmen die Massenmedien das, was wir als unhinterfragte Tatsachen akzeptieren und hinnehmen sollen und das, was wir als Wahrheit glauben sollen. Andere, insbesondere die Massenmedien, der Staat insbesondere über die Schulpflicht, und weltweit wieder zunehmend Religionen bestimmen und gestalten unser Weltbild und unsere Weltanschauung. In allen Bereichen werden wir heute durch Spezialisten und Experten entmündigt, und eigene Recherchen und Forschungen sind unerläßlich, um sich selbstständig ohne Anleitung durch Andere eine unabhängige und kompetente eigene, fundierte und begründete Meinung bilden zu können. Wir sind aufgefordert, uns selbst darüber zu informieren, was in der Welt der Fall ist, und selbst herauszufinden, wie die Welt beschaffen ist. Dies ist Voraussetzung, daß Aufklärung möglich ist und gelingen kann und das Projekt der Aufklärung nach dessen Unterbrechung im extremen 20. Jahrhundert eine Fortsetzung finden kann. Zu einer eigenen Weltanschauung kann nur der gelangen, wer die Welt selbst angeschaut hat. Deshalb sind heute Anregungen zu erlebnisreichen, erkenntisreichen und horizonterweiternden Reisen erforderlich und notwendig, und meine Reiseerlebnisberichte auf meinen Internetseiten sollen eine derartige Anregung bieten.  


https://manfredsuchan.net

https://manfred-suchan.jimdosite.com

https://manfred-suchan-themen.jimdosite.com

https://www.facebook.com/manfred.suchan 

Tourengruppe beim Aufstieg auf das Fulufjell vor dem zugefrorenen Wasserfall Njupeskär (im Hintergrund) während einer Schneeschuhtour am 19.02.2018.

Auf dem Hochplateau des Tafelberges (1086 m) mit Blick nach Süden zum Kap der Guten Hoffnung am 04.11.2025 während meiner Reise durch Teile des südlichen Afrikas im November und Dezember 2025.

Aktuelles: 


Rucksackreise 

Südliches Afrika


Ein Reiseerlebnisbericht

 

von Manfred Suchan

 

1. Einleitung


Vom 28. Oktober 2025 bis zum 28. Dezember 2025 habe ich eine zweimonatige Rucksackreise in der geografischen Region des südlichen Afrikas (1) unternommen. Bei meinen Reisen bereise ich nicht Länder oder Staaten, sondern von mir selbst definierte geografische Regionen (2), und dies ist eine Frage der wissenschaftlichen Kategorienbildung (3) und der Klassifizierung (4). Während z.B. in den Geschichtswissenschaften Kategorienbildung insbesondere in Gestalt von historischen Zeitaltern und Epochen erfolgt, die, wie eine jede wissenschaftliche Kategorienbildung, nach signifikanten, nachvollziehbaren und überzeugend begründeten Kriterien voneinander abgegrenzt werden müssen, so sind dies in der Geografie geografische Räume (5) und geografische Regionen.

 

Da die Wirklichkeit (6) der Welt (7) als ein in vier Dimensionen (Raum und Zeit) erfolgender Prozeß verstanden werden kann (8), ist hierbei mein Erkenntnisinteresse (9) darauf gerichtet, diese geografischen Regionen sowohl als eine naturgeografische und kulturgeografische Einheit, als auch als eine historische Einheit kennenzulernen, auch um diese mit anderen geografischen Regionen vergleichen (10) zu können. Zur Planung und Durchführung meiner Reisen nutze ich Reiseführer (11). Bestandteile meiner Reisen sind unter anderem Stadtexkursionen sowie Besuche von Museen und Gedenkstätten. Es gilt, historische Forschung an den geografischen Originalschauplätzen historischer Ereignisse zu betreiben, eine Methode, die auf den Historiker und Geografen Herodot von Halikarnassos (ca. 480 – 430 v. Chr.) (12) zurückgeführt werden kann. 

 

Die neuzeitliche Geschichte des südlichen Afrikas ist durch dessen Lage an der seit der frühen Neuzeit bestehenden Weltschifffahrts- und Welthandelsroute zwischen Europa und dem südlichen und südöstlichen Asien geprägt (13). Über die Zeit davor und vor dem Eintreffen von Europäern im südlichen Afrika ist nur sehr wenig bekannt, und das gilt mit wenigen Ausnahmen, wie z.B. Ägypten, für den gesamten afrikanischen Kontinent (14). Während die Geschichte Ägyptens (15) zu großen Teilen erforscht und dokumentiert ist, ist dies bei der Geschichte Nubiens (16), Äthiopiens (17) und weiterer angrenzender Regionen in Afrika bislang erst spärlich erfolgt. In Folge der sogenannten „Islamischen Expansion“ (18) wurde die Geschichte Nubiens verschüttet, und die Geschichte Äthiopiens wurde von den gemeinsamen historischen Entwicklungen in Europa und Asien abgeschnitten und isoliert. 

 

Diese Reise war bislang meine erste Reise im südlichen Afrika. Zuvor hatte ich lediglich verschiedene Reisen im nördlichen und nordwestlichen Afrika unternommen, insbesondere in Ägypten und Marokko, des Weiteren in Mauretanien, Senegal und Gambia. Jetzt besuchte ich in Form einer Rundreise die Länder Südafrika, Namibia, Botswana und Lesotho. 

 

Meine Reise durch Teile des südlichen Afrikas führte ich als Rucksackreise (19) mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch. Rucksackreisen sind insbesondere seit den 60er und 70er Jahren populär, als junge Leute mit Rucksack und geringem Reisebudget Fernreisen, Überlandreisen (20) und Abenteuerreisen (21) unternommen haben, z.B. auf dem sogenannten „Hippi trail“ (22) von Europa durch Asien und oft weiter bis nach Australien. Wie auf meinen Reisen üblich, erfolgte auch meine Reise durch Teile des südlichen Afrikas selbstorganisiert. Ich bin davon überzeugt, daß nur selbstorganisierte Reisen die unabdingbare Unmittelbarkeit gewährleisen, die eine größtmögliche Authentizität von Wahrnehmungen, Erlebnissen (23), Erfahrungen (24) und Erkenntnissen (25) ermöglichen, wobei Reisen ein Mittel zu Welterlebnis, Welterfahrung und Welterkenntnis sind. 

 

Der moderne Tourismus wurzelt im Bildungsideal des Zeitalters der Aufklärung (26) und dem Anspruch auf Welterlebnis, Welterfahrung und Welterkenntnis, wie eine jede Theorie des Tourismus feststellen kann (27) Heute leistet weltweiter Tourismus auf Grundlage der allgemeinen Reisefreiheit (28) als einem Weltbürgerrecht und einem allgemeinen Menschenrecht einen bedeutenden zivilgesellschaftlichen Beitrag zur Völkerverständigung (29), und er trägt zur Bildung einer friedlichen Weltgesellschaft bei. Damit ist Tourismus ebenso wie Bildung ganz unzeitgemäß aktuell, soweit es dem Tourismus ebenso wie der Bildung gelingt, sich seiner Industrialisierung zu entziehen.

 

Heute verfehlt Tourismus jedoch weitgehend seine Intention von Welterlebnis, Welterfahrung und Welterkenntnis, denn es erfolgt eine fortschreitende Industrialisierung des Tourismus durch die Tourismus-Industrie. Die Tourismus-Industrie ist Bestandteil der Konsumkultur (30) der fortgeschrittenen Industriegesellschaft, und sie vermarktet Ablenkungen, Zerstreuungen und seichte Vergnügungen. Die Touristen werden durch die Tourismus-Industrie entmündigt und manipuliert, wodurch intellektuelle Reflektionen verhindert werden. In der Tourismus-Industrie entscheiden die Buchungszahlen darüber, was zustande kommen und umgesetzt werden kann, und das ist gemäß dem allgemeinen gesellschaftlichen Trend zunehmend dürftiger und niveauloser, denn unsere Konsumkultur in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft und damit der Horizont unserer Wahrnehmungen, Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse ist von Ablenkungen, Zerstreuungen und seichten Vergnügungen geprägt. Dieser gesamtgesellschaftliche Trend wird dadurch verstärkt, daß nach der technokratischen „Bologna-Reform“ (31) die gesellschaftliche Rolle von Bildung und von Wissenschaft zu der eines zugerichteten Anhängsels des Wirtschaftsprozesses im europäischen Großwirtschaftsraum, der von der Europäischen Union verwaltet wird, transformiert wurde. 

 

Somit sind selbstorganisierte Rucksackreisen eine Alternative sowohl zum Mainstream der Tourismus-Industrie, die eine fortschreitende Industrialisierung des Tourismus betreibt, als auch zum nach bildungsökonomischen Prämissen gleichgeschalteten und zweckrational zugerichteten Bildungsbereich als einem Bestandteil der Bewußtseins-Industrie (32). 

 

Im südlichen Afrika ist das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf die Hauptstrecken zwischen den großen Städten beschränkt, und mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist es im südlichen Afrika nicht möglich, abgelegene und perifere Reiseziele und Sehenswürdigkeiten zu erreichen. Da die touristische Infrastruktur im südlichen Afrika hochgradig auf das Reisen in eigenen Fahrzeugen ausgelegt ist, mieten die meisten Touristen hier einen Leihwagen, mit dem auch abgelegene Orte und Sehenswürdigkeiten erreicht werden können, was sonst kaum möglich ist. Insbesondere sind im Südlichen Afrika bei Touristen teure Geländewagen mit Dachzelten beliebt. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln, d.h. Reisebussen, ist man auf die Hauptstrecken zwischen den größeren Städten beschränkt, oder man bucht eine Beteiligung an organisierten Touren, was allerdings vergleichsweise teuer ist. 

 

Im Gegensatz zu den omnipräsenten Leihwagen, mit denen fast alle Touristen im südlichen Afrika unterwegs sind, haben mich hingegen beeindruckt die wenigen Fahrradreisenden, die ich während meiner Reise im südlichen Afrika angetroffen habe, und die mit ihren Reisefahrrädern auf mehrmonatigen Fahrradfernreisen (33) unterwegs waren. Insbesondere haben sie mich beeindruckt, weil ich selbst gerne Fahrradreisen unternehme. So traf ich in Swakopmund Clément aus Bordeaux, der sich auf einer zweijährigen Weltreise befand, während der er die Distanzen über Land mit seinem Reisefahrrad zurücklegte, und die Distanzen über die Ozeane als Mitsegler auf Segelschiffen. Bei unserem Treffen in Swakopmund befand er sich auf der Rückreise von Kapstadt durch das westliche Afrika zurück nach Bordeaux (34). In Windhoek traf ich Gustavo aus Mexiko, der mit seinem Reisefahrrad von Marokko durch das westliche Afrika nach Kapstadt unterwegs war (35). Des Weiteren traf ich in Botswana Wiebke mit ihrem Reisefahrrad, die kürzlich von Freiburg durch das westliche Afrika nach Kapstadt geradelt ist (36). 

 

Während meiner Reise im südlichen Afrika hat sich die Mitnahme eines kleinen Zeltes als sinnvoll erwiesen, das ich auf Campingplätzen nutzen kann, und auch Hostels bieten oft Campingmöglichkeiten auf ihrem Gelände an. Camping mit einem kleinen Zelt ist im südlichen Afrika die kostengünstige Form der Übernachtung, auch im Vergleich zu den Dormitories der Hostels. Auch habe ich damit eine Übernachtungsalternative, wenn Anfang Dezember im südlichen Afrika die Hauptreisezeit beginnt und Unterkünfte ausgebucht sein können.

 

Von meinen Reisen, meinen Erlebnissen, Erfahrungen und Erkenntnissen erstelle ich Reiseerlebnisberichte, wie den vorliegenden Reiseerlebnisbericht meiner Reise durch Teile des südlichen Afrikas. Solche Reiseerlebnisberichte sind erforderlich und notwendig, denn in den modernen Massengesellschaften bestimmen die Massenmedien die öffentliche Meinung, und somit bestimmen die Massenmedien das, was wir als unhinterfragte Tatsachen akzeptieren und hinnehmen sollen und das, was wir als Wahrheit glauben sollen. Andere, insbesondere die Massenmedien, der Staat insbesondere über die Schulpflicht, und weltweit wieder zunehmend Religionen bestimmen und gestalten unser Weltbild und unsere Weltanschauung. In allen Bereichen werden wir heute durch Spezialisten und Experten entmündigt, und eigene Recherchen und Forschungen sind unerläßlich, um sich selbstständig ohne Anleitung durch Andere eine unabhängige und kompetente eigene, fundierte und begründete Meinung bilden zu können. Wir sind aufgefordert, uns selbst darüber zu informieren, was in der Welt der Fall ist, und selbst herauszufinden, wie die Welt beschaffen ist. Dies ist Voraussetzung, daß Aufklärung möglich ist und gelingen kann und das Projekt der Aufklärung (37) nach dessen Unterbrechung im extremen 20. Jahrhundert (38) eine Fortsetzung finden kann. Zu einer eigenen Weltanschauung kann nur der gelangen, wer die Welt selbst angeschaut hat. Deshalb sind heute Anregungen zu erlebnisreichen, erfahrungsreichen, erkenntnisreichen, grenzüberschreitenden und horizonterweiternden Reisen erforderlich und notwendig, und meine Reiseerlebnisberichte sollen eine derartige Anregung bieten.

 

Derartige Anregungen sind insbesondere heute erforderlich und notwendig: Wir leben heute zunehmend naturentfremdet in künstlichen, urbanen Umwelten und virtuellen Realitäten des digitaltechnischen Zeitalters, die unsere Wahrnehmungen, Erlebnisse und Erfahrungen prädisponieren, prägen und formen. Die urbane Lebensweise ist gleichermaßen von Naturentfremdung, Körperentfremdung und Bewegungsmangel geprägt. Durch jahrzehntelange autogerechte Planung sind unsere Städte heute unwirtlich, laut, hektisch, aggressiv und häßlich. Die architektonische Gewalt der urbanen Planungslandschaften präformiert die urbane Gesellschaft. In den urbanen Ghettos werden die Menschen verwaltet, überwacht und kontrolliert. Die Konsumkultur produziert und vermarktet Ablenkungen, Zerstreuungen und seichte Vergnügungen, und permanent unterliegen wir der Beeinflussung und der Manipulation durch Massenmedien einer Massengesellschaft. Die Fähigkeit und Bereitschaft zum Alleinsein und zur Einsamkeit, zur Ruhe und Stille, zur Selbstfindung, zur Reflektion und zum Nachdenken ist verloren gegangen. In einer permanent beschleunigten Gesellschaft durchhasten wir automobil die Landschaften, die abgeschirmt von unseren sinnlichen Wahrnehmungen lediglich durch die Windschutzscheibe flüchtig zur Kenntnis genommen werden. Jegliche Intensität und Authentizität der Wahrnehmung und Erfahrung von „Welt, „Natur“ und „Wirklichkeit“ ist in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft verloren gegangen, und dies erreicht nun im angebrochenen digitaltechnischen Zeitalter gänzlich neue Ausmaße, Intensitäten und Qualitäten der Entfremdung des Menschen. 

2. Inhalt


  1. Einleitung                                                                               

  2. Inhalt                                                                                    

  3. Kapstadt, Hafenmetropole an der Seefahrtroute zwischen Europa und Indien                              

  4. Windhoek und Swakopmund: Stadtgründungen in Folge der Berliner Kongokonferenz 1884/85 

  5. Etosha und der Mythos vom Naturparadies Afrika                   

  6. Durch den „Caprivi-Streifen“ zu den Victoria-Fällen                 

  7. Pretoria oder: Die Burenrepubliken und der „Wettlauf um Afrika“ 

  8. Johannesburg: Vom Goldrausch zur Megacity   

  9. Diamantenrausch und Geopolitik in Kimberley   

10. Bloemfontein: Der Zweite Burenkrieg, eine Urkatastrophe des extremen 20. Jahrhunderts    

11. Durch das Hochland von Lesotho und über die Drakensberge    

12. Entlang der Küste des Indischen Ozeans zurück nach Kapstadt 

13. Anmerkungen
          

3. Kapstadt, Hafenmetropole an der Seefahrtroute zwischen Europa und Indien


Meine Reise durch das südliche Afrika begann ich in der Hafenmetropole Kapstadt (39), die heute rund 450.000 Einwohner hat. Nach Kapstadt gelangte ich mit einem Flug vom Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) über Paris (CDG). Die Flugdistanz von Paris nach Kapstadt beträgt ca. 10.000 Kilometer. Dieser Flug erfolgte in einer Höhe von annähernd 12.000 Metern bei einer Außentemperatur von bis zu -55 °C und einer Fluggeschwindigkeit von teilweise bis zu 1000 kmh. Wie üblich bestand mein Reisegepäck auch auf dieser Rucksackreise aus einem großen Rucksack, der beim Einchecken am Flughafen ein Gewicht von 11,7 Kilogramm hatte, sowie einem kleinen Tagesrucksack, und zudem meiner Digitalkamera Panasonic Lumix DMC G2. 

 

Die Ankunft am Cape Town International Airport (CPT) erfolgte am 29.10.2025 um 5:50 h Ortszeit. Die Ortszeit im südlichen Afrika entspricht unserer Sommerzeit, sodaß die Uhren eine Stunde vorgestellt werden. In der Ankunftshalle des Flughafens CPT war auf großen Wandplakaten die Präsidentschaft Südafrikas in den G 20 vom 01.12.2024 bis zum 30.11.2025 Thema. Die Paßkontrolle bei der Einreise nach Südafrika am Flughafen erfolgte zügig: Die Reisepässe wurden elektronisch eingelesen und die Einreisenden erhielten dann den Einreisestempel, wobei mir ein Aufenthaltszeitraum in Südafrika vom 29.09.2025 bis zum 27.01.2026 gewährt wurde. Für Bürger der Bundesrepublik Deutschland ist für die Einreise nach Südafrika kein Visum erforderlich. Eine zusätzliche Erfassung biometrischer Daten, wie z.B. Einscannen von Fingerabdrücken und Iris-scan, was mittlerweile seit den Ereignissen des 11.09.2001 an vielen Grenzübergängen auch in Europa der Fall ist, erfolgte hier nicht. Die Entfernung vom Flughafen CPT ins Stadtzentrum beträgt ca. 21 Kilometer, und für die Fahrt dorthin wollte ich den MyCiti-Bus nehmen, der in meinen Reiseführern als zuverlässig und sicher empfohlen wird. Direkt vor dem Flughafengebäude gibt es eine Haltestelle dieses Busses. Ich erfuhr jedoch, daß dieser Bus auf der Strecke zum Flughafen seit ca. zwei Jahren den Betrieb eingestellt hat. Ich gelangte dann vom Flughafen CPT ins Stadtzentrum von Kapstadt mit einem Uber-Taxi, die dort als seriös und sicher gelten, anders als die sonstigen Taxis. Wie mir der Taxifahrer berichtete, dürfen die Uber-Taxis in Kapstadt kein Bargeld annehmen, und die Zahlung des vor der Fahrt vereinbarten Fahrpreises erfolgt ausschließlich per Kartenzahlung.  

 

In Kapstadt hielt ich mich zu Beginn meiner Reise sieben Tage auf, und am Ende meiner Reise weitere drei Tage, wobei ich Exkursionen unternahm und verschiedene Museen und Gedenkstätten besuchte. Kapstadt präsentiert sich als eine weltoffene und internationale Metropole, gelegen an einer seit der frühen Neuzeit bestehenden Weltschifffahrts- und Welthandelsroute zwischen Europa und dem südlichen und südöstlichen Asien. Die Stadt Kapstadt wurde im Jahre 1652 auf Veranlassung der Niederländisch-Ostindischen Kompanie (VOC) (40) gegründet, die hier auf der Seefahrtroute von Europa nach Indien eine Versorgungsstation einrichtete. 

 

Im Rahmen meiner Stadtexkursionen in Kapstadt war die Niederländisch-Ostindische Handelskompanie (VOC) und ihre Geschichte wiederholt präsent. Zuerst gelangte ich zum Company‘s Garden, der das Zentrum der niederländischen Niederlassung am Kap bildete. Angelegt wurde der Garten im Jahre 1652, um die zwischen den Niederlanden und Indien verkehrenden Segelschiffen der Niederländisch-Ostindischen Kompanie (VOC) mit frischem Gemüse zu versorgen. 

 

Dann besuchte ich am 29.10.2025 das von der Niederländisch-Ostindischen Kompanie (VOC) in den Jahren von 1666 bis 1679 erbaute „Castle of Good Hope“, eine frühneuzeitliche Zitadelle (41). Diese Zitadelle war das Hauptquartier der VOC, und heute ist sie das älteste erhaltene Gebäude in Kapstadt und in Südafrika. Die Mauern und Bastionen der Zitadelle sind begehbar, und von dort bietet sich ein Panoramablick über Teile von Kapstadt. In den Räumen der Zitadelle sind mehrere Museen und Ausstellungen untergebracht, die ich besuchte. Wie eine historische Ausstellung in der Zitadelle vermittelt, ging der Errichtung der Zitadelle die Beauftragung des Jan van Riebeeck durch die VOC im Jahre 1651 voraus, am Kap eine Versorgungsstation für die Segelschiffe der VOC auf ihrem Weg von Europa um Afrika herum und weiter nach Süd- und Südost-Asien zu errichten. Schon zuvor hatten Seefahrer aus Portugal eine Seefahrtroute um Afrika herum nach Indien erkundet (42). Insbesondere nach der Eroberung der Weltstadt (43) Konstantinopel (44) im Jahre 1453 (45), dem bedeutendsten westlichen Endpunkt des transkontinentalen eurasischen Seidenstraßenhandels (46), hatten sich in Europa die Bemühungen intensiviert, alternative Seehandelsrouten von Europa nach Süd- und Südost-Asien zu suchen. Im Rahmen derartiger Bemühungen wurde unter anderem Amerika entdeckt. In Europa war damals der Bericht des Herodot bekannt gewesen, der darstellt, daß Phönizier etwa im Jahre 600 v. Chr. mit Schiffen Afrika umfahren hätten. 

 

Die historischen Grundlagen und der Anlaß dieser Entwicklungen, aus denen unsere heutigen globalen Verhältnisse hervorgingen, sind im Niedergang des Byzantinischen Reiches (47) und im Aufstieg und der Expansion des Osmanischen Reiches (48), einem sogenannten „Gunpowder Empire“ (49) begründet. Schlüsseldatum dieser Entwicklung ist das Jahr 1204 mit der Eroberung der Weltstadt Konstantinopel (50) auf Veranlassung der Seerepublik Venedig (51), womit die Untergangsphase des Byzantinischen Reiches eingeleitet wird, die mit der Eroberung von Konstantinopel im Jahre 1453 ihren Abschluß findet. Die globalhistorische Rolle und Funktion der seit dem Jahre 413 von der theodosianischen Landmauer (52) geschützten Weltstadt Konstantinopel, dem bedeutendsten westlichen Endpunkt des transkontinentalen eurasischen Seidenstraßenhandels, in der Spätantike und im Mittelalter ist sowohl Gegenstand der Politischen Geografie (53), als auch der Globalgeschichte (54). 

 

Das (oströmische) Byzantinische Reich, und insbesondere die Weltstadt Konstantinopel, dem bedeutendsten westlichen Endpunkt des transkontinentalen eurasischen Seidenstraßenhandels, die seit dem Jahre 413 von der theodosianischen Landmauer geschützt war, hatte in Europa in der Spätantike und im Mittelalter über viele Jahrhunderte hinweg bis zum Untergang des Byzantinische Reiches eine Rolle und Funktion eines Bollwerks nach Osten ausgefüllt. Im Jahre 447 hielt die Theodosianische Mauer die Invasion der Hunnen (55) ab, die nun nicht in das Oströmische Reich, sondern in das Weströmische Reich (56) einfielen. Dann scheiterten während der arabischen Expansion (57) im siebten und achten Jahrhundert die beiden Belagerungen der von der theodosianischen Landmauer geschützten Weltstadt Konstantinopel durch arabische Armeen in den Jahren 674–678 (58) sowie 717/718 (59), was den Vormarsch der arabischen Armeen Richtung Europa beendete. Die abgewehrten Belagerungen verhinderten die Eroberung des Byzantinischen Reichs und damit eine Invasion der Araber über den Balkan nach Europa. Von den Arabern wurde nun bei deren Expansion das Byzantinische Reich südlich umgangen, sodaß diese Europa über die Iberische Halbinsel erreichten. Von den Mongolen wurde das Byzantinische Reich bei deren Expansion im 13. Jahrhundert (60) nördlich umgangen, wobei die mongolische Expansion in Europa nicht aufgehalten werden konnte (61). Eine solche Invasion Europas wurde später erst dem Militärimperium (Gunpowder empire) des Osmanischen Reiches in Folge der Eroberung der Weltstadt Konstantinopel im Jahre 1453 möglich, sodaß sich das Osmanischen Reich mit seinen Sklavenarmeen (62) bis vor die Tore der Stadt Wien (63) ausweiten konnte. 

 

Beginn der Untergangsphase des Byzantinischen Reiches war die Eroberung und Plünderung der Weltstadt Konstantinopel im Jahre 1204 auf Veranlassung der Seerepublik Venedig, ein historischer Markstein mit weitreichenden, die globalen Verhältnisse der Gegenwart prägenden Folgen. Die Eroberung und Plünderung der Weltstadt Konstantinopel im Jahre 1204 n. Chr. während des Vierten Kreuzzuges (64), wobei insbesondere der Seerepublik Venedig eine entscheidende Rolle zukommt, und die Errichtung des Lateinischen Kaiserreiches (65) leiteten den Untergang des Byzantinischen Reiches ein, und dieser Untergang fand mit der Eroberung Konstantinopels durch das expandierende Militärimperium des Osmanischen Reiches im Jahre 1453 seinen Abschluß. Die Eroberung von Konstantinopel im Jahre 1453 gilt als ein Markstein der Epochenwende vom Mittelalter zur Neuzeit. In Folge der Eroberung der Weltstadt Konstantinopel, dem bedeutendsten westlichen Endpunkt des transkontinentalen eurasischen Seidenstraßenhandels, verlagerten sich die Seehandelsrouten vom Mittelmeer zum Atlantik, wo neue See- und Handelsmächte entstanden und Weltgeltung erlangten, und die Seerepublik Venedig verlor ihre Rolle als dominierende See- und Handelsmacht. 

 

Über das Mittelalter hinweg konnten es sich die Fürsten und Staaten des christlichen Europas im Schatten des Schutzes durch das Byzantinische Reich erlauben, gegeneinander um territoriale und wirtschaftliche Vorteile zu konkurrieren und aus diesen Gründen gegeneinander Kriege zu führen, bis das Byzantinische Reich ein Opfer dieser Praxis wurde, wie die Ereignisse des Jahres 1204 und dessen weitreichende globalhistorische Folgen zeigen. Im Schatten des Schutzes durch das Byzantinische Reich existierte das christliche Europa im Mittelalter in selbstbezogener Weltabgeschiedenheit, und im Vergleich mit der Antike war die Weltkenntnis im christlichen Europa im Mittelalter erheblich geringer. Erst mit der Reise des Marco Polo (66) nahm das Interesse in Europa an Asien wieder zu. Mit dem Untergang des Byzantinischen Reiches war Europa nun selbst mit der übrigen Welt konfrontiert und mußte seine überaus mangelhafte Weltkenntnis verbessern und deren Horizont ausweiten. 

 

Die Folgen der Eroberung der Weltstadt Konstantinopel und des Untergangs des Byzantinischen Reiches, insbesondere auch für die Seerepublik Venedig, der damals im Mittelmeerraum dominierenden See- und Handelsmacht, waren damals nicht absehbar, aber sehr weitreichend: Der Seehandel und die Schifffahrtsrouten verlagerten sich vom Mittelmeer in den Atlantik, die Seerepublik Venedig verlor ihre Bedeutung als dominierende See- und Handelsmacht im Mittelmeerraum, und neue See- und Handelsmächte stiegen am Atlantik auf. Zuerst war dies das Königreich Portugal (67), das die Seerepublik Venedig als dominierende See- und Handelsmacht ablöste (68). Später wurde das Königreich Portugal als dominierende See- und Handelsmacht von der Niederländisch-Ostindischen Kompanie (VOC) verdrängt und abgelöst. 

 

In der frühneuzeitlichen Zitadelle „Castle of Good Hope“ gibt es neben der historischen Ausstellung eine „William Fehr Collection“, in der insbesondere Gemälde ausgestellt sind, die historische Ansichten von Landschaften, Menschen und gesellschaftlichen Verhältnissen in der Kap-Region bieten. Des Weiteren gibt es hier ein „Military Museum“, das die militärischen Konflikte in der Kap-Region zum Thema hat. Zudem befindet sich hier ein „Camissa Museum – a Camissa African centre for restorative memory“ (69). Gegenstand dieses Museums ist die vielfältige Migrationsgesellschaft, die im südlichen Afrika und insbesondere in der Metropole Kapstadt über mehrere Jahrhunderte hinweg entstanden ist. In den angebotenen umfangreichen Informationen dieses Museums werden Aspekte der geschichtlichen Entwicklung und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft dargestellt und erörtert. 

 

Des Weiteren besuchte ich am 01.11.2025 das Sklaverei-Museum in der ehemaligen „Slave Lodge“ (70). Diese Slave Lodge war im Jahre 1679 von der VOC für die Unterbringung der von ihr gehaltenen Sklaven erbaut worden, deren Aufgabe es zunächst gewesen ist, den Company‘s Garden zu versorgen. Thema des Museums ist vorwiegend die Geschichte der Sklaverei am Kap, die gegliedert in 18 thematische Räume umfangreich behandelt wird. Im hinteren Teil des Museums läßt eine Zeitskala diese Geschichte der Sklaverei im Jahre 1444 in Portugal in der Stadt Lagos am „Mercado de Escravos“ (Sklavenmarkt) beginnen. Warum dieser zeitliche und räumliche Punkt innerhalb der Geschichte der Sklaverei herausgegriffen und herausgestellt wird, wird nicht begründet. Um jedoch das Phänomen der Sklaverei (71) angemessen zu behandeln und sinnvoll zu verstehen, muß auch hier der Horizont der Betrachtung in seiner geografischen Breite und seiner historischen Tiefe erweitert werden. 

 

Innerhalb der Menschheitsgeschichte wird Sklaverei im Zuge der Neolithischen Revolution und der darauf folgenden Entstehung cephaler, hierarchischer, arbeitsteiliger, bürokratisch verwalteter und staatlich organisierter Gesellschaften in den Frühen Hochkulturen ein Massenphänomen und ein Massenschicksaal. Insbesondere in Gestalt der Sklaverei, wobei Menschen zu Arbeitsvieh gemacht werden, erfaßt der Prozeß der Domestikation den Menschen selber (72). In Europa fand die Institution der Sklaverei ab der Spätantike durch die Ausweitung des Christentums weitgehend ein Ende. Fortbestand hatte hingegen die Sklaverei im Mittelalter in den Periferien Europas und insbesondere in den sich ausweitenden Islamischen Imperien, die Orientalische Despotien und Sklavenhaltergesellschaften waren (73), wie z.B. das Militärimperium des Osmanischen Reiches, das einen ausgedehnten Sklavenimporthandel insbesondere mit Sklaven aus dem östlichen Europa und aus Afrika betrieb. An diesem Sklavenimporthandel in das Osmanische Reich beteiligte sich u.a. die Seerepublik Venedig, die Sklavenmärkte auf ihren Territorien im Mittelmeerraum unterhielt. 

 

Grundlage des Entstehens der neuzeitlichen (kolonialen) Sklaverei ist die Einrichtung von Fernhandelskompanien (74) in den europäischen Staaten im Rahmen einer merkantilistischen Wirtschafts- und Handelspolitik (75) im Zeitalter des Absolutismus (76). Die bekanntesten Fernhandelskompanien waren die im Jahre 1600 gegründete britische East India Company (77), die im Jahre 1602 gegründete Niederländisch-Ostindische Kompanie (VOC) und die im Jahre 1664 gegründete französische Compagnie des Indes Orientales (78). Diese Fernhandelskompanien waren bestrebt, große Teile des Seehandels zu kontrollieren und zu monopolisieren, und sie wurden von den Königen der Staaten mit sehr weitgehenden, quasi-staatlichen Privilegien ausgestattet, darunter Handelsmonopole, Recht zur Ausrüstung von Handels- und Kriegsschiffen, Recht auf Aufstellung und Unterhalt eigenen Militärs, Besitzrecht auf eroberte Gebiete, Recht auf Prägung eigener Münzen und Recht auf eigene Gerichtsbarkeit. In ihren eroberten Überseeterritorien praktizierten diese Fernhandelskompanien jenseits irgendwelcher Kontrollen und ethischen Schranken die in Europa seit der Spätantike verbotene und verpönte Sklaverei als Bestandteil ihres Geschäftsmodells und zur Maximierung ihrer Erträge, und sie beteiligten sich am Sklavenhandel mit Sklaven, die sie auf außerhalb Europas bestandenen und vorgefundenen Sklavenmärkten aufkauften (79). Diese neuzeitliche (koloniale) Sklaverei weitete sich zusammen mit der Ausweitung der Plantagenökonomie (80) außerhalb Europas aus. Die neuzeitliche (koloniale) Sklaverei sowie die Sklaverei weltweit fand ein Ende durch den Erfolg der weltweiten Bürgerrechtsbewegung des Abolitionismus (81). 

 

Auf diesen Zusammenhang des Entstehens der neuzeitlichen (kolonialen) Sklaverei in Folge der Einrichtung von Fernhandelskompanien geht eine aktuelle Sonderausstellung im Eingangsfoyer des Sklaverei-Museums in der ehemaligen Slave Lodge mit dem Titel „The Names of Freedom“ ein. Dargestellt wird, wie die Sklaven u.a. durch Umbenennung ihrer Namen ihre bisherige Identität verlieren und zu Objekten gemacht werden. In diesem Rahmen wird am Beispiel der Insel Reunion und der im Jahre 1664 gegründeten französischen „Compagnie des Indes Orientales“ dargestellt, wie die absolutistisch regierenden Fürsten, hier Ludwig XIV., im Rahmen einer merkantilistischen Handels- und Wirtschaftspolitik Fernhandelsgesellschaften mit sehr weitreichenden Vollmachten gründeten und förderten. In ihren eroberten Überseeterritorien praktizierten diese Fernhandelskompanien jenseits irgendwelcher Kontrollen und ethischen Schranken die in Europa seit der Spätantike verbotene und verpönte Sklaverei als Bestandteil ihres Geschäftsmodells und zur Maximierung ihrer Erträge. 

 

Die französische Fernhandelskompanie „Compagnie des Indes Orientales“ ist zentrales Thema in der Stadt Lorient im Süden der Bretagne und in der kleinen Nachbarstadt Port-Louis (82), die ich während meiner Fahrradreise durch die südliche Nordseeregion im Sommer 2022 besucht hatte. In Folge der Gründung der Compagnie des Indes Orientales im Jahre 1664 war die Hafenstadt Lorient im Jahre 1666 als Handelshafen gegründet worden, die dann für rund ein Jahrhundert „Frankreichs Tor zur Welt“ gewesen ist. Grundlage der Gründung von Fernhandelskompanien im Rahmen einer merkantilistischen Wirtschafts- und Handelspolitik im Zeitalter des Absolutismus war der steigende Geldbedarf des absolutistischen Staates, denn der absolutistisch regierende König benötigte für den Ausbau und die Entfaltung seiner unbeschränkten Macht nach außen und innen immer umfangreichere Finanzmittel. 

 

Wachsende Finanzmittel wurden insbesondere dazu benötigt, um in den im Zeitalter des Absolutismus entstehenden neuartigen Territorialstaaten (83) jetzt stehende Heere (84) untergalten können, und um die Grenzlinien dieser neuartigen Territorialstatten mit zahlreichen neuartigen teuren Zitadellen abzusichern. So wurde z.B. das Königreich Frankreich, ein neuzeitlicher Territorialstaat, während der Herrschaft König Ludwig XIV. (1638-1715) (85) von mehr als 160 von Festungsbaumeister Sébastian Le Prestre de Vauban (1633 - 1707) (86) geplanten neuzeitlichen Fortifikationen (Zitadelle) umgeben. Vauban hatte den neuzeitlichen Festungsbau (Zitadelle) zu einer neuzeitlichen Wissenschaft entwickelt. 12 dieser Fortifikationen Vaubans sind seit 2008 Unesco-Weltkulturerbe (87). Diese neuzeitlichen Festungen sind zusammen mit stehenden Heeren und exakt vermessenen und permanent militärisch bewachten Grenzlinien ein Charakteristikum des neuzeitlichen, absolutistischen und zentralistischen Staates in Abgrenzung zum Personenverbandsstaat (88) des Mittelalters. Die Architektur der neuzeitlichen Zitadelle wird insbesondere durch das Aufkommen von Kanonen mit großer Zerstörungskraft bestimmt (Gunpowder Empires). Das Aufkommen von Kanonen mit großer Zerstörungskraft leitete zudem den Niedergang der freien und selbstständigen Städte (89) ein, deren Freiheit und Selbstständigkeit nun nicht mehr wie noch im Mittelalter durch Stadtmauern geschützt werden konnte. 

 

In der Zitadelle der kleinen Stadt Port-Louis widmet sich das „Musée de la Compagnie des Indes“ den historischen Zusammenhängen, das ich am 27.08.2022 besucht hatte. Die nach dem Vorbild der im Jahre 1602 gegründeten Niederländisch-Ostindischen Kompanie (VOC) im Jahre 1664 gegründete französische Compagnie des Indes Orientales hatte ihren Sitz in Port-Louis an der Mündung des Flusses Blavet. Schon im Jahre 1666 war auf der gegenüberliegenden Flußseite die Hafenstadt Lorient als Planstadt und Handelsmetropole erbaut worden. Von hier aus beteiligte sich die Compagnie des Indes Orientales am Handel mit Asien, wobei insbesondere Gewürze, Tee und Porzellan bezogen wurden, sowie am Handel über den Atlantik, wobei Sklaven, Zucker und Kaffee die bedeutendsten Handelswaren waren. Die Ausstellung des „Musée de la Compagnie des Indes“ beleuchtet die zunehmende Bedeutung des Seehandels, die Gründung von Fernhandelskompanien in Europa, die Bedeutung der Stadt Lorient für den Seehandel Frankreichs, sowie die Handelswaren und die Bedingungen und Umstände dieses Seehandels. Im Zuge dieses Seehandels weitete sich die Plantagenökonomie aus und mit dieser der Sklavenhandel insbesondere über den Atlantik nach Amerika, und dieser Sklavenhandel ist ebenfalls Thema der Ausstellung. 

 

In Kapstadt ist das Hafengelände des viktorianischen Zeitalters, die „Victoria & Alfred Waterfront“ ein beliebtes Touristenziel. Es gibt hier einen „Nelson Mandela Gateway“, von dem aus man per Fähre zur ca. 11 km entfernten Insel Robben Island (90) fahren kann. Eine solche Tour mit einem Besuch der Insel Robben Island habe ich am 03.11.2025 unternommen. Die Insel Robben Island wurde seit dem 17. Jahrhundert als Straflager genutzt, zuletzt bis Anfang der 90er Jahre als Gefängnis für Gegner des Apartheid-Regimes (91), darunter Nelson R. Mandela (1918-2013). Im Gebäude des „Nelson Mandela Gateway“ gibt es eine Ausstellung zum Thema „Robben Island of the 20th Century“, die die Entwicklungen auf Robben Island im Rahmen des politischen Wandels in Südafrika zum Thema hat. Die Ausstellung beginnt mit der Gründung der Südafrikanischen Union im Jahre 1910 und endet mit der Einrichtung eines Museums auf Robben Island und der Erklärung zum Unesco Welterbe im Jahre 1999. Zweifellos ist die in dieser Ausstellung dargestellte Geschichte ein Bestandteil des „extremen“ 20. Jahrhunderts (92). 

 

Die Insel Robben Island kann im Rahmen von organisierten Touren und Führungen besucht werden. Dabei erfolgt eine Rundfahrt in Bussen, wobei Gefängnisgebäude, Gebäude für das Wachpersonal, sowie ein Steinbruch passiert werden, in dem Gefangene Zwangsarbeit verrichten mußten. Der Höhepunkt der Tour ist der nachfolgende Besuch des Gefängniskomplexes im Rahmen einer Führung durch ehemalige Häftlinge. 

 

Diese Totale Institution (93) repräsentiert drei Erscheinungsformen bzw. Typen Totaler Institutionen gleichzeitig: 1. Das Gefängnis (94), 2. Das Lager (95), 3. Die Strafkolonie (96). Baulich ähneln sich derartige Totale Institutionen, darunter auch NS-Konzentrationslager; sie sind nach dem architektonischen Konzept des Panoptismus (97) erbaut mit dem Ziel totaler Überwachung und Kontrolle der Häftlinge. Zur Analyse des jeweiligen Regimes innerhalb derartiger Totaler Institutionen, unter denen es erhebliche Unterschiede geben kann, reicht die Betrachtung der durchaus ähnlichen Architektur nicht aus. Hierfür sind von herausragender Bedeutung die Berichte von (ehemaligen) Häftlingen, um den jeweiligen Charakter des Regimes der jeweiligen Totalen Institution erfassen und mit den Regimen anderer Totaler Institutionen vergleichen zu können. 

 

Totale Institutionen werden auch heute noch als selbstverständlich, als erforderlich und alternativlos für den „Normalbetrieb“ der Industriegesellschaft angesehen, aber tatsächlich sind sie Formen von organisiertem Verbrechen. Daß sich bestehende gesellschaftliche Zustände und Verhältnisse auch verändern und humanisieren lassen, zeigt das Beispiel der Ächtung und Abschaffung der Sklaverei, und mit einer entsprechenden Politik eines Abolitionismus lassen sich auch Totale Institutionen, insbesondere Gefängnisse, das Strafrecht und das Bestrafen abschaffen (98). 

 

Des Weiteren besuchte ich in Kapstadt am 30.10.2025 das exzellente South African Museum, das in seinen zwei Abteilungen, einer großen und umfangreichen naturkundlichen Abteilung und einer ethnografischen Abteilung eine Vielzahl unterschiedlicher Ausstellungen bietet (99). Zweifellos zählt dieses Museum zu den besten und sehenswertesten Museen im südlichen Afrika. Unter den besten und sehenswertesten Museen im südlichen Afrika kann ich zudem das Swakopmund-Museum in der Stadt Swakopmund, das Kimberley Mine Museum in der Stadt Kimberley, das Anglo-Boere Oorlog Museum (War Museum of the Boer Republics) in der Stadt Bloemfontein, das East London Museum in der Stadt East London und das Maritime Museum in der Stadt Mossel Bay hervorheben, die ich im weiteren Verlauf meiner Reise neben weiteren Museen besucht habe. 

 

In der ethnografischen Abteilung des South African Museums sind Felsbilder (100) das Hauptthema, die sich zahlreich im südlichen Afrika und darüber hinaus im gesamten Afrika antreffen lassen. Felsbilder werden seit dem Jungpaläolithikum produziert, und es gibt sie auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis. Von den San (Buschleute) (101) und den Aborigines werden Felsbilder bis in die Gegenwart hergestellt. Unser Wissen über vorgeschichtliche Kulturen ist extrem gering, und Archäologen rekonstruieren mühsam Aspekte der sogenannten „Materiellen Kultur“ (102). Archäologen können allerdings keinerlei Aussagen über die sogenannte „Immaterielle Kultur“ leisten. Anhand von Felsbildern werden Rückschlüsse auf Aspekte „Immaterielle Kultur“ versucht. 

 

Die umfangreiche naturkundliche Abteilung des Museums bietet eine Vielzahl unterschiedlicher Ausstellungen. Hier hat die Hauptausstellung die Lebensräume Meer und Savanne zum Thema. Im Bereich Meer werden ausführlich Haie und deren vielfältige biologische Besonderheiten dargestellt. Zudem sind Wale ein Schwerpunktthema, wobei in einer großen Halle mehrere riesige Walskelette ausgestellt sind. Im Zentrum des Themenbereichs Savanne (103), eine Landschaft, die ein Viertel des afrikanischen Kontinents prägt, stehen die auch landschaftsgestaltenden ökologischen Beziehungen der zahlreichen unterschiedlichen in der Savanne lebenden Tiere. Des Weiteren bietet das South African Museum eine Mineralien Galerie, zudem eine Ausstellung mit dem Titel „The Sea and Us“, die die Bedeutung der beiden Ozeane Atlantik und Indik für Südafrika zum Thema hat. Eine weitere umfangreiche Ausstellung widmet sich der Südpolarregion im Rahmen der Mitgliedschaft Südafrikas beim Antarktis-Vertrag (104) und der in diesem Rahmen stattfindenden Polarforschung, wobei von Südafrika Forschungsstationen in der Antarktis, auf der Marion-Insel sowie der Gough-Insel unterhalten werden. Weitere Ausstellungen haben Dinosaurier und den Ursprung der Säugetiere zum Thema. Eine kleine Ausstellung mit dem Titel „Darwin and the Cape“ stellt ausführlich den Naturforscher Charles R. Darwin (1809-1882) (105), seine Biografie als Wissenschaftler und seine Forschungsreise mit dem Schiff „Beagle“ von 1831 bis 1836 (106) vor, während der Darwin auch die Stadt Kapstadt und deren Umgebung besucht hatte. 

 

Zudem besuchte ich am 31.10.2025 den botanischen Garten Kirstenbosch (107). Dorthin gelangte ich im Rahmen der täglich von City Sightseeing Cape Town angebotenen und im Abstand von 20 Minuten mit Doppelstockbussen befahrenen „Blue Mini Peninsula Tour“. City Sightseeing Cape Town bietet zudem eine weitere, etwas kürzere ebenfalls täglich im Abstand von 20 Minuten befahrene “Red City Tour“ an. Auf beiden Touren kann man an verschiedenen Haltestellen diese Touren unterbrechen und aussteigen, um dann die Tour mit einem der im Abstand von 20 Minuten nachfolgenden Busse fortzusetzen. Eine Haltestelle der City Sightseeing Busse befindet sich bei der Touristeninformation von Cape Town Tourism in der Long Street 81 (Haltestelle Nr. 5), wo ich zustieg. Der Bus der „Blue Mini Peninsula Tour“ fährt im Uhrzeigersinn um den Tafelberg (1086 m) herum, wobei er u.a. am Gelände der Universität von Kapstadt vorbei gelangt. Das Visitor Center des botanischen Garten Kirstenbosch (Gate 1) befindet sich an Haltestelle Nr. 20, wo ich ausstieg, um den botanischen Garten zu besuchen. 

 

Dieser große, im Jahre 1913 eröffnete botanische Garten Kirstenbosch erstreckt sich in Hanglage im Südosten des Tafelbergs, und seit 2004 ist er Unesco Welterbe. Ein umfangreiches Netz von Wegen erschließt den weitläufigen Garten, darunter ein „Tree Canopy Walkway“ durch die Baumwipfel. Man hat Anschluß an das Netz von Wanderwegen in der Umgebung des Tafelberges (1086 m), die auch auf diesen hinauf führen. Zahlreiche Infotafeln (meist Englisch, teilweise auch dreisprachig) bieten Informationen zu einzelnen Pflanzen und verschiedenen weiteren Themen. Zweifellos kann man sich einen vollständigen Tag in diesem weitläufigen botanischen Garten aufhalten, ohne alles gesehen zu haben. 

 

Der botanische Garten Kirstenbosch repräsentiert insbesondere die Pflanzengesellschaft des sogenannten „Fynbos“ (108), einer artenreichen, in ihrem Vorkommen auf die Kap-Region beschränkten Pflanzengesellschaft. Im botanischen Garten Kirstenbosch läßt sich ein guter Eindruck von dieser vielfältigen Pflanzengesellschaft des „Fynbos“ gewinnen, die einen großen Teil der Fläche des botanischen Gartens einnimmt. Die Pflanzengesellschaft des „Fynbos“ zeichnet sich durch eine überaus große Artenvielfalt aus, von denen die meisten endemische Arten sind, die nur in der Kap-Region auf kleinem Raum und sonst nirgendwo vorkommen. Der „Fynbos“ ist ein bedeutender Bestandteil der Kap-Flora. Die Flora der Kap-Region (109) bildet als „Capensis“ die mit Abstand kleinste von insgesamt sechs Florenregionen (110) weltweit mit überwiegend endemischen Arten, die nur hier auf dem eng begrenzten Raum der Kap-Region vorkommen, und sonst nirgends. Insbesondere aufgrund ihres räumlich eng begrenzten Vorkommens sind mittlerweile viele der endemischen Pflanzenarten der Kap-Flora vom Aussterben bedroht. Durch die Ausweitung von Siedlungs- und Verkehrsflächen wird der begrenzte Lebensraum der Pflanzen der Kap-Flora weiter eingeschränkt, und in der Vergangenheit sind in der Kap-Region anstelle des „Fynbos“ ausgedehnte Kiefernmonokulturen angelegt worden, um Nutzholz zu gewinnen. 

 

Meinen Besuch des botanischen Gartens Kirstenbosch beendete ich am späten Nachmittag, um von der Haltestelle Nr. 20 mit dem letzten City Sightseeing Bus um 16:51 Uhr weiter fahren zu können. Die Fahrt verlief nun südlich des Tafelberges (1086 m) Richtung Südwesten zum Hafenort Hout Bay. Die dabei durchfahrenen Waldgebiete bestehen größtenteils aus Kiefern-Monokulturen. Heute gibt es Bestrebungen, diese Kiefernbestände wieder zu reduzieren, um der bedrohten Kap-Flora und dem Fynbos wieder mehr Raum zur Regeneration zu verschaffen. Zudem ist Eukalyptus häufig, invasive Neophyten (Neobiota) (111) aus Australien, die mittlerweile im gesamten südlichen Afrika häufig anzutreffen sind. Das Wetter war jetzt kühl und bewölkt, und zeitweise fiel etwas Regen. Die Busfahrt folgte nun der Nordwest-Küste unterhalb der Felsklippen der „Zwölf Apostel“ zurück nach Kapstadt. 

 

Den 1086 Meter hohen Tafelberg (112), der die Stadt Kapstadt überragt, erstieg ich am 04.11.2025 im Rahmen einer Wanderung, die ich im Stadtzentrum von Kapstadt startete. Auf meinem Weg durch Kapstadt zum Tafelberg gelangte ich durch Wohnsiedlungen, in denen die Hausgrundstücke mit elektrischen Zäunen umgeben sind, worauf auch Schilder verweisen, weitere Schilder verweisen auf Konzepte von „Neighbourhood Watch“ sowie auf Wachschutzdienste mit einem Konzept einer „Armed Response“ (Bewaffnete Reaktion). Grund derartiger Sicherheitsregime ist die extrem hohe Kriminalitätsrate im südlichen Afrika, insbesondere in der Republik Südafrika, die seit Ende der Apartheit die weltweit höchste Kriminalitätsrate aufweist. Wie in allen Städten in Südafrika ist auch in Kapstadt das Stadtzentrum von den Einwohnern europäischen Ursprungs weitgehend verlassen worden, die sich in bewachte Wohnsiedlungen außerhalb der Stadtzentren hinter hohen, oft mehrreihigen Zäunen und Mauern zurückgezogen haben. Die hohe Kriminalitätsrate prägt und gestaltet den Tagesablauf der Menschen in Südafrika, der möglichst bei Sonnenaufgang beginnt, damit dieser vor Sonnenuntergang beendet sein kann, denn bei Dunkelheit hält sich in Südafrika niemand mehr im Freien auf, sondern nur noch in gesicherten und bewachten Gebäuden. Auch Touristen wird dringend geraten, sich diese Praxis zur Gewohnheit zu machen, woran ich mich bei meiner Reise durch das südliche Afrika auch konsequent gehalten habe. 

 

Der von mir begangene Wanderpfad auf den Tafelberg (1086 m) führt durch die Platteklip-Schlucht an der Nordwand des Tafelberges hinauf in der Nähe einer in der Schweiz erbauten Seilbahn, die auf das Plateau des Tafelberges hinauffährt. Dieser Wanderpfad ist in einem guten Zustand und ausgeschildert, Steine auf diesem Weg sind oft zu Stufen angeordnet und loses Geröll ist mit Drahtgeflecht gesichert. Einige Wanderer waren hier unterwegs, obwohl die Mehrzahl der Touristen die Seilbahn nutzt. 

 

Das Plateau des Tafelberges erreichte ich beim Fontain Peak (1051 m). Das Gelänge auf dem Plateau ist felsig, und es wächst hier eine nur niedrige Vegetation. Auf markierten Wanderpfaden sind hier überwiegend Touristen unterwegs, die mit der Seilbahn hinauf gefahren sind. Ich folgte nun einem Wanderpfad, der über das Plateau Richtung Südosten zur höchsten Erhebung, dem Maclear’s Beacon (1086 m) führt. Dann gelangte ich zum westlichen Gipfel des Tafelberges (1073 m) in der Nähe der Seilbahnstation. Verschiedene Aussichtpunkte auf dem Plateau des Tafelberges bieten einen weiten Blick über die Stadt Kapstadt und in die umgebende Landschaft am Kap. In der Umgebung des Tafelberges gibt es zahlreiche weitere Wanderwege. Der Tafelberg mitsamt dem südlich anschließenden Kap der Guten Hoffnung ist heute ein Naturschutzgebiet. 

 

4. Windhoek und Swakopmund: Stadtgründungen in Folge der Berliner Kongokonferenz 1884/85 

 

Per Reisebus fuhr ich von Kapstadt aus weiter zur Stadt Windhoek in Namibia. Gefahren bin ich mit dem Reisebusunternehmen „Intercape“. Es ist im südlichen Afrika das einzige Reisebusunternehmen, dessen Reisebusse von Südafrika aus grenzüberschreitend in Nachbarländer fahren, darunter auch nach Namibia und durch Namibia hindurch. Die Routen des Reisebusunternehmens Intercape decken die Hauptstrecken in einem größeren Teil des südlichen Afrikas ab, vergleichbar mit Flixbus im mittleren Europa. Die Busse von Intercape sind in einem durchweg guten Zustand, und die Fahrpläne werden meistens eingehalten. Anders als Flixbus unterhält Intercape zudem Büros an nahezu allen Busbahnhöfen und Haltestellen, wo unkompliziert Tickets gekauft werden können, ohne das Internet bemühen zu müssen. 

 

Aufgrund der langen Distanz von rund 1.400 km von Kapstadt nach Windhoek bevorzugen viele Reisende einen Flug mit dem Flugzeug. Mich interessierte jedoch der Landschaftswandel auf dieser Strecke von Kapstadt nach Windhoek. Glücklicherweise hatte ich in dem Doppeldeckerbus einen Sitzplatz vorne im oberen Deck. Während dieser langen Busfahrt von mehr als 24 Stunden Dauer gab es mehrere Pausen, anhand derer sich die Fahrt untergliedern läßt. 

 

Die erste Etappe von Kapstadt bis zum Ort Piktberg führte durch eine größtenteils landwirtschaftlich genutzte Agrarlandschaft; insbesondere dominieren Viehweiden und Getreideanbau, wobei die landwirtschaftlichen Nutzflächen (LNF) sehr großflächig sind, was der Agrarlandschaft eine gleichförmige Monotonie verleiht. Aufgrund der Besonderheiten der Agrarverfassung (113) und der Agrargeschichte (114) des Ländlichen Raumes (115) in Europa vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit entstanden derartige großflächige Landwirtschaften weitgehend nur außerhalb Europas, insbesondere durch die Ausweitung der Plantagenökonomie (116) und deren Monokulturen (117), und in Siedlungskolonien (118), wie z.B. in den USA, aber auch in Südafrika und Namibia. Erst in der jüngeren Neuzeit entstehen auch in Europa durch fortschreitende Industrialisierung der Landwirtschaft, durch Flurbereinigungen und den Rückgang der Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe ebenfalls vermehrt agrarindustrielle Großbetriebe; in der östlichen Hälfte Europas erfolgte dieser Prozeß im Zuge der Industrialisierung (119) und der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft (120) gemäß dem Vorbild der Sowjetunion. 

 

Die permanente Ausweitung der Monokulturen der industriellen Landwirtschaft und Forstwirtschaft auf Kosten traditioneller Subsistenz-Landwirtschaft ist der Hauptgrund des weltweit rasant voranschreitenden Artensterbens (121). Das Artensterben ist vor dem sogenannten „Klimawandel“ das weltweit größte ökologische Problem, womit es ein wesentliches Merkmal des neuen Erdzeitalters des Anthropozän (122) ist. 

 

In dieser Agrarlandschaft zwischen den Orten Kapstadt und Piktberg, die ursprünglich den Landschaftscharakter einer afrikanischen Savanne hatte, einem Landschaftstypus, der ein Viertel der Fläche des afrikanischen Kontinents prägt, fehlt heute Wald vollständig, und wenn es dort vereinzelt und selten Bäume gibt, so sind dies nahezu ausschließlich Eukalyptusbäume, invasive Neophyten (Neobiota) aus Australien. 

 

Hinter Piktburg wird die auf der Landstraße N7 durchfahre Landschaft bergig, und vor Erreichen des Ortes Citrusdal überquert Landstraße N7 den Piekenierskloof-Paß (519 m). Die Fahrt verläuft nun durch das von Bergen eingerahmte Tal des Flusses Olifants. Im Osten erreichen die Cederberge Höhen bis 1971 m. In dem Tal dominieren Plantagen mit Zitrusfrüchten. 

 

Nördlich des Ortes Klaver treten die Berge zurück, die Landschaft ist nun trockener, und sie hat den Landschaftscharakter einer Steppe. Landwirtschaft wird hier nur noch in geringem Umfang betrieben. Auch die woanders in Trockengebieten anzutreffende Präsenz von extensiver Schaf- und Ziegenhaltung fehlt hier fast vollständig. Es gibt hier trockene Flüsse, die im nördlichen Afrika „Wadi“ (123) genannt werden, und die nur bei seltenen Regenereignissen vorübergehend Wasser führen. Diese trockene Landschaft, die partiell den Charakter einer Halbwüste (124) hat, dann aber auch stellenweise den Landschaftscharakter einer Trockensavanne (125) erreicht, setzt sich nach Norden in Namibia (126) bis nach Windhoek fort. 

 

An der Grenze zwischen Südafrika und Namibia ist der Aufenthalt am Grenzübergang Noordoewer mit 3:30 Stunden unerwartet zeitaufwändig. Insbesondere dauerte die Einreise sämtlicher Buspassagiere nach Namibia lange. Obwohl Südafrika und Namibia eine Zollunion bilden, wurden bei den meisten Passagieren vom Zoll umfangreiche Gepäckkontrollen durchgeführt. Mein Gepäck wurde allerdings nicht überprüft. Im Vergleich dazu erfolgte die Erteilung eines „Visa on Arrival“ schnell. Seit Kurzem benötigen Bürger der Bundesrepublik Deutschland für eine Einreise nach Namibia ein Visum (Gebühr: 1600,- NAD), wohingegen zuvor die Vorlage des Reisepasses an der Grenze ausreichte. An der Grenze erfuhren die Passagiere des Reisebusses, daß aktuell unter dem Vorwand einer Tierseuche keine Lebensmittel tierischen Ursprungs nach Namibia mitgenommen werden durften. 

 

Zuerst war es mein Plan gewesen, in Namibia in der kleinen Stadt Keetmanshoop auszusteigen, um von dort zur Hafenstadt Lüderitz (127) weiter zu fahren, um diese kennenlernen zu können. Da der Reisebus jedoch mitten in der Nacht in Keetmanshoop eintreffen sollte, hatte ich diesen Plan vorerst wieder aufgegeben. 

 

Die bei der Weiterfahrt durchfahrene Landschaft hat den Charakter einer Halbwüste, teilweise einer Steppe. Weitgehend fehlt eine Vegetationsdecke, die den Boden vollständig bedeckt. Nördlich des Ortes Mariental ist die steppenartige Landschaft durch niedrige Büsche geprägt, die einen größeren Abstand zueinander haben. Auch diese trockene Landschaft, die sich offensichtlich für keinerlei landwirtschaftliche Nutzung eignet, ist wie schon in Südafrika nun auch in Namibia seitlich der Straßen vollständig eingezäunt. Vor Erreichen der Stadt Windhoek werden die Büsche größer, der Boden ist nun vollständig mit Gräsern bewachsen und die Landschaft hat nun den Charakter einer Trockensavanne. Die Stadt Windhoek (128) befindet sich auf einer Höhe von 1650 Metern im zentralen Hochland von Namibia, das eine durchschnittliche Höhe von 1700 Metern aufweist. Hier im zentralen Hochland beträgt der Jahresniederschlag ca. 300 bis 500 mm. In der Umgebung von Windhoek ist die Landschaft durch Trockensavanne geprägt. 

 

Wie meistens während meiner Reise logierte ich auch in Windhoek in einem Backpacker-Hostel. In diesen Hostels trifft man Reisende aus allen Weltgegenden, oft mit außergewöhnlichen und beeindruckenden Reisevorhaben. Meistens bieten sich Gelegenheiten zum Erfahrungsaustausch. So traf ich in Windhoek u.a. Gustavo aus Mexiko, der mit seinem Reisefahrrad durch das westliche Afrika von Marokko bis Kapstadt unterwegs war. Momentan wartete er in Windhoek nun schon seit fünf Wochen auf die Erteilung eines Visums für Südafrika, wie er mir berichtete. Er führte dieses insbesondere auf seinen mexikanischen Reisepaß zurück, der weltweit keinen hohen Stellenwert habe bezüglich der Reisefreiheit, die er ermöglicht, wohingegen z.B. die Bürger -Staaten der EU mit ihren Reisepässen weltweit erheblich bessere Reisemöglichkeiten hätten. Tatsächlich unterscheiden sich die Reisepässe der verschiedenen Staaten erheblich im Umfang der Reisefreiheit, die sie den jeweiligen Paßinhabern gewähren, wobei die Bürger der EU mit ihren Reisepässen vergleichsweise gut abschneiden, wie Vergleichsstudien zeigen (129). 

 

In der Stadt Windhoek habe ich Stadtexkursionen in das historische Stadtzentrum unternommen, wobei ich Sehenswürdigkeiten und Museen besucht habe. Auch sind hier verschiedene Gebäude aus dem Zeitraum von der Berliner Kongokonferenz 1884/85 (130) bis zum Ersten Weltkrieg erhalten, als das Territorium des heutigen Nationalstaats Namibia als ein „Schutzgebiet“ (131) vom Kaiserreich Deutschland (132) mit dem Namen „Deutsch-Südwestafrika“ (133) verwaltet wurde. Bei meiner Stadtexkursion gelangte ich zum im Jahre 1912 erbauten Bahnhof von Windhoek, vor dem sich verschiedene historische Schienenfahrzeuge befinden. Dann erreichte ich die sogenannte „Turnhalle“. Das im Jahre 1913 erbaute Gebäude dient heute als Gerichtsgebäude, und es war im Jahr 1975 der Ort der sogenannten „Turnhallenkonferenz“ (134), die den Prozeß hin zur staatlichen Unabhängigkeit Südwestafrikas einleitete. Ich folgte dann der Independence Avenue durch das Stadtzentrum, wobei ich u.a.am historischen Uhrenturm vorbei gelange. Dort sind Fragmente des Gibeon-Meteoriten (135) ausgestellt, die in den Jahren 1911-1913 von Geologen gefunden worden waren. Weiter gelangte ich vorbei am Zoo-Park, wo ein Denkmal an Kriegstote der Jahre 1893-94 erinnert, und dann bis zum ehemaligen „Ausspannplatz“. Dieser war früher ein Wendeplatz für Ochsengespanne, die vor dem Bau der Eisenbahn für den Lasttransport eingesetzt worden waren. 

 

Auch besuchte ich in Windhoek am 07.11.2025 das „Windhoek City Museum“. Schwerpunkt der Ausstellungen in den sechs Ausstellungsräumen des Museums ist die Geschichte der Stadt Windhoek. Bemerkenswert ist, daß ein größerer Teil der Ausstellungen zweisprachig ist in den Sprachen Englisch und Finnisch. Dazu ist in der Ausstellung zu erfahren, daß in der Vergangenheit in Namibia in größerem Umfang Missionare aus Finnland tätig waren, und offensichtlich entstand ein größerer Teil der Ausstellungen des Museums in Zusammenarbeit mit kirchlichen Stellen in Finnland. 

 

Des Weiteren besuchte ich am 08.11.2025 das „Unabhängigkeits-Gedenkmuseum“ (136). Es befindet sich zwischen der in den Jahren 1907 bis 1910 erbauten Christuskirche und der ab dem Jahre 1890 erbauten „Alten Feste“. Nordwestlich des Museums liegt der sogenannte „Tintenpalast“, das im Jahre 1913 fertig erbaute Verwaltungsgebäude des „Schutzgebietes“ Deutsch-Südwestafrika, das heute Sitz des Parlamentes von Namibia ist. Von der Aussichtsterrasse im Obergeschoß des Museumsgebäudes bietet sich ein Panoramablick über die Stadt Windhoek und deren Umgebung. 

 

Die Ausstellungen des „Unabhängigkeits-Gedenkmuseum“ sind nicht in Zusammenarbeit mit kirchlichen Stellen in Finnland geschaffen worden, wie im „Windhoek City Museum“, sondern dieses Museum ist von einer Firma aus Nord-Korea erbaut und ausgestaltet worden, und es wurde im Jahre 2014 eröffnet. Auf drei Etagen präsentiert dieses kostenfrei zugängliche Museum drei Ausstellungsteile: 1. Colonial Repression, 2. Liberation War, 3. Road to Independance, History Panorama. Am Beispiel von Namibia stellt das Museum einen Prozeß eines „Nationbuildings“ (137) dar, d.h. der Erzeugung eines Nationalstaates nach europäischem Vorbild, einem stets langwierigen und oft von gewaltsamen Auseinandersetzungen begleiteten Prozeß. Im Falle von Namibia erfolgte dieser Prozeß eines „Nationbuildings“ auf einem Territorium, das im Zuge des „Scramble for Africa“ und auf den Grundlagen der Berliner Kongokonferenz 1884/85 ohne Berücksichtigung ethnografischer Begebenheiten entstanden war, und das bis zum Ersten Weltkrieg vom Kaiserreich Deutschland als „Schutzgebiet“ verwaltet wurde. Anschließend wurde dieses Territorium im Auftrag des Völkerbundes (138) von der im Jahre 1910 gegründeten Südafrikanischen Union (139) verwaltet. Ausführlich dargestellt ist im Museum der auch militärisch ausgetragene Widerstand der SWAPO (140) gegen die Herrschaft Südafrikas und die ab 1948 auch in Namibia praktizierte Apartheitspolitik. Diese zuletzt von den UN moderierten Entwicklungen hatten am 21.03.1990 die staatliche Unabhängigkeit Namibias zum Ergebnis. 

 

Es stellt sich die Frage, in welchem Umfang die nordkoreanischen Erbauer des Museums auch die Ausstellung des Museums konzipiert und gestaltet haben und damit das vermittelte Geschichtsbild (141) prägen. Zweifellos kann man die dargestellten Entwicklungen auch anders und mit anderen Schwerpunkten und weitergehenden Informationen darstellen.  

 

Die im Süden an das „Unabhängigkeits-Gedenkmuseum“ angrenzende „Alte Feste“ war das Hauptquartier der „Schutztruppe“ des Kaiserreiches Deutschland im „Schutzgebiet“ Deutsch-Südwestafrika gewesen. Nach dem Ersten Weltkrieg war das Gebäude Hauptquartier des Militärs der Südafrikanischen Union. Im Jahre 1962 wurde hier ein Museum eingerichtet, doch zur Zeit meines Besuches der Stadt Windhoek war dieses Museum aufgrund von Bauarbeiten geschlossen. Zukünftig soll hier ein „Nationales Museum zur Genozid- und Kolonialgeschichte“ eingerichtet werden. Schon heute befindet sich vor dem Gebäude ein „Völkermord-Denkmal“. Gegenstand sind hier die Aufstände der Herero (142) und Nama (143) in dem „Schutzgebiet“ Deutsch-Südwestafrika während der Jahre 1904 bis 1908 und deren Niederschlagung durch die „Schutztruppe“ des Kaiserreichs Deutschland. Ob die Ereignisse unter die Definition des Begriffs Völkermord (144) fallen, ist Gegenstand von kontrovers geführten Diskussionen. Der Historiker Hans Hilpisch weist nach, daß diese Diskussionen überwiegend mit ungeprüften Behauptungen und ohne die Kenntnis genauer Zahlen, insbesondere der Bevölkerungsanzahl der verschiedenen Ethnien und der Entwicklung dieser Bevölkerungszahlen in der zurückliegenden Zeit, ohne die Kenntnis des detaillierten Hergangs der historischen Ereignisse sowie ohne die Kenntnis der geografischen Verhältnisse insbesondere in der Landschaft Omaheke geführt wird (145). 

 

Zudem muß festgestellt werden, daß Genoziden, Kolonialverbrechen und auch Kriegen und Gewaltherrschaft in der öffentlichen Wahrnehmung eine oft höchst unterschiedliche Aufmerksamkeit zukommt. So ist z.B. das zweifellos mit Abstand größte Kolonialverbrechen in Afrika, die sogenannten „Kongo-Greuel“ (146) im „Kongo-Freistaat“ (147) während der Herrschaft des belgischen Königs Leopold II. (1835-1909) (148) mit acht bis zwölf Millionen Toten, was etwa der Hälfte der damaligen Bevölkerung der Kongo-Region entspricht, in der öffentlichen Wahrnehmung nahezu nicht präsent. Der „Kongo-Freistaat“ war dem sich als Philanthropen und als Förderer der wissenschaftlichen Erforschung Afrikas (149) präsentierenden König Leopold II. in Berlin während der Berliner Kongokonferenz 1884/85 als Privatkolonie zugeteilt worden. Diese Berliner Kongokonferenz 1884/85 fand auf Einladung von Reichskanzler Otto von Bismarck vom 15.11.1884 bis zum 26.02.1885 in Berlin statt, im Zeitalter des Imperialismus (150) und im Rahmen des geopolitischen (151) „Wettlaufs um Afrika“ („Scramble for Africa“) (152). 

 

Auch in der Europastadt Brüssel geht man diesem Thema der sogenannten „Kongo-Greuel“ konsequent aus dem Weg, was mein Eindruck bei meinem mehrtägigen Besuch der Stadt Brüssel im Juli 2022 während meiner Fahrradreise durch die südliche Nordseeregion im Sommer des Jahres 2022 gewesen ist. So wird in dem im Jahre 2018 neu konzipierten und neu eröffneten Afrika-Museum (153) das Thema weitgehend ignoriert unter dem Vorwand, es gäbe keine genauen Zahlen zu den Ereignissen, wie ich bei meinem Besuch dieses Museums am 09.07.2022 feststellen mußte. Auf dem Gelände, auf dem sich das Afrika-Museum befindet, war von König Leopold II. während der Weltausstellung in Brüssel 1897 (154) eine Kolonialausstellung zum „Kongo-Freistaat“ veranstaltet worden. 

 

Das Europa-Viertel der Europäischen Union in Brüssel liegt zwischen dem „Leopoldviertel“ und dem „Leopoldpark“ inmitten von Repräsentativbauten, die König Leopold II. mit den „Erträgen“ aus seinem „Kongo-Freistaat“ hat bauen lassen, doch nirgends findet man dort einen Hinweis auf die historischen Zusammenhänge. Unter diesen Repräsentativbauten ragt heraus der von König Leopold II. finanzierte und von ihm am 15.10.1883 als ein Symbol für Rechtsstaatlichkeit eingeweihte Justizpalast (155), in dem sich König Leopold II. als Rechtspfleger feiert, während er in seinem „Kongo-Freistaat“ die Menschen in einen rechtlosen Zustand versetzte und diese „Besonderen Gewaltverhältnissen“ und Formen von „Sonderbehandlung“ aussetzte, um die Rohstoffextraktion und insbesondere die Kautschukgewinnung (156) mit genozidalen Methoden voranzutreiben. Vergleichbare Verhältnisse und Entwicklungen wie im „Kongo Freistaat“ gab es in etwas geringerem Umfang im Amazonasgebiet mit dem „Völkermord in Putumayo“ (157). 

 

Während des Kautschukbooms entstand in der Amazonas-Region im Zuge der Kautschukgewinnung ein System von Schuldsklaverei (aviamento), und große Teile der indigenen Bevölkerung mußte Zwangsarbeit leisten, wobei Zehntausende verstarben. So sind alleine durch das Zwangsarbeitsregime der von Julio César Arena del Águila geleiteten „Peruvian Amazon Rubber Company“ am Rio Putumayo mehr als 40.000 Personen ums Leben gekommen (158). Diese Brutalität wird nicht in ihrer Qualität, sondern in ihrer Quantität nur noch durch die Methoden der Kautschukgewinnung im Kongo-Freistaat während der Herrschaft König Leopolds II. mit ca. 8-12 Millionen Todesopfern übertroffen. Die genozidalen Methoden der Kautschukproduktion sind bis heute kaum wissenschaftlich bearbeitet worden, und auch in Brüssel bemüht man sich nicht darum, wie ich dort feststellen mußte. 

 

Der große Terror sowohl in der Kongo-Region als auch in der Amazonas-Region erweist sich wie auch der „Große Terror“ Stalins als Bestandteil des Terrors des Zeitalters der Industriellen Moderne (159). 

 

Südöstlich der „Alten Feste“ gibt es in Windhoek drei weitere größere Gebäude aus dem Zeitraum zwischen der Berliner Kongokonferenz 1884/85 und dem Ersten Weltkrieg, die Schwerinsburg, die Heinitzburg und die Sanderburg. Diese sind allerdings nicht zugänglich, da sie sich in Privatbesitz befinden. Die Verhältnisse in den umgebenden Wohnsiedlungen gleichen denen in Kapstadt: Hausgrundstücke sind mit elektrischen Zäunen umgeben, worauf auch Schilder verweisen, weitere Schilder verweisen auf Konzepte von „Neighbourhood Watch“ sowie auf Wachschutzdienste mit einem Konzept einer „Armed Response“ (Bewaffnete Reaktion). Grund derartiger Sicherheitsregime ist die extrem hohe Kriminalitätsrate im südlichen Afrika, insbesondere in der Republik Südafrika, die seit Ende der Apartheit die weltweit höchste Kriminalitätsrate aufweist. Von einem elektrischen Zaun ist auch das Ludwig-von-Estorff-Haus aus dem Jahre 1898 umgeben, dem Sitz des Goethe-Institutes. Vor dem Gebäude der Stadtverwaltung von Windhoek befindet sich nicht mehr die Statue des ehemaligen Gouverneurs Curt von Francois, die sich nach Angaben meiner Reiseführer dort befinden soll. Des Weiteren gelangte ich zum sogenannten „Burendenkmal“ (Oudstryder Bittereinder Monument), das an Buren erinnert, die nach dem Zweiten Burenkrieg (1899-1902) von Südafrika nach Südwest-Afrika gezogen waren. 

 

Auch habe ich den Botanischen Garten in Windhoek am 08.11.2025 besucht, in dem zahlreiche Pflanzen und insbesondere auch Bäume zu sehen sind, die an die trockenen Klimate und Lebensräume in Namibia hervorragend angepasst sind, darunter verschiedene Sukkulenten (160) und sogenannte Flaschenbäume. Beeindruckt haben mich dort u.a. verschiedene Akazienarten, die ihre mehrfach gefiederten Blätter bei Bedarf aktiv zusammenfalten und auseinanderfalten können. 

 

Auch wird dort auf den Geografen bekannten Zusammenhang von Vegetation und Klima verwiesen: So schaffen die Bäume der Trockensavanne in Namibia ein Mikro-Habitat mit einem Klimaraum, in dem die Temperatur bis zu 21 °C niedriger als in der (unbewaldeten) Umgebung ist. Damit sehe ich meine eigenen gewonnenen Erkenntnisse aus unterschiedlichen Weltgegenden zur Klimawirksamkeit von Wald bestätigt. Bedauerlicherweise sind es nur Geografen, die Vegetation, Klima und Boden in einem Zusammenhang betrachten und studieren. Diese integrative Sichtweise in der Geografie läßt sich insbesondere auf den Geografen Alexander von Humboldt (1769–1859) (161) zurückführen. Bedauerlicherweise dominieren im Gegensatz zu den ganzheitlichen, holistischen (162) Betrachtungsweisen der Geografen in anderen wissenschaftlichen Disziplinen reduktionistische (163) Sichtweisen. Eine Besonderheit dieses botanischen Gartens ist ein separates „Desert House“, in dem Pflanzen der Wüste Namib zu sehen sind. 

 

Am Montag, dem 10.11.2025 hatte ich meine Reise nach drei Tagen Aufenthalt in Windhoek fortgesetzt und war per Bus zur Küstenstadt Swakopmund weiter gefahren. Die Fahrt verlief auf Landstraße B2 nach Westen in der Nähe einer Eisenbahnlinie. Allmählich geht die Trockensavanne, die die Umgebung von Windhoek prägt, in eine Steppe mit kleinen Büschen über. Hinter dem Ort Usakos dominiert eine Halbwüste mit nur spärlicher Vegetation. Auffällig ist, daß auch hier, wie schon auf der Fahrt von Kapstadt nach Windhoek, nahezu die gesamte Landschaft seitlich der Straße eingezäunt ist, auch wenn es sich offensichtlich um nutzloses Ödland und Wüste handelt. Dennoch ist nicht erkennbar, daß dieses eingezäunte Land in irgendeiner Form nennenswert landwirtschaftlich genutzt wird; so ist z.B. während meiner Fahrt nirgendwo Vieh zu sehen. Allerdings fehlen hier auch die Herden von Großtieren, die für die Savannenlandschaften Afrikas, auch Trockensavannen, prägend sind. Ab der Großen Randstufe (Great Escarpment) (164) im Westen des Hochlandes senkt sich das Gelände allmählich auf Meeresspiegelniveau am Atlantik. Entlang der Atlantikküste bildet die Wüste Namib (165) einen 80 bis 120 Kilometer breiten Wüstenstreifen. Das Klima an der Südwest-Küste Afrikas ist durch den kalten Benguela-Strom (166) geprägt, wodurch die Temperaturen in Swakopmund erheblich kühler sind, als an anderen Orten im südlichen Afrika. Zudem gibt es sehr häufig Nebel, der oft über den gesamten Tag hinweg anhält. 

 

Die Stadt Swakopmund (167) hat heute ca. 70.000 Einwohner. Swakopmund ist ein beliebtes Touristenziel, denn zahlreiche gut erhaltene Gebäude, darunter Jugendstilgebäude, aus dem historischen Zeitraum zwischen der Berliner Kongo-Konferenz von 1884/85 und dem Ersten Weltkrieg sind im historischen Stadtzentrum zu sehen; die bekanntesten sind der Alte Bahnhof, das Hohenzollernhaus, das Woermannhaus. 

 

Am meisten hat mich in Swakopmund das seit 1951 bestehende Swakopmund-Museum (168) beeindruckt, das ich am 11.11.2025 besucht habe. Das Museum gilt als das beste Museum in Namibia. Sämtliche Themen haben Bezüge zu Swakopmund und Namibia. Ausführliche und detaillierte Informationen werden den Besuchern zu den einzelnen Themen in drei Sprachen (Englisch, Deutsch, Afrikaans) geboten. Insbesondere beeindruckt das Museum durch eine präsentierte Fülle unterschiedlicher Themenbereiche, darunter Tier- und Pflanzenwelt sowie Vegetationszonen Namibias, Geologie, Mineralogie und Erdgeschichte, Archäologie, Ethnografie, Siedlungsgeschichte sowie Geschichte der Seefahrt. Im Bereich Seefahrts- und Seehandelsgeschichte wird auch hier darauf verwiesen, daß die Verlagerung der Seehandelsrouten vom Mittelmeer in den Atlantik und die Etablierung neuer Seehandelsrouten um Afrika herum am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit ihren Ursprung im Niedergang des transkontinentalen eurasischen Seidenstraßenhandels hat, und dieser Niedergang ist mit dem Niedergang des Byzantinischen Reiches und der Expansion des Osmanischen Reiches verbunden. 

 

Auch besuchte ich den „Living Desert Snake Park“. In zahlreichen Terrarien sind dort Reptilien, insbesondere Schlangen zu sehen, die im südlichen Afrika leben. Derartige Möglichkeiten, Schlangen in Terrarien in großer Nähe beobachten und kennenlernen zu können, sind zweifellos dazu geeignet, der weit verbreiteten Unkenntnis und Vorurteilen über Schlangen entgegen zu wirken und aufzuklären. Bedauerlicherweise traf ich hier nur wenige Besucher. 

 

Es gibt in Swakopmund verschiedene Tourenveranstalter, und u.a. wird von mehreren dieser Tourenveranstalter eine Halbtagestour in die angrenzende Wüste Namib angeboten mit dem Titel „Living Desert Tour“, an der ich am 13.11.2025 teilgenommen habe. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit, vermittelt durch erfahrene und ortskundige Tourguides die Besonderheiten der Tier- und Pflanzenwelt der Wüste Namib kennen zu lernen, die größtenteils den Charakter einer Vollwüste hat. Die Tour beginnt im Süden von Swakopmund beim trockenen Fluß Swakop. Dieser hatte zuletzt im April 2025 kurzzeitig Wasser geführt, wie wir erfahren. Der Schotterkörper des Flußbettes enthält allerdings weiterhin Wasser, sodaß im trockenen Flußbett Büsche und Bäume wachsen und dort auch Tiere weiden, u.a. Dromedare von Tourenanbietern. 

 

Nach Süden hin wird die Vegetation schnell spärlicher. Es gibt zuerst zahlreiche vegetationsgebundene kleine Hügel, wobei die größten als „Tamariskenhügel“ Höhen von mehreren Metern erreichen können. Es sind die selben Tamarisken, die auch in den Trockengebieten des nördlichen Afrikas landschaftsgestaltend und landschaftsprägend sind. Kleinere vegetationsgebundene Hügel und Dünen werden von verschiedenen weiteren trockenheitsresistenten Pflanzen gebildet. Die Tamarisken können durch sehr tiefreichende Wurzeln an tiefliegende Bodenfeuchte gelangen, andere Pflanzen der Namib sind jedoch überwiegend auf die Nutzung der Feuchte angewiesen, die morgendlich in Form von Nebel und Tau oberflächennah zur Verfügung steht. 

 

Die Namib ist eine erdgeschichtlich sehr alte Wüste von ca. 50 Millionen Jahren. Der Sand, der die Dünen der Namib bildet, hat eine lange Reise hinter sich, wie wir auf der Tour erfahren. Ein großer Teil des Sandes hat seinen Ursprung in der Umgebung der Drakensberge; er wurde durch den Fluß Oranje (169) an die Küste von Südwest-Afrika transportiert und dort durch den Benguela-Strom an der Küste verteilt. Die aus Westen überwiegenden Winde haben über lange Zeiträume den Sand von der Küste Richtung Osten ins Landesinnere geweht und die Dünen der Namib geschaffen, die entsprechend der Hauptwindrichtung langsam Richtung Osten wandern. Der überwiegend feine Sand kann verschiedene Farben haben, darunter auch schwarze Bestandteile aus Eisenoxiden mit magnetischen Eigenschaften, was uns mit einem Magneten demonstriert wurde. 

 

Im Zentrum der Tour stehen verschiedene kleine Tiere der Wüste wie Eidechsen, Geckos, Chamäleons, Schlangen, Blindschleichen u.a.m., die in verschiedener Weise an das Leben in der Wüste angepaßt sind, und die wir dank der Ortskenntnis der Guides auffanden und beobachten konnten. Unter Anderem nahm ein Chamäleon Mehlwürmer mit seiner extrem langen Zunge aus der Hand. Diese Reptilien leben überwiegend von Insekten, die ebenfalls in der Wüste Namib leben. Eine bedeutende Nahrungsgrundlage dieser Insekten sind flugfähige Pflanzensamen, die bei seltenen Winden aus Osten in größerer Zahl in die Wüste Namib geweht werden. 

 

Auf meinen Reisen treffe ich immer wieder interessante und aufgeschlossene Reisende mit außergewöhnlichen Reisevorhaben, wobei ich die Gelegenheiten zum Erfahrungsaustausch nutze, oft auch zum Austausch von Emailadressen und weiteren Kontaktdaten, um diesen Erfahrungsaustausch fortsetzen zu können. Viele Reisende mit außergewöhnlichen Reisevorhaben berichten heute auf eigenen Internetseiten und Internetaccounts von ihren Reisen. Nicht nur junge Leute können eine Anregung finden, selbst vergleichbare sowohl abenteuerliche, als auch erlebnisreiche, erkenntnisreiche und horizonterweiternde Reisen zu unternehmen. Derartige Anregungen sind insbesondere heute erforderlich und notwendig, und Reiseberichte außergewöhnlicher und beachtenswerter Reisen können eine derartige Anregung bieten. 

 

In dem Hostel, in dem ich während meines Aufenthalts in Swakopmund logierte, traf ich Clément aus Bordeaux mit seinem Reisefahrrad. Clément berichtete mir von seiner außergewöhnlichen zweijährigen Weltreise, die er auf Land per Fahrrad, und auf den Ozeanen als Mitsegler auf Segelschiffen durchführt. Bei unserem Treffen in Swakopmund befand er sich auf der Rückreise von Kapstadt durch das westliche Afrika zurück nach Bordeaux, wo seine Weltumrundung enden wird. Insbesondere beeindruckt mich, daß es Clément bei seiner Weltumrundung gelungen ist, sämtliche Distanzen über Meere und Ozeane als Mitsegler auf Segelschiffen zurückzulegen, ohne dafür das Flugzeug zu nutzen, wie es heute allgemein üblich ist. Offensichtlich funktioniert dieses Mitsegeln auf Segelschiffen auch über Ozeane hinweg weit besser, als ich es mir bislang vorgestellt habe, und Clément berichtet hierzu ausführlich über seine eigenen Erfahrungen. Was man benötigt, ist zeitliche Flexibilität und Geduld, da es gegebenenfalls einige Wochen dauern kann, bis man eine geeignete Mitsegelgelegenheit findet, insbesondere abseits der Hauptrouten. 

 

Während meines Aufenthaltes in Swakopmund wurde mir in der Nacht vom 13. auf den 14.11.2025 mein Smartfon Samsung Galaxy J5 gestohlen, was eine Vielzahl erheblicher Probleme zur Folge hatte, die eine Fortsetzung meiner Reise in Frage stellten. Es wurde deutlich, in welchem großen und erschreckenden Ausmaß unser Leben mittlerweile von Smartfons und deren permanentem einwandfreiem Funktionieren abhängig geworden ist. 

 

Am 20.11.2025 fuhr ich mit einem der in Walfis Bay und Swakopmund ansässigen Kleinbus-Transportunternehmen zurück von Swakopmund nach Windhoek. Diese bieten einen „Tür-zu-Tür-Service“ an, man wird an seiner Unterkunft abgeholt und am Zielort wieder an der dortigen Unterkunft abgesetzt. Die Fahrt nach Windhoek erfolgte auf der selben Strecke wie zuvor am 10.11.2025 bei der Hinfahrt nach Swakopmund. Nun konnte ich während der Fahrt noch einmal den Landschaftswandel in Gegenrichtung betrachten. Der erste Teil der Fahrt erfolgte bei dichtem Nebel durch einen Teil der Wüste Namib. Dichter Nebel ist eine sehr häufige Erscheinung im küstennahen Teil der Wüste Namib, und die Feuchtigkeit des Nebels ist hier der bedeutendste Niederschlag. Mir stellt sich die Frage, warum sich in der erdgeschichtlich langen Zeit der Existenz der Wüste Namib von rund 50 Millionen Jahren hier nicht eine Vegetation herausgebildet hat und bestandsbildend ist, die auf Grundlage dieses sehr häufigen dichten Nebels aktiv ihren eigenen Regen erzeugt, wie es z.B. auf den Kanarischen Inseln die Kanarischen Kiefern machen, die in den Berglagen dort die Feuchtigkeit der Passatwolken nutzen, die an ihren langen Nadeln kondensiert und als Regen herunterfällt, womit diese den größten Teil des Süßwassers der Kanarischen Inseln aktiv erzeugen, wovon ich mich bei meinen Exkursionen auf den Kanarischen Inseln im Frühjahr 1995 selbst überzeugen konnte. 

 

5. Etosha und der Mythos vom Naturparadies Afrika 

 

Nach meinem Besuch der Stadt Swakopmund war ich von Windhoek aus zu meinem nächsten Reiseziel, den im Norden Namibias gelegenen Etosha-Park (170) gefahren, den ich kennenlernen wollte. Der Etosha-Park und dessen Großtiere gelten als eine der Hauptsehenswürdigkeiten in Namibia. 

 

Zuerst war es ungewiß gewesen, ob ich zum Etosha-Park gelangen würde, da er etwas abseits der Hauptstraßen liegt und ich bei meiner Reise auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen war. Da die touristische Infrastruktur im südlichen Afrika hochgradig auf das Reisen im eigenen KFZ ausgerichtet ist, und folglich die meisten Touristen in Leihwagen herumreisen, mit denen man tatsächlich auch die meisten abgelegenen und periferen Reiseziele und Sehenswürdigkeiten des südlichen Afrikas erreichen kann, war ich mir anfangs nicht sicher gewesen, ob ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Etosha-Park gelangen kann. Im südlichen Afrika ist das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf die Hauptstrecken zwischen den großen Städten beschränkt, und mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist es im südlichen Afrika nicht möglich, abgelegene und perifere Reiseziele und Sehenswürdigkeiten zu erreichen. So war ich froh, daß ich nach einem größeren Rechercheaufwand eine Transportmöglichkeit von Windhoek zum Etosha-Park gefunden hatte, was es mir ermöglichte, den Etosha-Park zu besuchen. Hauptanliegen meiner Fahrt zum Etosha-Park war es, diesen im Rahmen einer eintägigen Tagestour kennenzulernen, die dort von verschiedenen Tourenveranstaltern angeboten wird. 

 

Die fünfstündige Fahrt von Windhoek zum Etosha-Park am 22.11.2025 erfolgte in einem Kleinbus zügig auf einer gut ausgebauten Landstraße. Ca. 65 Kilometer nördlich von Windhoek führte die Fahrt an einer ausgedehnten Wellblechhüttensiedlung vorbei, eine gesellschaftliche Realität sowohl in Namibia, als auch in Südafrika, die sich jedoch der Wahrnehmung durch die Touristen nahezu vollständig entzieht. Pausen gab es in den Orten Okahandja, Otjivarongo und Outjo. Die durchfahrene Landschaft hat größtenteils den Charakter einer Trockensavanne, und auch hier ist die Landschaft beiderseits der Straße nahezu vollständig eingezäunt. Immerhin wird hier bis auf kleinräumige Ausnahmen nicht versucht, diese Trockensavannenlandschaft zu „Entbuschen“ (Entkusseln), um eine einheitliche monotone Grasfläche als Viehweide zu schaffen, wie es andernorts üblich und verbreitet ist. Auffällig sind die zahlreichen, überall vorhandenen Termitenhügel. Hinter dem Ort Outjo wird die Landschaft flach. 

 

Der Etosha-Park liegt im westlichen Teil der Landschaft Kalahari (171), die überwiegend von Dornbuschsavanne (172) eingenommen wird. Im Zentrum des Etosha-Parks liegt die 4760 qkm große Etosha-Pfanne (173), eine Salztonpfanne, die etwa 23% des heutigen Etosha-Parks ausmacht. Sie ist 129 km lang und 72 km breit und liegt 1077 bis 1085 Meter über dem Meeresspiegel. Die Etosha-Pfanne hat keinen Abfluß und nur drei große Zuflüsse. Am Südrand der Etosha-Pfanne gibt es Quellen, die eine Grundlage des Tierreichtums im Etosha-Park sind. Die Etosha-Pfanne ist vollständig vegetationslos; im übrigen Teil des Etosha-Parks variiert die Vegetation, u.a. gibt es Baumsavanne, Dornbuschsavanne und Grassavanne. Die von mir hier gemessenen Nachmittagstemperaturen betrugen 37 °C, was die höchsten von mir während meiner Reise durch das südliche Afrika gemessenen Temperaturen waren. 

 

Am Etosha-Park angelangt, logierte ich mit meinem kleinen Zelt auf einem Campingplatz wenige Kilometer vom südlichen Haupteingang des Etosha-Parks, dem Anderson-Gate, entfernt. Dieser Campingplatz ist von Hügeln und Trockensavanne umgeben. Nachts wurde dieser Campingplatz von Zebras aufgesucht, die zwischen den Zelten grasten. Es gelang mir, kurzfristig am 23.11.2025 an einer organisierten Tagestour durch Teile des Etosha-Parkes teilzunehmen. Zahlreiche Tourenveranstalter bieten hier Touren an, die in offenen Geländewagen durchgeführt werden. Die Tour, an der ich teilnehmen könnte, übertraf meine Erwartungen: Viele Großtiere zahlreicher Arten waren zu sehen, u.a. Giraffen, Strauße, Steppenzebras, große Mengen von Springböcken, Gnus, Oryx, Kudus, eine große Elefantenherde, ein Spitzmaulnashorn, Löwen und zudem diverse kleinere Tiere und Vögel. 

 

Bei unserer Tour gelangten wir in den Etosha-Park durch das Anderson-Gate (Ombika) im Süden des Parks, das täglich ab 7:00 Uhr morgens passierbar ist. Eine Teerstraße führt von dort durch eine Savannenlandschaft zum Okaukuejo-Ressort. Von dort führen Schotterwege mit leichtem „Wellblech“ in verschiedene Richtungen. Außer an eingezäunten Camps und Pausenplätzen dürfen die Fahrzeuge bei Fahrten im Etosha-Park nicht verlassen werden, und es gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 60 kmh. Schon bald sahen wir die ersten großen Tiere: Giraffen, sowie Springböcke, die im Etosha-Park sehr zahlreich sind, dann Strauße und Gnus. Unsere Fahrt führte zuerst am westlichen Rand der abflußlosen Etosha-Pfanne entlang. Die Landschaft ist hier weitgehend offen und hat den Charakter einer Steppe. Wir sahen hier Oryx, weitere Giraffen, eine Eule, einen Sekretär, Perlhühner, Erdmännchen, sowie große Kolonien von Webervögeln. Hier führte unsere Tour bis zu einem Aussichtspunkt an einer Wasserstelle am Rand der Etosha-Pfanne (Geländepunkt „Okondeka“). Verschiedene Tiere waren hier in der Ferne zu sehen, u.a. Springböcke, Strauße, Steppenzebras, Oryx, Gnus. 

 

Am frühen Nachmittag gab es am Okaukuejo-Ressort eine Mittagspause. Es gibt hier eine Wasserstelle, die von Giraffen, Zebras, Oryx und Springböcken aufgesucht wird. Am Nachmittag wurde die Tour im Süden der Etosha-Pfanne Richtung Osten fortgesetzt. Wir erreichten eine Wasserstelle (Geländepunkt „Olifantsbad“) mit einer größeren Elefantenherde, mit Giraffen und einem Spitzmaulnashorn, was sicherlich der Höhepunkt unserer Tour war. Abschließend trafen wir nach einigem Suchen am Geländepunkt „Aus“ auf zwei im Schatten von Bäumen ruhende Löwen. Im Rahmen meiner zweimonatigen Rundreise durch Teile des südlichen Afrikas bildet diese Tagestour in den Etosha-Park zweifellos einen der herausragenden Höhepunkte. 

 

Die für den afrikanischen Kontinent charakteristischen Großtiere in ihrem natürlichen Lebensraum antreffen und beobachten zu können, ist ein Höhepunkt der meisten Afrika-Reisen. Tatsächlich wurde jedoch die afrikanische Großtierfauna stark zurückgedrängt, und heute ist sie auf einige verbliebene Reservate und Naturschutzgebiete beschränkt, darunter den Etosha-Park. Im übrigen Land wurden diese Tiere im südlichen Afrika schon vor vielen Jahrzehnten nahezu vollständig abgeschossen. 

 

Die Landschaft in Südafrika und in Namibia ist, wie ich überall während meiner Reise feststellen mußte, nahezu vollständig eingezäunt und in Privatbesitz, ein Phänomen, das insbesondere sämtliche Landschaften in Siedlungskolonien prägt und gestaltet, wie z.B. in den USA, wo seitlich der Straßen sämtliches Land konsequent eingezäunt ist, und dies ist auch in Südafrika und Namibia der Fall. Im Gegensatz zu den Siedlungskolonien, wie z.B. den USA, ist dieses Phänomen in Europa, aufgrund der Besonderheiten und Unterschiede der Agrarverfassung und der Agrargeschichte des Ländlichen Raumes in Europa vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit, nahezu nicht anzutreffen, sodaß die Landschaften in Europa einschließlich der Agrarlandschaften im Allgemeinen überall zugänglich und betretbar sind. 

 

Grundlage der anders als in Europa in Siedlungskolonien, wie insbesondere den USA nahezu vollständig eingezäunten Landschaften ist ein totalitär verschärftes Eigentumsverständnis, das sich in Siedlungskolonien aufgrund deren Besonderheiten und Unterschiede der Agrarverfassung und der Agrargeschichte des Ländlichen Raumes herausgebildet hat. In Siedlungskolonien wie insbesondere den USA beschränkt sich der Bereich der persönlichen Lebensgestaltung und der freien Entfaltung der Persönlichkeit auf Grundlage des Persönlichkeitsrechtes nicht wie in Europa auf Haus- und Hofgrundstücke, wo diese als Grund- und Menschenrechte geschützt sind, vielmehr wuchert dieser Bereich des Privaten und dehnt sich über die gesamte Landschaft aus, die er okkupiert. Am weitesten ist diese Entwicklung in den USA fortgeschritten, wo nahezu die gesamte Landschaft als Privatbesitz eingezäunt ist, und die Privatbesitzer bei Mißachten und Überschreiten dieser Zäune ein Notwehrrecht geltend machen, welches beinhaltet, auf Eindringlinge zu schießen, worauf in den USA überall Schilder hinweisen, wie ich während meiner Fahrradreise durch Nord-Amerika im Sommer des Jahres 1990 feststellen mußte. Um dieses Notwehrrecht geltend machen zu können, müssen in den USA die Privatbesitzer stets bewaffnet sein. Als öffentlicher Raum verbleibt faktisch nur die Straße. Dieses totalitär verschärfte Eigentumsverständnis beinhaltet die uneingeschränkte, absolute und totale Verfügungsgewalt über den gesamten eingezäunten Privatbesitz, sowohl den Immobilien, dem Land, als auch dem beweglichen Besitz, darunter die (ehemals) Sklaven, und mit diesem Privatbesitz kann der Privatbesitzer uneingeschränkt machen was er will. 

 

Als Siedlungskolonien sind die Verhältnisse in den USA mit denen in Südafrika und Namibia vergleichbar. In beiden Fällen waren die Siedler inspiriert von einem gottgefälligen und missionarischen Eifer, die „Wildnis“ (174) und die „Wilden“ zu bezwingen und zu unterwerfen und die Landschaft gemäß „Instrumenteller Vernunft“ (175) zweckrational zuzurichten. In beiden Fällen trafen die Siedler vor ihrer Landnahme auf vorstaatliche Gesellschaften, die als Jäger und Sammler lebten (176), in Nordamerika die Indianer (177) und im südlichen Afrika die San (Buschleute) (178), und diese kannten keinen Privatbesitz an Land, der erst im Zuge der Neolithischen Revolution entstanden war, sondern lediglich Gewohnheitsrechte der Landnutzung vom Charakter eines Jedermannsrechts (179). Diese vorstaatlichen Gesellschaften wurden mitsamt ihres Verständnisses von Landnutzung und mitsamt ihrer Gewohnheitsrechte der Landnutzung verdrängt und zu großen Teilen ausgerottet, in Nordamerika die Indianer (180) und im südlichen Afrika die San (Buschleute) (181). In diesem nun entstandenen geschichtslosen und rechtsfreien Raum, in dem nun keinerlei Traditionen und Relikte sowohl einer Agrargeschichte, als auch einer Agrarverfassung des Ländlichen Raumes mehr erhalten und verblieben waren, konnte sich nun das totalitär verschärfte Eigentumsverständnis der Siedler frei entfalten und ausbreiten, mitsamt der Plantagenwirtschaft, der Monokulturen und der Sklavenhaltung. Insbesondere am Beispiel der Plantagenökonomie wird deutlich, daß sich die zweckrationale Zurichtung der Landschaft und der Natur in der zweckrationalen Zurichtung der Menschen fortsetzt und einen Gewaltzusammenhang bildet, und dieser prägt und gestaltet die gegenwärtigen Verhältnisse. 

 

Wie diese Beispiele von Siedlungskolonien zeigen, werden zur Durchsetzung von Herrschaftsansprüchen über Landschaft und Raum Machtmittel eingesetzt, die den ursprünglichen freien Zugang zur Landschaft, die freie Bewegung und den Aufenthalt in der Landschaft einschränken oder auch ganz verhindern. Am Grad und Umfang der allgemeinen Zugänglichkeit der Landschaft läßt sich Grad und Umfang der Verwirklichung einer „strukturellen Freiheit“ innerhalb einer Gesellschaft bestimmen. Zweifellos ist diese „strukturelle Freiheit“ seit der Neolithischen Revolution bis heute zunehmend verloren gegangen, und dieser historische Prozeß der Durchsetzung von Herrschaftsansprüchen über Landschaft und Raum war mit extremer, oftmals genozidaler Gewalt verbunden (182). 

 

Im südlichen Afrika sind im Gegensatz zu den Siedlungskolonien Südafrika und Namibia die Landschaften in den Ländern Botswana und Lesotho, die ich ebenfalls im Rahmen meiner Reise besuchte, weitestgehend nicht eingezäunt, was auf erhebliche Unterschiede sowohl in der Agrarverfassung, als auch in der Agrargeschichte des Ländlichen Raumes verweist. Ein Lebensraum für Großtiere existiert in diesen eingezäunten Landschaften der Siedlungskolonien heute nicht mehr, statt dessen weiten sich auf den eingezäunten Flächen rasant die sterilen Monokulturen der Agrarindustrie und der Forstindustrie aus. 

 

Auch der Etosha-Park ist heute eingezäunt, sodaß er den Charakter eines isolierten großen Wildtier-Freigeheges hat. Der Etosha-Park war am 22.03.1907 entstanden, als der damalige Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika, Friedrich von Lindequist, 99.526 Quadratkilometer zum Naturschutzgebiet erklärt hatte. Später wurde diese Fläche jedoch mehrmals verkleinert, sodaß der Etosha-Park heute 22.935 Quadratkilometer umfaßt. Der erheblich verkleinerte Etosha-Park wurde dann eingezäunt, um Wildtierwanderungen zu verhindern. Durch die Einzäunungen sowohl des Etosha-Parks, als auch der gesamten Landschaft werden die Tierwanderungen (183) verhindert, die ein existenzieller Bestandteil der Lebensweise der Tiere sind. Zudem sind die Tierwanderungen ein wesentlicher und konstituierender Bestandteil der Ökologie der Savannenlandschaften, die rund ein Viertel des Afrikanischen Kontinents ausmachen. Als eins der wenigen Beispiele, wo bei der Einrichtung eines Naturparks die Tierwanderungen weitgehend berücksichtigt wurden, kann die Serengeti (184) aufgeführt werden, was insbesondere aufgrund des Engagements von Bernhard und Michael Grzimek erfolgt war (185). 

 

Eine Alternative zur eingezäunten Landschaft und der Haltung von Nutztieren wie Rindern oder Schafen auf den eingezäunten Flächen, die in der Regel entwaldet (186), entkusselt (187), und in monotone Grasflächen als Viehweide umgewandelt werden, wäre eine durch Wildtierbiologen überwachte und kontrollierte Nutzung der natürlichen vielfältigen Wildtierbestände, die sich in den uneingezäunten Naturlandschaften Afrikas frei bewegen können, insbesondere auch im Rahmen von Tierwanderungen. Hierzu werden die Naturlandschaften Afrikas erhalten und durch Renaturierung (188) wieder hergestellt, wie u.a. insbesondere der Landschaftstyp der Savanne, der ursprünglich ein Viertel der Fläche des afrikanischen Kontinents ausmachte, und die natürlichen vielfältigen Wildtierbestände werden im Rahmen von Rewilding (189) regeneriert. 

 

Die Vegetation der Savanne ist im Gegensatz zur monotonen, entwaldeten und entkusselten Viehweide vielfältig und hat zudem mehrere Vegetationsstockwerke, und dieser Vielfalt der Vegetation entspricht die Vielfalt der unterschiedlichen Wildtiere, die verschiedene Ökologische Nischen (190) einnehmen, und die die vielfältige natürliche Vegetation entsprechend dieser Vielfalt unterschiedlich als Nahrung nutzen. Die Pflanzen und Tiere der Savanne bilden zusammen ein Ökosystem (191) als einem Bestandteil der Biodiversität (192) der Biosphäre (193). Da die Netto-Primärproduktion an Biomasse der vielfältigen natürlichen Vegetation, hier der Savanne, größer ist, als die einer entwaldeten und entkusselten monotonen Grasfläche, können in der Savanne mehr Großtiere gleichzeitig und nebeneinander existieren, als es auf einer entkusselten monotonen Grasfläche möglich ist, auf der nur eine Tierart, üblicherweise Rinder oder Schafe, gehalten wird. Das bedeutet, daß bei einer durch Wildtierbiologen kontrollierten Nutzung des natürlichen Tierbestandes der Savanne eine höhere Fleischproduktion möglich ist, als bei der Haltung einer einzigen Nutztierart auf einer entkusselten monotonen Grasfläche, die klassischerweise als die ideale Viehweide angesehen wird, was diese tatsächlich aber nicht ist. 

 

Derartige alternative Konzepte der Landnutzung verwirklichen in idealer Weise Naturschutz (194), Prozeßschutz (195) und Landschaftsschutz (196), in die sich die traditionelle Lebens- und Wirtschaftsweise der bis heute verdrängten, vertriebenen, diskriminierten und marginalisierten San (Buschleute) integrieren läßt. Ein Beispiel dafür bietet die Amazonas-Region in Südamerika, wo die Einbindung der indigenen Bevölkerungen des Amazonas-Regenwaldes mit ihren traditionellen Lebens- und Wirtschaftsweisen in Naturschutzkonzepte gefordert und angestrebt wird (197). Auch kann in derartige Konzepte das schon bestehende grenzübergreifende Konzept der „Peace-Parcs“ (198) integriert und weiter entwickelt werden. Naturschutz und Tourismus werden dabei zu einem Bestandteil von Entspannungspolitik (199). 

 

Heute vermarktet die Tourismus-Industrie lukrativ den Mythos eines „Naturparadieses Afrika“, doch dieses existiert schon lange nicht mehr. Das „Naturparadies Afrika“ muß durch Renaturierung und Rewilding erst wieder rekonstruiert und wiederhergestellt werden. 

 

Vom Etosha-Park bin ich am 25.11.2025 wieder zurück nach Windhoek gefahren, um von dort meine Reise per Intercape-Reisebus zu den Victoria-Fällen am Sambesi fortzusetzen. Während im Etosha-Park wolkenloses Sonnenwetter herrschte, nimmt nun während der Fahrt nach Windhoek Bewölkung zu, und in einiger Entfernung regnen sich Schauerwolken ab. 

 

6. Durch den „Caprivi-Streifen“ zu den Victoria-Fällen 

 

Von Windhoek aus bin ich am 26.11.2025 mit dem Intercape-Reisebus in den Nordosten von Namibia weiter gereist. An diesem Tag war in Namibia ein Wahltag, und wie an einem Sonntag war auf den Straßen nur wenig Verkehr. Im Nordosten von Namibia reicht der sogenannte „Caprivi-Streifen“ (200) weit in das Zentrum des südlichen Afrikas hinein. Der Caprivi-Streifen ist benannt nach Leo von Caprivi (201), dem Nachfolger von Otto von Bismarck im Amt des Reichskanzlers des Kaiserreichs Deutschland von 1890 bis 1894, der einen Ausgleich mit dem Vereinigten Königreich Großbritannien anstrebte. Der Caprivi-Streifen geht auf den am 01.06.1890 unterzeichneten Helgoland-Sansibar-Vertrag (202) zwischen dem Vereinigten Königreich Großbritannien und dem Kaiserreich Deutschland zurück. Grenzflüsse des Caprivi-Streifens sind der Sambesi (203) im Norden und der Fluß Chobe (204) im Süden. Am östlichen Ende des Caprivi-Streifens befindet sich ein Vierländer-Eck, an dem die heutigen Staaten Namibia, Botswana, Sambia und Simbabwe aneinander grenzen. Bis zu den Victoria Fällen ist es von hier aus nur noch eine kurze Distanz. 

 

Die regulären Intercape-Mainliner Busse haben Sitze für 60 Passagiere, und mit einem solchen Intercape-Reisebus war ich von Windhoek aus über die Orte Okahandja, Otjivarongo, Otavi, Tsumeb, und Rundu durch den Caprivi-Streifen zum Grenzort Katima Mulilo gefahren. Der Caprivi-Streifen wurde zu größeren Teilen auf dem „Trans-Caprivi-Highway“ (= Landstraße B8) durchfahren, einer Landstraße in einem ordentlichen Zustand. Das Wetter war hier dicht bewölkt, und die Savannenlandschaft ist hier deutlich grüner, die Bäume sind höher und dichter, was auf höhere Niederschläge verweist. Kleine ländliche Siedlungen, in deren Umgebung kleinbäuerliche Landwirtschaft betrieben wird, folgen beiderseits der Straße. 

 

Seit dem Jahre 2004 führt bei Katima Mulilo die Sesheke-Brücke über den Fluß Sambesi nach Sambia. Die Hauptroute des Intercape-Reisebusses verläuft über diese Brücke und nördlich des Sambesi weiter durch Sambia zur Stadt Livingstone und dann zur Stadt Victoria Falls in Simbabwe. Die Passagiere, darunter auch ich, die von Katima Mulino südlich des Sambesi weiter zur Stadt Kasane und dann zur Stadt Victoria Falls fuhren, stiegen in Katima Mulino in einen kleinen Intercape-inter-connekt-Bus mit 23 Sitzen um, der einen Anhänger für das Gepäck mitführte. 

 

Nach etwa einer Stunde Aufenthalt in Katima Mulino ging die Fahrt weiter auf dem Trans-Caprivi-Highway (= Landstraße B8) über eine Distanz von rund 70 Kilometer zum Grenzübergang Ngoma Gate an der Grenze zwischen Namibia und Botswana. Hier wurden an der Grenzstation von Namibia die Reisepässe elektronisch eingelesen und die Passagiere erhielten zügig die Ausreisestempel in ihre Reisepässe. Auch die Einreise nach Botswana erfolgte zügig. In meinem Fall ist für die Einreise nach Botswana kein Visum erforderlich, anders als zuvor bei der Einreise nach Namibia. In Folge der Ereignisse vom 11.09.2001 ist es auf Initiative der USA hin mittlerweile weltweit zunehmend üblich geworden, daß bei Grenzübergängen biometrische Daten erhoben werden (205), doch dies war sowohl an diesem Grenzübergang, und auch an den weiteren von mir passierten Grenzübergängen im südlichen Afrika nicht der Fall. 

 

Die kleine Grenzstadt Kasane liegt am südlichen Ufer des Chobe-Flusses auf dem Territorium von Botswana (206). In Kasane war ich der einzige Passagier, der dort fahrplangemäß aussteigt, die übrigen Passagiere fuhren weiter zum Touristenort Victoria Falls in Simbabwe. Auf meine Nachfrage hin nahm mich der Busfahrer freundlicherweise noch bis zum Nachbarort Kazungula mit, wo sich das Hostel befindet, in dem ich hier logiert habe. 

 

An den Fluß Chobe grenzt hier der Chobe-Park (207). Auch im Chobe-Park bieten Tourenanbieter Touren an, und an einer solchen Tour, die auch hier in offenen Geländewagen stattfindet, habe ich am 28.11.2025 teilgenommen. Bei dieser Tour gelangten wir in der Nähe der Stadt Kasane gegen 6:00 Uhr durch das Seduda-Gate in den Chobe-Park. Die Tour folgte zuerst dem Verlauf des Ufers des Flusses Chobe Richtung Westen. Die Landschaft am Flußufer ist zu großen Teilen offen, was einen weiten Blick in die Landschaft ermöglicht und die Beobachtung von Tieren begünstigt. Abseits der Flußufer dominiert im Chobe-Park ansonsten eine vergleichsweise dichte und grüne Savannenlandschaft. Anders als im Etosha-Park gibt es hier keine Straßen und Schotterwege, die Fahrzeuge sind hier auf Pisten und Fahrspuren unterwegs, die sich durch das Gelände ziehen. Wir trafen auf Büffel und Antilopen, und dann auf eine Gruppe von acht Löwen, die in kurzer Distanz vor mehreren Tourenfahrzeugen passiert. Des Weiteren trafen wir auf Paviane, einen Fischadler, diverse weitere Vögel, Giraffen, einen Waran, sowie weitere Antilopen, darunter Impalas. Dann verließen wir das Flußufer, und die Fahrt verlief nun durch eine dichte Savannenlandschaft, die von Bäumen geprägt wird. Hier begegneten wir Elefanten. Gegen Ende der Tour trafen wir am Ufer des Flusses Chobe auf eine große Anzahl von rund 100 Elefanten. Im Fluß Chobe sind Flußpferde häufig, und auch gibt es dort Nilkrokodile. 

 

Im Gegensatz zu dem Etosha-Park sind sowohl der Chobe-Park, als auch die umgebende Landschaft nicht eingezäunt, sodaß hier die Tiere in ihren saisonalen Wanderungen nicht behindert werden. Im Gegensatz zu den Siedlungskolonien Südafrika und Namibia sind im südlichen Afrika die Landschaften in den Ländern Botswana und Lesotho weitestgehend nicht eingezäunt, was auf erhebliche Unterschiede sowohl in der Agrarverfassung, als auch in der Agrargeschichte des Ländlichen Raumes verweist. Daß diese Unterschiede bis heute fortbestehen konnten, ist dem Umstand zu verdanken, daß im Jahre 1895 von drei Tswana-Häuptlingen im Rahmen von Verhandlungen mit dem Britischen Empire erfolgreich verhindert werden konnte, daß das damalige britische Protektorat Betschuanaland (208) durch die von Cecil John Rhodes (1853-1902) (209) gegründete British South Africa Company (BSAC) (210) annektiert wurde. An dieses historische Ereignis erinnert das „Three Chiefs Monument“ in der Stadt Gaborone. 

 

Am 29.11.2025 habe ich die Viktoria-Fälle (211) am Fluß Sambesi beim Touristenort Victoria Falls besucht. Östlich des Ortes Kazungula passierte ich zu diesem Zweck die Grenze von Botswana und Simbabwe, wobei ich für diesen Tag ein Tagesvisum „on Arrival“ für Simbabwe erhielt (Gebühr: 30,- USD). Seit dem Jahre 2009 ist aufgrund des Währungsverfalles der Landeswährung Zimbabwe-Dollar der US-Doller das Zahlungsmittel in Simbabwe. Der Eintritt zu den Victoriafällen kostete 50,- USD. Die Victoria-Fälle zählen zu den bedeutendsten touristischen Sehenswürdigkeiten in Afrika, und sie haben den Status eines Unesco-Welterbes. Den Namen „Victoria-Fälle“ erhielten diese Wasserfälle des Sambesi durch den Afrika-Forscher David Livingstone (1813–1873) (212), der während mehrerer Reisen durch das südliche Afrika auch diese Wasserfälle besucht hatte. Vor den Wasserfällen erinnert ein Denkmal an Livingstone. 

 

Durch den Sambesi und auch durch die Viktoria-Fälle hindurch verläuft heute die Grenze zwischen den Staaten Sambia und Simbabwe. Auf der Seite von Simbabwe sind die Victoria-Fälle Bestandteil des Victoria-Falls Nationalparks. Hier verläuft ein Parcours über eine Distanz von ca. 1,5 Kilometern mit insgesamt 16 Aussichtspunkten am Rande der Schlucht der Victoria-Fälle entlang. Die Besichtigung der Fälle von der Seite von Simbabwe aus ist beliebter, da sich hier ein Panorama-Blick auf die Wasserfälle bietet. Momentan führte der Sambesi gegen Ende der Trockenzeit nur wenig Wasser. Dennoch regnete es in Teilen der Umgebung aufgrund des zerstäubten Wassers, wobei teilweise ein Regenbogen über den Wasserfällen sichtbar war. Die Fallhöhe des Wassers beträgt bis zu 107 Meter. Der Parcours endet an einer Stahlbogenbrücke, die den Fluß Sambesi überbrückt und an der sich ein Grenzübergang zwischen Simbabwe und Sambia befindet. 

 

Nach meinem Besuch der Victoria-Fälle setzte ich am 30.11.2025 meine Reise mit Kleinbussen durch das östliche Botswana zum Ort Nata fort. Die Fahrt verlief durch eine grüne Savannenlandschaft, die anders als in Südafrika und in Namibia nicht eingezäunt ist. Es überrascht dann, daß diese Savannenlandschaft wiederholt von riesigen, bis zum Horizont reichenden Landnutzungsflächen (LNF) industrieller Landwirtschaft unterbrochen wird. Unter anderem wird hier in riesigen sterilen Monokulturen Mais angebaut. Auch führte die Fahrt an gewaltigen, agrarindustriellen Siloanlagen vorbei. Diese agrarindustriellen Großanlagen mit riesigen Monokulturen kontrastieren mit der kleinbäuerlichen Subsistenzlandwirtschaft, wie sie u.a. im Caprivi-Streifen vorherrscht. Es stellt sich die Frage, von welchen Akteuren hier diese riesigen agrarindustriellen Anlagen und Strukturen eingerichtet und unterhalten werden. Es ist bekannt, daß verschiedene Akteure aus dem Ausland, darunter die VR China, vielerorts in Afrika in großem Umfang Land aufkaufen, um dort industrielle Landwirtschaft zu betreiben, was als „Land Grabbing“ (213) bezeichnet wird, da dieses Land nun nicht mehr anderen Zwecken, wie insbesondere dem Naturschutz und der Subsistenz-Landwirtschaft der ortsansässigen Bevölkerung zur Verfügung steht. 

 

Der Ort Nata liegt am Ufer des gleichnamigen Flusses Nata. Beim Ort Nata sperrt ein Damm mit einem Fahrweg den Fluß Nata ab. Unterhalb des Dammes war das Flußbett des Flusses Nata weitgehend trocken, und es floß dort aktuell kein Wasser. Oberhalb des Dammes hat der Fluß Nata den Charakter eines Stausees mit einer Länge von ca. sechs Kilometern. Die Ufer des Flusses werden als Viehweide genutzt (Ziegen, Rinder, Pferde), wobei das Vieh von Hirten beaufsichtigt wird. Das Hostel, in dem ich in Nata logierte, verfügt über Kanus, und mit einem von diesen Kanus fuhr ich auf diesem Stausee flußaufwärts. Die Ufer des Flusses Nata sind zu größeren Teilen Steilufer mit Höhen bis ca. fünf Metern. Aufgrund starken Sedimentgehalts hat das Wasser dieses Nata-Stausees eine graue Farbe, die der Farbe des Bodens entspricht, der an den Steilufern des Flusses ansteht. Auch oberhalb des Stausees war das Flußbett trocken. 

 

Auch in dem Hostel, in dem ich in Nata logierte, traf ich Reisende mit außergewöhnlichen und beeindruckenden Reisevorhaben. Darunter Wiebke und Lisa mit ihren Reisefahrrädern, die gerade auf einer Rundreise in Namibia und Botswana unterwegs waren. Erst kürzlich war Wiebke von Freiburg aus durch das westliche Afrika nach Kapstadt geradelt, wie sie berichtete. 

 

Vom Ort Nata aus führt eine Straße nach Westen zum Touristenort Maun am Rande des Okawango-Deltas (214). Maun gilt als das Zentrum des Safari-Tourismus in Botswana. Nach meinem erfolgten Besuch des Etosha Parks und des Chobe-Parks sah mein Reiseplan allerdings keinen weiteren Besuch eines Naturparks vor, sowohl aufgrund des eingeschränkten Zeitrahmens meiner Reise, als auch aufgrund der meist hohen Kosten, die mit der Teilnahme an von Tourenveranstaltern organisierten Touren verbunden sind. 

 

Von Nata aus fuhr ich am 02.12.2025 mit Kleinbussen weiter Richtung Francistown und Garborone. Die grüne Savannenlandschaft, die seit dem Caprivi-Streifen durchfahren wird, setzt sich fort. Von Francistown fuhr ich weiter zur Stadt Palapye, die sich als eine Zwischenstation auf meinem Weg von Nata nach Gaborone eignete. Seitlich der Landstraße gibt es einen breiten Grasstreifen, auf dem Bäume und Büsche entfernt sind, und auf diesen Straßenseitenstreifen grasen zahlreiche Rinder. Diese Rinder überqueren gelegentlich die Landstraße, was dann langsames und vorsichtiges Fahren erfordert. Die Stadt Palapye präsentiert sich als ein Verkehrsknotenpunkt und als ein Versorgungszentrum für ihr Umland gemäß dem System der Zentralen Orte (215) des Geografen Walter Christaller. 

 

Von Palapye fuhr ich mit einem weiteren Kleinbus über die Stadt Mahalapye weiter nach Gaborone, der Hauptstadt von Botswana. Bislang ist die in Botswana durchfahrene Landschaft flach gewesen, doch in der Nähe von Gaborone wird diese wellig und einige Berge werden sichtbar. Auch in Garborone unternahm ich am 04.12.2025 eine Stadtexkursion, bei der ich u.a. durch das halbkreisförmige Regierungsviertel, durch das Geschäftszentrum, und zum National Museum gelangte, das allerdings gerade umgebaut wurde, sowie zum „Three Chiefs Monument Park“. In diesem Park erinnert das „Three Chiefs Monument“ an drei Tswana-Häuptlinge, die im Jahre 1895 im Rahmen von Verhandlungen mit dem Britischen Empire erfolgreich verhindert haben, daß das damalige britische Protektorat Betschuanaland durch die von Cecil John Rhodes (1853-1902) gegründete British South Africa Company (BSAC) annektiert wurde. Diese Annektion hätte zur weiteren Folge gehabt, daß Betschuanaland später ein Bestandteil der im Jahre 1910 gegründeten Südafrikanischen Union geworden wäre und aufgrund Dessen ebenso wie Namibia den Folgen der Apartheid-Politik ausgesetzt gewesen wäre. Auch dies wurde im Jahre 1895 erfolgreich verhindert. Ebenso wie Betschuanaland (Botswana) lehnten auch das Basotholand (Lesotho) und Swasiland (Eswatini) im Jahre 1910 die Eingliederung in die Südafrikanische Union ab. 

 

Ab Garborone gibt es wieder Anschluß an die Reisebusrouten des Reisebusunternehmens Intercape, mit dem ich am. 05.12.2025 nach Pretoria weiter gefahren bin. Schon nach kurzer Fahrt von rund 30 Minuten wurde die Grenze zwischen Botswana und Südafrika beim Grenzübergang Tlokweng-Kopfontain erreicht. Es ist ein häufig genutzter Grenzübergang, und bei der Paßkontrolle gab es lange Warteschlangen, obwohl die Paßkontrollen auf beiden Seiten zügig verliefen. Die Reisepässe wurden jeweils elektronisch eingelesen, und es wurde ein Aus- bzw. Einreisestempel erteilt. Auch hier wurden keine biometrischen Daten erhoben. Die Weiterfahrt nach Pretoria verlief durch eine bergige und grüne Savannenlandschaft. 

 

7. Pretoria oder: Die Burenrepubliken und der „Wettlauf um Afrika“ 

 

Der Stadt Pretoria (216) kommt eine herausragende historische und aktuelle Bedeutung zu, denn zum Einen war sie Hauptstadt der Burenrepublik Südafrikanische Republik (Transvaal) (ZAR) (217) gewesen, und zudem ist sie heute neben Kapstadt und Bloemfontein eine der drei Hauptstädte Südafrikas. Aufgrund dessen gibt es in Pretoria zahlreiche historische Gebäude, Museen und Sehenswürdigkeiten zu sehen. Auch in Pretoria ging ich im Rahmen meiner Stadtexkursion am 06.12.2025 auf historische Spurensuche. Auch hier gilt es, historische Forschung an den geografischen Originalschauplätzen historischer Ereignisse zu betreiben. 

 

Meine Stadtexkursion in Pretoria startete ich im Stadtteil Hatfield, im dem sich das Hostel befindet, in dem ich während meines Aufenthaltes in Pretoria logiert habe. Mit dem Gautrain, einer S-Bahn, die als zuverlässig und sicher gilt, gelangte ich von der Station Hatfield zur Station Pretoria, die sich neben dem Hauptbahnhof und dem Busbahnhof im Stadtzentrum von Pretoria befindet. Wie an Busbahnhöfen in den Städten in Südafrika allgemein üblich, haben auch am Busbahnhof in Pretoria zahlreiche Reisebusunternehmen ihre Ticketbüros, in denen man unkompliziert Tickets kaufen kann, und es werden Busfahrten zu zahlreichen Zielen in Südafrika angeboten. Von hier folgte ich der Paul Kruger Street nach Norden. Dabei gelangte ich am „National Museum of Natural History“ vorbei. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich umgeben von einem Park mit Denkmälern die im Jahre 1935 erbaute City Hall. Das gesamte Gelände um die City Hall war eingezäunt und nicht zugänglich. Dann erreichte ich den Church Square, der den architektonischen Mittelpunkt von Pretoria bildet. Er ist von zahlreichen großen, repräsentativen Gebäuden umgeben, darunter der im Jahre 1891 erbaute Raadsaal, dem Parlament der Burenrepublik Südafrikanische Republik (ZAR) (Transvaal). Im Zentrum des Church Square erinnert ein Denkmal an Stephanus Johannes Paulus Kruger (1825-1904) (218), dem Präsidenten der Südafrikanischen Republik (ZAR) (Transvaal) von 1883 bis 1900. 

 

Anschließend besuchte ich das „Paul Kruger Museum“ (219), das westlich des Church Square gegenüber einer „Kruger‘s Church“ liegt. Das Museum befindet sich in dem Haus, in dem Paul Kruger wohnte, als er Präsident der Südafrikanischen Republik (Transvaal) in den Jahren 1883 bis 1900 gewesen war. Seine Amtszeit als Präsident liegt inmitten des Zeitalters des Imperialismus, dessen herausragender Bestandteil der „Wettlauf um Afrika“ war. Die Amtszeit von Paul Kruger war in besonderem Maße durch dieses Zeitalter des Imperialismus geprägt. Das Zeitalter des Imperialismus kulminierte in zwei Weltkriegen. 

 

Folglich prägten imperiale Kriege die Amtszeit von Paul Kruger als Präsident der Südafrikanischen Republik (Transvaal), was Thema des von mir in Pretoria besuchten Paul Kruger Museums ist. In dem Museum wird unter anderem die umfangreiche Solidarität dargestellt, die Paul Kruger in diesen kriegerischen Konflikten mit dem Britischen Empire (220), den sogenannten Burenkriegen (221), zuteil wurde, sowohl von staatlichen Akteuren als auch von zahlreichen zivilgesellschaftlichen Akteuren weltweit. Tatsächlich erfolgte jedoch über derartige Solidaritätsbekundungen hinaus nichts. Im militärischen Konflikt mit dem Britischen Empire, der damals führenden Weltmacht, wurden die Buren alleine gelassen und niemand wagte es, diese offen zu unterstützen und damit einen Konflikt mit der damaligen führenden Weltmacht, dem Britischen Empire, zu riskieren. 

 

Vergleichbare Beispiele lassen sich in der jüngeren Geschichte zahlreiche finden, in denen Opfer militärischer Aggressionen von Weltmächten alleine gelassen werden, und unter vielen möchte ich drei herausragende Beispiele aufführen: 1. Der Abessinienkrieg des faschistischen Italiens gegen das Kaiserreich Äthiopien, einem Mitglied des Völkerbunds, vom 03.10.1935 bis zum 27.11.1941 (222). 2. Finnland im sogenannten Winterkrieg mit der Sowjetunion vom 30. November 1939 bis zum 13. März 1940 (223), und 3. die Okkupation Tibets durch die VR China ab 1950 (224). Weltmächte dominieren auch heute das Saatensystem, und im UN-Sicherheitsrat nehmen die Weltmächte, nahezu ausschließlich Siegermächte des Zweiten Weltkrieges, als ständige Mitglieder mit Vetomacht ihre Interessen als Weltmächte wahr mit der Folge, daß Machtkalkül und Machtpolitik sowie Geostrategie und Geopolitik die Weltpolitik bestimmen. 

 

Um die Burenrepubliken militärisch zu besiegen, setzte das Britische Empire im Zweiten Burenkrieg 1899-1902 (Anglo-Boer War, auch: Südafrikanischer Krieg) (225) eine gewaltige militärische Übermacht von rund 450.000 Soldaten ein, größere Teile der Zivilbevölkerung wurden in Internierungslagern, die als „Concentration Camps“ (226) bezeichnet wurden, festgehalten, in denen ca. 26.000 Buren aufgrund der Haftbedingungen verstarben, und der Oberbefehlshaber der Britischen Armee, Horatio Herbert Kitchener, 1. Earl Kitchener (1850 – 1916) (227) gab den Befehl, im Rahmen einer Strategie der „Verbrannten Erde“ („Scorched Earth“) (228) den Buren ihre Lebensgrundlage zu entziehen: 30.000 Farmen wurden niedergebrannt, Dörfer zerstört und die Ernte vernichtet. Die Burenrepubliken wurden dem Britischen Empire als Kolonien eingegliedert und Paul Kruger ging im Jahre 1900 ins Exil. Der Zweite Burenkrieg wurde bei meinem nachfolgenden Besuch der Stadt Bloemfontein ein ausführlicheres Thema. 

 

Die zuvor unabhängigen Burenrepubliken Oranje-Freistaat und Südafrikanische Republik (Transvaal) wurden nach dem Zweiten Burenkrieg zu Kolonien des Britischen Empires. Am 31. Mai 1910 wurde durch den Zusammenschluß von vier britischen Kolonien: Kapkolonie, Natal, Oranjefluß-Kolonie und Transvaal, die Südafrikanische Union gebildet. Die Südafrikanische Union wurde ein Dominion (229) im Rahmen des Britisch Commonwealth (230). Auch beteiligte sich die Südafrikanische Union nun ebenfalls wie die weiteren Dominions des Britischen Empires, wie z.B. Kanada, Australien und Neuseeland, an sämtlichen nachfolgenden (imperialen) Kriegen des Britischen Empires, darunter dem Ersten Weltkrieg, als treue Vasallen des britischen Königs wie zu Zeiten von Wilhelm dem Eroberer (231), obwohl diese Kriege des Britischen Empires diese Dominions und deren Bevölkerung nichts angingen. 

 

Nach dem Besuch des Kruger Museums setzte ich meine Stadtexkursion in Pretoria zu den im Jahre 1913 fertig erbauten Union Buildings fort. Neben Kapstadt dienen diese als Regierungssitz. Die Union Buildings liegen auf einem Hügel in einer terrassenförmig angelegten Parkanlage, von wo aus sich eine Aussicht über die Stadt Pretoria bietet. Unterhalb der Union Buildings befindet sich ein „Pretoria War Memorial“, das an 11.000 Soldaten der Südafrikanischen Union erinnert, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren haben. Es ist nach den einheitlichen architektonischen Standards der British Commonwealth War Graves Commission gestaltet (232). 

 

8. Johannesburg: Vom Goldrausch zur Megacity 

 

Von Pretoria aus besuchte ich im Rahmen eines Tagesausflugs am 07.12.2025 die nahegelegene Stadt Johannesburg (233), die als Boomtown (234) im Zuge eines Goldrausches ab dem Jahre 1886 entstanden war. Da Johannesburg als die Stadt in Südafrika mit dem größten Kriminalitätsproblem gilt, habe ich dort nicht wie üblich eine Stadtexkursion zu Fuß unternommen, sondern lediglich eine Tagestour mit dem City- Sightseeing-Bus. Aufgrund des großen Kriminalitätsproblems wird Touristen von Stadtexkursionen zu Fuß in Johannesburg dringend abgeraten. Laut Statistik hat Südafrika weltweit die höchste Verbrechensrate, und innerhalb Südafrikas ist diese Verbrechensrate in Johannesburg am höchsten. Ebenso wie in Kapstadt, werden auch in Johannesburg Touren durch das Stadtgebiet mit dem City- Sightseeing-Bus angeboten. In Johannesburg startet die City- Sightseeing-Bustour im Stadtteil Rosebank an der dortigen Station des Gautrain, mit dem ich aus Pretoria dorthin gefahren bin. 

 

Die Tour des City- Sightseeing-Bus verläuft durch Vororte und Wohnsiedlungen, die auch hier wie in allen Städten in Südafrika von Mauern und hohen Zäunen, meist elektrischen Zäunen, umgeben sind und die durch Wachschutzunternehmen mit einem Konzept einer „Armed Response“ streng bewacht werden. Im Stadtzentrum dominieren Hochhausbauten aus dem Zeitraum, als Johannesburg infolge des Goldrausches ein boomendes überregionales Geschäfts- und Wirtschaftszentrum gewesen war. In Südafrika und insbesondere in den Städten finden erhebliche demografische Veränderungen statt (235). Wie in allen Städten in Südafrika ist auch in Johannesburg seit dem Ende der Apartheid das Stadtzentrum von den Einwohnern europäischen Ursprungs verlassen worden, die sich in bewachte Wohnsiedlungen außerhalb der Stadtzentren hinter hohen, oft mehrreihigen Zäunen und Mauern zurück gezogen haben. In den Straßen des Stadtzentrums von Johannesburg campieren heute an den Straßenrändern Leute in Zelten und selbstgebauten Hütten, die nach dem Ende der Apartheid aus den Townships (236) und aus den ehemaligen Homelands (237) in großer Zahl in die Zentren der Städte gekommen sind und die in den Stadtzentren in Südafrika heute die Bevölkerungsmehrheit bilden. Zudem kommt eine große Anzahl von illegalen Einwanderern und Wirtschaftsflüchtlingen aus den Nachbarländern nach Südafrika, und auch diese gehen größtenteils in die Zentren der Städte. Dort vermehren sie die Zahl der Arbeitslosen, die in Südafrika zwischen 35 und 40 Prozent liegt. Aufgrund des weltweit höchsten Bevölkerungswachstums (238) im gesamten Afrika drängen immer mehr Menschen aus den Townships und aus dem Ländlichen Raum in die Stadtzentren. Während der City-Sightseeing- Bustour erfolgt in einer Vielzahl auswählbarer Sprachen über Kopfhörer eine Vorstellung der jeweils angefahrenen Sehenswürdigkeiten. Dabei sind auch Thema verschiedene Aspekte der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Johannesburg. Unter anderem wird erwähnt, daß Johannesburg in wenigen Jahren mit Pretoria und weiteren Städten und Siedlungen zu einer Megacity (239) mit möglicherweise mehreren 10 Millionen Einwohnern zusammengewachsen sein wird. 

 

Während der City-Sightseeing- Bustour kann man an insgesamt 13 Haltestellen aussteigen und in einem der im Abstand von 40 Minuten nachfolgenden City-Sightseeing-Busse weiterfahren, was ich dazu genutzt habe, an Haltestelle Nr. 7 auszusteigen, um das dort gelegene „Apartheid-Museum“ (240) zu besuchen. Gegenstand des Apartheid-Museums ist die Rassentrennung (241) in Südafrika und Namibia, die dort bis zum Jahre 1990 praktiziert wurde und die als „Apartheid“ (242) bezeichnet wird. In Südafrika und Namibia wurde eine „Kleine Apartheid“ von einer „Großen Apartheid“ unterschieden. Der Begriff „Kleine Apartheid“ meint die Rassentrennung im öffentlichen Raum insbesondere der Städte, während die „Große Apartheid“ die räumliche Trennung im großen Maßstab meint, insbesondere im Rahmen der Homeland-Politik. Rassentrennung war ein Phänomen insbesondere in Siedlungskolonien, wie z.B. in den USA (243), aber auch in Südafrika und Namibia. In den USA wurde die Rassentrennung bis zum Jahre 1964 praktiziert, bis eine Bürgerrechtsbewegung deren Abschaffung erreichte (244). In Südafrika und Namibia wurde die Rassentrennung (Apartheid) im Jahre 1990 abgeschafft. 

 

Das Apartheid-Museum hat das Motto: „Learn from the past, change the future“, und es beeindruckt durch umfangreiche Ausstellungen mit zahlreichen Exponaten, überwiegend Fotos, und umfassenden Informationen. Die Ausstellungen folgen chronologisch den historischen Entwicklungen. Dargestellt wird u.a. die Vorgeschichte der Rassentrennung in Südafrika und Namibia, die Durchsetzung der Apartheid-Politik ab 1948, wie die Apartheid das Leben der Menschen gestaltete und bestimmte, die Opposition gegen die Politik der Apartheid, Verbrechen, die vom Apartheid-Regime zur Aufrechterhaltung der Apartheid und zur Repression der Opposition begangen wurden, das Ende der Politik der Apartheid und die Übergangsphase von 1990 bis 1994, die von einer Zunahme der Gewalt geprägt war, sowie die Entwicklungen bis heute. 

 

Eingeleitet wird die Museumsausstellung noch im Außenbereich des Museums mit der Hervorhebung einiger markanter Aspekte der Menschheitsgeschichte (245) insbesondere im Bereich der Paläoanthropologie (246). Zweifellos liefert heute das interdisziplinäre Projekt der modernen Anthropologie, dessen gemeinsames Erkenntnisinteresse mit der Kant‘schen Frage „Was ist der Mensch?“ (247) bestimmt werden kann, Erkenntnisse mit weitreichenden Konsequenzen für unsere Weltsicht: Die Einheit der Menschheit ist damit nicht mehr nur eine intellektuelle und kulturelle Verstehensleistung, wie noch im Zeitalter der Aufklärung, sondern eine bio-physische Tatsache. Die Erkenntnisse des interdisziplinären Projekts der modernen Anthropologie liefern herausragende und überzeugende Argumente gegen Rassentrennung und Rassismus (248). 

 

Zusätzlich zu der Hauptausstellung gibt es zwei weitere Ausstellungen, von denen Eine das Leben und Wirken von Nelson R. Mandela (1918-2013) (249) zum Thema hat, die Andere Leben und Wirken von Desmond M. Tutu (1931-1920) (250). Insbesondere in dieser letztgenannten Ausstellung ist die 1996 eingerichtete „Wahrheits- und Versöhnungskommission“ (251) Thema. Diese Wahrheits- und Versöhnungskommission ist Ausdruck und Beispiel einer neuen Reflektionsstufe im Umgang mit Verbrechen im Rahmen von Krieg und Gewaltherrschaft, wobei das Erkenntnisinteresse Aufklärung ist und nicht Bestrafung, wie bei Tribunalen und Gerichtsprozessen (252). So stehen nicht „Täter“, sondern Verhältnisse im Zentrum, womit eine Veränderung von Verhältnissen überhaupt erst möglich wird, was dem Motto des Museums entspricht: „Learn from the past, change the future“. 

 

Südafrika gilt als ein Beispiel eines gelungenen Transformationsprozesses vom Apartheid-Regime zur Demokratie. Alle haben jetzt die Möglichkeit, gleichberechtigt an Wahlen teilzunehmen. Demokratie kann jedoch nicht funktionieren, wenn, wie in Südafrika und auch zahlreichen weiteren Ländern, nach Kriterien der Zugehörigkeit zu ethnischen Gruppen gewählt wird. Dann steht das Wahlergebnis schon vor der Wahl fest, sodaß man auch auf das Wählen verzichten kann, denn das Wahlergebnis ist so nicht das Ergebnis einer zuvor erfolgten öffentlichen Diskussion und Meinungsbildung, wie es im Konzept der deliberativen Demokratie (253) zum Ausdruck gelangt. Kernidee der deliberativen Demokratie ist, daß durch Austausch von Argumenten in einem herrschaftsfreien Diskurs Verständigung oder Konsens erzielt werden können und so gefundene Lösungen den Ansprüchen der Vernunft in sachlicher und moralischer Hinsicht gerecht werden (254). Für die zahlreichen drängenden Probleme in Südafrika kann nur dann eine Lösung gefunden werden, wenn es gelingt, durch Austausch von Argumenten in einem herrschaftsfreien Diskurs Verständigung oder Konsens zu erzielen. Noch sind die gesellschaftlichen Realitäten weit davon entfernt. 

 

Johannesburg ist eine junge Stadt, die keine 150 Jahre alt ist, und sie war als Boomtown im Rahmen eines Goldrausches ab dem Jahre 1886 entstanden. In wenigen Jahren wird Johannesburg mit Pretoria und weiteren Städten und Siedlungen zu einer Megacity mit möglicherweise mehreren 10 Millionen Einwohnern zusammengewachsen sein, wie bei der City-Sightseeing-Tour vermittelt wurde. Zuletzt hatte ich während meiner Fahrradreise durch das südöstliche Europa im Jahre 2023 mit der Megacity Istanbul-Bursa eine expandierende Megacity kennenlernen können. Schon davor hatte ich während meiner Reisen weitere Megacitys besucht und kennen lernen können: Paris, London, Mumbai/Bombay, Delhi, Bangkok, Ho-Chi-Minh-Stadt/Saigon, Sao Paulo, Mexiko-Stadt, Kairo, Los Angeles, New York. Die Mehrzahl der Weltbevölkerung wird in wenigen Jahrzehnten in Megacitys mit 10 bis 50 Millionen Einwohnern leben, und im südlichen Afrika kann man eine solche in Entstehung begriffene Megacity mit der Metropolregion Johannesburg-Pretoria besuchen und die in Megacitys herrschenden Verhältnisse studieren, und unter solchen Verhältnissen wird in wenigen Jahrzehnten die Mehrzahl der Weltbevölkerung leben. 

 

Es stellt sich die Frage nach der Rolle der weltweit zunehmenden und rasant anwachsenden Megacitys im gegenwärtigen real-existierenden Weltsystem. Meines Erachtens haben diese Megacitys den Charakter und die Funktion von Abschieberäumen und Verwahranstalten der globalen Überschußbevölkerung, die aus dem Ländlichen Raum verdrängt wird, da sich dort weltweit immer mehr die riesigen agrarindustriellen Monokulturen auf Kosten der traditionellen Subsistenzwirtschaft der Menschen im Ländlichen Raum ausweiten. Als Abschieberäume und Verwahranstalten ersetzen die Megacitys die Totale Institution des Lagers, die in ihren verschiedenen Erscheinungsformen im extremen 20. Jahrhundert ihre unheimliche Ausweitung und Radikalisierung erfahren hatte. Hinzu kommt das weiter anhaltende rasante Bevölkerungswachstum, das in Afrika weltweit am höchsten ist. Die Menschen verlassen nicht freiwillig den Ländlichen Raum und geben ihre traditionelle Subsistenzwirtschaft auf, sondern sie werden dazu genötigt. Auf der Suche nach Existenzmöglichkeiten siedeln die aus dem Ländlichen Raum verdrängten Menschen in den anwachsenden Slums an den Rändern der Städte, oder sie roden Naturschutzgebieten Land. Die Urbanisierung nimmt weltweit rasant zu. Schon in wenigen Jahrzehnten wird weltweit die Mehrzahl der Menschen in Megacitys mit 10 bis 50 Mio. Einwohnern leben. Die Mehrheit der Megacitys ist durch permanente ökologische, soziale und gesundheitliche Krisen und Ausnahmezustände geprägt. Diese Krisen und Ausnahmezustände kann man am Beispiel der heute schon bestehenden Megacitys studieren. Diese Krisen in den heute schon bestehenden Megacitys werden die die Zukunft der Menschheit prägen, und mit großer Wahrscheinlichkeit werden diese ein totalitäres globales Regime zum Krisenmanagement sowie zur Überwachung und Kontrolle der Menschen zur Folge haben. Seit den Ereignissen vom 11.09.2001 und der sogenannten „Corona-Krise“ ist ein Teil des Weges dorthin bereits zurückgelegt worden. Heute erscheint diese Entwicklung als schicksalhaft, unbeeinflußbar und unabwendbar. 

 

Gerne wollte ich von Johannesburg aus auch die nahegelegenen, aufgrund der zahlreichen paläoanthropologischen Funde als „Cradle of Humankind“ (255) bekannten Höhlen Sterkfontain (256), Swartkrans (257), Wonder Cave und weitere besuchen, die Unesco-Welterbe sind, doch dorthin gibt es keine öffentlichen Verkehrsmittel, sodaß ich meinen Plan aufgeben mußte. 

 

9. Diamantenrausch und Geopolitik in Kimberley 

 

Von Pretoria war ich am 08.12.2025 mit dem Intercape-Reisebus zur Bergbaustadt Kimberley (258) weiter gereist, die ab dem Jahre 1871 als Boomtown im Zuge des größten Diamantenrausches in der Menschheitsgeschichte entstanden ist. Während Johannesburg als Boomtown im Zuge eines Goldrausches entstanden ist und überraschenderweise nach Ende des Goldrausches nicht wieder verschwunden ist, wie es bei Boomtowns üblich ist, sondern im ganzen Gegenteil sich heute rasant zu einer Megacity entwickelt, ist Kimberley ebenfalls als Boomtown entstanden, allerdings im Zuge des größten Diamanten-Rausches in der Menschheitsgeschichte. 

 

Auch in Kimberley habe ich am 09.12.2025 eine Stadtexkursion unternommen und mich auch hier auf historische Spurensuche begeben. Es gilt, historische Forschung an den geografischen Originalschauplätzen historischer Ereignisse zu betreiben. Im Zentrum meiner Stadtexkursion stand der Besuch des „Big Hole“ und des dortigen „Kimberley Mine Museum“ sowie des angrenzenden Freilichtmuseums der „Old Town“. Auf dem Weg dorthin ins Stadtzentrum gelangte ich an einer Statue von Cecil John Rhodes (1853-1902) vorbei. Dann passiere ich den eingezäunten „Oppenheimer Memorial Garden“ und das „Harry Oppenheimer House“, dem Sitz der „De Beers Diamond Trading Company“. Ich erreiche nun den Market Square mit der City Hall und gelange auf dem Weg zum „Big Hole“ vorbei an dem Gebäude des „De Beers Head Office“ aus dem Jahre 1898. 

 

Der Konzern De Beers ist heute mit rund 40% der Weltförderung der größte Diamantenproduzent und mit über 50% Anteil am weltweiten Diamantenhandel der größte Diamantenhändler der Welt (259). Mit Cecil John Rhodes als Vorsitzendem war der Konzern De Beers am 12. März 1888 unter dem Namen „De Beers Consolidated Mines Limited“ gegründet worden, mit dem Rhodes das Monopol über die Diamantenproduktion im südlichen Afrika erlangte. Heute besitzt der im Jahre 1917 von Ernst Oppenheimer (1880-1957) (260) unterstützt von der us-amerikanischen Bank J.P. Morgan (261) gegründete Bergbau- und Rohstoffkonzern „Anglo American“ (262) 85% der Anteile am De Beers-Konzern. Die Leitung des Konzerns Anglo American wurde von Harry F. Oppenheimer (1908-2000) (263) fortgeführt, nach dem heute in Kimberley das „Harry Oppenheimer House“, dem Sitz der „De Beers Diamond Trading Company“ benannt ist. 

 

Das „Big Hole“ (264) entstand ab dem Jahre 1871, nachdem im Jahre 1866 auf dem Gelände der Farm der Brüder De Beers Diamanten gefunden wurden und das Gelände im Zuge des Diamantenrausches in Claims aufgeteilt wurde. Aufgrund der Bergbau-Aktivitäten entstand ein riesiges Loch, das „Big Hole“, das heute wassergefüllt ist und eine Touristenattraktion darstellt. Das „Big Hole“ kann von einer Aussichtsplattform aus besichtigt werden. Es ist bis heute eine der größten in Handarbeit ausgehobenen Gruben der Welt. Ich nahm hier an einer vom Kimberley Mine Museum angebotenen Führung teil, deren Bestandteil der Besuch eines nachgebauten Bergwerkstollens aus der Zeit des Diamantenrausches ist. 

 

Das an das „Big Hole“ angrenzende Freilichtmuseum „Old Town“ ist ein Freilichtmuseum (265) in der Tradition des Skansen-Freilichtmuseums (266) in Stockholm, und hier in Kimberley hat man in der „Old-Town“ in der Stadt noch vorhandene historische Gebäude aus der Zeit des Diamantenrausches gesammelt und wieder aufgebaut. Beeindruckend ist, daß auch Inneneinrichtungen weitestgehend erhalten sind. Exzellent und informativ ist das angrenzende „Kimberley Mine Museum“, das nahezu alle Themenbereiche zum Themenkomplex „Diamanten“ (267) ausführlich behandelt, darunter Aspekte der Geologie, der Kulturgeschichte sowie der jüngeren Geschichte, hier im Rahmen des Zeitalters des Imperialismus, dessen Bestandteil der „Scramble for Afrika“ war. 

 

In diesem Rahmen spielt Cecil John Rhodes (1859-1902) eine mehr als herausragende Rolle. Rhodes errichtete hier ein Diamantenmonopol, um damit sein geopolitisches Projekt eines Britischen Imperiums in Afrika „vom Kap bis Kairo“ zu realisieren, dessen Bestandteil die Kap-Kairo-Eisenbahnlinie (268) war. Im Museum wird seine welthistorische Rolle und Bedeutung folgendermaßen dargestellt: „Cecil John Rhodes was a statesman and empire builder who had the greatest influence of any single person in the history of the african continent.“ Rhodes hat systematisch die Claims der Diamanten-Mine in Kimberley aufgekauft, finanziert von der Bank der Rothschilds (269) in London, um auf dieser Grundlage seine geopolitischen und imperialen Pläne eines Britischen Empires „vom Kap bis Kairo“ umzusetzen. Auch zu diesem Thema bietet das Kimberley Mine Museum detailliertes und umfangreiches Material. 

 

Diesen Plänen eines Britischen Empires „vom Kap bis Kairo“ waren u.a. im Weg die von den Buren gegründeten Republiken „Südafrikanische Republik“ (Transvaal), „Oranje-Freistaat“ und „Republik Natalia“, und zu deren Unterwerfung und Eingliederung in das Britische Empire hat dieses Kriege geführt, die als „Burenkriege“ bezeichnet werden. Unter diesen Burenkriegen ragt aufgrund seiner geopolitischen Bedeutung sowie der dort angewandten neuartigen Methoden der Kriegsführung, bei denen die Zivilbevölkerung umfangreich im Zuge einer Strategie der „Verbrannten Erde“ („Scorched Earth“) zum militärischen Ziel wurde, der Zweite Burenkrieg 1899-1902 (Anglo-Boer War, auch: Südafrikanischer Krieg) heraus, der Hauptthema meines nun nachfolgenden Besuchs der Stadt Bloemfontein war. Der Zweite Burenkrieg wurde von Großbritannien geführt, um die diamant- und goldreichen Burenrepubliken in das britische Empire eingliedern zu können. Vorausgegangen war dem Zweiten Burenkrieg ein von Cecil John Rhodes geplanter Putschversuch in der Südafrikanischen Republik (Transvaal) vom 29. Dezember 1895 bis zum 2. Januar 1896, der als „Jameson Raid“ bezeichnet wird (270). 

 

Bedauerlicherweise ist das Kimberley Mine Museum eins der vielen Museen, in denen aus unerklärlichen Gründen Lichtmangel herrscht, sodaß viele Fotos nicht gelangen und unscharf wurden. Auf dem Rückweg kam ich an einem im Jahre 1976 errichteten Denkmal vorbei, das an in den Jahren 1899 bis 1902 während des Zweiten Burenkrieges (Anglo-Boer War, auch: Südafrikanischer Krieg) in Konzentrationslagern (Concentration Camps) bei Kimberley verstorbene Personen erinnert. 

 

10. Bloemfontein: Der Zweite Burenkrieg, eine Urkatastrophe des extremen 20. Jahrhunderts 

 

Von Kimberley aus setzte ich meine Reise am 10.12.2025 fort nach Bloemfontein (271), der Hauptstadt der ehemaligen Burenrepublik Oranje-Freistaat, wo ich einen weiteren Zwischenstopp auf meiner Reise zwecks Stadtexkursion und dem Besuch von Museen und Gedenkstätten eingelegte. Die Fahrt erfolgte vom Busbahnhof in Kimberley aus mit einem Kleinbus mit 22 Sitzplätzen, und auch dieser fuhr erst dann ab, als alle Sitzplätze mit Passagieren besetzt waren, was diesmal allerdings außergewöhnlich lange dauerte, sodaß die Abfahrt mit vierstündiger Verspätung erfolgte. Bei der Fahrt setzt sich die flache Landschaft fort, die schon auf dem Weg von Pretoria nach Kimberley durchfahren wurde. Die Landschaft beiderseits der Straße ist eingezäunt und wird größtenteils landwirtschaftlich genutzt, wobei die landwirtschaftlichen Nutzflächen (LNF) gewaltige Ausmaße haben. Auf den LNF überwiegt Weidewirtschaft mit Rindern. Diese Flächen sind anders als in Namibia üblich weitgehend entbuscht (entkusselt), sodaß hier ausgedehnte monotone Grasflächen dominieren. Zudem gibt es auch Ackerbau, der ebenfalls agrarindustriell auf riesigen LNF erfolgt. Angebaut werden u.a. Mais und Opuntien. Mehrmals führt die Fahrt an gewaltigen agrarindustriellen Siloanlagen vorbei. Der landwirtschaftlich genutzte Boden hat wie überall im südlichen Afrika eine rötliche Farbe. Einige wenige Male waren auf den eingezäunten Flächen Strauße zu sehen; ansonsten fehlen die für Afrika typischen Großtiere vollständig. 

 

Der Stadt Bloemfontein kommt eine herausragende historische und aktuelle Bedeutung zu, denn zum Einen war sie Hauptstadt der Burenrepublik Oranje Freistaat gewesen, und zudem ist sie heute neben Kapstadt und Pretoria eine der drei Hauptstädte Südafrikas. Aufgrund dessen gibt es in Bloemfontein zahlreiche historische Gebäude, Museen und Sehenswürdigkeiten zu sehen. Auch hier ging ich im Rahmen meiner Stadtexkursionen auf historische Spurensuche. Es gilt, historische Forschung an den geografischen Originalschauplätzen historischer Ereignisse zu betreiben. 

 

Meine Stadtexkursion in Bloemfontein begann ich im Stadtzentrum am Hoffman Square. Dieser große Platz ist von mehreren großen Gebäuden umgeben, darunter einem Postamt. Auf dem Platz erinnert ein Denkmal an Kriegstote aus Bloemfontein im Ersten Weltkrieg, „Who died for their Country“. In verschiedenen Städten in Südafrika, darunter Kapstadt und Pretoria, erinnern Denkmäler an die Beteiligung der im Jahre 1910 gegründeten Südafrikanischen Union, einem Dominion des Britischen Empires wie u.a. Kanada, Australien, Neuseeland, am Ersten Weltkrieg. Gemessen an der Präsenz in der öffentlichen Gedenk- und Erinnerungskultur in Südafrika kommt dieser Beteiligung der Südafrikanischen Union am Ersten Weltkrieg als treuer Vasall Großbritanniens der Gehalt eines Gründungsereignisses der Südafrikanischen Union zu. 

 

Vom Hoffman Square setzte ich meine Stadtexkursion nach Westen und im Uhrzeigersinn durch das historische Stadtzentrum fort. Vorbei gelangte ich vorbei am „National Afrikaans Literary Museum“, der City Hall und dem „Fouth Raadsaal“, dem im Jahre 1893 fertig erbauten Parlamentsgebäude der Burenrepublik Oranje Freistaat. Nun erreichte ich den Hertzog Square und besuchte das angrenzende „National Museum“. Dieses große und beeindruckende Museum hat mehrere Abteilungen: Naturgeschichte, Naturkunde, Archäologie, Ethnografie sowie Geschichte der Stadt Bloemfontein. Naturgeschichte und Naturkunde bilden den Schwerpunkt des Museums. Die Ausstellungen sämtlicher Abteilungen sind aufwändig gestaltet mit zahlreichen Diarahmen und Schaukästen – ein klassisches und bewährtes museumspädagogisches Konzept. 

 

Gut konzipierte Museen mit derartigen Schwerpunkten wie hier im National Museum in Bloemfontein sind bedeutend und wichtig, denn sie leisten einen wesentlichen Beitrag zur allgemeinen öffentlichen Bildung, sie sind geeignet, im Sinne gesellschaftlicher Aufklärung Fehlinformationen und Vorurteile abzubauen und sie vermitteln Grundlagen eines aktuellen wissenschaftlich fundierten Weltbildes. Bestandteil dieses aktuellen wissenschaftlich fundierten Weltbildes ist auch, daß die Menschheit ihren Ursprung in Afrika hat und sich von dort im Zuge eines Migrationsprozesses über nahezu sämtliche Kontinente verbreitet hat; und insbesondere das südliche Afrika wurde in der Neuzeit wieder Ort eines Migrationsprozesses mit Migranten u.a. aus Europa und Süd- und Südost-Asien. Im weiteren Verlauf meiner Stadtexkursion in Bloemfontein gelangte ich vorbei am im Jahre 1849 erbauten „First Raadsaal“, dem ältesten erhaltenen Gebäude der Stadt, sowie an der „Old Presidency“, dem im Jahre 1885 errichteten Sitz des Präsidenten des Oranje Freistaates. 

 

Im Zentrum meiner Stadtexkursionen in Bloemfontein stand am 11.12.2025 der Besuch der Gedenkstätte und Museum „National Woman‘s Memorial and War Museum of the Boer Republics“ (272). Dorthin gelangte ich vom Hoffman-Square aus, wobei ich der Kerk Street (Church Street) aus dem Stadtzentrum hinaus nach Südwesten folgte. Diese Straße ist mittlerweile wie viele Straßen in Südafrika umbenannt worden. Berlin ist ein Beispiel für eine Stadt, die in ihrer jüngeren Geschichte wiederholt von Straßenumbenennungen betroffen war, und meines Erachtens sollten Straßen grundsätzlich nur nach geografischen Bezeichnungen benannt werden, damit diese nicht immer wieder Gegenstand geschichtspolitischer Auseinandersetzungen werden. Auf dem Weg zum Museum passierte ich ein ausgedehntes Gewerbegebiet, in dem sich insbesondere Autohändler angesiedelt haben. 

 

Gegenüber dem „Old Fort“ und einem dort benachbarten „Military Museum“ traf ich auf einen alten Friedhof mit dem Namen „Begraafplaas – President Brand Chemetry“. Zwischen diversen Grabsteinen befinden sich hier zwei unterschiedliche Monumente: Zum Einen ein Monument des britischen Empires „In Memory of the Members oft he British and Colonial Forces who lost their Lives during the Anglo-Boer War“. Zahlreiche Namen sind aufgeführt. Dieses Monument entspricht in seiner Gestaltung nicht gänzlich den einheitlichen Standards der British Commonwealth War Graves Commission für Militärfriedhöfe, möglicherweise weil dieses Denkmal zu einem frühen Zeitpunkt errichtet wurde. Das zweite Monument, das im Jahre 1959 errichtet worden ist, erinnert an die Opfer eines Konzentrationslagers (Concentration Camp) bei Bloemfontein in den Jahren 1899 bis 1902, und auch hier sind zahlreiche Namen aufgeführt. 

 

Die Gedenkstätte und Museum „National Woman‘s Memorial and War Museum of the Boer Republics“ liegt außerhalb des Stadtgebietes von Bloemfontein und ist ca. drei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Thema der Gedenkstätte und Museum „National Woman‘s Memorial and War Museum of the Boer Republics“ ist der Zweite Burenkrieg (Anglo-Boer War, auch: Südafrikanischer Krieg) in den Jahren 1899 bis 1902. Es gibt hier einen „Garden of Rememberance“, in dem auf zahlreichen Tafeln die Namen von 35.000 Personen, insbesondere Frauen und Kinder, aufgeführt sind, die in den Jahren 1899 bis 1902 in Internierungslagern, den „Concentration Camps“ aufgrund der Haftumstände verstorben sind. Zentrum der Anlage bildet das „Womans Memorial“ mit einem 36,5 Meter hohen Obelisken, das im Jahre 1913 errichtet worden war. Mein besonderes Interesse gilt dem „Anglo-Boereoorlog-Museum“ (Anglo-Boer War Museum). Das in mehrere Säle thematisch untergliederte Museum erweist sich als überaus materialreich und informativ, und es bietet sicherlich die weltweit umfassendsten und umfangreichsten bestehenden Darstellungen und Sammlungen zum Thema des Zweiten Burenkrieges, der in seinen unterschiedlichen Aspekten beleuchtet und ausgeleuchtet wird. 

 

In Europa nehmen wir den Zweiten Burenkrieg kaum wahr, da er weit entfernt an einer kolonialen Periferie stattfand. Doch der Zweite Burenkrieg ragt in mehrfacher Hinsicht aus dem damaligen Zeitgeschehen und Weltgeschehen am Übergang vom 19. Jahrhundert zum 20. Jahrhundert heraus, und m.E. ist er ein markanter Teil des Übergangs und Wechsels vom weitgehend friedlichen „langen“ 19. Jahrhundert zum „kurzen“ und „extremen“ 20. Jahrhundert (273). Mit dem Zweiten Burenkrieg kündigt sich das extreme 20. Jahrhundert an, dessen Bestandteil er ist. 

 

Der Zweite Burenkrieg ist zudem ein Bestandteil des geopolitischen „Scramble for Afrika“ im Zeitalter des Imperialismus, und in diesem „Scramble for Afrika“ war das Britische Empire, die damals führende Weltmacht, am erfolgreichsten. Um die Burenrepubliken Oranje-Freistaat und die Südafrikanische Republik (Transvaal) zu erobern und dem Britischen Empire in Afrika „von Kapstadt bis Kairo“ einzugliedern, setzte das Britische Empire eine gewaltige militärische Übermacht ein von rund 450.000 Soldaten. Dennoch gelang es den Buren, sich einen längeren Zeitraum militärisch zu behaupten. 

 

Aufgrund dessen wandte das Britische Empire und die unter dem Befehl des Oberbefehlshabers der Britischen Armee, Horatio Herbert Kitchener, 1. Earl Kitchener (1850–1916) stehende britische Armee in Südafrika verschiedene Methoden an, die sich insbesondere gegen die Zivilbevölkerung und deren Lebensgrundlagen richteten, wobei die Zivilbevölkerung zum militärischen Ziel und zum Kriegsopfer wurde. Zudem setzt das Britische Empire in diesem Krieg sein überlegenes Potential als führende Industriemacht ein. Aufgrund dessen kann der Zweite Burenkrieg als ein Totaler Industrieller Krieg bezeichnet werden, eine radikalisierte Form der Kriegsführung im Zeitalter der industriellen Moderne, die insbesondere das extreme 20. Jahrhundert und die beiden Weltkriege prägte, wobei die Kriegsgegner ihr gesamtes Potential als Industriemacht möglichst rücksichtslos und hemmungslos einsetzen, und derjenige den militärischen Sieg erzielt, der den Zugriff auf die größere Rohstoffbasis erlangen kann, die größere Industrieproduktion hat und auf dieser Grundlage das größere militärtechnische Arsenal aufbieten kann (274). 

 

Kirchner wandte eine Strategie der „Verbrannten Erde“ („Scorched Earth“) an, wobei mehr als 30.000 Farmen, 40 Ortschaften und die Ernte zerstört wurden. Am bekanntesten sind die auf seinen Befehl hin eingerichteten „Concentration Camps“, Internierungslagern, in denen große Teile der Zivilbevölkerung, insbesondere Frauen und Kinder eingesperrt und festgehalten wurden. Aufgrund der Haftbedingungen war die Sterblichkeit in diesen Lagern sehr groß. Die Einrichtung und der Betrieb dieser Lager war eine humanitäre Katastrophe. 

 

Im Zeitraum vom 1899 bis 1902 waren in diesen Concentration Camps, die insbesondere entlang von Eisenbahnlinien angelegt worden waren, insgesamt rund 350.000 Zivilpersonen interniert, dies ist 28 % der damaligen Bevölkerung der beiden Burenrepubliken Oranje-Freistaat und Südafrikanische Republik (Transvaal). Von diesen Internierten verstarben zwischen 50.000 und 60.000 Personen infolge der Haftbedingungen. 

 

Unter den in den Concentration Camps lnternierten waren nicht nur Buren, wie es im Allgemeinen dargestellt wird, sondern zudem zu etwa gleichen Anteilen Schwarz-Afrikaner, was im Museum detailliert ausgeführt wird. So gab es 47 Concentration Camps für Buren sowie 65 Concentration Camps für Schwarz-Afrikaner. Von den rund 150.000 internierten Buren verstarben 26.379, und von den rund 140.000 internieren Schwarz-Afrikanern starben etwa 24.000. Im Museum wird dargestellt, daß die Haftbedingungen der Schwarz-Afrikaner erheblich schlechter waren, als die der internierten Buren, was aus den o.g. Zahlen allerdings nicht hervorgeht. 

 

Die Totale Institution des Internierungslagers (275) entstand am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert. Die Totale Institution des Lagers ist in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen die Totale Institution zur zweckrationalen Verwaltung, Überwachung, Kontrolle und Zurichtung von Menschenmassen, sie ist eine Erfindung des Zeitalters der Moderne, und sie ist ein Instrument der Industriegesellschaft. Seinen Ursprung hat das Internierungslager in den Kolonien, wo es als Repressionsinstrument genutzt wurde. Im Ersten Weltkrieg wurden die zuvor diskreditierten Internierungslager der Kolonien erstmals in Europa eingesetzt. Mit dem Ersten Weltkrieg beginnt die Anwendung kolonialer Unterdrückungsmethoden in Europa selber, und Europäer werden nun Gegenstand kolonialer Unterdrückungsmethoden. „Der Erste Weltkrieg war ein wichtiges Laboratorium für das, was kommen sollte“, erklärt der Historiker Karl Schlögel in seinem Text:“ Bugwelle des Krieges“: „Hier wurden die Methoden und Praktiken des totalen Krieges erstmals in großem Stil erprobt. (…) Hier wurden Praktiken vervollkommnet, die man zuvor schon an der Peripherie des Imperialismus, in den Kolonien, erprobt hatte – vom Konzentrationslager über Grenzziehung mit dem Rasiermesser bis zur lässigen Routine der Massenexekution; der Rassismus wanderte, wie Hannah Arendt gezeigt hatte, von der Peripherie ins Mutterland zurück“ (276). 

 

Die Totale Institution des Lagers als moderne Form terroristischen Zwangs gegen große Menschengruppen durchzieht und prägt die Geschichte des 20. Jahrhunderts, und sie ist eins der wesentlichen und charakteristischen Elemente, die das 20. Jahrhundert zu einem extremen Jahrhundert machen. Die Totale Institution des Lagers entstand am Vorabend des 20. Jahrhunderts, und seine Laufbahn ist noch nicht zuende, und es liefert ein Beispiel, daß „die Moderne gerade in ihrer Normalität Ziehvater der Exzesse dieses Jahrhunderts ist“, wie der Gesellschaftswissenschaftler Gerhard Armanski in seinem Buch: „Maschinen des Terrors. Das Lager (KZ und GULAG) in der Moderne“ analysiert (277). 

 

Im Anglo-Boereoorlog-Museum wird zudem dargestellt, daß der Anglo-Boer War, der Zweite Burenkrieg, einen internationalen Charakter hatte, denn zum Einen beteiligten sich auf Seite der Buren zahlreiche Freiwillige aus unterschiedlichen Ländern, zum Anderen hatte das Britische Imperium Soldaten aus verschiedenen seiner Überseeterritorien aufgeboten, darunter Kanada, Australien, Neuseeland, u.a.. Als treue Vasallen des Königreichs Großbritannien beteiligten sich diese Dominions an jedem imperialen Krieg des Britischen Empires wie zu Zeiten Wilhelm des Eroberers, obwohl diese Kriege Großbritanniens die Dominions und deren Bevölkerung nichts angingen. 

 

Geführt wurden diese Kriege auf Veranlassung der herrschenden Eliten und deren Interessen (278). Insbesondere der Zweite Burenkrieg kann dafür als Beispiel aufgeführt werden. Insbesondere war es das Gold der Minen bei Johannesburg und die Diamanten von Kimberley, die die herrschenden Eliten Großbritanniens in Besitz nehmen und kontrollieren wollten, um damit ihre imperialen Pläne eines Britischen Empires in Afrika „vom Kap bis Kairo“ zu finanzieren und zu fördern. In den Kriegen Großbritanniens totschießen lassen mußten sich hingegen als Soldaten die Angehörigen der Unterschichten und die Dummen, die nichts durchblicken, und daran hat sich bis heute nichts geändert. 

 

Der Zweite Burenkrieg ist der mit Abstand größte Krieg, den es jemals im südlichen Afrika gegeben hat, und er prägt dort nachhaltig bis heute die Geschichte und die Gesellschaft. 

 

In Europa nehmen wir den Zweiten Burenkrieg kaum wahr, da er weit entfernt an einer kolonialen Periferie stattfand. Doch der Zweite Burenkrieg ragt in mehrfacher Hinsicht aus dem damaligen Zeitgeschehen und Weltgeschehen am Übergang vom 19. Jahrhundert zum 20. Jahrhundert heraus, und meines Erachtens ist er ein herausragender und markanter Teil des Übergangs und Wechsels vom weitgehend friedlichen „langen“ 19. Jahrhundert zum „kurzen“ und „extremen“ 20. Jahrhundert (279). Mit dem Zweiten Burenkrieg kündigt sich das extreme 20. Jahrhundert an, dessen Bestandteil er ist. Der Zweite Burenkrieg ist zudem ein Bestandteil des geopolitischen „Wettlaufs um Afrika“ („Scramble for Afrika“) im Zeitalter des Imperialismus, und in diesem „Wettlauf um Afrika“ war das Britische Empire, die damals führende Weltmacht, als geopolitischer Akteur am erfolgreichsten. Das Zeitalter des Imperialismus, dessen herausragender Bestandteil der geopolitische „Wettlauf um Afrika“ war, kulminiert in zwei Weltkriegen, in denen der geopolitische „Wettlauf um Afrika“ zu einem geopolitischen „Wettlauf um Europa“ geworden ist. Daß der geopolitische „Wettlauf um Afrika“ zu einem geopolitischen „Wettlauf um Europa“ geworden ist, der den geopolitischen „Wettlauf um Afrika“ ablöst, verdeutlichen die Kriegsziele der am Ersten Weltkrieg beteiligten Akteure (280). 

 

In diesem Rahmen ist der Zweite Burenkrieg der erste im Zeitalter des Imperialismus geführte koloniale Eroberungskrieg, der gegen Staaten von Europäern geführt wurde. Mit dem Zweiten Burenkrieg wird der „Wettlauf um Afrika“ zu einem „Wettlauf um Europa“, dessen erster Höhepunkt der Erste Weltkrieg ist, der als „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts gilt. Mit dem Abessinienkrieg des faschistischen Königreichs Italien gegen das Kaiserreich Äthiopien, einem Mitglied des Völkerbunds, vom 03.10.1935 bis zum 27.11.1941, findet der geopolitische „Wettlauf um Afrika“ seine Fortsetzung, und er leitet den Zweiten Weltkrieg als eine Fortsetzung des geopolitischen „Wettlaufs um Europa“ ein, der im Ersten Weltkrieg zu einem ersten Höhepunkt gelangt war, wobei im Zweiten Weltkrieg Methoden der Kriegsführung weiter radikalisiert werden, die erstmals im Zweiten Burenkrieg und dann im Abessinienkrieg eingeführt und angewandt worden waren. Meines Erachtens beginnt mit dem Abessinienkrieg der Zweite Weltkrieg als einer historischen Epoche (281). 

 

11. Durch das Hochland von Lesotho und über die Drakensberge 

 

Von Busbahnhof in Bloemfontein reiste ich am 12.12.2025 mit einem Bus mit 22 Sitzplätzen weiter zur Stadt Maseru, der Hauptstadt von Lesotho (282), einem kleinen Land in einer Gebirgslandschaft. Die Fahrt dorthin verlief über eine Distanz von ca. 140 Kilometern durch eine überwiegend landwirtschaftlich genutzte Agrarlandschaft. Zuerst überwiegt Weidewirtschaft mit Rinderhaltung; auf dem zweiten Teil der Strecke kommt Ackerbau hinzu, bei dem Getreideanbau überwiegt. 

 

Auffällig sind hier graue Böden, wohingegen ansonsten im südlichen Afrika rötliche Böden vorherrschen. Bodenbildung ist vom jeweiligen Klima abhängig, sodaß sich in verschiedenen Klimazonen unter unterschiedlichen klimatischen Bedingungen und verschiedenen Verwitterungsbedingungen (283) in Wechselwirkung mit der jeweiligen Vegetation unterschiedliche Typen von Böden bilden (284). Produkt des Verwitterungsprozesses sind Tonminerale (285). Die Art und der Anteil der Tonminerale in Böden bestimmt maßgeblich deren Fruchtbarkeit. Böden von rötlicher Farbe entstehen unter tropischen Verhältnissen. Die Gesteine an der Erdoberfläche werden unter dem Einfluss der hohen Temperaturen und Niederschläge der Tropen tiefgründig zersetzt, wobei die in den Ausgangsgesteinen auftretenden Minerale weitgehend gelöst und Sande heraus gespült werden. Bei dieser chemischen Verwitterung wird ein hoher Anteil der leichter löslichen Elemente im durchsickernden Niederschlagswasser fortgeführt, wodurch es zu einer starken Anreicherung der schwerer löslichen Elemente Eisen und Aluminium kommt (Ferralitisierung), die den Böden in den Tropen eine rötliche Farbe verleihen. 

 

In der Nähe der Stadt Maseru wird die Landschaft bergig. Kurz vor Erreichen der Stadt Maseru wurde die Grenze zwischen Südafrika und Lesotho beim Grenzübergang Maseru Bridge erreicht, vor dem die Busfahrt endete. Die Passagiere überquerten nun die Grenze zu Fuß, wobei die Grenzformalitäten auf beiden Seiten zügig erfolgten. Die Reisepässe wurden jeweils elektronisch eingelesen und gestempelt. Nach Passieren der Grenze erfolgte die Weiterfahrt ins Stadtzentrum von Maseru per Taxi. Durch das Stadtzentrum von Maseru hindurch verläuft die zentrale Straße „Kingsway“, die sich zur Orientierung bei einer Stadtexkursion anbietet.  

 

Maseru ist ein geeigneter Ausgangspunkt für Reisen in das Bergland von Lesotho. In meinem Reiseführer werden mehrere Tourenvorschläge vorgestellt, darunter zum Ort Semonkong im Südwesten, wo man die höchsten Wasserfälle im Süden Afrikas mit fast 200 Meter Fallhöhe besichtigen kann. Ein weiterer Tourenvorschlag führt als Rundtour vorbei am Katse-Staudamm, einem zentralen Bestandteil des Lesotho Highlands Water Projekts (286). Für derartige, zweifellos beeindruckende Touren fehlte mir nun am Ende meiner zweimonatigen Rundreise durch Teile des südlichen Afrikas allerdings die Zeit. 

 

Gefahren bin ich mit Kleinbussen am 14.12.2025 eine Strecke durch den Norden von Lesotho, die als „Roof of Africa Road“ bezeichnet wird und wobei der Gebirgszug der Drakensberge (287) überquert wird. Bis zum Ort Butha-Buthe ist das Gelände noch zu großen Teilen eben, hier wird kleinbäuerliche Subsistenz-Landwirtschaft (288) betrieben, oft auf Feldbau-Terrassen in Hanglagen. Es ist erkennbar, daß dieser Terrassenfeldbau früher einen größeren Umfang hatte und Terrassen aufgegeben wurden und jetzt verfallen. 

 

Terrassenfeldbau ist Ausdruck einer auf eine symbiotische (289) Beziehung zur Natur ausgerichteten Landbewirtschaftung und Ökonomie. Werden Terrassenanlagen gepflegt, findet dort keine Bodenerosion statt, vielmehr ist die Bodenbildungsbilanz positiv, wie unter natürlicher Waldbedeckung. Terrassenfeldbau ist ein nahezu weltweit anzutreffender Bestandteil traditioneller Landbewirtschaftung, doch ist dieser fast überall rückläufig, und die Terrassenanlagen verfallen, wenn traditionelle Landbewirtschaftungsformen aufgegeben werden und die Terrassenanlagen nicht mehr gepflegt werden. 

 

Insbesondere wurde traditionelle Landbewirtschaftung und der Terrassenfeldbau durch die kolonialzeitliche Ausweitung der Plantagenökonomie verdrängt, die überwiegend Sklaven als Arbeitskräfte einsetzte, und sie werden heute weiter verdrängt durch die Ausweitung agrarindustrieller Landbewirtschaftungsformen in Großbetrieben, die auf riesigen Flächen wirtschaften und die die Agrarlandschaften in gleichförmige und sterile Monokulturen umgestalten. Sowohl die Plantagenökonomie als auch die heutigen agrarindustriellen Landbewirtschaftungsformen sind auf kurzfristige Ertragsmaximierung ausgerichtet, ohne daß eine langfristig nachhaltige Landnutzung angestrebt wird. 

 

Folge ist die Zerstörung des Bodens durch Bodenerosion (290) und Bodendegradation (291). Jährlich gehen infolge dieser zerstörerischen Landbewirtschaftungsmethoden ca. 24 Millionen Tonnen Boden verloren, sodaß weltweit die landwirtschaftlich nutzbare Fläche permanent abnimmt, während gleichzeitig die Weltbevölkerung rasant weiter zunimmt. Eine weitere Folge dieser zerstörerischen Landbewirtschaftungsmethoden ist die Verdrängung der Menschen aus dem ländlichen Raum, die sich nun in den Slums der anwachsenden Megacitys mit 10 bis 50 Millionen Einwohnern wiederfinden, und in diesen Megacitys als den Abschieberäumen und Verwahranstalten der globalen Überschußbevölkerung, in denen der permanente ökologische, soziale und gesundheitliche Ausnahmezustand herrscht, wird schon in wenigen Jahrzehnten mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung leben. 

 

Die kleinbäuerliche Subsistenz-Landwirtschaft in Lesotho kontrastiert mit den riesigen agrarindustriellen Farmen in den zuvor von mir durchreisten ehemaligen Burenrepubliken Oranje-Freistaat und Südafrikanische Republik (Transvaal), und derartige agrarindustrielle Großbetriebe dominieren den größten Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Südafrika und Namibia. Dies verweist auf erhebliche Unterschiede sowohl in der Agrarverfassung, als auch in der Agrargeschichte des Ländlichen Raumes zwischen einerseits Lesotho und andererseits Südafrika und Namibia. 

 

Südwestlich von Butha-Buthe beginnt das Hochgebirge, und die Straße steigt steil an. Im Folgenden wurden mehrere Pässe überquert, der Moteng Paß (2820 m), der Tlaeeng Paß (3215 m) und der Kotisephola Paß (3240 m), bevor der Sani Paß (2874 m) (292) erreicht wurde, der die Grenze zwischen den Staaten Lesotho und Südafrika bildet. Nach Angaben meines Reiseführers kann man vom Sani Paß (2874 m) aus im Rahmen einer Tagestour den Berg Thanana Ntlenyana (3482 m) ersteigern, der die höchste Erhebung im südlichen Afrika ist. Am frühen Morgen des 15.12.2025 betrug die Temperatur am Sani Paß + 5 °C, was die kälteste von mir während meiner Reise durch das südliche Afrika gemessene Temperatur ist. 

 

Mich überrascht, daß in diesem Hochland Wald nahezu vollständig fehlt. Die klimatische Waldgrenze (293) müßte dort oberhalb dieser Pässe liegen, die sich auf einer Höhe um 3000 Metern befinden. Ich vermute, daß das gesamte Hochland von Lesotho und die Drakensberge zum Zweck der Ausweitung der Almwirtschaft (294) nahezu vollständig entwaldet wurde. Dieser Befund setzt sich im gesamten Bergland südöstlich der Drakensberge in den Provinzen Kwazulu-Natal und Eastern Cape fort. Das gesamte Bergland wird überwiegend als Weideland genutzt. Erkennbar sind Erosionsschäden, und zweifellos sind die Folgen derart großflächiger Entwaldung sowohl für das Klima der Region als auch für den Wasserhaushalt erheblich. Vegetation, Klima und Boden werden allerdings nur von Geografen in einem Zusammenhang betrachtet und analysiert, ansonsten dominieren reduktionistische Sichtweisen. 

 

Meine Fahrt durch das Hochland von Lesotho auf der „Roof of Africa Road“ mit Kleinbussen endete kurz vor dem Sani-Paß (2874 m) auf dem Gebirgszug der Drakensberge. Hier befindet sich die Grenze zwischen Lesotho und Südafrika. An der am Sani-Paß gelegenen Grenzstation von Lesotho endet die asphaltierte Landstraße. Am Morgen des 15.12.2025 wurde ich bei Vorlage meines Reisepasses an der Grenzstation von Lesotho gefragt, ob ich Ein- oder Ausreisen möchte. Ich wählte die Ausreise und erhielt den entsprechenden Ausreisestempel in meinen Reisepaß. Hinter der Grenzstation von Lesotho fällt nach Südosten das Gelände steil ab. Den steilen Abhang am Südostrand der Drakensberge hinab windet sich ein steiniger Schotterweg, der nur von Geländefahrzeugen befahren werden kann. Öffentliche Verkehrsmittel verkehren hier nicht. Erst unten am Gebirgsfuß, in mehreren Kilometern Entfernung, befindet sich die Grenzstation von Südafrika, ab der wieder eine asphaltierte Straße beginnt. Faktisch gibt es hier keine Grenzlinie (295), wie es bei modernen Territorialstaaten (296) seit der frühen Neuzeit üblich ist, sondern einen Grenzraum in Form eines Niemandslandes (terra nullius) (297). Mein Weg hinab zur Grenzstation von Südafrika führte durch eine spektakuläre Berglandschaft. Per Autostopp gelangte ich von dort zur nächsten Stadt Underberg, ab wo wieder Busse verkehren. 

 

12. Entlang der Küste des Indischen Ozeans zurück nach Kapstadt 

 

Vom Busbahnhof der Stadt Underberg setzte ich meine Reise mit einem Kleinbus durch eine grüne Berglandschaft zur Stadt Pietermaritzburg fort. Die Stadt Pietermaritzburg war die Hauptstadt der Burenrepublik „Republik Natalia“ (298) gewesen, die im Jahre 1843 vom Britischen Empire erobert und annektiert worden war. Von Pietermaritzburg führt eine gut ausgebaute Autobahn zur Hafenstadt Durban (299). Bei Durban erreichte ich die Küste des Indischen Ozeans, der ich nun im weiteren Verlauf meiner Reise mit weiteren Aufenthalten in den Städten East London, Port Elizabeth und Mossel Bay zurück nach Kapstadt folgte. Insbesondere der Küstenabschnitt zwischen Port Elizabeth und Kapstadt wird als „Garden Route“ bezeichnet, und er ist bei Touristen beliebt. 

 

Durban ist heute mit rund vier Millionen Einwohnern nach Johannesburg und Kapstadt die drittgrößte Stadt in Südafrika, und ebenso wie Johannesburg und Kapstadt wächst Durban rasant an. Durban hat den größten Hafen Afrikas. Im Rahmen meiner Stadtexkursion am 16.12.2025 gelangte ich in Durban u.a. ins historische Stadtzentrum bei der City Hall, zum südlich angrenzenden Hafengelände, das allerdings vollständig eingezäunt ist, und östlich davon zur Küste des Indischen Ozeans. Das KwaMuhle Museum, das u.a. das Zeitalter der Rassentrennung in Südafrika zum Thema hat, das daher auch als „Apartheid-Museum“ bekannt ist, und das ich besuchen wollte, hatte allerdings aufgrund eines Feiertages geschlossen. 

 

Von Durban fuhr ich am 17.12.2025 weiter zur Stadt East London (300). Während der Busfahrt gibt es insgesamt zwei Pausen bei Kokstad und bei Umtata/Mthatha. Die Fahrt verlief durch eine grüne Berglandschaft am Rand der Drakensberge, die reichliche Niederschläge erhält. Diese Berglandschaft wird für Land- und Forstwirtschaft genutzt, und die ursprüngliche natürliche Vegetation fehlt nahezu vollständig. Es gibt Weideland für Rinder, zudem Ackerbau. Auch gibt es ausgedehnte forstindustrielle Nutzholzplantagen mit Monokulturen von in Reihen gepflanztem Eukalyptus und Kiefern. Areale mit der ursprünglichen (potentiellen) natürlichen Vegetation fehlen auf der durchfahrenen Strecke vollständig. Insbesondere um Weideflächen für die Almwirtschaft auszuweiten, sind große Teile der Berglandschaft nahezu vollständig entwaldet worden, sodaß große Teile der Berglandschaft durch ausgedehnte Grasflächen geprägt sind. Oft sind diese von Erosionsrinnen (301) durchzogen, sodaß aufgrund der großflächigen Entwaldung Bodenzerstörung und Bodenverlust ein erhebliches Problem bilden. Siedlungen, oft Streusiedlungen im Ländlichen Raum, nehmen in der durchfahrenen Berglandschaft von Nordosten nach Südwesten zu. 

 

Während meiner Stadtexkursion in East London am 18.12.2025 besuchte ich das „East London Museum“ (302). Dieses exzellente Museum ist zweifellos eins der besten Museen im südlichen Afrika. Die umfangreichen Sammlungen dieses Museums gliedern sich in drei Abteilungen, eine naturkundliche, eine kultur- und siedlungsgeschichtliche, und eine Abteilung zur Seefahrtgeschichte (303), die mich in besonderem Maße faszinierte und beeindruckte. Schwerpunkt dieser Abteilung für Seefahrtgeschichte ist die Exploration und Etablierung der Weltseefahrt- und Welthandelsroute zwischen Europa und dem südlichen und südöstlichen Asien um Afrika herum durch Seefahrer aus Portugal am Beginn der frühen Neuzeit. Diese Überseefahrten von Seefahrern aus Portugal erweiterten erheblich die Weltkenntnis und Weltsicht im damaligen Europa am Übergang von Mittelalter zur frühen Neuzeit, die im Mittelalter erheblich geringer gewesen war, als zuvor in der Antike. Im Museum ausgestellt sind u.a. mehrere Kanonen portugiesischer Schiffe, die im Indischen Ozean bei East London gefunden worden sind. Dieses Thema der Exploration und Etablierung der Weltseefahrt- und Welthandelsroute zwischen Europa und dem südlichen und südöstlichen Asien um Afrika herum durch Seefahrer aus Portugal am Beginn der frühen Neuzeit ist im Maritime Museum in der Stadt Mossel Bay, das ich im weiteren Verlauf meiner Reise besucht habe, ein noch umfangreicheres Thema. Des Weiteren gibt es im East London Museum Ausstellungsbereiche und Exponate, die einmalig sind und Alleinstellungsmerkmal haben, wie u.a. eine Ausstellung zum Thema Quastenflosser (304). 

 

Meine Reise setzte ich am 19.12.2025 zur Hafenstadt Port Elizabeth (Gqeberha) (305) fort, wobei die Stadt Grahamstown passiert wurde. Die Fahrt verlief durch eine zuerst hügelige, bald bergige Landschaft, die nun erheblich trockener ist und die Bestandteil der Landschaft Karoo (306) ist. Die Vegetation besteht aus niedrigen Büschen sowie verschiedenen Sukkulenten. Teilweise wird diese Landschaft als Viehweide genutzt. In Port Elizabeth gelangte ich bei meiner Stadtexkursion am 20.12.2024 u.a. ins historische Stadtzentrum beim Market Square und der City Hall, und wollte dann die Museen des „Bayworld Museum Complex“ im Südosten von Port Elizabeth besuchen, doch dort mußte ich feststellen, daß dieser Museumskomplex geschlossen ist und die Gebäude zum Teil abgerissen worden sind. 

 

Meine Reise setzte ich am 21.12.2025 zur Stadt Mossel Bay (307) fort. Am Anfang der Busfahrt wurden am Stadtrand von Port Elizabeth ausgedehnte Hüttensiedlungen passiert, und diese Hüttensiedlungen, die Townships genannt werden und die mehrere Quadratkilometer bedecken können, gibt es in der Umgebung vieler Städte in Südafrika und in Namibia. Von Touristen wird dieser Teil der gesellschaftlichen Realitäten in Südafrika und in Namibia im Allgemeinen nicht wahrgenommen. Dann verläuft die Fahrt durch eine Küstenebene, die im Norden durch Berge begrenzt wird. Die Landschaft ist jetzt wieder grüner, es wird hier Landwirtschaft betrieben, hauptsächlich Rinderweiden, weniger Ackerbau, sowie industrielle Forstwirtschaft mit ausgedehnten Kiefern-Monokulturen. Das Wetter wechselte hier mehrmals zwischen dicht bewölkt und wolkenlos sonnig, sodaß offensichtlich jede Bucht an der Küste ihr eigenes Wetter hat, ein Umstand, der insbesondere an Fjordküsten, wie z.B. in Skandinavien stark ausgeprägt ist. 

 

Die Stadt Mossel Bay präsentiert sich als ein Touristenzentrum, und diese Touristen, zu größten Teilen aus Südafrika, sind fast ausschließlich europäischen Ursprungs. Dies kontrastiert mit dem aktuellen Befund in den Zentren der größeren Städte in Südafrika und in Namibia, wo heute, im Gegensatz zum Zeitraum vor 1990, Personen europäischen Ursprungs fast vollständig fehlen. Die Einwohner europäischen Ursprungs, deren Bevölkerungsanteil kontinuierlich abnimmt, haben sich aus den Stadtzentren in Wohnsiedlungen zurück gezogen, die durch aufwändige Sicherheitsregime geschützt werden, wie Mauern und Zäune, darunter elektrische Zäune, sowie „Neigbourhood Watch“ und ubiquitäre Wachschutzpräsenz mit Konzepten einer „Armed Response“. Seit dem Ende der Apartheid haben rund eine Millionen Südafrikaner europäischen Ursprungs Südafrika verlassen. 

 

Im Zentrum meiner Stadtexkursion in Mossel Bay am 22.12.2025 stand der Besuch des „Bartholomeu Dias Museum Complexes“. Zentrum dieses Museumskomplexes bildet das „Maritime Museum“, dessen Thema Seefahrtgeschichte ist mit dem Schwerpunkt der Exploration und Etablierung der Weltseefahrt- und Welthandelsroute zwischen Europa und dem südlichen und südöstlichen Asien um Afrika herum durch Seefahrer aus Portugal in der frühen Neuzeit. Der Seefahrer Bartolomeu Dias (308) war im Februar 1488 während der Suche nach einem Seefahrtweg von Europa nach Indien (309) hier in Mossel Bay an Land gegangen, um die Trinkwasservorräte aufzufüllen. Im Zentrum des Maritime Museums befindet sich der Nachbau der Karavelle von Dias. 

 

Ursachen, Motivation und historische Rahmenbedingungen der Exploration und Etablierung der Weltseefahrt- und Welthandelsroute zwischen Europa und dem südlichen und südöstlichen Asien um Afrika herum waren schon ausführlich in Kapstadt als Hafenmetropole an der Seefahrtroute zwischen Europa und Indien Thema gewesen, und zuletzt im exzellenten East London Museum. Zweifellos ist das Maritime Museum in Mossel Bay eins der besten und weltgrößten Museen zu diesem Themenkomplex. 

 

Mein anschließender zweiter Besuch der Hafenmetropole Kapstadt nun am Ende meiner zweimonatigen Rundreise durch Teile des südlichen Afrikas während der Weihnachtstage Ende Dezember 2025 fiel mit drei Tagen kürzer aus als mein erster Besuch zu Beginn meiner Reise. 

 

Am 24.12.2025 besuchte ich das östlich des Company’s Garden in Nachbarschaft des South African Museums und der South African National Gallery gelegene „Cape Town Holocaust Centre“. Mit dem South African Jewish Museum und der Große Synagoge bildet das Cape Town Holocaust Centre einen von Mauern und Zäunen umgebenen Gebäudekomplex. Auf der Straßenseite gegenüber dem Eingang zu diesem Gebäudekomplex stand ein paramilitärischer Wachmann mit vollautomatischem Schnellfeuergewehr und kugelsicherer Weste. Im Eingangsbereich ist eine Sicherheitsschleuse zu passieren, wie sie seit den Ereignissen vom 11.09.2001 auf Flughäfen Standard sind. Ich habe in den zurückliegenden Jahren zahlreiche Museen und Gedenkstädten zu den Themen NS-Herrschaft und Holocaust besucht. Auch hier im Cape Town Holocaust Centre interessiert mich, wie mit dem Thema umgegangen wird, wie es präsentiert wird und wie das museumspädagogische Konzept beschaffen ist. Zuletzt hatte ich an vergleichbaren Einrichtungen zum Thema Holocaust am 12.11.2024 in der Stadt Vilnius die Holocaust-Ausstellung des Staatlichen Jüdischen Museums im sogenannten „Grünen Haus“ besucht und am 29.09.2022 in Paris das Museum „Memorial de la Shoah“, das als das größte Museum zum Thema Holocaust in Europa gilt (310). 

 

Im Cape Town Holocaust Centre wird am Anfang der Ausstellung das Konzept vorgestellt: „Das Cape Town Holocaust Centre hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Bewußtsein für die Folgen von Rassismus, die Gefahren der Gleichgültigkeit und die Übel des Völkermords zu schärfen. Diese Ausstellung erzählt die Geschichte des Holocaust – eines beispiellosen und gut dokumentierten Völkermords. Er bleibt eine tragische Warnung für uns alle.“ Einleitende Themen des Cape Town Holocaust Centre sind Rassismus, Antisemitismus und Apartheid, bevor in der Hauptausstellung die NS-Herrschaft und der Holocaust behandelt werden. Es stellt sich die Frage, warum das Apartheid-Regime, wie es bis zum Jahre 1990 in Südafrika bestand, mit dem NS-Regime verglichen wird, und nicht mit dem Regime der Rassentrennung in den USA, wie es bis zum Jahre 1964 in den USA bestand. Sowohl bezüglich ihrer historischen Genese, als auch ihrer Struktur haben die Regime der Rassentrennung sowohl in Südafrika, als auch in den USA große Gemeinsamkeiten, während hingegen zum NS-Regime in vielerlei Hinsicht große Unterschiede bestehen. Grund für diese Vergleichsauswahl ist offensichtlich die diesbezüglich in den USA betriebene Geschichtspolitik (311), die ein Bestandteil von Identitätspolitik (312) ist. 

 

Seit den 80er Jahren wurde der Holocaust in den USA zum universalisierbaren Bildungsgegenstand unter dem Begriff einer „Holocaust Education“ (313). Innerhalb weniger Jahre entstanden in den USA etwa 30 Holocaust-Museen, und ähnliche Einrichtungen gibt es mittlerweile auch in Argentinien, Kanada, Australien und auch in Südafrika (314). In Südafrika gibt es in Johannesburg ein weiteres „Holocaust & Genocide Center“. Folge dieser Entwicklungen ist sowohl eine „Globalisierung der Holocaust-Erinnerung“, als auch eine „US-Amerikanisierung des Holocausts“ (315). Mittlerweile ist der Holocaust weltweit zum Inbegriff des Massenverbrechens und des Genozids geworden. Bei dieser „Holocaust Education“ steht weniger die Vermittlung von Fakten, Ereignissen, historischen Zusammenhängen und Hintergründen im Mittelpunkt, sowie deren Vermittlung im Rahmen eines elaborierten museumspädagogischen Konzeptes, bei dem dem Publikum auch zu historischen Themen kein vorgefertigtes Geschichtsbild vermittelt wird, sondern vielmehr dieses Publikum angeregt und im Bemühen unterstützt werden soll, sich auch zu komplexen und komplizierten historischen Themen eine eigene, unabhängige Meinung zu bilden, im Sinne von Aufklärung. Vielmehr zielt diese „Holocaust Education“ auf die Erzeugung von Emotionen ab, die sich geschichtspolitisch und identitätspolitisch instrumentalisieren lassen. 

 

Gedenkstätten sind herausragende Orte geschichtspolitischer Maßnahmen, die der nationalen Identitätsbildung und der Legitimation des eigenen Staates und seiner Gesellschaftsordnung dienen. Geschichtspolitik zielt darauf ab, imaginierte Gemeinschaften durch einheitsstiftende historische Narrative, Symbole und Praktiken herzustellen. Im Fall der Holocaust-Gedenkstätten und Museen dienen diese der Festigung der jüdischen Identität (316). 1990 erbrachte eine Umfrage unter der jüdischen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten das Ergebnis, daß das gesellschaftliche Engagement sinkt, die gemischt konfessionellen Ehen steigen, und die jüdische Identität im Schwinden begriffen ist (317). Die US-amerikanischen Juden waren über die Zukunft ihrer jüdischen Gemeinde besorgt und begannen, zahlreiche Bildungsprojekte zu erarbeiten, deren Ziel es war, die jüdische Identität neu aufzubauen, zu erhalten und zu stärken. Die Erinnerung an den Holokaust soll die verschiedenartig konstruierten Diasporaidentitäten der heutigen Juden vereinen, indem sie ihnen eine Plattform anbietet, auf der sich alle Identitäten wiederfinden können (318). In das Projekt der Konstruktion einer jüdischen Identität wurde der Holocaust eingebunden, was zu der Entwicklung einer immer intensiveren Holocaust-Forschung führte. Der Holocaust wurde fortan insbesondere in den USA, Großbritannien, Israel, Polen und Deutschland zu einem herausragenden Gegenstand der Geschichtswissenschaften. 

 

Juden werden nicht geboren, sondern insbesondere durch Indentitätspolitik gemacht. Damit stellt sich die Frage, was eine Person „jüdisch“ macht (319). Im Gegensatz zu anderen Religionen verstehen sich Juden nicht nur als Religions- und Glaubensgemeinschaft (320), sondern zudem als ein (von Gott auserwähltes) Volk. Juden werden jedoch nicht geboren, sondern gemacht, und dies ist eine Frage von Identitätspolitik. Der Ägyptologe und Religionswissenschaftler Jan Assmann erklärt in seinem Buch: „Totale Religion“ die Besonderheiten der jüdischen Identitätskonstruktion: „so schwankt die jüdische Identität zwischen politischer, religiöser und ethnischer Definition. Das ist, soweit ich sehe, ein ziemlich einzigartiger Fall in der Menschheitsgeschichte. Ethnische Identität ist eine Frage der Abstammung (…), politische Identität ist eine Frage von Assoziation und Dissoziation, des Zusammenschlusses und des Ausschlusses, der Gruppenbildung und der Abgrenzung nach außen, und religiöse Identität ist eine Frage des Kultes und der Sitte (…). Das Besondere der jüdischen Situation ist die Verschmelzung dieser drei Identitätskriterien. Die Symbolfigur Abraham steht für die Verschmelzung von religiöser und ethnischer, die Symbolfigur Mose für die Verschmelzung von religiöser und politischer Identität. Durch die mosaische Verschmelzung wird auch die Religion eine Frage von Assoziation und Dissoziation. Dadurch entsteht eine Religion völlig neuen Typs, die dann zum Modell für die neuen Weltreligionen wird. Das charakteristische Kennzeichen dieser neuen Religionsform ist ihr politischer Charakter. (321)“ 

 

Der größte Teil der Juden lebt heute in den USA (322) und in Israel, und deren politische Lobbyorganisationen (323), wie z.B. das American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) (324) nehmen einen großen Einfluß auf die Politik der USA, insbesondere die Außenpolitik, aber auch auf weitere Politikfelder wie Geschichtspolitik. 

 

Heute ist Jude zu sein kein unentrinnbares Schicksal. Heute kann jeder eine Zuweisung einer jüdischen Identität, durch wen auch immer, ablehnen und zurückweisen, und sich seine Identität und Persönlichkeit (325) selbst frei gestalten, z.B. in Anlehnung an Ideen der Aufklärung (326). Für Vertreter und Lobbyisten einer totalen und politischen Religion, die zugleich ein gesellschaftsformendes und staatsgestaltendes machtpolitisches Projekt ist, wie der jüdischen Religion, stellt diese Freiheit der Menschen ein zentrales Problem dar, und sie suchen Mittel und Wege, um die Menschen weiterhin in geistiger Unfreiheit, Abhängigkeit und Unmündigkeit zu halten und Aufklärung zu verhindern. 

 

Auf Grundlage eines neuen Denkens kann das durch das extreme 20. Jahrhundert unterbrochene Projekt der Aufklärung wieder aufgenommen und nunmehr in einem globalen Rahmen einer friedlichen Weltgesellschaft neu begründet und weiterentwickelt werden. Nach der Unterbrechung durch das extreme 20. Jahrhundert ist eine Wiederaufnahme und Neubegründung des Projekts der Aufklärung angesagt, und auf einem neuen und erweiterten Wissens- und Erkenntnisfundament kann ein neues, zweites und nun globales Zeitalter der Aufklärung begründet werden (327). Ebenso wie im Zeitalter der Aufklärung stellt sich auch heute die Frage: „Wie klärt man Menschen so auf, dass sie aufgeklärt sein wollen?“ (328) 

 

An den beiden Weihnachtstagen nahm ich an zwei von „City Sightseeing“ täglich angebotenen Tagestouren teil, der „Cape Point & Penguins Tour“, einer Tagestour, die das Kap der Guten Hoffnung (329) zum Ziel hat, sowie an der Tagestour „Stellenbosch, Franschhoek & Paarl – 3 Regions Wine Tour“. 

 

Die „Cape Point & Penguins Tour“ startete am 25.12.2025 gegen 9:30 Uhr bei der Bushaltestelle von „City Sightseeing“ bei der Touristeninformation in der Longstreet 81 mit zwei vollbesetzten Doppelstockbussen. Die Fahrt folgte zuerst der Route der von City-Sightseeing-Bussen täglich im Abstand von 20 Minuten befahrenen „Blue Mini Peninsula Tour“ vorbei am Universitätsgelände und dem Botanischen Garten Kirstenbosch, den ich zu Beginn meiner Reise am 31.10.2025 auf diesem Wege besucht hatte. Dann ging die Fahrt zur Küste der False Bay bei den Orten Kalk Bay und Fish Hoek. Das nun durchfahrene Gelände auf der Kap-Halbinsel ist bergig und mit einer nur niedrigen und spärlichen Busch-Vegetation bewachsen, einem Bestandteil der Pflanzengesellschaft des „Fynbos“, dessen Holzgewächse im Botanischen Garten Kirstenbosch auch höhere Waldbestände bilden. 

 

Dieser niedrige Buschwald des „Fynbos“ der Kap-Halbinsel erinnert mich an den Buschwald in der Mittelmeerregion, wie er u.a. auf den Inseln Sardinien und Korsika, die ich im Sommer 2025 im Rahmen meiner Fahrradreise in die mittlere Mittelmeerregion kennengelernt hatte, landschaftsprägend ist. Doch anders als in der Kap-Region des südlichen Afrikas ist der Buschwald in der Mittelmeerregion eine Folge mehrtausendjähriger Zerstörung und Degeneration der die Mittelmeerregion ursprünglich bedeckenden Laubmischwälder und der damit verbundenen Zerstörung und Degeneration der Böden in der gesamten Mittelmeerregion (330). Die rezenten Degenerationsformen der ursprünglichen Laubmischwälder werden „Macchie“ (331) genannt; und „Garrigue“ (332) ist der Zustand einer weiter fortgeschrittenen Degeneration, deren Endzustand der nackte Fels der Karstlandschaft (333) ist, die heute insbesondere die einst dicht bewaldeten Gebirgsregionen der Mittelmeerregion prägt. Folge der weitgehenden Entwaldung der gesamten Mittelmeerregion seit der frühesten Antike ist eine Änderung des Klimas der Mittelmeerregion, wobei insbesondere die Sommer heißer und trockener wurden. Die heißen und trockenen Sommer in der Mittelmeerregion erscheinen uns heute als ein natürlicher Bestandteil des mediterranen Klimaraums der Mediterranen Subtropen (334), doch tatsächlich sind diese erst eine Folge jahrtausendelanger Entwaldung und Naturzerstörung und somit Ergebnis anthropogenen Klimawandels. Sowohl der heutige Zustand der Vegetation und der Landschaft, als auch das rezente Klima der Mittelmeerregion erscheint uns heute als schon immer dagewesen, ein auf Unkenntnis und Ignoranz begründetes Phänomen, das der Biologe Jared Diamond in seinem Buch: Kollaps – Warum Gesellschaften überleben oder untergehen“ als „Landschaftsvergesslichkeit“ bezeichnet (335). 

 

Im Süden der Kap-Halbinsel endet die Straße an einem großen Parkplatz. Nach Südosten steigt hier das Gelände zum im Jahre 1860 erbauten Alten Leuchtturm auf einer Höhe von 250 Meter an. Das eigentliche „Kap der Guten Hoffnung“ befindet sich südwestlich von hier. Zum Alten Leuchtturm führt ein Wanderpfad hinauf, und von dort bietet sich ein Panoramablick über die Kap-Landschaft. Auch führt eine Seilbahn zum Alten Leuchtturm hinauf. Anschließend erfolgte eine Wanderung mit dem Tourguide der heutigen Tuor auf einem Wanderpfad zum „Kap der Guten Hoffnung“. Dann erreichten wir nordwestlich des Kaps die dort zwischenzeitlich hingefahrenen Busse, mit denen nun die Tour fortgesetzt wurde. Der nächste Stopp erfolgte südlich des Ortes Simon’s Town beim Ort Boulders, wo es eine kleine Kolonie des Afrikanischen Pinguins (Brillenpinguin) (Spheniscus demersus) gibt, die hier eine Touristenattraktion ist. Von den einst umfangreichen Beständen dieses Pinguins ist heute nur noch ein kleiner Teil erhalten. Nachfolgend fuhren die Busse zurück nach Kapstadt. 

 

Am 26.12.2025 habe ich an der von „City Sightseeing“ täglich angebotenen Tagestour „Stellenbosch, Franschhoek & Paarl – 3 Regions Wine Tour“ teilgenommen. Meine Motivation meiner Teilnahme an dieser Tour war, daß hierbei die Möglichkeit geboten wurde, das historische Stadtzentrum der Stadt Stellenbosch (336) kennenzulernen, die als die zweitälteste Stadt Südafrikas gilt und die einen historischen Stadtkern mit Gebäuden aus dem Zeitraum der Jahre 1785 bis 1820 hat. Erstes Ziel dieser Tour ist die kleine Stadt Paarl. Diese liegt wie auch die weiteren am heutigen Tage angefahrenen Orte inmitten eines Weinanbaugebietes, das von hohen Bergen umgeben ist. Weinanbau wird hier seit mehr als 400 Jahren betrieben. Die Stadt Paarl ist allerdings kein Besichtigungsziel; es gibt eine Weinprobe auf einer Weinfarm in der Umgebung von Paarl. Im Verlauf der heutigen Tour gibt es zwei weitere Weinproben, die einen großen Teil der Zeit der heutigen Tour vereinnahmen. 

 

Daher wird auch die nächste Stadt Franschhoek lediglich durchfahren. Franchhoek bedeutet „Ecke der Franzosen“, und die Besiedlung des Ortes geht auf das Jahr 1688 zurück, als sich hier Hugenotten (337) angesiedelt hatten, die vor religiöser Verfolgung aus Frankreich geflohen waren. Mit den Hugenotten gelangte der Weinanbau ins südliche Afrika. In Franschhoek gibt es ein „Huguenot Monument“ und ein „Huguenot Memorial Museum“. 

 

Die Stadtexkursion im historischen Stadtzentrum der im Jahre 1679 gegründeten Stadt Stellenbosch fällt mit einer halben Stunde kurz aus. Zahlreiche historische Gebäude im kapholländischen Stil (338) sind in der vergleichsweise kleinen Stadt erhalten und prägen das Stadtbild. Stellenbosch ist eine bedeutende Universitätsstadt. 

 

Am Morgen des 27.12.2025 trat ich am Cape Town International Airport (CPT) meinen Rückflug nach Berlin mit Umsteigen in Paris an. In dem Flughafengebäude gibt es neben diversen Geschäften auch weitere Einrichtungen wie einen Raucherraum und eine Gebetsecke mit Teppichen. Die Flugdistanz nach Paris beträgt ca. 10.000 Kilometer und die Flugzeit ca. 10 Stunden. Beim Flug wurde eine Flughöhe von mehr als 13.000 Metern erreicht bei einer Außentemperatur von -58 °C und einer Fluggeschwindigkeit bis mehr als 900 kmh. Der Flug folgte zuerst dem Verlauf der Südwestküste Afrikas, was sich auf einem Monitor nachverfolgen ließ, und ich versuchte, die überflogene Landschaft auf meiner Landkarte zu finden. Da mein Anschlußflug von Paris nach Berlin kurzfristig verschoben wurde, mußte ich die Nacht vom 27. auf den 28.12.2025 im Flughafengebäude des Flughafens „Charles de Gaulle” (CDG) bei Paris verbringen. Die Landschaft außerhalb des Flughafengebäudes war bei einer Temperatur von +4 °C von Hochnebel bedeckt. Am Nachmittag des 28.12.2025 war es bei meiner Ankunft am Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) nach knapp zwei Stunden Flug heiter und die Temperatur betrug + 1 °C. 

 

13. Anmerkungen: 

 

1) Vergleiche (Vgl.): https://de.wikipedia.org/wiki/Südliches_Afrika 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Afrika 

 

2) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Region 

 

3) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorisierung_(Kognitionswissenschaft) 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie_(Philosophie) 

 

Kategorien sind offene Begriffssysteme zur Strukturierung der erfahrbaren 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erfahrung 

Welt. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Welt 

Eine jede Kategorienbildung ist eine notwendige Reduktion 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Reduktionismus 

der in ihrer unendlichen Komplexität und Interdependenz für die Wahrnehmung 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrnehmung 

über die menschlichen Sinne und den menschlichen Verstand 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Verstand 

nicht in Gänze erfaßbaren, letztlich unendlichen Wirklichkeit 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wirklichkeit 

der Welt, um diese begreifen 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Begriff 

zu können. 

 

Kategorienbildung ist eine Grundlage einer jeden wissenschaftlichen Disziplin, und es stellt sich die Frage, was die Wissenschaftlichkeit einer wissenschaftlichen Kategorienbildung ausmacht: Jede wissenschaftlichen Kategorienbildung in jeder wissenschaftlichen Disziplin muß nach signifikanten, 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Statistische_Signifikanz 

nachvollziehbaren und überzeugend begründeten Kriterien erfolgen. 

 

4) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Klassifizierung 

 

5) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geographischer_Raum 

 

6) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wirklichkeit 

 

7) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Welt 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltbild 

 

8) Da die Wirklichkeit vierdimensional ist, wobei die Gegenwart eine Momentaufnahme eines zeitlich-historischen Prozesses ist, müssen die räumlich-geografischen Dimensionen und die zeitlich-historische Dimension zusammengeführt und zusammen betrachtet werden. Dies unterscheidet ein dynamisches Weltbild von einem statischen Weltbild. 

 

Neue Erkenntnisse der Geowissenschaften und Biowissenschaften in den wenigen zurückliegenden Jahrzehnten führten im Rahmen eines Paradigmenwechsels zu einem neuen dynamischen Verständnis globaler geologischer Prozesse, das den Charakter einer wissenschaftlichen Revolution hat, mit der Folge, daß das bisherige statische Weltbild durch ein dynamisches Weltbild abgelöst wurde. Das moderne geodynamisch fundierte evolutions-ökologische Weltbild ist ein junges Produkt einer Synthese interdisziplinärer wissenschaftlicher Erkenntnisse der wenigen zurückliegenden Jahrzehnte, zu dessen Entstehung insbesondere Geowissenschaftler und Biowissenschaftler beigetragen haben. Vgl. hierzu die Kapitel 4,5,6 und 7 meines Textes „Herausforderungen der Digitaltechnischen Revolution“, der auf meiner Internetseite aufgerufen und gelesen werden kann: 

https://manfred-suchan.jimdosite.com/technologiepolitik/ 

 

9) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnisinteresse

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis_und_Interesse

 

10) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vergleich_(Philosophie) 

Die Methode des Vergleichs ersetzt sowohl in der Geographie als auch in der Geschichtswissenschaft sowie weiteren Geistes- und Gesellschaftswissenschaften die Methode des Experiments in den Naturwissenschaften. In der Geographie wurde die Methode des Vergleichs insbesondere durch Alexander von Humboldt (1769-1859) eingeführt und angewandt. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_von_Humboldt 

 

11) Bei meiner Reise durch Teile des südlichen Afrikas habe ich die folgenden Reiseführer genutzt, die sich als informativ und nützlich erwiesen haben: 

Philip Briggs, Ariadne Van Zandbergen: Südafrika, Lesotho und Eswatini. Ostfildern (DuMont Reiseverlag), 7. Auflage 2025 (Stefan Loose Travel Handbücher). 

Christine Philipp: Südafrika. Markgröningen (Reise Know-How Verlag), 9. Auflage 2014. 

Daniela Schetar, Friedrich Köthe: Namibia. Markgröningen (Reise Know-How Verlag), 12. Auflage 2024. 

Livia Pack, Peter Pack: Namibia. Ostfildern (DuMont Reiseverlag), 8. Auflage 2018 (Stefan Loose Travel Handbücher). 

Christoph Lübbert: Botswana mit Okawango-Delta. Markgröningen (Reise Know-How Verlag), 7. Auflage 2019/20. 

 

Bedauerlicherweise muß ich feststellen, daß die verschiedenen Reiseführer-Verlage, die vor einigen Jahrzehnten Reiseführer für Reisende produziert haben, die anders reisen wollten als der Mainstream des Massentourismus und der Tourismus-Industrie, darunter insbesondere Rucksack-Reisende, mittlerweile ihre Reiseführer weitgehend an den Mainstream des Massentourismus und der Tourismus-Industrie angepaßt haben und nun zunehmend ein anderes Zielpublikum bedienen, offensichtlich mit dem Ziel, die Auflagen ihrer Reiseführer steigern zu können. Die Tourismus-Industrie ist Bestandteil der Konsumkultur, und sie vermarktet Ablenkungen, Zerstreuungen und seichte Vergnügungen. Insbesondere jüngere Traveller verzichten heute zunehmend gänzlich auf Reiseführer und reisen ausschließlich mithilfe der Informationen, die sie über ihr Smartfon erhalten. 

 

12) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Herodot 

Während meiner Reisen suche ich geografische Originalschauplätze historischer Ereignisse auf und zudem besuche dort Museen und Gedenkstätten, um dort historische Forschung an geografischen Originalschauplätzen historischer Ereignisse betreiben zu können. Diese Methode geht auf Herodot von Halikarnassos (ca. 490–425 v. Chr.) zurück, der sie zur Erforschung der Persischen Kriege 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Perserkriege 

angewandt hatte. 

 

Beim Historiker und Geografen Herodot von Halikarnassos fasziniert mich, daß er seine historischen Forschungen, wie z.B. zu den Persischen Kriegen, auf ein selbst erarbeitetes breites Wissensfundament stellt, das nahezu das gesamte Wissen seines Zeitalters in den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen, wie z.B. Geografie, Völkerkunde, Gesellschaftswissenschaften, Politikwissenschaften, Philosophie u.a.m. umfaßt, sodaß er Geschichtswissenschaft in Form einer Integrationswissenschaft betreibt. Zudem ist er an den Originalschauplätzen historischer Ereignisse herumgereist, hat Zeitzeugen befragt und schriftliche Quellen ausgewertet. 

 

Auch der Historiker Thukydides (ca. 460–400 v. Chr.) 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Thukydides 

hat eine solche Methodik bei seinen historischen Forschungen zum Peleponnesischen Krieg 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Peloponnesischer_Krieg 

angewandt, und nach seiner Auffassung macht Geschichte „klug für immer“, denn sie lehrt am Beispiel der Vergangenheit politische Klugheitsregeln für Gegenwart und Zukunft. 

 

In dieser Form gewinnt das Geschichtsbewußtsein 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsbewusstsein 

einen großen Erfahrungsraum von historischer Tiefe und geografischer Breite, und es überschreitet die engen Grenzen, in denen Geschichte als Tradition lebendig ist. 

 

13) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Seeweg_nach_Indien 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Indienhandel 

Des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Römisch-indische_Beziehungen 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Seefahrt 

 

14) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Afrikas 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Europäische_Entdeckung_Afrikas 

 

15) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Ägyptens 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Altes_Ägypten 

 

16) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nubien#Geschichte 

 

17) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Äthiopiens 

 

18) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Expansion#Eroberung_Ägyptens 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Arabische_Eroberung_Ägyptens#Invasion_in_Nubien 

 

19) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rucksacktourismus 

 

20) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Abenteuerreise#Überlandreisen 

 

21) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Abenteuerreise 

 

22) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hippie_trail 

 

23) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erlebnis 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Erlebnispädagogik 

 

24) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erfahrung 

 

25) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnistheorie 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis_für_freie_Menschen 

 

26) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufklärung 

 

27) Vgl. Hans Magnus Enzensberger: Eine Theorie des Tourismus. In: Derselbe: Einzelheiten I. Bewußtseins-Industrie. 1962, Frankfurt am Main. S. 179-205. 

 

28) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Reisefreiheit 

 

29) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkerverständigung 

 

30) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Konsumgesellschaft 

 

31) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bologna-Prozess 

Mit der technokratischen Bologna-Reform wurde der gesamt Bildungs- und Wissenschaftsbereich im gesamten EU-Europa ein gleichgeschaltetes Anhängsel des Wirtschaftsprozesses im europäischen Großwirtschaftsraum, der von der Europäischen Union verwaltet wird, und diese technokratische Bologna-Reform ist mit Abstand das herausragendste Beispiel der Regulierungs- und Gleichschaltungswut, von der die Technokraten 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Technokratie 

der Europäischen Union angetrieben werden. Die technokratische Bologna-Reform wurde durchgesetzt, ohne daß es irgendwelche Proteste 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Studentenprotest 

gegeben hat. 

 

So hat sich die EU zu einem technokratischen Imperium 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltreich 

entwickelt, in dem es an innovativen und zukunftsweisenden Konzepten sowie an Partizipation und Demokratie mangelt. Innovative und zukunftsweisende Konzepte sowie Partizipation und Demokratie sind heute in EU-Europa kein relevantes Thema mehr, denn die EU will sich heute als handlungs-, leistungs- und interventionsfähiger sowie durchsetzungsstarker globaler Akteur im Rahmen der erwarteten zukünftigen geopolitischen 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geopolitik 

Krisen und Konflikte im Weltsystem präsentieren, um erfolgreich mit anderen Weltmächten geopolitisch konkurrieren zu können, und diese neuen Krisen und Konflikte im Weltsystem haben schon begonnen, wie wir in mehrfacher Weise feststellen müssen. Im Zuge der seit 1989/90 erfolgenden Neuaufteilung globaler Interessen- und Einflußzonen erweitert sich die EU als imperialer Akteur immer weiter, der Nationalstaat 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalstaat 

gilt weiterhin als das anzustrebende Ideal der Politik, und immer weniger werden Rücksichten auf Minderheitenrechte 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Minderheitenschutz 

und Menschenrechte genommen. 

 

32) Vgl.: Hans Magnus Enzensberger: Bewußseins-Industrie. In: Derselbe: Einzelheiten I. Bewußtseins-Industrie. 1962, Frankfurt am Main. S. 7-17. 

Hans-Magnus Enzensberger (1929-2022) 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Magnus_Enzensberger 

zeigt auf, daß in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft die fortschreitende Industrialisierung des Bewußtseins durch die „Bewußtseins-Industrie“ erfolgt. In der fortgeschrittenen Industriegesellschaft werden immer mehr gesellschaftliche Bereiche ökonomischem Kalkül unterworfen, zweckrational zugerichtet, gemäß technischer Rationalität und „instrumenteller Vernunft“ (Max Horkheimer) gleichgeschaltet und industrialisiert. 

 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Instrumentelle_Vernunft

Sowie: Max Horkheimer: Zur Kritik der instrumentellen Vernunft. 1974, Frankfurt am Main. 

Die instrumentelle Vernunft und ihre Kritik bildet die analytische Schlüsselkategorie der „Kritischen Theorie“ der vom Sozialphilosophen Max Horkheimer (1895-1973) begründeten „Frankfurter Schule“, die auf Grundlage interdisziplinärer geistes- und gesellschaftswissenschaftlicher Analysen eine Synthese von Gesellschafts- und Kulturkritik leistet. 

Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Horkheimer#Kritik_der_instrumentellen_Vernunft 

Die Kritik der instrumentellen Vernunft ist eine Kritik der Naturbeherrschung, wobei die Beherrschung der Natur in der Beherrschung der inneren und äußeren Natur des Menschen, der Beherrschung der Individuen und der Beherrschung der Gesellschaft ihre Fortsetzung findet, und dieser Gewaltzusammenhang bildet ein transhistorisches Kontinuum. 

 

Nach Hans Magnus Enzensberger ist das gesellschaftliche Ziel der Bewußtseins-Industrie überall dasselbe, „die existierenden Herrschaftsverhältnisse, gleich welcher Art sie sind, zu verewigen. Sie soll Bewußtsein nur induzieren, um es auszubeuten“, und sie beginnt mit der „Elimination von Alternativen (...). Daß dieser Zustand von der Majorität hingenommen und freiwillig ertragen wird, ist heute die wichtigste Leistung der Bewußtsteins-Industrie“. Damit ist die Bewußtseins-Industrie die Schlüsselindustrie des 21. Jahrhunderts. Mit der technokratischen Bologna-Reform erlangt die Bewußtseins-Industrie ihre volle Entfaltung, denn sie bemächtigt sich ihres Kernstücks, dem gesamten Bildungsbereich, der geradezu gleichgeschaltet wird. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gleichschaltung

 

33) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fahrradreise 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Reiserad 

Eine gute Planungsgrundlage für Fahrradreisen bieten die folgenden Fahrrad-Reiseführer: 

Herbert Lindenberg: Europa per Rad. Markgröningen, 8. Auflage 2022 (Reise Know-How Verlag). 

Thomas Schröder, Helmut Hermann: Fahrrad Weltführer. Markgröningen, 4. Auflage 2016 (Reise Know-How Verlag). 

Neil Pike, Harriet Pike: Adventure Cycle-Touring Handbook. Worldwide Cycling Route & Planning Guide. Hindhead (Surrey), 3. Auflage 2015 (Trailblater Publications). 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Abenteuerreise 

 

34) Vgl.: https://www.instagram.com/clementgmn_/ 

 

35) Vgl.: https://www.youtube.com/@vagabundodelmundo1973 

 

36) Vgl.: https://www.wiebkeluehmann.com/ 

Sowie: https://www.instagram.com/wiebkelueh/ 

 

37) Vgl. Anmerkungen 326, 327 und 328. 

 

38) Der Historiker Eric J. E. Hobsbawm (1917-2012) unterscheidet ein „langes“ 19. Jahrhundert 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/19._Jahrhundert 

Vgl. ebenso: https://de.wikipedia.org/wiki/Langes_19._Jahrhundert 

Vgl. hierzu auch Anmerkung 273. 

von einem „kurzen“ und „extremen“ 20. Jahrhundert: 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/20._Jahrhundert 

Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Kurzes_20._Jahrhundert 

Vgl. des Weiteren: Eric Hobsbawm: Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. 1995, München. 

 

Heute ist das gesamte Zeitalter der Moderne und insbesondere das Industriezeitalter in den Verdacht geraten, im extremen 20. Jahrhundert zu kulminieren. 

 

Als charakteristische Elemente, die das 20. Jahrhundert in seiner gesamten historischen Tiefe und geografischen Breite als ein „extremes“ Jahrhundert mit Alleinstellungsmerkmal charakterisieren und prägen, können aufgeführt werden: 

1. Die Ethnische Säuberung. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnische_Säuberung 

2. die Totale Institution 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Totale_Institution 

des Lagers als die Totale Institution zur zweckrationalen Verwaltung von Menschenmassen in ihren verschiedenen Erscheinungsformen. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Internierungslager 

3. der Ausnahmezustand. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ausnahmezustand 

Es fehlt bislang noch eine umfassende Weltgeschichte des Ausnahmezustands. 

4. der Doppelstaat. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Doppelstaat 

5. die totale Mobilmachung. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_totale_Mobilmachung 

6. der totale industrielle Krieg. 

Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Industrial_warfare 

Ein entsprechender Artikel fehlt auf der deutschsprachigen Wikipedia. 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Totaler_Krieg 

Und weitere. Als charakteristische und prägende Elemente haben sie den Gehalt von analytischen Kategorien, die deshalb im Zentrum einer jeden Analyse zum extremen 20. Jahrhundert stehen müssen. 

 

39) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kapstadt 

 

40) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Niederländische_Ostindien-Kompanie 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Ostindien-Kompanie 

 

41) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zitadelle 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Bastion#Das_Bastionärsystem 

Die Architektur der neuzeitlichen Zitadelle wird insbesondere durch das Aufkommen von Kanonen mit großer Zerstörungskraft induziert und bestimmt. 

Vgl. dazu: https://en.wikipedia.org/wiki/Gunpowder_empires 

Ein entsprechender Artikel fehlt auf der deutschsprachigen Wikipedia. 

 

42) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Seeweg_nach_Indien 

 

43) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltstadt 

 

44) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Konstantinopel 

 

45) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Eroberung_von_Konstantinopel_(1453) 

Diese Ereignisse des Jahres 1453 sind in der Megacity Istanbul Thema eines großen Diaramas mit dem Namen „Panorama 1453“, das ich am 04.09.2023 während meiner Fahrradreise durch das südöstliche Europa im Sommer und Herbst des Jahres 2023 besucht habe. In diesem Diarama wird u.a. Mohammed (570-632), 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mohammed 

der Gründer des Islam zitiert, der den Plan zur Eroberung der Weltstadt Konstantinopel gefaßt und verkündet hatte: „Constantinople will definitely be conquered one day. What a great commander is the one who conqueres it, what a great army it is.“ 

 

Zweifellos wußte Mohammed, daß die seit dem Jahre 413 von der theodosianischen Landmauer geschützte Weltstadt Konstantinopel der bedeutendste westliche Endpunkt des transkontinentalen, eurasischen Seidenstraßenhandels war, dessen Reichtümer es zum Zweck weiterer Machtausdehnung in Besitz zu nehmen und zu kontrollieren galt, und zudem hatte die von der theodosianischen Landmauer geschützte Weltstadt Konstantinopel in Europa in der Spätantike und im Mittelalter über viele Jahrhunderte hinweg bis zum Untergang des Byzantinische Reiches eine Rolle und Funktion eines Bollwerks nach Osten ausgefüllt, sodaß dessen erfolgreiche Eroberung den von Mohammed und seinen Nachfolgern geführten arabischen Armeen die nachfolgende Eroberung und Zwangsislamisierung des gesamten (christlichen ) Europas ermöglichen würde, so wie es in anderen eroberten Gebieten erfolgt ist, einschließlich der Durchsetzung des mit dem Islam verbundenen Staatsmodells, der Orientalischen Despotie, und des mit dem Islam verbundenen Gesellschaftsmodells, der Sklavenhaltergesellschaft, und des mit dem Islam verbundenen Rechtskonzepts, der Scharia. 

 

Die Eroberung der Weltstadt Konstantinopel im Jahre 1453 zeigt, daß historische Ereignisse und Entwicklungen auf Absichten und Pläne zurück gehen können, die schon viele Jahrhunderte zuvor entstanden waren. Auch zeigt dieses Beispiel, daß in der Geschichte nichts durch Zufall geschieht, sondern daß alles, was geschieht, und so wie es geschieht, auch so gewollt ist. 

 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Belagerungen_und_Eroberungen_von_Konstantinopel 

 

46) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Seidenstraße 

 

47) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Byzantinisches_Reich 

Die Duldung der Ansiedlung der Türken im Hochland von Anatolien hat sich für das Byzantinische Reich als fatal erwiesen. Die Türken begannen, die Karawanen der Seidenstraße zu plündern, deren bedeutendster westlicher Endpunkt die Weltstadt Konstantinopel war, und die von ihnen gegründeten Staaten, das Sultanat der Rum-Seldschuken 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sultanat_der_Rum-Seldschuken 

und dessen Nachfolger, das Osmanische Reich, eroberten dann nacheinander sämtliche Städte und Territorien des Byzantinischen Reiches, bis das Osmanische Reich letztlich gänzlich den Raum des Byzantinischen Reiches eingenommen hatte und an dessen Stelle getreten war. Der kulturhistorische Prozeß der Hellenisierung 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hellenisierung 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Hellenismus 

wurde nun durch eine gegenläufigen Prozeß der Türkisierung abgelöst, der bis in die Gegenwart anhält: 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Türkisierung_der_Türkei#Türkisierung_im_Osmanischen_Reich 

 

48) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Osmanisches_Reich 

 

49) Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Gunpowder_empires 

Ein entsprechender Artikel fehlt auf der deutschsprachigen Wikipedia. 

 

50) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Eroberung_von_Konstantinopel_(1204) 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Belagerungen_und_Eroberungen_von_Konstantinopel 

 

51) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Republik_Venedig 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Seerepubliken 

 

52) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Theodosianische_Mauer 

 

Am beeindruckendsten ist in der heutigen Megacity Istanbul, die ich während meiner Fahrradreise durch das südöstliche Europa im Jahre 2023 besucht habe, meines Erachtens die gewaltige „Theodosianische Landmauer“, die größte mittelalterliche Stadtmauer in Europa. Sie wurde aus Anlaß der Plünderung der Stadt Rom durch die Goten im Jahre 410 n. Chr. errichtet, um Vergleichbares in Konstantinopel/Byzanz zu verhindern. Diese Plünderung von Konstantinopel erfolgte dann jedoch im Jahre 1204 n. Chr. während des Vierten Kreuzzuges, wobei insbesondere der Republik Venedig eine entscheidende Rolle zukommt. Diese Plünderung von Konstantinopel im Jahre 1204 n. Chr. und die Errichtung des Lateinischen Kaiserreiches leitete den Untergang des Byzantinischen Reiches ein, und dieser Untergang fand mit der Eroberung Konstantinopels durch das expandierende Militärimperium des Osmanischen Reiches, einem sogenannten Gunpowder Imperium, im Jahre 1453 seinen Abschluß. Diese Ereignisse des Jahres 1453 sind dort Thema eines großen Diaramas mit dem Namen „Panorama 1453“. 

 

Die Zerstörung der Theodosianoischen Landmauer und die damit möglich gewordene Eroberung von Konstantinopel im Jahre 1453 gelang von den Verteidigern unerwartet und zu deren Überraschung mithilfe einer größeren Anzahl der damals weltgrößten Kanonen, die eigens zu diesem Zweck der Zerstörung der Theodosianischen Landmauer angefertigt worden waren. 

 

Die Eroberung der Weltstadt Konstantinopel im Jahre 1453 gilt als ein Markstein der Epochenwende vom Mittelalter zur Neuzeit, und die Folgen waren weitreichend. In diesen Zusammenhang möchte ich im Folgenden zwei Aspekte hervorheben: a) Der Niedergang der Städte sowie b) die Verlagerung der Welthandelsrouten und der Welthandelszentren. 

 

a) Über einen Zeitraum von annähernd 1000 Jahren, d.h. über die Spätantike und das gesamte Mittelalter hinweg schützte die Theodosianische Landmauer, die über diesen Zeitraum hinweg die größte Stadtmauer in Europa war, wirkungsvoll die Weltstadt Konstantinopel, und sie bot ein weit bekanntes Beispiel für die Städte in Europa, die sich ebenfalls mit Stadtmauern schützten und damit auch ein hohes Maß an politischer Unabhängigkeit und Selbstständigkeit wahren konnten. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Stadt 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_und_Reichsstädte 

Daher bestand der bedeutendste gesellschaftspolitische Gegensatz im Mittelalter zwischen den meist republikanisch verfaßten Städten und den autokratisch regierten feudalen Flächenstaaten. Insbesondere aufgrund der Entwicklung von Kanonen mit immer zerstörerischer Wirkung boten jedoch Stadtmauern am Ende des Mittelalters immer weniger Schutz. 

 

Sultan Mehmet II (= „Mehmet der Eroberer“) (1432-1481) 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mehmed_II

hatte die Eroberung von Konstantinopel zu seiner Lebensaufgabe gemacht und diese über viele Jahre hinweg akribisch und mit großem Aufwand vorbereitet. U.a. ließ er für die Zerstörung der Theodosianischen Landmauer in größerer Zahl die damals weltgrößten Kanonen herstellen, mit deren Einsatz dann von den Verteidigern unerwartet und zu deren Überraschung tatsächlich die Zerstörung der Mauer und die Eroberung der Stadt gelang. Die Zerstörung der Theodosianischen Landmauer durch die damals weltgrößten Kanonen war ein weitreichendes Fanal, denn sie machte in ganz Europa unübersehbar deutlich, daß die traditionellen mittelalterlichen Stadtmauern keinen Schutz mehr boten. 

 

In der Folge wurden in der Frühen Neuzeit neue Festungskonzepte entwickelt, insbesondere das der Zitadelle, und entstand eine neue Wissenschaft der Fortifikationswissenschaft. Im Vergleich zu den Mauern und Burgen des Mittelalters waren jedoch diese neuen Festungen der Frühen Neuzeit aufwändiger und kostenintensiver, sodaß die Fürsten im Zeitalter des Absolutismus bestrebt waren, ihre Einnahmen mithilfe einer merkantilistischen Wirtschaftspolitik zu steigern, deren Bestandteil die Gründung von Fernhandelskompanien war. Der Kanonenbau und der Festungsbau stehen in einem Wechselverhältnis zueinander: Der Bau von Kanonen mit immer zerstörerischer Wirkung führt zum Bau immer aufwändigerer Fortifikationen. Die Fortentwicklung der Destruktivkraft von Kanonen erreicht später im Ersten Weltkrieg als dem ersten totalen industriellen Krieg und der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts einen (vorläufigen) Höhepunkt, in dem diese als Massenvernichtungswaffe 70% aller Kriegstoten verursachen. 

 

b) Die Eroberung von Konstantinopel im Jahre 1453 unterbrach weitgehend die seit der Antike bestehenden Fernhandelsverbindungen zwischen Europa und Asien, die durch das Mittelmeer und das Schwarze Meer verliefen und die mit den transkontinentalen Fernhandelsrouten in Asien, wie insbesondere der Seidenstraße verbunden waren. Diese Unterbrechung der transkontinentalen Fernhandelsverbindungen in Eurasien förderte die Suche nach alternativen Seehandelsrouten nach Südasien und Südost-Asien über den Atlantischen und den Indischen Ozean um Afrika herum, wobei u.a. der Kontinent Amerika entdeckt wurde. Der Handel über das Mittelmeer verlor an Bedeutung, und ebenso die bislang dominierenden Fernhandelszentren in der Mittelmeerregion, wie z.B. Venedig und Genua. Diese wurden von neuen Fernhandelszentren in der südlichen Nordseeregion abgelöst, wie Amsterdam, Antwerpen und London, in denen der Fernhandel über Handelskompanien betrieben wurde, die mit weitgehenden Privilegien und Vollmachten ausgestattet waren, einschließlich des Rechts zur Eroberung und quasi-staatlichen Verwaltung von Kolonien in Übersee. Herausragende Beispiele dieser Handelskompanien sind die Britische Ostindien-Kompanie (EIC), die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) und die französische Ostindien-Kompanie. 

 

53) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Geographie 

 

54) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltgeschichte 

 

55) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hunnen 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkerwanderung 

 

56) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weströmisches_Reich 

 

57) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Expansion 

 

58) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Belagerung_von_Konstantinopel_(674-678) 

 

59) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Belagerung_von_Konstantinopel_(717-718) 

 

60) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mongolisches_Reich 

 

61) Die mongolische Expansion ist in Europa nicht aufgehalten worden, wie die Ereignisse bei Wahlstatt/Legnicie Pole am 09.04.1241 zeigen. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Liegnitz_(1241) 

Diese Ereignisse am 09.04.1241 sind Thema des Museums zur Schlacht bei Liegnitz, 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Museum_zur_Schlacht_bei_Liegnitz 

das ich am 28.08.2021 besucht habe. Die materialreiche Ausstellung dieses Museums mit dem Titel „Zusammentreffen von zwei Welten“ hat historische Zusammenhänge und Hintergründe dieses historischen Ereignisses zum Thema. 

 

Es stellt sich die Frage, warum die Mongolen ihre erfolgreiche Expansion in Europa beendet haben, das sie nach den Ereignissen vom 09.04 1241 möglicherweise vollständig hätten erobern können. Historiker in Vietnam führen das Ende der mongolischen Expansion, bei der die Mongolen im Jahre 1279 auch China erobert hatten, auf deren Niederlagen in den Jahren 1257/1258, 1284 und 1287/1288 bei deren Versuch, Vietnam und Champa zu erobern, zurück. Diese Niederlagen der Mongolen in Vietnam hätten zum Ende der mongolischen Expansion in Europa wesentlich beigetragen. Diese Sicht auf die historischen Ereignisse im Rahmen der mongolischen Expansion wird sowohl vom Geschichtsmuseum in Hanoi bei meinem Besuch am 14.03.2017, als auch vom Geschichtsmuseum in Saigon/Ho-Chi-Minh-Stadt bei meinem Besuch am 02.04.2017 vermittelt. 

 

62) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mamluken 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Janitscharen 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Knabenlese 

Des Weiteren: https://en.wikipedia.org/wiki/Conscription#Military_slavery 

 

63) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Türkenkriege 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Erste_Wiener_Türkenbelagerung 

Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Zweite_Wiener_Türkenbelagerung 

 

64) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vierter_Kreuzzug 

 

65) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Lateinisches_Kaiserreich

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Rückeroberung_von_Konstantinopel_1261

 

66) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Marco_Polo#Eigene_Reise 

 

67) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Königreich_Portugal 

 

68) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Portugiesische_Kolonialgeschichte 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Portugiesische_Indien-Armadas 

 

69) Vgl.: https://camissamuseum.co.za/ 

 

70) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Iziko_Slave_Lodge 

Vgl. auch: https://en.wikipedia.org/wiki/Slavery_in_South_Africa 

 

71) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Sklaverei 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei 

 

72) Innerhalb der Menschheitsgeschichte ist der Prozeß der Domestikation 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Domestizierung 

eine erst sehr junge Erscheinung, und er ist mit der Neolithischen Revolution 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Neolithische_Revolution 

verbunden. Der Prozeß der Domestikation erfaßte nicht nur Tiere und Pflanzen, ganze Landschaften und Ökosysteme wurden domestiziert und umgestaltet. Auch der Mensch selber wurde vom Prozeß der Domestikation erfaßt und verändert. 

 

In seinem Buch: „Die Mühlen der Zivilisation. Eine Tiefengeschichte der frühesten Staaten“ zeigt der Politologe und Anthropologe James C. Scott auf, in welchem Umfang der Mensch selber vom Prozeß der Domestikation erfaßt und verändert wurde: Im Zuge des Prozesses der Domestikation traten wie bei domestizierten Tieren auch beim Menschen sowohl anatomische Veränderungen, als auch Verhaltensänderungen auf, darunter ein neuartiges Herdenverhalten, das die Entstehung von Massengesellschaften und das Leben in Massengesellschaften ermöglichte. Zudem entstanden zahlreiche neuartige Krankheiten, die es in der Menschheitsgeschichte zuvor nicht gab. Es änderte sich das Reproduktionsverhalten des Menschen mit der Folge stark erhöhter Fruchtbarkeitsraten, die die erhöhte Mortalitätsrate durch die zahlreichen neuentstandenen Krankheiten mehr als ausglichen und die ein Bevölkerungswachstum zur Folge hatten. Von den neu entstandenen Staaten wurde dieses Bevölkerungswachstum aus machpolitischen Gründen gefördert, um die Anzahl der den Macheliten der frühen Staaten unterworfenen Arbeitskräfte, Sklaven, Steuerzahler und Soldaten zu erhöhen. 

Vgl.: James c. Scott: Die Mühlen der Zivilisation. Eine Tiefengeschichte der frühesten Staaten. 2022, Berlin. 

 

73) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei_im_Islam#Sklavenhaltung_in_der_islamischen_Geschichte 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei#Verbreitung 

 

Die in Folge der sogenannten „Islamischen Expansion“ entstandenen islamischen Imperien 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kalifat 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Osmanisches_Reich#Politische_Geschichte 

Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Mogulreich#Geschichte 

waren Orientalische Despotien, 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Orientalische_Despotie 

Ausführlicher ist der englischsprachige Artikel: 

https://en.wikipedia.org/wiki/Oriental_despotism 

Sklavenhaltergesellschaften, 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei_im_Islam 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Sklaverei#Sklaverei_im_arabischen_Raum 

und Militärimperien. Der gesamte Staatsapparat und das Militär basierten auf dem Prinzip der Sklaverei. Als Tributleistung wurden von den eroberten und unterworfenen Bevölkerungen, überwiegend Christen, ein Teil von deren Kindern gefordert und eingezogen, die sogenannten „Knabenlese“. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Knabenlese 

Diese verschleppten Kinder wurden zum Islam zwangsbekehrt, indoktriniert, konditioniert und zu treu ergebenen Dienern des Herrschers erzogen. Sie fanden nun Verwendung im Staatsapparat, wo sie die dem Herrscher untergebene Bevölkerung verwalteten, und im Militärapparat, dessen Grundlage Sklavenarmeen waren 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Knabenlese#Herkunft_und_Funktion_der_Devşirme:_die_Institution_der_„Sklavenarmeen“ 

Diese Militärsklaven wurden Mamluken genannt 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mamluken 

und auch Janitscharen 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Janitscharen 

 

Während das Christentum, das in der östlichen Mittelmeerregion vergleichbar mit dem Buddhismus ebenfalls durch einen synkretistischen Kulturaustausch mit dem Hellenismus entstanden war, und das im Imperium romanum anfänglich als eine sozialrevolutionäre Bewegung wirkte, bis es dort Staatsreligion wurde, die Sklaverei der Antike in seinem Einflußbereich überwand und abschaffte, bildet der Islam dazu eine radikale Gegenbewegung, indem auf seiner Grundlage als einer Religion der Eroberer und der Herrscher die Sklaverei der Antike ausweitet und zum staatstragenden Prinzip der Herrschaft und deren Expansion gemacht wird. Damit wird die Sklaverei der Antike intensiviert, räumlich ausgeweitet und über das Mittelalter hinweg in die Neuzeit tradiert und transportiert. 

 

74) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Handelskompanie 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Ostindien-Kompanie 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Westindien-Kompanie 

 

75) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Merkantilismus 

 

76) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Absolutismus 

 

77) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Britische_Ostindien-Kompanie 

 

78) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Französische_Ostindienkompanie 

 

79) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Atlantischer_Sklavenhandel 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Ostafrikanischer_Sklavenhandel 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei_innerhalb_von_Subsahara-Afrika 

 

Woher und wie die Sklaven auf die außerhalb Europas bestandenen Sklavenmärkte gelangten, schildert u.a. der Afrikaforscher David Livingstone. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/David_Livingstone#Forschungsreisen 

1871 erlebte Livingstone auf dem Marktplatz von Njangwe mit rund 1500 Menschen, wie arabische Sklavenhändler mitten in die Menge preschten. Sie hatten zuvor das Dorf umstellt. Viele Einheimische wurden von den Arabern verschleppt, 400 Menschen kamen um und 27 Dörfer wurden niedergebrannt. Livingstone war empört und trennte sich von den Arabern. 

 

Dabei müssen für einen im Sklavenhandel Deportierten zusätzlich drei bis vier weitere Personen, die bei der Sklavenjagd, bei Epidemien, durch Kastration usw. umkamen, veranschlagt werden: 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei#Verbreitung 

 

80) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Plantage 

Bei der deutschsprachigen Wikipedia fehlt ein Artikel zum Thema Plantagenökonomie, im Gegensatz zur englischsprachigen Wikipedia: 

Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Plantation_economy 

Vgl. auch: https://en.wikipedia.org/wiki/Plantation 

Vgl. ebenso: https://en.wikipedia.org/wiki/Slave_plantation 

 

Plantagenökonomien und deren Besonderheiten ihrer Agrargeschichte 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Agrargeschichte 

und Agrarverfassung 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Agrarverfassung 

prägen den Ländlichen Raum in großen Teilen Außereuropas bis heute. In der jüngeren Neuzeit wurden die Plantagenökonomie und ihre Monokulturen zum Modell der weltweit erfolgten Mechanisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft, wobei Sklaven durch Maschinen ersetzt wurden. In der Sowjetunion erfolgte die Industrialisierung und Kollektivierung der Landwirtschaft nach dem Vorbild der Agrarindustrie in den USA, die aus der Plantagenökonomie hervorgegangen ist, und konzipiert durch Agraringenieure aus den USA. 

Vgl. hierzu: Florian Hurtig: Sowjetische Simplifizierung als Kopie des amerikanischen Modells. In: Derselbe: Paradise lost. Vom Ende der Vielfalt und dem Siegeszug der Monokulturen. 2020, München. S. 284-291. 

 

Folge war, daß in der Sowjetunion die Landwirtschaft und die Bauern zu einer „Inneren Kolonie“ gemacht wurden, was die forcierte Industrialisierung und Modernisierung der Sowjetunion ermöglichte. Die brutal vorangetriebene Industrialisierung machte die Sowjetunion zu einer Weltmacht, und zeitgleich erfolgte eine umfangreiche militärische Aufrüstung. Im Modernisierungsterror erweist sich der „Große Terror“ Stalins als Bestandteil des Terrors des Zeitalters der industriellen Moderne. 

Vgl. hierzu Anmerkungen 119 und 120. 

 

81) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Abolitionismus 

 

82) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Port-Louis_(Morbihan) 

 

83) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Territorialstaat 

 

84) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Stehendes_Heer 

 

85) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_XIV

 

86) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sébastien_Le_Prestre_de_Vauban 

 

87) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Festungsanlagen_von_Vauban 

 

88) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Personenverbandsstaat 

 

89) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Stadt 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_und_Reichsstädte 

 

90) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Robben_Island 

 

91) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Apartheid 

 

92) Vgl. Anmerkung 38. 

 

 

93) Vgl.:https://de.wikipedia.org/wiki/Totale_Institution 

Der Begriff der „Totalen Institution“ wurde insbesondere vom Soziologen Erving Goffmann (1922-1982) geprägt, der in seiner Studie: „Asyle. Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen“ Merkmale totaler Institutionen aufführt.

Vgl.: Erving Goffmann: Über die Merkmale totaler Institutionen. In: Derselbe: Asyle. Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen. Frankfurt am Main, 1972. S. 13-23. 

 

Beispiele Totaler Institutionen sind: das Gefängnis, das Lager in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen, die Kaserne sowie die Wehrpflicht, die Fabrik, die Krankenanstalt, die Schule. Totale Institutionen schaffen einen Raum der Inklusion und der Exklusion und sie sind insbesondere charakterisiert durch die in ihnen herrschenden „Besonderen Gewaltverhältnisse“, die auf Extralegalität und Sonderbehandlung abzielen. 

 

Der „Maßnahmenstaat“ nach Ernst Fraenkel kann als eine radikalisierte Form Totaler Institutionen und der in diesen herrschenden „Besonderen Gewaltverhältnisse“, die auf Extralegalität und Sonderbehandlung abzielen, angesehen werden. 

Vgl.: Ernst Fraenkel: Der Doppelstaat. Recht und Justiz im „Dritten Reich“. 1984, Frankfurt am Main. 

Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Doppelstaat

 

In dieser Analyse der Herrschaft im NS-Staat, die zum Jahreswechsel 1940/1941 erstmals veröffentlicht wurde, unterscheidet der Politikwissenschaftler und Jurist Ernst Fraenkel (1898-1975) 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Fraenkel_(Politikwissenschaftler)

die fortexistierenden Institutionen eines legalen „Normenstaates“, dessen Handeln sich an Gesetzen orientiert, von den neu geschaffenen Institutionen eines extralegalen „Maßnahmenstaates“ als Instrument willkürlicher Machtentfaltung und enthemmter Gewaltausübung.Als historische Beispiele für Institutionen des „Maßnahmenstaates“ können aufgeführt werden insbesondere die NS-Konzentrationslager, des Weiteren die SS, die Gestapo, der SD, das RSHA, die „Aktion T4“, die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD. Der „Maßnahmenstaat“ kann als eine radikalisierte Form „Totaler Institutionen“ und der in diesen herrschenden „Besonderen Gewaltverhältnisse“ angesehen werden, die auf Extralegalität und Sonderbehandlung abzielen. 

 

In ihren verschiedenen Varianten sind „Totale Institutionen“ überall anzutreffen, und sie werden als selbstverständliche Grundlage der Gesellschaft und als Bestandteil gesellschaftlicher und staatlicher Herrschaft akzeptiert und hingenommen, wobei im Rahmen der totalitären Gesellschafts- und Staatsidee das Funktionsprinzip der Totalen Institutionen aus diesen heraus auf potentiell sämtliche Bereiche der Gesellschaft übertragen und angewendet wird. Ein Ende des Zeitalters des Totalitären und des Totalitarismus ist somit ohne die Überwindung und Abschaffung des Konzepts der Totalen Institutionen nicht zu haben, denn sie sind die Quellen, aus denen sich die Idee des Totalitären und die Praxis des Totalitarismus immer wieder neu über die gesamte Gesellschaft ausbreiten und die Menschen entsprechend zurichten kann. Die Abschaffung Totaler Institutionen bedeutet nichts anderes als aus dem extremen 20. Jahrhundert Konsequenzen zu ziehen und dessen Grundlagen einer Revision zu unterziehen. 

 

94) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gefängnis 

 

95) Die Totale Institution des Lagers in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen ist die Totale Institution zur zweckrationalen Verwaltung, Überwachung, Kontrolle und Zurichtung von Menschenmassen, sie ist eine Erfindung des Zeitalters der Moderne, und sie ist ein Instrument der Industriegesellschaft. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Internierungslager

 

Seinen Ursprung hat das Internierungslager in den Kolonien, wo es als Repressionsinstrument genutzt wurde. Im Ersten Weltkriegwurden die zuvor diskreditierten Internierungslager der Kolonien erstmals in Europa eingesetzt. Mit dem Ersten Weltkrieg beginnt die Anwendung kolonialer Unterdrückungsmethoden in Europa selber, und Europäer werden nun Gegenstand kolonialer Unterdrückungsmethoden. „Der Erste Weltkrieg war ein wichtiges Laboratorium für das, was kommen sollte“, erklärt der Historiker Karl Schlögel in seinem Text: “Bugwelle des Krieges“: „Hier wurden die Methoden und Praktiken des totalen Krieges erstmals in großem Stil erprobt. (…) Hier wurden Praktiken vervollkommnet, die man zuvor schon an der Peripherie des Imperialismus, in den Kolonien, erprobt hatte – vom Konzentrationslager über Grenzziehung mit dem Rasiermesser bis zur lässigen Routine der Massenexekution; der Rassismus wanderte, wie Hannah Arendt gezeigt hatte, von der Peripherie ins Mutterland zurück“. 

Siehe: Karl Schlögel: Bugwelle des Krieges. S. 185-186. In: Stefan Aust, Stephan Burgdorff (Hg.): Die Flucht. Über die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten. 2003, Bonn. S. 194-195. 

 

Die Totale Institution des Lagers als moderne Form terroristischen Zwangs gegen große Menschengruppen durchzieht und prägt die Geschichte des 20. Jahrhunderts, und sie ist eins der wesentlichen und charakteristischen Elemente, die das 20. Jahrhundert zu einem extremen Jahrhundert machen. Die Totale Institution des Lagers entstand am Vorabend des 20. Jahrhunderts, und seine Laufbahn ist noch nicht zuende, und es liefert ein Beispiel, daß „die Moderne gerade in ihrer Normalität Ziehvater der Exzesse dieses Jahrhunderts ist“, wie der Gesellschaftswissenschaftler Gerhard Armanski in seinem Buch: „Maschinen des Terrors. Das Lager (KZ und GULAG) in der Moderne“ analysiert. 

Siehe: Gerhard Armanski: Maschinen des Terrors. Das Lager (KZ und GULAG) in der Moderne. Münster, 1993. S. 18. 

 

 

96) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Strafkolonie 

Die Strafkolonie kann als Ursprung und Prototyp des Konzentrationslagers als einem Bestandteil des „Maßnahmenstaates“, wie z.B. die NS-Konzentrationslager, angesehen werden. Als ein rezentes Beispiel für ein solches Konzentrationslager als einem Bestandteil des „Maßnahmenstaates“ kann das Gefangenenlager Guantanamo aufgeführt werden. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gefangenenlager_der_Guantanamo_Bay_Naval_Base

 

97) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Panopticon 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Gefängnis#Bauweise_von_Gefängnissen 

 

98) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Abolitionismus_(Kriminologie) 

 

99) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Iziko_South_African_Museum 

Sowie: https://www.iziko.org.za/museums/south-african-museum/ 

 

100) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Felsbild 

 

101) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/San_(Volk) 

 

102) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Materielle_Kultur 

 

103) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Savanne 

 

104) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Antarktis-Vertrag 

 

105) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Darwin 

 

106) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zweite_Reise_der_HMS_Beagle 

 

107) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Botanischer_Garten_Kirstenbosch 

 

108) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fynbos 

 

109) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kapflora 

 

110) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Florenreich 

 

111) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Neobiota 

 

112) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tafelberg_(Südafrika) 

 

113) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Agrarverfassung 

 

114) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Agrargeschichte 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Landwirtschaft 

 

115) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ländlicher_Raum 

 

116) Vgl. Anmerkung 80. 

 

117) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Monokultur 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Extraktivismus 

Ausführlicher ist der englischsprachige Wikipedia-Artikel: 

Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Extractivism 

 

118) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Siedlungskolonie 

 

119) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Industrialisierung_der_Sowjetunion 

Vgl. Anmerkungen 80 und 120. 

 

120) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zwangskollektivierung_in_der_Sowjetunion 

Vgl. Anmerkungen 80 und 119. 

 

Im Zuge der Industrialisierung der Sowjetunion wurde im Rahmen des ersten Fünfjahresplans 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Industrialisierung_der_Sowjetunion#Der_erste_Fünfjahresplan 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Fünfjahresplan#Sowjetunion 

während der Zwangskollektivierung, von 1929 bis 1933 die sogenannten „Entkulakisierung“ 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Entkulakisierung 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Tragödie_von_Nasino 

durchgeführt, was eine schwere Hungersnot 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hungersnot_in_der_Sowjetunion_in_den_1930er_Jahren 

zur Folge hatte. 

 

Diese „Entkulakisierung fand ihre Fortsetzung in der sogenannten „Kulaken-Operation“ des NKWD, 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Innenministerium_der_UdSSR#Staatsterror_durch_das_Innenministerium_(NKWD) 

die auf Grundlage des NKWD-Befehls Nr. 00447 vom 30. Juli 1937 erfolgte. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/NKWD-Befehl_Nr._00447 

Von August 1937 bis November 1938 wurden dabei 800.000 bis 820.000 Personen verhaftet, davon mindestens 350.000 – eventuell bis zu 445.000 – erschossen, die übrigen in Straflager des Gulags eingewiesen. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gulag 

 

Die Unterdrückung der Bauern und deren Ausbeutung als einer „Inneren Kolonie“ ermöglichte die forcierte Industrialisierung und Modernisierung der Sowjetunion. Die brutal vorangetriebene Industrialisierung machte die Sowjetunion zu einer Weltmacht, und zeitgleich erfolgte eine umfangreiche militärische Aufrüstung. Im Modernisierungsterror erweist sich der „Große Terror“ Stalins als Bestandteil des Terrors des Zeitalters der industriellen Moderne. 

 

121) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Aussterben#Aktuelle_Situation 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Massenaussterben#Das_gegenwärtige_Massenaussterben 

 

122) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Anthropozän 

 

123) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wadi 

 

124) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wüste#Halbwüste_(und_Wüstensteppe) 

 

125) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Trockensavanne 

 

126) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Namibia 

 

127) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Lüderitz 

 

128) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Windhoek 

 

129) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Henley_Passport_Index 

 

130) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kongokonferenz 

 

131) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Protektorat 

 

132) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Kaiserreich 

 

133) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Südwestafrika 

 

134) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Turnhallenkonferenz 

 

135) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gibeon_(Meteorit) 

 

136) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Unabhängigkeits-Gedenkmuseum 

 

137) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationenbildung 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalismus 

Die Idee der Nation und des Nationalstaats ist die wirkmächtigste Idee, die jemals von Europa ausgegangen ist, und sie ist heute in der gesamten Welt alternativlos. Die in Europa entstandene Idee des Nationalismus hat sich in mehreren großen Wellen über die gesamte Welt ausgebreitet. Die Idee der Nation und des Nationalstaats verbreitete sich erstmals in größerem Umfang über ihren Ursprung in Europa hinaus im Zuge der ersten Welle der Dekolonisation im 19. Jahrhundert, insbesondere in Folge der Auflösung des spanischen Kolonialimperiums in Mittel- und Südamerika, dann nach dem Ersten Weltkrieg in der östlichen Hälfte Europas, und nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr die Idee der Nation und des Nationalstaats im Zuge der zweiten Welle der Dekolonisation in Asien und Afrika ihre heutige weltweite Verbreitung und alternativlose Durchsetzung. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Dekolonisation 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Dekolonisation_Afrikas 

 

In seinem Buch: „Nationalismus. Geschichte, Formen, Folgen“ stellt der Historiker Hans-Ulrich Wehler die Frage: „Warum wurde der Nationalismus zu einem derart attraktiven Exportartikel, obwohl in den Empfängerländern völlig andersartige soziokulturelle und politische Bedingungen vorherrschten?“ und er führt weiter aus: „Ein voller Erfolg war diesen antikolonialistischen Emanzipationsbewegungen (…) nach dem Zweiten Weltkrieg beschieden, als der massive Druck der USA zugunsten der Auflösung aller westlichen Kolonialreiche im Verein mit der Sprengwirkung militanter innerkolonialer Guerilla- und Befreiungsbewegungen die Ära einer weltumspannenden Dekolonisierung einleitete. Damit verbunden war eine neue Welle des Transfernationalismus. Denn alle diese überstürzt in eine gefährdete Mündigkeit entlassenen Kolonialgebiete wollten dem Vorbild des westlichen Nationalstaats nacheifern. Hatten ihn die Friedensverträge nach dem Ersten Weltkrieg zur Norm für die gesamte europäische Staatenwelt erklärt, wurde er jetzt für geraume Zeit zur global verbindlichen politischen Einheit erhoben“. Siehe: Hans-Ulrich Wehler: Nationalismus. Geschichte, Formen, Folgen. 2001, München. S. 15. und S. 93. 

 

Die sogenannten „Nationalen Befreiungsbewegungen“ waren der Akteur, der der Idee der Nation und des Nationalstaats zur weltweiten und heute alternativlosen Durchsetzung verhalf. Heute ist die Idee der Nation alternativlos, der Nationalstaates gilt als die quasinatürliche und alternativlose Organisationsform der menschlichen Gesellschaft, und überall werden die Menschen dazu genötigt, sich nach dem Modell der Nation und dem Konzept des Nationalstaates zu organisieren. 

Vgl. hierzu meinen Text: Der moderne Nationalismus als eine politische Religion – Über die Konstruktion der Nation im Zeitalter des modernen Nationalismus“, der auf meiner Internetseite aufgerufen und gelesen werden kann: 

https://manfred-suchan.jimdosite.com/geschichtspolitik/ 

 

Meines Erachtens ist im globalhistorischen Rückblick die Dekolonisation, so wie sie tatsächlich stattfand, gescheitert, da sie das Vehikel war, die Idee der Nation und das Ordnungskonzept des Nationalstaats weltweit und alternativlos durchzusetzen. 

 

138) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkerbund 

 

239) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Südafrikanische_Union 

 

140) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/SWAPO 

 

141) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsbild 

 

142) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Herero 

 

143) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nama_(Volk) 

 

144) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkermord 

Die Debatten um den Begriff „Völkermord“ (Genozid) sind meistens hochgradig geschichtspolitisch motiviert. Dies wird im besonderen Maße am Beispiel des sogenannten „Völkermordes an den Herero und Nama“ deutlich: 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkermord_an_den_Herero_und_Nama 

Offensichtlich ist es das geschichtspolitische Ziel, 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtspolitik 

diese historischen Ereignisse zur „Urkatastrophe“ des „extremen“ 20. Jahrhunderts aufzuwerten, um diese Entwicklung im Holocaust münden und kulminieren zu lassen. Vgl. Anmerkungen 311 bis 328. 

Für die „Extreme“ des „extremen“ 20. Jahrhunderts läßt sich so kollektiv ein imaginiertes transhistorisches Kollektivsubjekt „der Deutschen“ verantwortlich machen. 

 

Bislang gilt der Erste Weltkrieg aus guten Gründen als die „Urkatastrophe“ des („extremen“) 20. Jahrhunderts, und es stellt sich die Frage, wie es dazu kommen konnte. Diese Frage ist insbesondere in den Kapiteln 7, 9 und 10 meines vorliegenden Reiseerlebnisberichtes Thema. 

 

Es fehlt eine wissenschaftliche Gesamtdarstellung der Verdrängung, Vertreibung und partiellen Ausrottung der San im südlichen Afrika. Heute leben die San nur noch in kleinen, abgelegenen Teilen des südlichen Afrikas und ihre traditionelle Kultur und Lebensweise ist fast vollständig unter gegangen. Auch heute sind die San im südlichen Afrika weiterhin diskriminiert und marginalisiert. Vgl. Anmerkung 178. 

 

145) Vgl.: Hans Hilpisch: „Wo sind die Herero geblieben?“ Neue Erkenntnisse und Theorien zum Rückzug der Herero in die Omaheke 1904/1905. 2. Überarbeitete und erweiterte Auflage 2021, Windhoek. 

Sowie: Hans Hilpisch: Die Kolonialkriege in Deutsch-Südwestafrika (1904-1908). Daten, Fakten und eine kritische Auseinandersetzung mit den widersprüchlichen Forschungsergebnissen der letzten Jahrzehnte. 4. Auflage 1922, Windhoek. 

 

146) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kongogräuel 

 

147) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kongo-Freistaat 

 

148) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_II._(Belgien) 

 

149) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geographische_Konferenz_in_Brüssel 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Afrika-Gesellschaft 

 

150) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Imperialismus#Zeitalter_des_Imperialismus_(ca._1870-1914) 

 

151) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geopolitik 

 

152) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wettlauf_um_Afrika 

 

153) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Königliches_Museum_für_Zentral-Afrika 

 

154) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltausstellung_Brüssel_1897 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltausstellung 

Zu den Weltausstellungen als internationale technische und gewerbliche Leistungsschauen im Zeitalter der Industriellen Moderne zählen auch die Kolonialausstellungen, die ebenfalls als Leistungsschauen im Zeitalter der Industriellen Moderne konzipiert waren, wie z.B. die Kolonialausstellung in Berlin 1896, die Kolonialausstellung in Brüssel 1897, die Kolonialausstellung in Paris 1931, die Kolonialausstellung in Brüssel 1958, und weitere. Kolonialausstellungen können nicht mit sogenannten „Völkerschauen“ (Human Zoo) gleichgesetzt werden, wie es jedoch bei der deutschsprachigen Wikipedia erfolgt: 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kolonialausstellung 

Anders hingegen die englischsprachige Wikipedia: 

Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Colonial_exhibition 

Ein entsprechender Artikel fehlt auf der deutschsprachigen Wikipedia. 

 

155) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Justizpalast_(Brüssel) 

 

156) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Naturkautschuk 

Vgl. auch: https://en.wikipedia.org/wiki/Atrocities_in_the_Congo_Free_State#Red_rubber_system_and_the_Force_Publique 

Ein entsprechender Artikel fehlt auf der deutschsprachigen Wikipedia. 

Vgl. ebenso: https://en.wikipedia.org/wiki/Abir_Congo_Company 

Ein entsprechender Artikel fehlt auf der deutschsprachigen Wikipedia. 

 

157) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkermord_in_Putumayo 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Kautschukboom 

Sowie: https://en.wikipedia.org/wiki/Amazon_rubber_cycle#Peru_and_the_Putumayo_genocide 

Ein entsprechender Artikel fehlt auf der deutschsprachigen Wikipedia. 

 

Der Völkermord in Putamayo im Rahmen des ab 1850 in der Amazonas-Region einsetzenden Katschukbooms und der von Julio César Arena del Águila geleiteten “Peruvian Amazon Rubber Company” (Vgl. Anmerkung 154) ist Thema des Ethnologischen Museums in der Stadt Leticia am Dreiländereck zwischen Kolumbien, Peru und Brasilien am Amazonas mit den Orten Leticia (Kolumbien), Santa Rosa (Peru) und Tabatinga (Brasilien). Dieses Museum habe ich am 07.04.2016 während meiner Flußschiffreise durch die Amazonas-Region vom 26.03.2016 bis zum 21.04.2016 auf dem Amazonas von Yurimaguras über Iquitos, Santa Rosa/Leticia/Tabatinga, nach Manaus und weiter auf dem Rio Madeira nach Porto Velho besucht. Diese Flußschiffreise durch die Amazonas-Region fand im Rahmen meiner ersten Südamerika-Reise (09.12.2015 bis 03.06.2016) statt. Während meiner zweiten Südamerika-Reise in Frühjahr des Jahres 2020, die eine Folgereise meiner ersten Südamerika-Reise sein sollte, ereignete sich unerwartet und überraschend die sogenannte “Corona-Krise”. Über meine Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse meiner beiden Südamerika-Reisen berichte ich vor dem Hintergrund der sogenannten “Corona-Krise” in meinem Reisebericht “Impressionen in Zeiten der ‘Corona-Krise’ – Ein Reisebericht aus Südamerika. Dieser Reisebericht kann auf meinen Internetseiten aufgerufen und gelesen werden: 

https://manfred-suchan.jimdosite.com/ 

https://manfred-suchan-reisen.jimdosite.com/reisefreiheit/ 

 

158) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Julio_César_Arana_del_Águila 

 

159) Die Unterdrückung der Bauern und deren Ausbeutung als einer „Inneren Kolonie“ ermöglichte die forcierte Industrialisierung und Modernisierung der Sowjetunion. 

Vgl. Anmerkungen 80, 119 und 120. 

 

160) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sukkulente 

 

161) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_von_Humboldt 

 

162) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Holismus 

 

163) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Reduktionismus 

 

164) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Große_Randstufe 

 

165) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Namib 

 

166) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Benguelastrom 

 

167) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Swakopmund 

 

168) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Swakopmund_Museum 

 

169) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Oranje_(Fluss) 

 

170) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Etosha-Nationalpark 

 

171) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kalahari 

 

172) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Dornstrauchsavanne 

 

173) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Etosha-Pfanne 

 

174) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wildnis 

 

175) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Instrumentelle_Vernunft

Sowie: Max Horkheimer: Zur Kritik der instrumentellen Vernunft. 1974, Frankfurt am Main. Die instrumentelle Vernunft und ihre Kritik bildet die analytische Schlüsselkategorie der Kritischen Theorie der vom Sozialphilosophen Max Horkheimer (1895-1973) begründeten Frankfurter Schule, die auf Grundlage interdisziplinärer geistes- und gesellschaftswissenschaftlicher Analysen eine Synthese von Gesellschafts- und Kulturkritik leistet. 

Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Horkheimer#Kritik_der_instrumentellen_Vernunft 

Die Kritik der instrumentellen Vernunft ist eine Kritik der Naturbeherrschung, wobei die Beherrschung der Natur in der Beherrschung der inneren und äußeren Natur des Menschen, der Beherrschung der Individuen und der Beherrschung der Gesellschaft ihre Fortsetzung findet, und dieser Gewaltzusammenhang bildet ein transhistorisches Kontinuum. 

 

176) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Jäger_und_Sammler 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Indigene_Völker 

Des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Naturvolk 

 

177) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Indianer_Nordamerikas 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Indianer 

 

178) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/San_(Volk) 

Die San (Buschleute) werden als die Urbevölkerung Afrikas angesehen. Traditionell leben sie als Jäger und Sammler. Insbesondere in der Neuzeit wurden sie verdrängt, vertrieben und zum Teil systematisch ausgerottet. 

Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/San_peoples#Displacement,_marginalisation_and_genocide_during_European_colonisation 

Ein entsprechender Artikel fehlt auf der deutschsprachigen Wikipedia. 

Es fehlt eine wissenschaftliche Gesamtdarstellung der Verdrängung, Vertreibung und partiellen Ausrottung der San. Heute leben die San nur noch in kleinen, abgelegenen Teilen des südlichen Afrikas und ihre traditionelle Kultur und Lebensweise ist fast vollständig unter gegangen. Auch heute sind die San im südlichen Afrika weiterhin diskriminiert und marginalisiert. 

 

179) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Jedermannsrecht 

Vgl. des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Allmende 

Das Jedermannsrecht ist ein uraltes Gewohnheitsrecht, dessen Ursprünge in die Zeit vor der Sesshaftwerdung der Menschen im Zuge der Neolithischen Revolution und der nachfolgenden Etablierung territorialer Herrschaft über Land und Menschen zurück reicht. Dieses uralte Jedermannsrecht hat sich am weitgehendsten in periferen Regionen erhalten, die erst spät von territorialer Herrschaft erfaßt und durchdrungen wurden; und dieses erfolgte z.T. bis heute noch nicht vollständig, sodaß dort auch die zweckrationale Zurichtung der Landschaft gemäß „Instrumenteller Vernunft“ oft noch weniger weit fortgeschritten ist. Relikte dieses uralten Gewohnheitsrechtes eines Jedermannsrechtes lassen sich vielerorts finden, z.B. in Gestalt des „Jedermannsrechtes“ in Skandinavien und den meisten Ostseeanreinerstaaten einschließlich Rußland, oder in Gestalt des „Landschaftsbetretungsrechtes“, das auch in der Bundesrepublik Deutschland existiert. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Betretungsrecht_(Erholung,_Sport)  

 

Anders als in Europa konnte sich in Siedlungskolonien, wie insbesondere den USA, aber auch in Südafrika und ein totalitär verschärftes Eigentumsverständnis herausbilden, frei entfalten und die gesamte Landschaft okkupieren, da mit der Verdrängung und Ausrottung der dortigen vorstaatlichen Gesellschaften, die als Jäger und Sammler lebten, in Nordamerika die Indianer und im südlichen Afrika die San (Buschleute), ein geschichtsloser und rechtsfreier Raum entstanden war, in dem keinerlei Traditionen und Relikte, darunter dem Gewohnheitsrechts eines Jedermannsrechtes, mehr erhalten und verblieben waren. 

 

180) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Indianerkriege 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Indianerpolitik_der_Vereinigten_Staaten 

Sowie: https://en.wikipedia.org/wiki/Genocide_of_indigenous_peoples#Indigenous_peoples_of_the_Americas_(pre-1948) 

Ein entsprechender Artikel fehlt auf der deutschsprachigen Wikipedia. 

 

181) Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/San_peoples#Displacement,_marginalisation_and_genocide_during_European_colonisation 

Ein entsprechender Artikel fehlt auf der deutschsprachigen Wikipedia. 

Vgl. auch: https://en.wikipedia.org/wiki/Genocide_of_indigenous_peoples#South_Africa 

 

182) Zu schaffen wäre ein Menschenrecht auf eine allgemeine Zugänglichkeit der Landschaft, das an den Rechtszustand eines allgemeinen Gewohnheitsrechtes von Charakter eines Jedermannsrechtes anknüpft, wie er vor der Neolithischen Revolution bestanden hatte, und das sich aus verschiedenen Rechtsquellen ableiten und begründen läßt. Dieses Thema ist nicht nur ein historisch-anthropologisches Thema und nicht nur ein juristisches Thema, sondern vielmehr eine Frage der praktischen Philosophie: 

 

Der Philosoph Immanuel Kant (1724-1804) 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant 

postuliert im dritten Definitivartikel seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ (1795) 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zum_ewigen_Frieden 

einen ursprünglichen Zustand eines gemeinschaftlichen Besitzes der Oberfläche der Erde durch die gesamte Menschheit, da sich die Menschen durch die Kugelgestalt der Erde sich nicht bis ins Unendliche zerstreuen können und sie sich daher nebeneinander dulden müssen, ursprünglich aber niemand an einem Orte der Erde zu sein mehr Recht hat, als der Andere, woraus er als Bestandteil eines Weltbürgerrechtes ein allgemeines Freizügigkeits- Reise- und Besuchsrecht ableitet. Gleichermaßen läßt sich auf dieser Grundlage ein Menschenrecht auf eine allgemeine Zugänglichkeit der Landschaft ableiten, das an den Rechtszustand eines allgemeinen Gewohnheitsrechtes von Charakter eines Jedermannsrechtes anknüpft, wie er vor der Neolithischen Revolution bestanden hatte. 

 

Hiermit öffnet sich ein weitgefaßtes Themenfeld: Die Frage nach Land- und Bodenbesitz als einer begrenzten, nicht vermehrbaren Ressource, als der primären Lebensgrundlage, auf die alle Menschen gleichermaßen Anspruch haben. Hieraus läßt sich ein allgemeines Grundrecht auf Subsistenz ableiten, das allen Menschen Zugang zu Land und Boden gewährleistet, in dem Umfang, der erforderlich ist, um sich im Rahmen von Subsistenzwirtschaft selbst versorgen zu können. Viele der sich in Folge von historisch gewachsenem Großgrundbesitz und fehlenden Möglichkeiten des Zugangs zu Land und Boden ergebenden sozialen und ökologischen Folgen und Probleme, wie z.B. Naturzerstörung durch irreguläre Landnahmen und Siedlungstätigkeiten, sowie dem Anwachsen von irregulären Siedlungen am Rande von Megacitys, könnten weitgehend vermieden werden. Ein allgemeines Grundrecht auf Subsistenz, das allen Menschen in dem Umfang Zugang zu Land und Boden gewährleistet, der erforderlich ist, um sich im Rahmen von Subsistenzwirtschaft selbst versorgen zu können, läßt sich mit dem Menschenrecht auf Nahrung bergründen: 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Recht_auf_Nahrung 

 

Ein solches Grund und Menschenrecht auf Subsistenz verhindert, daß die Menschen aus dem Ländlichen Raum verdrängt werden, da sich dort weltweit immer mehr die riesigen agrarindustriellen Monokulturen auf Kosten der traditionellen Subsistenzwirtschaft der Menschen im Ländlichen Raum ausweiten, und es verhindert, daß die Menschen in die zunehmenden und rasant anwachsenden Megacitys abgedrängt werden, die den Charakter und die Funktion von Abschieberäumen und Verwahranstalten der globalen Überschußbevölkerung haben, die aus dem Ländlichen Raum verdrängt wird. 

 

183) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tierwanderung 

 

184) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Serengeti 

 

185) Vgl.: Bernhard Grzimek, Michael Grzimek: Serengeti darf nicht sterben. 367.000 Tiere suchen einen Staat. 1959, Frankfurt am Main, Berlin, Wien. 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Serengeti_darf_nicht_sterben 

 

186) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Entwaldung 

Vgl. auch: https://en.wikipedia.org/wiki/Deforestation_by_continent#Africa 

Ein entsprechender Artikel fehlt auf der deutschsprachigen Wikipedia. 

 

187) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Entkusselung 

Vgl. auch: https://en.wikipedia.org/wiki/Savanna#Tree_clearing 

Ein entsprechender Artikel fehlt auf der deutschsprachigen Wikipedia. 

 

188) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Renaturierung 

 

189) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rewilding 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Rewilding_Europe 

Vgl. hierzu Kapitel 8: „Rewilding Europe“ meines Textes: „Ein Winter im Skandinavischen Gebirge – Erlebnisse an der nördlichen Periferie Europas im Winter 2013/2014. Dieser Text kann auf meiner Internetseite aufgerufen und gelesen werden: 

https://manfredsuchan.net/ein-winter-in-schweden 

 

190) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ökologische_Nische 

 

191) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ökosystem 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Nahrungskette 

 

192) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Biodiversität 

 

193) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Biosphäre 

 

194) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Naturschutz 

 

195) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Prozessschutz 

 

196) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Landschaftsschutz 

 

197) Vgl. hierzu Kapitel 6: „Die Kolonisierung der Amazonasregion und die Zerstörung des Regenwaldes“ meines Textes: „Impressionen in Zeiten der ‚Corona-Krise‘ – Ein Reisebericht aus Südamerika“. Dieser Text kann auf meinen Internetseiten aufgerufen und gelesen werden: 

https://manfred-suchan.jimdosite.com/ 

https://manfred-suchan-reisen.jimdosite.com/reisefreiheit/ 

 

198) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Peace_Park 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Peace_Parks_Foundation 

 

199) Vgl. hierzu Kapitel 9: „Naturschutz und Tourismus als Bestandteile von Entspannungspolitik“ meines Textes: „Ein Winter im Skandinavischen Gebirge – Erlebnisse an der nördlichen Periferie Europas im Winter 2013/2014“. Dieser Text kann auf meiner Internetseite aufgerufen und gelesen werden: 

https://manfredsuchan.net/ein-winter-in-schweden 

 

200) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Caprivizipfel 

 

201) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Leo_von_Caprivi 

In die kurze Amtszeit von Reichskanzler Caprivi fällt nicht nur der Helgoland-Sansibar-Vertrag von 1890, sondern u.a. auch die Nichtverlängerung des Rückversicherungsvertrages mit dem Kaiserreich Rußland. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rückversicherungsvertrag 

 

Die Nichtverlängerung des Rückversicherungsvertrages im Jahre 1890 ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, daß der Erste Weltkrieg entstehen konnte. 

Vgl. hierzu Anmerkung 273. 

 

202) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Helgoland-Sansibar-Vertrag 

 

203) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sambesi 

 

204) Vgl.: https://de.wikipedia.org/Chobe (Fluss) 

 

205) Vgl. hierzu Kapitel 7: „Der biometrische Reisepaß oder: Die Welt als eine virtuelle Totale Institution“ in meinem Text: „Ende der ‚Corona-Krise‘? – Aktuelle Reisebedingungen im weltweiten Vergleich“. Dieser Text kann auf meiner Internetseite aufgerufen und gelesen werden: 

https://manfredsuchan.net/aktuelle-reisebedingungen 

 

Wenn man von den Folgeentwicklungen auf die Absichten zurückschließt, erfolgten die Ereignisse vom 11.09.2001 genau zu dem Zweck, ein weltweites Überwachungsregime einführen und durchsetzen zu können. In der Geschichte geschieht nichts durch Zufall, sondern alles, was geschieht, und so wie es geschieht, ist auch so gewollt. 

 

206) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Botswana 

 

207) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Chobe-Nationalpark 

 

208) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Betschuanaland 

 

209) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Cecil_Rhodes 

 

210) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/British_South_Africa_Company 

 

211) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Victoriafälle 

 

212) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/David_Livingstone 

 

213) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Land_Grabbing 

Detaillierter ist der englischsprachige Wikipedia-Artikel: 

Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Land_grabbing 

 

214) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Okavangodelta 

 

215) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/System_der_zentralen_Orte 

 

216) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Pretoria 

 

217) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Südafrikanische_Republik 

 

218) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Kruger 

 

219) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Krugerhaus 

 

220) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Britisches_Weltreich 

 

221) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Burenkrieg 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Burenkrieg 

 

222) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Abessinienkrieg 

Meines Erachtens beginnt mit dem Abessinienkrieg der Zweite Weltkrieg als einer historischen Epoche. Das Zeitalter des Imperialismus, dessen herausragender Bestandteil der geopolitische „Wettlauf um Afrika“ war, kulminiert in zwei Weltkriegen, mit denen der geopolitische „Wettlauf um Afrika“ zu einem geopolitische „Wettlauf um Europa“ geworden ist. Mit dem Abessinienkrieg findet der geopolitische „Wettlauf um Afrika“ seine Fortsetzung, seinen Höhepunkt und seinen Abschluß. 

 

Im Abessinienkrieg eroberte und okkupierte das faschistische Königreich Italien mit dem Kaiserreich Äthiopien 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kaiserreich_Abessinien 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Äthiopiens 

zum Einen eins der weltältesten Kaiserreiche, das in der Antike neben dem Imperium Romanum, Persien und China zu den bedeutendsten Weltmächten zählte, zum Anderen einen der ältesten Staaten, in denen das Christentum zur Staatsreligion geworden war im Jahre 330, nach Armenien im Jahre 314 und vor Georgien im Jahre 337 sowie dem Imperium romanum, in dem das Christentum im Jahre 380 Staatsreligion wurde. 

 

Der geopolitische „Wettlauf um Afrika“ setzt sich dann im Zweiten Weltkrieg als ein geopolitischer „Wettlauf um Europa“ fort, und dieser geopolitische „Wettlauf um Europa“ hatte einen ersten Höhepunkt im Ersten Weltkrieg erfahren. Dabei werden im Zweiten Weltkrieg Methoden der Kriegsführung weiter radikalisiert, die erstmals im Zweiten Burenkrieg und dann im Abessinienkrieg eingeführt und angewandt worden waren. Der Zweite Burenkrieg, der Abessinienkrieg und dann der Zweite Weltkrieg bilden Radikalisierungsstufen totaler industrieller Kriegsführung im Zeitalter des Imperialismus, bei denen zunehmend die Zivilbevölkerung zum militärischen Ziel wurde. 

 

223) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Winterkrieg 

Im geheimen Zusatzprotokoll des Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspaktes vom 23.08.1939 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-sowjetischer_Nichtangriffspakt#Neuordnung_Osteuropas 

war die Neuordnung und Aufteilung des sogenannten „Zwischeneuropas“ 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zwischeneuropa 

vereinbart worden, das im 19 Jahrhundert territorialer Bestandteil der drei Kaiserreiche, dem Kaiserreich Rußland, dem Kaiserreich Österreich-Ungarn und (ab 1871) dem Kaiserreich Deutschland (davor Königreich Preußen) gewesen war (Vgl. hierzu Anmerkung 273). 

 

In Folge dieses geheimen Zusatzprotokolls okkupierten die Vertragsparteien ihren jeweilig vertraglich vereinbarten Anteil am sogenannten „Zwischeneuropa“, was im Falle Finnlands die Sowjetunion im sogenannten „Winterkrieg“ versuchte. Völlig unerwartet und überraschend konnte sich Finnland gegen den von Stalin im Zuge der Industrialisierung der Sowjetunion (Vgl. hierzu Anmerkungen 80, 119 und 120) hochgerüsteten Militärapparat der Sowjetunion eine Weile militärisch behaupten, obwohl Finnland, vergleichbar mit den Burenrepubliken im Zweiten Burenkrieg, von weltweit niemandem Unterstützung erhielt, außer einigen wenigen Freiwilligen aus Schweden. 

 

Finnland blieb so eine Okkupation durch die Sowjetunion erspart, was hingegen das Schicksal der benachbarten drei Baltischen Staaten 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Baltische_Staaten 

wurde: 

 

Estland: 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Estland#Sowjetrepublik 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Estlands#Die_erste_sowjetische_Okkupation_von_1940/41 

 

Lettland: 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sowjetische_Besetzung_Lettlands_1940 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Lettland#Zweiter_Weltkrieg 

Vgl. ebenso: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Lettlands#Das_Ende_der_Unabhängigkeit_de_facto_1939/1940 

Vgl. des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Lettische_Sozialistische_Sowjetrepublik#1940-1941:_Erste_sowjetische_Besetzung 

 

Litauen: 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Litauens#Erste_sowjetische_Besatzung_1940/1941 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Litauische_Sozialistische_Sowjetrepublik#1940_bis_1990 

 

In Folge der Okkupationen auf Grundlage des geheimen Zusatzprotokolls des Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspaktes vom 23.08.1939 erfolgten Kriegserklärungen des Königreichs Großbritannien und der Dritten Französischen Republik an das nationalsozialistische Deutsche Reich, nicht jedoch an die Sowjetunion. 

 

Meines Erachtens beginnt der Zweite Weltkrieg als einer historischen Epoche wie oben dargestellt mit dem Abessinienkrieg (1935-1941) und der Okkupation des Kaiserreiches Äthiopien durch das faschistische Königreich Italien, und nicht mit den Okkupationen des sogenannten „Zwischeneuropas“ auf Grundlage des geheimen Zusatzprotokolls des Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspaktes vom 23.08.1939, insbesondere den Ereignissen des 01.09.1939, was zur unhinterfragten Konvention des geschichtswissenschaftlichen Mainstreams geworden ist. Mit dem Abessinienkrieg findet der geopolitische „Wettlauf um Afrika“ seine Fortsetzung, seinen Höhepunkt und zugleich seinen Abschluß, und im Zweiten Weltkrieg setzt sich dieser dann als ein geopolitischer „Wettlauf um Europa“ fort, dessen Bestandteil die Aufteilung und Okkupation des sogenannten „Zwischeneuropas“ ist, wobei der „Wettlauf um Europa“ einen ersten Höhepunkt im Ersten Weltkrieg erfahren hatte. 

 

224) Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Annexation_of_Tibet_by_the_People‘s_Republic_of_China 

Vgl. auch: https://en.wikipedia.org/wiki/Tibet_(1912-1951)#Annexation_by_the_People's_Republic_of_China 

Vgl. ebenso: https://en.wikipedia.org/wiki/Tibet#Since_1950 

Entsprechende Artikel fehlen auf der deutschsprachigen Wikipedia. 

 

Während meiner Rucksack-Reise durch Teile des südlichen Asiens 2019/2020 besuchte ich u.a. die Stadt Dharamsala 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Dharamsala 

am Rande des Himalaya-Gebirges. Seit der Okkupation von Tibets durch die VR China leben dort tibetische Flüchtlinge. Insgesamt leben heute in Indien mehr als 100.000 Flüchtlinge aus Tibet. In Dharamsala befindet sich der Sitz der tibetischen Exilregierung 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tibetische_Exilregierung  

und des Dalai Lama. Exiltibeter beklagen nach Angaben des Tibet-Museums 

Vgl.: https://www.tibetmuseum.org 

anhaltende Menschenrechtsverletzungen in Tibet, die Unterdrückung kultureller Rechte und die massive Ansiedlung von Chinesen in Tibet, sodaß die Tibeter dort teilweise schon eine Minderheit sind. 

Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Sinicization_of_Tibet 

Ein entsprechender Artikel fehlt auf der deutschsprachigen Wikipedia. 

Zur Lage der Menschenrechte in Tibet: 

Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Human_rights_in_Tibet#Post-1950_Tibet 

Vgl. ebenso: https://en.wikipedia.org/wiki/Tibet_Autonomous_Region#Human_rights 

Entsprechende Artikel fehlen auf der deutschsprachigen Wikipedia. 

Vgl. auch: https://www.gfbv.de/de/news/zur-lage-der-menschenrechte-in-tibet-365/ 

 

Da seit der Okkupation Tibets Reisen nach Tibet nahezu unmöglich sind, ist der Reisebericht von Heinrich Harrer (1912-2006): 

https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Harrer#Indien_und_Tibet_(1939-1951) 

„Sieben Jahre in Tibet“ 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sieben_Jahre_in_Tibet_(Buch) 

seiner noch vor der Okkupation erfolgten mehrjährigen Reise nach Tibet heute ein zeitgeschichtliches Dokument. 

 

225) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Burenkrieg 

 

226) Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Second_Boer_War_concentration_camps 

Ein entsprechender Artikel fehlt in der deutschsprachigen Wikipedia. 

 

Nach dem Vorbild der „Concentration Camps“ im Zweiten Burenkrieg sind im Anschluss an den Aufstand der Herero und Nama seit 1904 vom Kaiserreich Deutschland in dem damaligen „Schutzgebiet“ Deutsch-Südwestafrika „Konzentrationslager“ errichtet worden. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Konzentrationslager_in_Deutsch-Südwestafrika 

 

Der Wikipedia-Artikel zum Thema „Konzentrationslager“ 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Konzentrationslager_(historischer_Begriff) 

zeigt auf, daß Historiker und Gesellschaftswissenschaftler unübersehbar nicht in der Lage sind, das insbesondere das extreme 20. Jahrhundert prägende Phänomen des Lagers als der Totalen Institution zur zweckrationalen Verwaltung von Menschenmassen in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen gemäß deren Genese und deren Struktur in sinnvolle Kategorien zu unterscheiden und zu Klassifizieren. Jede wissenschaftlichen Kategorienbildung in jeder wissenschaftlichen Disziplin muß nach signifikanten, nachvollziehbaren und überzeugend begründeten Kriterien erfolgen. 

 

227) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Kitchener,_1._Earl_Kitchener 

 

228) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Verbrannte_Erde 

 

229) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Dominion 

 

230) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Commonwealth_of_Nations 

 

231) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_I._(England) 

 

232) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Commonwealth_War_Graves_Commission 

 

233) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Johannesburg 

 

234) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Boomtown 

 

235) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Demografie_Südafrikas 

 

236) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Township_(Südliches_Afrika) 

 

237) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Homeland_(Apartheid) 

 

238) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bevölkerungsentwicklung 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Afrika#Bevölkerung 

 

239) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Megastadt 

 

240) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Apartheid_Museum 

 

241) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rassentrennung 

 

242) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Apartheid 

 

243) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rassentrennung#USA 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Jim-Crow-Gesetze 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Rassismus_in_den_Vereinigten_Staaten 

 

244) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bürgerrechtsbewegung 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Bürgerrechtsbewegungen 

Des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Abolitionismus 

 

245) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Menschheitsgeschichte 

Die Menschheitsgeschichte ist Bestandteil der Erdgeschichte und der Geschichte des Lebens auf dem Planeten Erde. Bedingung des Lebens auf dem Planeten Erde ist der geodynamisch fundierte evolutions-ökologische Prozeß, dessen Bestandteil das Leben auf dem Planeten Erde ist. Die Menschheitsgeschichte kann als die Geschichte der Ausbreitung und Ausdifferenzierung des anatomisch modernen Menschen Homo sapiens vor ca. 70.000 Jahren von seinem beim gegenwärtigen paläoanthropologischen Forschungsstand angenommenen Ursprung im östlichen Afrika über den gesamten Planeten Erde bis zur Gegenwart aufgefaßt werden. Hierbei hatten mehrere technologische Revolutionen weitreichende gesellschaftliche und ökologische Folgewirkungen, insbesondere die Prometheische Revolution, die Neolithische Revolution, die Industrielle Revolution und aktuell die Digitaltechnische Revolution. Die Menschheitsgeschichte endet mit dem Ende der Menschheit: 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ende_der_Menschheit 

Aufgrund des weiteren Verlaufs der Erdgeschichte und der zukünftigen Geschichte des Lebens auf dem Planeten Erde auf Grundlage des geodynamisch fundierten evolutions-ökologischen Prozesses ist das Ende der Menschheit unvermeidbar. Das Einzige, was wir beeinflussen können, ist der Zeitpunkt, an dem das Ende der Menschheit eintritt. Wenn die Menschheit so weiter macht, wie bisher auf Grundlage ihrer technologischen Revolutionen, wird dieses Ende in sehr naher Zukunft eintreten. Auf Grundlage der natürlichen Verhältnisse auf dem Planeten Erde könnte die Menschheit hingegen potentiell noch etwa eine Milliarde Jahre fortexistieren. 

 

246) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Paläoanthropologie 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Out-of-Africa-Theorie 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Ausbreitung_des_Menschen 

 

247) Der Philosoph Immanuel Kant 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant 

formulierte drei erkenntnisleitende Fragen philosophischen Denkens: 

1. Was kann ich wissen? 

2. Was soll ich tun? 

3. Was darf ich hoffen? 

Als vierte Frage fügte er hinzu: 

4. Was ist der Mensch? 

 

248) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rassismus 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Rassentheorie 

Es stellt sich die Frage, ab wann sinnvoll von „Rassismus“ gesprochen werden kann. Der Versuch einer Kategorienbildung 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorisierung_(Kognitionswissenschaft) 

und der Versuch einer Klassifizierung 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Klassifizierung 

bezüglich des Menschen ist erst einmal unproblematisch. Zu einem ernsthaften Problem wird dieses erst dann, wenn auf Grundlage derartiger Kategorienbildungen und Klassifizierungen unterschiedliche Rechte von Menschen abgeleitet und Ungleichbehandlungen gefordert werden. Meines Erachtens kann man erst ab hier sinnvoll von „Rassismus“ sprechen. Aufgrund Dessen kann ich den populär gewordenen pauschalen Rassismus-Vorwurf an das Zeitalter der Aufklärung 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufklärung 

und herausragende Vertreter dieses Zeitalters der Aufklärung, wie z.B. den Naturforscher Carl von Linné (1707-1778) und den Philosophen Immanuel Kant (1724-1804) nicht nachvollziehen. 

 

Zudem wird es in den populären Diskussionen zum Thema „Rassismus“ unterlassen, verschiedene Varianten, Formen und Ausprägungen von „Rassismus“ zu unterscheiden. Die bedeutendste Form von neuzeitlichem Rassismus ist zweifellos der Kolonialrassismus der frühen Neuzeit, bei dem die Unterteilung der Menschheit in zwei Kategorien: „Weiße Menschen“ und „Schwarze Menschen“, und eine entsprechende Zuweisung unterschiedlicher Wertigkeiten und Rechte dieser beiden Kategorien Grundlage der Legitimierung und Aufrechterhaltung des Sklavenhalterregimes in Siedlungskolonien und Plantagenökonomien war. Aus den Siedlungskolonien, wie z.B. den USA, und aus den Plantagenökonomien hat sich diese Aufteilung der Menschheit in zwei Kategorien: Weiße Menschen und Schwarze Menschen, weltweit ausgeweitet und ist heute ein Common Sense geworden, dem sich auch diejenigen anpassen, die vorgeben, Rassismus abzulehnen. 

 

Tatsächlich jedoch besteht bezüglich der Hautfarbe der Menschen statistisch betrachtet weltweit ein kontinuierlicher Übergang von dunklen Hautfarben in Äquatornähe hin zu hellen Hautfarben in Polnähe, 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hautfarbe#Hautfarbe_beim_Menschen 

sodaß einer Aufteilung der Menschheit in zwei Kategorien: Weiße Menschen und Schwarze Menschen, jegliche Grundlage fehlt. Aufgrund der gesellschaftspolitischen Besonderheiten konnte eine Aufteilung der Menschheit in zwei Kategorien: Weiße Menschen und Schwarze Menschen, ausschließlich in Siedlungskolonien, wie z.B. den USA, und in Plantagenökonomien entstehen und sonst nirgendwo auf der Welt. 

Der Kolonialrassismus hat seinen Ursprung in den Sklavenhaltergesellschaften der Siedlungskolonien, wie z.B. den USA, und den Plantagenökonomien, und nicht in Europa im Zeitalter der Aufklärung, wie es Vertreter der „Postkolonialen Studien“ nachzuweisen versuchen. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Postkolonialismus 

 

Von diesem in der frühen Neuzeit entstandenen Kolonialrassismus muß unterschieden werden der durch Eugenik 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Eugenik 

begründete Rassismus der späten Neuzeit. Der Historiker Rolf Peter Sieferle (1949-2016) zeigt in seinem Buch: „Die Krise der menschlichen Natur. Zur Geschichte eines Konzepts“ auf, daß das von der darwinschen Evolutionstheorie formulierte Naturgesetz des Fortschritts auf Grundlage von Konkurrenz und Selektion bei dessen Anwendung auf sozialdarwinistische Gesellschaftstheorie zum eugenischen Dilemma eines Gegensatzes von Fortschritt und Humanität führte: „Wenn mit dem Naturhaushalt auch das Naturrecht in die Zone der Krise und damit der Dezision geraten ist, wird buchstäblich alles möglich. Die Erfahrungen in der ersten Hälfte dieses [20.] Jahrhunderts haben demonstriert, was geschehen kann, wenn man auf eine - wie auch immer falsch perzipierte - Naturkrise mit der scheinbar gebotenen Konsequenz reagiert“. 

Siehe: Rolf Peter Sieferle: Die Krise der menschlichen Natur. Zur Geschichte eines Konzepts. Frankfurt am Main, 1989. S. 202-203. 

Sieferle zeigt das Dilemma auf, in die die Debatten um die Naturvoraussetzungen der menschlichen Existenz ab dem frühen 19. Jahrhundert mit dem Zusammenbruch der natürlichen Theologie gerieten: Weder war garantiert, daß sich die Natur länger in einem harmonischen Gleichgewicht hielt, noch konnte man darauf vertrauen, daß die Politik einen sinnvollen Ausweg aus der Krise bot. Unabhängig von der konkreten Problemwahrnehmung ist dies das Dilemma, in dem wir auch heute angesichts der durch Naturzerstörung bedingten Umweltkrise stehen. 

 

Dieser durch Eugenik begründete Rasismus der späten Neuzeit gelangte insbesondere im Nationalsozialismus zur Ausprägung. Innerhalb dieses NS-Rassismus wird das Konzept von Heinrich Himmler (1900-1945), der an der Universität Landwirtschaft studiert hatte, einer menschlichen Rasseviehzucht zu wenig beachtet. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tierzucht 

Die Idee der menschlichen Rasseviehzucht teilte Himmler mit dem Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Walther Darré (1895-1953). 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Walther_Darré 

Diesem Modell der Rasseviehzucht von Himmler und Darré fehlt der Aspekt der natürlichen Evolution, was eine Grundannahme und Voraussetzung der sozialdarwinistischen Ideologie ist. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdarwinismus 

Mithilfe des unbeschränkten Machtmittels des „Maßnahmenstaates“ verfolgt der studierte Landwirt Himmler das Ziel, das gesamte Europa in eine Zuchtanstalt für menschliches Rassevieh zu verwandeln. Als „Zuchtwart“ 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zuchtwart 

gibt Himmler das anzustrebende Zuchtziel der menschlichen Rasseviehzucht vor. 

 

249) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nelson_Mandela 

 

250) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Desmond_Tutu 

 

251) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheits-_und_Versöhnungskommission 

Vgl. auch: José Brunner, Daniel Stahl: Recht auf Wahrheit. Zur Genese eines neuen Menschenrechts. 2016, Göttingen. 

 

252) Geschichtliche Ereignisse, auch solche der jüngsten Geschichte, sollten von Historikern und Wissenschaftlern bearbeitet werden, und nicht von Juristen und Gerichten. Zwischen Beiden besteht ein grundsätzlicher Unterschied bezüglich des methodischen Vorgehens und des Erkenntnisinteresses. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnisinteresse 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis_und_Interesse 

Aufgabe und Erkenntnisinteresse von Historikern und der Geschichtswissenschaft ist nicht die Beurteilung, sondern das Verstehen, einschließlich des Verstehens all dessen, was völlig unverständlich erscheint. Hierzu hebt der Historiker Eric Hobsbawm hervor, daß die eigentliche Aufgabe des Historikers „nicht die Beurteilung ist, sondern vielmehr das Verstehen – sogar das Verstehen all dessen, was völlig unverständlich erscheint. (…) Es ist das Verstehen, das uns allen schwerfällt.“ 

Siehe: Eric Hobsbawm: Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. 5. Auflage 1997, München, Wien. S. 19. 

 

Das Erkenntnisinteresse der Jurisprudenz ist ein gänzlich anderes, aufgrund ihrer Entstehung in den frühen Hochkulturen als Herrschaftstechnik, und ihre Aufgabe liegt in der Zuweisung individueller Schuld mit dem Ziel individueller Bestrafung zum Zweck der Machtdemonstration des Herrschers und der Unterwerfung des Delinquenten unter die cephale und hierarchische Herrschaft des Staates. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Frühe_Hochkulturen 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Keilschriftrecht#Gesetzgebung 

Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Halsgerichtsbarkeit 

Die von Gerichten und Tribunalen gewonnenen Informationen sind für die Geschichtswissenschaften unbrauchbar und wertlos. Zudem beseitigen Gerichte und Tribunale in zahlreichen Fällen durch Justizmord 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Justizmord 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Todesstrafe 

Zeitzeugen, die für die geschichtswissenschaftliche Forschung von großem Wert sind. 

 

253) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Deliberative_Demokratie 

Vgl. hierzu auch meinen Text: Formaldemokratie und Politikverdrossenheit – Über Politik in modernen Massengesellschaften. Dieser Text kann auf meiner Internetseite aufgerufen und gelesen werden: 

https://manfred-suchan.jimdosite.com/kulturpolitik/ 

 

254) Deliberation 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Deliberation

ist nach der Definition der Politikwissenschaftler Gary S. Schaal und Felix Heidenreich in ihrem Buch: „Einführung in die Politischen Theorien der Moderne“ „der auf Argumenten und Begründungen basierende faire und gleichberechtigte kommunikative Austausch von inhaltlichen Positionen von sich wechselseitig als frei und gleich wahrnehmenden Bürgern“. Siehe: Gary. S. Schaal, Felix Heidenreich: Einführung in die politischen Theorien der Moderne. 2017, Bonn. S. 266. 

 

Im Zentrum der Diskurstheorie  

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Diskurs 

steht der herrschaftsfreie Diskurs, in dem ausschließlich der „zwanglose Zwang“ des besseren und überzeugenderen Arguments gilt. 

 

Nach Auffassung des Philosophen Jürgen Habermas 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Jürgen_Habermas 

unterscheidet sich der wahre gesellschaftliche Konsens vom falschen durch die symmetrische Verteilung der Chancen aller möglichen Beteiligten an dessen Teilnahme und das Fehlen jeglicher Art von Zwängen, sodaß „durch eine Gleichverteilung der Chancen, Deutungen, Behauptungen, Erklärungen und Rechtfertigungen aufzustellen und deren Geltungsansprüche zu begründen oder zu widerlegen, die Grundlage dafür geschaffen werden, daß keine Vormeinung auf Dauer der Thematisierung und der Kritik entzogen bleibt“. 

Siehe: Jürgen Habermas: Zur Konsenstheorie der Wahrheit. Wahrheit von Aussagen, Wahrhaftigkeit von Äußerungen, Richtigkeit von Handlungen. S. 137. In: Jürgen Habermas, Niklas Luhmann: Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie – Was leistet die Systemforschung? 1971, Frankfurt am Main. S. 123-141. 

 

Doch die gesellschaftlichen Realitäten in den modernen Massengesellschaften sehen anders aus. Sowohl der real-existierende Politikbereich, als auch der Bereich der Massenmedien und der Wissenschaftsbetrieb werden von Lobbyisten kontrolliert und gesteuert, und die Partizipationsmöglichkeiten der Menschen in den repräsentativen Massendemokratien sind gering. Die Folge ist Politikverdrossenheit, und diese Politikverdrossenheit ist ein Symptom der Krise des repräsentativen demokratischen Regierungssystems und der Enttäuschungen der Massendemokratie und der Massengesellschaften. Ergebnis ist eine alternativlose Affirmation des Bestehenden. 

 

Gemäß der von Jürgen Habermas vertretenen deliberativen Demokratietheorie sind nur solche gesellschaftlichen Entwicklungen zustimmungsfähig und können Geltung beanspruchen, die das Resultat eines Deliberationsprozesses sind, der den Bedingungen der Gleichheit aller Teilnehmer, der Offenheit der Agenda und der Möglichkeit der Infragestellung geltender Diskursregeln unterliegt. 

Vgl.: Hubertus Buchstein: Jürgen Habermas. In: Peter Massing, Gotthard Breit (Hg.): Demokratie-Theorien. Von der Antike bis zur Gegenwart. 2005, Bonn. S. 253-260. 

 

Die deliberative Demokratietheorie postuliert, daß die politischen Überzeugungen von Bürgern zugleich aufklärungsbedürftig als auch aufklärungsfähig sind, was durch die politische Kommunikation der Bürger untereinander erfolgt. Damit gründet sie auf dem diskurstheoretischen Grundsatz der „Theorie des kommunikativen Handelns“ von Jürgen Habermas, nach dem genau die Regelungen Legitimität beanspruchen dürfen, denen alle möglicherweise Betroffenen als Teilnehmer an rationalen Diskursen zustimmen könnten. 

Vgl.: Jürgen Habermas: Theorie des kommunikativen Handelns. 1981, Frankfurt am Main. 

 

In seinem Buch: „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ zeigt der Philosoph Jürgen Habermas auf, daß der Diskursbegriff der Demokratie die Frage aufwirft, „wie eine diskursive Meinungs- und Willensbildung unter Bedingungen von Massendemokratien eingerichtet werden kann“, wobei die „Kommunikationsvoraussetzungen für faire Verhandlungen und zwanglose Argumentationen“ „die vollständige Inklusion aller möglichen Betroffenen, die Gleichberechtigung der Parteien, Zwanglosigkeit der Interaktion, Offenheit der Themen und Beiträge, Revidierbarkeit der Ergebnisse“ verlangen. 

Siehe: Jürgen Habermas: Strukturwandel der Öffentlichkeit. 1990, Frankfurt am Main. S. 41. 

 

255) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wiege_der_Menschheit#Cradle_of_Humankind 

 

256) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sterkfontein 

 

257) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Swartkrans 

 

258) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kimberley_(Süafrika) 

 

259) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/De_Beers 

 

260) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ernest_Oppenheimer 

 

261) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/J._P._Morgan 

 

262) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Anglo_American 

 

263) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Harry_Oppenheimer 

 

264) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/The_Big_Hole 

 

265) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Freilichtmuseum 

 

266) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Skansen_(Stockholm) 

 

267) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Diamant 

 

268) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kap-Kairo-Plan 

 

269) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/M._A._Rothschild_&_Söhne 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/N_M_Rothschild_&_Sons 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Rothschild_(Familie) 

 

270) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Jameson_Raid 

 

271) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bloemfontein 

 

272) Vgl.: https://wmbr.org.za/ 

Vgl. auch: https://grokipedia.com/page/anglo_boer_war_museum 

 

273) Vgl. Anmerkung 38. 

Im Vergleich mit dem „kurzen“ und „extremen“ 20. Jahrhundert stellt sich die Frage, was das „lange“ 19. Jahrhundert zu einem vergleichsweise friedlichen Jahrhundert macht: 

 

Nach dem Sieg über Napoleon Bonaparte bilden drei der fünf Großmächte der Pentarchie, 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mächtegleichgewicht 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Pentarchie_(Europa) 

das Kaiserreich Rußland, das Kaiserreich Österreich-Ungarn und das Königreich Preußen im Anschluß an den Wiener Kongress 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Kongress 

auf Initiative von Kaiser Alexander I. (1777-1825) 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_I._(Russland) 

die „Heilige Allianz“. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Heilige_Allianz 

Kerngedanke der auf Initiative von Kaiser Alexander I. entstandenen „Heiligen Allianz“, die den Charakter eines Kartells einer Mehrheit von drei der fünf Großmächte der Pentarchie hatte, war die Sicherung eines „Ewigen Friedens“ durch konsequente Selbstverpflichtung aller europäischen Monarchen auf die Grundsätze der christlichen Nächstenliebe. 

 

Die „Heilige Allianz“ brach im Krim-Krieg 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Krimkrieg 

auseinander. Der Krimkrieg in den Jahren 1853 bis 1856 wird im Allgemeinen kaum beachtet, doch seine Bedeutung ist erheblich. Er war der größte Krieg zwischen den Napoleonischen Kriegen 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Napoleonische_Kriege 

und dem Ersten Weltkrieg, und schon der Krimkrieg wäre ein Weltkrieg 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltkrieg 

Vgl. auch: https://en.wikipedia.org/wiki/World_war#Other_global_conflicts 

geworden, wenn das Königreich Preußen und das Kaiserreich Österreich-Ungarn im Krimkrieg nicht neutral geblieben wären. Zuvor hatte schon der Siebenjährige Krieg 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Siebenjähriger_Krieg 

in den Jahren 1756 bis 1763 den Charakter eines Weltkrieges gehabt, da er unter Beteiligung aller europäischen Großmächte weltweit auf mehreren Kontinenten geführt wurde, sodaß sich mit dem Siebenjährigen Krieg das Zeitalter des Imperialismus ankündigte, das in den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts kulminierte. Der Krimkrieg führte zum Ende des Mächtegleichgewichtes der Pentarchie und zum Zerfall der sogenannten „Heiligen Allianz“ was eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, daß später der Erste Weltkrieg entstehen konnte. Während im Krimkrieg das Kaiserreich Rußland isoliert war, sodaß dessen Kriegsniederlage unvermeidlich war, waren im Ersten Weltkrieg die Kaiserreiche Deutschland und Österreich-Ungarn isoliert mit den gleichen Folgen. Dies verweist auf die Rolle, die Bedeutung und den Erfolg von Geheimdiplomatie. 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geheimdiplomatie 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Geheimvertrag 

 

Das „Dreikaiserabkommen“ 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Dreikaiserabkommen 

vom 22.10.1873 knüpfte an die „Heilige Allianz“ an mit dem Ziel, „den gegenwärtig in Europa herrschenden Friedenszustand zu befestigen“, um ihn „gegen alle Erschütterungen, von welcher Seite sie auch kommen mögen, zu sichern, und wenn nötig zu erzwingen“. Der „Dreikaiserbund“ 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Dreikaiserbund 

vom 18.06.1881 setzte das „Dreikaiserabkommen“ fort. 

 

Mit dem Ende des „Dreikaiserbundes“ im Jahre 1886 und der Nichtverlängerung des am 18.06.1087 abgeschlossenen Rückversicherungsvertrages 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rückversicherungsvertrag 

im Jahre 1890 endet die von Kaiser Alexander I. (1777-1825) auf dem Wiener Kongress begründete europäische Friedensordnung. Diese bestand auf Grundlage eines Bündnisses von drei Kaiserreichen, dem Kaiserreich Rußland, dem Kaiserreich Österreich-Ungarn und (ab 1871) dem Kaiserreich Deutschland, davor dem Königreich Preußen. Das Ende dieses Bündnisses war die entscheidende Voraussetzung, daß der Erste Weltkrieg entstehen konnte, der zum Untergang dieser drei Monarchien führte. Der Erste Weltkrieg ist die „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts, und auf ein „langes“, vergleichsweise friedliches 19. Jahrhundert folge nun ein „kurzes“ und „extremes“ 20. Jahrhundert. 

 

274) Als ein Beispiel für die kriegsentscheidende Bedeutung dieser Faktoren im Totalen Industriellen Krieg kann der Zweite Weltkrieg aufgeführt werden. In dessen Verlauf weiteten die Alliierten den Zweiten Weltkrieg immer weiter aus, wodurch sich im Vergleich zu den Achsenmächten die verfügbare Rohstoffbasis, die Industrieproduktion und das verfügbare militärtechnische Arsenal immer mehr zuungunsten der Achsenmächte und zu Gunsten der Alliierten verschob, sodaß den Alliierten dadurch der militärische Sieg automatisch zufallen mußte. In einem räumlich auf Europa begrenzten Krieg konnten die Achsenmächte militärische Erfolge erzielen, nicht mehr jedoch in einem permanent ausgeweiteten Weltkrieg. Eine weitere Radikalisierung der Kriegsführung, die weitere Ausweitung des Ausnahmezustands und auf dessen Grundlage die weitere Radikalisierung des „Maßnahmenstaates“ durch die Achsenmächte konnte an dieser zwangsläufigen Entwicklung hin zu einer Kriegsniederlage im zum Weltkrieg ausgeweiteten Totalen Industriellen Krieg nichts ändern. 

 

275) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Internierungslager 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Lager_(Camp)#Unfreiwilligkeit 

 

276) Siehe: Karl Schlögel: Bugwelle des Krieges. S. 185-186. In: Stefan Aust, Stephan Burgdorff (Hg.): Die Flucht. Über die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten. 2003, Bonn. S. 194-195. 

 

277) Siehe: Gerhard Armanski: Maschinen des Terrors. Das Lager (KZ und GULAG) in der Moderne. Münster, 1993. S. 18. 

 

278) Vgl.: Caroll Quigley: Das Anglo-Amerikanische Establishment. Die Geschichte einer geheimen Weltregierung. 2016, Rottenburg. 

Und: Gerry Docherty, Jim Macgregor: Verborgene Geschichte. Wie eine geheime Elite die Menschheit in den Ersten Weltkrieg stürzte. 2017, Rottenburg. 

 

279) Vgl. Anmerkungen 38 und 273. 

 

280) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsziele_im_Ersten_Weltkrieg 

 

281) Vgl. Anmerkung 222 und 223. 

 

282) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Lesotho 

 

283) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Verwitterung 

 

284) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Boden_(Bodenkunde) 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Pedogenese 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Bodentyp 

 

285) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tonminerale 

 

286) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Lesotho_Highlands_Water_Project 

 

287) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Drakensberge 

 

288) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Subsistenzwirtschaft 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Traditionelle_Wirtschaftsform 

 

289) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Symbiose 

 

290) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bodenerosion

 

291) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bodendegradation 

 

292) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sanipass 

 

293) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wald-_und_Baumgrenze 

 

294) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alm_(Bergweide)#Almwirtschaft 

 

295) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Grenze 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Grenze#Entstehung_von_Staatsgrenzen 

 

296) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Territorialstaat 

 

297) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Niemandsland 

 

298) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Republik_Natalia 

 

299) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Durban 

 

300) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/East_London_(Südafrika) 

 

301) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erosionsrinne 

 

302) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/East_London_Museum 

 

303) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Seefahrt 

 

304) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Quastenflosser 

 

305) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gqeberha 

 

306) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Karoo 

 

307) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mossel_Bay 

 

308) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bartolomeu_Dias 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_portugiesischen_Seefahrer_und_Entdecker 

 

309) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Seeweg_nach_Indien 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Portugiesische_Kolonialgeschichte 

Sowie: https://en.wikipedia.org/wiki/Portuguese_maritime_exploration 

 

310) Über meinen Besuch dieser beiden Ausstellungen zum Thema Holocaust in Vilnius und in Paris berichte ich in Kapitel 6: „Vilnius, ein Stadtschicksal im extremen 20. Jahrhundert“ meines Reiseerlebnisberichtes: „In den Frontstaaten beiderseits des neuen Eisernen Vorhangs – Eindrücke einer Reise nach Belarus.“ Dieser Text kann auf meiner Internetseite aufgerufen und gelesen werden: 

https://manfredsuchan.net/reise-nach-belarus 

 

311) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtspolitik 

 

312) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Identitätspolitik 

Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Identität#Politische_und_soziologische_Identitätsbegriffe 

 

313) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust_Education 

Umfangreicher ist der englischsprachige Wikipedia-Artikel: 

Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Holocaust_education 

Vgl. auch: Habbo Knoch: Geschichte in Gedenkstätten. Theorie, Praxis, Berufsfelder. 2020, Tübingen. S. 147-148. 

 

314) Vgl.: Habbo Knoch: Geschichte in Gedenkstätten. Theorie, Praxis, Berufsfelder. 2020, Tübingen. S. 103. 

 

315) Vgl.: Ebenda: S. 166-170. 

 

316) Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Jewish_identity 

Ein entsprechender Artikel fehlt in der deutschsprachigen Wikipedia. 

 

317) Vgl.: Kamila Dabrowska: Nostalgie und Rückkehr zur nicht mehr gegenwärtigen Vergangenheit. Der Marsch der Lebenden im Kontext jüdischer Erinnerungsfahrten nach Polen. S. 193-194. In: Enrico Heitzer, Günter Morsch, Robert Trabka, Katarzyna Woniak (Hg.): Von Mahnstädten über zeithistorische Museen zu Orten des Massentourismus? Gedenkstätten an Orten von NS-Verbrechen in Polen und Deutschland. (= Forschungsbeiträge und Materialien der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Band 18). 2016, Berlin. S. 184-200. 

 

318) Vgl.: Ebenda. S. 194. 

 

319) Wikipedia versucht, auf diese Frage eine Antwort zu finden: 

Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wer_ist_Jude?  

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Juden#Kennzeichen_des_Judeseins 

 

320) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Jüdische_Religion 

 

321) Siehe: Jan Assmann: Totale Religion. 2. Auflage 2017, Wien. S. 145. 

 

322) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Juden_in_den_Vereinigten_Staaten 

 

323) Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Israel_lobby_in_the_United_States 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/The_Israel_Lobby_and_U.S._Foreign_Policy 

 

324) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/American_Israel_Public_Affairs_Committee 

Ausführlicher ist der englischsprachige Wikipedia-Artikel: 

Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/AIPAC 

 

325) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Persönlichkeit#Persönlichkeit_in_der_Philosophie 

 

326) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufklärung 

 

Aufklärung kann nach Willi Oelmüller verstanden werden als ein „Prozeß von Traditionskritik und Traditionsbewahrung, der den jeweils geschichtlich erreichten Stand öffentlich anerkannter und teilweise bereits institutionalisierter sittlich-politischer Errungenschaften verteidigt und durchsetzt. Aufklärung sollte so (…) eine Orientierungshilfe bei der Bewältigung ungelöster Lebens- und Handlungsprobleme sein.“ 

Siehe: Willi Oelmüller: Die unbefriedigte Aufklärung. Beiträge zu einer Theorie der Moderne von Lessing, Kant und Hegel. Frankfurt am Main, 1979. S. I. 

 

327) Die Forderung nach einem neuen, nunmehr globalen Zeitalter der Aufklärung wird mittlerweile häufiger erhoben, so z.B. von dem Physiker und Biologen Ernst Ulrich von Weizsäcker und dem Wissenschaftler Anders Wijkman in ihrem Buch: „Wir sind dran. Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen“: „Die neue Aufklärung, die ‚Aufklärung 2.0‘, wird nicht europazentriert sein. Sie muß sich auch an den großartigen Traditionen anderer Zivilisationen orientieren.“ 

Siehe: Ernst Ulrich von Weizsäcker, Anders Wijkman: Wir sind dran. Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. 2019, München. S. 181. 

 

328) Auf diese Leitfrage einer Aufklärung verweist der Literaturwissenschaftler Steffen Martus in seinem Buch: „Aufklärung. Das deutsche 18. Jahrhundert – ein Epochenbild“: „In den aktuellen Kulturkonflikten stellt sich das Problem mehr denn je. Wir sehen tagtäglich, dass Argumente, die uns triftig erscheinen, anderen Menschen gar nicht einleuchten. Wir stellen fest, dass unser Lebens- und Denkstil, unsere Lebens- und Denkhaltung nicht per Anweisung, Belehrung oder Gesetz übertragen werden können. Wir verstehen, dass wir für unsere grundlegenden Einstellungen werben müssen und dass wir dafür viel Zeit, Geduld und nicht allein gute, sondern auch attraktive und interessante Ideen benötigen.“ 

Siehe: Steffen Martus: Aufklärung. Das deutsche 18. Jahrhundert – ein Epochenbild. 2018, Reinbek bei Hamburg. S. 16-17. 

 

329) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kap_der_Guten_Hoffnung 

 

330) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelmeerraum#Menschliche_Eingriffe 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Entwaldung_in_römischer_Zeit 

Vgl. ebenso: https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelmeerraum 

Vgl. des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Mittelmeerraumes 

 

331) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Macchie 

 

332) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Garrigue 

 

333) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Karst 

 

334) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelmeerraum#Klima 

Ausführlicher ist der Artikel auf der englischsprachigen Wikipedia: 

Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Mediterranean_climate 

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Cs-Klimate 

 

335) Siehe: Jared Diamond: Kollaps – Warum Gesellschaften überleben oder untergehen. 5. Auflage 2020, Frankfurt am Main. S. 525. 

 

336) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Stellenbosch 

 

337) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hugenotten 

 

338) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kapholländische_Architektur 

 

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Rucksackreise Südliches Afrika - Ein Reiseerlebnisbericht. Textversion 03 vom 24.02.2026.
Mein Reiseerlebnisbericht kann mit zahlreichen Fotos auf meiner Internetseite aufgerufen und gelesen werden:
https://manfredsuchan.net/suedliches-afrika
Dort kann zudem mein Reiseerlebnisbericht im PDF-Format herunter geladen werden. 

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Manfred SUCHAN

Geograf

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Über meine Reisen berichte ich auf meinen Internetseiten:

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Am Kap der Guten Hoffnung am 25.12.2025 während meiner Reise durch Teile des südlichen Afrikas im November und Dezember 2025.


On the high plateau of Table Mountain (1086 m) with a view south towards the Cape of Good Hope on November 4, 2025 during my travel through parts of southern Africa in November and December 2025.

Backpacking Travel 

Southern Africa

 

A Travel Experience Report

 

by Manfred Suchan

  

1. Introduction

 
From 28 October 2025 to 28 December 2025, I undertook a two-month backpacking travel in the geographical region of southern Africa (1). When I travel, I do not visit countries or states, but rather geographical regions (2) that I have defined myself, and this is a matter of scientific categorisation (3) and classification (4). While, for example, in the historical sciences, categories are formed in the form of historical ages and epochs, which, like any scientific categorisation, must be distinguished from one another according to significant, comprehensible and convincingly justified criteria, in geography these are geographical spaces (5) and geographical regions.
 
Since reality (6) in the world (7) can be understood (8) as a process occurring in four dimensions (space and time), my interest in cognition (Erkenntnisinteresse) (9) is focused on getting to know these geographical regions both as natural and cultural geographical units and as historical units, also in order to be able to compare them with other geographical regions (10). I use travel guidebooks (11) to plan and carry out my travels. My travels include city excursions and visits to museums and memorials. The aim is to conduct historical research at the original geographical sites of historical events, a method that can be traced back to the historian and geographer Herodotus of Halicarnassus (c. 480 – 430 BC) (12).
 
The modern history of southern Africa has been shaped by its location on the global shipping and trade route between Europe and southern and south-eastern Asia, which has existed since early modern times (13). Very little is known about the period before the arrival of Europeans in southern Africa, and with a few exceptions, such as Egypt, this applies to the entire African continent (14). While the history of Egypt (15) has been extensively researched and documented, little has been done to date in this regard for the history of Nubia (16), Ethiopia (17) and other neighbouring regions in Africa. As a result of the so-called „Islamic expansion“ (18), the history of Nubia was buried, and the history of Ethiopia was cut off and isolated from the common historical developments in Europe and Asia.
 
This travel was my first travel to southern Africa. Previously, I had only travelled to northern and north-western Africa, particularly Egypt and Morocco, furthermore Mauritania, Senegal and Gambia. Now I visited South Africa, Namibia, Botswana and Lesotho on a round travel.
 
My travel through parts of southern Africa I carried out as a backpacking travel (19) using public transport. Backpacking has been particularly popular since the 1960s and 1970s, when young people with rucksacks and small travel budgets undertook long-distance travels, overland journeys (20) and adventure travels (21), e.g. on the so-called „hippie trail“ (22) from Europe through Asia and often on to Australia. As usual on my travels, my travel through parts of southern Africa was self-organised. I am convinced that only self-organised travels guarantee the indispensable immediacy that enables the greatest possible authenticity of perceptions, adventures (lived experiences) (Erlebnisse) (23), experiences (Erfahrungen) (24) and insights (Erkenntnisse) (25), whereby travel is a means to (Welterlebnis), world experience (Welterfahrung) and world insight (Welterkenntnis).
 
Modern tourism has its roots in the educational ideal of the Age of Enlightenment (Aufklärung) (26) and the desire to experience, explore and understand the world, as any theory of tourism can confirm (27). Today, global tourism, based on the general freedom to travel (28) as a global civil right and a universal human right, makes a significant contribution to civil society in terms of international understanding (Völkerverständigung) (29) and contributes to the formation of a peaceful global society. This means that tourism, like education, is untimely actual, insofar as tourism, like education, succeeds in escaping industrialisation.
 
Today, however, tourism largely fails to fulfil its intention of providing a world experience, world knowledge and world awareness (Welterlebnis, Welterfahrung, Weltrerkenntnis), as tourism is undergoing progressive industrialization through the tourism industry. The tourism industry is part of the consumer culture (30) of advanced industrial society, and it markets distractions, diversions and shallow pleasures. Tourists are incapacitated and manipulated by the tourism industry, which prevents intellectual reflection. In the tourism industry, booking figures determine what can be achieved and implemented, and in line with the general social trend, this is becoming increasingly meagre and low-brow, because our consumer culture in advanced industrial society, and thus the horizon of our perceptions, experiences and insights, is characterised by distractions, diversions and shallow pleasures. This overall social trend is reinforced by the fact that, following the technocratic „Bologna Reform“ (31), the social role of education and science has been transformed into that of a mere appendage to the economic process in the European large economic area (Europäischer Großwirtschaftsraum) administered by the European Union.
 
Thus, self-organised backpacking travels are an alternative both to the mainstream tourism industry, which is pursuing the progressive industrialisation of tourism, and to the education sector, which is standardised according to educational economic premises and designed for specific purposes as part of the consciousness industry (Bewußtseins-Industrie) (32).
 
In southern Africa, travel by public transport is limited to the main routes between major cities, and it is not possible to reach remote and peripheral destinations and attractions by public transport in southern Africa. As the tourist infrastructure in southern Africa is highly geared towards travelling in private vehicles, most tourists there hire a car, which allows them to reach remote places and attractions that would otherwise be almost impossible to reach. Expensive off-road vehicles with roof tents are particularly popular with tourists in southern Africa. Public transport, i.e. coaches, is limited to the main routes between the larger cities, or you can book a place on an organised tour, which is comparatively expensive.
 
In contrast to the ubiquitous rental cars that almost all tourists use to get around in southern Africa, I was impressed by the few bicycle travellers I encountered during my travel to southern Africa, who were on long-distance cycling travels (33) lasting several months with their touring bikes. They particularly impressed me because I myself enjoy cycling travels. In Swakopmund, I met Clément from Bordeaux, who was on a two-year travel around the world, covering the distances over land with his touring bike and the distances across the oceans as a crew member on sailing ships. When we met in Swakopmund, he was on his way back from Cape Town through western Africa to Bordeaux (34). In Windhoek, I met Gustavo from Mexico, who was travelling from Morocco through West Africa to Cape Town on his touring bike (35). I also met Wiebke in Botswana with her touring bike, who had recently cycled from Freiburg through West Africa to Cape Town (36).
 
During my travel to southern Africa, it proved useful to bring a small tent that I could use at campsites, and also hostels often offer camping facilities on their premises. Camping with a small tent is the most cost-effective form of accommodation in southern Africa, even compared to hostel dormitories. It also gives me an alternative place to stay when the peak travel season begins in southern Africa in early December and accommodation can be fully booked.
 
I write travel reports about my journeys, my adventures, experiences and insights (Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse), such as this travel report about my travel through parts of southern Africa. Such travel experience reports are necessary and essential because in modern mass societies, the mass media determine public opinion and thus determine what we should accept and take for granted as unquestionable facts and what we should believe to be the truth. Others, in particular the mass media, the state, especially through compulsory education, and, increasingly worldwide, religions, determine and shape our world view (Weltbild) and our world outlook (Weltanschauung). In all areas today, we are being incapacitated by specialists and experts, and our own research and investigation are essential in order to be able to form our own independent and competent, well-founded and reasoned opinions without guidance from others. We are called upon to inform ourselves about what is ihe case in the world and to find out for ourselves how the world is constituted. This is a prerequisite for enlightenment (Aufklärung) to be possible and successful, and for the project of enlightenment (37) to be continued after its interruption in the extreme 20th century (38). Only those who have seen the world for themselves can reach at their own world outlook (Weltanschauung). That is why inspirations for eventful, experiential, insightful, boundary-crossing and horizon-broadening journeys are necessary and essential today, and my travel reports are intended to provide such inspiration.
 
Such suggestions are particularly necessary and important today: we are increasingly living alienated from nature in artificial, urban environments and virtual realities of the digital age, which predispose, shape and form our perceptions, experiences and encounters. The urban lifestyle is characterised equally by alienation from nature, alienation from the body and lack of exercise. Decades of car-friendly planning have made our cities inhospitable, noisy, hectic, aggressive and ugly. The architectural violence of urban planning landscapes pre-forms urban society. In urban ghettos, people are managed, monitored and controlled. Consumer culture produces and markets distractions, diversions and shallow pleasures, and we are constantly subject to the influence and manipulation of the mass media in a mass society. The ability and willingness to be alone and lonely, to enjoy peace and quiet, to find oneself, to reflect and to think has been lost. In a permanently accelerated society, we rush through the landscapes in our cars, which, shielded from our sensory perceptions, are only fleetingly noticed through the windscreen. Any intensity and authenticity in the perception and experience of the „world“, “nature” and „reality“ has been lost in advanced industrial society, and this is now reaching entirely new dimensions, intensities and qualities of human alienation in the dawning digital age.
 

2. Contents

 
  1. Introduction  
  2. Contents  
  3. Cape Town, port metropolis on the maritime route between Europe and India 
  4. Windhoek and Swakopmund: cities founded in the wake of the Berlin Congo Conference of 1884/85 
  5. Etosha and the myth of Africa as a natural paradise 
  6. Through the „Caprivi Strip“ to Victoria Falls 
  7. Pretoria or: The Boer republics and the „scramble for Africa“ 
  8. Johannesburg: From gold rush to megacity  
  9. Diamond rush and geopolitics in Kimberley  
10. Bloemfontein: The Second Boer War, a primordial catastrophe of the extreme 20th century 
11. Through the highlands of Lesotho and over the Drakensberg Mountains 
12. Along the coast of the Indian Ocean back to Cape Town 
13. Notes 

 
3. Cape Town, port metropolis on the maritime route between Europe and India

 
I began my journey through southern Africa in the port metropolis of Cape Town (39), which today has a population of around 450,000. I flew to Cape Town from Berlin-Brandenburg Airport (BER) via Paris (CDG). The flight distance from Paris to Cape Town is approximately 10,000 kilometres. This flight took place at an altitude of approximately 12,000 metres, with an outside temperature of up to -55 °C and a flight speed of up to 1000 km/h at times. As usual, my luggage for this backpacking travel consisted of a large rucksack, which weighed 11.7 kilograms when I checked it in at the airport, a small daypack, and my Panasonic Lumix DMC G2 digital camera.
 
We arrived at Cape Town International Airport (CPT) on 29 October 2025 at 5:50 a.m. local time. The local time in southern Africa corresponds to our summer time (MEZ+1), so the clocks are set forward one hour. In the arrivals hall of CPT Airport, large posters featured South Africa‘s presidency of the G20 from 1 December 2024 to 30 November 2025. Passport control upon entry into South Africa at the airport was quick: passports were scanned electronically and travellers were then given an entry stamp, granting me a period of stay in South Africa from 29 September 2025 to 27 January 2026. Citizens of the Federal Republic of Germany do not require a visa to enter South Africa. There was no additional collection of biometric data, such as fingerprint and iris scans, which has been the case at many border crossings also in Europe since the events of 11 September 2001. The distance from CPT Airport to the city centre of Cape Town is approximately 21 kilometres, and I wanted to take the MyCiti bus, which is recommended in my travelguidebooks as reliable and safe. There is a bus stop for this bus directly in front of the airport building. However, I learned that this bus had ceased operating on the route to the airport about two years ago. I then travelled from CPT Airport to Cape Town city centre in an Uber taxi, which are considered reputable and safe there, unlike other taxis. As the taxi driver told me, Uber taxis in Cape Town are not allowed to accept cash, and the fare agreed before the journey must be paid by card only.
 
I spent seven days in Cape Town at the beginning of my travel and another three days at the end, going on excursions and visiting various museums and memorials. Cape Town presents itself as a cosmopolitan and international metropolis, located on a global shipping and trade route between Europe and South and Southeast Asia that has existed since early modern times. The city of Cape Town was founded in 1652 at the instigation of the Dutch East India Company (VOC) (40), which established a supply station here on the sea route from Europe to India.
 
During my city excursions in Cape Town, the Dutch East India Company (VOC) and its history were a recurring theme. First, I arrived at Company‘s Garden, which formed the centre of the Dutch settlement at the Cape. The garden was laid out in 1652 to supply fresh vegetables to the sailing ships of the Dutch East India Company (VOC) travelling between the Netherlands and India.
 
Then, on 29 October 2025, I visited the „Castle of Good Hope“, an early modern citadel built by the Dutch East India Company (VOC) between 1666 and 1679 (41). This citadel was the headquarters of the VOC, and today it is the oldest surviving building in Cape Town and South Africa. The walls and bastions of the citadel are accessible, offering a panoramic view of parts of Cape Town. The rooms of the citadel house several museums and exhibitions, which I visited. As a historical exhibition in the citadel explains, the construction of the citadel was preceded by the VOC‘s commissioning of Jan van Riebeeck in 1651 to establish a supply station at the Cape for the VOC‘s sailing ships on their way from Europe around Africa and on to South and Southeast Asia. Portuguese sailors had already explored a sea route around Africa to India (42). Especially after the conquest of the world city (43) of Constantinople (44) in 1453 (45), the most important western terminus of the transcontinental Eurasian Silk Road trade (46), efforts in Europe to find alternative maritime trade routes from Europe to South and Southeast Asia had intensified. America was discovered as part of these efforts. At that time, Herodotus‘ report was well known in Europe, which states that Phoenicians circumnavigated Africa by ship around 600 BC.
 
The historical foundations and the cause of these developments, which gave rise to our current global conditions, lie in the decline of the Byzantine Empire (47) and the rise and expansion of the Ottoman Empire (48), a so-called Gunpowder Empire (49). The key date in this development is 1204, with the conquest of the world city of Constantinople (50) at the instigation of the maritime republic of Venice (51), which marked the beginning of the decline of the Byzantine Empire, culminating in the conquest of Constantinople in 1453. The global historical role and function of the world city of Constantinople, protected since 413 AD by the Theodosian Wall (52) and the most important western terminus of the transcontinental Eurasian Silk Road trade, in late antiquity and the Middle Ages is the subject of both political geography (53) and global history (54).
 
The (Eastern Roman) Byzantine Empire, and in particular the world city of Constantinople, the most important western terminus of the transcontinental Eurasian Silk Road trade, which had been protected by the Theodosian Wall since 413 AD, played a role and function as a bulwark towards the East in Europe during late antiquity and the Middle Ages for many centuries until the fall of the Byzantine Empire. In 447 AD, the Theodosian Wall held back the invasion of the Huns (55), who then invaded the Western Roman Empire (56) instead of the Eastern Roman Empire. Then, during the Arab expansion (57) in the seventh and eighth centuries, the two sieges of the world city of Constantinople, protected by the Theodosian Wall, by Arab armies in 674–678 (58) and 717/718 (59) failed, ending the advance of the Arab armies towards Europe. The repelled sieges prevented the conquest of the Byzantine Empire and thus an Arab invasion of Europe via the Balkans. The Arabs now bypassed the Byzantine Empire to the south during their expansion, reaching Europe via the Iberian Peninsula. The Mongols bypassed the Byzantine Empire to the north during their expansion in the 13th century (60), although their expansion in Europe could not be stopped (61). Such an invasion of Europe later became possible only for the military empire (Gunpowder empire) of the Ottoman Empire following the conquest of the world city of Constantinople in 1453, enabling the Ottoman Empire to expand with its slave armies (62) to the gates of the city of Vienna (63).
 
The beginning of the decline of the Byzantine Empire was marked by the conquest and sacking of the world city of Constantinople in 1204 at the instigation of the maritime republic of Venice, a historic milestone with far-reaching consequences that shaped the global conditions of the present day. The conquest and sacking of the world city of Constantinople in 1204 during the Fourth Crusade (64), in which the maritime republic of Venice played a decisive role, and the establishment of the Latin Empire (65) heralded the decline of the Byzantine Empire, and this decline came to an conclusion with the conquest of Constantinople by the expanding military empire of the Ottoman Empire in 1453. The conquest of Constantinople in 1453 is considered a milestone in the transition from the Middle Ages to modern times. As a result of the conquest of the world city of Constantinople, the most important western terminus of the transcontinental Eurasian Silk Road trade, maritime trade routes shifted from the Mediterranean to the Atlantic, where new maritime and trading powers emerged and gained international standing, and the maritime republic of Venice lost its role as the dominant maritime and trading power.
 
Throughout the Middle Ages, the princes and states of Christian Europe, located in the shade of the protection by the Byzantine Empire, were able to compete with each other for territorial and economic advantages and wage war against each other for these reasons, until the Byzantine Empire itself fell victim to this practice, as the events of 1204 and their far-reaching global historical consequences show. Under the protection of the Byzantine Empire, Christian Europe existed in self-centred isolation from the rest of the world during the Middle Ages, and compared to antiquity, knowledge of the world in Christian Europe was considerably less extensive during this period. First with Marco Polo‘s journey (66) that interest in Asia increased again in Europe. With the fall of the Byzantine Empire, Europe was now confronted with the rest of the world and had to improve its extremely inadequate knowledge of the world and broaden its horizons.
 
The consequences of the conquest of the cosmopolitan city of Constantinople and the fall of the Byzantine Empire, especially for the maritime republic of Venice, which was the dominant maritime and trading power in the Mediterranean at the time, were not foreseeable at the time, but were very far-reaching: Maritime trade and shipping routes shifted from the Mediterranean to the Atlantic, the maritime republic of Venice lost its importance as the dominant maritime and trading power in the Mediterranean, and new maritime and trading powers rose in the Atlantic. First, it was the Kingdom of Portugal (67) that replaced the Maritime Republic of Venice as the dominant maritime and trading power (68). Later, the Kingdom of Portugal was displaced and replaced as the dominant maritime and trading power by the Dutch East India Company (VOC).
 
In addition to the historical exhibition, the early modern citadel „Castle of Good Hope“ houses the „William Fehr Collection“, which mainly displays paintings offering historical views of landscapes, people and social conditions in the Cape region. There is also a „Military Museum“ here, which focuses on military conflicts in the Cape region. There is also the „Camissa Museum – a Camissa African centre for restorative memory“ (69). This museum focuses on the diverse migrant society that has developed in southern Africa, and particularly in the metropolis of Cape Town, over several centuries. The extensive information provided by this museum presents and discusses aspects of historical development and its impact on society.
 
On 1 November 2025, I also visited the slavery museum in the former „Slave Lodge“ (70). This Slave Lodge was built in 1679 by the VOC to house the slaves it kept, whose initial task was to tend the Company‘s Garden. The museum focuses primarily on the history of slavery in the Cape, which is covered extensively in 18 themed rooms. At the back part of the museum, a timeline places the beginning of this history of slavery in 1444 in Portugal, in the city of Lagos at the Mercado de Escravos (slave market). No reason is given as to why this particular point in time and space within the history of slavery has been singled out and highlighted. However, in order to deal with the phenomenon of slavery (71) appropriately and understand it meaningfully, the horizon of observation must be broadened in terms of its geographical breadth and historical depth.
 
Within human history, slavery became a mass phenomenon and a mass fate in the early civilisations in the wake of the Neolithic Revolution and the subsequent emergence of cephalic, hierarchical, division-of-labour, bureaucratically administered and state-organised societies. Particularly in the form of slavery, whereby humans are turned into beasts of work, the process of domestication engulfs humans themselves (72). In Europe, the institution of slavery largely came to an end in late antiquity with the spread of Christianity. However, slavery continued to exist in the Middle Ages in the peripheries of Europe and especially in the expanding Islamic empires, which were oriental despotisms and slave-owning societies (73), such as the military empire of the Ottoman Empire, which engaged in extensive slave import trade, especially with slaves from Eastern Europe and Africa. Among those involved in this slave import trade to the Ottoman Empire was the maritime republic of Venice, which maintained slave markets on its territories in the Mediterranean region.
 
The basis for the emergence of modern (colonial) slavery was the establishment of long-distance trading companies (74) in European states as part of a mercantilist economic and trade policy (75) during the age of absolutism (76). The best-known long-distance trading companies were the British East India Company (77), founded in 1600, the Dutch East India Company (VOC), founded in 1602, and the French Compagnie des Indes Orientales (78), founded in 1664. These long-distance trading companies sought to control and monopolise large parts of maritime trade, and they were granted extensive, quasi-state privileges by the kings of the states, including trade monopolies, the right to equip merchant and warships, the right to establish and maintain their own military forces, ownership rights to conquered territories, the right to mint their own coins, and the right to their own jurisdiction. In their conquered overseas territories, these long-distance trading companies practised slavery, which had been banned and frowned upon in Europe since late antiquity, as part of their business model and to maximise their profits, beyond any controls and ethical barriers, and they participated in the slave trade with slaves they bought at slave markets passed and found outside Europe (79). This modern (colonial) slavery spread outside Europe along with the expansion of the plantation economy (80). Modern (colonial) slavery, as well as slavery worldwide, came to an end with the success of the global civil rights movement of abolitionism (81).
 
This connection between the emergence of modern (colonial) slavery and the establishment of long-distance trading companies is explored in a current special exhibition in the entrance foyer of the Slavery Museum in the former Slave Lodge, entitled „The Names of Freedom“. It shows how slaves lost their previous identity and were turned into objects, among other things by having their names changed. Using the example of the island of Réunion and the French „Compagnie des Indes Orientales“, founded in 1664, the exhibition shows how absolutist rulers, in this case Louis XIV, established and promoted long-distance trading companies with far-reaching powers as part of a mercantilist trade and economic policy. In their conquered overseas territories, these long-distance trading companies practised slavery, which had been banned and frowned upon in Europe since late antiquity, as part of their business model and to maximise their profits, beyond any controls or ethical barriers.
 
The French long-distance trading company „Compagnie des Indes Orientales“ is a central theme in the town of Lorient in southern Brittany and in the small neighbouring town of Port-Louis (82), which I visited during my cycling travel through the southern North Sea region in the summer of 2022. Following the founding of the Compagnie des Indes Orientales in 1664, the port city of Lorient was established as a trading port in 1666, which then served as „France‘s gateway to the world“ for around a century. The basis for the establishment of long-distance trading companies within the framework of a mercantilist economic and trade policy in the age of absolutism was the increasing need for money on the part of the absolutist state, because the absolutistical ruling king needed ever more extensive financial resources for the expansion and development of his unlimited power both externally and internally.
 
Growing financial resources were needed in particular to maintain standing armies (83) in the new territorial states (84) that emerged during the age of absolutism, and to secure the borders of these new territorial states with numerous new and expensive citadels. For example, the Kingdom of France, a modern territorial state, was surrounded during the reign of King Louis XIV (1638-1715) (85) by more than 160 modern fortifications (citadels) planned by master builder Sébastian Le Prestre de Vauban (1633 - 1707) (86). Vauban had developed modern fortification (citadel) construction into a modern science. Twelve of Vauban‘s fortifications have been UNESCO World Heritage Sites since 2008 (87). These modern fortresses, together with standing armies and precisely measured and permanently militarily guarded border lines, are a characteristic feature of the modern, absolutist and centralised state, in contrast to the medieval person association state (Personenverbandsstaat) (88). The architecture of the modern citadel was particularly influenced by the advent of cannons with great destructive power (Gunpowder Empires). The advent of cannons with great destructive power also heralded the decline of free and independent cities (89), whose freedom and independence could no longer be protected by city walls as they had been in the Middle Ages.
 
In the citadel of the small town of Port Louis, the „Musée de la Compagnie des Indes“ is dedicated to historical contexts, which I visited on 27 August 2022. Modelled on the Dutch East India Company (VOC), which was founded in 1602, the French Compagnie des Indes Orientales was founded in 1664 and had its headquarters in Port Louis at the mouth of the Blavet River. As early as 1666, the port city of Lorient had been built on the opposite side of the river as a planned city and trading metropolis. From here, the Compagnie des Indes Orientales participated in trade with Asia, importing spices, tea and porcelain in particular, as well as in trade across the Atlantic, where slaves, sugar and coffee were the most important commodities. The exhibition at the „Musée de la Compagnie des Indes“ highlights the growing importance of maritime trade, the establishment of long-distance trading companies in Europe, the significance of the city of Lorient for France‘s maritime trade, as well as the commodities and the conditions and circumstances of this maritime trade. In the course of this maritime trade, the plantation economy expanded and with it the slave trade, especially across the Atlantic to America, and this slave trade is also the subject of the exhibition.
 
In Cape Town, the Victorian-era harbour area, the „Victoria & Alfred Waterfront“, is a popular tourist destination. There is a „Nelson Mandela Gateway“ here, from which you can take a ferry to Robben Island (90), about 11 km away. I took such a tour with a visit to Robben Island on 3 November 2025. Robben Island was used as a penal colony from the 17th century onwards, most recently until the early 1990s as a prison for opponents of the apartheid regime (91), including Nelson R. Mandela (1918-2013). The „Nelson Mandela Gateway“ building houses an exhibition on the theme of „Robben Island of the 20th Century“, which focuses on developments on Robben Island in the context of political change in South Africa. The exhibition begins with the founding of the Union of South Africa in 1910 and ends with the establishment of a museum on Robben Island and its declaration as a UNESCO World Heritage Site in 1999. Undoubtedly, the history depicted in this exhibition is part of the „extreme“ 20th century (92).
 
Robben Island can be visited as part of organised tours and guided tours. These include a bus tour that passes the prison buildings, the buildings for the guards, and a quarry where prisoners were forced to perform forced labour. The highlight of the tour is the subsequent visit to the prison complex as part of a guided tour led by former prisoners.
 
This total institution (93) represents three manifestations or types of total institutions simultaneously: 1. The prison (94), 2. The camp (95), 3. The penal colony (96). Such total institutions, including NS concentration camps, are similar in structure; they are built according to the architectural concept of panopticism (97) with the aim of total surveillance and control of prisoners. In order to analyse the respective regimes within such total institutions, among which there can be considerable differences, it is not sufficient to consider their very similar architecture. The reports of (former) prisoners are of paramount importance in this regard, as they enable us to grasp the respective character of the regime of the respective total institution and to compare it with the regimes of other total institutions.
 
Total institutions are still regarded today as a matter of course, as necessary and without alternative for the „normal functioning“ of industrial society, but in fact they are forms of organised crime. The example of the condemnation and abolition of slavery shows that existing social conditions and circumstances can be changed and humanised, and with an appropriate policy of abolitionism, total institutions, especially prisons, criminal law and punishment can also be abolished (98).
 
On 30 October 2025, I also visited the excellent South African Museum in Cape Town, which offers a wide variety of exhibitions in its two departments, a large and extensive natural history department and an ethnographic department (99). This museum is undoubtedly one of the best and most worth seeing museums in southern Africa. Among the best and most worth seeing museums in southern Africa, I would also highlight the Swakopmund Museum in the city of Swakopmund, the Kimberley Mine Museum in the city of Kimberley, the Anglo-Boereoorlog Museum (War Museum of the Boer Republics) in the city of Bloemfontein, the East London Museum in the city of East London and the Maritime Museum in the city of Mossel Bay, which I visited during the course of my travel, along with other museums.  
 
The ethnographic section of the South African Museum focuses primarily on rock art (100), which is found in abundance in southern Africa and throughout the rest of the continent. Rock art has been produced since the Upper Palaeolithic period and can be found on every continent except Antarctica. The San (Bushmen) (101) and Aborigines continue to produce rock art to this day. Our knowledge of prehistoric cultures is extremely limited, and archaeologists painstakingly reconstruct aspects of what is known as „material culture“ (102). However, archaeologists cannot make any statements about so-called „immaterial culture“. Rock paintings are used to draw conclusions about aspects of „immaterial culture“.
 
The museum‘s extensive natural history department offers a wide variety of exhibitions. The main exhibition focuses on the habitats of the sea and the savannah. The marine section provides a detailed presentation of sharks and their diverse biological characteristics. Whales are also a key theme, with several giant whale skeletons on display in a large hall. The savannah section (103), a landscape that covers a quarter of the African continent, focuses on the ecological relationships between the numerous different animals that live in the savannah, which also shape the landscape. The South African Museum also has a mineral gallery and an exhibition entitled „The Sea and Us“, which focuses on the importance of the Atlantic and Indian Oceans for South Africa. Another extensive exhibition is dedicated to the South Polar region in the context of South Africa‘s membership of the Antarctic Treaty (104) and the polar research taking place within this framework, with South Africa maintaining research stations in Antarctica, on Marion Island and on Gough Island. Other exhibitions focus on dinosaurs and the origin of mammals. A small exhibition entitled „Darwin and the Cape“ presents in detail the naturalist Charles R. Darwin (1809-1882) (105), his biography as a scientist and his research voyage on the ship „Beagle“ from 1831 to 1836 (106), during which Darwin also visited the city of Cape Town and its surroundings.
 
On 31 October 2025, I also visited Kirstenbosch Botanical Gardens (107). I got there on the „Blue Mini Peninsula Tour“, which is offered daily by City Sightseeing Cape Town and runs every 20 minutes on double-decker buses. City Sightseeing Cape Town also offers another, slightly shorter „Red City Tour“, which also runs daily at 20-minute intervals. On both tours, you can interrupt the tour at various stops and get off, then continue the tour with one of the buses that follow at 20-minute intervals. One of the City Sightseeing bus stops is located at the Cape Town Tourism information centre at 81 Long Street (stop no. 5), where I boarded. The „Blue Mini Peninsula Tour“ bus travels clockwise around Table Mountain (1086 m), passing the University of Cape Town campus, among other sights. The visitor centre of the Kirstenbosch Botanical Gardens (Gate 1) is located at stop no. 20, where I got off to visit the botanical gardens.
 
This large botanical garden, opened in 1913, stretches across a hillside in the south-east of Table Mountain and has been a UNESCO World Heritage Site since 2004. An extensive network of paths connects the sprawling garden, including a tree canopy walkway through the treetops. There are connections to the network of hiking trails in the vicinity of Table Mountain (1086 m), which also lead up to it. Numerous information boards (mostly in English, some also in three languages) provide information on individual plants and various other topics. You can easily spend a whole day in this extensive botanical garden without seeing everything.
 
The Kirstenbosch Botanical Garden represents in particular the plant community known as „fynbos“ (108), a species-rich plant community restricted to the Cape region. Kirstenbosch Botanical Garden provides a good impression of this diverse plant community, which occupies a large part of the botanical garden‘s area. The fynbos plant community is characterised by an extremely high diversity of species, most of which are endemic, occurring only in a small area of the Cape region and nowhere else. The „fynbos“ is an important part of the Cape flora. The flora of the Cape region (109) is known as „Capensis“ and is by far the smallest of a total of six floristic regions (110) worldwide, with predominantly endemic species that occur only here in the limited area of the Cape region and nowhere else. Due in particular to their spatially limited occurrence, many of the endemic plant species of the Cape flora are now threatened with extinction. The expansion of settlement and transport areas is further restricting the limited habitat of the plants of the Cape flora, and in the past, extensive pine monocultures have been planted in the Cape region in place of the „fynbos“ in order to obtain timber.
 
I ended my visit to Kirstenbosch Botanical Gardens in the late afternoon so that I could catch the last City Sightseeing bus at 4:51 p.m. from stop no. 20. The journey now took me south of Table Mountain (1086 m) in a south-westerly direction to the harbour town of Hout Bay. The forest areas we passed through consist mainly of pine monocultures. Today, efforts are being made to reduce these pine stands in order to give the endangered Cape flora and fynbos more space to regenerate. Eucalyptus is also common, invasive neophytes (neobiota) (111) from Australia, which are now frequently found throughout southern Africa. The weather was now cool and cloudy, with occasional rain. The bus journey now followed the north-west coast below the cliffs of the „Twelve Apostles“ back to Cape Town.
 
On 4 November 2025, I climbed the 1,086-metre-high Table Mountain (112), which towers over the city of Cape Town, as part of a hike that I started in Cape Town city centre. On my way through Cape Town to Table Mountain, I passed through residential areas where the properties are surrounded by electric fences, as indicated by signs. Other signs refer to „Neighbourhood Watch“ concepts and security services with an „Armed Response“ concept. The reason for such security regimes is the extremely high crime rate in southern Africa, especially in the Republic of South Africa, which has had the highest crime rate in the world since the end of apartheid. As in all cities in South Africa, the city centre of Cape Town has been largely abandoned by residents of European origin, who have retreated to guarded residential estates outside the city centres behind high, often multi-row fences and walls. The high crime rate shapes and determines the daily routine of people in South Africa, which begins at sunrise if possible so that it can be finished before sunset, because when it gets dark, no one in South Africa stays outdoors anymore, but only in secure and guarded buildings. Tourists are also strongly advised to make this a habit, which I consistently adhered to during my travel through southern Africa.
 
The hiking trail I took to Table Mountain (1,086 m) leads through the Platteklip Gorge on the north face of Table Mountain, near a cable car built in Switzerland that goes up to the plateau of Table Mountain. This hiking trail is in good condition and well signposted. Stones on this path are often arranged in steps and loose scree is secured with wire mesh. There were a few hikers here, although the majority of tourists use the cable car.
 
I reached the plateau of Table Mountain at Fontain Peak (1,051 m). The terrain on the plateau is rocky, and only low vegetation grows here. The marked hiking trails are mainly used by tourists who have taken the cable car up. I followed a hiking trail that leads across the plateau towards the southeast to the highest point, Maclear‘s Beacon (1086 m). Then I reached the western summit of Table Mountain (1073 m) near the cable car station. Various vantage points on the plateau of Table Mountain offer sweeping views over the city of Cape Town and the surrounding landscape of the Cape. There are numerous other hiking trails in the vicinity of Table Mountain. Table Mountain, together with the Cape of Good Hope to the south, is now a nature reserve.
 

4. Windhoek and Swakopmund: Cities founded as a result of the Berlin Congo Conference of 1884/85

 
I travelled by coach from Cape Town to the city of Windhoek in Namibia. I travelled with the coach company „Intercape“. It is the only coach company in southern Africa whose coaches travel from South Africa across borders to neighbouring countries, including Namibia and through Namibia. Intercape‘s routes cover the main routes in a large part of southern Africa, comparable to Flixbus in central Europe. Intercape‘s coaches are in consistently good condition and the timetables are usually adhered to. Unlike Flixbus, Intercape also has offices at almost all bus stations and stops, where tickets can be purchased easily without having to use the internet.
 
Due to the long distance of around 1,400 km from Cape Town to Windhoek, many travellers prefer to fly. However, I was interested in seeing the changing landscape on this route from Cape Town to Windhoek. Fortunately, I had a seat at the front of the upper deck of the double-decker bus. During this long bus journey of more than 24 hours, there were several breaks, which can be used to divide the journey into sections.
 
The first stage from Cape Town to Piktberg led through a largely agricultural landscape dominated by cattle grazing and grain cultivation, with very large areas of agricultural land, giving the agricultural landscape a uniform monotony. Due to the particularities of the agricultural constitution (113) and the agricultural history (114) of rural areas (115) in Europe from the Middle Ages to the early modern period, such large-scale agriculture developed largely only outside Europe, in particular through the expansion of the plantation economy (116) and its monocultures (117), and in settlement colonies (118), such as in the USA, but also in South Africa and Namibia. It was not until the modern era that large-scale agro-industrial enterprises also began to emerge in Europe as a result of the ongoing industrialisation of agriculture, land consolidation and the decline in the number of farms. In the eastern half of Europe, this process took place in the course of industrialisation (119) and the forced collectivisation of agriculture (120), following the example of the Soviet Union.
 
The permanent expansion of monocultures of industrial agriculture and forestry at the expense of traditional subsistence farming is the main reason for the rapid decline in species worldwide (121). Species extinction is the world‘s biggest ecological problem, ahead of so-called „climate change“, making it a key feature of the new geological epoch of the Anthropocene (122).
 
In this agricultural landscape between Cape Town and Piktberg, which originally had the character of an African savannah, a landscape type that covers a quarter of the African continent, there are now no woodland at all, and if there are a few scattered trees, they are almost exclusively eucalyptus trees, invasive neophytes (neobiota) from Australia.
 
Beyond Piktburg, the landscape along the N7 road becomes mountainous, and before reaching Citrusdal, the N7 crosses the Piekenierskloof Pass (519 m). The journey now continues through the Olifants River valley, which is framed by mountains. To the east, the Cederberg Mountains reach heights of up to 1971 m. The valley is dominated by citrus fruit plantations.
 
North of the village of Klaver, the mountains recede, the landscape becomes drier, and it takes on the character of a steppe. Agriculture is practiced only on a small scale here. The extensive sheep and goat farming found elsewhere in arid regions is here almost entirely absent. There are dry riverbeds, called “wadi” (123) in North Africa, which carry water only temporarily during rare rainfall events. This arid landscape, which in some parts resembles a semi-desert (124) and in others a dry savanna (125), continues northward into Namibia (126) as far as Windhoek.
 
The wait at the Noordoewer border crossing between South Africa and Namibia was unexpectedly lengthy, lasting 3.5 hours. In particular, the entry of all bus passengers into Namibia took a long time. Although South Africa and Namibia are part of a customs union, customs officers conducted extensive baggage checks on most passengers. My luggage was not inspected admittedly. In comparison, obtaining a visa on arrival was quick. Recently, citizens of the Federal Republic of Germany have required a visa to enter Namibia (fee: 1600 NAD), whereas previously, presenting a passport at the border was sufficient. At the border, the bus passengers learned that, currently, no food of animal origin was allowed into Namibia under the pretext of an animal disease outbreak.
 
My initial plan was to get off the bus in the small Namibian town of Keetmanshoop and then continue on to the port city of Lüderitz (127) to explore it. However, since the bus was scheduled to arrive in Keetmanshoop in the middle of the night, I abandoned this plan for the time being.
 
The landscape traversed during the journey is characterized by a semi-desert, partly by steppe. A vegetation cover that completely covers the ground is largely absent. North of the town of Mariental, the steppe-like landscape is characterized by low bushes spaced further apart. This arid landscape, clearly unsuitable for any agricultural use, is, as in South Africa, completely fenced off along the sides of the roads in Namibia. Before reaching the city of Windhoek, the bushes become larger, the ground is now completely covered with grasses, and the landscape takes on the character of a dry savanna. The city of Windhoek (128) is located at an altitude of 1650 meters in the central highlands of Namibia, which have an average altitude of 1700 meters. Here in the central highlands, the annual rainfall is approximately 300 to 500 mm. In the area surrounding Windhoek, the landscape is characterized by dry savanna.
 
As was the case most of my travel, I stayed in a backpacker hostel in Windhoek. These hostels are a place where you meet travelers from all over the world, often with extraordinary and impressive travel plans. There are usually opportunities to exchange experiences. In Windhoek, I met Gustavo from Mexico, who was cycling through West Africa from Morocco to Cape Town. He told me he had been waiting in Windhoek for five weeks for a visa to be issued for South Africa. He attributed this to his Mexican passport, which he said wasn’t highly regarded worldwide in terms of the freedom of travel it afforded, whereas, for example, citizens of EU member states with their passports have considerably better travel options globally. Indeed, the passports of different countries vary considerably in the degree of freedom of travel they grant their holders, with EU citizens faring comparatively well, as comparative studies show (129).
 
In Windhoek, I took city excursions of the historic city center, visiting sightseeings and museums. Several buildings from the period between the Berlin Congo-Conference of 1884/85 (130) and the First World War have been preserved here, when the territory of present-day Namibia was administered as a “protectorate” (131) by the German Empire (132) under the name “German South West Africa” (133). During my city tour, I visited Windhoek’s railway station, built in 1912, in front of which are several historic railway vehicles. I then reached the so-called “Turnhalle” (gymnasium). This building, constructed in 1913, now serves as a courthouse and was the site of the “Turnhallen-Konferenz” (134) in 1975, which initiated the process toward the independence of South West Africa. I then followed Independence Avenue through the city center, passing, among other things, the historic clock tower. Fragments of the Gibeon meteorite (135), discovered by geologists between 1911 and 1913, are on display there. I continued past the Zoo Park, where a memorial commemorates war dead who died in 1893-94, and then on to the former “Ausspannplatz”. This was formerly a turning point for ox-drawn carts, which were used for transporting goods before the construction of the railway.
 
I also visited the “Windhoek City Museum” in Windhoek on November 7, 2025. The focus of the exhibitions in the museum’s six exhibition rooms is the history of the city of Windhoek. It is noteworthy that a large part of the exhibitions are bilingual, in English and Finnish. The exhibition also explains that missionaries from Finland were active in Namibia in the past, and obviously a significant portion of the museum’s exhibits were created in cooperation with church organizations in Finland.
 
Furthermore, on November 8, 2025, I visited the “Independence Memorial Museum” (136). It is located between Christ Church, built between 1907 and 1910, and the „Alten Feste“ (Old Fort), built from 1890 onwards. Northwest of the museum lies the so-called „Tintenpalast“ (Ink Palace), the administrative building of the “protectorate” German South West Africa, completed in 1913, which today houses the Namibian Parliament. The viewing terrace on the upper floor of the museum building offers a panoramic view of the city of Windhoek and its surroundings.
 
Unlike the “Windhoek City Museum”, the Namibian “Independence Memorial Museum’s” exhibitions were not created in cooperation with church institutions in Finland. Instead, this museum was built and designed by a North Korean company and opened in 2014. Spread across three floors, this free-to-enter museum presents three exhibition sections: 1. Colonial Repression, 2. Liberation War, 3. Road to Independence, History Panorama. Using Namibia as an example, the museum depicts a process of “nation-building” (137), that is, the creation of a nation-state modeled on European examples - a process that is always lengthy and often accompanied by violent conflict. In the case of Namibia, this process of nation-building took place on a territory that had been created in the course of the “Scramble for Africa” and on the basis of the Berlin Congo-onference of 1884/85, without regard for ethnographic circumstances, and which was administered as a protectorate by the German Empire until the First World War. Subsequently, this territory was administered on behalf of the League of Nations (138) by the Union of South Africa (139), founded in 1910. The museum presents in detail the resistance of SWAPO (140), which also involved military action, against South African rule and the apartheid policies practiced in Namibia from 1948 onwards. These developments, ultimately mediated by the UN, resulted in Namibia’s state independence on March 21, 1990.
 
The question arises as to what extent the North Korean builders of the museum also conceived and designed the museum’s exhibition and thus shaped the historical narrative (141) presented. Undoubtedly, the developments depicted could also be presented differently, with different emphases and more extensive information.
 
The “Alte Feste” (Old Fort), located to the south of the “Independence Memorial Museum”, was the headquarters of the German Empire’s “Schutztruppe” (protection force) in the “protectorate” of German South West Africa. After the First World War, the building served as the headquarters of the military of the Union of South Africa. A museum was established here in 1962, but it was closed for renovations during my visit to Windhoek. Plans are in place to establish a “National Museum of Genocide and Colonial History” here. A “Genocide Memorial” already stands in front of the building. It commemorates the Herero (142) and Nama (143) uprisings in the German South West Africa “protectorate” between 1904 and 1908 and their suppression by the German Empire’s “Schutztruppe”. Whether these events fall under the definition of genocide (144) is the subject of ongoing controversial debate. The historian Hans Hilpisch demonstrates that these discussions are predominantly conducted with unverified claims and without knowledge of precise figures, especially the population size of the various ethnic groups and the development of these population figures in the past, without knowledge of the detailed course of historical events, and without knowledge of the geographical conditions, particularly in the Omaheke region (145).
 
Furthermore, it must be noted that genocides, colonial crimes, and also wars and tyranny often receive vastly different levels of attention in the public consciousness. For example, the undoubtedly largest colonial crime in Africa by far, the so-called “Congo atrocities” (146) in the “Congo Free State” (147) during the reign of Belgian King Leopold II (1835-1909) (148), with eight to twelve million dead, which corresponds to about half of the population of the Congo region at that time, is almost entirely absent from public awareness. The “Congo Free State” was assigned to King Leopold II, who presented himself as a philanthropist and promoter of scientific exploration of Africa (149), as a private colony in Berlin during the Berlin Congo Conference of 1884/85. This Berlin Congo Conference of 1884/85 took place in Berlin from November 15, 1884, to February 26, 1885, at the invitation of Chancellor Otto von Bismarck, in the age of imperialism (150) and within the framework of the geopolitical (151) “Scramble for Africa” (152).
 
Even in the European city of Brussels, the topic of the so-called “Congo atrocities” is consistently avoided, as was my impression during my multi-day visit to Brussels in July 2022, during my cycling travel through the southern North Sea region in the summer of that year 2022. For example, the Africa Museum (153), which was redesigned and reopened in 2018, largely ignores the issue under the pretext that there are no precise figures on the events, as I noticed during my visit to the museum on July 9, 2022. On the site where the Africa Museum is located, King Leopold II had organized a colonial exhibition on the “Congo Free State” during the 1897 Brussels World’s Fair (154).
 
The European Quarter of the European Union in Brussels lies between the “Leopold Quarter” and “Leopold Park”, surrounded by prestigious buildings commissioned by King Leopold II with the “proceeds” from his “Congo Free State”. But nowhere is there any indication of the historical context. Among these prestigious buildings stands out the Palace of Justice (155), financed by King Leopold II and inaugurated by him on October 15, 1883, as a symbol of the rule of law. In it, King Leopold II celebrated himself as a custodian of justice, while in his “Congo Free State” he subjected the people to a state of rightlessness and “special conditions of violence” (Besondere Gewaltverhältnisse) and forms of “special treatment” (Sonderbehandlung) in order to promote raw material extraction, and in particular rubber production (156), using genocidal methods. Comparable conditions and developments to those in the “Congo Free State” existed, albeit on a somewhat smaller scale, in the Amazon region with the “genocide in Putumayo” (157).
 
During the rubber boom, a system of debt slavery (aviamento) arose in the Amazon region as a consequence of rubber extraction, forcing large segments of the indigenous population to perform forced labor, resulting in the deaths of tens of thousands. For example, the forced labor regime of the “Peruvian Amazon Rubber Company”, headed by Julio César Arena del Águila, alone claimed the lives of more than 40,000 people on the Rio Putumayo (158). This brutality is surpassed not in its quality, but in its sheer quantity, only by the methods of rubber extraction in the Congo Free State during the reign of King Leopold II, which resulted in approximately 8-12 million deaths. The genocidal methods of rubber production have received little scientifically studied to date, and as I observed in Brussels, no effort is being made to address them.
 
The Great Terror in both the Congo region and the Amazon region, like Stalin’s “Great Terror”, proves to be part of the terror of the age of industrial modernity (159).
 
Southeast of the “Alte Feste” (Old Fortress) in Windhoek, there are three other large buildings dating from the period between the Berlin Congo Conference of 1884/85 and the First World War: Schwerinsburg, Heinitzburg, and Sanderburg. These are not open to the public, however, as they are privately owned. Conditions in the surrounding residential areas are similar to those in Cape Town: properties are enclosed by electric fences, as indicated by signs. Further signs refer to “Neighbourhood Watch” initiatives and security services with an “Armed Response” concept. The reason for such security measures is the extremely high crime rate in southern Africa, particularly in the Republic of South Africa, which has had the highest crime rate in the world since the end of apartheid. The Ludwig von Estorff House, built in 1898 and home to the Goethe-Institut, is also surrounded by an electric fence. The statue of former Governor Curt von Francois, which my guidebook indicated was located in front of the Windhoek City Hall, is no longer there. I also came across the so-called “Boer Monument” (Oudstryder Bittereinder Monument), which commemorates Boers who migrated from South Africa to South West Africa after the Second Boer War (1899-1902).
 
I also visited the Botanical Garden in Windhoek on November 8, 2025, where numerous plants and especially trees can be seen that are superbly adapted to the dry climates and habitats of Namibia, including various succulents (160) and so-called bottle trees. I was particularly impressed by the various acacia species, which can actively fold and unfold their pinnate leaves as needed.
 
Reference is also made to the connection between vegetation and climate, which is well known to geographers: the trees of the dry savanna in Namibia create a micro-habitat with a climatic zone where the temperature is up to 21 °C lower than in the (unforested) surrounding area. This confirms my own findings from various parts of the world regarding the climate impact of woods. Unfortunately, only geographers consider and study vegetation, climate, and soil in relation to one another. This integrative perspective in geography can be traced in particular to the geographer Alexander von Humboldt (1769–1859) (161). Regrettably, in contrast to the holistic (162) approaches of geographers, reductionist (163) perspectives dominate in other scientific disciplines. A special feature of this botanical garden is a separate “Desert House” showcasing plants from the Namib Desert.
 
On Monday, November 10, 2025, after a three-day stay in Windhoek, I continued my journey by bus to the coastal town of Swakopmund. The drive took me west along the B2 highway, close to a railway line. Gradually, the dry savanna that characterizes the area around Windhoek gives way to a steppe with small bushes. Beyond the town of Usakos, a semi-desert with only sparse vegetation dominates. It is striking that here, as on the drive from Cape Town to Windhoek, almost the entire landscape alongside the road is fenced off, even though it is clearly useless wasteland and desert. Nevertheless, there is no indication that this fenced land is used for any significant agricultural purpose; for example, I didn’t see any livestock during my drive. However, the herds of large animals that are typical of the savannah landscapes of Africa, including dry savannahs, are also absent here. From the Great Escarpment (164) in the west of the highlands, the terrain gradually descends to sea level on the Atlantic coast. Along the Atlantic coast, the Namib Desert (165) forms a desert strip 80 to 120 kilometers wide. The climate on the southwest coast of Africa is influenced by the cold Benguela Current (166), which makes temperatures in Swakopmund considerably cooler than in other parts of southern Africa. Fog is also very common and often persists throughout the day.
 
The town of Swakopmund (167) has approximately 70,000 inhabitants today. Swakopmund is a popular tourist destination, as numerous well-preserved buildings, including Art Nouveau buildings, from the historical period between the Berlin Congo Conference of 1884/85 and the First World War can be seen in the historic town center; the most famous are the Old Railway Station, the Hohenzollern House, and the Woermann House.
 
What impressed me most in Swakopmund was the Swakopmund Museum (168), which exist since 1951 and which I visited on November 11, 2025. The museum is considered the best museum in Namibia. All the exhibits relate to Swakopmund and Namibia. Visitors are provided with comprehensive and detailed information on each topic in three languages (English, German, and Afrikaans). The museum is particularly impressive due to its wide range of exhibits, including Namibia’s flora and fauna and vegetation zones, geology, mineralogy and earth history, archaeology, ethnography, settlement history, and maritime history. In the field of seafaring and maritime trade history, it is also pointed out here that the shift of maritime trade routes from the Mediterranean to the Atlantic and the establishment of new maritime trade routes around Africa at the transition from the Middle Ages to the modern era originated in the decline of the transcontinental Eurasian Silk Road trade, and this decline is linked to the fall of the Byzantine Empire and the expansion of the Ottoman Empire.
 
I also visited the “Living Desert Snake Park”. Numerous terrariums there house reptiles, especially snakes, native to southern Africa. Such opportunities to observe and learn about snakes up close in terrariums are undoubtedly a valuable tool for combating and dispelling widespread ignorance and prejudice about snakes. Unfortunately, I encountered very few other visitors there.
 
There are several tour operators in Swakopmund, and among them, a half-day tour into the adjacent Namib Desert called the “Living Desert Tour” is offered by several of them. I participated in this tour on November 13, 2025. Participants have the opportunity, guided by experienced and knowledgeable local tour guides, to learn about the unique flora and fauna of the Namib Desert, which is largely a full and true desert. The tour begins south of Swakopmund at the dry Swakop River. We learned that the river had last carried water briefly in April 2025. However, the gravel bed of the riverbed still contains water, so bushes and trees grow there, and animals graze there, including dromedaries belonging to tour operators.
 
To the south, the vegetation quickly becomes sparser. First, there are numerous small, vegetation-covered hills, the largest of which, known as “tamarisk hills”, can reach heights of several meters. These are the same tamarisk trees that shape and define the landscape in the arid regions of North Africa. Smaller, vegetation-covered hills and dunes are formed by various other drought-resistant plants. While the tamarisk trees can access deep soil moisture through their very deep roots, other plants in the Namib Desert rely primarily on the moisture available near the surface in the mornings in the form of fog and dew.
 
The Namib is a geologically ancient desert, approximately 50 million years old. The sand that forms the Namib dunes has a long journey, as we learned on the tour. A large portion of the sand originates in the Drakensberg Mountains; it was transported by the Orange River (169) to the coast of southwest Africa and then distributed along the coast by the Benguela Current. Over long periods, the prevailing westerly winds blew the sand eastward from the coast, creating the Namib dunes, which are slowly migrating eastward in accordance with the prevailing wind direction. The predominantly fine sand can be various colors, including black components of iron oxides with magnetic properties, which was demonstrated to us with a magnet.
 
The tour focuses on various small desert animals such as lizards, geckos, chameleons, snakes, slow worms, and others, which are adapted to desert life in different ways. Thanks to the guides’ local knowledge, we were able to find and observe them. For example, a chameleon used its extremely long tongue to take mealworms from the hand. These reptiles feed primarily on insects, which also inhabit the Namib Desert. A significant food source for these insects is wind-dispersed plant seeds, which are blown into the Namib Desert in larger numbers by rare easterly winds.
 
On my travels, I constantly meet interesting and open-minded travelers with extraordinary travel plans. I take advantage of these opportunities to exchange experiences, often including email addresses and other contact information, so I can continue this exchange. Many travelers with exceptional travel plans now share their journeys on their own websites and online accounts. Not only young people can find inspiration here to undertake similar adventurous, enriching, insightful, and horizon-broadening journeys. Such inspiration is particularly needed today, and travelogues of extraordinary and noteworthy trips can provide just that.
 
At the hostel where I stayed in Swakopmund, I met Clément from Bordeaux with his touring bicycle. Clément told me about his extraordinary two-year world tour, which he is undertaking overland by bicycle and across the oceans as a crew member on sailing ships. When we met in Swakopmund, he was on his way back from Cape Town through West Africa to Bordeaux, where his circumnavigation around the world will end. I was particularly impressed that Clément managed to cover all the distances across seas and oceans as a crew member on sailing ships, without using airplanes, as it is common practice today. Apparently, this kind of crewed sailing works far better across oceans than I had previously imagined, and Clément spoke at length about his own experiences. What you need is flexibility and patience, as it can sometimes take several weeks to find a suitable crewing opportunity, especially off the main routes.
 
During my stay in Swakopmund, my Samsung Galaxy J5 smartphone was stolen on the night of November 13th to 14th, 2025, resulting in a multitude of significant problems that jeopardized the continuation of my travel. It became clear to what a vast and alarming extent our lives have become dependent on smartphones and their constant, flawless operation.
 
On November 20, 2025, I travelled back from Swakopmund to Windhoek with one of the minibus transport companies based in Walvis Bay and Swakopmund. They offer a door-to-door service, picking you up at your accommodation and dropping you off at your destination. The journey to Windhoek followed the same route as my travel to Swakopmund on November 10, 2025. This time, I was able to observe the changing landscape in the opposite direction. The first part of the journey took me through dense fog in a section of the Namib Desert. Dense fog is a very common phenomenon in the coastal part of the Namib Desert, and the moisture from the fog is the most significant form of precipitation there. I wonder why, during the geologically long period of the Namib Desert’s existence of around 50 million years, no vegetation has developed and become established here that actively generates its own rain based on this very frequent dense fog, as, for example, the Canary Island pines do in the Canary Islands, which in the mountainous regions there utilize the moisture of the trade wind clouds, which condenses on their long needles and falls as rain, thus actively generating most of the fresh water of the Canary Islands, something I was able to confirm for myself during my excursions in the Canary Islands in the spring of 1995.
 

5. Etosha and the myth of Africa as a natural paradise

 
After my visit to the town of Swakopmund, I travelled from Windhoek to my next destination, Etosha Nature Park (170), located in northern Namibia, which I was eager to explore. Etosha Nature Park and its large animals are considered one of the touristic main attractions in Namibia.
 
At first, it was uncertain whether I would be able to reach Etosha Nature Park, as it is somewhat off the main routes and I was dependent on public transport for my travel. Since the tourist infrastructure in Southern Africa is highly geared towards private vehicle travel, and consequently most tourists travel in rental cars, which are indeed the only way to reach most of the remote and peripheral destinations and attractions in Southern Africa, I was initially unsure whether I could get to Etosha Nature Park by public transport. In Southern Africa, public transport is limited to the main routes between major cities, and it is not possible to reach remote and peripheral destinations and attractions by public transport. Therefore, I was pleased that after considerable research, I found a transport option from Windhoek to Etosha Nature Park, which enabled me to visit it. The main purpose of my travel to Etosha Nature Park was to get to know it as part of a one-day tour offered by various tour operators.
 
The five-hour journey from Windhoek to Etosha Nature Park on November 22, 2025, was made quickly in a minibus on a well-maintained country road. Approximately 65 kilometers north of Windhoek, the route passed an extensive settlement of corrugated iron shacks, a social reality in both Namibia and South Africa, which, however, remains almost entirely hidden from tourists. Breaks were made in the towns of Okahandja, Otjivarongo, and Outjo. The landscape traversed is largely characterized by dry savanna, and here, too, the land on both sides of the road is almost entirely fenced. At least here, with only a few small exceptions, there is no attempt to clear this dry savanna landscape of shrubs to create a uniform, monotonous grassland for cattle grazing, as is common practice elsewhere. The numerous termite mounds, ubiquitous in the landscape, are noticeable. Beyond Outjo, the landscape flattens out.
 
Etosha Nature Park lies in the western part of the Kalahari landscape (171), which is predominantly covered by thornbush savanna (Dornbusch-Savanne) (172). At the heart of Etosha Nature Park lies the 4,760 sq km Etosha Pan (173), a saltclay pan that comprises about 23% of the park’s current area. It is 129 km long and 72 km wide, situated at an elevation of 1,077 to 1,085 meters above sea level. The Etosha Pan has no outlet and only three major tributaries. Springs along the southern edge of the pan are a source of the park’s abundant wildlife. The Etosha Pan is entirely devoid of vegetation; in the rest of Etosha Nature Park, vegetation varies, including tree savanna, thornbush savanna, and grass savanna. The afternoon temperatures I measured here were 37°C, which were the highest temperatures I measured during my travel through southern Africa.
 
Arriving at Etosha Nature Park, I pitched my small tent at a campsite a few kilometers from the main southern entrance, the Anderson Gate. This campsite is surrounded by hills and dry savannah. At night, zebras frequented the campsite, grazing among the tents. I managed to arrange a guided day tour through parts of Etosha Nature Park at short term on November 23, 2025. Numerous tour operators offer tours in open 4x4 vehicles. The tour I was able to join exceeded my expectations: I saw many large animals of numerous species, including giraffes, ostriches, plains zebras, large numbers of springbok, wildebeest, oryx, kudu, a large herd of elephants, a black rhinoceros, lions, and various smaller animals and birds.
 
On our tour, we entered Etosha Nature Park through the Anderson Gate (Ombika) in the south of the park, which is open daily from 7:00 a.m. A paved road leads from there through a savannah landscape to the Okaukuejo Resort. From there, gravel roads with a slight corrugation lead in various directions. Except at fenced camps and rest areas, vehicles must not be left while driving in Etosha National Park, and a speed limit of 60 km/h applies. We soon saw the first large animals: giraffes, as well as springbok, which are very numerous in Etosha National Park, then ostriches and wildebeest. Our drive initially took us along the western edge of the endorheic Etosha Pan. The landscape here is largely open and has the character of a steppe. We saw oryx, more giraffes, an owl, a secretary bird, guinea fowl, meerkats, and large colonies of weaver birds. Our tour then led us to a viewpoint at a waterhole on the edge of the Etosha Pan (site point “Okondeka”). Various animals could be seen in the distance, including springbok, ostriches, plains zebras, oryx, and wildebeest.
 
In the early afternoon, we had a lunch break at the Okaukuejo Resort. There is a waterhole there frequented by giraffes, zebras, oryx, and springbok. In the afternoon, we continued our tour eastward along the southern edge of the Etosha Pan. We reached a waterhole (site “Olifantsbad”) with a large herd of elephants, giraffes, and a black rhinoceros, which was certainly the highlight of our tour. Finally, after some searching, we came across two lions resting in the shade of trees at the site “Aus”. This day trip to Etosha National Park was undoubtedly one of the highlights of my two-month tour through parts of southern Africa.
 
Encountering and observing the large animals characteristic of the African continent in their natural habitat is a highlight of most travels to Africa. However, the African large animal fauna has been severely decimated and is now confined to a few remaining reserves and nature parks, including Etosha Nature Park. In the rest of the country, these animals were almost completely hunted down in southern Africa many decades ago.
 
The landscape in South Africa and Namibia, as I observed throughout my travels, is almost entirely fenced and privately owned, a phenomenon that particularly characterizes and shapes the landscapes of settlement colonies, such as in the USA, where all land along the roads is consistently fenced off. This is also the case in South Africa and Namibia. In contrast to settlement colonies, such as the USA, this phenomenon is virtually nonexistent in Europe due to the specific characteristics and differences of the agrarian constitution and history of rural areas in Europe from the Middle Ages to the early modern period. As a result, the landscapes in Europe, including agricultural landscapes, are generally accessible and open to the public.
 
The basis for the unlike in Europe almost entirely fenced in landscapes in settlement colonies, particularly in the USA, is a totalitarian intensified understanding of property rights and ownership. This understanding developed in settlement colonies due to their specific characteristics and differences in agrarian constitution and the agricultural history of rural areas. In settlement colonies, especially in the USA, the sphere of the design of personal life and the free development of the personality, based on the personality rights, is not limited, as in Europe, to house and farm properties, where these rights are protected as fundamental and human rights. Rather, this private sphere proliferates and extends across the entire landscape it occupies. This development is most advanced in the USA, where virtually the entire landscape is fenced off as private property, and private owners assert a right of self-defense against those who disregard and cross these fences. This right includes the right to shoot on intruders, as signs throughout the USA clearly indicate, as I discovered during my bicycle travel through North America in the summer of 1990. To exercise this right of self-defense, private owners in the USA must always be armed. In effect, only the street remains as public space. This totalitarian intensified understanding of property and ownership entails unrestricted, absolute, and total control over all fenced private property, as well real estate, land, as also movable property, including (formerly) slaves, and the private owner can do unrestricted whatever he wants with this property.
 
As settlement colonies, the conditions in the USA are comparable to those in South Africa and Namibia. In both cases, the settlers were inspired by a pleasing to God and missionary zeal to conquer and subdue the “wilderness” (174) and the “savages” and to treat the landscape according to “instrumental reason” (175). In both cases, before their settlement, the settlers encountered pre-state societies living as hunter-gatherers (176): in North America, the Indians (Native Americans) (177), and in southern Africa, the San (Bushmen) (178). These societies did not recognize private land ownership, which had only emerged in the course of the Neolithic Revolution, but rather customary rights of land use of the character of a everyman’s right (179). These pre-state societies, along with their understanding of land use and their customary rights of land use, were displaced and largely eradicated, in North America, the Indians (Native Americans) (180), and in southern Africa, the San (Bushmen) (181). In this newly created, historyless and lawless space, where no traditions or relics of either an agrarian history or a rural agrarian constitution remained, the settlers’ totalitarian intensified understanding of property and ownership could freely develop and spread, along with plantation economy, monocultures, and slavery. The example of plantation economics, in particular, makes it clear that the instrumental manipulation of the landscape and nature continues in the instrumental manipulation of people, forming a system of violence, and this shapes and influences current conditions.
 
As these examples of settlement colonies show, power is used to enforce claims to dominion over landscape and space, restricting or even completely preventing the original free access to, free movement within, and residence in the landscape. The degree and extent of general accessibility to the landscape can be used to determine the degree and extent of the realization of “structural freedom” within a society. Undoubtedly, this “structural freedom” has been increasingly lost since the Neolithic Revolution, and this historical process of enforcing claims to dominance over landscape and space has been associated with extreme, often genocidal, violence (182).
 
In contrast to the settlement colonies of South Africa and Namibia, the landscapes in Botswana and Lesotho, which I also visited during my travel, are largely unfenced in southern Africa. This points to significant differences in both the agrarian constitution and the agricultural history of the rural areas. A habitat for large animals no longer exists in these fenced landscapes of the settlement colonies; instead, sterile monocultures of the agricultural and forestry industries are rapidly expanding across the fenced and enclosed areas.
 
Etosha Nature Park is also fenced today, giving it the character of a large, isolated wildlife enclosure. Etosha National Park was established on March 22, 1907, when the then Governor of German South West Africa, Friedrich von Lindequist, declared 99,526 square kilometers a nature reserve. This area was later reduced several times, so that Etosha National Park now covers 22,935 square kilometers. The considerably smaller Etosha Nature Park was then fenced to prevent wildlife migrations. The fencing of both Etosha Nature Park and the surrounding landscape prevents animal migrations (183), which are an essential part of the animals’ way of life. Furthermore, animal migrations are a crucial and constitutive element of the ecology of the savannah landscapes, which make up about a quarter of the African continent. As one of the few examples where animal migrations were largely taken into account when establishing a nature park, the Serengeti (184) can be cited, which was made possible in particular by the commitment of Bernhard and Michael Grzimek (185).
 
An alternative to fenced landscapes and the grazing of livestock such as cattle or sheep in these fenced areas, which are typically deforested (186), cleared of scrub (187), and converted into monotonous grasslands for pasture, would be the use of the diverse natural wildlife populations, monitored and controlled by wildlife biologists. These diverse wildlife populations would be able to move freely in the unfenced natural landscapes of Africa, particularly during migrations. To this end, Africa’s natural landscapes are preserved and restored through renaturation (188), including, in particular, the savanna landscape type, which originally covered a quarter of the African continent. The diverse natural wildlife populations are also regenerated through rewilding (189).
 
The vegetation of the savanna, in contrast to the monotonous, deforested, and scrub-cleared pastureland, is diverse and has several vegetation layers. This diversity of vegetation corresponds to the diversity of different wildlife species, which occupy different ecological niches (190) and utilize the diverse natural vegetation differently as food. The plants and animals of the savanna together form an ecosystem (191) as a component of the biodiversity (192) of the biosphere (193). Since the net primary production of biomass of the diverse natural vegetation, in this case the savanna, is greater than that of a deforested and scrub-cleared monotonous grassland, more large animals can coexist in the savanna than is possible on a scrub-cleared monotonous grassland where only one animal species, usually cattle or sheep, is kept. This means that with the controlled use of the savanna’s natural animal population by wildlife biologists, higher meat production is possible than with the raising of a single livestock species on a cleared, monotonous grassland, which is classically considered the ideal pasture, but is not factually the case.
 
Such alternative land-use concepts ideally realize nature conservation (194), process protection (195), and landscape protection (196), into which the traditional way of life and economic practices of the San (Bushmen), who to this day have been displaced, driven out, discriminated and marginalized, can be integrated. The Amazon region in South America provides an example of this, where the integration of the indigenous populations of the Amazon rainforest with their traditional ways of life and economic practices into nature conservation concepts is both demanded and pursued (197). The existing cross-border concept of “Peace Parks” (198) can also be integrated into such concepts and further developed. In this way, nature conservation and tourism become an integral part of détente policy (199).
 
Today, the tourism industry profitably markets the myth of an “African natural paradise”, but this has long since ceased to exist. The “African natural paradise” must first be reconstructed and restored by renaturation and rewilding.
 
On November 25, 2025, I travelled back to Windhoek from Etosha National Park to continue my journey to Victoria Falls on the Zambezi River by Intercape coach. While Etosha National Park had enjoyed clear, sunny weather, the cloud cover increased during the drive to Windhoek, and showers began to fall in the distance.
 

6. Through the “Caprivi Strip” to Victoria Falls

 
From Windhoek, I travelled to northeastern Namibia on November 26, 2025, by Intercape coach. It was election day in Namibia, and, as on a Sunday, there was very little traffic on the roads. In northeastern Namibia, the so-called “Caprivi Strip” (200) extends far into the center of southern Africa. The Caprivi Strip is named after Leo von Caprivi (201), Otto von Bismarck’s successor as Chancellor of the German Empire from 1890 to 1894, who sought reconciliation with the United Kingdom of Great Britain. The Caprivi Strip dates back to the Heligoland-Zanzibar Treaty (202), signed on June 1, 1890, between the United Kingdom of Great Britain and the German Empire. The border rivers of the Caprivi Strip are the Zambezi (203) to the north and the Chobe River (Cuando River) (204) to the south. At the eastern end of the Caprivi Strip lies a quadripoint where the present-day countries of Namibia, Botswana, Zambia, and Zimbabwe meet. Victoria Falls is only a short distance from here.
 
The regular Intercape Mainliner buses have seats for 60 passengers, and I traveled on one of these Intercape coaches from Windhoek through the Caprivi Strip to the border town of Katima Mulilo, passing through Okahandja, Otjivarongo, Otavi, Tsumeb, and Rundu. For much of the way through the Caprivi Strip, the bus followed the Trans-Caprivi Highway (= country road B8), a well-maintained road. The weather was overcast, and the savanna landscape here is noticeably greener, with taller and denser trees, indicating higher rainfall. Small rural settlements, surrounded by small-scale farming, line both sides of the road.
 
Since 2004, the Sesheke Bridge has spanned the Zambezi River near Katima Mulino, connecting Zambia. The main route of the Intercape coach runs across this bridge and continues north along the Zambezi through Zambia to the town of Livingstone and then on to Victoria Falls in Zimbabwe. Passengers, including myself, traveling south of the Zambezi from Katima Mulino to Kasane and then on to Victoria Falls, transferred in Katima Mulino to a small, 23-seat Intercape Interconnect bus towing a luggage trailer.
 
After about an hour’s stop in Katima Mulino, the journey continued along the Trans-Caprivi Highway (= country road B8) for approximately 70 kilometers to the Ngoma Gate border crossing between Namibia and Botswana. At the Namibian border station, passports were scanned electronically, and passengers quickly received their exit stamps. Entry into Botswana was also swift. In my case, no visa was required for entry into Botswana, unlike the earlier entry into Namibia. Following the events of September 11, 2001, and at the initiative of the USA, it has become increasingly common worldwide for biometric data to be collected at border crossings (205), but this was not the case at this border crossing, nor at the other border crossings I passed through in southern Africa.

 The small border town of Kasane lies on the southern bank of the Chobe River in Botswana (206). In Kasane, I was the only passenger who got off as scheduled; the other passengers continued on to the tourist resort of Victoria Falls in Zimbabwe. At my request, the bus driver kindly gave me a lift to the neighboring town of Kazungula, where the hostel where I was staying is located.
 
The Chobe Nature Park (207) borders the Chobe River here. Tour operators also offer tours in Chobe Nature Park, and I participated in one such tour, which also takes place in open off-road vehicles, on November 28, 2025. On this tour, we entered Chobe Nature Park near the town of Kasane at around 6:00 a.m. through the Seduda Gate. The tour initially followed the course of the Chobe River westward. The landscape along the riverbank is largely open, allowing for expansive views and facilitating wildlife observation. Away from the riverbanks, a comparatively dense and green savanna landscape dominates Chobe National Park. Unlike Etosha National Park, there are no roads or gravel tracks here; the vehicles travel on tracks and trails that crisscross the terrain. We encountered buffalo and antelope, and then a group of eight lions that passed close to several tour vehicles. We also encountered baboons, an osprey, various other birds, giraffes, a monitor lizard, and other antelopes, including impalas. Then we left the riverbank, and the journey continued through a dense savanna landscape dominated by trees. Here we saw elephants. Towards the end of the tour, we came across a large number of elephants, around 100, on the banks of the Chobe River. Hippos are common in the Chobe River, and Nile crocodiles also inhabit it.
 
Unlike Etosha Nature Park, Chobe Nature Park and the surrounding landscape are not fenced, so the animals are not hindered in their seasonal migrations. In contrast to the settlement colonies of South Africa and Namibia, the landscapes in Botswana and Lesotho in southern Africa are largely unfenced, which points to significant differences in both the agrarian constitution and the agricultural history of the rural areas. That these differences have persisted to this day is due to the fact that in 1895, three Tswana chiefs successfully prevented the annexation of the then British protectorate of Bechuanaland (208) by the British South Africa Company (BSAC) (209), founded by Cecil John Rhodes (1853-1902) (210), through negotiations with the British Empire. The “Three Chiefs Monument” in the town of Gaborone commemorates this historical event.
 
On November 29, 2025, I visited Victoria Falls (211) on the Zambezi River near the tourist town of Victoria Falls. East of Kazungula, I crossed the border between Botswana and Zimbabwe for this purpose, obtaining a one-day visa on arrival for Zimbabwe (fee: USD 30). Since 2009, due to the devaluation of the Zimbabwean dollar, the US dollar has been the official currency in Zimbabwe. Entrance to Victoria Falls cost USD 50. Victoria Falls is one of the most important tourist attractions in Africa and is a UNESCO World Heritage Site. These waterfalls on the Zambezi River were named “Victoria Falls” by the African explorer David Livingstone (1813–1873) (212), who visited them during several travels through southern Africa. A monument commemorating Livingstone stands before the waterfalls.
 
The border between Zambia and Zimbabwe runs through the Zambezi River and the Victoria Falls. On the Zimbabwean side, the Victoria Falls are part of Victoria Falls Nature Park. A trail approximately 1.5 kilometers long with 16 viewpoints runs along the edge of the gorge. Viewing the falls from the Zimbabwean side is more popular, as it offers a panoramic view. Currently, the Zambezi was low, nearing the end of the dry season. Nevertheless, it rained in some areas due to the spray, and rainbows were visible over the falls. The water plunges up to 107 meters. The trail ends at a steel arch bridge spanning the Zambezi River, where a border crossing between Zimbabwe and Zambia is located.
 
After visiting Victoria Falls, I continued my journey on November 30, 2025, traveling by minibus through eastern Botswana to the town of Nata. The drive took me through a green savanna landscape, which, unlike in South Africa and Namibia, is not fenced. It is surprising, then, that this savanna landscape is repeatedly interrupted by vast expanses of industrial agriculture stretching to the horizon. Among other things, maize is cultivated here in enormous, sterile monocultures. The drive also led past massive, industrial silage clamps. These large-scale industrial facilities with their vast monocultures contrast sharply with the small-scale subsistence farming prevalent in the Caprivi Strip, among other places. The question arises: who are responsible for establishing and maintaining these enormous industrial facilities and structures? It is known that various foreign actors, including the People’s Republic of China, are buying up large areas of land in many parts of Africa in order to carry out industrial agriculture, which is called “land grabbing” (213), since this land is no longer available for other purposes, such as nature conservation and subsistence farming for the local population.
 
The town of Nata lies on the banks of the Nata River. A dam with a road blocks the river near the town. Below the dam, the riverbed was largely dry, and no water was flowing. Above the dam, the Nata River forms a reservoir approximately six kilometers long. The riverbanks are used for grazing livestock (goats, cattle, horses), which are tended by herders. The hostel where I stayed in Nata has canoes, and I paddled one of them upstream on this reservoir. The banks of the Nata River are largely steep, reaching heights of up to five meters. Due to the high sediment content, the water of this reservoir is gray, matching the color of the soil along the river's steep banks. The riverbed was also dry above the reservoir.
 
At the hostel where I stayed in Nata, I also met travelers with extraordinary and impressive travel plans. Among them were Wiebke and Lisa with their touring bikes, who were currently on a tour of Namibia and Botswana. Wiebke told me she had recently cycled from Freiburg through West Africa to Cape Town.
 
From the town of Nata, a road leads west to the tourist resort of Maun on the edge of the Okavango Delta (214). Maun is considered the center of safari tourism in Botswana. However, after my successful visits to Etosha Nature Park and Chobe Nature Park, my itinerary did not include another nature park visit, both due to the limited time available and the generally high costs associated with participating in tours organized by tour operators.
 
From Nata, I continued my journey on December 2, 2025, by minibus towards Francistown and Gaborone. The green savannah landscape, which I had been traversing since the Caprivi Strip, continued. From Francistown, I drove on to the town of Palapye, which served as a convenient stopover on my way from Nata to Gaborone. A wide grassy verge runs alongside the highway, cleared of trees and bushes, and numerous cattle graze on this verge. These cattle occasionally cross the highway, requiring slow and careful driving. According to the Central Places system (215) developed by geographer Walter Christaller, Palapye serves as a transportation hub and a supply center for its surrounding area.
 
From Palapye, I continued my journey in another minibus, passing through the town of Mahalapye, to Gaborone, the capital of Botswana. Up to this point, the landscape in Botswana had been flat, but near Gaborone it became hilly and some mountains came into view. In Gaborone, on December 4, 2025, I took a city excursion, which included a visit to the semicircular government district, the business center, the National Museum, which was undergoing renovations at the time, and the “Three Chiefs Monument Park”. In this park, the “Three Chiefs Monument” commemorates three Tswana chiefs who, in 1895, successfully prevented the annexation of the then British protectorate of Bechuanaland by the British South Africa Company (BSAC), founded by Cecil John Rhodes (1853-1902), through negotiations with the British Empire. This annexation would have meant that Bechuanaland would later have become part of the Union of South Africa, founded in 1910, and would therefore, like Namibia, have been subjected to the consequences of apartheid. This, too, was successfully prevented in 1895. Like Bechuanaland (Botswana), Basotholand (Lesotho) and Swaziland (Eswatini) also rejected incorporation into the Union of South Africa in 1910.
 
From Garborone, I reconnected to the coach routes of the Intercape coach company, with whom I continued my journey to Pretoria on December 5, 2025. After a short drive of about 30 minutes, I reached the border between Botswana and South Africa at the Tlokweng-Kopfontain border crossing. It is a frequently used border crossing, and there were long queues at passport control, although the checks themselves were quick on both sides. Passports were scanned electronically, and an exit or entry stamp was issued. Also here no biometric data were collected. The onward journey to Pretoria took me through a mountainous and green savannah landscape.
 

7. Pretoria or: The Boer Republics and the “Scramble for Africa”

 
The city of Pretoria (216) holds outstanding historical and contemporary significance, as it was the capital of the Boer Republic of the South African Republic (Transvaal) (ZAR) (217), and is now one of the three capital cities of South Africa, alongside Cape Town and Bloemfontein. Consequently, Pretoria boasts numerous historical buildings, museums, and attractions. During my city excursion on December 6, 2025, I also explored Pretoria’s historical sites. Here, too, the aim is to conduct historical research at the original geographical locations of historical events.
 
My city excursion of Pretoria began in the Hatfield district, where my hostel was located. I took the Gautrain, a commuter train considered reliable and safe, from Hatfield station to Pretoria station, which is situated next to the main train station and the bus station in Pretoria’s city center. As is common at bus stations in South African cities, numerous coach companies have their ticket offices at Pretoria’s bus station, where tickets can be easily purchased, and bus tours to numerous destinations throughout South Africa are offered. From there, I followed Paul Kruger Street north, passing the National Museum of Natural History. On the opposite side of the street, surrounded by a park with monuments, stands the City Hall, built in 1935. The entire area around the City Hall was fenced off and inaccessible. I then reached Church Square, which forms the architectural heart of Pretoria. It is surrounded by numerous large, impressive buildings, including the Raadsaal, built in 1891, the parliament of the Boer Republic of South Africa (ZAR) (Transvaal). In the center of Church Square, a monument commemorates Stephanus Johannes Paulus Kruger (1825-1904) (218), President of the South African Republic (ZAR) (Transvaal) from 1883 to 1900.
 
Afterwards, I visited the “Paul Kruger Museum” (219), located west of Church Square opposite Kruger’s Church. The museum is housed in the home where Paul Kruger lived when he was President of the South African Republic (Transvaal) from 1883 to 1900. His presidency fell squarely within the Age of Imperialism, a key feature of which was the “Scramble for Africa”. Paul Kruger’s time in office was particularly marked by this Age of Imperialism, which culminated in two world wars.
 
Consequently, imperial wars dominated Paul Kruger’s term as President of the South African Republic (Transvaal), a topic addressed in the Paul Kruger Museum I visited in Pretoria. The museum showcases, among other things, the widespread solidarity shown to Paul Kruger during these armed conflicts with the British Empire (220), the so-called Boer Wars (221), by both state actors and numerous civil society groups worldwide. However, in reality, nothing more happened beyond these expressions of solidarity. In the military conflict with the British Empire, then the leading world power, the Boers were left to fend for themselves, and no one dared to openly support them and thus risk a conflict with the then leading world power, the British Empire.
 
Numerous comparable examples can be found in recent history where victims of military aggression by world powers are left to fend for themselves, and among many, I would like to cite three outstanding examples: 1. The Abyssinian War waged by Fascist Italy against the Ethiopian Empire, a member of the League of Nations, from October 3, 1935, to November 27, 1941 (222). 2. Finland in the so-called Winter War with the Soviet Union from November 30, 1939, to March 13, 1940 (223), and 3. the occupation of Tibet by the People’s Republic of China from 1950 onward (224). World powers continue to dominate the state system today, and in the UN Security Council, the world powers - almost exclusively victorious powers of the Second World War - as permanent members with veto power, represent their interests as world powers, with the consequence that power calculations and power politics, as well as geostrategy and geopolitics, determine world politics.
 
In order to defeat the Boer republics militarily, the British Empire deployed an overwhelming military force of around 450,000 soldiers in the Second Boer War of 1899-1902 (Anglo-Boer War, also: South African War) (225). Large parts of the civilian population were held in internment camps, which were called “Concentration Camps” (226), in which approximately 26,000 Boers died due to the conditions of detention. The Commander-in-Chief of the British Army, Horatio Herbert Kitchener, 1st Earl Kitchener (1850 – 1916) (227), gave the order to deprive the Boers of their livelihood as part of a “scorched earth” (228) strategy: 30,000 farms were burned down, villages destroyed, and the harvest ruined. The Boer republics were incorporated into the British Empire as colonies, and Paul Kruger went into exile in 1900. The Second Boer War became a more detailed topic during my subsequent visit to the town of Bloemfontein.
 
The previously independent Boer republics of the Orange Free State and the South African Republic (Transvaal) became colonies of the British Empire after the Second Boer War. On May 31, 1910, the Union of South Africa was formed through the union of four British colonies: the Cape Colony, Natal, the Orange River Colony, and Transvaal. The Union of South Africa became a Dominion (229) within the British Commonwealth (230). Like the other Dominions of the British Empire, such as Canada, Australia, and New Zealand, the Union of South Africa also participated in all subsequent (imperial) wars of the British Empire, including the First World War, as loyal vassals of the British king, just as in the time of William the Conqueror (231), even though these wars of the British Empire had no bearing on these Dominions and their populations.
 
After visiting the Kruger Museum, I continued my city excursion in Pretoria to the Union Buildings, completed in 1913. Along with Cape Town, these serve as the seat of government. The Union Buildings are situated on a hill in a terraced park, offering a view over the city of Pretoria. Below the Union Buildings is the Pretoria War Memorial, which commemorates the 11,000 soldiers of the Union of South Africa who lost their lives in the First World War. It is designed according to the uniform architectural standards of the British Commonwealth War Graves Commission (232).
 

8. Johannesburg: From Gold Rush to Megacity

 
On December 7, 2025, I took a day tour from Pretoria to the nearby city of Johannesburg (233), which grew as a boomtown (234) during the gold rush that began in 1886. Because Johannesburg is considered the city with the highest crime problem in South Africa, I did not undertake for my city excursion my usual walking tour, but instead took a day tour on the city sightseeing bus. Due to the high crime rate, tourists are strongly advised against walking tours in Johannesburg. According to statistics, South Africa has the highest crime rate in the world, and within South Africa, this rate is highest in Johannesburg. Just like in Cape Town, tours of the city area are also offered in Johannesburg using the city sightseeing bus. In Johannesburg, the city sightseeing bus tour starts in the Rosebank district at the station of the Gautrain, which I took from Pretoria.
 
The city sightseeing bus tour passes through suburbs and residential areas, which, as in all South African cities, are surrounded by walls and high fences, mostly electric, and are strictly guarded by security companies operating under an “armed response” concept. In the city center dominate high-rise buildings from the period when Johannesburg was a booming supra-regional business and economic center following the gold rush. Significant demographic changes are taking place in South Africa, and particularly in its cities (235). As in all South African cities, since the end of apartheid, the city center of Johannesburg has been abandoned by residents of European origin, who have retreated to gated communities outside the city centers behind high, often multi-tiered fences and walls. Today, people camp in tents and selfmade huts along the roadsides of Johannesburg’s city center. These people, who fled the townships (236) and former homelands (237) in large numbers after the end of apartheid, now constitute the majority of the population in South African city centers. In addition, a large number of illegal immigrants and economic migrants from neighboring countries also arrive in South Africa, and they too largely settle in the city centers. There, they contribute to the unemployment rate, which in South Africa is between 35 and 40 percent. Due to the highest population growth rate (238) in the world in all of Africa, increasing numbers of people are pushing from the townships and rural areas into the city centers. During the city sightseeing bus tour, a presentation of the sights visited is provided via headphones in a variety of selectable languages. This presentation also covers various aspects of Johannesburg's past, present, and future. Among other things, it is mentioned that Johannesburg will have grown together with Pretoria and other cities and settlements in a few years to form a megacity (239) with possibly several tens of millions of inhabitants.
 
During the city sightseeing bus tour, you can get off at a total of 13 stops and continue your journey on one of the following city sightseeing buses, which depart every 40 minutes. I took advantage of this and got off at stop number 7 to visit the Apartheid Museum (240). The Apartheid Museum focuses on racial segregation (241) in South Africa and Namibia, which was practiced there until 1990 and is referred to as “apartheid” (242). In South Africa and Namibia, a distinction was made between “Little Apartheid” and “Great Apartheid”. The term “Little Apartheid” refers to racial segregation in public spaces, particularly in cities, while “Great Apartheid” refers to spatial segregation on a large scale, especially within the framework of homeland policies. Racial segregation was a phenomenon particularly prevalent in settlement colonies, such as in the USA (243), but also in South Africa and Namibia. In the USA, racial segregation was practiced until 1964, when a civil rights movement achieved its abolition (244). In South Africa and Namibia, racial segregation (apartheid) was abolished in 1990.
 
The Apartheid Museum’s motto is “Learn from the past, change the future”, and it impresses visitors with extensive exhibitions featuring numerous artifacts, primarily photographs, and comprehensive information. The exhibitions follow the historical developments chronologically. Among other things, they depict the prehistory of racial segregation in South Africa and Namibia, the implementation of apartheid policies from 1948 onward, how apartheid shaped and determined people’s lives, the opposition to apartheid, crimes committed by the apartheid regime to maintain apartheid and repress the opposition, the end of apartheid, the transition period from 1990 to 1994, which was marked by an increase in violence, and developments up to the present day.
 
The museum exhibition begins in the museum’s outdoor area with a highlighting of several key aspects of human history (245), particularly in the field of paleoanthropology (246). Undoubtedly, the interdisciplinary project of modern anthropology, whose shared cognitive interest (Erkenntnisinteresse) can be defined by Kant’s question “What is man?” (247), yields insights with far-reaching consequences for our worldview: The unity of humankind is thus no longer merely an intellectual and cultural achievement of unterstanding, as it was during the Age of Enlightenment, but a biophysical fact today. The findings of the interdisciplinary project of modern anthropology provide outstanding and compelling arguments against racial segregation and racism (248).
 
In addition to the main exhibition, there are two further exhibitions, one of which focuses on the life and work of Nelson R. Mandela (1918-2013) (249), and the other on the life and work of Desmond M. Tutu (1931-1920) (250). The latter exhibition, in particular, focuses on the “Truth and Reconciliation Commission” (251), established in 1996. This Truth and Reconciliation Commission is an expression and example of a new level of reflection in dealing with crimes committed in the context of war and tyranny, where the aim is enlightenment rather than punishment, as in tribunals and court trials (252). Thus, the focus is not on “perpetrators” but on the circumstances, which is what makes a change in these circumstances possible in the first place, corresponding to the museum’s motto: “Learn from the past, change the future.”
 
South Africa is considered an example of a successful transformation process from apartheid to democracy. Everyone now has the opportunity to participate in elections as an equal right. However, democracy cannot function if, as in South Africa and numerous other countries, voting is based on Criteria for affiliation to ethnic groups. In such cases, the election result is predetermined, so that we can also renounce of voting, as the outcome is not the result of prior public discussion and opinion formation, as expressed in the concept of deliberative democracy (253). The core idea of deliberative democracy is that through the exchange of arguments in a discourse free from domination (herrschaftsfreier Diskurs), understanding or consensus can be reached, and solutions thus found meet the demands of reason in both factual and moral terms (254). Solutions to the numerous pressing problems in South Africa can only be found if it is possible to achieve understanding or consensus through the exchange of arguments in a discourse free from domination. Currently, societal realities are far from this ideal.
 
Johannesburg is a young city, not even 150 years old, and it sprang up as a boomtown during the gold rush that began in 1886. In just a few years, Johannesburg, along with Pretoria and other towns and settlements, will have merged to form a megacity with potentially tens of millions of inhabitants, as was explained on the city sightseeing tour. The last time I experienced an expanding megacity was during my cycling travel through southeastern Europe in 2023: The megacity Istanbul-Bursa. Before that, I had visited and explored other megacities during my travels: Paris, London, Mumbai/Bombay, Delhi, Bangkok, Ho Chi Minh City/Saigon, São Paulo, Mexico City, Cairo, Los Angeles, and New York. The majority of the world’s population will live in megacities with 10 to 50 million inhabitants in a few decades, and in southern Africa we can visit such an emerging megacity with the Johannesburg-Pretoria metropolitan area and study the conditions prevailing in megacities, and it is under such conditions that the majority of the world’s population will live in a few decades.
 
The question arises as to the role of the world’s increasing and rapidly growing megacities in the current, existing world system. In my view, these megacities have the character and function of expulsion spaces and preservation asylums for the global surplus population, which is being displaced from rural areas as vast agro-industrial monocultures expand there at the expense of the traditional subsistence farming of people in rural areas. As expulsion spaces and preservation asylums, the megacities replace the total institution of the camp, which, in its various forms, experienced its uncanny expansion and radicalization in the extreme 20th century. Added to this is the continued rapid population growth, which is highest in Africa worldwide. People are not leaving rural areas and abandoning their traditional subsistence farming voluntarily; rather, they are being forced to do so. In search of a livelihood, people displaced from rural areas are settling in the growing slums on the outskirts of cities, or they are clearing land in nature reserves. Urbanization is increasing rapidly worldwide. In just a few decades, the majority of the world’s population will live in megacities with 10 to 50 million inhabitants. Most megacities are characterized by permanent ecological, social, and health crises and states of emergency. These various crises and states of emergency can be studied using the example of megacities that already exist today. These crises in today’s megacities will shape the future of humanity, and will very likely result in a totalitarian global regime for crisis management as well as for the surveillance and control of the population. Since the events of September 11, 2001 and the so-called "Corona crisis", part of the way there has already been completed. Today, this development appears fateful, unchangeable, and inevitable.
 
From Johannesburg I had wanted to visit the nearby, due to the numerous paleoanthropological finds as the “Cradle of Humankind” (255) known caves Sterkfontein (256), Swartkrans (257), Wonder Cave and others, which are UNESCO World Heritage sites, but there is no public transport to them, so I had to abandon my plan.
 

9. Diamond rush and geopolitics in Kimberley

 
From Pretoria, I travelled on December 8, 2025, by Intercape coach to the mining town of Kimberley (258), which emerged as a boomtown in 1871 during the largest diamond rush in human history. While Johannesburg arose as a boomtown during a gold rush and, surprisingly, did not disappear after the gold rush ended, as is typical for boomtowns, but on the contrary, is now rapidly developing into a megacity, Kimberley also originated as a boomtown, but during the largest diamond rush in human history.
 
On December 9, 2025, I also took a city excursion in Kimberley, where I once again embarked on a historical exploration. The aim is to conduct historical research at the original geographical locations of historical events. The focus of my city tour was a visit to the “Big Hole” and the “Kimberley Mine Museum” located there, as well as the adjacent Old Town open-air museum. On my way to the city center, I passed a statue of Cecil John Rhodes (1853-1902). I then passed the fenced “Oppenheimer Memorial Garden” and the “Harry Oppenheimer House”, the headquarters of the “De Beers Diamond Trading Company”. I then reached Market Square with the City Hall and, on my way to the “Big Hole”, passed the “De Beers Head Office” building, dating from 1898.
 
Today, the De Beers Group is the world’s largest diamond producer, accounting for approximately 40% of global diamond production, and the world’s largest diamond trader, with over 50% of the global diamond market (259). Founded on March 12, 1888, as “De Beers Consolidated Mines Limited” under the chairmanship of Cecil John Rhodes, the company secured a monopoly on diamond production in southern Africa. Today, the mining and raw material conglomerate “Anglo American” (260), founded in 1917 by Ernst Oppenheimer (1880-1957) (261) with the support of the US-american bank J.P. Morgan (262), owns 85% of the shares in the De Beers Group. The management of the Anglo American group was continued by Harry F. Oppenheimer (1908-2000) (263), after whom the “Harry Oppenheimer House”, the headquarters of the “De Beers Diamond Trading Company” in Kimberley, is named today.
 
The “Big Hole” (264) was created starting in 1871, after diamonds were discovered on the De Beers brothers’ farm in 1866 and the land was divided into claims during the Diamond Rush. The mining activities created a huge hole, the “Big Hole”, which is today filled with water and a tourist attraction. The “Big Hole” can be viewed from a platform. It is up today one of the largest hand-dug pits in the world. I took part in a guided tour offered by the Kimberley Mine Museum, which included a visit to a reconstructed mine shaft from the Diamond Rush era.
 
The open-air museum “Old Town”, adjacent to the “Big Hole”, is an open-air museum (265) in the tradition of the Skansen open-air museum (266) in Stockholm. Here in Kimberley, in the “Old Town”, existing historical buildings from the time of the diamond rush have been collected and reconstructed. Impressively, the interior furnishings have also been largely preserved. The adjacent “Kimberley Mine Museum” is excellent and informative, covering almost all aspects of the topic of “diamonds” (267) in detail, including aspects of geology, cultural history, and more recent history, specifically within the context of the age of imperialism, of which the “Scramble for Africa” was a part.
 
Within this context, Cecil John Rhodes (1859-1902) plays a particularly prominent role. Rhodes established a diamond monopoly here to realize his geopolitical project of a British Empire in Africa “from Cape to Cairo”, a project that included the Cape to Cairo Railway (268). The museum describes his world-historical role and significance as follows: “Cecil John Rhodes was a statesman and empire builder who had the greatest influence of any single person in the history of the African continent”. Rhodes systematically bought up the claims to the Kimberley diamond mine, financed by the Rothschild bank (269) in London, to implement his geopolitical and imperial plans for a British Empire “from Cape to Cairo”. The Kimberley Mine Museum also offers detailed and extensive material on this topic.
 
These plans for a British Empire “from Cape to Cairo” were thwarted, among other things, by the Boer republics of the “South African Republic” (Transvaal), the “Orange Free State”, and the “Republic of Natalia”. Britain waged wars, known as the “Boer Wars”, to subjugate and integrate these republics into the British Empire. Among these Boer Wars, the Second Boer War of 1899-1902 (also known as “Anglo-Boer War”, and “South African War”) stands out due to its geopolitical significance and the novel methods of warfare employed, in which the civilian population was extensively targeted through a “scorched earth” strategy. This war was the main focus of my subsequent visit to the town of Bloemfontein. The Second Boer War was waged by Great Britain to incorporate the diamond- and gold-rich Boer republics into the British Empire. The Second Boer War was preceded by a coup d’état attempt planned by Cecil John Rhodes in the South African Republic (Transvaal) from December 29, 1895 to January 2, 1896, which is known as the “Jameson Raid” (270).
 
Unfortunately, the Kimberley Mine Museum is one of many museums where, for inexplicable reasons, there is a lack of light, resulting in many photos being blurry and not turning out well. On the way back, I passed a memorial erected in 1976, commemorating those who died in concentration camps near Kimberley between 1899 and 1902 during the Second Boer War (also known as “Anglo-Boer War” and the “South African War”).
 

10. Bloemfontein: The Second Boer War, a primordial catastrophe of the extreme 20th century

 
From Kimberley, I continued my journey on December 10, 2025, to Bloemfontein (271), the capital of the former Boer republic of the Orange Free State, where I made another stop for a city excursion and to visit museums and memorials. The journey began from the bus station in Kimberley in a 22-seater minibus, which, like many others, only departed once all seats were occupied. This took an exceptionally long time this time, resulting in a four-hour delay. The flat landscape continued, the same one I had traversed on the way from Pretoria to Kimberley. The land on both sides of the road is fenced and largely used for agriculture, with vast expanses of agricultural land. Cattle grazing predominates on these lands. Unlike the typical landscape in Namibia, these areas are largely cleared of scrub, resulting in extensive, monotonous grasslands. In addition, there is also arable farming, which is likewise carried out on vast agricultural lands. Crops grown include maize and prickly pears. The journey passes several enormous silage clamps. The cultivated soil, as is typical throughout southern Africa, has a reddish hue. Ostriches were seen a few times in the fenced areas; otherwise, the large animals typical of Africa are completely absent.
 
The city of Bloemfontein holds outstanding historical and contemporary significance. Firstly, it was the capital of the Boer Republic of the Orange Free State, and secondly, it is now one of South Africa’s three capital cities, alongside Cape Town and Pretoria. Consequently, Bloemfontein boasts numerous historical buildings, museums, and attractions. During my city excursions, I also explored its historical sites. The aim is to conduct historical research at the original geographical locations of historical events.
 
My city tour of Bloemfontein began in the city center at Hoffman Square. This large square is surrounded by several large buildings, including a post office. A monument in the square commemorates Bloemfontein residents who died in the First World War, bearing the inscription “Who died for their Country”. In various cities across South Africa, including Cape Town and Pretoria, monuments commemorate the participation of the Union of South Africa, founded in 1910 as a dominion of the British Empire (along with Canada, Australia, and New Zealand), in the First World War. Given its prominent presence in South Africa’s public commemoration and remembrance culture, the Union of South Africa’s participation in the First World War as a loyal vassal of Great Britain is considered a founding event of the Union of South Africa.
 
From Hoffman Square, I continued my city tour westward and clockwise through the historic city center. I passed the National Afrikaans Literary Museum, the City Hall, and the Fouth Raadsaal, the parliament building of the Orange Free State, completed in 1893. I then reached Hertzog Square and visited the adjacent National Museum. This large and impressive museum has several departments: Nature study, natural history, archaeology, ethnography, and the history of the city of Bloemfontein. Nature study and natural history form the museum’s main focus. The exhibits in all departments are elaborately designed with numerous slide frames and display cases – a classic and proven museum education concept.
 
Well-designed museums with such a focus as the National Museum in Bloemfontein are significant and important because they make a substantial contribution to general public education. They are suitable for dismantling misinformation and prejudices in the spirit of social enlightenment and convey the foundations of a current, scientifically grounded worldview. Part of this current, scientifically grounded worldview is the understanding that humanity originated in Africa and spread from there across almost every continent through a process of migration; and southern Africa, in particular, became a site of migration again in modern times, with migrants from Europe and South and Southeast Asia, among other places. Later in my city excursion of Bloemfontein, I passed the “First Raadsaal”, the oldest surviving building in the city built in 1849, as well as the “Old Presidency”, the residence of the President of the Orange Free State, built in 1885.
 
The focus of my city excursions in Bloemfontein on December 11, 2025, was a visit to the “National Woman’s Memorial and War Museum of the Boer Republics” (272). I reached it from Hoffman Square, following Kerk Street (Church Street) southwest out of the city center. This street, like many in South Africa, has since been renamed. Berlin is an example of a city that has been repeatedly affected by street renaming in its recent history, and in my opinion, streets should generally only be named after geographical features so that they do not repeatedly become the subject of historical-political disputes. On the way to the museum, I passed a large industrial area, primarily home to car dealerships.
 
Opposite the Old Fort and the adjacent Military Museum, I came across an old cemetery called “Begraafplaas – President Brand Cemetery”. Among the various gravestones are two different monuments: one a monument of the British Empire, “In Memory of the Members of the British and Colonial Forces who lost their Lives during the Anglo-Boer War”. Numerous names are listed. This monument’s design does not entirely conform to the uniform standards of the British Commonwealth War Graves Commission for military cemeteries, possibly because it was erected at an early date. The second monument, erected in 1959, commemorates the victims of a concentration camp near Bloemfontein between 1899 and 1902, and here, too, numerous names are listed.
 
The “National Woman’s Memorial and War Museum of the Boer Republics” is located outside the city limits of Bloemfontein, approximately three kilometers from the city center. The memorial focuses on the Second Boer War (also known as “Anglo-Boer War” and the “South African War”) of 1899 to 1902. It features a “Garden of Remembrance” where numerous plaques list the names of 35,000 people, primarily women and children, who died in internment camps, the so-called “concentration camps” between 1899 and 1902 as a result of their imprisonment. The centerpiece of the site is the “Women’s Memorial”, a 36.5-meter-high obelisk erected in 1913. My particular interest lies in the „Anglo-Boereoorlog-Museum“ (Anglo-Boer War Museum). The museum, which is divided into several thematically organized rooms, proves to be extremely rich in material and informative, and it certainly offers the world’s most comprehensive and extensive existing presentations and collections on the subject of the Second Boer War, which is illuminated and explored in its various aspects.
 
In Europe, we hardly notice the Second Boer War because it took place far away on a colonial periphery. However, the Second Boer War stands out in several respects from the events of its time and from world events at the turn of the 19th to the 20th century, and in my opinion, it is a significant part of the transition and change from the largely peaceful “long” 19th century to the “short” and “extreme” 20th century (273). The Second Boer War heralds the extreme 20th century, of which it is a part.
 
The Second Boer War was also part of the geopolitical “Scramble for Africa” in the age of imperialism, and in this “Scramble for Africa” the British Empire, then the leading world power, was most successful. To conquer the Boer republics of the Orange Free State and the South African Republic (Transvaal) and incorporate them into the British Empire in Africa “from Cape to Cairo”, the British Empire deployed an overwhelming military force of approximately 450,000 soldiers. Nevertheless, the Boers managed to hold out militarily for a considerable period.
 
Consequently, the British Empire and the British Army, under the command of the Commander-in-Chief of the British Army, Horatio Herbert Kitchener, 1st Earl Kitchener (1850–1916), employed various methods in South Africa that were particularly directed against the civilian population and their livelihoods, making the civilian population a military target and a victim of war. Furthermore, the British Empire deployed its superior potential as a leading industrial power in this war. Therefore, the Second Boer War can be described as a Total Industrial War, a radicalized form of warfare in the age of industrial modernity, which particularly characterized the extreme 20th century and the two World Wars. In this type of warfare, the belligerents deployed their entire potential as industrial powers as ruthlessly and unrestrainedly as possible, and military victory was achieved by the one who gained access to the greater raw material base, possessed greater industrial production, and, on that basis, could field the greater military-technical arsenal (274).
 
Kirchner employed a “scorched earth” policy, destroying more than 30,000 farms, 40 villages, and crops. Most notorious are the “concentration camps” he established, internment camps where large segments of the civilian population, particularly women and children, were imprisoned and detained. The death rate in these camps was extremely high due to the appalling conditions. The establishment and operation of these camps constituted a humanitarian catastrophe.
 
Between 1899 and 1902, approximately 350,000 civilians were interned in these concentration camps, which were primarily located along railway lines. This represents 28% of the population of the two Boer republics at that time, namely the Orange Free State and the South African Republic (Transvaal). Between 50,000 and 60,000 of these internees died as a result of the conditions of their imprisonment.
 
Among those interned in the concentration camps were not only Boers, as is generally portrayed, but also, in roughly equal proportions, Black Africans, a fact detailed in the museum. There were 47 concentration camps for Boers and 65 for Black Africans. Of the approximately 150,000 interned Boers, 26,379 died, and of the approximately 140,000 interned Black Africans, about 24,000 died. The museum suggests that the conditions of detention for Black Africans were considerably worse than those for the interned Boers, a fact not reflected in the aforementioned figures.
 
The total institution of the internment camp (275) emerged at the turn of the 19th to the 20th century. In its various forms, the total institution of the camp is the total institution for the purposeful rationality and instrumental administration, surveillance, control, and conditioning of masses of people; it is an invention of the modern age and an instrument of industrial society. The internment camp originated in the colonies, where it was used as an instrument of repression. During the First World War, the previously discredited internment camps of the colonies were used in Europe for the first time. With the First World War, the application of colonial methods of oppression began in Europe itself, and Europeans now became the object of colonial methods of oppression. “The First World War was an important laboratory for what was to come,” explains historian Karl Schlögel in his text: “Bugwelle des Krieges“ (Bow Wave of War): “Here, the methods and practices of total war were tested on a large scale for the first time. (…) Here, practices were perfected that had previously been tested on the periphery of imperialism, in the colonies - from concentration camps to border demarcation with razors to the casual routine of mass execution; racism, as Hannah Arendt had shown, migrated from the periphery back to the motherland” (276).
 
The total institution of the camp, as a modern form of terrorist coercion against large groups of people, permeates and shapes the history of the 20th century, and it is one of the essential and characteristic elements that make the 20th century an extreme century. The total institution of the camp emerged on the eve of the 20th century, and its trajectory is not yet over, providing an example of how “modernity, precisely in its normality, is the foster father of the excesses of this century”, as the social scientist Gerhard Armanski analyzes in his book: “Machines of Terror: The Camp (Concentration Camp and Gulag) in Modernity” (277).
 
The Anglo-Boer War Museum also illustrates that the Anglo-Boer War, the Second Boer War, had an international character. On the one hand, numerous volunteers from various countries fought on the Boer side, and on the other hand, the British Empire mobilized soldiers from various overseas territories, including Canada, Australia, and New Zealand. As loyal vassals of the Kingdom of Great Britain, these Dominions participated in every imperial war of the British Empire, just like in the time of William the Conqueror, even though these wars of Great Britain had no bearing on the Dominions and their populations.
 
These wars were waged at the instigation of the ruling elites and in their interests (278). The Second Boer War, in particular, can be cited as an example. It was specifically the gold from the mines near Johannesburg and the diamonds of Kimberley that the ruling elites of Great Britain wanted to possess and control in order to finance and promote their imperial plans for a British Empire in Africa “from Cape to Cairo”. In contrast, it was the members of the lower classes and the stupid ones who don’t understand anything, who had to be shot dead as soldiers in Britain’s wars, and nothing has changed in this regard to this day.
 
The Second Boer War is by far the largest war ever fought in southern Africa, and its impact on history and society there continues to this day. 
 
In Europe, we hardly notice the Second Boer War because it took place far away on a colonial periphery. However, the Second Boer War stands out in several respects from the events of its time and from world events at the turn of the 19th to the 20th century, and in my opinion, it is a prominent and significant part of the transition from the largely peaceful “long” 19th century to the “short” and “extreme” 20th century (279). The Second Boer War heralds the extreme 20th century, of which it is a part. Furthermore, the Second Boer War is part of the geopolitical “Scramble for Africa” in the age of imperialism, and in this “Scramble for Africa”, the British Empire, then the leading world power, was the most successful geopolitical actor. The age of imperialism, whose most prominent feature was the geopolitical “Scramble for Africa,” culminated in two world wars, in which the geopolitical “Scramble for Africa” became a geopolitical “Scramble for Europe.” The fact that the geopolitical “Scramble for Africa” became a geopolitical “Scramble for Europe,” replacing the geopolitical “Scramble for Africa,” is illustrated by the war aims of the actors involved in the First World War (280).
 
Within this context, the Second Boer War was the first colonial war of conquest waged against states of Europeans in the age of imperialism. With the Second Boer War, the “Scramble for Africa” became a “Scramble for Europe”, the first climax of which was the First World War, considered the “primordial catastrophe” of the 20th century. The geopolitical “Scramble for Africa” continued with the Abyssinian War, waged by Fascist Kingdom of Italy against the Ethiopian Empire, a member of the League of Nations, from October 3, 1935, to November 27, 1941. This war ushered in the Second World War as a continuation of the geopolitical “Scramble for Europe”, which had reached its first climax in the First World War. In the Second World War, methods of warfare, first introduced and employed in the Second Boer War and then in the Abyssinian War, were further radicalized. In my opinion, the Second World War as a historical epoch begins with the Abyssinian War (281).
 

11. Through the highlands of Lesotho and across the Drakensberg Mountains

 
From the bus station in Bloemfontein, I travelled on December 12, 2025, by 22-seater bus to the city of Maseru, the capital of Lesotho (282), a small country in a mountainous region. The journey there covered a distance of approximately 140 kilometers through predominantly agricultural land. Initially, cattle grazing predominates; in the second part of the route, arable farming, primarily grain cultivation, becomes more common.
 
Grey soils are striking here, whereas reddish soils otherwise predominate in southern Africa. Soil formation depends on the respective climate, so that different types of soils develop in different climate zones under varying climatic and weathering conditions (283) in interaction with the respective vegetation (284). Clay minerals are a product of the weathering process (285). The type and proportion of clay minerals in soils significantly determine their fertility. Reddish-colored soils form under tropical conditions. The rocks at the Earth’s surface are deeply decomposed under the influence of the high temperatures and rainfall of the tropics, whereby the minerals present in the parent rocks are largely dissolved and sands are washed out. During this chemical weathering, a high proportion of the more soluble elements are carried away in the percolating rainwater, resulting in a strong enrichment of the less soluble elements iron and aluminum (ferralitization), which gives the soils in the tropics their reddish color.
 
Near the city of Maseru, the landscape becomes mountainous. Shortly before reaching Maseru, the bus journey ended at the Maseru Bridge border crossing, where the bus stopped at the border between South Africa and Lesotho. The passengers then crossed the border on foot, with border formalities being completed quickly on both sides. Their passports were scanned electronically and stamped. After crossing the border, they continued their journey to Maseru city center by taxi. The central street, “Kingsway”, runs through Maseru city center and is a useful landmark for exploring the city.
 
Maseru is a suitable starting point for travels into the highlands of Lesotho. My guidebook presents several suggested tours, including one to Semonkong in the southwest, where you can see the highest waterfalls in southern Africa, with a drop of almost 200 meters. Another suggested tour is a circular route that passes by the Katse Dam, a key component of the Lesotho Highlands Water Project (286). However, at the end of my two-month tour through parts of southern Africa, I simply didn’t have the time for such undoubtedly impressive tours.
 
On December 14, 2025, I traveled by minibus along a route through northern Lesotho known as the “Roof of Africa Road”, crossing the Drakensberg mountain range (287). Up to the village of Butha-Buthe, the terrain is largely flat, where small-scale subsistence farming (288) is practiced, often on terraced fields on hillsides. It is evident that this terraced farming was once more extensive, and some terraces have been abandoned and are now falling into disrepair.
 
Terraced agriculture is an expression of land management and economics oriented towards a symbiotic (289) relationship with nature. If terraces are maintained, soil erosion does not occur; rather, the soil formation balance is positive, as under natural forest cover. Terraced agriculture is a component of traditional land management found almost worldwide, but it is declining almost everywhere, and the terraces fall into disrepair when traditional forms of land management are abandoned and the terraces are no longer maintained.
 
In particular, traditional farming methods and terraced agriculture were displaced by the colonial expansion of plantation economies, which predominantly used slave labor, and are being further displaced today by the expansion of agro-industrial farming practices on large farms that cultivate vast areas and transform agricultural landscapes into uniform and sterile monocultures. Both plantation economies and today’s agro-industrial farming methods are geared towards short-term yield maximization without striving for long-term sustainable land use.
 
The consequence is the destruction of the soil through soil erosion (290) and soil degradation (291). Approximately 24 million tons of soil are lost annually as a result of these destructive land management methods, so that the amount of arable land worldwide is constantly decreasing, while at the same time the world’s population continues to grow rapidly. Another consequence of these destructive land management methods is the displacement of people from rural areas, who now find themselves in the slums of the growing megacities with 10 to 50 million inhabitants. In these megacities, which have the character and function of expulsion spaces and preservation asylums for the global surplus population, and which are characterized by a permanent state of ecological, social, and health emergency, more than half of the world’s population will be living in just a few decades.
 
Small-scale subsistence farming in Lesotho contrasts sharply with the vast agro-industrial farms in the former Boer republics of the Orange Free State and the South African Republic (Transvaal), which I had previously traveled through. Such large-scale agro-industrial operations dominate most of the agricultural land in South Africa and Namibia. This points to significant differences in both the agrarian constitution and the agricultural history of rural areas between Lesotho on the one hand, and South Africa and Namibia on the other.
 
Southwest of Butha-Buthe, the high mountains begin, and the road climbs steeply. Several passes were crossed: the Moteng Pass (2820 m), the Tlaeeng Pass (3215 m), and the Kotisephola Pass (3240 m), before reaching the Sani Pass (2874 m) (292), which forms the border between Lesotho and South Africa. According to my guidebook, it is possible to climb Mount Thanana Ntlenyana (3482 m), the highest peak in southern Africa, from the Sani Pass (2874 m) on a day tour. Early in the morning of December 15, 2025, the temperature at the Sani Pass was +5 °C, the coldest temperature I recorded during my travel through southern Africa.
 
I am surprised that there is almost no forest in this highland region. The climatic treeline (293) should lie above these passes, which are at an altitude of around 3000 meters. I suspect that the entire highlands of Lesotho and the Drakensberg Mountains have been almost completely deforested for the purpose of expanding alpine pasture farming (294). This finding continues throughout the highlands southeast of the Drakensberg Mountains in the provinces of KwaZulu-Natal and the Eastern Cape. The entire highland area is predominantly used as pastureland. Erosion damage is evident, and the consequences of such large-scale deforestation are undoubtedly significant for both the region’s climate and its water balance. However, vegetation, climate, and soil are only considered and analyzed together by geographers; otherwise, reductionist perspectives prevail.
 
My journey through the Lesotho highlands on the “Roof of Africa Road” in minibuses ended just before the Sani Pass (2,874 m) in the Drakensberg Mountains. Here lies the border between Lesotho and South Africa. The paved road ends at the Lesotho border post located at the Sani Pass. On the morning of December 15, 2025, upon presenting my passport at the Lesotho border post, I was asked whether I wished to enter or exit. I chose to exit and received the corresponding exit stamp in my passport. Beyond the Lesotho border post, the terrain drops steeply to the southeast. A rocky gravel track, accessible only to off-road vehicles, winds its way down the steep slope on the southeastern edge of the Drakensberg Mountains. There is no public transportation here. Only at the foot of the mountains, several kilometers away, is the South African border post, from which a paved road resumes. In fact, there is no border line here (295), as is common in modern territorial states (296) since the early modern period, but rather a border area in the form of a no-man’s-land (terra nullius) (297). My route down to the South African border station led through a spectacular mountain landscape. From there, I hitchhiked to the next town, Underberg, from where buses resume service.
 

12. Along the coast of the Indian Ocean back to Cape Town

 
From the bus station in Underberg, I continued my journey by minibus through a green mountain landscape to the town of Pietermaritzburg. Pietermaritzburg had been the capital of the Boer Republic of Natalia (298), which was conquered and annexed by the British Empire in 1843. A well-maintained motorway leads from Pietermaritzburg to the port city of Durban (299). Near Durban, I reached the coast of the Indian Ocean, which I then followed for the remainder of my journey, with further stops in East London, Port Elizabeth, and Mossel Bay, before returning to Cape Town. The coastal stretch between Port Elizabeth and Cape Town, in particular, is known as the “Garden Route” and is popular with tourists.
 
With around four million inhabitants, Durban is now the third largest city in South Africa after Johannesburg and Cape Town, and like Johannesburg and Cape Town, Durban is growing rapidly. Durban has the largest port in Africa. During my city excursion on December 16, 2025, I visited, among other places, the historic city center near City Hall, the adjacent port area to the south, which is completely fenced off, and than the coast of the Indian Ocean to the east. The KwaMuhle Museum, which focuses on the era of racial segregation in South Africa and is therefore also known as the “Apartheid Museum”, and which I had planned to visit, was closed due to a public holiday.
 
On December 17, 2025, I travelled from Durban to the city of East London (300). The bus journey included two stops, one near Kokstad and the other near Umtata/Mthatha. The route led through a green, mountainous landscape on the edge of the Drakensberg Mountains, which receives abundant rainfall. This landscape is used for agriculture and forestry, and the original natural vegetation is almost entirely absent. There is pastureland for cattle, as well as arable farming. Extensive industrial timber plantations with monocultures of eucalyptus and pine planted in rows are also present. Areas with the original (potential) natural vegetation are completely absent from the route. Large parts of the mountainous landscape have been almost entirely deforested, particularly to expand grazing areas for alpine pasture farming, so that large sections are now characterized by extensive grasslands. These are often crisscrossed by erosion gullies (301), so that soil degradation and loss due to the large-scale deforestation pose a significant problem. Settlements, often scattered settlements in rural areas, increase from northeast to southwest in the mountainous landscape traversed.
 
During my city excursion to East London on December 18, 2025, I visited the East London Museum (302). This excellent museum is undoubtedly one of the best museums in southern Africa. Its extensive collections are divided into three sections: a natural history section, a cultural and settlement history section, and a maritime history section (303), which particularly fascinated and impressed me. The focus of this maritime history section is the exploration and establishment of the global seafaring and trade route between Europe and southern and southeastern Asia around Africa by Portuguese seafarers at the beginning of the early modern period. These voyages by Portuguese seafarers significantly broadened the knowledge and worldview of Europe at the transition from the Middle Ages to the early modern period, which had been considerably less extensive in the Middle Ages than in antiquity. Among the exhibits in the museum are several cannons from Portuguese ships that were found in the Indian Ocean near East London. This topic of the exploration and establishment of the global seafaring and trade route between Europe and southern and southeastern Asia around Africa by Portuguese seafarers at the beginning of the early modern period is covered in even greater detail at the Maritime Museum in Mossel Bay, which I visited later in my travel. Furthermore, the East London Museum has exhibition areas and exhibits that are unique and distinctive, such as an exhibition on coelacanths (304).
 
On December 19, 2025, I continued my journey to the port city of Port Elizabeth (Gqeberha) (305), passing through the town of Grahamstown. The drive took me through a landscape that was initially hilly, then became mountainous, and is now considerably drier and part of the Karoo region (306). The vegetation consists of low bushes and various succulents. Parts of this landscape are used as pastureland. During my city excursion in Port Elizabeth on December 20, 2024, I visited, among other places, the historic city center around Market Square and City Hall. I then intended to visit the museums of the “Bayworld Museum Complex” in the southeast of Port Elizabeth, but I discovered that the complex was closed and some of the buildings had been demolished.
 
On December 21, 2025, I continued my journey to the town of Mossel Bay (307). At the beginning of the bus ride, we passed extensive shantytowns on the outskirts of Port Elizabeth. These settlements, known as townships, can cover several square kilometers and are common around many cities in South Africa and Namibia. This aspect of social reality in South Africa and Namibia is generally not noticed by tourists. The journey then continued through a coastal plain bordered to the north by mountains. The landscape became greener again, characterized by agriculture, primarily cattle grazing, with less arable farming, as well as industrial forestry with extensive pine monocultures. The weather here changed several times between dense cloud cover and cloudless sunshine, suggesting that each bay along the coast has its own distinct weather pattern, a phenomenon particularly pronounced on fjord coasts, such as those found in Scandinavia.
 
The city of Mossel Bay presents itself as a tourist center, and these tourists, mostly from South Africa, are almost exclusively of European origin. This contrasts sharply with the current situation in the centers of larger cities in South Africa and Namibia, where, unlike before 1990, people of European origin are almost entirely absent. The residents of European origin, whose share of the population is steadily declining, have withdrawn from the city centers to residential areas protected by elaborate security measures, such as walls and fences, including electric fences, as well as “neighborhood watch” and a ubiquitous security presence with concepts of “armed response”. Since the end of apartheid, approximately one million South Africans of European origin have left South Africa.
 
The highlight of my city excursion to Mossel Bay on December 22, 2025, was a visit to the Bartholomeu Dias Museum Complex. At the heart of this complex is the Maritime Museum, whose theme is maritime history, focusing on the exploration and establishment of the global sea route and trade route between Europe and South and Southeast Asia around Africa by Portuguese seafarers in the early modern period. The navigator Bartolomeu Dias (308) landed here in Mossel Bay in February 1488 to replenish his drinking water supplies while searching for a sea route from Europe to India (309). A replica of Dias’s caravel is located at the center of the Maritime Museum.
 
The causes, motivations, and historical context of the exploration and establishment of the global shipping and trade route between Europe and South and Southeast Asia around Africa have already been extensively discussed in Cape Town, a port city on the shipping route between Europe and India, and most recently at the excellent East London Museum. Undoubtedly, the Maritime Museum in Mossel Bay is one of the best and largest museums in the world dedicated to this subject.
 
My subsequent second visit to the port metropolis of Cape Town, now at the end of my two-month tour through parts of southern Africa during the Christmas holidays at the end of December 2025, was shorter, lasting three days, than my first visit at the beginning of my travel.
 
On December 24, 2025, I visited the “Cape Town Holocaust Centre”, located east of the Company’s Garden, near the South African Museum and the South African National Gallery. Together with the South African Jewish Museum and the Great Synagogue, the Cape Town Holocaust Centre forms a complex of buildings surrounded by walls and fences. A paramilitary guard with a fully automatic rifle and a bulletproof vest stood on the street side of the complex, opposite the entrance. A security checkpoint, standard at airports since the events of September 11, 2001, must be passed through at the entrance. In recent years, I have visited numerous museums and memorial sites dealing with the National Socialist regime and the Holocaust. Here at the Cape Town Holocaust Centre, I am also interested in how the subject matter is addressed, how it is presented, and what the museum’s educational concept is. Most recently, I visited comparable institutions on the subject of the Holocaust on November 12, 2024, in the city of Vilnius, the Holocaust exhibition of the State Jewish Museum in the so-called “Green House”, and on September 29, 2022, the “Memorial de la Shoah” museum in Paris, which is considered the largest museum on the subject of the Holocaust in Europe (310).
 
The Cape Town Holocaust Centre’s exhibition begins with a presentation of its concept: “The Cape Town Holocaust Centre is dedicated to raising awareness of the consequences of racism, the dangers of indifference, and the evils of genocide. This exhibition tells the story of the Holocaust - an unprecedented and well-documented genocide. It remains a tragic warning for us all.” The Cape Town Holocaust Centre’s introductory themes are racism, antisemitism, and apartheid, before the main exhibition addresses National Socialist rule and the Holocaust. The question arises as to why the apartheid regime, as it existed in South Africa until 1990, is compared to the National Socialist regime, and not to the regime of racial segregation in the USA, as it existed until 1964. Both in terms of their historical origins and their structure, the regimes of racial segregation in South Africa and the USA share significant similarities, whereas they differ considerably from the National Socialist regime in many respects. The reason for this comparative selection is obviously the history politics (politics of memory) pursued in the USA in this regard (311), which is a component of identity politics (312).
 
Since the 1980s, the Holocaust has become a universally applicable subject of education in the USA under the term “Holocaust Education” (313). Within a few years, approximately 30 Holocaust museums were established in the USA, and similar institutions now exist in Argentina, Canada, Australia, and South Africa (314). In South Africa, there is another “Holocaust & Genocide Center” in Johannesburg. These developments have resulted in both a “globalization of Holocaust remembrance” and an “US-Americanization of the Holocaust” (315). The Holocaust has now become the epitome of mass crime and genocide worldwide. This “Holocaust education” focuses less on conveying facts, events, historical contexts, and background information, and less on presenting them within an elaborate museum education concept that avoids presenting the public with a pre-packaged view of history and, instead, aims to encourage and support the public in forming their own independent opinions on complex and complicated historical topics, in the spirit of enlightenment. Rather, this “Holocaust education” aims to generate emotions that can be instrumentalized for history politics (politics of memory) and identity politics.
 
Memorial sites are prominent locations for historical-political measures that serve the formation of national identity and the legitimization of one’s own state and its social order. History politics (politics of memory) aims to create imagined communities through unifying historical narratives, symbols, and practices. In the case of Holocaust memorials and museums, these serve to solidify Jewish identity (316). In 1990, a survey of the Jewish population in the United States revealed that civic engagement was declining, interfaith marriages were increasing, and Jewish identity was waning (317). Concerned about the future of their Jewish community, US-American Jews began developing numerous educational projects aimed at reconstructing, preserving, and strengthening Jewish identity. Holocaust remembrance is intended to unite the diverse diaspora identities of contemporary Jews by providing a platform where all identities can find expression (318). The Holocaust was incorporated into the project of constructing a Jewish identity, leading to the development of increasingly intensive Holocaust research. From then on, the Holocaust became a prominent subject of historical studies, particularly in the USA, Great Britain, Israel, Poland, and Germany.
 
Jews are not born, but are made, in particular, through identity politics. This raises the question of what makes a person “Jewish” (319). Unlike other religions, Jews understand themselves not only as a religious and faith community (320), but also as a nation (chosen by God). However, Jews are not born, but made, and this is a question of identity politics. In his book “Total Religion”, Egyptologist and religious scientist Jan Assmann explains the peculiarities of Jewish identity construction: “Jewish identity fluctuates between political, religious, and ethnic definitions. This is, as far as I can see, a rather unique case in human history. Ethnic identity is a question of ancestry (...), political identity is a question of association and dissociation, of joining and excluding, of group formation and demarcation from the outside, and religious identity is a question of cult and custom (...). What is special about the Jewish situation is the fusion of these three identity criteria. The symbolic figure of Abraham represents the fusion of religious and ethnic identity, the symbolic figure of Moses the fusion of religious and political identity. Through the Mosaic fusion, religion also becomes a question of association and dissociation. This gives rise to a religion of a completely new type, which then becomes the model for the new world religions. The characteristic feature of this new form of religion is its political character.” (321)
 
Most Jews today live in the USA (322) and in Israel, and their political lobby organizations (323), such as the American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) (324), have a great influence on US politics, especially foreign policy, but also on other policy areas such as history politics (politics of mind).
 
Today, being Jewish is not an inescapable fate. Today, everyone can refuse and reject the assignment of a Jewish identity, by whomever, and freely shape their own identity and personality (325), for example, in reference to ideas of the Enlightenment (326). For representatives and lobbyists of a total and political religion, which is simultaneously a power-political project shaping society and the state, such as the Jewish religion, this freedom of people poses an central problem, and they seek ways to keep people in intellectual unfreedom, dependence, and immaturity, and to prevent enlightenment. 
 
Based on a new way of thinking, the Enlightenment project, interrupted by the extreme 20th century, can be resumed and now re-established and further developed within a global framework of a peaceful world society. After the interruption caused by the extreme 20th century, a resumption and re-establishment of the Enlightenment project is called for, and a new, second, and now global Age of Enlightenment can be founded on a new and expanded foundation of knowledge and understanding (327). Just as in the Age of Enlightenment, the question today is: “How do we enlighten people so that they want to be enlightened? (328)”
 
On the two Christmas days I took part in two day tours offered daily by “City Sightseeing”, the “Cape Point & Penguins Tour”, a day tour which has the Cape of Good Hope (329) as its destination, and the day tour “Stellenbosch, Franschhoek & Paarl – 3 Regions Wine Tour”.
 
The “Cape Point & Penguins Tour” departed on December 25, 2025, at approximately 9:30 a.m. from the “City Sightseeing” bus stop at the tourist information center at 81 Long Street, using two fully occupied double-decker buses. The tour initially followed the route of the “Blue Mini Peninsula Tour”, which runs daily every 20 minutes and is operated by City Sightseeing buses. We passed the university campus and Kirstenbosch Botanic Gardens, which I had visited at the beginning of my travel on October 31, 2025, via this route. The tour then continued to the coast of False Bay near the locations Kalk Bay and Fish Hoek. The terrain on the Cape Peninsula is mountainous and covered with low, sparse shrub vegetation, a component of the “Fynbos” plant community, whose woody plants also form taller forest stands in Kirstenbosch Botanic Gardens.
 
This low-lying shrubland of the Cape Peninsula’s “fynbos” reminds me of the shrubland in the Mediterranean region, such as that found on the islands of Sardinia and Corsica, which I visited during my cycling travel to the central Mediterranean region in the summer of 2025. However, unlike in the Cape region of southern Africa, the shrubland in the Mediterranean region is a consequence of millennia of destruction and degeneration of the mixed deciduous forests that originally covered the Mediterranean region, and the associated destruction and degeneration of the soils throughout the entire Mediterranean region (330). The recent forms of degeneration of the original mixed deciduous forests are called “maquis” (331); and “garrigue” (332) is a more advanced stage of degeneration, the end stage of which is the bare rock of the karst landscape (333), which today particularly characterizes the once densely forested mountain regions of the Mediterranean region. The extensive deforestation of the entire Mediterranean region since early antiquity has led to a change in the Mediterranean climate, with summers in particular becoming hotter and drier. Today, the hot and dry summers in the Mediterranean region appear to us as a natural component of the Mediterranean climate zone of the Mediterranean subtropics (334), but in fact, they are the result of millennia of deforestation and environmental destruction, and thus a consequence of anthropogenic climate change. Both the current state of the vegetation and landscape, as well as the current climate of the Mediterranean region, appear to us as having always existed - a phenomenon based on ignorance and lack of knowledge, which the biologist Jared Diamond, in his book “Collapse: How Societies Choose to Fail or Succeed”, refers to as “landscape amnesia” (335).
 
In the south of the Cape Peninsula, the road ends at a large parking lot. To the southeast, the terrain rises to the Old Lighthouse, built in 1860 at an altitude of 250 meters. The actual “Cape of Good Hope” lies southwest of here. A hiking trail leads up to the Old Lighthouse, offering panoramic views of the Cape landscape. A cable car also ascends to the Old Lighthouse. Afterward, we hiked with the tour guide of today’s tour along a trail to the “Cape of Good Hope”. We then met up with the buses northwest of the Cape, which had been driven there in the meantime, and continued the tour. The next stop was south of Simon’s Town near the location Boulders, home to a small colony of African penguins (Spheniscus demersus), a popular tourist attraction. Only a small portion of the once extensive population of these penguins remains today. The buses then returned to Cape Town.
 
On December 26, 2025, I participated in the “Stellenbosch, Franschhoek & Paarl – 3 Regions Wine Tour”, a day tour offered daily by “City Sightseeing”. My motivation for taking this tour was the opportunity to explore the historic town center of Stellenbosch (336), considered the second oldest town in South Africa, with a historic core featuring buildings dating from 1785 to 1820. The first stop on this tour was the small town of Paarl. Like the other places visited that day, it lies in the heart of a wine-growing region surrounded by high mountains. Wine has been cultivated here for over 400 years. However, Paarl itself is not a sightseeing destination; instead, there is a wine tasting at a winery in the surrounding area. During the tour, there are two further wine tastings, which take up a significant portion of the time from today’s tour.
 
Therefore, the next town, Franschhoek, will only be passed through. Franchhoek means “corner of the French”, and the settlement of the area dates back to 1688, when Huguenots (337) who had fled religious persecution in France settled here. Winegrowing came to southern Africa with the Huguenots. In Franschhoek, there is a Huguenot Monument and a Huguenot Memorial Museum.
 
The city tour of Stellenbosch’s historic city center, founded in 1679, is brief, lasting only half an hour. Numerous historic buildings in the Cape Dutch style (338) have been preserved in this relatively small town and characterize its cityscape. Stellenbosch is an important university town.
 
On the morning of December 27, 2025, I departed from Cape Town International Airport (CPT) for my return flight to Berlin, with a layover in Paris. The airport terminal offers various shops as well as other amenities such as a smoking room and a prayer corner with carpets. The flight distance to Paris is approximately 10,000 kilometers, and the flight time is about 10 hours. During the flight, the airplane reached an altitude of over 13,000 meters with an outside temperature of -58°C and a flight speed of over 900 km/h. The flight initially followed the course of the southwest coast of Africa, which I could track on a monitor, and I tried to locate the landscape the airplane was flying over on my map. Since my connecting flight from Paris to Berlin was delayed at short notice, I had to spend the night of December 27 to 28, 2025, in the terminal building at “Charles de Gaulle” Airport (CDG) near Paris. The landscape outside the terminal was shrouded in high fog, with a temperature of +4°C. On the afternoon of December 28, 2025, when I arrived at Berlin-Brandenburg Airport (BER) after a flight of almost two hours, the weather was clear and the temperature was +1 °C.

13. Notes:

 
1) Confer (Cf.): https://en.wikipedia.org/wiki/Southern_Africa
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Africa
 
2) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Region
 
3) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Cognitive_categorization
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Theory_of_categories
Categories are open conceptual systems for structuring the experiential
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Experience
world.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/World
Every act of categorization is a necessary reduction
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Reductionism
of the infinite complexity and interdependence of reality (Wirklichkeit)
Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wirklichkeit
There is no article on the English Wikipedia for the term “Wirklichkeit”. The terms “Wirklichkeit” and “Reality” (Realität) are not synonym.
of the world, which, in its perception,
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Perception
is ultimately infinite and cannot be fully grasped by the human senses and the human mind
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Mind
in order to comprehend (begreifen) it.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Concept

Category formation is a foundation of every scientific discipline, and the question arises as to what constitutes the scientific nature of scientific category formation: Every scientific category formation in every scientific discipline must be based on significant,
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Statistical_significance
comprehensible and convincingly justified criteria.

4) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Klassifizierung

5) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geographischer_Raum

6) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wirklichkeit
There is no article on the English Wikipedia for the term “Wirklichkeit”. The terms “Wirklichkeit” and “Reality” (Realität) are not synonym.

7) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/World
Cf. also: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltbild
There is no article on the English Wikipedia for the term “worldview” (Weltbild).

8) Because reality is four-dimensional, with the present being a snapshot of a temporal-historical process, the spatial-geographical and temporal-historical dimensions must be combined and considered together. This distinguishes a dynamic worldview from a static one.

New insights from the geosciences and life sciences in recent decades have led to a paradigm shift and a new, dynamic understanding of global geological processes, amounting to a scientific revolution. As a result, the previous static worldview has been replaced by a dynamic one. The modern geodynamically grounded evolutionary-ecological worldview is a recent product of a synthesis of interdisciplinary scientific findings from the past few decades, to which geoscientists and life scientists have made particularly significant contributions. Confer chapters 4, 5, 6 and 7 of my text “Challenges of the Digital Technological Revolution”, which can be accessed and read on my website (only germen version available):
https://manfred-suchan.jimdosite.com/technologiepolitik/

9) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnisinteresse
There is no article on the English Wikipedia for the term “Erkenntnisinteresse”.
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Knowledge_and_Human_Interests

10) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vergleich_(Philosophie)
The method of comparison replaces the experimental method in the natural sciences, both in geography and history, as well as in other humanities and social sciences. In geography, the method of comparison was introduced and applied particularly by Alexander von Humboldt (1769-1859).
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Alexander_von_Humboldt

11) During my travels through parts of southern Africa, I used the following guidebooks, which proved to be informative and useful:
Philip Briggs, Ariadne Van Zandbergen: Südafrika, Lesotho und Eswatini. Ostfildern (DuMont Reiseverlag), 7. Edition 2025 (Stefan Loose Travel Handbücher).
Christine Philipp: Südafrika. Markgröningen (Reise Know-How Verlag), 9. Edition 2014.
Daniela Schetar, Friedrich Köthe: Namibia. Markgröningen (Reise Know-How Verlag), 12. Edition 2024.
Livia Pack, Peter Pack: Namibia. Ostfildern (DuMont Reiseverlag), 8. Edition 2018 (Stefan Loose Travel Handbücher).
Christoph Lübbert: Botswana mit Okawango-Delta. Markgröningen (Reise Know-How Verlag), 7. Edition 2019/20.

Regrettably, I must note that the various travel guide publishers, who a few decades ago produced guides for travelers who wanted to travel differently from the mainstream of mass tourism and the tourism industry, especially backpackers, have now largely adapted their guides to the mainstream of mass tourism and the tourism industry and are increasingly catering to a different target audience, obviously with the aim of increasing their editions. The tourism industry is part of consumer culture, and it markets distractions, diversions, and superficial pleasures. Younger travelers, in particular, are increasingly foregoing guidebooks altogether and traveling exclusively with the information they receive via their smartphones.

12) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Herodot
During my travels, I seek out the original geographical sites of historical events and also visit museums and memorials there in order to conduct historical research at these original locations. This method dates back to Herodotus of Halicarnassus (c. 490–425 BC), who used it to study the Persian Wars.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Greco-Persian_Wars

What fascinates me about the historian and geographer Herodotus of Halicarnassus is that he bases his historical research, such as on the Persian Wars, on a broad, self-acquired foundation of knowledge encompassing nearly all the knowledge of his era across diverse academic disciplines, including geography, ethnology, social sciences, political science, philosophy, and many others. This allows him to practice history as an integrative science. Furthermore, he traveled to the original sites of historical events, interviewed eyewitnesses, and analyzed written sources.

Also the historian Thucydides (c. 460–400 BC)
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Thucydides
applied such a methodology in his historical research on the Peloponnesian War
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Peloponnesian_War
and, in his view, history makes one “wise forever,” because it teaches, using the past as an example, rules of political prudence for the present and future.

In this form, historical consciousness
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Historical_consciousness
gains a vast experiential space of historical depth and geographical breadth, and it transcends the narrow boundaries within which history is alive as tradition.

13) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Portuguese_discovery_of_the_sea_route_to_India
Cf. as well as: https://de.wikipedia.org/wiki/Indienhandel
There is no article on the English Wikipedia for the term “Indienhandel”.
Cf. further: https://en.wikipedia.org/wiki/Indo-Roman_trade_relations
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Maritime_history

14) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/History_of_Africa
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/European_exploration_of_Africa

15) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/History_of_Egypt
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Ancient_Egypt

16) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Nubia#History

17) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/History_of_Ethiopia

18) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Early_Muslim_conquests#Conquest_of_Egypt:_639-642
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Arab_conquest_of_Egypt#Invasion_of_Nubia

19) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Backpacking_(travel)

20) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Adventure_travel#Overland_travel

21) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Adventure_travel

22) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Hippie_trail
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Overlanding#Hippie_Trail

23) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Lived_experience
Cf. also: https://de.wikipedia.org/wiki/Erlebnispädagogik
“Erlebnispädagogik” and “outdoor education” are obviously not the same thing:
Cf. https://en.wikipedia.org/wiki/Outdoor_education

24) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Experience

25) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis
There is no article on the English Wikipedia for the term “Erkenntnis”.
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Epistemology
Cf. also: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis_für_freie_Menschen
There is no article on the English Wikipedia for the term “Erkenntnis für freie Menschen”.

26) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Age_of_Enlightenment

27) Cf.: Hans Magnus Enzensberger: Eine Theorie des Tourismus. In: Derselbe: Einzelheiten I. Bewußtseins-Industrie. 1962, Frankfurt am Main. P. 179-205.

28) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Reisefreiheit
There is no article on the English Wikipedia for the term “Reisefreiheit”.

29) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkerverständigung
There is no article on the English Wikipedia for the term “Völkerverständigung”.

30) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Consumerism

31) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Bologna_Process
With the technocratic Bologna reforms, the entire education and science sector across Europe became a homogenized appendage of the economic process within the European Greater Economic Area (Großwirtschaftsraum), which is managed by the European Union. This technocratic Bologna reform is by far the most prominent example of the regulatory and homogenization zeal that drives the technocrats of the European Union.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Technocracy
The technocratic Bologna reform was implemented without any protests.
Cf. https://en.wikipedia.org/wiki/Student_protest

Thus, the EU has developed into a technocratic empire
Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltreich
There is no article on the English Wikipedia for the term “Weltreich”.
in which innovative and forward-looking concepts, as well as participation and democracy, are lacking. Innovative and forward-looking concepts, as well as participation and democracy, are no longer relevant topics in EU-Europe today, because the EU now wants to present itself as an effective, efficient, capable of intervention and assertive global actor in the context of the expected future geopolitical 
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Geopolitics 
crises and conflicts in the world system in order to be able to compete geopolitically with other worldpowers, and these new crises and conflicts in the world system have already begun, as we must determine in several ways. In the course of the redistribution of global spheres of interest and influence that has been taking place since 1989/90, the EU is expanding further and further as an imperial actor, the nation-state
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Nation_state
continues to be considered the ideal to be strived for in politics, and less and less consideration is given to minority rights
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Minority_rights
and human rights.

32) Cf.: Hans Magnus Enzensberger: Bewußseins-Industrie. In: Derselbe: Einzelheiten I. Bewußtseins-Industrie. 1962, Frankfurt am Main. P. 7-17.
Hans-Magnus Enzensberger (1929-2022)
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Hans_Magnus_Enzensberger
demonstrates, that in advanced industrial society, the progressive industrialization of consciousness is carried out by the “Bewußtseins-Industrie“ (consciousness industry). In advanced industrial society, more and more areas of society are subjected to economic calculation, instrumental-rationally adjusted, and according to technical rationality and “instrumental reason” (Max Horkheimer) standardized and industrialized.

Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Instrumentelle_Vernunft
There is no article on the English Wikipedia for the term “Instrumentelle Vernunft” (instrumental reason).
Cf. as well as: Max Horkheimer: Zur Kritik der instrumentellen Vernunft. 1974, Frankfurt am Main.
“Instrumental reason” and its critique form the key analytical category of the “Critical Theory” of the “Frankfurt School” founded by the social philosopher Max Horkheimer (1895-1973), which provides a synthesis of social and cultural critique based on interdisciplinary analyses in the humanities and social sciences.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Max_Horkheimer#Eclipse_of_Reason
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Eclipse_of_Reason_(Horkheimer)
The critique of instrumental reason is a critique of the domination of nature, whereby the domination of nature finds its continuation in the domination of the inner and outer nature of the human beings, the domination of individuals, and the domination of society; this nexus of violence forms a transhistorical continuum.

According to Hans Magnus Enzensberger, the societal goal of the consciousness industry is the same everywhere: “to perpetuate existing power relations, of whatever kind they are. It is intended only to induce consciousness in order to exploit it”, and it begins with “the elimination of alternatives (...). That this state of affairs is accepted and voluntarily endured by the majority is today the most important achievement of the consciousness industry”. Thus, the consciousness industry is the key industry of the 21st century. With the technocratic Bologna reforms, the consciousness industry reaches its full potential, as it seizes control of its core element: the entire education sector, which is virtually brought into line and homogenized (gleichgeschaltet).

33) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Bicycle_touring
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Touring_bicycle
The following cycling guides provide a good basis for planning cycling tours:
Herbert Lindenberg: Europa per Rad. Markgröningen, 8. Auflage 2022 (Reise Know-How Verlag).
Thomas Schröder, Helmut Hermann: Fahrrad Weltführer. Markgröningen, 4. Auflage 2016 (Reise Know-How Verlag).
Neil Pike, Harriet Pike: Adventure Cycle-Touring Handbook. Worldwide Cycling Route & Planning Guide. Hindhead (Surrey), 3. Auflage 2015 (Trailblater Publications).
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Adventure_travel

34) Cf.: https://www.instagram.com/clementgmn_/

35) Cf.: https://www.youtube.com/@vagabundodelmundo1973

36) Cf.: https://www.wiebkeluehmann.com/
Cf. as well as: https://www.instagram.com/wiebkelueh/

37) Cf.: Notes 326, 327 and 328.

38) The historian Eric J. E. Hobsbawm (1917-2012) distinguishes between a “long” 19th century
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/19th_century
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Long_nineteenth_century
Cf. to this also note 273.
and a “short” and “extreme” 20th century:
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/20th_century
Cf. also: https://de.wikipedia.org/wiki/Kurzes_20._Jahrhundert
There is no article on the English Wikipedia for the term “Short Twentieth Century”.
Cf. furthermore: Eric Hobsbawm: Age of Extremes. The Short Twentieth Century 1914-1991. 1994, London.
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/The_Age_of_Extremes

Today, the entire modern age, and especially the industrial age, is suspected of culminating in the extreme 20th century.

The following are characteristic elements that define and shape the 20th century in its entire historical depth and geographical breadth as an “extreme” century with a unique defining feature:
1. Ethnic cleansing.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Ethnic_cleansing
2. The total institution
Cf. https://en.wikipedia.org/wiki/Total_institution
of the camp as the total institution for the instrumental management of masses of people in their various forms.
Cf. https://en.wikipedia.org/wiki/Camp
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Internment
3. The state of emergency.
Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ausnahmezustand
A comprehensive world history of the state of emergency is still lacking.
4. The dual state.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Dual_state_(model)
5. Total mobilization (Totale Mobilmachung).
Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_totale_Mobilmachung
There is no article on the English Wikipedia for the term “Totale Mobilmachung”.
6. Total industrial warfare.
Cf. https://en.wikipedia.org/wiki/Industrial_warfare
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Total_war
And others. As characteristic and defining elements, they possess the content of analytical categories, which must therefore be at the center of any analysis of the extreme 20th century.

39) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Cape_Town

40) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Dutch_East_India_Company
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/East_India_Company_(disambiguation)

41) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Bastion_fort
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Bastion
The architecture of the modern citadel is induced and determined in particular by the advent of cannons with great destructive power.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Gunpowder_empires

42) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Portuguese_discovery_of_the_sea_route_to_India

43) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Global_city

44) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Constantinople

45) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Fall_of_Constantinople
These events of 1453 are the subject of a large diorama in the megacity of Istanbul called “Panorama 1453”, which I visited on September 4, 2023, during my cycling travel through southeastern Europe in the summer and autumn of that year 2023. In this diorama, Muhammad (570-632),
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Muhammad
the founder of Islam, is quoted, as having conceived and proclaimed the plan to conquer the world city of Constantinople: “Constantinople will definitely be conquered one day. What a great commander is the one who conquers it, what a great army it is”.

Undoubtedly, Muhammad knew that world city Constantinople, protected by the Theodosian Walls since 413, was the most important western terminus of the transcontinental Eurasian Silk Road trade, whose riches had to be seized and controlled for the purpose of further expanding his power. Moreover, Constantinople, protected by the Theodosian Walls, had served as a bulwark towards the East in Europe for many centuries during Late Antiquity and the Middle Ages, until the decline of the Byzantine Empire. Its successful conquest would thus enable the Arab armies led by Muhammad and his successors to subsequently conquer and forcibly Islamize all of (Christian) Europe, as had occurred in other conquered territories. This included the imposition of the state model associated with Islam - Oriental despotism - and the societal model associated with Islam - slave society - and the legal system associated with Islam - Sharia.

The conquest of the metropolis of Constantinople in 1453 demonstrates that historical events and developments can be traced back to intentions and plans that originated many centuries earlier. This example also shows that nothing in history happens by chance, but rather that everything that happens, and how it happens, is also intended.

Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_sieges_of_Constantinople

46) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Silk_Road

47) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Byzantine_Empire
Tolerating the settlement of the Turks in the Anatolian highlands proved fatal for the Byzantine Empire. The Turks began plundering the caravans of the Silk Road, whose most important western terminus was the metropolis of Constantinople, and the states they founded - the Sultanate of Rum
Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Sultanate_of_Rum
and its successor, the Ottoman Empire - successively conquered all the cities and territories of the Byzantine Empire until the Ottoman Empire had ultimately completely occupied and replaced the Byzantine Empire. The cultural-historical process of Hellenization
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Hellenization
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Hellenistic_period#Hellenistic_culture
was then superseded by a counter-process of Turkification, which continues to this day.
Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Turkification

48) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Ottoman_Empire

49) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Gunpowder_empires

50) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Sack_of_Constantinople
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_sieges_of_Constantinople

51) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Republic_of_Venice
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Maritime_republics

52) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Walls_of_Constantinople

In my opinion, the most impressive sight in the modern megacity of Istanbul, which I visited during my cycling travel through southeastern Europe in 2023, are the colossal Theodosian Walls, the largest medieval city walls in Europe. They were built to prevent a similar tragedy in Constantinople/Byzantium following the sack of Rome by the Goths in 410 AD. However, the sack of Constantinople itself occurred in 1204 AD during the Fourth Crusade, with the Maritime Republic of Venice playing a particularly decisive role. This sack of Constantinople in 1204 AD, along with the establishment of the Latin Empire, initiated the decline of the Byzantine Empire, a decline that culminated in the conquest of Constantinople by the expanding military empire of the Ottoman Empire, a so-called “Gunpowder Empire”, in 1453. These events of the year 1453 are in Istanbul the subject of a large diorama there called “Panorama 1453”.

The destruction of the Theodosian Walls and the conquest of Constantinople that it made possible in 1453 was achieved unexpectedly and to the surprise of the defenders with the help of a large number of the world’s largest cannons at the time, which had been specially made for this purpose of destroying the Theodosian Walls.

The conquest of the metropolis of Constantinople in 1453 is considered a milestone marking the transition from the Middle Ages to the modern era, and its consequences were far-reaching. In this context, I would like to highlight two aspects: a) the decline of cities and b) the shifting of global trade routes and centers of trade.

a) For nearly 1000 years, spanning Late Antiquity and the entire Middle Ages, the Theodosian Walls, the largest city walls in Europe during this period, effectively protected the metropolis of Constantinople. They served as a well-known example for other cities in Europe, which also fortified themselves with city walls, thereby maintaining a high degree of political independence and autonomy.
Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Stadt
There is no article on the English Wikipedia for the term “Freie Stadt”.
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Free_imperial_city
Consequently, the most significant socio-political divide in the Middle Ages existed between the mostly republican constituted cities and the autocratically ruled feudal area states. However, particularly due to the development of cannons with their increasingly destructive power, city walls offered less and less protection by the end of the Middle Ages.

Sultan Mehmet II (Mehmet the Conqueror) (1432-1481)
Cf. https://en.wikipedia.org/wiki/Mehmed_II
made the conquest of Constantinople his life’s work, meticulously preparing for it over many years with great effort. Among other things, he commissioned the production of a large number of the world’s largest cannons for the destruction of the Theodosian Walls. Their use unexpectedly and to the defenders’ surprise, the walls were indeed destroyed, and the city was captured. The destruction of the Theodosian Walls by these then-largest cannons was a far-reaching signal, as it made it unmistakably clear throughout Europe that traditional medieval city walls no longer offered any protection.

As a consequence, new fortress concepts were developed in the Early Modern period, particularly that of the citadel, and a new science of fortification emerged. Compared to the walls and castles of the Middle Ages, however, these new fortresses of the Early Modern period were more elaborate and costly, so that the princes in the Age of Absolutism strove to increase their revenues through mercantilist economic policies, a component of which was the establishment of long-distance trading companies. Cannon construction and fortress construction were interdependent: the development of cannons with ever more destructive power led to the construction of increasingly elaborate fortifications. The development of the destructive power of cannons later reached a (provisional) climax in the First World War, the first total industrial war and the primordial catastrophe of the 20th century, in which they, as weapons of mass destruction, caused 70% of all war deaths.

b) The conquest of Constantinople in 1453 largely disrupted the long-distance trade connections between Europe and Asia that had existed since antiquity. These connections ran through the Mediterranean and Black Seas and were linked to transcontinental trade routes in Asia, particularly the Silk Road. This disruption of transcontinental trade connections in Eurasia spurred the search for alternative maritime trade routes to South and Southeast Asia via the Atlantic and Indian Oceans around Africa, leading, among other things, to the discovery of the Americas. Trade across the Mediterranean declined in importance, as did the previously dominant long-distance trade centers in the Mediterranean region, such as Venice and Genoa. These were replaced by new long-distance trade centers in the southern North Sea region, such as Amsterdam, Antwerp, and London, where long-distance trade was conducted through trading companies endowed with extensive privileges and powers, including the right to conquer and quasi-state-govern overseas colonies. Prominent examples of these trading companies are the British East India Company (EIC), the Dutch East India Company (VOC), and the French East India Company.

53) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Political_geography

54) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/World_history_(field)

55) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Huns
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Migration_Period

56) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Western_Roman_Empire

57) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Early_Muslim_conquests

58) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Siege_of_Constantinople_(674-678)

59) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Siege_of_Constantinople_(717-718)

60) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Mongol_Empire

61) Mongol expansion in Europe was not halted, as the events at Wahlstatt/Legnica Pole on April 9, 1241, demonstrate.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Battle_of_Legnica
These events of April 9, 1241, are the subject of the Museum of the Battle of Legnica,
Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Museum_zur_Schlacht_bei_Liegnitz
There is no article on the English Wikipedia for the term “Museum zur Schlacht bei Liegnitz”.
which I visited on August 28, 2021. The museum’s richly detailed exhibition, entitled “Clash of Two Worlds”, explores the historical context and background of this event.

The question arises as to why the Mongols ended their successful expansion in Europe, which they might have been able to completely conquer after the events of April 9, 1241. Historians in Vietnam attribute the end of the Mongol expansion, during which the Mongols also conquered China in 1279, to their defeats in 1257/1258, 1284, and 1287/1288 in their attempts to conquer Vietnam and Champa. These Mongol defeats in Vietnam contributed significantly to the end of the Mongol expansion in Europe. This view of the historical events surrounding the Mongol expansion was conveyed both by the History Museum in Hanoi during my visit on March 14, 2017, and by the History Museum in Saigon/Ho Chi Minh City during my visit on April 2, 2017.

62) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Conscription#Military_slavery
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Mamluk
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Janissary
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Devshirme

63) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Ottoman_wars_in_Europe
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Siege_of_Vienna_(1529)
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Battle_of_Vienna 

64) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Fourth_Crusade

65) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Latin_Empire 
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Reconquest_of_Constantinople

66) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Marco_Polo#The_Travels_of_Marco_Polo
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/The_Travels_of_Marco_Polo

67) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Kingdom_of_Portugal

68) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Portuguese_Empire
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Portuguese_India_Armadas

69) Cf.: https://camissamuseum.co.za/

70) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Slave_Lodge,_Cape_Town
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Slavery_in_South_Africa

71) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/History_of_slavery
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Slavery

72) Within the context of human history, the process of domestication
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Domestication
is a very recent phenomenon, and it is linked to the Neolithic Revolution. Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Neolithic_Revolution
The process of domestication encompassed not only animals and plants, but entire landscapes and ecosystems were domesticated and transformed. Humans themselves were also affected and changed by the process of domestication.

In his book, “Against the Grain. A Deep History of the Earliest States”, political scientist and anthropologist James C. Scott demonstrates the extent to which humankind itself was affected and transformed by the process of domestication. As with domesticated animals, the process of domestication led to both anatomical and behavioral changes in humans, including a novel herding behavior that enabled the emergence of mass societies and life within them. Furthermore, numerous novel diseases arose that were previously unknown in human history. Human reproductive behavior changed, resulting in significantly increased fertility rates that more than compensated for the increased mortality rate caused by the numerous newly emerging diseases and led to population growth. The newly formed states promoted this population growth for reasons of power politics, aiming to increase the number of workers, slaves, taxpayers, and soldiers subject to the power elites of the early states.
Cf.: James c. Scott: “Against the Grain. A Deep History of the Earliest States”. 2017, New Haven, London.

73) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/History_of_slavery_in_the_Muslim_world
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Islamic_views_on_slavery
Cf. further: https://en.wikipedia.org/wiki/Saqaliba

The Islamic empires
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Caliphate
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Ottoman_Empire#Government
Cf. further:https://en.wikipedia.org/wiki/Government_of_the_classical_Ottoman_Empire
Cf. furthermore: https://en.wikipedia.org/wiki/Mughal_Empire#History
that arose as a result of the so-called “Islamic expansion” were oriental despotisms
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Oriental_despotism
slave-owning societies
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/History_of_slavery_in_the_Muslim_world
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Islamic_views_on_slavery
Cf. furthermore: https://en.wikipedia.org/wiki/Slavery_in_the_Ottoman_Empire
and military empires. The entire state apparatus and the military were based on the principle of slavery. As tribute, a portion of the children of the conquered and subjugated populations, predominantly Christians, were demanded and conscripted - the so-called “devshirme”.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Devshirme
These abducted children were forcibly converted to Islam, indoctrinated, conditioned and raised to be loyal servants of the ruler. They were then employed in the state apparatus, where they administered the population subservient to the ruler, and in the military apparatus, which was based on slave armies. These military slaves were called Mamluks
Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Mamluk
and also Janissaries.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Janissary

While Christianity, which arose in the eastern Mediterranean region, and which arose like Buddhism through a syncretistic cultural exchange with Hellenism, and which initially functioned as a social revolutionary movement in the Roman Empire before becoming the state religion, overcoming and abolishing the slavery of antiquity within its sphere of influence, Islam represents a radical counter-movement. Based on its foundation as a religion of conquerors and rulers, the slavery of antiquity is expanded and made into the fundamental principle of state power and its expansion. Thus, the slavery of antiquity is intensified, geographically expanded, and perpetuated and transmitted through the Middle Ages into the modern era.

74) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_chartered_companies
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/East_India_Company_(disambiguation)
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/West_India_Company 

75) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Mercantilism

76) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Absolutism_(European_history)

77) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/East_India_Company

78) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Louis_XIV‘s_East_India_Company

79) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Atlantic_slave_trade
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Slavery_in_Africa

The African explorer David Livingstone, among others, describes where and how the slaves came from and arrived at the slave markets:
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/David_Livingstone
In 1871, Livingstone witnessed Arab slave traders, along with approximately 1,500 other people, charging into the marketplace of Njangwe. They had previously surrounded the village. Many locals were abducted by the Arabs, 400 people died, and 27 villages were burned down. Livingstone was outraged and broke with the Arabs.

For every person deported in the slave trade, an additional three to four people must be considered to have died during slave raids, in epidemics, through castration, and so on.

80) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Plantation_economy
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Plantation
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Slave_plantation

Plantation economies and their distinctive agricultural history
Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Agrargeschichte
There is no article on the English Wikipedia for the term “Agrargeschichte”.
and agricultural constitution
Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Agrarverfassung
There is no article on the English Wikipedia for the term “Agrarverfassung”.
continue to shape rural areas in large parts of countries outside Europe. In the modern era, plantation economies and their monocultures became the model for the worldwide mechanization and industrialization of agriculture, with slaves being replaced by machines. In the Soviet Union, the industrialization and collectivization of agriculture followed the model of the agricultural industry in the USA, which itself emerged from plantation economies, and was conceived by agricultural engineers from the USA.
Cf. for this: Florian Hurtig: Sowjetische Simplifizierung als Kopie des amerikanischen Modells. In: Derselbe: Paradise lost. Vom Ende der Vielfalt und dem Siegeszug der Monokulturen. 2020, München. P. 284-291.

The consequence was that agriculture and the peasantry in the Soviet Union were transformed into an “internal colony” which enabled the forced industrialization and modernization of the Soviet Union. This brutally pursued industrialization made the Soviet Union a world power, and at the same time, it underwent extensive military rearmament. Stalin’s “Great Terror” proved to be an integral part of the terror of the modern industrial age.
Cf. to this notes 119 and 120.

81) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Abolitionism

82) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Port-Louis,_Morbihan

83) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Standing_army

84) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Territorial_state

85) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Louis_XIV

86) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Sébastien_Le_Prestre,_Marquis_of_Vauban

87) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Fortifications_of_Vauban

88) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Territorial_state#Personenverbandsstaat

89) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Stadt
There is no article on the English Wikipedia for the term “Freie Stadt”.
As well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Free_imperial_city

90) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Robben_Island
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Robben_Island_(prison)

91) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Apartheid

92) Cf. Note 38.


93) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Total_institution
The term “total institution” was coined in particular by the sociologist Erving Goffman (1922-1982), who lists characteristics of total institutions in his study: “Asylums. Essays on the Social Situation of Mental Patients and Other Inmates”.
Cf.: Erving Goffmann: Über die Merkmale totaler Institutionen. In: Derselbe: Asyle. Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen. Frankfurt am Main, 1972. P. 13-23.

Examples of total institutions include: prisons, camps in their various forms, barracks as well as conscription, factories, hospitals, and schools. Total institutions create a space of inclusion and exclusion and are characterized in particular by the “special power relations” (Besondere Gewaltverhältnisse) prevailing within them, which aim at extralegality and special treatment (Sonderbehandlung).

The “prerogative state” (Maßnahmenstaat) according to Ernst Fraenkel can be seen as a radicalized form of total institutions and the “special power relations” (Besondere Gewaltverhältnisse) prevailing in them, which aim at extralegality and special treatment (Sonderbehandlung).
Cf.: Ernst Fraenkel: The Dual State. A Contribution to the Theory of Dictatorship. 1941, New York.
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/The_Dual_State
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Dual_state_(model)

In this analysis of the rule in the National Socialist state, first published at the turn of the year 1940/1941, the political scientist and jurist Ernst Fraenkel (1898-1975)
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Ernst_Fraenkel_(political_scientist)
distinguishes between the continuing existence of the institutions of a legal “normative state”, whose actions are guided by laws, and the newly created institutions of an extralegal “prerogative state” as an instrument of arbitrary power enfolding and unbridled violence cxecution. Historical examples of institutions of the “prerogative state” include, in particular, the NS concentration camps, as well as the SS, the Gestapo, the SD, the RSHA, “Action T4”, and the Einsatzgruppen of the Security Police and the SD. The “prerogative state” can be seen as a radicalized form of “total institutions” and the “special power relations” (Besondere Gewaltverhältnisse) prevailing within them, which aim at extralegality and special treatment (Sonderbehandlung).

In their various forms, total institutions are ubiquitous, accepted and tolerated as a self-evident foundation of society and as an integral part of societal and state power. Within the framework of the totalitarian concept of society and the state, the functional principle of total institutions is transferred and applied to potentially all areas of society. An end to the age of the totalitarian and totalitarianism is therefore impossible without overcoming and abolishing the concept of total institutions, for they are the sources from which the idea of the totalitarian and totalitarianism and the practice of totalitarianism can continually spread throughout society and shape people accordingly. The abolition of total institutions means nothing less than drawing consequences from the extremes of the 20th century and subjecting its foundations to revision.

94) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Prison

95) The total institution of the camp in its various forms is the total institution for the instrumental management, surveillance, control and conditioning of masses of people; it is an invention of the modern age, and it is an instrument of industrial society.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Camp
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Internment

The internment camp originated in the colonies, where it was used as an instrument of repression. During the First World War, the previously discredited internment camps of the colonies were used in Europe for the first time. With the First World War, the application of colonial methods of oppression began in Europe itself, and Europeans now became the object of colonial methods of oppression. “The First World War was an important laboratory for what was to come”, explains the historian Karl Schlögel in his text„Bugwelle des Krieges“: “Here, the methods and practices of total war were tested on a large scale for the first time. (...) Here, practices were perfected that had previously been tested on the periphery of imperialism, in the colonies – from concentration camps to border demarcation with a razor to the casual routine of mass execution; racism, as Hannah Arendt had shown, migrated from the periphery back to the motherland.”
See: Karl Schlögel: Bugwelle des Krieges. S. 185-186. In: Stefan Aust, Stephan Burgdorff (Hg.): Die Flucht. Über die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten. 2003, Bonn. P. 194-195.

The total institution of the camp, as a modern form of terrorist coercion against large groups of people, permeates and shapes the history of the 20th century, and it is one of the essential and characteristic elements that make the 20th century an extreme one. The total institution of the camp emerged on the eve of the 20th century, and its trajectory is not yet over. It provides an example of how “modernity, precisely in its normality, is the foster father of the excesses of this century”, as the social scientist Gerhard Armanski analyzes in his book, “Machines of Terror: The Camp (Concentration Camp and Gulag) in Modernity”.
See: Gerhard Armanski: Maschinen des Terrors. Das Lager (KZ und GULAG) in der Moderne. Münster, 1993. P. 18.

96) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Penal_colony
The penal colony can be seen as the origin and prototype of the concentration camp as a component of the “prerogative state”, such as the NS concentration camps. The Guantanamo Bay detention camp can be cited as a recent example of such a concentration camp as a component of the “prerogative state”.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Guantanamo_Bay_detention_camp

97) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Panopticon
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Prison#Development_of_the_modern_prison

98) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Prison_abolition

99) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Iziko_South_African_Museum
Cf. as well as: https://www.iziko.org.za/museums/south-african-museum/

100) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Rock_art

101) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/San_peoples

102) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Material_culture
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Non-material_culture

103) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Savanna

104) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Antarctic_Treaty_System

105) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Charles_Darwin

106) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Second_voyage_of_HMS_Beagle

107) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Kirstenbosch_National_Botanical_Garden

108) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Fynbos

109) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Cape_Floristic_Region

110) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Phytochorion

111) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Introduced_species

112) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Table_Mountain

113) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Agrarverfassung
There is no article on the English Wikipedia for the term “Agrarverfassung”.

114) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Agrargeschichte
There is no article on the English Wikipedia for the term “Agrargeschichte”.
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/History_of_agriculture

115) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Rural_area

116) Cf. note 80.

117) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Monoculture
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Extractivism

118) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Settler_colonialism

119) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Industrialization_in_the_Soviet_Union
Cf. also notes 80 and 120.

120) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Collectivization_in_the_Soviet_Union
Cf. also notes 80 and 119.

In the course of the Soviet Union’s industrialization, as part of the First Five-Year Plan
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/First_five-year_plan_(Soviet_Union)
during forced collectivization, from 1929 to 1933 the so-called “dekulakization”
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Dekulakization
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Nazino_tragedy
was carried out. This resulted in a severe famine.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Soviet_famine_of_1930-1933

This “dekulakization” continued with the so-called “Kulak Operation” of the NKVD,
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/NKVD
which was carried out on the basis of NKVD Order No. 00447 of July 30, 1937.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/NKVD_Order_No._00447
The German-language article is more detailed:
Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/NKWD-Befehl_Nr._00447
From August 1937 to November 1938, between 800,000 and 820,000 people were arrested, of whom at least 350,000 - possibly up to 445,000 - were shot; the remainder were sent to Gulag penal camps.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Gulag

The oppression of the peasantry and their exploitation as an “internal colony” enabled the Soviet Union’s rapid industrialization and modernization. This brutal industrialization transformed the Soviet Union into a world power, and it was accompanied by extensive military buildup. In the modernization terror, Stalin’s “Great Terror” proves to be part of the terror of the age of industrial modernity.

121) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Extinction#Modern_extinctions
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Extinction_event#Sixth_mass_extinction
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Biodiversity_loss

122) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Anthropocene

123) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Wadi

124) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Desert
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Semi-arid_climate

125) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Trockensavanne
There is no article on the English Wikipedia for the term “Trockensavanne” (Dry savanna).
Cf. instead: https://en.wikipedia.org/wiki/Savanna

126) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Namibia

127) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Lüderitz

128) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Windhoek

129) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Henley_Passport_Index

130) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Berlin_Conference

131) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Protectorate

132) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/German_Empire

133) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/German_South_West_Africa

134) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Turnhalle_Constitutional_Conference

135) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Gibeon_(meteorite)

136) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Independence_Memorial_Museum_(Namibia)

137) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Nation-building
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Nationalism
The idea of the nation and the nation-state is the most powerful idea ever to have originated in Europe, and today it is the only viable and alternativless option worldwide. The idea of nationalism, which originated in Europe, has spread across the globe in several major waves. The idea of the nation and the nation-state first spread on a larger scale beyond its European origins during the first wave of decolonization in the 19th century, particularly following the dissolution of the Spanish colonial empire in Central and South America. It then spread to Eastern Europe after the First World War, and after the Second World War, during the second wave of decolonization in Asia and Africa, the idea of the nation and the nation-state achieved its current global reach and unquestionable alternativless implementation.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Decolonization
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Decolonisation_of_Africa

In his book, “Nationalism: History, Forms, Consequences”, historian Hans-Ulrich Wehler poses the question: “Why did nationalism become such an attractive export commodity, even though the recipient countries had completely different socio-cultural and political conditions?” He elaborates: “These anti-colonial emancipation movements were a resounding success (...) after the Second World War, when massive US pressure to dissolve all Western colonial empires, combined with the explosive impact of militant intra-colonial guerrilla and liberation movements, ushered in the era of global decolonization. This was accompanied by a new wave of transfer nationalism. All these colonial territories, hastily released into a precarious state of autonomy, wanted to emulate the model of the Western nation-state. While the peace treaties after the First World War had declared it the norm for the entire European world of states, it was now elevated to a globally binding political entity for a considerable period.”
See: Hans-Ulrich Wehler: Nationalismus. Geschichte, Formen, Folgen. 2001, München. P. 15. and p. 93.

The so-called “national liberation movements” were the actors who helped the idea of the nation and the nation-state achieve its worldwide and, today, inescapable and alternativless imposition. Today, the idea of the nation is alternativless; the nation-state is regarded as the quasi-natural and alternativless organizational form of human society, and everywhere people are compelled to organize themselves according to the model of the nation and the concept of the nation-state.
Cf. to this my text: “Modern Nationalism as a Political Religion – On the Construction of the Nation in the Age of Modern Nationalism”, which can be accessed and read on my website (only in German language available):
https://manfred-suchan.jimdosite.com/geschichtspolitik/

In my view, from a global historical perspective, decolonization, as it actually occurred, has failed because it was the vehicle for imposing the idea of the nation and the concept of order based on the nation-state worldwide and without alternative.

138) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/League_of_Nations

139) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Union_of_South_Africa

140) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/SWAPO

141) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsbild
There is no article on the English Wikipedia for the term “Geschichtsbild”.

142) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Herero_people

143) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Nama_people

144) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Genocide
The debates surrounding the term “genocide” are mostly highly politically motivated. This is particularly evident in the case of the so-called “genocide of the Herero and Nama”:
Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkermord_an_den_Herero_und_Nama
Obvious the apparent goal of the history politics (politics of memory)
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Politics_of_memory
is to elevate these historical events to the “seminal catastrophe” of the “extreme” 20th century, in order to allow this development to culminate in the Holocaust. Cf. notes 311 to 328.
In this way, an imagined transhistorical collective subject, “the Germans”, can be held collectively responsible for the “extremes” of the “extreme” 20th century.

Until now, the First World War has for good reasons been considered the “primordial catastrophe” of the (“extreme”) 20th century, and the question arises as to how it could have happened. This question is addressed in particular in chapters 7, 9, and 10 of my present travelogue.

A comprehensive scientific account of the displacement, expulsion, and partial extermination of the San in southern Africa is lacking. Today, the San live only in small, remote parts of southern Africa, and their traditional culture and way of life have almost completely disappeared. Even today, the San in southern Africa continue to face discrimination and marginalization. Cf. note 178.

145) Cf.: Hans Hilpisch: „Wo sind die Herero geblieben?“ Neue Erkenntnisse und Theorien zum Rückzug der Herero in die Omaheke 1904/1905. 2. Überarbeitete und erweiterte Auflage 2021, Windhoek.
Cf. also: Hans Hilpisch: Die Kolonialkriege in Deutsch-Südwestafrika (1904-1908). Daten, Fakten und eine kritische Auseinandersetzung mit den widersprüchlichen Forschungsergebnissen der letzten Jahrzehnte. 4. Auflage 1922, Windhoek.

146) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Atrocities_in_the_Congo_Free_State

147) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Congo_Free_State

148) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Leopold_II_of_Belgium

149) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Brussels_Geographic_Conference
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/International_African_Association

150) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Imperialism#Age_of_Imperialism

151) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Geopolitics

152) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Scramble_for_Africa

153) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Royal_Museum_for_Central_Africa

154) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Brussels_International_Exposition_(1897)#Colonial_exhibit
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/World‘s_fair
World’s Fairs, as international technical and commercial showcases in the age of industrial modernity, also include colonial exhibitions, which were likewise conceived as showcases in the age of industrial modernity, such as the Colonial Exhibition in Berlin in 1896, the Colonial Exhibition in Brussels in 1897, the Colonial Exhibition in Paris in 1931, the Colonial Exhibition in Brussels in 1958, and others.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Colonial_exhibition

155) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Palace_of_Justice,_Brussels

156) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Natural_rubber
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Atrocities_in_the_Congo_Free_State#Red_rubber_system_and_the_Force_Publique
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Abir_Congo_Company

157) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Putumayo_genocide
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Amazon_rubber_cycle#Effects_on_indigenous_population

The genocide in Putamayo, perpetrated during the rubber boom that began in the Amazon region around 1850 and by the “Peruvian Amazon Rubber Company” led by Julio César Arena del Águila (Cf. note 154), is the subject of the Ethnological Museum in the city of Leticia, located at the tripoint of Colombia, Peru, and Brazil on the Amazon River with the towns of Leticia (Colombia), Santa Rosa (Peru), and Tabatinga (Brazil). I visited this museum on April 7, 2016, during my riverboat cruise through the Amazon region from March 26 to April 21, 2016, traveling on the Amazon from Yurimaguras via Iquitos, Santa Rosa/Leticia/Tabatinga, to Manaus, and then continuing on the Rio Madeira to Porto Velho. This riverboat cruise through the Amazon region took place as part of my first South America travel (December 9, 2015 to June 3, 2016). During my second South America travel in the spring of 2020, which should to be a follow-up travel to my first South America travel, the so-called “Corona crisis” occurred unexpectedly and surprisingly. I report on my experiences and insights from both South America travels against the backdrop of the “Corona crisis” in my travelogue “Impressions in Times of the ‘Corona Crisis’ – A Travelogue from South America”. This travelogue can be accessed and read on my website (only in German language available):
https://manfred-suchan.jimdosite.com/
https://manfred-suchan-reisen.jimdosite.com/reisefreiheit/

158) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Julio_César_Arana

159) The oppression of the peasants and their exploitation as an “internal colony” enabled the forced industrialization and modernization of the Soviet Union.
Cf. Notes 80, 119 and 120.

160) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Succulent_plant

161) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Alexander_von_Humboldt

162) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Holism

163) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Reductionism

164) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Great_Escarpment,_Southern_Africa

165) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Namib

166) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Benguela_Current

167) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Swakopmund

168) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Swakopmund_Museum
There is no article on the English Wikipedia for the term “Swakopmund Museum”.

169) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Orange_River

170) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Etosha_National_Park

171) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Kalahari_Desert

172) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Deserts_and_xeric_shrublands

173) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Etosha_Pan

174) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Wilderness

175) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Instrumentelle_Vernunft
There is no article on the English Wikipedia for the term “Instrumentelle Vernunft” (instrumental reason).
Cf. as well as: Max Horkheimer: Zur Kritik der instrumentellen Vernunft. 1974, Frankfurt am Main.
“Instrumental reason” and its critique form the key analytical category of the “Critical Theory” of the “Frankfurt School” founded by the social philosopher Max Horkheimer (1895-1973), which provides a synthesis of social and cultural critique based on interdisciplinary analyses in the humanities and social sciences.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Max_Horkheimer#Eclipse_of_Reason
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Eclipse_of_Reason_(Horkheimer)
The critique of instrumental reason is a critique of the domination of nature, whereby the domination of nature finds its continuation in the domination of the inner and outer nature of the human beings, the domination of individuals, and the domination of society; this nexus of violence forms a transhistorical continuum.

176) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Hunter-gatherer
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Indigenous_peoples
In settlement colonies, the settlers were inspired by a pious, pleasing to God and missionary zeal to conquer and subdue the “wilderness” and the “savages”. They viewed the land inhabited and used by indigenous hunter-gatherers as “no man’s land” (terra nullius)
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/No_man's_land
and considered the indigenous hunter-gatherers a land plague that had to be displaced and eliminated to make the land usable.

177) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Indigenous_peoples_of_the_Americas#North_America
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Native_Americans_in_the_United_States

178) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/San_peoples
The San (Bushmen) are considered the indigenous people of Africa. Traditionally, they live as hunter-gatherers. Particularly in modern times, they have been displaced, driven out, and in some cases systematically exterminated.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/San_peoples#Displacement,_marginalisation_and_genocide_during_European_colonisation
A comprehensive scientific account of the displacement, expulsion, and partial extermination of the San people is lacking. Today, the San live only in small, remote parts of southern Africa, and their traditional culture and way of life have almost completely disappeared. Even today, the San in southern Africa continue to face discrimination and marginalization.

179) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Freedom_to_roam
Cf. further: https://en.wikipedia.org/wiki/Common_land
The everyone’s right is an ancient customary right whose origins date back to the time before humans settled down during the Neolithic Revolution and the subsequent establishment of territorial rule over land and people. This ancient everyone’s right has been preserved most extensively in peripheral regions that were only recently touched and penetrated by territorial rule; and in some cases, this process is still incomplete today, so that the instrumental rational shaping of the landscape according to “instrumental reason” is often less advanced there. Relics of this ancient customary right of everyone’s right can be found in many places, for example, in the form of the everyone’s right in Scandinavia and most Baltic Sea states, including Russia, or in the form of the right of public access to the landscape (Landschaftsbetretungsrecht), which also exists in the Federal Republic of Germany.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Betretungsrecht_(Erholung,_Sport)
There is no article on the English Wikipedia for the term “Betretungsrecht”.

Unlike in Europe, in settlement colonies, such as the USA in particular, but also in South Africa and Namibia, a totalitarian intensified understanding of property rights and ownership could develop, unfold freely and occupy the entire landscape, because with the displacement and extermination of the pre-state societies there, who lived as hunter-gatherers – in North America the Indians (Native Americans) and in southern Africa the San (Bushmen) – a historyless and rightless space had emerged in which no traditions and relics, including the customary law of everyman’s right, were preserved and remained.

180) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/American_Indian_Wars
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Federal_Indian_Policy
The corresponding article on the German-language Wikipedia is more comprehensive:
Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Indianerpolitik_der_Vereinigten_Staaten
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Genocide_of_indigenous_peoples#Indigenous_peoples_of_the_Americas_(pre-1948)

181) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/San_peoples#Displacement,_marginalisation_and_genocide_during_European_colonisation
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Genocide_of_indigenous_peoples#South_Africa

182) What would need to be created is a human right to universal access to the landscape, based on the legal framework of a general customary right of the nature of a everyone’s right, such as existed before the Neolithic Revolution, and which can be derived from and justified by various legal sources. This issue is not merely a historical-anthropological one, nor merely a juridical one, but rather a question of practical philosophy:

The philosopher Immanuel Kant (1724-1804)
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant
postulates in the third definitive article of his essay “Perpetual Peace” (1795)
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Perpetual_Peace:_A_Philosophical_Sketch
an original state of common ownership of the Earth’s surface by all humankind. Because of the Earth’s spherical shape, humans cannot disperse indefinitely and must therefore tolerate one beside another. Originally, no one has a greater right to be in any one place on Earth than another. From this, he derives a universal right of freedom of movement, travel, and visitation as a component of cosmopolitan rights. Similarly, a human right to universal access to the landscape can be derived from this foundation. This right is linked to the status of rights of a general customary right, akin to a everyone’s right, as existed before the Neolithic Revolution.

This opens up a broad field of discussion: the question of land ownership as a limited, non-renewable resource, as the primary basis of life to which all people have an equal right. From this, a general fundamental right to subsistence can be derived, guaranteeing all people access to land to the extent necessary to provide for themselves through subsistence farming. Many of the social and ecological consequences and problems arising from historically established large landholdings and a lack of access to land, such as environmental destruction through irregular land acquisition and settlement activities, as well as the growth of irregular settlements on the outskirts of megacities, could be largely avoided. A general fundamental right to subsistence, guaranteeing all people access to land to the extent necessary to provide for themselves through subsistence farming, can be grounded in the human right to food:
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Right_to_food

Such a fundamental and human right to subsistence prevents people from being displaced from rural areas, where vast agro-industrial monocultures are expanding worldwide at the expense of the traditional subsistence farming of people in rural areas, and it prevents people from being pushed into the increasing and rapidly growing megacities, which have the character and function of expulsion spaces and preservation asylums for the global surplus population being displaced from rural areas.

183) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Animal_migration

184) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Serengeti

185) Cf.: Bernhard Grzimek, Michael Grzimek: Serengeti darf nicht sterben. 367.000 Tiere suchen einen Staat. 1959, Frankfurt am Main, Berlin, Wien.
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Serengeti_Shall_Not_Die

186) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Deforestation
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Deforestation_by_continent#Africa

187) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Entkusselung
There is no article on the English Wikipedia for the term “Entkusselung”.
Cf. insted: https://en.wikipedia.org/wiki/Savanna#Tree_clearing

188) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Renaturierung
There is no article on the English Wikipedia for the term “Renaturierung”.
Cf. insted: https://en.wikipedia.org/wiki/Land_restoration

189) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Rewilding
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Rewilding_Europe
Cf. for this Chapter 8: “Rewilding Europe” of my text: “A Winter in the Scandinavian Mountains – Experiences on the Northern Periphery of Europe in the Winter of 2013/2014.” This text can be accessed and read on my website (only in German language available):
https://manfredsuchan.net/ein-winter-in-schweden

190) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Ecological_niche

191) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Ecosystem
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Food_chain

192) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Biodiversity

193) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Biosphere

194) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Nature_conservation

195) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Prozessschutz
There is no article on the English Wikipedia for the term “Prozessschutz”.

196) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Landschaftsschutz
There is no article on the English Wikipedia for the term “Landschaftsschutz”.

197) Cf. for this Chapter 6: “The Colonization of the Amazon Region and the Destruction of the Rainforest” of my text: “Impressions in Times of the ‘Corona Crisis’ – A Travelogue from South America”. This text can be accessed and read on my website (only in German language available):
https://manfred-suchan.jimdosite.com/
https://manfred-suchan-reisen.jimdosite.com/reisefreiheit/

198) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Peace_Park
There is no article on the English Wikipedia for the term “Peace Parc”.
Cf. insted: https://en.wikipedia.org/wiki/Transboundary_protected_area
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Peace_Parks_Foundation

199) Cf. for this Chapter 9: “Nature Conservation and Tourism as Components of Détente Policy” of my text: “A Winter in the Scandinavian Mountains – Experiences on the Northern Periphery of Europe in the Winter of 2013/2014”. This text can be accessed and read on my website (only in German language available):
https://manfredsuchan.net/ein-winter-in-schweden

200) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Caprivi_Strip

201) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Leo_von_Caprivi
The short term of office of Chancellor Caprivi encompassed not only the Heligoland-Zanzibar Treaty of 1890, but also, among other things, the non-renewal of the Reinsurance Treaty with the Russian Empire.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Reinsurance_Treaty

The non-renewal of the Reinsurance Treaty 1890 was a key factor in the emergence of the First World War.
Cf. for this note 273.

202) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Heligoland-Zanzibar_Treaty

203) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Zambezi

204) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Cuando_River

205) Cf. for this Chapter 7: “The Biometric Passport or: The World as a Virtual Total Institution” in my text: “End of the ‘Corona Crisis’? – Current Travel Conditions in a Global Comparison”. This text can be accessed and read on my website (only in German language available):
https://manfredsuchan.net/aktuelle-reisebedingungen

If one infers the intentions behind the events from subsequent developments, the events of September 11, 2001, occurred precisely for the purpose of introducing and enforcing a global surveillance regime. Nothing in history happens by chance; everything that happens, and the way it happens, is also intended.

206) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Botswana

207) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Chobe_National_Park 

208) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Bechuanaland_Protectorate

209) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/British_South_Africa_Company

210) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Cecil_Rhodes

211) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Victoria_Falls

212) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/David_Livingstone

213) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Land_grabbing

214) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Okavango_Delta

215) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Central_place_theory

216) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Pretoria

217) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/South_African_Republic

218) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Paul_Kruger

219) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Kruger_House,_Pretoria

220) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/British_Empire

221) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Second_Boer_War
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/First_Boer_War

222) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Second_Italo-Ethiopian_War
In my view, the Second World War, as a historical epoch, begins with the Abyssinian War (Second Italo-Ethiopian War). The age of imperialism, whose most prominent feature was the geopolitical “Scramble for Africa”, culminated in two world wars, transforming the geopolitical “Scramble for Africa” into a geopolitical “Scramble for Europe”. The Abyssinian War (Second Italo-Ethiopian War) marked the continuation, the climax, and the conclusion of the geopolitical "Scramble for Africa".

In the Abyssinian War (Second Italo-Ethiopian War), the fascist Kingdom of Italy conquered and occupied the Ethiopian Empire,
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Ethiopian_Empire
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/History_of_Ethiopia
on the one hand one of the world’s oldest empires, which in antiquity was among the most important world powers alongside the Roman Empire, Persia and China, and on the other hand one of the oldest states in which Christianity had become the state religion in 330, after Armenia in 314 and before Georgia in 337, as well as the Roman Empire, in which Christianity became the state religion in 380.

The geopolitical “Scramble for Africa” continued in the Second World War as a geopolitical “Scramble for Europe”, and this geopolitical “Scramble for Europe” had reached its first peak in the First World War. During World War II, methods of warfare that had first been introduced and used in the Second Boer War and then in the Abyssinian War (Second Italo-Ethiopian War) were further radicalized. The Second Boer War, the Abyssinian War (Second Italo-Ethiopian War), and then the Second World War represent stages in the radicalization of total industrial warfare in the age of imperialism, in which the civilian population increasingly became a military target.

223) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Winter_War
The secret additional protocol to the German-Soviet Non-Aggression Pact (Molotow-Ribbentrop Pakt) of August 23, 1939
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Molotov–Ribbentrop_Pact
the reorganization and division of so-called “Inter-Europe” (Zwischeneuropa)
Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zwischeneuropa
There is no article on the English Wikipedia for the term “Zwischeneuropa”.
was agreed upon, which in the 19th century had been a territorial component of the three empires: the Russian Empire, the Austro-Hungarian Empire, and (from 1871) the German Empire (previously the Kingdom of Prussia) (Cf. note 273).

As a consequence of this secret additional protocol, the contracting parties occupied their respective contractually agreed-upon share of so-called “Inter-Europe”, which in the case of Finland the Soviet Union attempted to do in the so-called “Winter War”. Completely unexpectedly and surprisingly, Finland was able to assert himselve militarily for a time against the Soviet Union’s heavily armed military apparatus, which Stalin had built up in the course of the Soviet Union’s industrialization (Cf. notes 80, 119 and 120), even though Finland, similar to the Boer republics in the Second Boer War, received no support from anywhere in the world, except for a few volunteers from Sweden.

Finland was thus spared occupation by the Soviet Union, which, however, became the fate of the neighboring three Baltic states:
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Soviet_occupation_of_the_Baltic_states_(1940)
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Baltic_states#Soviet_and_German_occupations,_1940-1991

Estland:
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/History_of_Estonia#Incorporation_in_the_Soviet_Union_(1940)
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Estonian_Soviet_Socialist_Republic#Soviet_occupation_of_Estonia
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Estonia#Occupations

Lettland:
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Soviet_occupation_of_Latvia_in_1940
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Latvia#Occupations,_1940-1990
Cf.as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/History_of_Latvia#First_Soviet_occupation_(1940-1941)
Cf. further: https://en.wikipedia.org/wiki/Latvian_Soviet_Socialist_Republic#Creation_in_1940

Litauen:
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/History_of_Lithuania#First_Soviet_occupation
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Lithuanian_Soviet_Socialist_Republic#Occupation_and_annexation

As a result of the occupations based on the secret additional protocol of the German-Soviet Non-Aggression Pact of 23 August 1939, the Kingdom of Great Britain and the Third French Republic declared war on the National Socialist German Reich, but not on the Soviet Union.

In my opinion, the Second World War, as a historical epoch as described above, begins with the Abyssinian War (Second Italo-Ethiopian War) (1935-1941) and the occupation of the Ethiopian Empire by the fascist Kingdom of Italy, and not with the occupations of so-called “Inter-Europe” based on the secret additional protocol of the German-Soviet Non-Aggression Pact of August 23, 1939, particularly the events of September 1, 1939, which has become the unquestioned convention of mainstream historical scholarship. With the Abyssinian War (Second Italo-Ethiopian War), the geopolitical “Scramble for Africa” finds the continuation, the climax, and the conclusion, and in the Second World War, this continues as a geopolitical “Scramble for Europe”, of which the division and occupation of so-called “Inter-Europe” is a component. The “Scramble for Europe” had already reached its first climax in the First World War.

224) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Annexation_of_Tibet_by_the_People‘s_Republic_of_China
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Tibet_(1912-1951)#Annexation_by_the_People's_Republic_of_China
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Tibet#Since_1950

During my backpacking travel through parts of South Asia in 2019/2020, I visited, among other places, the city of Dharamshala
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Dharamshala
on the edge of the Himalayas. Since the occupation of Tibet by the People’s Republic of China, Tibetan refugees have been living there. In total, more than 100,000 refugees from Tibet now live in India. Dharamshala is the seat of the Tibetan government-in-exile
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Central_Tibetan_Administration
and the Dalai Lama. According to the Tibet Museum
Cf.: https://www.tibetmuseum.org
Tibetans in exile complain of ongoing human rights violations in Tibet, the suppression of cultural rights, and the massive influx of Chinese people into Tibet, to the point that Tibetans are now a minority in some areas of tibet.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Sinicization_of_Tibet
On the human rights situation in Tibet:
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Human_rights_in_Tibet#Post-1950_Tibet
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Tibet_Autonomous_Region#Human_rights
Cf. also: https://www.gfbv.de/de/news/zur-lage-der-menschenrechte-in-tibet-365/

Since travel to Tibet has become virtually impossible since the occupation, Heinrich Harrer’s (1912-2006)
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Harrer#Seven_years_in_Tibet
travelogue “Seven Years in Tibet”,
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Seven_Years_in_Tibet
documenting his multi-year journey to Tibet before the occupation, is now a historical document.

225) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Second_Boer_War

226) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Second_Boer_War_concentration_camps

Following the example of the “Concentration Camps” in the Second Boer War, “concentration camps” were established by the German Empire in the then “protectorate” of German South West Africa after the Herero and Nama uprising in 1904.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Shark_Island_concentration_camp

The Wikipedia article on “concentration camps”
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Concentration_camp
demonstrates that historians and social scientists are unable to meaningfully categorize and classify the phenomenon of the camp - a total institution for the instrumental management of masses of people - in its various forms, according to its genesis and structure. The phenomenon of the camp shaped the extreme 20th century and is characterized by its diverse manifestations. Any scientific categorization within any academic discipline must be based on significant, comprehensible, and convincingly reasoned criteria.

227) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Herbert_Kitchener,_1st_Earl_Kitchener

228) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Scorched_earth#Second_Boer_War

229) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Dominion

230) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Commonwealth_of_Nations

231) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/William_the_Conqueror

232) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Commonwealth_War_Graves_Commission

233) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Johannesburg

234) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Boomtown

235) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Demographics_of_South_Africa

236) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Township_(South_Africa)

237) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Bantustan

238) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Population_growth
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Demographics_of_Africa#Population_growth Cf. further: https://en.wikipedia.org/wiki/Africa#Demographics

239) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Megacity

240) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Apartheid_Museum

241) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Racial_segregation

242) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Apartheid

243) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Racial_segregation#United_States
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Jim_Crow_laws
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Racism_in_the_United_States

244) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Civil_rights_movement
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Civil_rights_movements
Cf. furthermore: https://en.wikipedia.org/wiki/Abolitionism

245) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Human_history
Human history is an integral part of Earth’s history and the history of life on planet Earth. The condition for life on planet Earth is the geodynamically based evolutionary-ecological process, of which life on Earth is a part. Human history can be understood as the history of the spread and differentiation of anatomically modern humans, Homo sapiens, from their origin in East Africa (assumed to be in light of current paleoanthropological research) approximately 70,000 years ago, across the entire planet Earth to the present day. Several technological revolutions have had far-reaching social and ecological consequences, most notably the Promethean Revolution, the Neolithic Revolution, the Industrial Revolution, and currently the Digital Revolution. Human history ends with the end of humankind:
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Human_extinction
Based on the ongoing course of Earth’s history and the future history of life on planet Earth, as determined by the geodynamically grounded evolutionary-ecological process, the end of humankind is inevitable. The only thing we can influence is the timing of this end. If humankind continues on its current path, driven by technological revolutions, this end will occur in the very near future. However, based on the natural conditions on planet Earth, humankind could potentially continue to exist for another billion years.

246) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Paleoanthropology
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Recent_African_origin_of_modern_humans
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Early_human_migrations

247) The philosopher Immanuel Kant
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant
formulated three guiding questions for philosophical thought:
1. What can I know?
2. What should I do?
3. What may I hope?
As a fourth question, he added:
4. What is man?

248) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Racism
Cf. as well as: https://de.wikipedia.org/wiki/Rassentheorie
There is no article on the English Wikipedia for the term “Rassentheorie”.
Cf. instead: https://en.wikipedia.org/wiki/Race_(human_categorization)

The question arises as to when it is meaningful to speak of “racism”. The attempt to create categories
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Cognitive_categorization
and classifications
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Classification
regarding human beings is, in itself, unproblematic. It only becomes a serious problem when based on such categories and classifications different rights are derived and unequal treatment is demanded. In my opinion, only at this point can one meaningfully speak of “racism”. Therefore, I cannot understand the popular, sweeping and across board accusation of racism leveled against the Age of Enlightenment
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Age_of_Enlightenment
and prominent figures of this era, such as the naturalist Carl Linnaeus (1707-1778) and the philosopher Immanuel Kant (1724-1804).

Furthermore, popular discussions on the topic of “racism” fail to distinguish between different variants, forms, and manifestations of racism. The most significant form of modern racism is undoubtedly the colonial racism of the early modern period, in which the division of humankind into two categories – “white people” and “black people” - and the corresponding assignment of different values and rights to these two categories formed the basis for legitimizing and maintaining the slaveholding regime in settler colonies and plantation economies. From settler colonies, such as the USA, and from plantation economies, this division of humankind into two categories – “white people” and “black people” - spread worldwide and has now become common sense, to which even those who claim to reject racism conform.

In reality, however, statistically speaking, there is a continuous global transition in skin color from dark skin near the equator to light skin near the poles,
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Human_skin_color
so that any division of humanity into two categories – “white people” and “black people” - lacks any basis. Due to specific socio-political conditions, such a division of humanity into two categories – “white people” and “black people” - could only arise in settler colonies, such as the USA, and in plantation economies, and nowhere else in the world. Colonial racism originated in the slaveholding societies of settler colonies, such as the USA, and in plantation economies, and not in Europe during the Age of Enlightenment, as proponents of “postcolonial studies” attempt to demonstrate.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Postcolonialism

This colonial racism, which arose in the early modern period, must be distinguished from the racism of the late modern period based on eugenics.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Eugenics
In his book, “The Crisis of Human Nature: On the History of a Concept”, historian Rolf Peter Sieferle (1949–2016) demonstrates that the natural law of progress, formulated by Darwinian evolutionary theory and based on competition and selection, led to the eugenic dilemma of a contradiction between progress and humanity when applied to social Darwinist social theory: “When the natural order, along with natural right, enters the zone of crisis and thus of decision, in fact anything becomes possible. The experiences of the first half of this [20th] century have demonstrated what can happen when one reacts to a - however misperceived - natural crisis with the seemingly necessary consequence.”
See: Rolf Peter Sieferle: Die Krise der menschlichen Natur. Zur Geschichte eines Konzepts. Frankfurt am Main, 1989. P. 202-203.
Sieferle highlights the dilemma that arose in the debates surrounding the natural prerequisites for human existence from the early 19th century onward, with the collapse of natural theology: It was neither guaranteed that nature would maintain a harmonious equilibrium for much longer, nor could one rely on politics to offer a meaningful way out of the crisis. Regardless of the specific perception of the problem, this is the dilemma we face also today in the face of the environmental crisis caused by the destruction of nature.

This eugenic-based racism of the late modern period took on a particularly pronounced form under National Socialism. Within this National Socialist racism, the concept of human purebred livestock breeding (Rasseviehzucht) developed by Heinrich Himmler (1900-1945), who had studied agriculture at university, receives too little attention.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Purebred
Himmler shared the idea of human purebred livestock breeding with the Reich Minister for Food and Agriculture, Walther Darré (1895-1953).
Cf. https://en.wikipedia.org/wiki/Richard_Walther_Darré
This model of purebred livestock breeding by Himmler and Darré lacks the aspect of natural evolution, which is a fundamental assumption and prerequisite of social Darwinist ideology.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Social_Darwinism
Using the unlimited power of the “prerogative state”, the studied agriculturalist Himmler pursues the goal of transforming all of Europe into a breeding ground for human purebred livestock. As “breeding supervisor” (Zuchtwart) Himmler sets the breeding goal for this human purebred livestock breeding.
Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zuchtwart
There is no article on the English Wikipedia for the term “Zuchtwart”.

249) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nelson_Mandela

250) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Desmond_Tutu

251) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Truth_and_Reconciliation_Commission_(South_Africa)
Cf. also: José Brunner, Daniel Stahl: Recht auf Wahrheit. Zur Genese eines neuen Menschenrechts. 2016, Göttingen.

252) Historical events, including those of recent history, should be studied by historians and scientists, not by lawyers and courts. There is a fundamental difference between the two regarding their methodological approach and their cognitive interest of knowledge (Erkenntnisinteresse).
Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnisinteresse
There is no article on the English Wikipedia for the term “Erkenntnisinteresse”.
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Knowledge_and_Human_Interests
The task and cognitive interest of knowledge of historians and the discipline of history is not judgment, but understanding, including understanding all that seems completely incomprehensible. In this regard, the historian Eric Hobsbawm emphasizes that the historian’s real task “is not judgment, but understanding - even understanding all that seems completely incomprehensible. (...) It is understanding that is difficult for all of us.”
See: Eric Hobsbawm: Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. 5. Auflage 1997, München, Wien. P. 19.

The cognitive interest of knowledge of jurisprudence is entirely different, due to its origins in early first civilizations as a technique of rule, and its task lies in the assignment of individual guilt with the aim of individual punishment for the purpose of demonstrating the ruler’s power and subjecting the delinquent to the cephalic and hierarchical rule of the state.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/First_civilization
Cf. as well as: https://de.wikipedia.org/wiki/Keilschriftrecht#Gesetzgebung
The information obtained by courts and tribunals is unusable and worthless for historical research. Furthermore, in numerous cases, courts and tribunals eliminate eyewitnesses who are of great value to historical research through judicial murder.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Judicial_murder
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Capital_punishment

253) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Deliberative_democracy
Cf. to this my text: Formal Democracy and Disaffection of Politics – On Politics in Modern Mass Societies. This text can be accessed and read on my website (only in German language available):
https://manfred-suchan.jimdosite.com/kulturpolitik/

254) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Deliberation
According to the definition by political scientists Gary S. Schaal and Felix Heidenreich in their book: “Introduction to the Political Theories of Modernity”, deliberation is “the fair and equal communicative exchange of substantive positions based on arguments and justifications between citizens who perceive themselves as mutually free and equal”.
See: Gary. S. Schaal, Felix Heidenreich: Einführung in die politischen Theorien der Moderne. 2017, Bonn. P. 266.

At the heart of discourse theory lies discourse free from domination, in which only the “unforced force” of the better and more convincing argument prevails.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Discourse

According to the philosopher Jürgen Habermas,
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Jürgen_Habermas
true social consensus differs from false consensus in the symmetrical distribution of opportunities for all possible participants in its formation and the absence of any kind of coercion. Thus, “through an equal distribution of opportunities to formulate interpretations, assertions, explanations, and justifications, and to establish or refute their claims to validity, the foundation is created to ensure that no preconceived notion remains permanently beyond the reach of discussion and critique.”
See: Jürgen Habermas: Zur Konsenstheorie der Wahrheit. Wahrheit von Aussagen, Wahrhaftigkeit von Äußerungen, Richtigkeit von Handlungen. P. 137. In: Jürgen Habermas, Niklas Luhmann: Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie – Was leistet die Systemforschung? 1971, Frankfurt am Main. P. 123-141.

But the social realities in modern mass societies look different. Both the real-existing political sphere and the mass media and academic institutions are controlled and manipulated by lobbyists, and opportunities for citizen participation in representative mass democracies are limited. The result is disaffection of politics and political apathy, which is a symptom of the crisis of the representative democratic system of government and the disillusionment with mass democracy and mass societies. The outcome is an affirmation of the status quo without alternatives.

According to the theory of deliberative democracy, represented by Jürgen Habermas, only those societal developments are acceptable and can claim validity, that are the result of a deliberative process, what adheres to the conditions of equality for all participants, an open agenda, and the possibility of questioning established rules of discourse.
Cf.: Hubertus Buchstein: Jürgen Habermas. In: Peter Massing, Gotthard Breit (Hg.): Demokratie-Theorien. Von der Antike bis zur Gegenwart. 2005, Bonn. P. 253-260.

Deliberative democratic theory posits that political convictions of citizens are both in need of clarification and capable of being clarified, a process that occurs through political communication among citizens. It is thus based on the discourse-theoretical principle of Jürgen Habermas’s “Theory of Communicative Action”, according to which precisely those regulations can claim legitimacy to which all potentially affected parties, as participants in rational discourse, could agree.
Cf.: Jürgen Habermas: Theorie des kommunikativen Handelns. 1981, Frankfurt am Main.

In his book, “The Structural Transformation of the Public Sphere”, philosopher Jürgen Habermas demonstrates that the concept of discourse in democracy raises the question of “how discursive opinion-forming and will-formation can be established under the conditions of mass democracies”, whereby the “prerequisites for communication in fair negotiations and unforced argumentation” require “the complete inclusion of all potential concerned persons, the equality of parties, unforced interaction, openness of topics and contributions, and the revisability of results.”
See: Jürgen Habermas: Strukturwandel der Öffentlichkeit. 1990, Frankfurt am Main. P. 41.

255) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Cradle_of_Humankind

256) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Sterkfontein

257) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Swartkrans

258) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Kimberley,_South_Africa

259) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/De_Beers

260) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Anglo_American_plc

261) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Ernest_Oppenheimer

262) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/J._P._Morgan

263) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Harry_Oppenheimer

264) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Big_Hole

265) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Open-air_museum

266) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Skansen

267) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Diamond

268) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Cape_to_Cairo_Railway

269) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/M._A._Rothschild_&_Söhne
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Rothschild_&_Co
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Rothschild_family

270) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Jameson_Raid

271) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Bloemfontein

272) Cf.: https://wmbr.org.za/
Cf. also: https://grokipedia.com/page/anglo_boer_war_museum

273) Cf. note 38.
In comparison with the “short” and “extreme” 20th century, the question arises as to what makes the “long” 19th century a comparatively peaceful century:

Following the victory over Napoleon Bonaparte, three of the five great powers of the Pentarchy,
Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Pentarchie_(Europa)
There is no article on the English Wikipedia for the term “Pentarchie”.
Cf. instead:
https://en.wikipedia.org/wiki/Concert_of_Europe
https://en.wikipedia.org/wiki/International_relations_(1814-1919)
https://en.wikipedia.org/wiki/Balance_of_power_(international_relations)
the Russian Empire, the Austro-Hungarian Empire, and the Kingdom of Prussia - formed after the Congress of Vienna,
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Congress_of_Vienna
at the initiative of Emperor Alexander I (1777–1825)
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Alexander_I_of_Russia
the “Holy Alliance”.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Holy_Alliance
The core idea of the “Holy Alliance”, formed on the initiative of Emperor Alexander I and characterized as a cartel of a majority of three of the five great powers of the Pentarchy, was to secure “perpetual peace” through the consistent self-commitment of all European monarchs to the principles of Christian charity.

The Holy Alliance broke apart during the Crimean War.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Crimean_War
The Crimean War, fought from 1853 to 1856, is generally overlooked, yet its significance is considerable. It was the largest war between the Napoleonic Wars
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/French_Revolutionary_and_Napoleonic_Wars
and the First World War, and the Crimean War itself would have become a world war,
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/World_war#Other_global_conflicts
had the Kingdom of Prussia and the Austro-Hungarian Empire not remained neutral. Before, the Seven Years’ War (1756-1763)
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Seven_Years‘_War
had already taken on the characteristics of a world war, as it was fought across multiple continents with the participation of all the major European powers. Thus, the Seven Years’ War heralded the age of imperialism, which culminated in the two world wars of the 20th century. The Crimean War led to the end of the balance of power within the Pentarchy and the collapse of the so-called “Holy Alliance”, a crucial prerequisite for the later outbreak of the First World War. While the Russian Empire was isolated during the Crimean War, making its defeat inevitable, the German and Austro-Hungarian Empires were isolated during the First World War, with the same consequences. This highlights the role, importance, and success of secret diplomacy (Geheimdiplomatie).
Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geheimdiplomatie
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Secret_treaty

The “Three Emperors Agreement” (Dreikaiserabkommen)
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/League_of_the_Three_Emperors#First_agreement_(1873)
of October 22, 1873, built upon the “Holy Alliance” with the aim of “consolidating the current state of peace in Europe” in order to “secure it against all disturbances, from whatever direction they may come, and if necessary to enforce it.” The “League of the Three Emperors”
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/League_of_the_Three_Emperors#Revival_(1881-1887)
of June 18, 1881, continued the “Three Emperors’ Agreement”.

With the end of the “League of the Three Emperors” in 1886 and the non-renewal of the Reinsurance Treaty concluded on June 18, 1887, in 1890,
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Reinsurance_Treaty
the European peace order established by Emperor Alexander I (1777-1825) at the Congress of Vienna came to an end. This order was based on an alliance of the three empires: the Russian Empire, the Austro-Hungarian Empire, and, from 1871, the German Empire (previously the Kingdom of Prussia). The end of this alliance was the crucial prerequisite for the outbreak of the First World War, which led to the downfall of these three monarchies. The First World War is the “primal catastrophe” of the 20th century, and a “long”, comparatively peaceful 19th century was now followed by a “short” and “extreme” 20th century.

274) World War II serves as an example of the decisive importance of these factors in Total Industrial Warfare. As the war progressed, the Allies continually expanded the Second World War, which shifted the available raw material base, industrial production, and military-technical arsenal increasingly to the disadvantage of the Axis powers and to the advantage of the Allies, so that military victory was inevitable for the Allies. While the Axis powers could achieve military successes in a war geographically confined to Europe, this was no longer possible in a constantly expanding world war. Further radicalization of warfare, the further extension of the state of emergency, and, based on this, the further radicalization of the “prerogative state” by the Axis powers could not alter this inevitable development toward defeat in the Total Industrial War, which had expanded into a world war.

275) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Camp
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Internment

276) See: Karl Schlögel: Bugwelle des Krieges. P. 185-186. In: Stefan Aust, Stephan Burgdorff (Hg.): Die Flucht. Über die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten. 2003, Bonn. P. 194-195.

277) See: Gerhard Armanski: Maschinen des Terrors. Das Lager (KZ und GULAG) in der Moderne. Münster, 1993. P. 18.

278) Cf.: Caroll Quigley: Das Anglo-Amerikanische Establishment. Die Geschichte einer geheimen Weltregierung. 2016, Rottenburg.
Cf. also: Gerry Docherty, Jim Macgregor: Verborgene Geschichte. Wie eine geheime Elite die Menschheit in den Ersten Weltkrieg stürzte. 2017, Rottenburg.

279) Cf. notes 38 and 273.

280) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsziele_im_Ersten_Weltkrieg
The corresponding article on the English Wikipedia is less precise and partially incomplete:
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/War_aims_of_the_First_World_War

281) Cf. note 222 and 223.

282) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Lesotho

283) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Weathering

284) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Soil
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Soil_formation
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Soil_type

285) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Clay_mineral

286) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Lesotho_Highlands_Water_Project

287) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Drakensberg

288) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Subsistence_agriculture
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Traditional_economy
Cf. further: https://en.wikipedia.org/wiki/Subsistence_economy

289) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Symbiosis

290) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Soil_erosion

291) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Land_degradation

292) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Sani_Pass

293) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Tree_line

294) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alm_(Bergweide)#Almwirtschaft
There is no article on the English Wikipedia for the term “Almwirtschaft”.

295) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Border#Political_borders 

296) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Territorial_state

297) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/No_man's_land

298) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Natalia_Republic

299) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Durban

300) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/East_London,_South_Africa

301) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Gully

302) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/East_London_Museum

303) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Maritime_history

304) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Coelacanth

305) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Gqeberha

306) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Karoo

307) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Mossel_Bay

308) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Bartolomeu_Dias
Cf. as well as: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_portugiesischen_Seefahrer_und_Entdecker
There is no article on the English Wikipedia for the term “Liste der portugiesischen Seefahrer und Entdecker”.

309) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Portuguese_discovery_of_the_sea_route_to_India
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Portuguese_maritime_exploration
Cf. as well as: https://en.wikipedia.org/wiki/Portuguese_Empire

310) About my visit to these two Holocaust exhibitions in Vilnius and Paris I report in Chapter 6: “Vilnius, a City’s Fate in the Extreme 20th Century” of my travelogue: “In the Frontline States on Both Sides of the New Iron Curtain – Impressions of a Journey to Belarus.” This text can be accessed and read on my website (only in German language available):
Cf.: https://manfredsuchan.net/reise-nach-belarus

311) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Politics_of_memory

312) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Identity_politics
Cf. as well as: https://de.wikipedia.org/wiki/Identität#Politische_und_soziologische_Identitätsbegriffe
There is no article on the English Wikipedia for the term “Politische und soziologische Identitätsbegriffe”.

313) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Holocaust_education
Cf. also: Habbo Knoch: Geschichte in Gedenkstätten. Theorie, Praxis, Berufsfelder. 2020, Tübingen. P. 147-148.

314) Cf.: Habbo Knoch: Geschichte in Gedenkstätten. Theorie, Praxis, Berufsfelder. 2020, Tübingen. P. 103.

315) Cf.: Ibidem: P. 166-170.

316) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Jewish_identity

317) Cf.: Kamila Dabrowska: Nostalgie und Rückkehr zur nicht mehr gegenwärtigen Vergangenheit. Der Marsch der Lebenden im Kontext jüdischer Erinnerungsfahrten nach Polen. P. 193-194. In: Enrico Heitzer, Günter Morsch, Robert Trabka, Katarzyna Woniak (Hg.): Von Mahnstädten über zeithistorische Museen zu Orten des Massentourismus? Gedenkstätten an Orten von NS-Verbrechen in Polen und Deutschland. (= Forschungsbeiträge und Materialien der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Band 18). 2016, Berlin. P. 184-200.

318) Cf.: Ibidem. P. 194.

319) Wikipedia attempts to answer this question:
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Who_is_a_Jew?

320) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Jüdische_Religion
There is no article on the English Wikipedia for the term “Jüdische Religion”.

321) See: Jan Assmann: Totale Religion. 2. Auflage 2017, Wien. P. 145.

322) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/American_Jews

323) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Israel_lobby_in_the_United_States
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/The_Israel_Lobby_and_U.S._Foreign_Policy

324) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/AIPAC

325) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Personality

326) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Age_of_Enlightenment

According to Willi Oelmüller, Enlightenment can be understood as a “process of both critiquing and preserving tradition, which defends and enforces the historically achieved state of publicly recognized and, in some cases, already institutionalized moral and political achievements. Enlightenment should thus (...) provide guidance in dealing with unresolved problems of life and action.”
See: Willi Oelmüller: Die unbefriedigte Aufklärung. Beiträge zu einer Theorie der Moderne von Lessing, Kant und Hegel. Frankfurt am Main, 1979. P. I.

327) The call for a new, now global, age of enlightenment is being raised more frequently, for example by the physicist and biologist Ernst Ulrich von Weizsäcker and the scientist Anders Wijkman in their book: “It's Our Turn: What We Must Change If We Want to Stay”: “The new enlightenment, the ‘Enlightenment 2.0’, will not be Eurocentric. It must also orient itself towards the great traditions of other civilizations.”
See: Ernst Ulrich von Weizsäcker, Anders Wijkman: Wir sind dran. Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. 2019, München. P. 181.

328) Literary scientist Steffen Martus refers to this central question of the Enlightenment in his book, “Enlightenment: The German 18th Century – A Portrait of an Era”: “In current cultural conflicts, this problem is more pressing than ever. We see daily that arguments that seem compelling to us are not at all convincing to others. We realize that our way of life and our way of thinking, our attitudes and beliefs, cannot be imposed by instruction, lecture, or law. We understand that we must advocate for our fundamental point of views and that this requires a great deal of time, patience, and not only good ideas, but also attractive and interesting ones.”
See: Steffen Martus: Aufklärung. Das deutsche 18. Jahrhundert – ein Epochenbild. 2018, Reinbek bei Hamburg. P. 16-17.

329) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Cape_of_Good_Hope

330) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelmeerraum#Menschliche_Eingriffe
There is no article on the English Wikipedia for the term “Mittelmeerraum#Menschliche Eingriffe”.
Cf. instead: https://en.wikipedia.org/wiki/Mediterranean_forests,_woodlands,_and_scrub#Degradation
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Deforestation_during_the_Roman_period
Cf. further: https://en.wikipedia.org/wiki/Mediterranean_basin
Cf. furthermore: https://en.wikipedia.org/wiki/History_of_the_Mediterranean_region

331) Cf.: https://de.wikipedia.org/wiki/Macchie
The corresponding article on the English-language Wikipedia is very short.
Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Maquis_shrubland

332) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Garrigue

333) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Karst

334) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Mediterranean_climate
Cf. also: https://en.wikipedia.org/wiki/Köppen_climate_classification#Cs:_Mediterranean-type_climates

335) See: Jared Diamond: Kollaps – Warum Gesellschaften überleben oder untergehen. 5. Auflage 2020, Frankfurt am Main. P. 525.

336) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Stellenbosch

337) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Huguenots

338) Cf.: https://en.wikipedia.org/wiki/Cape_Dutch_architecture

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Backpacking Travel Southern Africa – A Travel Experience Report. Textversion 03 from 24.02.2026.
My travelogue, complete with numerous photos, can be viewed and read on my website:
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You can also download my travelogue there in PDF format.
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Manfred SUCHAN
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At the Cape of Good Hope on December 25, 2025, during my travel through parts of southern Africa in November and December 2025.


Am Fernpaß (1216 m) am 28.05.2025 während meiner Fahrradreise in die mittlere Mittelmeerregion, wobei  ich die Alpen entlang dem Fahrradfernwanderweg "Via Claudia Augusta" überquerte. Der Fahrradfernwanderweg "Via Claudia Augusta" folgt der Trasse einer ehemaligen römischen Fernstraße über die Alpen, wobei der Fernpaß (1216 m) und der Reschenpaß (1507 m) überquert werden. 

Aktuelles:


Fahrradreise 

Mittlere Mittelmeerregion

 

Ein Reiseerlebnisbericht

 

von Manfred Suchan

 
 
Im Sommer des Jahres 2025 habe ich vom 06. Mai bis zum 21. September eine Fahrradreise mit Zelt in die mittlere Mittelmeerregion unternommen. Seit mehreren Jahrzehnten unternehme ich Fahrradreisen mit Zelt. Zuletzt hatte ich im Jahr 2023 vor zwei Jahren eine Fahrradreise mit Zelt durch das südöstliche Europa unternommen, wobei ich u.a. die heutige Megacity Istanbul besucht hatte.
 
Die Reiseziele meiner Fahrradreisen sind weder Staaten, noch Länder, sondern von mir selbst definierte geografische Regionen bzw. geografische Räume, was eine Frage wissenschaftlicher Kategorienbildung ist. Während z.B. in den Geschichtswissenschaften Kategorienbildung insbesondere in Gestalt von Zeitaltern und Epochen erfolgt, die gemäß signifikanter und gut begründeter Kriterien voneinander abgegrenzt werden müssen, so sind dies in der Geografie geografische Räume. Gegenstand und Reiseziel meiner in diesem Reiseerlebnisbericht dargestellten Fahrradreise ist die mittlere Mittelmeerregion.
 
Teile der Mittelmeerregion waren schon öfter Ziel meiner Reisen gewesen. Seit vielen Jahrzehnten ist jedoch bis heute aus politischen Gründen eine Reise um das gesamte Mittelmeer nicht möglich, sodaß jeweils nur Teile der Mittelmeerregion bereist werden können. Zur Römerzeit war dies noch gänzlich anders gewesen, als das Mittelmeer als „Mare Nostrum“ das Zentrum des Imperium Romanum bildete. Die Römerzeit war ein durchgehendes und zentrales Thema meiner Fahrradreise in die mittlere Mittelmeerregion.
 
Analog zum Mittelmeer im Süden Europas ist die Ostsee das Mittelmeer des nördlichen Europas, und ebenso wie das Mittelmeer im Süden Europas bildet auch die Ostseeregion eine naturgeografische und eine kulturgeografische Einheit. Ebenso wie das Mittelmeer im Süden Europas ist die Ostsee ein Nebenmeer des Atlantischen Ozeans. Daher bietet sich ein Vergleich der Mittelmeerregion und der Ostseeregion an.
 
Immerhin läßt sich mittlerweile seit 1990 die Ostsee als dem Mittelmeer im nördlichen Europa im Zuge einer Fahrradeise vollständig umrunden, was ich nach mehreren Fahrradreisen in Skandinavien und Teilen der Ostseeregion dann im Sommer und Herbst des Jahres 2017 durchgeführt habe.
 
Als kulturgeografische Regionen sind sowohl die Ostseeregion, als auch die Mittelmeerregion durch die Schifffahrt und den Fernhandel geprägt. Die Geschichte der Ostseeregion ist zudem geprägt durch eine mehr als tausendjährige Auseinandersetzung um die Vorherrschaft in der Ostseeregion, für die der Begriff „Domininum maris baltici“ geschaffen wurde. Ähnlich verhält es sich in der Mittelmeerregion, über die insbesondere das Imperium Romanum ein Domininum errichtet hatte, das mehrere Jahrhunderte Bestand hatte und das nachhaltig die Geschichte Europas, Asiens und Afrikas, der drei Kontinente der sogenannten „Alten Welt“ prägte. Das Imperium Romanum fand imperiale Nacheiferer, die auf dessen Territorium, mit dessen Städten und dessen Bevölkerung andere Imperien errichteten, wie z.B. das im Zuge der arabischen Expansion geschaffene arabische Imperium, einer Orientalischen Despotie und Sklavenhaltergesellschaft, die eine Vorherrschaft über die Mittelmeerregion anstrebte, sowie das Militärimperium des Osmanischen Reiches, einer Orientalischen Despotie und Sklavenhaltergesellschaft, die ebenso eine Vorherrschaft über die Mittelmeerregion anstrebte.
 
Zweifellos ist die mittlere Mittelmeerregion eine kulturhistorisch herausragende Region in Europa, denn hier gab es mehr als in anderen Regionen Europas kulturhistorische Kontinuitäten von der Antike über das Mittelalter bis in die Neuzeit. Insbesondere sind es republikanisch verfaßte Städte, die die kulturhistorische Kontinuität von der Antike über das Mittelalter hinweg in die Neuzeit leisteten. Allerdings erfuhren die Städte am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit einen Verlust ihrer Selbstständigkeit, Freiheit und Bedeutung im Zuge des Aufstiegs des absolutistischen Staates, der mit Ausnahme der Schweiz zum neuzeitlichen Staatsmodell in Europa avancierte. Somit ist das Modell der Schweiz im heutigen Europa ein Sonderfall, da nur in der Schweiz sich Traditionen direkter Demokratie, kommunaler Selbstverwaltung und genossenschaftlicher Organisation, die im Mittelalter weit verbreitet waren, entgegen den Tendenzen einer Zentralisierung seit dem Zeitalter des Absolutismus bis in die Gegenwart halten konnten. Bis heute haben die Städte ihre ehemalige Selbstständigkeit, Freiheit und Bedeutung nicht wiedererlangt.
 
Wie schon Fahrradreisen zuvor, begann ich am 06.05.2025 auch meine Fahrradreise in die mittlere Mittelmeerregion in Berlin, nachdem ich mehrmals meine Planungen für diese Fahrradreise modifiziert und erweitert hatte. Zuerst folgte ich von Berlin aus dem Fahrrad-Fernwanderweg D 11, der auf Teilstrecken u.a. entlang der Flüsse Saale, Main, dem Main-Donau-Kanal, sowie der Donau und dem Lech verläuft. Nach zwei Wochen Fahrt erreichte ich am 22.05.2025 die Stadt Donauwörth an der Donau. In Donauwörth an der Donau beginnt der Fahrrad-Fernwanderweg „Via Claudia Augusta“, der einer früheren Römerstraße über die Alpen folgt, wobei der Fernpaß (1216 m) und der Reschenpaß (1507 m) passiert werden. Entlang dem Fahrrad-Fernwanderweg „Via Claudia Augusta“ überquerte ich die Alpen. Bislang hatte ich mit dem Wetter überwiegend Glück, doch am Nordrand der Alpen gelangte ich in mehrtägigen Dauerregen.
 
Weiter ging es dann im Tal des Flusses Etsch durch Süd-Tirol und hinab in die Ebene des Flusses Po. Am Südrand der Alpen unternahm ich am 04.06.2025 eine Tagesexkursion am Gardasee entlang, wobei ich u.a. zur Stadt Arco gelangte. Die steilen Felsen in der Umgebung vor Arco sind ein bekannten und beliebtes Klettergebiet. Dann fuhr ich weiter über die Städte Verona und Padua durch die Ebene des Flusses Po. Die Universität der Stadt Padua gilt nach der Universität der Stadt Bologna als die zweitälteste der Welt. Sie wurde von Studenten der Universität Bologna gegründet, die eine größere intellektuelle Freiheit suchten, wie ich bei meinem Besuch der Stadt Padua am 06.06.2026 erfahren konnte. Dann erreichte ich am 09.06.2025 mein erstes Reiseziel in Italien, die ehemalige Seerepublik Venedig.
 
In Italien sind Campingplätze noch weit mehr als in anderen Ländern höchst ungleichmäßig in der Landschaft verteilt, es gibt große räumliche Disparitäten, sie konzentrieren sich in einigen Gegenden in großer Zahl, während sie woanders über große Distanzen vollständig fehlen. So gibt es z.B. am Gardasee eine große Konzentration vieler Campingplätze, und ebenso auf der Halbinsel von Cavallino im Nordosten der Lagune von Venedig. Dort zeltete ich auf einem Campingplatz und unternahm von hier aus Exkursionen in das historische Stadtzentrum von Venedig. In Venedig gibt es keinen KFZ-Verkehr. Der Verkehr erfolgt hier ausschließlich zu Fuß und per Boot, und mit Booten ist Venedig auch von der Halbinsel von Cavallino aus erreichbar.
 
Interessiert bin ich insbesondere an der Geschichte der Seerepublik Venedig, an deren Rolle bei der Eroberung und Plünderung der Weltmetropole Konstantinopel im Jahre 1204 während des 4. Kreuzzuges und den weitreichenden globalhistorischen Folgen des damit eingeleiteten Untergangs des Byzantinischen Reiches, der mit der Eroberung Konstantinopels im Jahre 1453 durch das expandierenden Militärimperium des Osmanischen Reiches seinen Abschluss fand. Diese Themen knüpfen an meinen Besuch der heutigen Megacity Istanbul vor zwei Jahren im Rahmen meiner Fahrradreise durch das südöstliche Europa an.
 
Von Venedig aus fuhr ich weiter entlang der Küste der Adria zur Stadt Ravenna. Auch hier logierte ich auf einem Campingplatz an der Adria-Küste, von wo aus ich am 17. und 18.06.2025 Stadtexkursionen ins historische Stadtzentrum von Ravenna unternommen hatte. Die Stadt Ravenna hat eine herausragende historische und kulturgeschichtliche Bedeutung, die insbesondere den Zeitraum des Übergangs von der Antike zum Mittelalter umfasst: Ab dem Jahr 402 war Ravenna Sitz der weströmischen Kaiser, und ab 493 war Ravenna Hauptstadt des Reichs der Ostgoten, dessen Herrscher Théoderich (451-526) hier residierte. Die damalige Bedeutung und Rolle Théoderichs im Imperium Romanum ist beachtenswert, denn faktisch regierte er als Vizekaiser des oströmischen Kaisers Justinian I. (482-565) den westlichen Teil des Imperium Romanums, ohne daß dies explizit vertraglich und verfassungsrechtlich fixiert war. Dann war Ravenna von 540 bis zur Eroberung durch die Lagobarden im Jahre 751 Hauptstadt eines oströmischen/byzantinischen Verwaltungsbezirks (Ecarchat). Aus diesem Zeitraum des 5. bis 7. Jahrhunderts n. Chr. sind verschiedene historische Gebäude erhalten, von denen acht seit 1996 den Status des UNESCO-Weltkulturerbes haben. Herausragend sind insbesondere die in den Gebäuden erhaltenen Mosaike.
 
Mein nächstes Reiseziel war die Stadt Bologna, die ich am 21.06.2025 erreichte. Bologna kann auf eine rd. 2500-jährige Geschichte zurückblicken. Die Bedeutung der Stadt Bologna resultiert aus ihrer Lage an einem Fernhandelsweg, der schon zur Zeit der Etrusker nördlich des Apennin-‐Gebirges am Südrand der Po-Ebene verlief. Bologna ist in anderen Ländern insbesondere durch ihre Universität bekannt, die als die weltälteste gilt. Die Umstände der Gründung der zweiältesten Universität in der Stadt Padua hatte ich oben schon kurz erwähnt. Die Universität der Stadt Padua wurde von Studenten der Universität Bologna gegründet, die eine größere intellektuelle Freiheit suchten. Das Thema Universität ist in der Stadt Bologna allerdings nicht in besonderem Maße präsent, wie ich feststellen mußte, und die technokratische Bologna-Reform der EU ist hier nirgends ein Thema, die möglicherweise das Ende der europäischen Universitätsidee bedeutet, wie einige Kritiker meinen.
 
Meine Fahrradreise setzte ich von Bologna nach Florenz fort. Hierbei ist das Gebirge der Apeninnen, auch Abruzzen genannt, zu überqueren. Die Pässe gelten als steil, und Höhen von rd. 900 m müssen bewältigt werden. Mit meinem schwerbeladenen Reisefahrrad wollte ich jedoch nicht stundenlang steile Paßstraßen hinaufschieben, und deshalb fuhr ich am 24.06.2025 die Strecke von Bologna über das Gebirge zur Stadt Prato per Regionalbahn, in der eine Fahrradmitnahmemöglichkeit besteht. Von Prato ist es nur noch wenige Kilometer bis nach Florenz. Florenz gilt als die bedeutendste Stadt der Renaissance-Kunst in Italien und möglicherweise weltweit, und zweifellos kann man hier wochenlang Museen und Galerien besuchen. Meine Stadtexkursion in Florenz habe ich auf einige wenige herausragende Sehenswürdigkeiten beschränkt.
 
Von Florenz aus fuhr ich am 28.06.2025 weiter Richtung Rom durch die Regionen Toskana, Umbrien und Latium. Dabei folgte ich von Florenz aus dem Fluß Arno. Ich bin dann am Lago Trasimeno (259 m) entlang gefahren, einem See vulkanischen Ursprungs. Von dort gelangte ich am 30.06.2025 zur Stadt Perugia und in das Tal des Flusses Tiber. Gemäß meinem Fahrradreiseführer „Europa per Rad“ von Herbert Lindemann, einem Standardwerk über Fahrradreisen in Europa, soll es entlang dem Fluß Tiber einen guten Fahrradweg geben, auf dem man nach Rom gelangt.
 
Einen Fahrradweg auf eigener Trasse gibt es am Fluß Tiber jedoch nicht, wie ich feststellen mußte. Tatsächlich habe ich in Italien gute Fahrradwege hauptsächlich in Süd-Tirol, dem Tal des Flusses Etsch bis Verona sowie in Teilen der nördlichen Po-Ebene antreffen können, weiter südlich jedoch fast nicht. Die Landstraßen am Fluß Tiber haben zudem oft die Eigenschaft, daß sie aus dem Tal heraus auf und über seitlich gelegene Berge und Höhenzüge verlaufen, oft mit steilen Steigungen, die ein bisweilen mehrstündiges Schieben des bepackten Reisefahrrads erfordern, und dies bei tagelang anhaltenden hochsommerlichen Temperaturen von annähernd +40° C im mittleren Italien.
 
Insbesondere aufgrund der anhaltenden hohen Temperaturen in der mittleren Mittelmeerregion im Hochsommer habe ich mein Fahrradreisevorhaben durch die mittlere Mittelmeerregion geteilt und gekürzt und den geplanten südlichen Teil südlich von Rom vorerst weggelassen. Geplant hatte ich zuerst eine Fortsetzung meiner Fahrradreise durch die mittlere Mittelmeerregion durch Süd-Italien und auf die Insel Sizilien einschließlich des Besuchs der Liparischen Inseln und der Insel Malta. Auch wollte ich von Sizilien aus in Tunesien bis an den Rand der Sahara reisen, um dann über die Inseln Sardinien und Korsika weiter zu fahren. Zweifellos sind die Hochsommermonate nicht die geeignete Jahreszeit für eine Fahrradreise in der Mittelmeerregion, sondern vielmehr das Frühjahr.
 
Italien ist mindestens genauso wie Deutschland ein Land des Automobilismus und der Autogerechten Planung, doch das Fahrrad hat hier anders als in Deutschland als Verkehrsmittel im Alltag keinerlei Bedeutung. Es gibt lediglich Rennradfahrer, die das Rennradfahren auf den Landstraßen als Sport betreiben. Ich habe während meiner Fahrradreise den Eindruck gewonnen, daß von der automobilen Gesellschaft Italiens sowohl das Fahrrad als Verkehrsmittel als auch Fahrradfahrer abgelehnt werden. Aggressiv setzt die hegemoniale automobile Gesellschaft ihre Interessen durch, sie fordert eine Ausweitung des Automobilismus und der autogerechten Planung, sie vernetzt und koordiniert sich per Internet, und sie schikaniert Fahrradfahrer, was seit einigen Jahren in zahlreichen Ländern Europas permanent zunimmt. Die Automobile Gesellschaft ist der zentrale Bestandteil einer permanent beschleunigten Gesellschaft, und sie bildet in Europa eine mächtige Lobbymacht, die in Europa die Prioritäten sowohl der Verkehrspolitik als auch der Verkehrs- und Stadtplanung bestimmt und gestaltet.
 
In der ehemaligen Weltstadt und heutigen Metropole Rom habe ich an vier Tagen vom 04. bis zum 08.07.2025 Stadtexkursionen im historischen Stadtzentrum durchgeführt, wobei ich archäologische Stätten und Museen besuchte. Hierbei galt mein besonderes Interesse den dortigen Relikten aus der Römerzeit. Wie auch andernorts sind jedoch auch in Rom die baulichen Relikte der Römer in den nachfolgenden Jahrhunderten als Steinbruch genutzt worden. Dennoch ist einiges erhalten, und dieses ist beeindruckend und beachtenswert, wie z.B. das Forum Romanum, der Palatin und das Kolosseum. Das Pantheon ist ein römischer Tempel, der vollständig, und nicht nur als Ruine erhalten ist, denn er wurde seit der Spätantike als Kirche genutzt. Ansonsten galten die Relikte aus der Römerzeit über Jahrhunderte hinweg als „heidnisch“, und sie wurden oft absichtlich zerstört. Diese Sicht änderte sich erst ab dem Zeitalter der Renaissance, und die Anfänge der Sammlungen der Museen gehen darauf zurück. Überaus beeindruckend sind in Rom die Sammlungen der Kapitolinischen Museen und der Vatikanischen Museen, die ich besucht habe.
 
In Rom erinnert im Park Borghese ein Denkmal an Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) und seine Reise nach Italien und Rom in den Jahren 1796 bis 1788. Diese Reise von Goethe gilt als ein herausragendes Beispiel einer Bildungsreise im Zeitalter der Aufklärung. Heute geht es jedoch nicht mehr um Horizonterweiterung und Welterkenntnis, wie noch im Zeitalter der Aufklärung. Im heutigen Zeitalter des Massentourismus vermarktet die Tourismus-Industrie als Bestandteil der Konsumkultur Ablenkungen, Zerstreuungen und seichte Vergnügungen, und die gelangweilten Touristen vertrödeln ihre Zeit, wie man in sämtlichen Touristenzentren unübersehbar feststellen kann.
 
Mein Besuch der heutigen Metropole Rom und der ehemaligen antiken Weltstadt Rom fiel allerdings sehr kurz aus. Wesentlicher Grund sind die extrem hohen Campingplatzgebühren in Italien und insbesondere in Rom, wo ich für eine Übernachtung mit meinem kleinen Zelt 52,- Euro zahlte. Andere Campingplätze bei Rom erheben ähnlich hohe Preise. Italien gilt als das Land in Europa mit den mit Abstand höchsten Campingplatzgebühren, und am teuersten sind diese offensichtlich in Rom und in Florenz. Die Campingplätze in Italien lassen sich allerhand einfallen, um die Preise in die Höhe zu treiben, wie z.B. Schwimmbadlandschaften und Toiletten mit 24 Stunden Musikbeschallung, um sich mit 5 Sternen in der Tourismuswerbung platzieren zu können. Offensichtlich sind die meisten Campingplatznutzer so ignorant und bequem, daß sie dieses mitmachen und akzeptieren. Im Zeitalter des Massentourismus sind die Campingplätze heute ein Bestandteil der Tourismusindustrie. Die meisten Touristen im heutigen Zeitalter des Massentourismus suchen nicht Horizonterweiterung und Welterfahrung, sondern sie suchen Ablenkungen, Zerstreuungen und seichte Vergnügungen und vertrödeln ihre Zeit, und dieses erleichtert ihnen die Tourismusindustrie als einem Bestandteil der Konsumkultur der fortgeschrittenen Industriegesellschaft.
 
Von Rom aus habe ich am 09.07.2025 meine Fahrradreise zur nahegelegenen Hafenstadt Civitavecchia und von dort per Fähre zur Hafenstadt Olbia auf der Insel Sardinien fortgesetzt. Auf der Insel Sardinien habe ich nur einen kleinen Teil im Norden bereist und bin dann am 11.07.2025 per Fähre zur Hafenstadt Bonifacio auf der benachbarten Insel Korsika weitergereist. Zuerst war mein Plan gewesen, dort der weitgehend ebenen Ostküste zur Hafenstadt Bastia zu folgen. Ich bin dann jedoch über Sartene und Propriano Richtung Ajaccio gefahren. Hier konnte ich zwei bedeutende archäologische Stätten der Megalithkultur besuchen, am 13.07.2025 auf der Hochebene von Cauria und am 16.07.2025 bei Filitosa. Aufgrund der Kürzung meiner aktuellen Fahrradreise ist der Besuch weiterer archäologischer Stätten der Megalithkultur auf der Insel Malta und auf der Insel Sardinien weggefallen. Zuletzt war die Megalithkultur ein Thema meiner Fahrradreise durch die südliche Nordseeregion im Jahre 2022 gewesen, wobei ich die archäologischen Stätten der Megalithkultur bei Carnac in der Bretagne und bei Avebury in Süd-England (in der Nähe von Stonehenge) besucht hatte.
 
Angenehm war, daß auf den Inseln Sardinien und Korsika die Tageshöchstthemperaturen etwas niedriger waren, als in der Toskana, Umbrien und Latium, und zudem wehte vom Meer her stets ein leichter Wind.
 
Von der Hafenstadt Ajaccio bin ich am 20.07.2025 per Fähre zur Hafenstadt Marseille weitergereist, um meine Fahrradreise durch das südliche und zentrale Frankreich fortzusetzen. Marseille gilt als die älteste Stadt in Frankreich, denn sie wurde ca. 600 v. Chr. von Griechen aus Kleinasien gegründet. Mein besonderes Interesse galt hier Museen, die die Mittelmeerregion in ihrer Gesamtheit zum Thema haben.
 
Von Marseille aus folgte ich alsbald Fahrradwegen entlang dem Fluss Durance und erreichte am 25.07.2025 die Stadt Avignon. Bedeutendste Sehenswürdigkeit ist dort der ab dem Jahre 1335 errichtete Papstpalast, der bis zum Jahr 1430 die Residenz mehrerer Päpste und Gegenpäpste gewesen war.
 
Auf dem gut ausgebauten Fahrradweg „Via Rhona“ (= Eurovelo 17) fuhr ich weiter zur Stadt Orange. Mit dem Namen Arausio war diese eine bedeutende Stadt im Imperium Romanum gewesen, und aus diesem Zeitraum ist ein Theater erhalten, das während der Regierungszeit von Kaiser Augustus Augustus (reg. 31 v. Chr. bis 14 n. Chr.) erbaut worden war und das ich am 27.07.2025 besuchte. Es gilt als eins der am besten erhaltenen antiken Theater.
 
Auf meiner Weiterfahrt folgte ich dem Fluß Ardèche. Dieser fließt in einer spektakulären Schlucht durch ein Kalksteinmassiv. Diese Schlucht wird von zahlreichen Kajakfahrern befahren, und es gibt dort eine Vielzahl von Kajak-Verleihern. Diese Gelegenheit habe ich genutzt und bin am 30.07.2025 ebenfalls mit einem geliehenen Kajak durch diese Schlucht gefahren, eine Strecke von ca. 32 km.
 
Dem Fluß Ardèche folgte ich nun hinauf in das Zentralmassiv, wobei ich am 01.08.2025 den Paß „Col de la Chavade“ (1266 m) überquerte. Dieser bildet eine Klima- und Vegetationsgrenze, an der die Klima- und Vegetationszone der mediterranen Subtropen der Mittelmeerregion endet. Nördlich des Paß „Col de la Chavade“ (1266 m) gleicht die Landschaft im Zentralmassiv der Landschaft der Mittelgebirge im mittleren Europa; die Landschaft in den Hochlagen des Zentralmassivs ist von Almwirtschaft und Fichtenmonokulturen geprägt, und auch die Tagestemperaturen sind hier deutlich kühler als in der Mittelmeerregion, einschließlich des Tales des Flusses Ardèche.
 
Bei meiner Fahrt durch das Zentralmassiv besuchte ich u.a. die Stadt Le Puy en Velay. Nun folgte ich dem Fahrradweg „Via Allier“ entlang dem Tal des Flusses Allier. Dann erreichte ich die Stadt Clermont-Ferrand. Es ist eine Doppelstadt, und das historische Zentrum befindet sich in Clermont. Hier hat Papst Urban II. im Jahre 1095 zum Ersten Kreuzzug aufgerufen, und dieses historische Ereignis mit weitreichenden globalhistorischen Folgen, die Papst Urban II. nicht intendiert hatte, bildet meinen Motivationsgrund für meinen Besuch der Stadt Clermont als dem Ort dieses historischen Ereignisses.
 
Es gilt, historische Forschung an den geografischen Originalschauplätzen historischer Ereignisse zu betreiben, eine geschichtswissenschaftliche Methode, die sich auf Herodot von Harlikarnassos (ca. 490 – 420 v. Chr.) zurückführen läßt. Allerdings fand ich bei meiner Stadtexkursion in Clermont am 07.08.2025 lediglich ein Denkmal von Papst Urban II. vor. Obwohl Teile des historischen Stadtzentrums von Clermont seit 1998 Unesco-Weltkulturerbe sind, erfährt der historisch interessierte Besucher nichts über dieses historische Ereignis und seine überaus weitreichenden globalhistorischen Folgen.
 
Zuletzt war das Zeitalter der Kreuzzüge mein Thema in Venedig gewesen, insbesondere die Rolle der Seerepublik Venedigs bei der Eroberung und Plünderung der Weltstadt Konstantinopel im Jahre 1204 während des Vierten Kreuzzuges und den weitreichenden, die globalen Verhältnisse der Gegenwart prägenden Folgen. Diese Eroberung und Plünderung Konstantinopels 1204 auf Veranlassung der Seerepublik Venedig bildet den Beginn der Untergangsphase des Byzantinischen Reiches.
 
Zweifellos sind die Kreuzzüge ein Beispiel für eine Aktion, die im historischen Verlauf eine Eigendynamik entwickelte und zu einem historischen Ergebnis und Folgen führte, die gänzlich den ursprünglichen Intentionen, hier denen von Papst Urban II., entgegen gesetzt waren. Gemäß dem Kausalprinzip von Ursache und Wirkung war das Ergebnis der Kreuzzüge der Untergang des Byzantinschen Reiches und der Aufstieg des Militärimperiums des Osmanischen Reiches, einer Orientalischen Despotie und Sklavenhaltergesellschaft, die fortan bis vor die Tore der Stadt Wien expandierte. Auch Venedig verlor seine Rolle als See- und Handelsmacht, die Seehandelsrouten verlagerten sich von Mittelmeer zum Atlantik, wo neue See- und Handelsmächte entstanden und Weltgeltung erlangten.
 
Von Clermont-Ferrand aus hatte ich am 08.08.2025 eine Exkursion auf den ehemaligen Vulkan Puy de Dôme (1465 m) unternommen. Vom Paß „Col de Cayssat“ (1078 m), den ich per Fahrrad erreichte, gelangt man über einen ehemaligen Maultierpfad auf den Gipfel des ehemaligen Vulkans Puy de Dôme (1465 m). Die oberste Gipfelregion ist waldfrei, und es stellt sich die Frage, ob es sich hier um eine natürliche klimatische Waldgrenze handelt, was ich nicht vermute. In den meisten Gebirgen wurde in historischer Zeit die natürliche klimatische Waldgrenze durch die Ausweitung der Almwirtschaft herabgedrückt, und offensichtlich erfolgte dies auch hier am Puy de Dôme (1465 m). Von oben bietet sich ein Panoramablick über die Kette der ehemaligen Vulkane des Zentralmassivs.
 
Von Clermont-Ferrand fuhr ich weiter auf dem Fahrradweg „Via Allier“, der entlang des Flusses Allier verläuft, zur Stadt Vichy. Erst vor wenigen Jahren hatte ich am 01.08.2018 im Rahmen einer Fahrradexkursion die Stadt Vichy besucht, sodaß jetzt meine Stadtexkursion in Vichy am 09.08.2025 nur kurz ausfiel. Vichy präsentiert sich als ein Kurort, als eine Stadt der „Belle Epoque“, des Second Empire und als Sommerresidenz von Kaiser Napoleon III.. Der Zeitraum der Jahre 1940 bis 1944, als Vichy unter besonderen Begleitumständen die Hauptstadt Frankreichs war, wird hingegen nirgendwo in der Stadt thematisiert. Neu ist, daß Vichy seit 2021 von der UNESCO gemeinsam mit zehn weiteren Städten in sieben Ländern Europas auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt wurde als „Grandes Villes d' Eaux d' Europe“.
 
Bei der Stadt Moulins verlies ich am 11.08.2025 das Tal des Flusses Allier, das unterhalb von Vichy den Landschaftscharakter einer großen agrarindustriellen Mais-Monokultur hat. Ich fuhr weiter an die Loire bei der kleinen Stadt Decize. Auf meiner Weiterreise umfuhr ich das Mittelgebirge des Morvan, das Höhen bis 901 m erreicht, im Südwesten.
 
Dann besuchte ich am 17.08.2025 die Stadt Autun, die unter dem Namen Augustodunum eine Hauptstadt des römischen Galliens gewesen war. Zuvor war Bibracte am Mount Beuvery (821 m) in den Hochlagen des Morvan im 2. und 1. Jh. v. Chr. die Hauptstadt des keltischen Stammes der Haeduer gewesen. Dort gibt es eine archäologische Stätte und ein Museum, die ich vor wenigen Jahren am 02.08.2013 im Rahmen einer Tagesexkursion per Fahrrad besucht hatte. Nach der Niederlage des Vercingetorix (ca. 82-46 v. Chr.) im Jahre 52 v. Chr. wurde diese Hauptstadt von Bibracte nach Augustodunum, dem heutigen Autun verlegt. Aus der römischen Antike gibt es in Autun verteilt über das Stadtgebiet bauliche Relikte, darunter ein Amphitheater, das 17.000 Zuschauer faßte.
 
Meine Fahrradreise setzte ich durch eine agrarindustrielle Weinbau-Monokultur zur Stadt Dijon fort, der ehemaligen Hauptstadt des Herzogtums Burgund. Der Name der Region Burgund geht auf die Burgunder zurück. Die Burgunder siedelten vor der sogenannten Völkerwanderung im Bereich der Flüsse Oder und Weichsel. Dann gründeten sie ein kurzlebiges Königreich am Mittelrhein, wo die Burgunder Gegenstand der Nibelungensage wurden. Anschließend wurden die Burgunder vom Imperium Romanum als Föderaten im Raum zwischen der Loire, der Rhone und der heutigen Schweiz angesiedelt, wo sie ein weiteres Königreich gründeten. Im Mittelalter gab es hier ein Herzogtum Burgund mit der Hauptstadt Dijon, das bis zur französischen Revolution bestand.
 
Von den Burgundern ist heute außer dem Namen einer Region nichts mehr übrig geblieben. Faktisch haben sich die Burgunder in der Weltgeschichte verlaufen, wie die meisten Völkerschaften im Zeitalter der sogenannten Völkerwanderung. Heute erinnert noch die Nibelungensage an die Burgunder und an das Zeitalter der sogenannten Völkerwanderung.
 
Nach meinem Besuch der Stadt Dijon folgte ich am 22.08.2025 dem Fahrradfernwanderweg Eurovelo 6 Richtung Osten. Als Donauradweg ist der Eurovelo 6 etwas weiter östlich der beliebteste und am meisten befahrene Fernradweg in Europa. Der Eurovelo 6 folgt dem Fluß Doubs am Nordwestrand des Jura-Gebirges.
 
Bei der Stadt Besançon versäumte ich am 23.08.2025 den Besuch der Zitadelle, die vom Festungsbaumeister Sébastian Le Prestre de Vauban (1633 - 1707) im 17. Jahrhundert für König Ludwig XIV. errichtet worden war. Vauban hatte den neuzeitlichen Festungsbau (Zitadelle) zu einer neuzeitlichen Wissenschaft entwickelt. Der neuzeitliche Territorialstaat Frankreich ist von mehr als 160 von Vauban geplanten neuzeitlichen Fortifikationen (Zitadelle) umgeben. 12 dieser Fortifikationen Vaubans sind seit 2008 Unesco-Weltkulturerbe, darunter die Zitadelle von Besançon. Diese neuzeitlichen Festungen sind zusammen mit stehenden Heeren und exakt vermessenen und permanent militärisch bewachten Grenzlinien ein Charakteristikum des neuzeitlichen, absolutistischen und zentralistischen Staates in Abgrenzung zum Personenverbandsstaat des Mittelalters. Die Architektur der neuzeitlichen Zitadelle wird insbesondere durch das Aufkommen von Kanonen mit großer Zerstörungskraft bestimmt. Das Aufkommen von Kanonen mit großer Zerstörungskraft leitete zudem den Niedergang der freien und selbstständigen Städte ein, deren Freiheit und Selbstständigkeit nun nicht mehr wie noch im Mittelalter durch Stadtmauern geschützt werden konnte.
 
Entlang dem Fahrradfernwanderweg Eurovelo 6 gelangte ich nun ins Elsaß. Das Elsaß hatte ich bislang nur einmal kurz besucht im Rahmen einer mehrwöchigen Fahrradreise mit Zelt im Sommer des Jahres 1983. Diese Fahrradreise führte grenzüberschreitend durch mehrere Länder des mittleren Europas, und das Motto war „Europa ohne Grenzen“. Damals trennte noch der „Eiserne Vorhang“ die östliche von der westlichen Hälfte Europas, sodaß diese Fahrradreise auf Länder der westlichen Hälfte Europas beschränkt bleiben mußte. Glücklicherweise sind heute Fahrradreisen auch in der östlichen Hälfte Europas möglich, und in den zurückliegenden Jahren habe ich auch in der östlichen Hälfte Europas mehrere Fahrradreisen unternommen.
 
Ich erinnere mich noch gut daran, daß es damals bei der Fahrradreise mit Zelt im Sommer des Jahres 1983 Probleme mit dem aggressiven Fahrstil der KFZ-Fahrer auf den Straßen gab, und diese Probleme fanden ihre Fortsetzung auf den Campingplätzen. Heute muß ich nach zahlreichen weiteren Fahrradreisen in verschiedenen Teilen Europas feststellen, daß diese Probleme mit dem aggressiven Fahrstil von KFZ-Fahrern trotz dem zwischenzeitlichen Ausbau weiterer Fahrradwege in einigen Ländern keinesfalls abgenommen haben, sondern im Gegenteil ganz erheblich zugenommen haben und weiterhin zunehmen. Die hegemoniale automobile Gesellschaft vernetzt sich über das Internet, um ihre Interessen auch aggressiv und militant durchzusetzen und Fahrradfahrer zu schikanieren.
 
Das Elsaß wollte ich mir jetzt gründlicher ansehen, um die dortigen Verhältnisse und historischen Entwicklungen insbesondere im extremen 20. Jahrhundert mit denen in Schlesien zu vergleichen, wo Entwicklungen durchaus ähnlich verlaufen sind. Schlesien und das Elsaß sind Regionen in Europa, in denen sich zeigen muß, ob Europa nach dem extremen 20. Jahrhundert eine Zukunft hat und wie diese Zukunft aussehen könnte.
 
Im Elsaß angelangt, besuchte ich am 25.08.2025 die Stadt Mühlhausen/Mulhouse. Diese im Jahre 1308 zur Freien Reichsstadt erhobenen Stadt trat im Jahre 1515 der Schweizer Eidgenossenschaft bei. Auf Beschluss des Stadtrats erfolgte allerdings im Jahre 1798 der Anschluß an Frankreich. Zweifellos würde die Stadt Mühlhausen/Mulhouse einen weitreichenden völkerrechtlichen Präzedenzfall mit dem möglichen Charakter einer historischen Zäsur schaffen, wenn heute der Stadtrat beschließen würde, der Schweizer Eidgenossenschaft beizutreten.
 
Die Städte erfuhren am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit einen Verlust ihrer Selbstständigkeit, Freiheit und Bedeutung im Zuge des Aufstiegs des absolutistischen Staates, der mit Ausnahme der Schweiz zum neuzeitlichen Staatsmodell in Europa avancierte. Somit ist das Modell der Schweiz im heutigen Europa ein Sonderfall, da nur in der Schweiz sich Traditionen direkter Demokratie, kommunaler Selbstverwaltung und genossenschaftlicher Organisation, die im Mittelalter weit verbreitet waren, entgegen den Tendenzen einer Zentralisierung seit dem Zeitalter des Absolutismus bis in die Gegenwart halten konnten. Bis heute haben die Städte ihre ehemalige Selbstständigkeit, Freiheit und Bedeutung nicht wiedererlangt und sie sind weiterhin der Machtpolitik der Staaten untergeordnet.
 
Bei meiner Weiterfahrt folgte ich dem Eurovelo 5 zur kleinen Stadt Cernay. Von hier aus führt die im Ersten Weltkrieg angelegte ehemalige Militärstraße „Route des Cretes“ durch die Hochlagen der Vogesen. Hier war der Hartmannsvillerkopf (956 m) mit insgesamt 30.000 Kriegstoten im Ersten Weltkrieg stark umkämpft, und seit dem Jahre 2017 befaßt sich ein deutsch-französisches Historial hier mit den historischen Ereignissen, das ich am 27.08.2025 besuchte. Neu ist, daß hier beide Seiten gleichermaßen und gleichberechtigt in den Blick genommen werden, womit dem Anspruch der Geschichtsdidaktik auf Multiperspektivität nachgekommen wird. Tatsächlich jedoch ist in der real-existierenden Gedenk- und Erinnerungskultur im gesamten Europa der geschichtsdidaktische Anspruch auf Multiperspektivität bis heute fast nirgendwo anzutreffen, sodaß dem deutsch-französischen Historial am Hartmannsvillerkopf (956 m) der Charakter eines beachtenswerten zukunftsweisenden Modells im öffentlichen Umgang mit Geschichte in Europa zukommt, von dem zu hoffen ist, daß es Schule macht. Insbesondere in der östlichen Hälfte Europas ist dieses zwingend erforderlich, wie dort die Entwicklungen seit 1989/90 zeigen, die an das Konfliktgeschehen der Zwischenkriegszeit anknüpfen.
 
Auch unternahm ich am 29.08.2025 eine Tour auf den Großen Belchen/Grand Ballon (1424 m), dem höchsten Berg der Vogesen. Die ehemalige Militärstraße „Route des Cretes“ führt bis auf eine Höhe von 1325 m in die Hochlagen der Vogesen hinauf, wohin ich per Fahrrad fuhr. Von dort führt ein Wanderpfad auf den Gipfel des Großen Belchen/Grand Ballon (1424 m). Mittlerweile war das Wetter wieder kühl und wechselhaft mit häufigem Regen. Im weiteren Verlauf meiner Fahrradreise besuchte ich im Elsaß die frühneuzeitliche Festungsstadt Neuf-Brisach, die Stadt Colmar, die Stadt Schlettstadt/Sélestat und die Hohe Königsburg.
 
Weiter fuhr ich zur Stadt Straßburg. Nach zwei Tagen Stadtexkursion in Straßburg setzte ich am 06.09.2025 meine Fahrradreise auf dem Fahrrad-Fernwanderweg Eurovelo 5 fort, der entlang dem Marne-Rhein-Kanal verläuft. Dieser alte Kanal aus dem Zeitalter des Merkantilismus durchquert in der Umgebung der Stadt Saverne die Vogesen mit zahlreichen Schleusen. Dann folgt der Eurovelo 5 dem Saarkanal nach Norden ins Saarland. Ich erreichte dann am 08.09.2025 die Stadt Saarbrücken im Saarland. Auch mein letzter Besuch des Saarlands liegt ebenso wie mein letzter Besuch des Elsaß schon lange zurück, und er erfolgte wie im Falle des Elsaß während meiner Fahrradreise im Sommer des Jahres 1983. Nach der üblichen Stadtexkursion, bei der ich in Saarbrücken Museen besuchte, setzte ich am 10.09.2025 meine Fahrradreise auf dem Saar-Radweg entlang des Flusses Saar fort.
 
Im Saarland folgte ich dem Fluß Saar zur Stadt Trier, die ich am 11.09.2025 erreichte. Trier hatte ich gegen Ende meiner Fahrradreise 2022 vor drei Jahren besucht. Neben Augsburg und Kempten ist Trier die älteste Stadt auf dem Territorium der heutigen Bundesrepublik Deutschland, und sie wurde wie diese zur Römerzeit unter der Regierung von Kaiser Augustus (reg. 31 v. Chr. bis 14 n. Chr.) im Jahre 17 vor Chr. unter dem Namen Augusta Treverorum gegründet. Eine herausragende Bedeutung erlangte die Stadt Trier im Zuge der Reformen des Kaisers Diokletian (reg. 284 – 305 n. Chr.) und der damit verbundenen Aufteilung des Imperium Romanum in vier Herrschaftsgebiete (Präfekturen), der sogenannten Tetrarchie, wobei die Stadt Augusta Treverorum Residenzstadt des westlichen Teils dieser vier Präfekturen wurde, der Präfektura Galliae, deren Territorium von den Britischen Inseln bis nach Mauretanien reichte. Aufgrunddessen entwickelte sich die Stadt Augusta Treverorum zur größten Stadt im Imperium Romanum nördlich der Alpen mit rd. 80.000 Einwohnern im 3. Jahrhundert und es erfolgte eine umfangreiche Bautätigkeit. Wie auch andernorts, darunter auch Rom, wurden auch in Trier die baulichen Relikte aus der Römerzeit über Jahrhunderte hinweg als Steinbruch genutzt.
 
In Trier gibt es ein exzellentes Museum zur Römerzeit, das Rheinische Landesmuseum Trier, und vor drei Jahren gab es dort eine Sonderausstellung zum Thema des „Untergangs“ des Imperium Romanums, ein Thema das viele Facetten hat, und es stellt sich die Frage, ob das Imperium Romanum in Folge der sogenannten Völkerwanderung tatsächlich untergegangen ist, und ob nicht vielmehr ein Transformationsprozeß stattgefunden hatte, was das Weströmische Reich betrifft.
 
Der von Konstantinopel aus regierte östliche Teil des Imperium Romanums kann hingegen eine Kontinuität bis weit ins Mittelalter vorweisen, wobei dessen Untergang, wie schon erwähnt, durch die Eroberung und Plünderung der Weltstadt Konstantinopel im Jahre 1204 während des 4. Kreuzzuges auf Veranlassung der Seerepublik Venedig eingeleitet wurde. Die Römerzeit war ein durchgehendes Thema meiner Fahrradreise in die mittlere Mittelmeerregion.
 
Von Trier aus folgte ich dem Fahrradweg entlang des Flusses Mosel zur Stadt Koblenz, die ich am 17.09.2025 erreichte. Die Stadt Koblenz liegt an der Einmündung der Mosel in den Rhein, und von der Festung Ehrenbreitstein bietet sich ein Panoramablick über die Flußlandschaft. Meine Fahrradreise setzte ich nun auf dem Rheinradweg entlang des Flusses Rhein fort. Ich passierte die Städte Andernach, Remagen und Bonn und erreichte die Stadt Köln, wo ich meine Fahrradreise am 21.09.2025 beendete.

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Fahrradreise Mittlere Mittelmeerregion I - Ein Reiseerlebnmisbericht. Textversion 01 vom 23.10.2025
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Manfred SUCHAN
Geograf
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Goethe-Denkmal im Park Borghese in Rom am 09.07.2025 während meiner Fahrradreise in die mittlere Mittelmeerregion im Sommer 2025. In Rom erinnert im Park Borghese ein Denkmal an Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) und seine Reise nach Italien und Rom in den Jahren 1796 bis 1788. Diese Reise von Goethe gilt als ein herausragendes Beispiel einer Bildungsreise im Zeitalter der Aufklärung. Heute geht es jedoch nicht mehr um Horizonterweiterung und Welterkenntnis, wie noch im Zeitalter der Aufklärung. Im heutigen Zeitalter des Massentourismus vermarktet die Tourismus-Industrie als Bestandteil der Konsumkultur Ablenkungen, Zerstreuungen und seichte Vergnügungen, und die gelangweilten Touristen vertrödeln ihre Zeit, wie man in sämtlichen Touristenzentren unübersehbar feststellen kann.

Das alte Schloß bei der Stadt Hrodna/Grodno (Belarus) oberhalb des Flusses Nioman/Memel am 21.11.2024. 

Grenzüberschreitungen:


In den Frontstaten beiderseits des neuen Eisernen Vorhangs

 

Eindrücke einer Reise nach Belarus

 
 Ein Reiseerlebnisbericht von Manfred Suchan 


1.  Einleitung 

 
Die Berliner Mauer (1) trennte 28 Jahre lang vom 13. August 1961 bis zum 9. November 1989 den westlichen Teil der Metropole Berlin vom östlichen Teil (2). Diese Trennung innerhalb Berlins setzte sich fort zum Einen in der Trennung der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik, zum Anderen in der Spaltung Europas in eine westliche und eine östliche, „real-sozialistische“ Hälfte durch den sogenannten „Eisernen Vorhang“ (3), und des Weiteren in der Bipolarität des internationalen Staatensystems in Zeitalter des Ost-West-Konflikts (4) und der Blockkonfrontation. 
 
Heute besteht auf dem ehemaligen Mauerstreifen der Metropole Berlin ein Grünzug, das „Grüne Band Berlin“ (5), entlang dem der Mauerradweg (6) verläuft. Vom Mauerradweg aus hat man Anschluß an das Radweg-Knotenpunktsystem von Brandenburg sowie an das europäische Radrouten-Netz „Eurovelo“ (7). Der ehemalige Mauerstreifen bildet eine ausgeprägte Siedlungs- und Bebauungsgrenze, die als „Stadtkante“ den urbanen Raum der Metropole Berlin vom umgebenen Ländlichen Raum Brandenburgs trennt. Diese „Stadtkante“ mit dem Mauerstreifen bildet zugleich eine markante klimageografische Grenze, die das wärmere Stadtklima der Metropole Berlin vom kühleren Klima des umgebenden Ländlichen Raumes Brandenburgs trennt. Der Grünzug des ehemaligen Mauerstreifens, das „Grüne Band Berlin“, schafft in einer intensiv genutzten Agrarlandschaft und einer intensiv bebauten Stadtlandschaft einen Biotopverbund (8). In größerem Maßstab werden solche Biotopverbunde durch des „Grüne Band Deutschland“ (9) entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze geschaffen, sowie durch das „Grüne Band Europa“ (10), das entlang dem naturnah belassenen Grenzstreifen des ehemaligen „Eisernen Vorhanges“ durch Europa über eine Gesamtlänge von über 12.500 Kilometern verläuft. 
 
Globalhistorisch betrachtet endete 1989 mit der Öffnung der Berliner Mauer vor 35 Jahren das kurze, extreme 20. Jahrhundert (11), das mit dem Ersten Weltkrieg als der „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts begonnen hatte. Der „Mauerfall“ (12) war Folge der Forderung nach Reisefreiheit (13), und diese Reisefreiheit war in Folge des Ersten Weltkriegs weltweit weitgehend verloren gegangen. Dieser weltweite Verlust der Reisefreiheit ist ein Element, das das 20. Jahrhundert zu einem extremen Jahrhundert macht. 
 
Aufgrund des Fortbestandes wesentlicher, für das extreme 20. Jahrhundert typischer Merkmale (14) hält das extreme 20. Jahrhundert jedoch bis heute weiter an, und es erfährt seine technologische Modernisierung. Es mangelt an zukunftsweisenden Alternativen, und ein Wechsel der Agenda (15) steht noch aus, sodaß der Friedens- und Konfliktforscher Johan Galtung (16) in seinem Text: „Geopolitik nach dem Kalten Krieg: ein Essay zur Agendatheorie“ zu der Schlußfolgerung gelangt, „daß die politische Klasse dieser Erde ein momentanes geopolitisches Agendavakuum mit unvollendeten Agenden der Vergangenheit füllt (…). Die politische Klasse hat nicht umgedacht, und das liegt nur teilweise daran, daß sie keine Zeit für kreative Aktivitäten hatte“ (17). Noch erfolgte kein vollständiger historischer Bruch mit dem extremen 20. Jahrhundert und es erfolgte keine vollständige Revision (18) der dieses extreme 20. Jahrhundert ermöglichenden Ideen und Konzepte, da wesentliche, das extreme 20. Jahrhundert prägende und konstituierende Merkmale fortbestehen, sodaß sich das extreme 20. Jahrhundert heute digitaltechnisch modernisiert ins 21. Jahrhundert verlängert und die abschließende Historisierung des extremen 20. Jahrhunderts durch den Historiker Eric Hobsbawm (1917–2012) als „Das Zeitalter der Extreme“ (19) zu früh erfolgt ist. Wie die auch nach der vermeintlichen Epochenwende 1989/90 fortbestehenden Krisen, Konflikte und Kriege zeigen, setzt sich das extreme 20. Jahrhundert als „Zeitalter der Extreme“ vielmehr im 21. Jahrhundert weiter fort, da wesentliche das extreme 20. Jahrhundert prägende Merkmale weiter fortbestehen, diese sich einem historischen Bruch verweigern und ihre Kontinuität ins 21. Jahrhundert verlängern.
 
1989/90 bestand die Hoffnung auf ein neues Zeitalter des Friedens und der Kooperation. Doch heute finden wieder Geopolitik (20) und Machtpolitik statt. Eine kritische Reflektion der seit 1989/90 erfolgten Entwicklungen erfolgt jedoch kaum. Eine Bilanz der seit 1989/90 erfolgten Entwicklungen ist desaströs: Europa hat sich von den Intentionen des KSZE-Prozesses (21) verabschiedet. Ein neuer Kalter Krieg ist entstanden (22). Heute ist Europa wieder gespalten und wird von einem neuen „Eisernen Vorhang“ durchzogen, der entlang der östlichen Außengrenzen der Europäischen Union verläuft. 
 
Während die Mauergesellschaft in der ehemaligen Mauerstadt Berlin aus Anlaß von „35 Jahren Mauerfall“ (23) am 09.11.2024 aufgefordert wird: „Haltet die Freiheit hoch!“, wird hingegen mit der feststellbaren Zunahme globaler Krisen und dem Anwachsen geopolitischer Rivalitäten und Spannungen das Bestreben der Staaten zu zunehmender Überwachung, Kontrolle und sozialtechnischer Zurichtung der Bevölkerung zunehmen (24), sodaß bei realistischer Betrachtung der globalen Entwicklungen wir im digitaltechnischen Zeitalter unsere Freiheit einschließlich der Reisefreiheit möglicherweise vollständig und dauerhaft verlieren werden (25). Die gegenwärtigen Entwicklungen sind allgemein und weltweit und insbesondere auch in Europa von totalitären Tendenzen, zunehmender Repression und der Elimination von Alternativen geprägt. 
 
Die eingeschränkte Sicht und der begrenzte Horizont, der in diesem Jahr 2024 anläßlich von „35 Jahren Mauerfall“ in der Mauerstadt Berlin deutlich wurde, muß eine Herausforderung sein, den beschränkten Blick einer Berliner Mauergesellschaft zu überwinden, um sich selbst ein Bild von den Verhältnissen in Europa zu machen, insbesondere von den Verhältnissen in den Frontstaaten beiderseits des neuen „Eisernen Vorhangs“, der heute erneut Europa spaltet. Eine Reise ist geeignet, sich selbst ein Bild zu machen, jenseits der Propaganda der Massenmedien. Für den Zeitraum vom 19.07.2024 bis zum 31.12.2024 hat die Regierung der Republik Belarus (26) visafreies Reisen nach Belarus für die Bürger von 34 Ländern einschließlich der Bundesrepublik Deutschland ermöglicht (27). Explizit die Bürger der Bundesrepublik Deutschland werden zu einer Reise nach Belarus eingeladen (28). Der Zeitraum des einseitig gewährten visafreien Reisens für eine Reisedauer von bis zu 30 Tagen nach Belarus wurde bis zum 31.12.2025 verlängert. Zweifellos knüpft die einseitig verkündete Visafreiheit an die Intentionen des KSZE-Prozesses an, und sie ist in Zeiten zunehmender Spannungen in Europa ein Beitrag zur Entspannungspolitik (29). 
 
Diese einseitig gewährte Möglichkeit visafreien Reisens nutzte ich im November 2024 für eine Reise nach Belarus. Dabei besuchte ich in Form einer Rundreise per Reisebus von Berlin aus vier Städte in den Frontstaaten beiderseits des neuen Eisernen Vorhangs: Vilnius, Minsk, Hrodna/Grodno und Bialystok.
 
 

2.  Inhalt

 
  1. Einleitung                                                                                              
  2. Inhalt                                                                                                  
  3. 35 Jahre Mauerfall                                                                                 
  4. Entspannungspolitik und Reisefreiheit                                                   
  5. Auf der „Autobahn der Freiheit“ in die östliche Ostseeregion                 
  6. Vilnius, ein Stadtschicksal im extremen 20. Jahrhundert                       
  7. Das Ende der Reisefreiheit im extremen 20. Jahrhundert                      
  8. Užupis und die Relevanz von Alternativkultur in Europa                        
  9. Geopolitik und die alternativlose Affirmation des Bestehenden             
10. Minsk, eine Heldenstadt des real-existierenden Sozialismus                   
11. Hrodna/Grodno und die Auflösung des Staates Polen-Litauen                
12. Bialystok oder: Sibirien als wahrnehmungsgeographische Kategorie     
13. Anmerkungen                                                                                         
 
 

3.  35 Jahre Mauerfall 

 
Die Öffnung der Berliner Mauer in der Nacht von Donnerstag, dem 9. November 1989, auf Freitag, den 10. November 1989, war die Folge der Forderung nach Reisefreiheit. Dieser „Mauerfall“ am 09.11.1989 in Berlin kann zweifellos als das bedeutendste Ereignis während der friedlichen Revolution in der DDR (30) gelten. In Folge und aus Anlaß des „Mauerfalls“ am 09.11.1989 finden im Zentrum der ehemaligen Mauerstadt Berlin in regelmäßiger Folge und insbesondere alle fünf Jahre in größerem Umfang staatsoffizielle Veranstaltungen und Events statt, und so auch im Jahr 2024 anläßlich von „35 Jahren Mauerfall“. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen war jedoch im Jahr 2024 noch mehr als in den Vorjahren nicht zu erwarten, daß es in diesem Rahmen eine kritische Reflektion der seit 1989/90 erfolgten Entwicklungen geben wird. Eine Bilanz dieser Entwicklungen ist desaströs: Europa hat sich von den Intentionen des KSZE-Prozesses verabschiedet. Heute ist Europa wieder gespalten und wird von einem neuen „Eisernen Vorhang“ durchzogen, der entlang der östlichen Außengrenzen der Europäischen Union verläuft. Ein neuer Kalter Krieg ist in der Ukraine in einen „heißen“ Krieg übergegangen. 1989/90 bestand die Hoffnung auf ein neues Zeitalter des Friedens und der Kooperation. Doch heute finden wieder Geopolitik und Machtpolitik statt. Es ist eine neue Zuspitzung von globalen Gegensätzen zwischen Machtblöcken feststellbar, vergleichbar mit dem Zeitalter des Imperialismus, das in zwei Weltkriegen gipfelte, und es findet gerade ein „Wettlauf“ (scramble) (31) um eine Neuverteilung raumrelevanter Interessen- und Einflußzonen zur zukünftigen Absicherung von Herrschaftsansprüchen statt. Die gegenwärtigen Entwicklungen sind allgemein und weltweit und insbesondere auch in Europa von totalitären Tendenzen, zunehmender Repression und der Elimination von Alternativen geprägt. 
 
Bei den Ereignissen der Jahre 1989/90 sind vier Ebenen zu unterscheiden: Berlin, Deutschland, Europa, Welt. Die Organisatoren des Events „35 Jahren Mauerfall“ im Jahre 2024 beschränkten sich jedoch weitgehend auf die Ebene Berlins als „Mauergesellschaft“ einer „Mauerstadt“, sodaß die Sicht auf die Ereignisse und Entwicklungen in ihrer Gesamtheit beengt und beschränkt, piefig und provinziell bleiben mußte. Die Mauer, die sowohl Berlin (West) als auch die DDR umschloß, bildete ein konzentrisches System von Inklusionen und Exklusionen, und sie begrenzte und beschränkte den Horizont der Weltsicht der jeweils Eingeschlossenen sowohl in Berlin (West) als auch in der DDR. Mit dieser Horizontbegrenzung prägte und präformierte die Berliner Mauer nachhaltig und bis heute das Weltbild und die Weltanschauung der Eingeschlossenen sowohl im Westteil, als auch im Ostteil der Mauerstadt Berlin, und diese Horizontbegrenzung ist das herausragende Merkmal, das die urbane Gesellschaft der Mauerstadt Berlin zur Mauergesellschaft macht (31a). 
 
Dahingegen hatte es vor 10 Jahren anläßlich von „25 Jahren Mauerfall“ im Jahre 2014 noch verschiedene Beiträge und Reden mit einer kritischen Reflektion der seit 1989/90 erfolgten Entwicklungen gegeben, darunter eine Rede von Michail S. Gorbatschow (32). Mit Blick auf den Ukraine-Konflikt sagte Gorbatschow: „Die Welt ist an der Schwelle zu einem neuen Kalten Krieg. Manche sagen, er hat schon begonnen.“ In den vergangenen Monaten habe sich ein „Zusammenbruch des Vertrauens“ vollzogen. Die Ereignisse seien die Konsequenzen aus einer kurzsichtigen Politik. Es sei der Versuch, vollendete Tatsachen zu schaffen und die Interessen des Partners zu ignorieren. Gorbatschow warf dem Westen und insbesondere den USA vor, ihre Versprechen nach der Wende 1989 nicht gehalten zu haben. Stattdessen habe man sich zum Sieger im Kalten Krieg erklärt und Vorteile aus Russlands Schwäche gezogen. Die Vertrauenskrise belaste auch die Beziehungen zu Deutschland. „Hier in Berlin, zum Jahrestag des Mauerfalls, muss ich feststellen, dass all dies auch negative Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland hat“, sagte Gorbatschow. „Lasst uns daran erinnern, dass es ohne deutsch-russische Partnerschaft keine Sicherheit in Europa geben kann.“ Bereits in den neunziger Jahren habe der Westen begonnen, im Verhältnis zu Russland das Vertrauen zu untergraben, das die friedliche Revolution in Deutschland und in Osteuropa möglich gemacht habe. Gorbatschow nennt Beispiele, an denen sich die Geringschätzung Russlands durch den Westen ablesen lasse: Die Jugoslawienkriege (33) und der Weg zur Nato-Erweiterung (34), außerdem Irak, Libyen, Syrien. „Und wer leidet am meisten unter der Entwicklung? Es ist Europa, unser gemeinsames Haus.“
 
Im Programm des Jahres 2024 war Vergleichbares nicht zu finden. Im Zentrum des Events im Jahre 2024 anläßlich von „35 Jahren Mauerfall“ unter dem Motto: „Haltet die Freiheit hoch“ stand eine Open Air Installation mit Plakaten und Transparenten, die über eine Distanz von vier Kilometern dem ehemaligen Verlauf der Mauer im Stadtzentrum folgte. In dieser Open Air Ausstellung machten die historischen Plakate, die im Rahmen der Ereignisse um 1989 entstanden, allerdings nur einen sehr kleinen Teil aus. Die Masse der ausgestellten Plakate wurde von einer Vielzahl von Personen kurz zuvor für diese Ausstellung gestaltet. 
 
Lediglich eine Ausstellung überschritt den begrenzten Blick auf die berliner Ereignisse und sie erweiterte den Horizont. Diese Ausstellung hat den Titel: „China ist nicht fern! – 35 Jahre Tiananmen“ (35). Thema dieser Ausstellung, die von einer „Axel Springer Freedom Fundation“ konzipiert wurde, ist die Demokratiebewegung in der Volksrepublik China und ihre Zerschlagung im Juni 1989 (36). Die Kenntnis dieser Ereignisse in der Volksrepublik China (37) ist in Europa bislang oberflächlich und lückenhaft, sodaß die Ausstellung einen Beitrag zur Aufklärung leistet. Diese Ausstellung ist dreisprachig konzipiert (chinesisch, englisch, deutsch), und anhand von Reportagen, Fotos und Zeitungsartikeln wird der Verlauf der Ereignisse dargestellt. Meines Erachtens kann die gewaltsame Niederschlagung der Demokratiebewegung in der VR China als das Bestreben der Staatsführung der VR China aufgefaßt werden, eine Übertragung der Reformpolitik von Michail S. Gorbatschow auf die VR China zu verhindern. In der DDR bestand im November 1989 kurzzeitig die Befürchtung, daß die Staatsführung der DDR sich zur Niederschlagung der Bürgerrechtsbewegung in der DDR an der gewaltsamen „chinesischen Lösung“ (38) orientieren würde, was dann glücklicherweise nicht erfolgte, und auch die Staatsführung der DDR setzte dann anders als in der VR China die Reformpolitik von Gorbatschow um, und zahlreiche ihrer Vertreter beteiligten sich an der friedlichen Revolution in der DDR (Beispiel: „Runder Tisch“ (39)). Die Ausstellung bietet zudem zahlreiche Beiträge von Zeitzeugen der Ereignisse in der VR China, wobei einige der Zeitzeugen die westlichen Länder kritisieren, da diese kritiklos mit der VR China Geschäfte machen, wobei durch das Wirtschaftswachstum in der VR China die Möglichkeiten der Staatsführung vermehrt würden, ihre Macht nach innen und außen auszuweiten. Mit dieser wachsenden Macht gewänne das „chinesische Modell“ der VR China weltweit zunehmend an Attraktivität. Folge sei, daß eine Demokratiebewegung in der VR China heute sehr viel weniger Chancen habe, als im Jahre 1989. 
 
Heute zeichnet sich ein zukünftiges neues globales Zeitalter der Bipolarität ab mit den Supermächten USA und VR China als Antagonisten. Die globale Attraktivität des „Chinesischen Modells“ besteht darin, daß es verspricht, auf sozialtechnischem Wege (Social Engineering) (40) und mittels der Möglichkeiten der digitalen Technik die vollkommen harmonische und konfliktfreie Gesellschaft zu schaffen, was Ziel des sogenannten „Sozialkredit-Systems“ (41) der VR China ist. Das „Sozialkredit-Systems“ der VR China ist ein „vollkommen neuzeitliches und modernes“ Konzept des Regierens moderner Massengesellschaften. Das „Sozialkredit-System“ teilt den Menschen unterschiedliche Rechte und Lebenschancen zu, und es stellt den Versuch einer totalen Kontrolle der Bevölkerung dar. Diesen Versuch einer totalen Kontrolle der Bevölkerung mittels dieses „Sozialkredit-Systems“ bezeichnet der Sinologe Kai Strittmatter in seinem Buch: „Die Neuerfindung der Diktatur. Wie China den digitalen Überwachungsstaat aufbaut und uns damit herausfordert“ als „die Rückkehr das Totalitarismus in digitalem Gewand“, und er führt weiter aus: „Der neue Totalitarismus wäre ein weit perfekterer als der, den wir von Mao und Stalin kennen, mit Zugriffs- und Steuerungsmöglichkeiten ungeahnten Ausmaßes, da wir alle unsere Hirne ausgelagert haben in Smartphones, da wir unser Leben Schritt für Schritt und Gedanke für Gedanke in digitalen Netzen leben und aufzeichnen. Und das Beste: Anders als der alte Totalitarismus kann der neue darauf verzichten, den Terror zum Alltag zu machen, es genügt, wenn die Gewalt weiter unterschwellig als bedrohliche Möglichkeit präsent ist“ (42). Dies bestätigt die Juristin Yvonne Hofstetter in ihrem Buch: „Der unsichtbare Krieg. Wie die Digitalisierung Sicherheit und Stabilität in der Welt bedroht“: „Wie Kontrolle im Inland aussieht, führt uns das digitale Sozialkreditsystem Chinas vor. Daten gepaart mit den Auswertungskapazitäten künstlicher Intelligenz lassen die Kategorisierung aller Chinesen in ‚guter Bürger‘ und ‚schlechter Bürger‘ zu – und damit eine neototalitäre Herrschaft über das chinesische Volk. (…) Neototalitär ist die chinesische Herrschaft vor allem deshalb, weil die Autorität des Staatsapparats nicht mehr auf eine gewaltsame Erziehung der Bevölkerung zurückgreifen muss. Im 21. Jahrhundert lässt sich Gewalt durch ubiquitäre Überwachungstechnologie ersetzen. An die Stelle physischer Zwangsausübung tritt ein System von Belohnung und Bestrafung, von gesellschaftlichen und finanziellen Privilegien und Nachteilen, je nach Wohlverhalten oder Ungehorsam einer Person. Der digitale Fortschritt erlaubt die gewaltlose Unterdrückung von Menschen“ (43). Auf Grundlage der neuen technologischen Möglichkeiten entsteht im Rahmen der derzeit stattfindenden Digitaltechnischen Revolution ein gänzlich neuartiger, technologisch modernisierter Totalitarismus, der die Totalitarismen des extremen 20. Jahrhunderts als rückständige, technologisch unausgereifte Frühformen totalitärer Vergesellschaftung erscheinen lassen wird (44). 
 
Das chinesische Sozialkredit-System zeigt, daß nicht nur in den USA (45) der Totalitarismus im Digitaltechnischen Zeitalter neu erfunden wird, sondern auch in China, und es erscheint nur noch als eine Frage der Zeit, wann dieses Sozialkredit-System auch in Europa und weiteren Ländern als ein „vollkommen neuzeitliches und modernes“ Konzept des Regierens moderner Massengesellschaften übernommen wird. Die VR China ist eins von vielen weiteren Beispielen in der Welt, wo neuzeitliche und moderne Ideen und Konzepte aus Europa erfolgreich übernommen und umgesetzt worden sind, und nach dem Ende der „realsozialistischen“ Variante der industriellen Moderne der Sowjetunion als Systemalternative erhebt nun das chinesische Modell der industriellen Moderne der VR China den Anspruch einer Alternative zur westlichen Variante der industriellen Moderne. Möglicherweise findet in der VR China das Zeitalter der industriellen Moderne seine idealtypische Ausprägung und Vollendung, indem es sich als ein „vollkommen neuzeitliches und modernes“ globales Modell im digitaltechnischen Zeitalter weltweit durchsetzt. 
 
Dieses „chinesische Modell“ wird mit der wachsenden Macht der VR China zunehmend an weltweiter Attraktivität gewinnen, und mit der feststellbaren Zunahme globaler Krisen und Konflikte werden immer mehr Regierungen zur Kontrolle und Überwachung ihrer Bevölkerungen und zur sozialtechnischen Produktion einer harmonischen, konfliktfreien Gesellschaft das „chinesische Modell“ übernehmen wollen, sodaß es eine denkbare Möglichkeit ist, daß die VR China aus dem neuen Zeitalter der Bipolarität und Blockkonfrontation als die neue „einzige Weltmacht“ der Zukunft hervorgehen wird (46). Meines Erachtens befördert die neue Spaltung Europas mit einem neuen „Eisernen Vorhang“ entlang der Außengrenzen der EU und einem neuen Kalten Krieg den hegemonialen Aufstieg der VR China zur möglicherweise einzigen und möglicherweise letzten zukünftigen Weltmacht. 
 
Diese neue Spaltung Europas ist ein Produkt der Geopolitik der USA, und sie dient zum Schaden Europas und entgegen den Interessen Europas den geopolitischen Interessen der USA, die aus dem Zeitalter der Blockkonfrontation und der Bipolarität (47) des Staatensystems in Folge der Ereignisse 1989/90 als „einzige Weltmacht“ (Zbigniew Brzeziński) hervorgegangen sind. In seinem Buch: „Die Einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft“ (48) gewährt der Politikwissenschaftler Zbigniew Brzezińsky (1928-2017) (49) Einblick in die geopolitischen Hintergründe der us-amerikanischen Strategie der Vorherrschaft: „Inwieweit die USA ihre globale Vormachtstellung geltend machen können, hängt aber davon ab, wie ein weltweit engagiertes Amerika mit den komplexen Machtverhältnissen auf dem eurasischen Kontinent fertig wird – und ob es dort das Aufkommen einer dominierenden, gegnerischen Macht verhindern kann. (…) Eurasien ist somit das Schachbrett, auf dem sich auch in Zukunft der Kampf um die globale Vorherrschaft abspielen wird“, denn: „Dieses riesige, merkwürdig geformte eurasische Schachbrett - das sich von Lissabon bis Wladiwostok erstreckt – ist der Schauplatz des global play“. Des Weiteren stellt Brzeziński dort fest, der eurasische Kontinent sei „von amerikanischen Vasallen und tributpflichtigen Staaten übersäht, von denen einige allzu gern noch fester an Washington gebunden wären“, und: „Eurasien ist der Ort, auf dem Amerika irgendwann ein potentieller Nebenbuhler um die Weltmacht erwachsen könnte. Eine amerikanische Geostrategie, die die geopolitischen Interessen der USA in Eurasien langfristig sichern soll, wird sich damit als erstes auf die Hauptakteure konzentrieren und eine entsprechende Einschätzung des Terrains vornehmen müssen“, sowie: „Bedient man sich einer Terminologie, die an das brutale Zeitalter der alten Weltreiche gemahnt, so lauten die drei großen Imperative imperialer Geostrategie: Absprachen zwischen den Vasallen zu verhindern und ihre Abhängigkeit in Fragen der Sicherheit zu bewahren, die tributpflichtigen Staaten fügsam zu halten und zu schützen und dafür zu sorgen, daß die ‚Barbaren’völker sich nicht zusammenschließen“ (50). 
 
In seinem Buch „Wir brauchen eine neue Ostpolitik. Russland als Partner“ stellt der ehemalige Umweltminister von Brandenburg, Matthias Platzeck fest: „Die Politik in Europa und in Deutschland hat es nicht für wert erachtet, sich mit den russischen Vorschlägen, mit denen sich - wie 1990 in der Charta von Paris beschworen – eine historische Chance für den Kontinent auftat, überhaupt auseinanderzusetzen, geschweige denn darauf einzugehen. (…) In der Bilanz muß man feststellen, dass Russland nach der Unterzeichnung der Charta von Paris eigentlich nie zu einem gleichberechtigten Gesprächspartner für die westliche Welt geworden ist“ (51). Die aus geopolitischen Interessen der USA betriebene Spaltung Europas führt dazu, daß das von Europa abgewiesene Rußland sich mit China verbündet (52), womit der hegemoniale Aufstieg der VR China zur möglicherweise einzigen und möglicherweise letzten zukünftigen Weltmacht erheblich befördert wird. 
 
Während die Mauergesellschaft mit beengter und beschränkter Sicht in der ehemaligen Mauerstadt Berlin aus Anlaß von „35 Jahren Mauerfall“ aufgefordert wird: „Haltet die Freiheit hoch!“, wird hingegen mit der feststellbaren Zunahme globaler Krisen und Konflikte sowie dem Anwachsen geopolitischer Rivalitäten und Spannungen das Bestreben der Staaten zu zunehmender Überwachung, Kontrolle und sozialtechnischer Zurichtung der Bevölkerung zunehmen, sodaß bei realistischer Betrachtung der globalen Entwicklungen wir im digitaltechnischen Zeitalter unsere Freiheit einschließlich der Reisefreiheit möglicherweise vollständig, dauerhaft und unwiederbringbar verlieren werden. 
 
 

4.  Entspannungspolitik und Reisefreiheit

 
Die eingeschränkte Sicht und der begrenzte Horizont, der in der Mauerstadt Berlin im Jahr 2024 anläßlich von „35 Jahren Mauerfall“ deutlich wurde, muß eine Herausforderung sein, den beschränkten Blick einer Berliner Mauergesellschaft zu überwinden, um sich selbst ein Bild von den Verhältnissen in Europa zu machen, insbesondere von den Verhältnissen in den Frontstaaten beiderseits des neuen „Eisernen Vorhangs“, der heute erneut Europa spaltet. Eine Reise ist geeignet, sich selbst ein Bild zu machen, jenseits der Propaganda der Massenmedien. Bei Recherchen treffe ich auf die Information, daß die Regierung der Republik Belarus für den Zeitraum vom 19.07.2024 bis zum 31.12.2024 visafreies Reisen nach Belarus für die Bürger von 34 Ländern einschließlich der Bundesrepublik Deutschland ermöglicht. Explizit die Bürger der Bundesrepublik Deutschland werden zu einer Reise nach Belarus eingeladen. Zweifellos knüpft die einseitig verkündete Visafreiheit an die Intentionen des KSZE-Prozesses an, und sie ist in Zeiten zunehmender Spannungen in Europa ein Beitrag zur Entspannungspolitik. Diese einseitig verkündete Visafreiheit sollte im gesamten Europa als Aufforderung verstanden werden, den KSZE-Prozeß wiederzubeleben.
 
Der KSZE-Prozeß war der zentrale Bestandteil der Entspannungspolitik, und er hatte entscheidend dazu beigetragen, daß der Ost-West-Konflikt (53) und das Zeitalter der Bipolarität und der Blockkonfrontation ein Ende finden konnten. Getragen war die Entspannungspolitik von dem Konzept „Wandel durch Annäherung“ (54), und der gesamte KSZE-Prozeß war von diesem Konzept geprägt und durchdrungen. Wie in der Schlußakte von Helsinki der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) vom 01.08.1975 über die Grenzen des „Eisernen Vorhangs“ hinweg vereinbart wurde, war Ziel des KSZE-Prozesses u.a. „die Stärkung freundschaftlicher Beziehungen und des Vertrauens zwischen den Völkern“, was u.a. erfolgen sollte durch die „Entwicklung von Kontakten“ zwischen den Menschen, dies auch durch Förderung von „Möglichkeiten für umfassendes Reisen“, sodaß „der Tourismus zu einer vollständigen Kenntnis des Lebens, der Kultur und der Geschichte anderer Länder, zu wachsendem Verständnis zwischen den Völkern, zur Verbesserung der Kontakte (…) beiträgt“ wofür „die Entwicklung des Tourismus auf individueller und kollektiver Grundlage zu fördern“ ist. Des Weiteren war Ziel „eine Steigerung des Austausches (...) von Informationen“, und eine „wirksame Ausübung“ von „Menschenrechten und Grundfreiheiten“ zu „fördern und ermutigen“. Mit der Charta von Paris (55) vom 21.11.1990 erklärte die KSZE den Ost-West-Konflikt für beendet, und es bestand die Hoffnung auf ein neues Zeitalter des Friedens und der Kooperation.

 
Zwar hatte die KSZE in ihrer Charta von Paris im November 1990 den Ost-West-Konflikt für beendet erklärt, am 1. Juli 1991 wurde der Warschauer Pakt aufgelöst (56) und das sowjetische Militär wurde aus der östlichen Hälfte Europas abgezogen. Auch aus Deutschland wurde das sowjetische Militär im Jahre 1994 vollständig abgezogen. Dieser Abzug des sowjetischen Militärs war im Rahmen des Zwei-plus-Vier-Vertrages (57) bis zum 31. Dezember 1994 vereinbart worden. Jedoch wurde die Zusage, die Nato nicht nach Osten auszuweiten, nicht eingehalten (58). Im Zuge der seit 1989/90 erfolgenden geopolitischen Neuaufteilung globaler Interessen- und Einflußzonen erweitert sich parallel und nahezu zeitgleich mit der NATO (59) die Europäische Union (60) als imperialer Akteur immer weiter, und ein Beitritt zur NATO ist faktisch die Voraussetzung für eine Aufnahme in die EU. In ihrem Buch: Das Ende des Imperiums. Was aus den Staaten der Sowjetunion wurde“ stellen die Autoren Thomas Kunze und Thomas Vogel fest: „Das Denken in Blöcken ist noch nicht überwunden“ (61).
 
Der ehemalige Umweltminister von Brandenburg, Matthias Platzeck stellt in seinem Buch „Wir brauchen eine neue Ostpolitik. Russland als Partner“ rückblickend fest: „Die Euphorie war groß. Der Geist der Zeit spiegelte sich in der Charta von Paris für ein neues Europa wider, die im November 1990 von den USA, der UDSSR und mehr als dreißig europäischen Staaten unterzeichnet wurde. In der Präambel wurde festgehalten: ‚Das Zeitalter der Konfrontation und der Teilung Europas ist zu Ende gegangen. … Europa befreit sich vom Erbe der Vergangenheit. Durch den Mut von Männern und Frauen … bricht in Europa ein neues Zeitalter der Demokratie, des Friedens und der Einheit an.‘ Der Kampf der Ideologien schien ein für alle Mal beendet, die Frage von Krieg und Frieden in Europa endgültig entschieden. Heute müssen wir feststellen, dass sich die an das Ende des Kalten Krieges geknüpften Hoffnungen nicht erfüllt haben, dass vielmehr die Gräben zwischen Ost und West neu aufgeworfen sind und wir uns wieder als Gegner betrachten. Im Rückblick mutet die Verheißung von damals geradezu blauäugig und naiv an“ (62).
 
In Europa ist man seit dem KSZE-Prozeß bemüht, die Reisefreiheit im gesamten Europa zu fördern, doch dies wurde nie vollständig erreicht, und heute gibt es wieder zunehmende Rückschritte, denn Europa hat sich mittlerweile vom Sicherheitsverständnis des KSZE-Prozesses verabschiedet. In Europa wird seither „Sicherheit“ nicht mehr verstanden als Ergebnis von Völkerverständigung und wechselseitigem Kennenlernen der Menschen und kulturellem Austausch, sondern nunmehr sicherheitstechnisch durch Aufrüstungen von Grenzregimen und flächendeckender Überwachung und Kontrolle der Menschen, was sich heute im gesamten Europa feststellen läßt. Mittlerweile begrenzt ein neuer „Eiserner Vorhang“ die Reisefreiheit in Europa. Dieser neue „Eiserne Vorhang“ verläuft entlang der Außengrenze der EU, und er prägt den Begriff der „Festung Europa“, denn seit 1989/90 wird die in der östlichen Hälfte Europas erlangte Reisefreiheit von der EU als Bedrohung aufgefaßt, und durch Aufrüstung des Grenzregimes wird versucht, diese neue gewonnene Reisefreiheit in der östlichen Hälfte Europas zu kontrollieren und zu unterbinden. 
 
Daß bis heute nicht eine Reisefreiheit im gesamten Europa erreicht werden konnte, ist hauptsächlich im Prinzip der Gegenseitigkeit begründet, das bei Einreise- und Visa-Bestimmungen allgemein zur Anwendung kommt. Das Prinzip der Gegenseitigkeit bedeutet, daß Staaten wechselseitig ihren Bürgern visafreies Reisen gewähren. Wie ich feststellen konnte, ist es tatsächlich im östlichen Europa die EU, die schon seit Längerem ein visafreies Reisen in der gesamten östlichen Hälfte Europas verhindert: Vorschläge der Regierung Rußlands zur beiderseitigen Visafreiheit wurden bislang von der EU abgelehnt. Die Intentionen das KSZE-Prozesses werden damit konterkariert. Die Autoren Thomas Kunze und Thomas Vogel stellen in ihrem Buch: „Das Ende des Imperiums. Was aus den Staaten der Sowjetunion wurde“ fest: „Trotz jahrelanger Diskussion ist es bis heute nicht gelungen, die Visaschranken zwischen der EU und der Russischen Föderation zu beseitigen“ (63). 
 
Es zeigt sich auch hier, daß sich die westliche Hälfte Europas bequem in ihrer Konsumkultur (64) in der westlichen Hälfte Europas westlich des „Eisernen Vorhangs“ eingerichtet hatte, sie wurde von den Ereignissen der Jahre 1989/90 überrascht, und bis heute zeigt die westliche Hälfte Europas wenig Bereitschaft, die spezifischen Besonderheiten in der östlichen Hälfte Europas verstehen und angemessen berücksichtigen zu wollen. Gleichberechtigte Partnerschaft wird nicht angestrebt, vielmehr erklärte der Westen seinen „Sieg im Kalten Krieg“, und seither soll sich der Osten dem Westen und dessen westlicher Variante der industriellen Moderne anpassen, obwohl die globalen ökologischen Krisen aufzeigen, daß Alternativen jenseits der industriellen Moderne benötigt werden und entwickelt werden müssen. Ergebnis dieser Ignoranz und Arroganz des Westens ist ein neuer „Eiserner Vorhang“, wie wir heute feststellen müssen, und die vom KSZE-Prozeß intendierte Reisefreiheit im gesamten Europa existiert bis heute nicht.
 
Den gewährten Zeitraum vom 19.07.2024 bis zum 31.12.2024 für visafreies Reisen nach Belarus möchte ich nun für eine Reise nach Belarus nutzen, um dieses in der westlichen Hälfte Europas weitgehend unbekannte Land erstmals kennenzulernen. Diese Reise führte ich mit Uli durch. Uli und ich kennen uns seit Beginn unseres Studiums an der Freien Universität Berlin. An der Freien Universität Berlin hatte ich Geografie mit den Nebenfächern Biologie und Geologie studiert. Während unseres Studiums an der Freien Universität hatten Uli und ich im Studentendorf Schlachtensee (65) gewohnt und uns dort kennengelernt. Schon in der 2. Hälfte der 80er Jahre hatten Uli und ich auf gemeinsamen Reisen in der östlichen Hälfte Europas, konkret: der Volksrepublik Polen (66), feststellen können, daß das von der westlichen Propaganda vermittelte Bild über die dortigen gesellschaftlichen Verhältnisse zu großen Teilen nicht stimmt. Jetzt wollten Uli und ich die Möglichkeit des visafreien Reisens nutzen, um uns selbst ein Bild von Belarus zu machen. Erst wenige Wochen zuvor hatten wir Anfang Oktober 2024 eine gemeinsame Reise nach Estland (67) unternommen, bei der wir die Freie Stadt (68) und Hansestadt (69) Riga (70) besuchten, sowie die alte Universitätsstadt Tartu/Dorpat (71), die im Jahr 2024 Kulturhauptstadt Europas (72) war, des Weiteren die Grenzstadt Narva (73) und die Freie Stadt und Hansestadt Tallinn/Reval (74). 
 
Unsere Reise nach Belarus hatte ich zuerst für einen Umfang von drei Wochen konzipiert, der Reiseplan wurde dann jedoch aus Termingründen auf einen Umfang von zwei Wochen reduziert. Der endgültige Reiseplan sah nun den Besuch von vier Städten vor, die wir in Form einer Rundreise per Bus von Berlin aus besuchten: Vilnius, Minsk, Hrodna/Grodno, Bialystok. Die Bustickets für die Hin- und Rückfahrt buchte ich mehrere Tage vor der Reise, ebenso unsere Unterkünfte in den vier von uns zu besuchenden Städten. Dabei stellte sich heraus, daß die in Belarus durchaus zahlreich vorhandene Hostels und kostengünstigen Unterkünfte über Wochen hinaus ausgebucht sind, und zwar auf allen üblichen Buchungsportalen im Internet einschließlich der belarussischen Buchungsportale (75). Der Grund kann kaum darin liegen, daß etwa die zweite Hälfte des Novembers eine außergewöhnlich attraktive Reisezeit ist. Vielmehr ging ich davon aus, daß derzeit zahlreiche Touristen die gewährte Möglichkeit des visafreien Reisens nach Belarus nutzen, was sich jedoch später vor Ort als unzutreffend herausstellte. Letztlich gelang es mir nach zeitaufwändiger Recherche Unterkünfte in Belarus über das Buchungsportal „ZenHotels.com“ erfolgreich zu buchen. Bei unserer Reise nutzten wir den Reiseführer „Weissrussland“ der Autoren André Böhm und Maryna Rakhlei (2. Auflage 2019, Teschner Verlag), der sich als informativ und nützlich erwies (76). 
 
 

5.  Auf der „Autobahn der Freiheit“ in die östliche Ostseeregion

 
Unsere zweiwöchige Reise starteten wir am 10.11.2024, einen Tag nach dem 09.11.2024, dem 35. Jahrestag des „Mauerfalls“. Die Busfahrt zu unserem ersten Reiseziel, der Stadt Vilnius in Litauen, erfolgt vom Zentralen Busbahnhof (ZOB) in Berlin mit Zwischenstops in den Städten Swiebodzin/Schwiebus, Poznan/Posen, Warschau, Białystok, Augustow, Suwałki, Mariampole und Kaunas. Von Berlin bis Posen verläuft die Busfahrt durch eine nahezu geschlossene Kiefernmonokultur der industriellen Forstwirtschaft. Erst ab Posen ist die durchfahrene Landschaft zu größeren Teilen durch Landwirtschaft geprägt. Dies verweist u.a. darauf, daß die Bevölkerungsdichte in den sogenannten „Wiedergewonnenen Gebieten“ (77) nach den dort erfolgten Ethnischen Säuberungen (78) bis heute noch nicht wieder den Stand vor dem extremen 20. Jahrhundert erreicht hat. Diese Kiefernmonokulturen gleichen den ausgedehnten Kiefernwäldern, die heute nahezu das gesamte West-Karelien bedecken, nachdem die ca. 450.000 dort lebenden Finnen nach dem Frieden von Moskau vom 03.04.1940 (79) West-Karelien verlassen mußten (80). Heute ist West-Karelien weitgehend menschenleer und wird von ausgedehnten Kiefernwäldern bedeckt, wie ich bei meiner Fahrradreise durch das nördliche Europa im Jahre 2017 feststellen konnte.
 
Ein Schild benennt die Autobahn A 10 östlich von Berlin, die das mittlere Europa mit der östlichen Ostseeregion (81) verbindet, „Autobahn der Freiheit“ (82). Offensichtlich ist dies eine Fortsetzung des „Voie de la Liberté“ (83), dessen Meilensteine im gesamten nordwestlichen Europa anzutreffen sind, und dessen Hauptroute von den Landungsstränden (84) der Alliierten (85) in der Normandie (86) des Jahres 1944 durch das nördliche Frankreich, Belgien, Luxemburg und das nördliche Deutschland nach Berlin verläuft.
 
Während meiner Fahrradreise durch die südliche Nordseeregion im Sommer 2022 habe ich mich in der Normandie an diesen Landungsstränden der Alliierten gründlich umgesehen. In der Normandie ist ein kleiner Ausschnitt des Zweiten Weltkrieges präsent, dem sich dort eine Vielzahl von Gedenkstätten und Museen widmet: Es ist die Landung der Alliierten in der Normandie ab dem 06.06.1944 (Operation Neptune). Des Weiteren habe ich in Flandern (87), an der Somme (88) und bei Verdun (89) verschiedene Museen und Gedenkstätten zum Thema Erster Weltkrieg besucht. Im Vergleich werden erhebliche Unterschiede der Gedenk- und Erinnerungskultur (90) und der Geschichtskultur (91) zum Ersten Weltkrieg und zum Zweiten Weltkrieg deutlich, was noch näher dargestellt wird.
 
Während meiner Fahrradreisen suche ich geografische Originalschauplätze historischer Ereignisse auf und besuche dort Museen und Gedenkstätten, um dort historische Forschung an geografischen Originalschauplätzen historischer Ereignisse betreiben zu können. Diese Methode geht auf Herodot von Halikarnassos (ca. 490–425 v. Chr.) (92) zurück, der sie zur Erforschung der Persischen Kriege (93) angewandt hatte. Beim Historiker und Geografen Herodot von Halikarnassos fasziniert mich, daß er seine historischen Forschungen, wie z.B. zu den Persischen Kriegen, auf ein selbst erarbeitetes breites Wissensfundament stellt, das nahezu das gesamte Wissen seines Zeitalters in den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen, wie z.B. Geografie, Völkerkunde, Gesellschaftswissenschaften, Politikwissenschaften, Philosophie u.a.m. umfaßt, sodaß er Geschichtswissenschaft in Form einer Integrationswissenschaft betreibt. Zudem ist er an den Originalschauplätzen historischer Ereignisse herumgereist, hat Zeitzeugen befragt und schriftliche Quellen ausgewertet. Auch der Historiker Thukydides (ca. 460–400 v. Chr.) (94) hat eine solche Methodik bei seinen historischen Forschungen zum Peleponnesischen Krieg (95) angewandt, und nach seiner Auffassung macht Geschichte „klug für immer“, denn sie lehrt am Beispiel der Vergangenheit politische Klugheitsregeln für Gegenwart und Zukunft.
 
In dieser Form gewinnt das Geschichtsbewußtsein (96) einen großen Erfahrungsraum von historischer Tiefe und geografischer Breite, und es überschreitet die engen Grenzen, in denen Geschichte als Tradition (97) lebendig ist. Historisches Denken (98) ist eine eigene Form oder Einstellung des Bewusstseins gegenüber der Welt als Geschichtsbewusstsein. Dem historischen Denken gelten alle gesellschaftlichen Zustände als zufällig-kontingent (99) und veränderbar. Sie haben sich unter mehreren denkbaren Möglichkeiten (100) in der Wirklichkeit (101) so entwickelt (Historizität) (102); die Gründe (Kausalität) (103) dafür zu bestimmen, ist Aufgabe der Geschichtsforschung (104). Aufgrund der verschiedenen denkbaren Möglichkeiten der historischen Entwicklung sind die historischen Entwicklungen und die gegenwärtigen gesellschaftlichen Zustände auch anders vorstellbar. Vermögen (105) ist ein zentraler Begriff der Philosophie der Antike (106), insbesondere der aristotelischen Philosophie (107). Als Vermögen bezeichnet Aristoteles (384-322 v. Chr.) (108) die Eigenschaft einer Substanz (109), in sich selbst oder in etwas anderem eine bestimmte Art von Veränderung herbeiführen zu können oder zu ermöglichen. Dabei geht es darum, daß durch die Veränderung, falls sie eintritt, etwas Neues erzeugt wird und damit in die Existenz zu treten „vermag“ (daher „Vermögen“). Damit wird etwas zur Wirklichkeit, was zuvor nur potenziell – als bloße Möglichkeit – existiert hat.

Die Frage nach in der Geschichte angelegten möglichen alternativen Entwicklungspfaden und deren Herauspräparation, sowie eine Analyse, aus welchen Umständen und Gründen mögliche, im historischen Prozeß angelegte historische Entwicklungspfade zum Zuge gelangten und andere nicht, ist Aufgabe der sogenannten „Kontrafaktischen Geschichte“ (110). „Kontrafaktische Geschichte“ wird vom geschichtswissenschaftlichen Mainstream als angeblich „unwissenschaftlich“ abgelehnt, da es nicht dem herrschenden geschichtsdeterministischen (111) Dogma entspricht, das den gegenwärtigen Zustand als das quasi alternativlose naturgesetzliche Ergebnis geschichtlicher Entwicklung auffaßt, so, wie bei Isaak Newton (1642-1727) (112) der Apfel immer nur nach unten vom Baum fällt. Andere Möglichkeiten sind ausgeschlossen und undenkbar. Geschichte dient dem Zweck der alternativlosen Affirmation des jeweiligen, letztlich beliebigen Bestehenden. Die Gegenwart (113) wird als alternativloses, determiniertes Ergebnis des historischen Prozesses dargestellt und vermittelt, dessen zwangsläufiges, unausweichbares und alternativloses Ergebnis der jeweilige gegenwärtige Zustand ist. Geschichtsschreibung (114) betrachtet Geschichte immer von ihrem Endpunkt her (115). Daher muss Geschichte von jedem neuen Endpunkt her neu geschrieben werden, weil sie für jede neue Epoche einen anderen Sinn bekommt. Der Versuch des Historismus (116), Geschichte ganz aus ihrer Zeit zu verstehen, muß immer unvollkommen bleiben, weil wir das Wissen um den Fortgang der Geschichte nicht ausblenden können.

Das Geschichtsbewußtsein ordnet denkend die äußere Welt mithilfe von historischen Kategorien (117). Kategorien sind offene Begriffssysteme zur Strukturierung der erfahrbaren (118) Welt (119). Eine jede Kategorienbildung ist eine notwendige Reduktion (120) der in ihrer unendlichen Komplexität und Interdependenz für die Wahrnehmung (121) über die menschlichen Sinne und den menschlichen Verstand (122) nicht in Gänze erfaßbaren, letztlich unendlichen Wirklichkeit (123) der Welt, um diese begreifen (124) zu können. Begriffsbildung (125) ist eine Form der Kategorienbildung. Die Wörter einer Sprache (126) sind Begriffsbildungen, sodaß jede Sprache den Charakter eines Kategoriensystems zum Zweck der Strukturierung der jeweiligen erfahrbaren Lebenswelt (127) und der Interaktion mit dieser hat (Biokulturelle Diversität) (128). Kategorienbildung ist sowohl Bestandteil als auch Voraussetzung für Erkenntnis (129) durch die menschliche Vernunft (130). Kategorienbildung ist eine Grundlage einer jeden wissenschaftlichen Disziplin. Eine jede wissenschaftlichen Kategorienbildung muß nach signifikanten (131), nachvollziehbaren und überzeugend begründeten Kriterien erfolgen. In der Geschichtswissenschaft erfolgt eine Kategorienbildung insbesondere in Form der Bestimmung und Abgrenzung von historischen Zeitaltern (132), Epochen und Ären (133), und deren Gliederung im Rahmen einer Periodisierung (134), und das muß nach signifikanten, nachvollziehbaren und überzeugend begründeten Kriterien erfolgen, wenn die Geschichtswissenschaft die Legitimität und Geltung als einer Wissenschaft haben will.
 
Für das Geschichtsbewußtsein wichtige historischen Kategorien und grundlegende Begriffe sind Entwicklung (135), Fortschritt (136) und Prozeß (137). So werden menschliche Zeiterfahrungen (138) zu Geschichte. Geschichte (139) bezeichnet im weiten Sinne Ablauf und Zusammenhang alles an Zeit und Raum (140) gebundene Geschehen: Erdgeschichte (141), Naturgeschichte (142), Menschheitsgeschichte (143), im engeren Sinne das politisch-soziale Beziehungsgeflecht zwischen den Menschen in allen seinen zeitlichen Bezügen, d.h. in Vergangenheit (144), Gegenwart und Zukunft (145). Damit unterscheidet sich Geschichte von Vergangenheit. Gegenwart ist der Raum, in dem alle Prozesse ablaufen. Nur durch Aufzeichnung (146) der ablaufenden Prozesse in der Gegenwart entsteht eine fiktive (147) Vergangenheit. Die aufgezeichnete Vergangenheit ist eine Reduktion der in ihrer Komplexität und Interdependenz für den menschlichen Verstand (148) nicht in Gänze erfaßbaren Wirklichkeit, und sie gibt nur ungefähr den kausalen Verlauf der Prozesse wieder. Als das einzige real Existente wird nach Platon (ca. 428-347 v. Chr.) (149) lediglich die Gegenwart angesehen. Die Vergangenheit ist demnach ein nicht existentes theoretisches Gebilde, da für ihre Existenz weder Raum noch Materie (150) zur Verfügung steht. Dieselbe Materie, die Bestandteil vergangener Ereignisse (151) war, ist in der Gegenwart bereits Bestandteil neuer Ereignisse und kann deshalb der Vergangenheit keine Existenz mehr bieten. Genau genommen bezeichnet das Wort „Gegenwart“ auch nicht den Ablauf von Ereignissen, sondern es bezeichnet Raum bzw. Entität (152). Der reflektierende Verstand lebt nach Meinung vieler Philosophen nur in der Vergangenheit. Um einen Gedanken hervorzubringen, bedürfe es ebenso einer gewissen Zeit und möge diese auch nur allzu kurz sein. Weiterhin müsse diese Idee zum Ausdruck gebracht werden, was wiederum eine gewisse Zeit dauert. Sobald ein Geschehen reflektiert wird, wäre es somit schon Vergangenheit. Damit lässt sich sagen, dass der denkende Geist nur in der Vergangenheit, in der Erinnerung lebt. Gegenwart kann man somit nur unmittelbar, also ohne die Abstraktion des Verstandes erfahren. 
 
Geschichte ist ihrem Wesen nach zugleich der Prozeß ihrer bewußten Aneignung durch den Menschen, durch den Geschichtsbewußtsein entsteht. Geschichtsbewußtsein bildet sich insbesondere, wenn herausfordernde Zeiterfahrungen, wie z.B. Krisen, im Medium der Erinnerung an die Vergangenheit gedeutet werden. Die Brockhaus Enzyklopädie erklärt: „Das Geschichtsbewußtsein bindet die Erfahrung der Gegenwart zurück an die Erfahrung der Vergangenheit und verschmilzt beide in der Vorstellung eines sinnvollen Zeitverlaufs, der sich in die Zukunft erstreckt. Mit der Deutung der Gegenwart über die Erfahrung der Vergangenheit wird somit zugleich eine handlungsleitende Zukunftsperspektive entworfen. Bewußtsein von Geschichte ist also mehr und anders als Bewußtsein von der Vergangenheit; es ist Bewußtsein eines durch produktive Deutung von Zeiterfahrungen erbrachten Zusammenhangs von Erinnerung an die Vergangenheit, Verstehen der Gegenwart und Erwartung der Zukunft. Es wird geprägt durch Zeitverlaufsvorstellungen, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft übergreifen. Geschichtsbewußtsein äußert sich in Geschichten. Durch Geschichten verständigen sich Menschen darüber, wer sie sind. Sie ordnen sich durch Geschichten in den zeitlichen Verlauf der Welt ein (…). Menschen können nur handeln, wenn sie eine tragfähige, d.h. praktisch lebbare Vorstellung von sich selber in zeitlicher Perspektive haben“ (153). Geschichtsperspektive (154) ist die individuelle und kollektive Sicht, aus der Geschichte wahrgenommen wird. Dem liegt die Erkenntnis der Tatsache zugrunde, daß eine beobachterunabhängige Erkenntnis der vergangenen historischen Wirklichkeit („der Vergangenheit“) nicht möglich ist, weil jede Aussage über ein Ereignis, ein Datum oder einen Zusammenhang nur von einer bestimmten sozialen, kulturellen oder anderweitig bestimmten Geschichtsperspektive des Betrachters bzw. des Zeitzeugen aus gemacht wird. Deshalb ist Multiperspektivität (155) ist ein grundlegendes Prinzip von Geschichtsdidaktik (156). Ziel ist Erwerb der Kompetenz zu eigenständigem historischem Denken.
 
Viele Historiker stellen einen Mangel an Geschichtsbewußtsein und historischem Denken fest, so auch der Historiker Eric Hobsbawm in seinem Buch: „Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts“: „Die Zerstörung der Vergangenheit, oder vielmehr die jenes sozialen Mechanismus, der die Gegenwartserfahrung mit denjenigen früherer Generationen verknüpft, ist eines der charakteristischen und unheimlichsten Phänomene des späten 20. Jahrhunderts. Die meisten jungen Menschen am Ende dieses Jahrhunderts wachsen in einer Art permanenter Gegenwart auf, der jegliche organische Verbindung zur Vergangenheit ihrer eigenen Lebenszeit fehlt. Das läßt Historiker – deren Aufgabe es ist, in Erinnerung zu rufen, was andere vergessen haben – am Ende des zweiten Jahrtausends noch wichtiger werden als je zuvor“ (157). Hobsbawm hebt hervor, daß die Aufgabe des Historikers „nicht die Beurteilung ist, sondern vielmehr das Verstehen – sogar das Verstehen all dessen, was völlig unverständlich erscheint. (…) Es ist das Verstehen, das uns allen schwerfällt“ (158). 
 
Nach Auffassung des Historikers Theodor Schieder in seinem Text: „Geschichtsinteresse und Geschichtsbewußtsein heute“ meint Geschichtsbewußtsein „die ständige Gegenwärtigkeit des Wissens, daß der Mensch und alle von ihm geschaffenen Einrichtungen und Formen seines Zusammenlebens in der Zeit exisitieren, also eine Herkunft und Zukunft haben, daß sie nichts darstellen, was stabil, unveränderlich und ohne Voraussetzungen ist, mag die Gegenwart durch ihren massiven Anspruch auf Totalität, auf die Voraussetzungslosigkeit ihrer Wert- und Zielvorstellungen für den in ihr lebenden Zeitgenossen oft dieses Bewußtsein verdrängen. Geschichtsbewußtsein beruht auf der einen Seite auf dem Bewußtsein der Endlichkeit des jeweils Gegenwärtigen und auf der anderen Seite auf dem Bewußtsein einer über die Gegenwart hinausreichenden Unendlichkeit. (…) Der Mensch wird primär zum Nachdenken über Geschichte angeregt oder in seinem Geschichtsbewußtsein bestimmt durch die Erfahrung, daß alles Geschehen dem Wandel in der Zeit unterworfen ist“, und Schieder verweist darauf, daß sich unser Geschichtsbewußtsein an unserem besonderen Lebenskreis orientiert und wir ihm einen bestimmten Träger zuordnen: „Allerdings: Träger kann auch die Menschheit werden, wenn sie auch für viele heute noch eine abstrakte Allgemeinheit darstellt. Aber je deutlicher es zum Bewußtsein kommen wird, daß die Weltgeschichte der Menschheit für uns nicht ein spekulatives Ziel darstellt, auf das die geschehene Geschichte ausgerichtet wird, sondern daß sie eine gegenwärtige Erfahrung ist, die nach Bestätigung durch Geschichte ruft, wird die Menschheit zum Träger eines menschheitlichen Geschichtsbewußtseins werden können“ (159). 
 
Das individuelle Geschichtsbewußtsein findet somit in der kollektiven Geschichtskultur als Bestandteil eines kollektiven Gedächtnisses (160) seine Entsprechung. Das Ergebnis von Geschichtsbewußtsein ist ein Geschichtsbild (161). Das Geschichtsbild umfaßt, wie die Brockhaus Enzyklopädie erklärt, „die Gesamtheit vorwissenschaftlich oder wissenschaftlich begründeter Vorstellungen, die das Geschichtsbewußtsein eines Menschen, einer Gruppe, eines Volkes oder einer Nation bestimmen; im Wechselspiel mit dem Gegenwartsbewußtsein entstanden, ist es selbst Ergebnis eines geschichtlichen Prozesses. Das Geschichtsbild des Einzelnen erweist den historischen Standort seines Urteilens und Handelns, das Geschichtsbild von Gruppen, Völkern oder Nationen die Motivation ihrer Zielsetzungen“ (162). Das Geschichtsbild ist Bestandteil des Weltbildes eines Menschen. Weltbilder bieten ein Erklärungsmodell, wie die Welt als Ganzes aufgebaut ist. Weltbilder bilden in Verbindung mit Menschenbildern (163) sowie mit Wert-, Lebens- und Moralauffassungen eine Weltanschauung (164). Die Biologin Lynn Margulis weist in ihrem Buch: „Der symbiotische Planet oder wie die Evolution wirklich verlief“ auf die Bedeutung unseres Weltbildes hin: „Unser Weltbild prägt das, was wir sehen, und die Art und Weise, wie wir etwas lernen. Jede Idee, die wir als Tatsache oder Wahrheit akzeptieren, ist in ein umfassendes Denkgebäude eingebettet, dessen wir uns in der Regel nicht bewusst sind“ (165). Aufklärung hat ihr Ziel erreicht, wenn eine jede Person nichts glaubt, selbst denkt, alles in Frage stellt und überprüft und auf Grundlage eigener Anschauung der Welt und eigener Welterfahrung eine reflektierte Kontrolle über ihre Weltanschauung und deren Zusammensetzung erlangt hat und diese selbst gestaltet. 
 
Verglichen mit der Forschungsmethodik von Herodot und Thukydides ist die Arbeitsweise heutiger Historiker beschränkter und weniger geeignet, bei den behandelten Themen einen Überblick und Durchblick zu erlangen und die historischen Realitäten in ihrer gesamten Komplexität und Interdependenz zu erfassen. Zudem sollte historische Forschung mehr als Feldforschung an den Originalschauplätzen historischer Ereignisse betrieben werden, wie es schon Herodot als Methode historischer Forschung eingeführt hatte, und wie es bei Ethnologen und Archäologen sowie Bio- und Geowissenschaftlern üblich ist. Tatsächlich verbringen Historiker heute sie meiste Zeit in Archiven und Bibliotheken, und sie verlassen nur selten die bequemen Komfortzonen des sprichwörtlichen „Elfenbeinturms“.
 
Doch aus diesen Komfortzonen müssen Historiker hinaus, wenn sie einen größeren und bedeutenderen Beitrag zu gesellschaftlicher Aufklärung leisten wollen. Dieser Beitrag zu gesellschaftlicher Aufklärung ist erforderlich, wenn man den allgemeinen Zustand der real-existierenden Gedenk- und Erinnerungskultur im gesamten Europa betrachtet. Der allgemeine Zustand der real-existierenden Gedenk- und Erinnerungskultur wird deutlich, wenn man im gesamten Europa systematisch Denkmäler, Gedenkstätten und Museen besucht. Der Befund der im gesamten Europa angetroffenen real-existierenden Gedenk- und Erinnerungskultur zeigt einen erheblichen Mangel an Reflektion, an Begreifen und Verstehen auf, und er ist ein Feld der Manipulation, Instrumentalisierung und Propaganda (166) der unterschiedlichsten Akteure. Dieser Bereich der Gedenk- und Erinnerungskultur wird gänzlich von Geschichtspolitik (167), Interessenpolitik und Identitätspolitik (168) insbesondere von Nationalisten und Nationalstaaten beherrscht. Nahezu überall werden vorgefertigte Geschichtsbilder präsentiert und propagiert, und es fehlt weitgehend der Anspruch einer Aufklärung, das Publikum darin zu unterstützen, sich auch zu historischen Themen und Fragen eine eigenständige und unabhängige Meinung zu bilden. Noch ist Gedenk- und Erinnerungskultur kein Projekt der Aufklärung, und sie dient vielmehr der alternativlosen Affirmation des letztlich beliebigen Bestehenden. Die Gegenwart wird folglich als alternativloses, determiniertes Ergebnis des historischen Prozesses dargestellt und vermittelt, dessen zwangsläufiges, unausweichbares und alternativloses Ergebnis der jeweilige gegenwärtige Zustand ist, und dies ist im Zeitalter des modernen Nationalismus insbesondere die Nation und der Nationalstaat. 
 
Während meiner Fahrradreise durch die südliche Nordseeregion im Sommer 2022 habe ich mich an geografischen Originalschauplätzen historischer Ereignisse des Ersten Weltkrieges und des Zweiten Weltkrieges gründlich umgesehen, um historische Forschung an geografischen Originalschauplätzen historischer Ereignisse betreiben zu können. Zum Thema Erster Weltkrieg habe ich in Flandern, an der Somme und bei Verdun verschiedene Museen und Gedenkstätten besucht. In der Normandie ist ein kleiner Ausschnitt des Zweiten Weltkrieges präsent, dem sich dort eine Vielzahl von Gedenkstätten und Museen widmet: Es ist die Landung der Alliierten in der Normandie ab dem 06.06.1944 (Operation Neptune). In der Normandie habe ich mich an diesen Landungsstränden der Alliierten umgesehen und verschiedene Museen und Gedenkstätten besucht. Im Vergleich werden erhebliche Unterschiede der Gedenk- und Erinnerungskultur und der Geschichtskultur zum (a) Ersten Weltkrieg und zum (b) Zweiten Weltkrieg deutlich, was im Folgenden näher dargestellt wird: 
 
a) Der Erste Weltkrieg als der erste totale industrielle Krieg und als die „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts: 
 
Insbesondere in Flandern, an der Somme und bei Verdun habe ich verschiedene Museen und Gedenkstätten zum Thema Erster Weltkrieg besucht. Der Erste Weltkrieg ist der erste totale industrielle Krieg, und er gilt als die „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts, was sich dort vor Ort an den Originalschauplätzen der Kriegsereignisse bestätigt. Insbesondere Verdun ist für das massenmordende Abschlachten im Ersten Weltkrieg zum Symbol geworden. So besuchte ich vom 06. bis zum 08.08.2022 Museen und Gedenkstätten zum Thema Erster Weltkrieg bei Verdun. Von vergleichbaren Fortifikationen umgeben wie Verdun ist die Stadt Premissel/Przemyśl in Galizien, die ich vom 22. bis zum 24.09.2021 besucht hatte, und aufgrund der vielen Kriegstoten wurde sie das „Verdun der Ostfront“ genannt (169). Die bedeutendsten Massenvernichtungswaffen dieses totalen industriellen Krieges waren Artilleriegranaten, die ca. 70 % der Kriegstoten verursachten, ca. 22 % wurden durch Maschinengewehre verursacht, und sämtliche andere Todesursachen hatten eine vergleichsweise geringe Bedeutung.
 
Bei den von mir besuchten Ausstellungen der Museen und der Gedenkstätten zum Thema Erster Weltkrieg zeigt sich jedoch, daß der Horror und das Grauen des Ersten Weltkriegs nicht darstellbar und nicht vermittelbar ist. Allenfalls die extrem hohen Zahlen der nicht identifizierbaren Kriegstoten und der Vermissten verweisen auf diesen Horror: Gemeinsam mit der umgebenden Landschaft, dem Boden und der Vegetation wurden die an die Front geschickten Soldaten insbesondere durch die Wirkung von Artilleriegranaten zu Partikeln, einem Brei, einem Amalgam, einer Matrix zerfetzt und vermischt, und dieses durch die Wucht der Explosionen in die Luft geschleuderte Gemisch regnete zurück auf den Boden, um dort zu sedimentieren. Auf den zahlreichen, in diesen Museen ausgestellten Fotografien zum Ersten Weltkrieg, und auch in präsentierten Filmdokumenten aus diesem Zeitraum ist dieser den Ersten Weltkrieg prägende Horror und das Grauen nahezu nirgends abgebildet, obwohl dieser Horror und das Grauen der zentrale und wesentliche Aspekt des Ersten Weltkriegs als einem totalen industriellen Krieg ist. Möglicherweise läßt sich dieser Horror und das Grauen auch nicht mit den Medien der Fotografie und des Films darstellen und vermitteln, sodaß andere Darstellungsformen erforderlich sind. Die ausgestellten Fotos zum Thema Erster Weltkrieg vermitteln vielmehr eine Atmosphäre im Stile von „Abenteuern eines braven Soldaten Schwejk“ (170). Es stellt sich die Frage, wie Museumsausstellungen und deren museumspädagogische Konzepte gestaltet werden können, sodaß dieser den Ersten Weltkrieg prägende Horror und das Grauen, das der zentrale und wesentliche Aspekt des Ersten Weltkrieges als einem totalen industriellen Krieg ist, in geeigneter Weise dargestellt und vermittelt wird. Sicherlich gelingt dies nicht, wenn sich Museumsausstellungen zum Thema Erster Weltkrieg auf eine Zurschaustellung von altem Kriegsgerät, Uniformen, Orden sowie Darstellungen von Frontverläufen beschränken, wie es leider in den meisten Museen zum Thema Erster Weltkrieg der Fall ist. Insgesamt sind die Museumsausstellungen und deren museumspädagogische Konzepte dokumentarisch angelegt, doch hingegen kaum analytisch und erklärend. So bleiben die Fragen nach den komplexen Ursachen, warum dieser Krieg entstehen konnte, warum er nicht frühzeitig beendet, sondern von allen Kontrahenten immer weiter geführt wurde und warum anschließend kein dauerhafter Friedenszustand geschaffen wurde, weitgehend unbeantwortet.
 
b) Die Landung der Alliierten in der Normandie ab dem 06.06.1944 als ein kleiner Ausschnitt des Zweiten Weltkrieges:
 
In der Normandie ist ein kleiner Ausschnitt des Zweiten Weltkrieges präsent, dem sich dort eine Vielzahl von Gedenkstätten und Museen widmet: Es ist die Landung der Alliierten in der Normandie ab dem 06.06.1944. Dieses historische Ereignis wird in den zahlreichen Museen jedoch isoliert betrachtet und dargestellt, und zudem wird das Thema ausschließlich aus einer Perspektive der Alliierten präsentiert. Es stellt sich die Frage der Einbettung dieses historischen Ereignisses in einen historisch-geografischen Gesamtzusammenhang, was hier von den meisten Museen zu diesem Thema jedoch nicht versucht wird.
 
Noch mehr als bei den Museen zum Thema Erster Weltkrieg sind hier die Museumsausstellungen und deren museumspädagogische Konzepte ausschließlich deskriptiv und dokumentarisch angelegt, nicht jedoch analytisch und erklärend. Statt dessen werden große Mengen an altem Kriegsgerät, militärischer Ausrüstung und Uniformen präsentiert, und ausführlich werden Frontverläufe dargestellt, was jedoch kaum geeignet ist, zu einem Gesamtverständnis des dargestellten kleinen Ausschnittes des Zweiten Weltkrieges in einem Rahmen des Zeitalters der Weltkriege (171) als einem Bestandteil des Zeitalters des Imperialismus und eines extremen 20. Jahrhunderts beizutragen. In den, den Museen angegliederten Museumsläden werden Kriegsspielzeug und Souvenirs verkauft, Fachliteratur ist kaum vorhanden, statt dessen wird eine unübersehbare Anzahl von Einzelaspekten des Zweiten Weltkrieges in Massen von Comics mit bunten Bildern präsentiert.
 
Unübersehbar ist hier an den Landungsstränden der Alliierten in der Normandie die Gedenk- und Erinnerungskultur noch nicht in einem postheroischen Zeitalter angelangt: Überall in den Gedenkstätten und in den Museen sowie der umgebenden Landschaft wird Heroismus der Kriegsteilnehmer glorifiziert und militärische Siege werden gefeiert. Das geschichtspolitische Ziel ist deutlich erkennbar: Auch in Zukunft sollen aus geopolitischem Kalkül noch Kriege geführt werden können, wie u.a. der Irak-Krieg im Jahre 2003 (172) zeigt, den US-Präsident George W. Bush mit einer „Koalition der Willigen“ (173) führte, und die Gedenk- und Erinnerungskultur soll dafür Grundlagen schaffen: Damit Kriege auch im Zukunft noch weiterhin geführt werden können, müssen diese über die Gedenk- und Erinnerungskultur der Gesellschaft positiv vermittelt werden, und Soldaten müssen durch Internalisierung militärischer Tugenden entsprechend konditioniert werden. Zweifellos ist mit einem größeren zeitlichen Abstand zu den historischen Ereignissen das Reflektionsniveau zum Thema Erster Weltkrieg deutlich größer und distanzierter als aktuell noch zum Thema Zweiter Weltkrieg, wie ein Vergleich der von mir in zahlreichen europäischen Ländern besuchten Museen zu den Themen Erster Weltkrieg und Zweiter Weltkrieg erkennen läßt.
 
Doch der Befund der im gesamten Europa angetroffenen real-existierenden Gedenk- und Erinnerungskultur zeigt diesen Mangel auf an Reflektion, an Begreifen und Verstehen. Bei der Gedenk- und Erinnerungskultur ist der Schritt von Geschichtspolitik zu Geschichtswissenschaft erforderlich und überfällig. Jegliche Geschichtspolitik muß vollständig aufgegeben werden und durch Geschichtswissenschaft ersetzt werden, wobei eine kontroverse Debatte vorausgehen muß, was Geschichtswissenschaft (174) als einer Wissenschaft leisten kann und soll.
 
Diese Mängel der Gedenk- und Erinnerungskultur wurden mir insbesondere beim Besuch der zahlreichen Denkmäler und Museen zum Thema der Landung der Alliierten in der Normandie ab dem 06.06.1944 deutlich. So wird nahezu nirgends versucht, das Thema in einen größeren historisch-geografischen Zusammenhang einzubetten. Statt dessen trifft man dort auf zahlreiche Beispiele von Heldenverehrung, und militärische Siege werden gefeiert, was in einem postheroischen Zeitalter deplatziert sein sollte. Im Vergleich dazu ist der Umgang mit dem Ersten Weltkrieg in Flandern, an der Somme, an der Marne und bei Verdun weit nüchterner und reflektierter, und man trifft dort auch auf mehr Versuche, das Thema Erster Weltkrieg in einen größeren historisch-geografischen Gesamtzusammenhang einzubetten. 
 
Der Vergleich des Umgangs mit dem Thema Erster Weltkrieg und dem Thema Zweiter Weltkrieg in der Gedenk- und Erinnerungskultur zeigt, daß jeweils ein unterschiedlicher Reflektions- und Entwicklungsstand von Gedenk- und Erinnerungskultur erreicht ist. Bezüglich des Zweiten Weltkriegs ist die Gedenk- und Erinnerungskultur und die dieser zugrundeliegende Geschichtspolitik noch nicht in einem post-heroischen Stadium angelangt, es wird weiterhin Heldenverehrung betrieben und militärische Siege werden gefeiert. Derartige Heldenverehrung im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg ist nicht nur in der östlichen Hälfte Europas anzutreffen, sondern gleichfalls in der westlichen Hälfte Europas, wie das Beispiel der Landungsstrände in der Normandie zeigt. Im Vergleich zum Zweiten Weltkrieg hat die Gedenk- und Erinnerungskultur zum Thema Erster Weltkrieg in Europa mittlerweile einen weiter entwickelten Reflektions- und Entwicklungsstand erreicht unter dem Begriff „Rememberance“, wie er insbesondere in Gedenkstätten zum Thema Erster Weltkrieg in Flandern anzutreffen ist. Bei „Rememberance“ lassen sich zwei Entwicklungsstufen unterscheiden: Eine national-autistische, die sich auf die eigene Nation beschränkt, sowie eine diese nationale Beschränkung überschreitende, wofür das Beispiel „Ring der Erinnerung“ (Anneau de Mémoire) (175) am Mont de Lorette zwischen den Städten Lille und Arras aufgeführt werden kann. 
 
Insbesondere seit dem Zeitalter der Aufklärung (176) gibt es die Institutionen der Literaturkritik (177), der Kunstkritik (178), der Architekturkritik (179), der Theaterkritik (180) und später der Filmkritik (181), des Weiteren der Religionskritik (182), der Kulturkritik (183) und der Gesellschaftskritik (184). Doch es gibt bis heute keine vergleichbare Institution der Kritik der Gedenk- und Erinnerungskulturen und der diesen zugrunde liegenden Geschichtspolitiken. Gegenstand dieses Genres der Kritik der Gedenk- und Erinnerungskultur sind Museen, Gedenkstätten, Denkmäler, und insbesondere der öffentliche Umgang mit Geschichte und ihrer Instrumentalisierung für die unterschiedlichsten Zwecke durch die unterschiedlichsten Akteure. In Anbetracht des Befunds der real-existierenden Gedenk- und Erinnerungskultur in Europa wird m.E. im gesamten Europa eine Institution der Kritik der Gedenk- und Erinnerungskultur dringend benötigt, um nach dem extremen 20. Jahrhundert das Projekt der Aufklärung in Europa fortzusetzen. Damit die Gedenk- und Erinnerungskultur zukünftig ein Projekt der Aufklärung werden kann, bedarf es zuerst und insbesondere einer Institution der Kritik der bestehenden Gedenk- und Erinnerungskultur, die so ein Gegenstand der öffentlichen Reflektion und Diskussion werden kann, und ein so aufgeklärtes Publikum wird einen anderen Umgang mit Gedenk- und Erinnerungskultur sowie Geschichte erwarten und einfordern. Ein anderer Umgang mit Geschichte ist erforderlich, wenn in Europa etwas anders und besser werden soll. So führe ich die derzeitigen Konflikte in der östlichen Hälfte Europas in erheblichem Maße auf Defizite der Gedenk- und Erinnerungskultur im gesamten Europa und mangelnde Reflektion zurück, was ein Wiederaufleben des Nationalismus nach 1989/90 ermöglichte. Überall wird die real-existierende Gedenk- und Erinnerungskultur überwiegend von Nationalisten und Militaristen geprägt und gestaltet, denen dieser Kulturbereich unhinterfragt und kritiklos überlassen wird (185). Die gesamte Gedenk- und Erinnerungskultur ist insbesondere in der östlichen Hälfte Europas dem Ziel der „Entwicklung einer nationalen Identität“ (186) untergeordnet, und dieses Ziel prägt darüber hinaus dort den gesamten Politik- und Kulturbereich. Dieser Nationalismus wird insbesondere in der östlichen Hälfte Europas von Welt- und Supermächten im Zuge der seit 1989/90 erfolgenden Neuaufteilung globaler Interessen- und Einflußzonen geopolitisch instrumentalisiert, und er ist deshalb Ursache von Krisen, Konflikten und Kriegen.
 
 

6.  Vilnius, ein Stadtschicksal im extremen 20. Jahrhundert

 
Nach einer Nachtfahrt von 19:15 Stunden trifft der Reisebus um 13:30 Uhr OEZ am Busbahnhof in Vilnius ein. Vilnius (187) ist die Hauptstadt von Litauen, und mit rd. 550.000 Einwohners ist Vilnius zugleich die größte Stadt des Landes. Die Gründung der Stadt Vilnius wird auf das Jahr 1323 zurückgeführt. Im historischen Stadtzentrum sind zahlreiche historische Gebäude erhalten, und dieses wurde 1994 zum UNESCO-Weltkulturerbe (188) erklärt.
 
Noch mehr als der Rathausplatz bildet der nördlich gelegene Kathedralenplatz das Zentrum der historischen Altstadt von Vilnius. Dominiert wird der weitläufige Kathedralenplatz von einer gewaltigen Kathedrale mit einem separat stehenden Glockenturm, was bei Kirchen im Baltikum eine verbreitete Bauweise ist. Auffällig ist der ab 1783 bestehende klassizistische Baustil (189) der Kathedrale, sodaß diese nicht wie eine Kirche, sondern wie ein griechischer Tempel (190) wirkt. In diesem Stil ist auch der Innenraum gestaltet. Auch das Gebäude des Hauptbahnhofs im Süden des historischen Stadtzentrums ist in einem klassizistischen Stil erbaut, der Ähnlichkeiten mit der klassizistischen Kathedrale auf dem Kathedralenplatz hat. Dies bringt den Charakter und die Bedeutung der Eisenbahn im Industriezeitalter als Symbol des technisch-industriellen Fortschritts zum Ausdruck, wobei die Bahnhöfe den Charakter von Kathedralen dieses technisch-industriellen Fortschritts erhielten. Bis heute ist der technische Fortschritt (191) das hegemoniale Glaubensbekenntnis des weiterhin fortschreitenden Industriezeitalters, wobei der wissenschaftlich-technologische Fortschritt immer weitere Lebensbereiche durchdringt und transformiert. Bestandteil dieses Fortschrittsglaubens ist der Glaube an die Machbarkeit und die Gestaltbarkeit eines „Neuen Menschen“ (192). Mögliches Endziel des wissenschaftlich-technologischen Fortschritts ist das Erreichen der „Technologischen Singularität“ (193). In der Antike hingegen wurde Fortschritt noch ganz anders verstanden, nämlich als Zunahme von Weisheit (194) und Tugend (195).
 
Neben der Kathedrale befindet sich der im 14. Jahrhundert errichtete Palast der Großfürsten (196) des Großfürstentums Litauen (197). Hier ist derzeit das Nationalmuseum angesiedelt, dessen Ausstellungen sich über vier Etagen erstrecken. Da ein Besuch dieses Museums wahrscheinlich einen ganzen Tag beanspruchen wird, stellen wir dessen Besuch aufgrund unseres kurzen Aufenthalts in Vilnius von kaum mehr als zwei Tagen zurück. Neben dem Palast befindet sich der Burgberg (Pilies Kalnas) (142 m), auf dessen Gipfel sich ein „Gediminas-Turm“ befindet, der nach dem litauischen Großfürsten Gediminas (1275-1341) (198) benannt ist. Schon im 10. Jahrhundert soll hier eine Burg gestanden haben. Vom Gipfel des Hügels bietet sich ein Panoramablick über die umgebende Stadtlandschaft.
 
Zwei Museen, die wir in Vilnius besuchen, haben das extreme 20. Jahrhundert zum Thema. Der Historiker Eric Hobsbawm unterscheidet ein langes 19. Jahrhundert von einem kurzen und extremen 20. Jahrhundert, das mit dem Ersten Weltkrieg als der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts beginnt und das mit den Ereignissen 1989/90 endet (199). Das extreme 20. Jahrhundert ist sowohl Folge, als auch Bestandteil des Zeitalters des Imperialismus, das in zwei Weltkriegen kulminiert. Heute ist das gesamte Zeitalter der Moderne und insbesondere das Industriezeitalter in Verdacht geraten, im extremen 20. Jahrhundert zu kulminieren. Weltweit ist ein großer Teil der Kriege, Ethnischen Säuberungen, Genozide und weiteren Gewaltverbrechen noch unzureichend wissenschaftlich erforscht, sodaß bis heute keine genauen Zahlen bezüglich der Gesamtzahl der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft im extremen 20. Jahrhundert vorliegen. Je weiter der Tatort von Europa entfernt ist, umso unzulänglicher ist der Forschungsstand. Eine globale Gesamtzahl von 250 Millionen Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft im extremen 20. Jahrhundert halte ich für wahrscheinlich (200). Dies entspricht einem von zehn Menschen der gesamten Weltbevölkerung von 1945. Diese ca. 250 Millionen Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft im extremen 20. Jahrhundert sind allesamt erklärungsbedürftig, und jedes dieser ca. 250 Millionen Einzelschicksale muß aufgeklärt werden. Dazu merkt der Historiker Habbo Knoch in seinem Buch „Geschichte in Gedenkstätten“ an: „Ein gravierendes Problem jeder historischen Rekonstruktion des Tatgeschehens ist nicht nur die Ermittlung der einzelnen Namen von Verfolgten und Ermordeten, sondern die darauf beruhende Bestimmung von Gesamtzahlen und Zahlenangaben zu bestimmten Zeitpunkten – zumal es sich hier um ein geschichtspolitisch immer wieder umstrittenes Thema handelt. (…) Recherche und Forschung erstrecken sich im Kern auf alle Dimensionen des historischen Gewaltgeschehens und sollen dazu dienen, die Einzelschicksale in möglichst umfassende Kenntnisse über den historischen Ort einzubetten“ (201).
 
Das erste dieser beiden Museen ist das „Museum der Okkupationen und der Freiheitskämpfe“ (202), das als „KGB-Museum“ bekannt ist (Der Eingang liegt in der Seitenstraße Auku 2a). Vergleichbare KGB-Museen gibt es auch in anderen Städten, darunter in Tartu/Dorpat und in Tallinn. Das hiesige Museum befindet sich in einem ehemaligen Gefängnistrakt mit 22 ca. neun Quadratmeter großen Zellen, der sich in den Kellerräumen eines großen Gebäudes aus dem Jahre 1899 befindet. Die wechselhafte Nutzungsgeschichte dieses Gebäudes spiegelt die Tragödien des extremen 20. Jahrhunderts wider. Im Jahre 1899 begann seine Nutzung als Gerichtsgebäude des Kaiserreiches Rußland. Während des Ersten Weltkrieges war es von 1915 bis 1918 Sitz von Besatzungsbehörden des Kaiserreiches Deutschland. Im Jahre 1919 war es von Januar bis April Sitz des revolutionären Tribunals des bolschewistischen Kommissariats der Litauisch-weißrussischen sozialistischen Sowjetrepublik (203). Danach war es von 1920 bis 1939 Sitz von Besatzungsbehörden der Zweiten Polnischen Republik (204). Von 1940 bis Juni 1941 war das Gebäude Dienstsitz des Volkskommissariats für innere Angelegenheiten (NKWD) (205) der Sowjetunion (UDSSR) (206), das hier ein Gefängnis unterhielt. 1941 bis 1944 war es Hauptquartier der Gestapo (207) und des Sicherheitsdienstes des Reichsführers SS (SD) (208). Ab 1944 bis 1991 befand sich hier erneut ein Gefängnis des NKWD und ab 1954 des KGB (209).
 
Gegenstand der Ausstellung des Museums sind die Ereignisse während der Okkupation Litauens durch die Sowjetunion (UDSSR) zum Einen im Zeitraum vom 15.06.1940 bis zum 22.06.1941, und zum Anderen im Zeitraum von 1944 bis 1986. Die umfangreiche und detaillierte Ausstellung des Museums gliedert sich in 11 Themenräume auf zwei Etagen. Sämtliche Informationen werden zweisprachig angeboten (Litauisch, Englisch). Die materialreiche Ausstellung präsentiert eine Vielzahl von Fotos, Zahlen und Fakten. Ein größerer Teil der Ausstellung widmet sich dem Widerstand der Jahre 1944 bis 1953, wobei man u.a. erfährt, daß die Widerstandskämpfer, die meist versteckt in den Wäldern lebten, im statistischen Durchschnitt drei Jahre überlebten. Unterhalb der beiden Ausstellungsetagen befindet sich das eigentliche Gefängnis mit dem Zellentrakt. In diesen Zellen gibt es weitere kleinere Ausstellungen zu verschiedenen weiteren Aspekten des Hauptthemas. Hier gibt es auch eine kleinere Ausstellung zur NS-Okkupationszeit vom 22.06.1941 bis zum Juli 1944. Auch ist ein Raum, in dem Erschießungen stattgefunden haben, weiterhin Bestandteil des Museums. Dort ist auf einem Monitor ein Film zu sehen, wie man sich heute den Vorgang der Erschießungen vorstellt. Seit meinem ersten Besuch dieses Museums am 09.07.2017 ist dieser Raum jedoch umgestaltet worden. Damals war noch der originale Boden mit einem Abfluß zu sehen. Dieser Boden wurde jedoch zwischenzeitlich umfangreich umgestaltet, wodurch dieser historische Ort erheblich an Authentizität verloren hat. Der historische Originalboden ist jetzt von weißem Sand bedeckt, und die Besucher betreten den Raum jetzt auf einem darüber montierten Glas-Fußboden. Im angrenzenden Hof des Gefängnisses gibt es spezielle Zellen für weitere Formen von „Sonderbehandlung“ von Gefangenen: Die winzigen Einzelzellen sind zum freien Himmel offen, ohne Dach, aber vergittert.
 
Das zweite Museum zum extremen 20. Jahrhundert, das wir besuchen, ist Bestandteil des „Staatlichen Jüdischen Museums“ (210). Dieses besteht aus fünf Teilen. Ein Teil ist das sogenannte „Grüne Haus“, ein traditionelles, regionaltypisches Holzgebäude in der Straße Pamienkalnio 12. Gegenstand der Ausstellung dieses Museums sind die Ereignisse und Vorgänge während der NS-Okkupation vom 22.06.1941 bis zum Juli 1944 insbesondere bezüglich der jüdischen Bevölkerung in Litauen. Thema der Ausstellung ist insbesondere der Holocaust in Litauen (211). In Litauen erfolgte der Holocaust insbesondere durch Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD (212), wobei das Massaker von Ponary (213) mit ca. 100.000 Todesopfern herausragt. Der Großteil der Organisation, der Vorbereitungen der Ermordung sowie der Erschießungen wurde von litauischen willigen Helfern ausgeführt. Zum Umfang dieser Kollaboration (214) liefert die Ausstellung allerdings keine Zahlen. Metapedia nennt Zahlen für die vier Einsatzgruppen zusammen und dem Umfang der Kollaboration mit diesen: „Die Mannschaftsstärke der vier Einsatzgruppen belief sich anfangs auf lediglich 4.000 Mann, wuchs zum Sommer 1942 auf etwa 15.000 Deutsche und 240.000 fremdländische Hilfskräfte an.“ (215). In seinem Buch „Geschichte in Gedenkstätten“ stellt der Historiker Habbo Knoch fest: „Aber auch in anderen europäischen Ländern wurden die vielfältigen Formen der Kollaboration und Mittäterschaft zugunsten selektiver, nationaler Widerstandsmythen nicht thematisiert“ (216). Weitere Themen der Ausstellung des Museums sind die Geschichte der Ghettos (217) in Litauen und der Ghetto-Alltag. Die Ausstellung bietet eine Vielzahl von Informationen, Fotografien, Materialien und Zahlen zu den Ereignissen und Vorgängen. Sämtliche Informationen werden zweisprachig angeboten (Litauisch, Englisch).
 
Der Holocaust ist ein Genozid (218). Die wissenschaftliche Erforschung von Genoziden leistet die Vergleichende Völkermordforschung (219). In der Geschichtswissenschaft ist der Holocaust Gegenstand der Holocaustforschung (220). Die Holocaustforschung hat historische Entstehungsbedingungen, Entscheidungsprozess, Organisation, Durchführung, Täter, Mittäter, Opfer, Auswirkungen und Besonderheiten des Holocaust zum Gegenstand, und sie ist Bestandteil der NS-Forschung (221). Der Holocaust ist ein herausragender Bestandteil der NS-Verbrechen (222) Der Holocaust wird weltweit erforscht, jedoch besonders in den USA, Großbritannien, Israel, Polen und Deutschland. Die geschichtswissenschaftliche Forschung in den deutschsprachigen Ländern konzentriert sich jedoch stärker als die Forschung in den USA, Israel und Großbritannien auf innenpolitische und außenpolitische Aufstiegsbedingungen der NS-Bewegung einschließlich deren Finanzierung, auf „Machtergreifung“ (223), Machtdurchsetzung, Herrschaftskonsolidierung und Kriegführung des NS-Regimes. Globalhistorisch betrachtet ist der Nationalsozialismus Bestandteil des Zeitalters des Imperialismus, das in zwei Weltkriegen kulminierte, und er ist Bestandteil des extremen 20. Jahrhunderts. 
 
Der Holocaust ist eine Entwicklungsphase und ein Bestandteil der nationalsozialistischen Judenpolitik. Ein wesentlicher Aspekt dieser NS-Judenpolitik ist, daß sie sich über einen vergleichsweise langen Zeitraum ab 1933 zunehmend radikalisierte, wobei sich auch Methoden und Zielsetzungen änderten. Es stellt sich die Frage nach den jeweiligen Umständen, insbesondere den innen- und außenpolitischen Umständen, die dabei eine Rolle spielten. Über mehrere Jahre hinweg war diese NS-Judenpolitik ab 1933 darauf ausgerichtet, Juden zur Emigration bzw. Auswanderung zu drängen und zu nötigen, wobei sich diese NS-Judenpolitik über mehrere Jahre hinweg zum Zweck der Nötigung zur Emigration zunehmend radikalisierte. Juden wurden zunehmend entrechtet und schikaniert. Das Novemberpogrom vom 07.11.1938 (224) stellt in diesem Rahmen einen weiteren Radikalisierungsschritt dar. Von 30.000 im Rahmen dieses Novemberpogroms verhafteten Juden wurden ca. 6.000 in das KZ Sachsenhausen (225) eingeliefert, wo sie in besonderem Maße terroristischen Schikanen ausgesetzt wurden. In der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen (226) hat die Ausstellung „Jüdische Häftlinge im KZ Sachsenhausen 1936 – 1945“ in Baracke 38 die NS-Judenpolitik zum Thema, und es wird dargestellt, daß es Ziel der Maßnahmen im Rahmen des Novemberpogroms 1938 war, die Emigration der Juden zu erzwingen, was in vielen Fällen erreicht worden sei. Bei Betrachtung der NS-Judenpolitik ergibt sich der Befund, daß hier der Fall einer Ethnischen Säuberung vorliegt. Es stellt sich die Frage nach den Umständen, durch die dieser Fall einer Ethnischen Säuberung den Charakter eines Genozids erhielt. 
 
Ein wesentliches Problem bei der NS-Judenpolitik einer Zwangsemigration war, daß sich die Emigrations- und Einreisemöglichkeiten der (Zwangs-) Emigranten weltweit zunehmend verschlechterten. Die insbesondere im Zuge des Ersten Weltkrieges überall eingeführten restriktiven Einreise- und Visabestimmungen wurden weiter verschärft, und es wurden überall immer mehr restriktive Einwanderungsgesetze erlassen, insbesondere auch in den Haupteinwanderungsländern der europäischen Auswanderung im 19. Jahrhundert, allen voran die USA. Symbol der Flüchtlingskrise der zweiten Hälfte der 30er Jahre ist die Konferenz von Évian (06.06. bis 15.06.1938) (227) und deren Scheitern. Dieses Thema wird im nachfolgenden Kapitel ausführlicher behandelt. Nur wenige Ausstellungen zum Themenbereich NS-Judenpolitik und NS-Verbrechen erwähnen die Konferenz von Èvian, die jedoch bei der historischen Analyse berücksichtigt werden muß, wenn man ein Gesamtverständnis der Ereignisse und Vorgänge innerhalb ihres globalhistorischen Zusammenhangs erzielen will. Auch die ansonsten umfangreiche, detaillierte und gut konzipierte Ausstellung in Baracke 38 der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen erwähnt die Konferenz von Èvian nicht, und ebenso im „Grünen Haus“ des „Staatlichen Jüdischen Museums“ in Vilnius ist die Konferenz von Évian kein Thema. 
 
Im Rahmen der Politik der Zwangsemigration wurden vom NS-Regime ab dem Jahre 1937 und insbesondere im Jahre 1940 sogenannte „Territoriallösungen“, darunter der „Madagaskar-Plan“ (228), favoritisiert und geplant. Diese „Territoriallösungen“ scheiterten letztlich an der Entwicklung der Kriegslage. 
 
Ab Kriegsbeginn im September 1939 verschlechterten sich die Auswanderungsmöglichkeiten und Auswanderungschancen dramatisch. Juden werden in Ghettos zusammengepfercht, wobei insbesondere das Generalgouvernement (229) den Charakter eines extralegalen Abschieberaumes erhält. Am 22.06.1941 erfolgte der Angriff auf die Sowjetunion, und der vorrückenden Wehrmacht folgten vier Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD (230). Diese Einsatzgruppen ermorden in den besetzten Gebieten in der östlichen Hälfte Europas unter dem Vorwand vorbeugender Aufstands- und Verbrechensbekämpfung bis zum Jahreswechsel 1941/42 mehr als 500.000 Personen, überwiegend Juden. Damit hatte die NS-Judenpolitik den Charakter eines Genozids (231) erhalten. Ab dem 23. 10.1941 wurde Juden die Auswanderung aus dem Deutschen Reich verboten. Die Wannseekonferenz am 20.01.1942 (232) beendete sowohl die Politik der Zwangsemigration als auch die sogenannten „Territoriallösungen“. Im Protokoll dieser Wannseekonferenz vom 20.01.1942 ist auf Seite 5 zu lesen: „Anstelle der Auswanderung ist nun als weitere Lösungsmöglichkeit nach entsprechender vorheriger Genehmigung durch den Führer die Evakuierung der Juden nach dem Osten getreten“ (233). Es erfolgte nun die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“ (234), deren zentraler Bestandteil die „Aktion Reinhard“ (235) war. Schon Mitte Oktober 1941 hatte der Bau des ersten Vernichtungslagers (236) Belzec begonnen. 
 
Bei verschiedenen Reisen in Europa habe ich mittlerweile in zahlreichen Ländern eine größere Anzahl von Museen und Gedenkstätten zum Thema NS-Herrschaft und NS-Verbrechen besuchen können, darunter auch das „Mémorial de la Shoah“ (237) in Paris, das ich am 29.09.2022 besuchte. Es bietet sich ein Vergleich dieses Museums mit der Holocaust-Ausstellung des Staatlichen Jüdischen Museums in Vilnius an. Der Holocaust ist zu einem Symbol der NS-Verbrechen geworden, und er ereignete sich insbesondere in der östlichen Hälfte Europas während des Zweiten Weltkrieges. Bei meinem Besuch bin ich daran interessiert, ob im „Mémorial de la Shoah“ weitere Aspekte und neue Sichtweisen zum Thema präsentiert werden, um die Vorgänge innerhalb des historischen Zusammenhangs besser einordnen und verstehen zu können. 
 
Das „Mémorial de la Shoah“ gilt als das größte Museum zum Thema Holocaust in Europa, wie dort hervorgehoben wird. Dies hat mich stutzig gemacht, wenn bei einem Museum quantitative Aspekte hervorgehoben werden, wohingegen es bei einem Museum auf qualitative Aspekte, also auf Inhalte und deren gelungene Vermittlung im Rahmen eines elaborierten museumspädagogischen Konzeptes ankommen sollte, bei dem dem Publikum auch zu historischen Themen kein vorgefertigtes Geschichtsbild vermittelt wird, sondern viel mehr dieses Publikum angeregt und im Bemühen unterstützt werden soll, sich auch zu komplexen und komplizierten historischen Themen eine eigene, unabhängige Meinung zu bilden, im Sinne von Aufklärung. Es stellt sich die Frage, woran die Größe eines Museums bemessen werden soll: An der Größe der Ausstellungsfläche, der Anzahl der Exponate, dem Umfang der angebotenen Informationen und Interpretationen, oder der Anzahl der Besucher. Zumindest Letztere ist sehr gering, und über einen längeren Zeitraum bin ich der einzige Besucher dieses Museums. 
 
Das Museum „Mémorial de la Shoah“ beeindruckt durch eine große Fülle an kommentiertem Material zum Thema, in der Mehrzahl zweisprachig (Französisch, Englisch), sowie durch eine Vielzahl von Einzelaspekten zum Thema, die Berücksichtigung finden. Schwerpunkt der Darstellungen bilden die Ereignisse in Frankreich. Die Ausstellung des Museums beginnt noch im Außenbereich mit einer „Mur des Nomes“, auf der die Namen der 76.000 Juden eingraviert sind, die von 1942 bis 1944 aus Frankreich „deportiert“ worden sind. Die Ausstellung endet mit mehreren Fotowänden, auf denen Fotos dieser Deportierten – überwiegend Kinder – zu sehen sind. Man hat den Eindruck, daß dies ein beliebiger Ausschnitt aus der damaligen Bevölkerung Frankreichs ist. Damit stellt sich die Frage, was eine Person „jüdisch“ macht (238). Insbesondere mit Blick auf das extreme 20. Jahrhundert stellt sich diese Frage, denn insbesondere im westlichen und mittleren Europa hatten in Folge des Zeitalters der Aufklärung im 19. Jahrhundert alle Personen unabhängig ihrer Konfession gleiche Bürgerrechte erhalten, und Juden waren weitgehend assimiliert. Etwas anders sah die Situation in der östlichen Hälfte Europas aus. Die Juden in Osteuropa (239) waren weitgehend nicht assimiliert, und im Kaiserreich Rußland durfte Juden nur im sogenannten „Ansiedlungsrayon“ (240) in den westlichen Landesteilen leben. Im Zeitalter des Nationalismus (241) wurde der homogene Nationalstaat (242) zum politischen Ideal, und es entstand der Zionismus (243) als eine Nationalbewegung und als eine  nationalistische Ideologie, die auf einen jüdischen Nationalstaat im geografischen Palästina (244) abzielte. 
 
Im Museumsgebäude beginnt die Ausstellung zum Einen mit einer Darstellung der Geschichte der Juden in Frankreich, zum Anderen mit einer Darstellung der Geschichte des Antisemitismus (245) in Europa. Diese Darstellung des Antisemitismus beginnt im Imperium Romanum (246), und es stellt sich die Frage, ob es im Imperium Romanum Antisemitismus gegeben hat, und ob sich die Ereignisse im Rahmen des Jüdischen Krieges (66-74 n. Chr.) (247) und der Eroberung von Jerusalem im Jahre 70 n. Chr. (248) alleine mit Antisemitismus erklären lassen, oder ob auch noch andere Faktoren eine Rolle gespielt haben, die bei einer Analyse der damaligen Ereignisse Berücksichtigung finden müssen, wenn man ein Gesamtverständnis der historischen Ereignisse innerhalb ihrer historischen Epoche erreichen möchte. Da wir uns beim Thema des Museums „Mémorial de la Shoah“ im extremen 20. Jahrhundert befinden, müssen bei einer historischen Analyse alle Faktoren von Relevanz Berücksichtigung finden, die das extreme 20. Jahrhundert charakterisieren und die die historischen Ereignisse bestimmen und prägen. Das Museum stellt als analytische Kategorie jedoch ausschließlich „Antisemitismus“ vor. 
 
Um die historische Wirklichkeit des extremen 20. Jahrhunderts präziser erfassen und analysieren zu können, ist es erforderlich, charakteristische und prägende Elemente, die das 20. Jahrhundert in seiner gesamten historischen Tiefe und seiner gesamten geografischen Breite als ein extremes Jahrhundert mit Alleinstellungsmerkmal charakterisieren und prägen, ins Zentrum einer jeden Analyse zum extremen 20. Jahrhundert zu stellen, wie die Ethnische Säuberung (249), die Totale Institution (250) des Lagers (251) in ihren verschiedenen Erscheinungsformen, der Ausnahmezustand (252), der Doppelstaat (Dual State) (253), die totale Mobilmachung (254), der totale industrielle Krieg (255), und weitere, denn diese haben als charakteristische und prägende Elemente des extremen 20. Jahrhunderts den Gehalt von analytischen Kategorien, die deshalb im Zentrum einer jeden Analyse zum extremen 20. Jahrhundert stehen müssen. 
 
 

7.  Das Ende der Reisefreiheit im extremen 20. Jahrhundert

 
Zudem unterscheidet sich das extreme 20. Jahrhundert vom vorausgegangenen 19. Jahrhundert bezüglich der Themen „Reisefreiheit“ und „Auswanderung“ (256), sodaß diese und weitere Aspekte bei einer historischen Analyse Berücksichtigung finden müssen. Die auch heute noch bestehenden, die weltweite Reisefreiheit einschränkenden restriktiven Einreise- und Visabestimmungen sind ein historisch junges und neuartiges Phänomen, sie entstanden als eine Folge des Ersten Weltkrieges, der somit auch in diesem Bereich die „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts ist. Sie sind ein das extreme 20. Jahrhundert konstituierendes Element, das neben weiteren das 20. Jahrhundert zu einem „extremen“ Jahrhundert macht. Während das 19. Jahrhundert von weitgehender weltweiter Reisefreiheit und einer umfangreichen Auswanderung insbesondere aus Europa nach Übersee geprägt ist, ist das extreme 20. Jahrhundert ab dem Ersten Weltkrieg durch weltweite restriktive Reiseeinschränkungen, die ubiquitäre Ausweitung von Lagern in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen als der Totalen Institution zur zweckrationalen Verwaltung und Kontrolle von Menschenmassen, sowie von Ethnischen Säuberungen geprägt. Dies alles bildet einen untrennbaren und unauflöslichen Gewaltzusammenhang, und der Übergang zu Genoziden ist fließend. Dieser Gewaltzusammenhang macht das 20. Jahrhundert zu einem extremen Jahrhundert. Das Thema Auswanderung aus Europa nach Übersee war ein Thema meiner beiden Fahrradreisen durch die südliche Nordseeregion in den Jahren 2020 und 2022.
 
Das Thema Auswanderung aus Europa nach Übersee im 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg begegnete mir während meiner zweiten Fahrradreise durch die südliche Nordseeregion im Jahre 2022 mehrere Male, nachdem ich dieses Thema zuvor schon während meiner ersten Fahrradreise durch die südliche Nordseeregion im Jahre 2020 in Cuxhaven und insbesondere in Bremerhaven angetroffen hatte. Cuxhaven (257) gehörte vom 13. Jahrhundert bis 1937 zur Freien Stadt und Hansestadt Hamburg (258). Vom Amerika-Hafen in Cuxhaven, von dem heute noch der Pier Steubenhöft (259) und die Hapag-Hallen (260) erhalten sind, wanderten im 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg ca. fünf Millionen Auswanderer aus Europa nach Übersee, insbesondere nach Amerika aus. Der Amerika-Hafen in Cuxhaven hatte einen eigenen Bahnhof, den Cuxhaven-Amerika-Bahnhof (261), sodaß Auswanderer aus ganz Europa mit der Eisenbahn zum Amerika-Hafen in Cuxhaven gelangen konnten. Zu diesem Thema der europäischen Auswanderung nach Übersee gibt es im Gebäude des Pier Steubenhöft eine umfangreiche, detaillierte und sehenswerte Ausstellung. In Bremerhaven (262) gibt es ein exzellentes Auswanderermuseum mit dem Namen „Deutsches Auswandererhaus“ (263), das sich ausführlich, detailreich und mit einem herausragenden museumspädagogischen Konzept diesem Thema der Auswanderung aus Europa nach Übersee im 19. Jahrhundert widmet und das ich am 18.10.2020 besucht hatte. 
 
Nun traf ich dieses Thema der europäischen Auswanderung nach Übersee während meiner zweiten Fahrradreise durch die südliche Nordseeregion im Jahre 2022 weitere Male in Rotterdam (264), Antwerpen, Southampton und Cherbourg an, alles bedeutende Überseehäfen der europäischen Auswanderung nach Übersee im 19. Jahrhundert, und es hatte sich geradezu eine Auswanderungsindustrie gebildet, die professionell insbesondere mit großen Übersee-Linern das Geschäft mit der Auswanderung betrieb. Von den ca. 60 Millionen Auswanderern aus Europa nach Übersee im 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg wanderten aus über Cuxhaven ca. 5 Millionen Personen, Bremerhaven ca. 7 Millionen, Rotterdam ca. 3 Millionen, Antwerpen ca. 2 Millionen, Southampton ca. 5 Millionen und Cherbourg ca. 4 Millionen Personen. In der Stadt Antwerpen (265) hat das „Red Star Line Museum“ (266) die Auswanderung aus Europa nach Übersee zum Thema. In der Stadt Southampton (267) befaßt sich die Ausstellung „Gateway to the World“ im „Seacity-Museum“ mit der europäischen Auswanderung nach Übersee. In der Stadt Cherbourg (268) widmet sich im Museum „La Cité de la Mer“ (269), das sich in den Gebäuden des ehemaligen Transatlantik-Hafens befindet, eine Ausstellung dem Thema Auswanderung aus Europa nach Übersee im 19. Jahrhundert, die ich am 07.09.2022 besuchte, und es wird dargestellt, daß die bedeutendsten Zielländer dieser europäischen Auswanderung nach Übersee mit Abstand die USA (ca. 34 Millionen) waren, des weiteren Kanada (ca. 9 Millionen), Sibirien und Turkestan (ca. 7 Millionen), Argentinien (ca. 6 Millionen), Brasilien (ca. 5 Millionen), Australien und Neuseeland (ca. 3,5 Millionen) und Süd-Afrika (ca. 1 Millionen). Meines Erachtens ist das Thema Auswanderung ein wesentlicher Aspekt, der das 19. Jahrhundert vom 20. Jahrhundert unterscheidet und der zu einer Erklärung beiträgt, warum das 20. Jahrhundert zu einem extremen Jahrhundert geworden ist.
 
Diese Auswanderung aus Europa nach Übersee endete abrupt mit dem Ersten Weltkrieg und sie erreichte im gesamten 20. Jahrhundert nie mehr die vormalige Bedeutung. Überall wurde weltweit ab dem Ersten Weltkrieg das freie Reisen sowie die Aus- und Einwanderung eingeschränkt und unterbunden. Die wirksamste Drosselung der Auswanderung verursachten die Restriktionen der USA, dem bedeutendsten Einwanderungsland für Auswanderer aus Europa. Mit einem neuen Einwanderungsgesetz, dem National Origin Act von 1924 (270), wurden die jährlich zugelassenen Einwanderungen auf ein Sechstel der Einwanderung der Vorkriegszeit begrenzt, und insbesondere wurde der Zuzug von Süd- und Osteuropäern beschränkt. Auch andere Einwanderungsländer verfügten restriktive Maßnahmen und legten Einwanderungsquoten fest, Südafrika im Jahr 1930, Neuseeland 1931, Australien 1932 und Brasilien 1934. Den Höhepunkt dieser weltweiten restriktiven Entwicklungen in der Zwischenkriegszeit bildet das Scheitern der Konferenz von Évian (271), die vom 06. bis zum 15.07.1938 in der Stadt Évian-les-Bains (272) am Genfer See stattfand. Sehr wahrscheinlich wäre bei einem Erfolg dieser Konferenz in den Folgejahren ein erheblicher Teil der tragischen Entwicklungen nicht eingetreten. Doch in Évian-les-Bains verweist heute nichts auf dieses Ereignis und seine weitreichenden historischen Konsequenzen, wie ich bei meinem Besuch der Stadt Évian am 02.12.2016 während einer Fahrradreise durch Teile der Alpenregion feststellen mußte.
 
Ein Besuch der Stadt Évian-les-Bains wirft Licht auf den Rahmen, in dem internationale Diplomatie traditionell stattfindet und in dem über das Schicksal von Millionen von Menschen verhandelt und bestimmt wird. In der Nachbarstadt Genf scheiterte der Völkerbund, der vom 28.04.1919 bis zum 18.04.1946 existierte. Ebenso wie heute in seiner Nachfolgeorganisation, der UNO, saßen im Völkerbund die Vertreter von Staaten, die dort die Interessen ihrer Staaten vertraten und das gemeinsame Menschheitsinteresse auf Grundlage universeller Humanität kaum jemanden interessierte. In seiner Biografie: „Helmuth James von Moltke. 1907-1945. Eine Biografie“ beschreibt der Historiker Prof. Dr. Günter Brakelmann eine Reise des Experten für Völkerrecht, Helmuth J. von Moltke im März 1935 nach Genf, wo Moltke die Einrichtungen des Völkerbundes besuchte: „Er wollte sich vor Ort ein eigenes Bild von der politischen Lage und den Arbeitsmöglichkeiten machen. Basel, Bern, Genf, Paris, Den Haag und London waren im März und April 1935 die wichtigsten Stationen seiner Erkundungsreise. (…) Wichtig war ihm aufgrund seines Interesses am Völkerrecht der Besuch beim Völkerbund In Genf.“ Von diesem Besuch beim Völkerbund in Genf berichtete Moltke am 31.03.1935: „‘Es wimmelt von Bürokraten, aber es fehlen Menschen von Format völlig.‘ Alle seien nur Interessenvertreter ihrer Länder und würden an ihre eigene Karriere denken. Anders sehe es nur bei denjenigen Beamten aus (Russen, Italiener, Deutsche), die den Bruch mit ihren Heimatländern vollzogen hätten, aber im Sekretariat des Völkerbundes geblieben seien. Moltkes Eindruck: ‚Hier scheint man auch ganz kühl mit einem großen europäischen Krieg zu rechnen.‘ Aber man reagiere ganz passiv und lasse den Dingen ohne Gegenwehr ihren Lauf. Zukunft habe der Völkerbund aber nur, wenn er sich zu einer ‚unabhängigen Macht‘ entwickeln würde“ (273). 
 
Alternativen im Bereich der Diplomatie (274), der internationalen Politik (275) und des Völkerrechts (276) sind erforderlich, zum Einen aufgrund des Versagens traditioneller Diplomatie und der traditionellen internationalen Politik, was insbesondere am Beispiel des extremen 20. Jahrhunderts deutlich wird, und zum Anderen aufgrund fortbestehender Defizite des Völkerrechts, das weiterhin ausschließlich ein Recht souveräner Nationalstaaten ist, die ihre Interessen als Nationalstaaten vertreten. In seinem Text: „Zum Verhältnis von Nation, Rechtsstaat und Demokratie“ stellt der Philosoph Jürgen Habermas fest: Faktisch ist „in der Welt, wie wir sie kennen“, ein Nationalstaat ein Produkt erfolgreicher Machtdurchsetzung nach dem „Effektivitätsprinzip“, das sich durch die „Regierungskriminalität, die sich im Schatten des technologisch entgrenzten und ideologisch enthemmten Zweiten Weltkrieges ausgebreitet hat“ (277) diskreditiert hat. Eine Alternative zum Konzept nationaler Selbstbestimmung ist das Konzept einer „differenzempfindlichen Inklusion“ mit föderalistischer Gewaltenteilung, Dezentralisierung, kultureller Autonomie, gruppenspezifischen Rechten, Gleichstellung und Minderheitenschutz (278) im Rahmen einer „postnationalen Vergesellschaftung“, die in eine gemeinsame politische Kultur eingebettet ist und die von einer Zivilgesellschaft getragen wird (279). 
 
Noch heute ist das Völkerrecht ein Recht von souveränen Nationalstaaten, die ihre Interessen als Nationalstaaten wahrnehmen, und die Transformation des Völkerrechts als einem Recht von Staaten zu einem Weltbürgerrecht als einem Recht der Menschen und der Menschheit auf Grundlage allgemeiner und universeller Menschenrechte (280), sowie zu einem Weltverfassungsrecht, steht noch aus. Hierbei werden die individuellen Bürger als unmittelbare Subjekte des Völkerrechts anerkannt. Das heutige UN-System ist weit von den Idealen der alten Idee eines Völkerbundes entfernt, wie sie z.B. von Immanuel Kant (281) in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ (282) im Jahre 1795 vorentworfen worden ist, und seine Reformbedürftigkeit (283) ist geradezu sprichwörtlich. Es wird auch eine Neugründung auf einer anderen Grundlage gefordert. Im Zentrum sollten nicht souveräne Staaten und ihre Interessen, sondern die Menschen und ihre Rechte stehen, und das traditionelle Völkerrecht, das die Verbrechen des extremen 20. Jahrhunderts ganz erheblich begünstigt und gefördert hatte, müßte von einem Recht souveräner Staaten hin zu einem Weltbürgerrecht und einem Recht der Menschen und der Menschheit transformiert werden auf Grundlage der allgemeinen Menschenrechte, sowie zu einem Weltverfassungsrecht. In seinem Buch: „Der gespaltene Westen“ skizziert der Philosoph Jürgen Habermas ein Mehrebenensystem einer „Weltinnenpolitik ohne Weltregierung“: „Im Lichte der Kantschen Idee kann man sich eine politische Verfassung einer dezentrierten Weltgesellschaft, ausgehend von den heute bestehenden Strukturen, als ein Mehrebenensystem vorstellen, dem im Ganzen der staatliche Charakter aus guten Gründen fehlt“ (284). Dabei wird der Weg vom Staatenrecht zum Weltbürgerrecht beschritten, und die individuellen Bürger werden als unmittelbare Subjekte des Völkerrechts anerkannt, womit die Transformation des Völkerrechts in ein Weltverfassungsrecht eingeleitet wird. Auf dieser Grundlage mahnt Habermas Reformen der UNO an. 
 
Es entsteht somit ein völlig neues Modell von Politik, das sich von historisch überholten Politikformen verabschiedet, deren Scheitern in Anbetracht des extremen 20. Jahrhunderts unübersehbar geworden ist. Es entsteht ein Modell eines Mehrebenensystem einer Weltinnenpolitik ohne Weltregierung, ein Modell einer politischen Verfassung einer dezentrierten Weltgesellschaft, einem Mehrebenensystem, dem im Ganzen der staatliche Charakter aus guten Gründen fehlt. Dieses Mehrebenensystem setzt sich zusammen aus einer Vielzahl unterschiedlicher miteinander in Wechselwirkung stehenden politischen Prozessen, Ebenen und Akteuren, wodurch eine Multiebenendiversität des Politischen im Rahmen eines Mehrebenensystems einer dezentrierten Weltgesellschaft entsteht. 
 
Das Versagen traditioneller Diplomatie und internationaler Politik kann exemplarisch am Beispiel der Stadt Évian-les-Bains studiert werden. Die Stadt Évian-les-Bains besuchte ich am 02.12.2016 während einer Fahrradreise durch Teile der Alpenregion. Évian-les-Bains liegt am Ufer des Genfer Sees in der Nähe der Stadt Genf und ist ein mondäner Ort mit den üblichen Hotelpalästen, die viele landschaftlich attraktiv gelegene Orte in den Randbereichen der Alpenseen prägen. Es ist eine Kategorie von Orten, in denen früher die Aristokratie ihre Zeit vertrödelte und in denen heute Leute, die nicht wissen, was sie mit ihrem vielen Geld anfangen wollen, ihr Geld verschwenden. Die entsprechenden Einrichtungen, die ihnen dies vereinfachen, sind zahlreich: Teuerste Hotels, Nobelgeschäfte für teueren Schnickschnack, den niemand braucht, und ein Spielcasino. Ich hingegen gehe dort wieder auf historische Spurensuche an einem Originalschauplatz historischer Ereignisse: Vom 06.06.1938 bis zum 15.06.1938 fand in Évian-les-Bains die internationale Konferenz von Évian statt, die die damalige Flüchtlingskrise in der Zwischenkriegszeit (285) zum Thema hatte, die aber aufgrund der restriktiven Einwanderungspolitik der meisten Staaten scheiterte. Die historischen Folgen sind bekannt, doch wird dieses historische Ereignis mit seinen schwerwiegenden Folgen von der gängigen Geschichtsschreibung kaum berücksichtigt und ignoriert. Sehr wahrscheinlich wäre bei einem Erfolg dieser Konferenz in den Folgejahren ein erheblicher Teil der tragischen Entwicklungen nicht eingetreten. Ich hatte erwartet, am Ort dieser Konferenz ein Museum zu diesem Thema, eine Gedenkstätte, oder doch zumindest eine Erinnerungs- und Informationstafel zu finden, doch es gibt im gesamten Ort Évian-les-Bains nichts, was auf das historische Ereignis der Konferenz von Évian Bezug nimmt. Dies ist ein Beispiel für eine Dethematisierung bedeutender historischer Ereignisse, die jedoch für ein Gesamtverständnis der historischen Vorgänge und Zusammenhänge Berücksichtigung finden müssen. Dethematisierung ist ein Bestandteil von Geschichtspolitik.
 
Dies ist nicht das erste Mal, daß ich in Frankreich an Originalschauplätzen bedeutsamer historischer Ereignisse nichts antreffe. So mußte ich bei meinem Besuch der Stadt Vichy (286) am 01.08.2018 feststellen, daß es in der gesamten Stadt nichts gibt, das in irgend einer Form an den Zeitraum zwischen dem 22.06.1940 und dem 25.08.1944 erinnert, als die Stadt Vichy unter besonderen historischen Umständen die Hauptstadt Frankreichs gewesen ist. Statt dessen wird mit großem Aufwand hervorgehoben, daß Vichy die Sommerhauptstadt von Kaiser Napoleon III. gewesen ist, und seine Regierungszeit wird als Bestandteil der „Belle Époque“ (287) präsentiert. Louis-Napoléon Bonaparte (1808-1873) (288) hatte mit einem Staatsstreich am 02.12.1851 die Macht ergriffen, eine Diktatur errichtet und sich am 02.12.1852 zum Kaiser Napoleon III. ernannt. Er verfolgte politische Gegner und errichtete zu diesem Zweck ein System von Strafkolonien (289), darunter die Teufelsinsel (290). Die Umstände des Endes der Herrschaft von Napoleon III. stellt das Bourbaki-Panorama (291) in der Stadt Luzern dar, das ich am 15.11.2016 besucht habe. 
 
Die Konferenz von Évian wird auch von der Geschichtsforschung konsequent ignoriert, und selbst die 19. Auflage der 24-bändigen Brockhaus-Enzyklopädie erwähnt diese Konferenz nicht. Dieser Umstand verweist darauf, daß das durch die bestehende Gedenk- und Erinnerungskultur vermittelte Geschichtsbild unzulänglich und defizitär ist. Tatsächlich ist überall, und insbesondere in Europa die real-existierende Gedenk- und Erinnerungskultur geprägt von nationalstaatlicher Geschichtspolitik, und die konkurrierenden Geschichtskulturen der Nationalstaaten arbeiten sich antagonistisch aneinander ab (292). Der Historiker Lutz Raphael analysiert in seinem Buch „Imperiale Gewalt und mobilisierte Nation. Europa 1914-1945“ den historischen Kontext: „erst die Vertreibungen und Völkermorde des Zweiten Weltkrieges schufen jene Homogenisierungen, welche die europäischen Gesellschaften (…) zu sprachlich und kulturell homogenen Nationalgesellschaften machten. (…) Die europäischen Gesellschaften waren um 1900 sehr viel weniger homogen als in der Zeit nach 1945. Soziale Gruppen, Netzwerke und Milieus waren noch nicht zu jenem ‚Container‘ einer nationalen Gesellschaft verklammert, den Umfragedaten und Sozialstatistiken seit 1945 als quasi ‚natürliches‘ Objekt von Sozialpolitik und Sozialgeschichte präsentieren“ (293). 
 
Eine um gesellschaftliche Aufklärung bemühte historische Forschung und Geschichtswissenschaft müßte anders aussehen. Es stellt sich die Frage nach der Wissenschaftlichkeit von Geschichte und historischer Forschung als einer Wissenschaft und wie sich diese begründen läßt. Nach Auffassung des Historikers Jürgen Kocka in seinem Text: „Geschichte als Aufklärung?“ zeichnet sich „der wissenschaftliche Umgang mit Geschichte (…) gegenüber anderen Umgängen mit Geschichte (etwa in Form von Mythen, Legenden, fiktionaler Literatur, Denkmälern, Mahnmalen, historisierenden Festen usw.) dadurch aus, daß er selbst ein Produkt der Aufklärung ist. (…) Die der Geschichte als Wissenschaft eigene Rationalität ist im Prinzip geeignet, (wenn auch nicht immer mächtig genug), der Instrumentalisierung der Geschichte zu anti-aufklärerischen Zwecken enge Grenzen zu ziehen. Am sogenannten ‚Historikerstreit‘ läßt sich das zeigen“ (294). Um in diesem Sinne einen Beitrag zu gesellschaftlicher Aufklärung zu leisten, müssen Historiker ihr Selbstverständnis als Wissenschaftler und die gesellschaftliche Relevanz von Geschichtswissenschaft überprüfen. Nach Auffassung des Historikers Theodor Schieder in seinem Text: „Geschichtsinteresse und Geschichtsbewußtsein heute“ macht sich „der Wissenschaftscharakter der Geschichte“ dadurch geltend, daß sie „das Ganze ihres Gegenstandes zu erfassen strebt, Erinnerungen nur dann als möglich ansieht, wenn der geschichtliche Gang der Menschheit in seiner Gesamtheit offen dargelegt werden kann“, und es besteht die „Aufgabe, das Erinnerungsvermögen des Menschen auf die Herkunft und die Entwicklung seiner Art auszudehnen. (…) Eine vergleichbare Aufgabe kann heute wohl die historische Begründung einer menschheitlichen Weltgeschichte darstellen, die den gewiß schwierigen Versuch unternimmt, für die Völker der Welt mit ihren weit auseinanderliegenden Traditionen einen gemeinsamen Rahmen geschichtlichen Selbstverständnisses zu schaffen“ (295). Meines Erachtens läßt sich eine wissenschaftlich fundierte Geschichtswissenschaft nur im Rahmen von Global- und Weltgeschichte betreiben, wie dies schon im Zeitalter der Aufklärung der Fall gewesen ist, und zudem im Rahmen einer Menschheitsgeschichte (296), die Bestandteil der Geschichte des Lebens auf diesem Planeten ist (297). 
 
 

8.  Užupis und die Relevanz von Alternativkultur in Europa

 
Die Unterkunft, in der Uli und ich während unseres Aufenthaltes in der Stadt Vilnius logierten, liegt im Stadtteil Užupis (298). Der Stadtteil Užupis befindet sich im Osten des historischen Stadtzentrums von Vinius, und er wird an drei Seiten vom kleinen Fluß Vilnia umflossen, der ein kurzes Stück weiter nördlich in den Fluß Neris einmündet. Im Sommer 2017 war ich während meiner Fahrradreise durch das nördliche Europa erstmals hier gewesen. Der Stadtteil Užupis gilt als ein Zentrum von Alternativkultur, und man hat hier sogar eine eigene Republik, die „Užupio Res Publica“ gegründet, ein „Freistaat“ mit eigener Verfassung, Parlament, Regierungssitz und Universität. Im Rahmen unserer Stadtexkursionen möchten wir diese „Užupio Res Publica“ näher kennenlernen. Das Zentrum des Stadtteils Užupis wird von einem Platz gebildet, auf dem eine Säule mit einem Trompetenengel steht. Diese gilt als das Wahrzeichen der „Užupio Res Publica“. In der benachbarten Straße Panpio ist die Verfassung der „Užupio Res Publica“ mit 38 Artikeln in insgesamt 45 Sprachen auf 45 spiegelnden Tafeln an einer straßenbegleitenden Mauer angebracht. Diese Verfassung kann dem Genre des Dadaismus (299) zugeordnet werden. Es stellt sich die Frage, welche dieser 38 Artikel den Verfassungskern mit unaufhebbaren Grundrechten bilden, der eine „Ewigkeitsgarantie“ hat. In der „Freistadt Christiania“ bei Kopenhagen unterhält die Republik Užupis eine Botschaft, wie ich bei meinem Besuch der „Freistadt Christiania“ am 13.09.2020 im Rahmen einer Fahrradreise feststellen konnte.
 
Mehrere Brücken über den kleinen Fluß Vilnia verbinden den Stadtteil Užupis mit der Stadt Vilnius. Dort gibt es Grenzpfosten und einen Grenzübergang mit einer Grenzkontrollstation. Auch hier sind die Brückengeländer der Brücken über den kleinen Fluß Vilnia mit zahlreichen Vorhängeschlössern behangen, wie man es allerorts an sehr vielen Brückengeländern antreffen kann. Die vielen Vorhängeschlösser, die man allerorts an Brückengeländern oft in großer Zahl findet, sodaß man um die Statik der jeweiligen Brücke besorgt sein muß, sind zweifellos ein Ausdruck und Indikator der sich permanent verkürzenden „Halbwertzeiten“ von Beziehungen, wobei die montierten Vorhängeschlösser mit dem Versprechen ewiger Haltbarkeit einen potentiellen Zerfall der Beziehung beschwörend aufzuhalten versuchen sollen. Diese Vorhängeschlösser vermitteln allerdings m.E. mehr den Charakter einer Zwangsveranstaltung. Zweifellos sind die sich permanent verkürzenden „Halbwertzeiten“ von Beziehungen ein Resultat einer sich permanent beschleunigenden Gesellschaft, und damit sind die allerorts anzutreffenden mit Vorhängeschlössern behangen Brückengeländer ein gesellschaftspolitisches Phänomen der fortgeschrittenen Industriegesellschaft und ein Indikator gesellschaftlichen Wandels. 
 
Am Beispiel des Stadtteils Užupis stellt sich die Frage, welchen Kriterien Alternativprojekte genügen müssen, um als Bestandteilen von Alternativkultur Legitimität und Geltung beanspruchen zu können. Die Brockhaus-Enzyklopädie definiert „Alternativkultur“ und „Alternativbewegung“ folgendermaßen: „Die Alternativbewegung, deren primäres Ziel die Durchsetzung der Ziele der Alternativkultur ist, aktualisiert sich in der Entwicklung von neuen Lebensformen und Wertorientierungen oder Wertgewichtungen. Grundanliegen ist, der ‚Kolonisierung der Lebenswelt‘ (Jürgen Habermas), d.h. dem weiteren Übergreifen der technisch-wissenschaftlichen Rationalität auf alle nur denkbaren Lebensbereiche, entgegenzuwirken. Zentrale Bedeutung wird den kleinen sozialen Einheiten beigemessen“ (300). Als Bestandteil der Alternativbewegung werden die neuen sozialen Bewegungen (301) angesehen. Die Begriffe Alternativbewegung und Alternativkultur sind jedoch weiter, so umfassen sie z.B. auch die Lebensreformbewegung (302), die im Zeitraum um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert bestand, wobei eins der bekanntesten Projekte im Rahmen der Lebensreformbewegung das Projekt „Monte Verità“ (303) bei Ascona im Tessin gewesen ist. Bestandteile von Alternativkultur und Alternativbewegung sind Alternativprojekte. Alternativprojekte stellen eine Form von versuchter Utopie neuer Gesellschaftlichkeit dar, und ihre gesellschaftliche Relevanz bemißt sich in der kreativen Fähigkeit der Projekte, transformativ in die Gesellschaft zu wirken, sodaß wir von ihnen lernen können (304). 
 
Da Alternativprojekte vom Mainstream abweichen, werden sie kontrovers diskutiert, und die Meinungen zu Alternativprojekten und zu Alternativkultur gehen weit auseinander. Eine Studie zur Alternativkultur aus dem Jahre 1980 der Autoren Christian Krause, Detlef Lehnert, Klaus-Jürgen Scherer mit dem Titel: „Zwischen Revolution und Resignation? Alternativkultur, politische Grundströmungen und Hochschulaktivitäten der Studentenschaft. Eine empirische Untersuchung über die politischen Einstellungen von Studenten“ stellt fest: „Je nach dem Standpunkt des Betrachters werden höchst gegensätzliche Urteile über entstehende Ansätze alternativer Lebenspraxis und Politikformen geäußert; sie reichen von der feindseligen Behauptung, dort bilde sich ein umfangreiches Potential militanter Systemgegner heraus, bis hin zu der euphorischen These, es handle sich um Keimformen eines historisch richtungsweisenden Zivilisationsentwurfes einer humanen und solidarischen Gesellschaft“ (305). Die Autoren dieser Studie zur Alternativkultur aus dem Jahre 1980 führen weiter auf: „Eine wichtige Tendenz bei den aktiven Gruppen einer neuen Studentengeneration ist deren Integration in außeruniversitäre politische Initiativen“, (…) doch „finden die von den Werten und der Realität unserer Gesellschaft enttäuschten Studenten keinen Rückhalt in den dominierenden Denktraditionen an unseren Hochschulen und versuchen sich so eigene Räume zu schaffen, in denen sie mit neuen Lebensformen experimentieren können. Häufigste Reaktion der Öffentlichkeit und der staatlichen Institutionen darauf war ein von Verständnislosigkeit geprägtes Abwehren dieser Experimente und der Versuch, die Studenten in unserer Gesellschaft zu marginalisieren“ (306).
 
Um wider diese Verständnislosigkeit zu einem Verständnis beizutragen, stellt sich die Frage, was die gesellschaftliche Relevanz von Alternativprojekten als Bestandteil einer Alternativkultur begründet. Nach dem Konzept des „Demokratischen Experimentalismus“ des Philosophen und Pädagogen John Dewey (1859-1952) (307) hat die moderne Demokratie experimentellen Charakter. Demokratie ist keine Frage der Regierungsform, sondern als gelebte Demokratie eine selbstbestimmte Lebensform (308). Dieses Konzept des „Demokratischen Experimentalismus“ von John Dewey erklärt der Erziehungswissenschaftler und Soziologe Hauke Brunkhorst in seinem Buch: „Demokratischer Experimentalismus“: „Unter radikaler Demokratie verstand er kein bloß politisches Herrschaftsprinzip, sondern die Idee umfassender gesellschaftlicher Selbstorganisation – Demokratie nicht nur ‚for‘, sondern ‚by the people‘. (…) Sie erschöpft sich nicht in der Selbstorganisation freier und gleicher Bürger im politischen Diskurs, sondern zielt gleichermaßen auf die Selbstorganisation aller jeweils Betroffenen (…). Der normative Sinn Deweyscher radikaler Demokratie geht deshalb weit über die republikanische Kritik an der Herrschaft von Bürgern über Bürger hinaus und impliziert eine emanzipatorische Kritik aller Herrschaft von Menschen über Menschen“ (309). Das Modell einer gelebten Demokratie als Lebensform „sprengt das Paradigma des liberalen Konstitutionalismus. Sie betont mit der aktivbürgerlichen Komponente von Politik zugleich das Engagement der Einzelnen oder auch von Gruppen“, worauf der Rechtswissenschaftler Günter Frankenberg in seinem Buch: „Autoritarismus. Verfassungstheoretische Perspektiven“ hinweist (310).
 
Das Konzept des Demokratischen Experimentalismus ist eine Antwort auf das Paradox der Steuerung moderner, komplexer Gesellschaften, das in der Debatte um Unregierbarkeit zum Ausdruck gelangt. Regieren verkommt zur Krisenbewältigung, denn die Politik kann den Zusammenhang nicht herstellen, weil ihr die Expertise für die Steuerung und die Mittel für die Implementation ihrer Programme fehlen, sodaß die Gesellschaft ihre Kohärenz verliert. Diese Entwicklung findet in der Dewey-Lippmann-Debatte über die Stellung der öffentlichen Meinung im Zeitalter der Massenmedien und der Massengesellschaften ihren Ausdruck (311). In Reaktion auf die Krise des repräsentativen demokratischen Regierungssystems und die Enttäuschungen der Massendemokratie und der Massengesellschaften sieht Dewey in Abgrenzung zur demokratieskeptischen Elitentheorie (312) des Journalisten und Publizisten Walter Lippmann (1889-1974) (313) eine Alternative im behutsamen Experimentieren mit immer wieder neuen Modellen gesellschaftlicher Partizipation. Der Philosoph Matthias Kettner erklärt dazu in seinem Text „John Deweys demokratische Experimentiergesellschaft“: „Die demokratische Experimentiergemeinschaft experimentiert im allgemeinen Interesse mit dem Reichtum ihrer latenten und manifesten, unterschiedlichen und gegensätzlichen Perspektiven“ (314). Dies macht die gesellschaftliche Relevanz von Alternativprojekten als Bestandteil einer Alternativkultur aus. Zudem entwirft Dewey das Konzept eines zivilgesellschaftlichen Umbaus der Wissenschaft in Abgrenzung zur Sozialtechnologie, bei der die Verwendung wissenschaftlich erzeugten Wissens in einem zweckrationalen Kontext auf das soziale Leben erfolgt, sodaß weder die Ziele, noch die Mittel von denjenigen mitbestimmt werden, für die diese Verwendung wissenschaftlich erzeugten Wissens beträchtliche Folgen birgt. Der Anwendungskontext von ziviler Forschung hingegen wird durch verständigungsorientiertes Handeln hergestellt, worauf der Philosoph Matthias Kettner hinweist: „Ihr Experimentalcharakter bezieht sich vielmehr auf die aktive, gesuchte und gewollte produktive Erweiterung der gemachten Erfahrung sowie auf einen gewaltlosen und undogmatischen Umgang mit Meinungsverschiedenheiten über die Dinge, die man untersucht“ (315).
 
Eine besondere Form von Alternativprojekten sind die Projektwerkstätten (316), die an der Technischen Universität Berlin seit 1985 bestehen, und die Projekttutorien, die aus dem UNiMUT-Studentenprotest des Wintersemesters 1988/89 (317) hervorgegangen sind. Das Motto dieses UNiMUT-Studentenprotest war: „Wir machen unsere Uni selbst“, und es entstanden rd. 400 selbstorganisierte Arbeitsgruppen zu den unterschiedlichsten Themen, aus denen die Projekttutorien hervorgingen. Die Projekttutorien bestanden an der Freien Universität Berlin bis zum Jahre 2002, und sie bestehen noch heute an der Humboldt Universität Berlin. Projektwerkstätten und Projekttutorien beruhen u.a. auf dem vom Zukunftsforscher Robert Jungk (1913-1994) (318) entwickelten Konzept der Zukunftswerkstatt (319). Robert Jungk stellt fest: „Unsere Gesellschaft bräuchte immer mehr Generalisten, die den Überblick über das Ganze erhalten, von allem etwas wissen und das zusammenführen können. (…) Es fehlen uns Institutionen, in denen interdisziplinär und antizipatorisch über den weiteren Gang der wissenschaftlichen und technischen Entwicklung nachgedacht wird“ und „die die verschiedenen Fachdisziplinen zusammenführen und die wechselseitigen Wirkungen und Folgen der Forschungsgebiete untersuchen“. Nach Auffassung von Robert Jungk muß die Öffentlichkeit an der wissenschaftlichen und technischen Entwicklung teilhaben, und dafür muß die Wissenschaftssprache so verfaßt sein, daß die Menschen verstehen, worum es geht. Robert Jungk ist davon überzeugt, daß Mut zum Vorauswurf erforderlich ist, denn „wenn man sich das Andere, das Neue und Bessere nicht vorstellen kann, dann hat es überhaupt keine Chance, je durchgesetzt zu werden“ und daher „muß der Versuch, zu anderen Modellen zu gelangen, gewagt werden.“ Wir brauchen einen neuen Entwurf einer sanften oder alternativen Technik, und um solche neuen Entwürfe zu denken, „bedarf es nicht nur der angesprochenen interdisziplinären Kenntnisse, sondern in erster Linie konkreter Phantasie und Gestaltungskraft“ (320). Zu diesem Zweck hat Robert Jungk das Konzept der Zukunftswerkstätten entwickelt. Alternativen müssen also kreativ vorausgedacht, modellhaft entwickelt und im Rahmen von Alternativprojekten experimentell erprobt werden, um einerseits auswertbare Erfahrungen und Erkenntnisse gewinnen zu können, und damit andererseits diese modellhaft entwickelten Alternativen in der Gesellschaft als potentielle Alternativen sichtbar und wahrnehmbar in Erscheinung treten können, sodaß sie das Wahrnehmen und Denken der Menschen affizieren können, um so einen Beitrag zum öffentlichen Diskurs über mögliche und wünschenswerte zukünftige Entwicklungspfade leisten zu können. Über die Projektwerkstätten und Projekttutorien erfährt die Alternativkultur und die Alternativbewegung eine Einbindung in einen alternativen Wissenschaftsbereich, und dieser wirkt auf die Alternativkultur und Alternativprojekte zurück.
 
Auf dieser Grundlage kann ein Vergleich verschiedener Alternativprojekte und Zentren von Alternativkultur erfolgen. Hierbei stellt sich die Frage nach dem Zustand der Alternativkultur in ihren diversen Erscheinungsformen und Projekten, deren Aufgabe es sein sollte, jenseits des etablierten Mainstreams undogmatische, ergebnisoffene Möglichkeitsräume für experimentelles Erfahrungslernen zu bieten, auf deren Grundlage gesellschaftliche Lernprozesse und Entwicklungen erfolgen können, die für die gesellschaftliche Zukunftsfähigkeit relevant und erforderlich sein können. Der Bereich der Alternativkultur ist in der Tat sehr vielfältig und weit, und man trifft auf zahlreiche originelle Konzepte, doch es gibt auch andere, deren Sinnhaftigkeit man aus verschiedenen Gründen anzweifeln kann. Eine wissenschaftliche Beschäftigung mit diesem Bereich, um dieses Erfahrungswissen nutzbar zu machen, um daraus lernen zu können, ist ein unterentwickeltes Gebiet. Gibt es die Gelegenheit, Alternativprojekte kennenzulernen, nutze ich diese. Vier Beispiele verschiedener Alternativprojekte und Zentren von Alternativkultur führe ich nachfolgend auf:
 
a) Das Projekt „Monte Verità“ (321) auf dem gleichnamigen Berg „Monte Verità“ (322 m) bei Ascona im Tessin gilt als ein Klassiker eines Alternativprojekts, das im Rahmen der Lebensreformbewegung (322) entstanden war, doch verblieben und erhalten ist dort heute nichts mehr, wie ich im Rahmen einer Fahrradreise durch Teile der Alpenregion feststellen mußte. Die Lebensreformbewegung um die Jahrhundertwende 1900 war keinesfalls eine „Fin de Siècle“-Zeitgeistströmung (323), sondern eine Alternativbewegung, die alternative Lebensformen zur Industriegesellschaft experimentell erprobt hat, und eins der bedeutendsten Projekte der Lebensreformbewegung war „Monte Verità“ im Tessin in der Nähe der Stadt Ascona. Ein bedeutender Bestandteil der Lebensreformbewegung war die Naturheilbewegung, sodaß auch am „Monte Verità“ Naturheilkunde einen thematischen Schwerpunkt bildete. Zu naturheilkundlichen Heilmitteln gehören die Sonne, das Licht, die Luft, die Bewegung, die Ruhe, die Nahrung, das Wasser, und das gesamte Projekt „Monte Verità“ war in allen seinen Bestandteilen auf diese Aspekte ausgerichtet. Auf einer Fahrradreise im Jahre 2016, die durch Teile der Alpen-Region führte, wollte ich feststellen, was dort heute an das Projekt „Monte Verità“ noch erinnert. Entgegen dem durch die Tourismusindustrie verbreiteten Mythos vom „Sonnigen Tessin“ ist dieses jedoch tatsächlich eine der regenreichsten Regionen Europas (Jahresgesamtniederschlag Locarno: 1900 mm), und so erreichte ich am 25. November 2016 den Monte Verità (322m) während meiner Fahrradreise durch tagelangen Dauerregen. Doch zu meiner Enttäuschung erinnert auf dem Hügel nichts mehr an das einstige Alternativprojekt im Rahmen der Lebensreformbewegung, und ich traf dort nur auf eine Einrichtung der Universität Zürich. Mittlerweile ist dort im Jahre 2017 ein Museum zum Thema „Monte Verità“ eröffnet worden, das Museo Casa Anatta (324). 
 
b) Der Stadtteil Užupis stellt in Vilnius eine bedeutende Touristenattraktion dar, und er präsentiert sich dem Besucher mit Gastronomie und Kleingewerbe. Die Randbereiche des Stadtteils Užupis erwecken den Eindruck eines Versuchs, ländliche Idylle und Beschaulichkeit in die Großstadt zu verpflanzen, doch welche alternativen Konzepte, Inhalte und Impulse von diesem Projekt ausgehen sollen, wurde mir bei meinem Besuch nicht deutlich. 
 
c) Das Projekt „Freistadt Christiania“ (325) bei Kopenhagen, das ich im Sommer 2020 besuchte, befindet sich auf einem ca. 34 Hektar großen Gelände im Stadtteil Christianshavn von Kopenhagen. Es ist umgeben von Hafenanlagen sowie von frühneuzeitlichen Befestigungsanlagen, die im Jahre 1617 von König Christian IV (1588-1648) angelegt wurden und deren Bastionen zu großen Teilen erhalten sind. Auf dem brachliegenden Gelände entstand im Jahre 1971 das heutige Projekt „Freistadt Christiania“, dessen Entwicklung und Besonderheiten im Rahmen geführter Touren kennengelernt werden kann. An einer solchen Tour habe ich teilgenommen. Zu der Tour hatte sich eine kleine Gruppe Interessierter aus unterschiedlichen Ländern eingefunden, und die Tour wurde von einem langjährigen Gründungsmitglied des Projekts, daß heute ca. 1000 Teilnehmer umfaßt, durch den zentralen Südwestteil des Projektgeländes durchgeführt, und auf der ca. 1:30 Stunden Tour bleiben keine Fragen unbeantwortet. Im Anschluß an diese geführte Tour setzte ich meine Exkursion in die bewaldeten Außenbereiche des Projektgeländes fort, das sich auf zwei Reihen der historischen Bastionen nach Norden erstreckt. Dort kann man zu noch weiteren und anderen Eindrücken vom vielfältigen Projekt Christiania gelangen, als es der alleinige Besuch des Zentralbereichs im Südwesten vermittelt. Obwohl diese bewaldeten Außenbereiche des Projektgeländes bezüglich ihrer räumlichen Lage noch Teil des Stadtzentrums von Kopenhagen sind, präsentiert sich dieser Teil des Projektgeländes als eine Oase sich ungestört entfaltender Stadtwildnis, als eine Oase der Ruhe innerhalb der sie umgebenden lärmenden Hektik des pausenlosen Herumhastens der permanent mobilisierten und beschleunigten fortgeschrittenen Industriegesellschaft. 
 
Auch heute noch sind die meisten Stadtzentren vom städtebaulichen Planungsleitbild der „autogerechten Stadt“ geprägt, das die permanente Mobilisierung, Mobilmachung und Beschleunigung aller Bereiche der Gesellschaft zum Ziel hat, die hierbei als eine große, zweckrational zu optimierende Maschine verstanden wird, einem Anspruch, dem auch die Stadt-, Verkehrs- und Bauplanung zu genügen hat. In geradezu idealtypischer Weise sind derartige Konzepte theoretisch ausgearbeitet und praktisch umgesetzt worden von Vertretern der „Charta von Athen“ (326), insbesondere von Le Corbusier und Oscar Niemeyer. Individuelle Lebensäußerungen, die nicht den funktionalen Vorgaben dieser am Modell einer Maschine orientierten Planungskonzepte entsprechen, müssen als zu behebende Störgröße und als zu sanktionierende Ordnungswidrigkeit erscheinen. 
 
Dieser nördliche Teil des Projektgeländes ist zugleich eine Freiluftausstellung für originelles, einfaches und naturnahes Bauen überwiegend mithilfe wiederverwendbarer gebrauchter Baumaterialien, mit dem Ergebnis einer Architektur, die sich harmonisch in die bestehende Landschaft und Natur einfügt, ohne diese nennenswert zu verändern oder diese gar beseitigt, um sie durch künstliche, technische, zweckrational optimierte, sterile Planungs- und Baulandschaften zu ersetzen. An einem dieser Gebäude verweist ein Schild darauf, daß sich hier eine „Embassy of the Republic of Užupis“ befindet. Das Projekt „Freistadt Christiania“ bietet offensichtlich weit mehr beachtenswerte Aspekte und Konzepte, als die reduzierte Berichterstattung in den Mainstream-Medien suggeriert, wo das Projekt meist nur auf Konflikte und Drogenprobleme verkürzt dargestellt wird. Doch das ist nicht nur hier der Fall, sodaß es offensichtlich eine allgemeine Strategie und entsprechende Konzepte gibt, alles vom Mainstream Abweichende zu diskreditieren und zu kriminalisieren, damit die Alternativlosigkeit des Bestehenden nicht in Frage gestellt werden kann. 
 
d) In Berlin galt der Bezirk Kreuzberg (327) als ein Zentrum der Alternativkultur, doch davon ist heute nahezu nichts mehr übrig geblieben. Die Entwicklungen in Folge des „Mauerfalls“ 1989 haben dazu beigetragen, denn der vor 1989 in einer Nische der Berliner Mauer gelegene Bezirk Kreuzberg gelangte damit in kürzester Zeit von Rand ins Zentrum der Metropole Berlin, und heute wälzen sich permanent gewaltige Verkehrsströme durch Kreuzberg. Der Niedergang der Alternativkultur und der Alternativbewegung wurden durch die technokratische Bolognareform erheblich beschleunigt. Geblieben ist heute in Kreuzberg nicht mehr als ein Mythos, der sich bis in die Gegenwart hält, und der im Rahmen des Berlin-Tourismus vermarktet wird. Nach dem Niedergang der Alternativkultur, der selbstorganisierten Projekte und der Basisinitiativen als Bestandteilen des Konzepts eines „Demokratischen Experimentalismus“ sind in Berlin diverse Subkulturen übrig geblieben, die sich gegeneinander abgrenzen und die miteinander um Raum und Ressourcen konkurrieren. Diese Subkulturen pflegen einen oft destruktiven Aktionismus, der weitgehend ohne Analyse auskommt, ihre Akteure sind bildungsfeindlich, sie neigen zu wahllosen und beliebigen „Feinderklärungen“, und m.E. wird die Agenda dieser diversen und nicht überblickbaren Subkulturen von im Verborgenen wirkenden Akteuren, darunter in- und ausländischen Geheimdiensten, produziert und gesteuert, was jedoch von den Aktivisten dieser Subkulturen nicht reflektiert wird. Der Niedergang von Alternativkultur und die Zunahme von Subkultur bedingen sich wechselseitig. Im Gegensatz zu Alternativkultur hat Subkultur keinen gesellschaftsgestaltenden Anspruch, was nicht ohne Folgen bleibt: Nach dem Niedergang der Alternativbewegung wird die öffentliche Meinung jetzt weitestgehend nur noch „Top Down“ von oben durch großangelegte Kampagnen bestimmt, im Rahmen derer Lobbyisten die Bereiche der Massenmedien, der Politik, des Wissenschaftsbetriebs und der großen NGO für ihre Ziele gleichschalten. Bestandteil dieser Entwicklungen ist eine zunehmende Politikverdrossenheit (328). 
 
Eine Unterscheidung und Abgrenzung von Alternativkultur und Subkultur ist somit erforderlich. Alternativkultur ist in Berlin mittlerweile nahezu vollständig verschwunden und stattdessen gibt es dort heute Subkulturen. Erscheinungen und Entwicklungen, die regelmäßig im Zusammenhang mit Protestbewegungen, Alternativkultur und Alternativprojekten für negative Schlagzeilen sorgen, wie Gewalt, Krawalle, Ausschreitungen, Drogen u.a.m. werden gezielt gefördert, um diese zu diskreditieren, damit diese keinen erfolgreichen Beitrag dazu leisten können, die herrschende Ideologie der Alternativlosigkeit des Bestehenden in Frage zu stellen. Der Begriff „Subkultur“ (329) ist in den Gesellschaftswissenschaften nicht einheitlich definiert. Zum Einen wird er synonym mit „Alternativkultur“ gebraucht, oder er wird zum Anderen verwendet für die sozio-kulturellen Teilbereiche, über die sich die Pluralität einer Gesellschaft ausdrückt. Nach us-amerikanischem Begriffsgebrauch hingegen ist „Subkultur“ durch schichten- und altersspezifische Kriminalität und abweichendes Verhalten geprägt, und „Subkultur“ wird somit Gegenstand der Kriminalsoziologie und polizeilicher Maßnahmen vorbeugender und präventiver Verbrechensbekämpfung und Strategien gesellschaftlicher „Normalisierung“. 
 
Globalhistorisch betrachtet wurden Alternativkultur und Alternativbewegung durch die Systemkonfrontation, den Ost-West-Gegensatz und die globale Bipolarität des Staatensystems im Zeitraum von der Nachkriegszeit bis zu den Ereignissen 1989/90 begünstigt, aufgrund der tatsächlichen Alternativlosigkeit der beiden Systemalternativen der industriellen Moderne, und entgegen deren Propaganda, in der sich wechselseitig beide unisono als die einzigen möglichen Alternativen darstellten. Dies bringt die These der alternativlosen Konvergenz der westlichen und der östlichen, „realsozialistischen“ Variante der industriellen Moderne zum Ausdruck. Diese These besagt, daß beide Varianten der industriellen Moderne alternativlos bestrebt waren, die technisch-wissenschaftliche Rationalität auf alle nur denkbaren Lebensbereiche auszuweiten, um die Industrialisierung der Gesellschaft voranzutreiben. Seit 1989/90 ist ein Niedergang von Alternativkultur und Alternativbewegung feststellbar, und die Gesellschaft differenziert sich seither zunehmend durch eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensstile, zu denen auch die verschiedenen Lebensstile der diversen Subkulturen zählen. Diese diversen Lebensstile sind Bestandteil der sich weltweit ausweitenden Konsumkultur als der hegemonialen globalen Lebensweise in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft. Der Konsum von Konsumprodukten wird werbewirksam als „Lifestyle“ vermarktet, und um an den propagierten „Lifestylen“ partizipieren zu können, ist der Erwerb darauf abgestimmter Konsumprodukte erforderlich. 
 
 

9.  Geopolitik und die alternativlose Affirmation des Bestehenden 

 
In der Europäischen Union wurde der Niedergang der Alternativkultur und der Alternativbewegung durch die technokratische Bolognareform (330) erheblich beschleunigt. Auch wurde im Zuge der Umsetzung der technokratischen Bologna-Reform in der Europäischen Union an der Freien Universität Berlin das Projekttutorienprogramm eingestellt. Die technokratische Bologna-Reform wurde in der gesamten Europäischen Union in kurzer Zeit durchgesetzt, ohne daß es irgendwelche Proteste (331) gegeben hat. Damit die technokratische Bologna-Reform verständlich wird, muß sie im Rahmen gegenwärtiger geopolitischer Entwicklungen analysiert werden: In den Medien wird heute das Thema Europa auf „EU“ und „Euro“ reduziert, und es gerät aus dem Blick, daß Europa, wie der Soziologe Ulrich Beck und der Politologe Edgar Grande in ihrem Buch: „Das kosmopolitische Europa“ hervorheben, ein „hochkomplexes und äußerst differenziertes, politisch bewegtes und bewegliches politisches Projekt“ ist, das sich aus einer Vielzahl unterschiedlicher miteinander in Wechselwirkung stehenden politischen Prozessen, Ebenen und Akteuren zusammensetzt, die in ihrer interdependenten Gesamtheit das europäische Projekt ausmachen (332). Dies läuft auf eine Förderung einer Multiebenendiversität des Politischen im Rahmen eines Mehrebenensystems einer dezentrierten Weltgesellschaft hinaus. Es entsteht somit in Europa ein völlig neues Modell von Politik, das sich von historisch überholten Politikformen verabschiedet, deren Scheitern in Anbetracht des extremen 20. Jahrhunderts unübersehbar geworden ist. 
 
In der Europäischen Union hingegen ist heute seit der technokratischen Bologna-Reform der gesamte Bildungs- und Wissenschaftsbereich ein gleichgeschaltetes (333) Anhängsel des Wirtschaftsprozesses im europäischen Großwirtschaftsraum, der von der Europäischen Union verwaltet wird. Diese technokratische Bologna-Reform ist mit Abstand das herausragendste Beispiel der Regulierungs- und Gleichschaltungswut, von der die Technokraten (334) der Europäischen Union angetrieben werden (335). So hat sich die EU zu einem technokratischen Imperium (336) entwickelt, in dem es an innovativen und zukunftsweisenden Konzepten sowie an Partizipation und Demokratie mangelt. Der Politologe Dirk Jörke zeigt in seinem Buch: „Die Größe der Demokratie. Über die räumliche Dimension von Herrschaft und Partizipation“ auf, daß „ab einer bestimmten Größe der Bevölkerung oder des Staatsgebietes sich die Qualität der Demokratie verschlechtert und in sehr großen Herrschaftsverbänden nur in einem schwachen Sinne von der Existenz demokratischer Institutionen und Praktiken ausgegangen werden kann“ (337). Je mehr sich die Europäische Union als ein technokratisches Imperium erweitert, umso mehr nehmen Partizipation und Demokratie ab und umso mehr wird der Mangel an innovativen und zukunftsweisenden Konzepten größer. Doch innovative und zukunftsweisende Konzepte sowie Partizipation und Demokratie sind heute in EUropa kein relevantes Thema mehr, denn die EU will sich heute als handlungs-, leistungs- und interventionsfähiger sowie durchsetzungsstarker globaler Akteur im Rahmen der erwarteten zukünftigen geopolitischen (338) Krisen und Konflikte im Weltsystem präsentieren, um erfolgreich mit anderen Welt- und Supermächten geopolitisch konkurrieren zu können, und diese neuen Krisen und Konflikte im Weltsystem haben schon begonnen, wie wir in mehrfacher Weise feststellen müssen. 
 
Nach dem Ende des Zeitalters der Bipolarität und der Blockkonfrontation 1989/90 erfolgt eine Neuaufteilung globaler Interessen- und Einflußzonen. Es ist eine neue Zuspitzung von globalen Gegensätzen zwischen Großmächten (339), Weltmächten (340) und Supermächten (341), zwischen imperialen Machtblöcken feststellbar, vergleichbar mit dem Zeitalter des Imperialismus (342), das in zwei Weltkriegen gipfelte, und es findet gerade ein geopolitischer „Wettlauf“ (scramble) (343) um eine Neuverteilung raumrelevanter Interessen- und Einflußzonen zur zukünftigen Absicherung von Herrschaftsansprüchen statt. Im diesem neuen Zeitalter imperialer Geopolitik und Machtpolitik ist wissenschaftlich-technischer Fortschritt, die auf Hochtouren laufenden und effizienzmaximierte Industriegesellschaft, permanentes Wirtschaftswachstum und eine pausenlose Mobilisierung und Mobilmachung der Bevölkerung alternativlos, denn nur diese sind die Grundlage für erfolgreiche geoimperiale Machtpolitik, wie das Zeitalter des Imperialismus zeigt, das in zwei Weltkriegen kulminierte. Erfolgreiche geoimperiale Machtpolitik kann nur betrieben werden, wenn Alternativen erfolgreich unterdrückt werden, und der geoimperiale Akteur, der erfolgreicher und effizienter Alternativen unterdrückt, ist im Rahmen der geoimperialen Konkurrenz im Vorteil. Alternativen sind erst wieder möglich, wenn ein vollständiger Bruch mit dem extremen 20. Jahrhundert und eine vollständige Revision der dieses extreme 20. Jahrhundert ermöglichenden Ideen und Konzepte erfolgt ist und auch tatsächlich grundsätzlich anders und auf anderen Grundlagen Politik gemacht wird. 
 
Aufgrund des Fortbestandes wesentlicher, für das extreme 20. Jahrhundert typischer Merkmale (344) hält das extreme 20. Jahrhundert jedoch bis heute weiter an, und es erfährt seine technologische Modernisierung. Es mangelt an zukunftsweisenden Alternativen, und ein Wechsel der Agenda (345) steht noch aus, sodaß der Friedens- und Konfliktforscher Johan Galtung (346) in seinem Text: „Geopolitik nach dem Kalten Krieg: ein Essay zur Agendatheorie“ zu der Schlußfolgerung gelangt, „daß die politische Klasse dieser Erde ein momentanes geopolitisches Agendavakuum mit unvollendeten Agenden der Vergangenheit füllt (…). Die politische Klasse hat nicht umgedacht, und das liegt nur teilweise daran, daß sie keine Zeit für kreative Aktivitäten hatte“ (347). Noch erfolgte kein vollständiger historischer Bruch mit dem extremen 20. Jahrhundert und es erfolgte keine vollständige Revision der dieses extreme 20. Jahrhundert ermöglichenden Ideen und Konzepte, da wesentliche, das extreme 20. Jahrhundert prägende und konstituierende Merkmale fortbestehen, sodaß sich das extreme 20. Jahrhundert heute digitaltechnisch modernisiert ins 21. Jahrhundert verlängert und die abschließende Historisierung des extremen 20. Jahrhunderts durch den Historiker Eric Hobsbawm (1917–2012) als „Das Zeitalter der Extreme“ (348) zu früh erfolgt ist. Wie die auch nach der vermeintlichen Epochenwende 1989/90 fortbestehenden Krisen, Konflikte und Kriege zeigen, setzt sich das extreme 20. Jahrhundert als „Zeitalter der Extreme“ vielmehr im 21. Jahrhundert weiter fort, da wesentliche das extreme 20. Jahrhundert prägende Merkmale weiter fortbestehen, diese sich einem historischen Bruch verweigern und ihre Kontinuität ins 21. Jahrhundert verlängern. Nach dem Zeitalter der Bipolarität und der Blockkonfrontation bestand zu Beginn der 90er Jahre tatsächlich die Hoffnung, daß ein neues globales Zeitalter des Friedens, der Kooperation und der Entwicklung anbrechen würde, was sich jedoch als Illusion erwies, wie wir heute feststellen müssen. Warum dieses nicht gelang, werden zukünftige Historiker ergründen, erforschen und analysieren müssen. 
 
Die Verlängerung der Vergangenheit bedeutet sowohl ein Ende der Zukunft, als auch potentiell ein Ende der Menschheitsgeschichte. In seinem Buch: „Der unterlegene Mensch“ zeigt der Physiker und Philosoph Armin Grunwald auf: „Wir verspielen das Neue, das Kreative, das Unerwartete – all das, was Zukunft eben sein kann jenseits der bloßen Verlängerung der Vergangenheit. (…) Zukunft als ein Raum unbekannter und vor allem neuer Möglichkeiten hingegen kann nicht datenbasiert erzeugt werden, sondern durch Visionen und Ideen, durch Pläne und Utopien, durch Kreativität und Phantasie und durch Vorstellungen, wie eine bessere Gesellschaft aussehen könnte. Diese Art von Überlegungen ist (…), wie die Philosophen sagen, kontrafaktisch, das Gegenteil von Fakten und Daten (…) im Sinne des Gedankens, dass die Welt nicht so sein muß, wie sie jetzt ist, sondern wir bewußt an Veränderungen arbeiten können“ (349). Grunwald hebt hervor: „Entgegen der Rhetorik des Optimierens kommt es darauf an, den Blick dahingehend offenzuhalten, dass es meist auch anders ginge und dass es Alternativen gäbe. Souveränität und Mündigkeit bedeuten, das Denken in Alternativen zu pflegen, sich um die jeweils angemessene Lösung zu streiten und sich zu guter Letzt zu entscheiden“ (350). Mit der Frage nach zukunftsfähigen Alternativen befinden wir uns im Zentrum von Zukunftsforschung (351). Doch der Bereich der Zukunftsforschung oder Futurologie wird heute von den Protagonisten und Apologeten eines Posthumanismus (352) und Transhumanismus (353) und einer Technologischen Singularität (354) dominiert, die sowohl eine Alternativlosigkeit des von ihnen definierten wissenschaftlich-technischen Fortschritts (355), als auch eine Alternativlosigkeit des gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Zustands propagieren, sodaß es an zukunftsweisenden Alternativen mangelt, das extreme 20. Jahrhundert digitaltechnisch modernisiert weiter anhält und ein Wechsel der Agenda weiterhin aussteht (356). In seinem Text: „Der Neue Mensch – ein (technik)utopisches Upgrade“ analysiert der Mediensoziologe Sascha Dickel diese Entwicklungen „in einer Epoche des ‚rasenden Stillstands‘, in der die Gesellschaft eher Sachzwängen hinterher eilt, als sich kollektiv zu gestalten“: „Die transhumanistischen Utopien werden in einer Gesellschaft artikuliert, die in sachlicher Hinsicht so komplex geworden ist, dass die Idee einer Transformation der Sozialordnung hin zu einem gesellschaftlichen Alternativmodell kaum mehr plausibel erscheint. In einer vernetzten, globalisierten Welt, die kein Außen mehr kennt, scheint selbst die Realisierung lokal begrenzter Gegenmodelle fraglich“ (357). 
 
Nach dem extremen 20. Jahrhundert müßte grundsätzlich anders Politik gemacht werden, und alle bisherige Politik und deren Grundlagen müssen einer Revision unterworfen werden. Insbesondere muß jegliche Geopolitik und Machtpolitik ein Ende finden, und die derzeit entstehende Weltgesellschaft muß so strukturiert und organisiert sein, daß jegliche Geopolitik und Machtpolitik strukturell dauerhaft unmöglich ist. Im weltweiten Vergleich läßt sich feststellen, daß meist in kleinen Ländern beachtenswerte Alternativen entwickelt werden, die aber kaum wahrgenommen und beachtet werden, wohingegen die großen Länder, die überwiegend Machtpolitik und Geopolitik betreiben, im Zentrum der öffentlichen Medien-Aufmerksamkeit stehen, was ein Beispiel für das Wirken von "Soft Power" (358) ist.
 
 

10.  Minsk, eine Heldenstadt des real-existierenden Sozialismus

 
Der Fernbusbahnhof der Stadt Vilnius liegt neben dem Hauptbahnhof. Hier verkehren in großer Zahl Reisebusse zu den unterschiedlichsten Zielen im In- und Ausland, darunter auch 35 tägliche Busverbindungen nach Minsk in Belarus. Diese Fahrstrecke wird überwiegend, aber nicht ausschließlich von „Eurolines“ befahren. „Eurolines“ unterhält im Busbahnhof von Vilnius ein Ticketbüro, wo Uli und ich schon am Vortag Bustickets für unsere Weiterreise nach Minsk gekauft haben Dafür ist die Vorlage des Reisepasses erforderlich, denn die Tickets werden auf den Namen der Reisenden ausgestellt.
 
Am Donnerstag dem 14.11.2024 setzen Uli und ich per Reisebus unsere Reise von Vilnius zur Metropole Minsk in Belarus fort. Die Gesamtdistanz der Fahrtstrecke von Vilnius nach Minsk beträgt ca. 180 Kilometer. Nach kurzer Fahrtzeit erreicht der Reisebus die Grenze zwischen Litauen und Belarus. Diese Grenze ist zugleich Teil der östlichen Außengrenze der EU. Die Grenzstation von Litauen passiert der Reisebus ohne jegliche Kontrollen. An der Grenzstation von Belarus gibt es insgesamt zwei Paßkontrollen, wobei die zweite zugleich eine Zollkontrolle beinhaltet, und die Passierenden erhalten einen Einreisestempel in den Reisepaß. Auch werden biometrische Daten erfaßt. Einen weiteren längeren Aufenthalt gibt es, bis der Reisebus den Grenzraum verlassen und die Fahrt fortsetzen kann. Insgesamt hat das Passieren der Grenze ca. 3:30 Stunden gedauert.
 
Die Weiterfahrt verläuft durch eine Agrarlandschaft, in der sich Waldgebiete und Landnutzungsflächen abwechseln. Kurzzeitig gibt es leichten Schneefall. Schon bald setzt Abenddämmerung ein. Abrupt erheben sich die Hochbauten der Metropole Minsk (359), die mit heute rd. 2 Millionen Einwohnern die zehntgrößte Stadt in Europa ist, mit ausgeprägter Siedlungs- und Bebauungsgrenze aus dem umgebenden ländlichen Raum. Mit dem ländlichen Raum kontrastieren die gewaltigen Dimensionen und Proportionen der Metropole Minsk sowie der Monumentalismus der die gewaltigen Verkehrsachsen einrahmenden Hochbauten. In vielen sowjetischen Großstädten, besonders in Moskau (360), aber auch in Minsk wurden Monumentalgebäude errichtet. Der Baustiel der repräsentativen Bauten in der Sowjetunion in der Zeit des Machthabers Josef W. Stalin (1878–1953) (361) wird als „Sozialistischer Klassizismus“ (362) bezeichnet. Der „Sozialistischer Klassizismus“ ist Bestandteil des „Sozialistischen Realismus“ (363), der etwa ab Anfang der 1930er Jahre der offiziell propagierte Kunststil in der Sowjetunion war. Geprägt ist der Stil durch palastartige Gebäude, die zahlreiche Verzierungen an den Fassaden, Säulen, Säulenhallen und Turmaufbauten enthalten.
 
Minsk ist eine der Städte, deren historisches Stadtbild (364) nach immensen Kriegszerstörungen im Zweiten Weltkrieg nicht rekonstruiert wurde, sondern als Planstadt (365) nach dem Konzept der „sozialistischen Stadt“ (366) völlig neu gestaltet worden ist. Auch das Konzept der „sozialistischen Stadt“ hat die „Charta von Athen“ (367) zur Grundlage, deren Bestandteil das Planungsleitbild der „autogerechten Stadt“ (368) ist. Der Bereich der Stadtplanung ist somit ein Beispiel für die These der alternativlosen Konvergenz der westlichen und der östlichen, „realsozialistischen“ Variante der industriellen Moderne (369). Die These besagt, daß beide Varianten der industriellen Moderne alternativlos bestrebt waren, die technisch-wissenschaftliche Rationalität auf alle nur denkbaren Lebensbereiche auszuweiten, um die Industrialisierung der Gesellschaft voranzutreiben. Die Kritik von Stadtplanung und den dieser zugrundeliegenden Konzepte und Planungsleitbilder ist Bestandteil von Architekturkritik (370). Gegenstand von Architekturkritik ist insbesondere Herrschaftsarchitektur (371).
 
Der Fernbusbahnhof der Metropole Minsk liegt neben dem Hauptbahnhof im Süden des Stadtzentrums. Die bedeutendste Straße im Stadtzentrum ist der Unabhängigkeitsprospekt (Praspekt Niezalieznasci) (372), und dieser erstreckt sich vom Hauptbahnhof Richtung Nordosten durch das gesamte Stadtzentrum. Diese Verkehrsachse hieß in den 50er Jahren Stalin-Prospekt, von 1961 bis 1991 hieß sie Lenin-Prospekt, und im Jahre 2005 erhielt sie den heutigen Namen Unabhängigkeitsprospekt. Viele bedeutende Gebäude und Einrichtungen befinden sich an dieser Straße und in ihrer Umgebung, sodaß Uli und ich bei unseren Stadtexkursionen wiederholt den Unabhängigkeitsprospekt passieren. Dabei gelangt man zum weitläufigen Unabhängigkeitsplatz (373), um den sich Verwaltungs- und Regierungsgebäude gruppieren, und ein kurzes Stück weiter befindet sich das Hauptpostamt. Neben dem ehemaligen Gebäude des KGB gibt es eine zentrale Buchhandlung, wo man Stadtpläne von Minsk kaufen kann (Vulitca Niezalieznasci 19). In der Nachbarstraße Vulitca Marksa 12 besuchen wir das Nationale Historische Museum. Die Ausstellung des Museums hat die Vorgeschichte und Geschichte auf dem Territorium des heutigen Belarus zum Gegenstand. Im Keller des Gebäudes gibt es zudem ein kleines Museum für Natur und Ökologie, dessen Besuch im Eintrittspreis eingeschlossen ist. Auf dem Oktoberplatz (374), dem früheren Neuen Markt, befindet sich der Palast der Republik und ein Kulturpalast der Gewerkschaften. Folgt man dem Unabhängigkeitsprospekt weiter, gelangt man vorbei am Belarussischen Staatszirkus und über den Fluß Swislatsch zum Siegesplatz.
 
Nordwestlich des Oktoberplatzes liegt am Ufer des Flusses Swislatsch das historische Stadtzentrum von Minsk. Die Anfänge der Stadt lassen sich auf das 9. Jahrhundert zurückführen, und die erste bekannte urkundliche Erwähnung von Minsk stammt aus dem Jahre 1067. Im Jahre 1242 war die Stadt Minsk freiwillig dem Großfürstentum Litauen beigetreten. Aufgrund der immensen Kriegszerstörungen im Zweiten Weltkrieg und des nachfolgenden Umbaus von Minsk zur Planstadt der „real-sozialistischen“ Moderne nach dem Konzept der „Sozialistischen Stadt“, war jedoch vom historischen Gebäudebestand der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadt Minsk kaum mehr etwas erhalten. Doch am Rathausplatz, der heute „Platz der Freiheit“ heißt, sind die wenigen verbliebenen Gebäude in den wenigen zurückliegenden Jahrzehnten instand gesetzt worden. Hier gibt es einige Touristen, die man ansonsten in Minsk nicht antrifft. Ebenfalls gibt es hier eine Touristeninformation.
 
Auch das Rathaus aus dem Jahre 1598 ist im Jahre 2003 wieder aufgebaut worden (375). Infotafeln verweisen auch in englischer Sprache darauf, daß die Stadt Minsk im Jahre 1499 das Magdeburger Stadtrecht (376) erhalten hat. Im Mittelalter gewährten Stadtrechte (377) den Städten Selbstverwaltung und Autonomie, und im Rahmen der mittelalterlichen Stadtgründungsphase (378) weitete sich das Modell der Freien Stadt (379) über weite Teile Europas aus, insbesondere des mittleren Europas. Die Stadtrechte einzelner Städte, wie z.B. Magdeburg, Lübeck (Lübisches Recht) (380), Köln (381), Nürnberg (382) bildeten Stadtrechtsmodelle, die von zahlreichen weiteren Städten, auch in der östlichen Hälfte Europas übernommen wurden. Als Institution der Selbstverwaltung wurde in den Städten ein Rathaus (383) gebaut. Im Jahre 1795 wurde der Stadt Minsk das Stadtrecht entzogen, als die Stadt Minsk nach der Auflösung des Polnisch-Litauischen Staates im Jahre 1795 (384) nun vom Kaiserreich Rußland (385) verwaltet wurde, und im Jahre 1851 ließ Kaiser Nikolaus I. (386) das Rathaus der Stadt Minsk als Symbol der Selbstverwaltung zerstören. Heute erinnert auf dem Rathausplatz ein Denkmal mit einer Marktszene an die durch das Magdeburger Recht im Jahre 1499 erlangte Selbstverwaltung der Stadt Minsk. Der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit ist vom Niedergang der freien und selbstverwalteten Städte geprägt und vom Aufstieg des zentralistischen absolutistischen Staates, und bis heute haben die Städte ihre frühere Unabhängigkeit und Selbstverwaltung nicht wieder erlangt.
 
Das historische Stadtzentrum von Minsk setzt sich nördlich vom Rathausplatz auf der linken Uferseite des Flusses Swislatsch mit der sogenannten „Dreifaltigkeitsvorstadt“ fort, die im 12. Jahrhundert entstanden ist und die auf dem „Dreifaltigkeitshügel“ liegt. Der Name stammt von einer Dreifaltigkeitskirche, die der Großfürst von Litauen Jogaila (1362-1434) (387), der ab dem 14.03.1384 als Władysław II. Jagiełło zudem König von Polen war, hier einst gestiftet hat. Beim Wiederaufbau der Stadt Minsk nach dem Zweiten Weltkrieg wurde hier ein großer Teil der noch vorhandenen historischen Bausubstenz zerstört und durch moderne Hochbauten ersetzt. In den 80er Jahren wurde dieser Vorort wieder aufgebaut, wofür teilweise Bauten aus dem 17. Und 18. Jahrhundert abgerissen wurden. Was man heute in der „Dreifaltigkeitsvorstadt“ sieht, ist eine Nachbildung historischer Gebäude. Vor der „Dreifaltigkeitsvorstadt“ wurde auf der „Träneninsel“ im Fluß Swislatsch im Jahre 1996 eine Gedenkstätte eingerichtet, die an die Kriegstoten im Afghanistan-Krieg von 1979 bis 1989 (388) erinnert.
 
Schon Mitte 1979, sechs Monate vor der Invasion der Sowjetunion in Afghanistan (389) am 25.12.1979, begann die CIA-Operation "Cyclone" (390) mit dem Ziel der Destabilisierung der Sowjetunion durch die Verbreitung des militanten Islams in Zentral-Asien (391) und der Ausbildung von Guerilla-Kämpfern. Nach Aussage des Politikwissenschaftlers Zbigniew Brzeziński hatte diese Geheimoperation „den Zweck, die Russen in die afghanische Falle (392) zu locken“ um „der UDSSR ihren Vietnamkrieg zu bescheren“, worauf der Historiker Alfred W. McCoy hinweist (393). Der Afghanistan-Krieg in den 1980ern wird als Beginn der heutigen transnationalen Dschihadisten-Bewegungen (394) angesehen, in denen viele der ehemaligen Afghanistan-Kämpfer Schlüsselstellungen einnahmen. Dieser Konflikt markierte für die arabische Welt den Übergang vom  Arabischen Nationalismus (395) zum Islamismus (396). Die ausländischen Freiwilligen kehrten radikalisiert in ihre Heimatländer zurück, um den „nahen Feind“, die säkularen Regime z.B. in Ägypten und Algerien (397) zu stürzen oder schlossen sich Guerillakämpfen z.B. in Bosnien (398) oder  Tschetschenien (399) an.

Folgt man dem Unabhängigkeitsprospekt über den Fluß Swislatsch nach Nordosten Richtung Siegesplatz, gelangt man zu einem in der Nähe des Fußufers am Rande eines Parks gelegenen kleinen Museum, das sich dort in einem kleinen traditionellen, regionaltypischen Holzhaus befindet (Vulitca Niezalieznasci 31a). Es ist das „Museum der Ersten Tagung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands“. Die Ausstellung dieses Museums ist offensichtlich erst kürzlich neu bearbeitet und neu gestaltet worden, und sämtliche Informationen werden jetzt dreisprachig angeboten (Belarussisch, Russisch, Englisch). Nach Angaben meines Reiseführers soll dies vor wenigen Jahren noch nicht der Fall gewesen sein, als die Ausstellung nur in russischer Sprache konzipiert war. Gegenstand der Ausstellung ist die Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands (400), die hier in diesem Haus in Minsk auf deren ersten Tagung vom 01. bis zum 03.03.1898 erfolgte, sowie die damaligen historischen Umstände. Dargestellt wird die damalige Stadt Minsk zum Zeitpunkt der Parteigründung. Kurzbiografien beteiligter Personen werden präsentiert, und es wird die gesellschaftliche und politische Situation im damaligen Kaiserreich Rußland dargestellt. Die diesem historischen Ereignis der Parteigründung nachfolgenden und weiteren Entwicklungen, wie z.B. die Februarrevolution (401) und die Oktoberrevolution (402) des Jahres 1917 sind nicht Gegenstand der Ausstellung. So erfahren wir auch nichts zur Finanzierung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands und deren Nachfolgeorganisationen sowie zur Finanzierung der Oktoberrevolution 1917, ohne die die historischen Ereignisse nicht hätten erfolgen können (403). Die Oktoberrevolution hatte mehr den Charakter eines aus dem Ausland finanzierten Putsches oder Staatsstreiches, und erst nachträglich wurde der Mythos einer Revolution geschaffen.

Auf dem Unabhängigkeitsprospekt erreicht man nordöstlich des Flusses Swislatsch den Siegesplatz (404). Dieser Platz ist ein Relikt aus der Zeit der Sowjetunion, und er hat den Sieg der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg, dem sogenannten „Großen Vaterländischen Krieg“ (405) zum Gegenstand. In dieser Hinsicht hat die Stadt Minsk und ganz Belarus den Charakter eines großen Freilichtmuseums, da anders als in anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion und des ehemaligen Warschauer Paktes eine große Anzahl an Gebäuden und Monumenten aus der Ära der Sowjetunion auch heute noch erhalten ist. Dazu zählt auch der Siegesplatz. In dessen Zentrum steht ein 40 Meter hoher Obelisk aus Granit aus dem Jahre 1954. Unter diesem Monument befindet sich in einem Tiefgeschoß eine Ring-Galerie mit einer „Ewigen Flamme“ in deren Zentrum sowie einem Memorial mit 566 „Helden der Sowjetunion“ (406). Der Siegesplatz bildet mit den umgebenden Gebäuden und den umgebenden Parkanlagen einen monumentalen baulichen Komplex. Auf den den Platz umgebenden Gebäuden befindet sich die Aufschrift: „Die Heldentat des Volkes ist unsterblich“. Obwohl in der Stadt Minsk und in Belarus eine große Anzahl an Gebäuden und Monumenten aus der Ära der Sowjetunion wie z.B. der Siegesplatz auch heute noch erhalten sind, unterscheidet sich hingegen das Leben der Menschen in Minsk und Belarus nicht wesentlich von den Nachbarländern, wie z.B. den Baltischen Ländern. Diesen Eindruck hatte ich auch schon zuvor bei meiner Reise durch den Nordwesten von Rußland im Jahre 2017 gehabt.

Das Thema Sieg im Zweiten Weltkrieg des Siegesplatzes ist in Minsk noch ein weiteres Mal präsent, denn es ist Gegenstand des „Belarussischen staatlichen Museums des Großen Vaterländischen Krieges“ (407). Dieses Museum befindet sich ca. 2,5 Kilometer nordwestlich des Oktoberplatzes, und man erreicht es von dort entlang der Vulitca Lenina und des Pieramožcou Prospekts. Das auf einem Hügel liegende Museumsgebäude bildet mit der umgebenden Stadtlandschaft eine monumentale Einheit, und diese kann als ein Beispiel für Herrschaftsarchitektur angesehen werden. Vom Museumshügel bietet sich ein Panoramablick über die umgebende Stadtlandschaft. Auf einem großen Gebäude steht dort in großer Schrift: „Minsk – Heldenstadt“. In der Ära des Stalinismus (408) wurde der Titel „Heldenstadt“ (409) in der Sowjetunion im Jahre 1945 vier Städten verliehen (Leningrad, Odessa, Sewastopol, Stalingrad) „für das massenhafte Heldentum ihrer Verteidiger im Großen Vaterländischen Krieg“. Die Ära des Stalinismus endete mit dem Tod von Josef W. Stalin (410) am 5. März 1953 und der Wahl von Nikita S. Chruschtschow (411) am 7. September 1953 zum neuen Ersten Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU. Chruschtschow leitete eine Entstalinisierung (412) ein. Nach der Absetzung von Nikita S. Chruschtschow am 14.10.1064 hat man im Zeitraum von 1965 bis 1985 erneut begonnen, weitere, insgesamt neun Städte zu „Heldenstädten“ zu ernennen, so auch die Stadt Minsk am 26.06.1974. Dies kann als Folge und Ausdruck des Endes der Entstalinisierung in der Sowjetunion und als Erscheinungsform einer Restalinisierung bzw. eines Neostalinismus (413) angesehen werden. Die Ära des Neostalinismus endet in der Sowjetunion mit der Reformpolitik von Michail S. Gorbatschow. Überraschend ist, daß das aktuelle „Belarussische staatliche Museum des Großen Vaterländischen Krieges“ nicht ein Relikt aus der Epoche des Neostalinismus ist, wie etwa das Stalinmuseum (414) in der Stadt Gori in Georgien, das ich am 03.06.2012 besucht hatte, sondern daß es in seiner heutigen Gestalt erst vor zehn Jahren dort errichtet worden ist.

Das „Belarussische staatliche Museum des Großen Vaterländischen Krieges“ hat die militärischen Kriegsereignisse im Zweiten Weltkrieg mit Schwerpunkt der Ereignisse in Belarus zum Gegenstand. Diese militärischen Kriegsereignisse im Zweiten Weltkrieg werden monoperspektivisch aus der Perspektive der Sowjetunion (UDSSR) als der siegreichen Macht im Großen Vaterländischen Krieg dargestellt. Es gibt größere Ausstellungshallen, in denen Kriegsgerät ausgestellt ist, sowie mehrere Ausstellungsräume, die sich am chronologischen Ablauf der Ereignisse orientieren. Diese Ausstellungen sind sehr materialreich, insbesondere werden zahlreiche Fotografien gezeigt, und es werden zahlreiche Zahlen und Fakten aufgeführt. Die Informationen zu den Exponaten und weitere Informationen zu den jeweiligen Ereignissen werden dreisprachig (Belarussisch, Russisch, Englisch) präsentiert. Auf die Umstände des Beginns des Zweiten Weltkriegs wird zu Beginn der Ausstellung nur kurz eingegangen. Erwähnt werden dabei u.a. die Folgen des Versailler Vertrags (415), die Etablierung autoritärer und faschistischer Regime in der Zwischenkriegszeit, der Anti-Komintern-Pakt 1936 (416), die Appeasement-Politik (417), des Weiteren die Mandschurei-Krise ab 1931 (418), der Abessinien-Krieg 1935-36 (419), der Spanische Bürgerkrieg 1936-39 (420) und der Sowjetisch-Japanische Grenzkrieg 1938/39 (421). Der Beginn des Zweiten Weltkriegs wird auch hier wie in den meisten Museen zum Thema Zweiter Weltkrieg am 01.09.1039 verortet. Es stellt sich die Frage, wo man mit welcher Begründung den Beginn und das Ende des Zweiten Weltkrieges als einer historischen Epoche verortet. Wie jede Kategorienbildung in der Wissenschaft, muß auch die Kategorienbildung in der Geschichtswissenschaft, d.h. die Abgrenzung von historischen Zeitaltern und Epochen, nach signifikanten, nachvollziehbaren und gut begründeten Kriterien erfolgen. Für die damaligen Zeitgenossen begann am 01.09.1939 lediglich ein Krieg zwischen Deutschland und Polen (422), keinesfalls aber ein Weltkrieg (423). In Europa neigen wir dazu, beim Thema Zweiter Weltkrieg lediglich den europäischen Kriegsschauplatz zu betrachten, sodaß der Zweite Weltkrieg mehr als ein europäischer Krieg und weniger als ein Weltkrieg erscheint. Doch im historischen Gesamtgeschehen des Zweiten Weltkriegs haben die beiden Kriegsschauplätze Europa und Ostasien annähernd eine gleiche Bedeutung und Relevanz (424). So gelingt z.B. dem Museum „Mémorial de la Bataille de Normandie“ (425) in der Stadt Caen eine historisch und geografisch erweiterte Perspektive zum Thema Zweiter Weltkrieg, indem man dort den Zweiten Weltkrieg am Kriegsschauplatz in Ostasien beginnen läßt mit dem Beginn des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges am 07.07.1939 (426).

Es stellt sich die Frage, wo man den Beginn und das Ende des Zweiten Weltkrieges als einer historischen Epoche eines Weltkrieges verortet in Abgrenzung zum Ereignis (427) des Kriegsgeschehens. In der Geschichtswissenschaft erfolgt eine Kategorienbildung insbesondere in Form der Bestimmung und Abgrenzung von historischen Zeitaltern, Epochen und Ären und deren Gliederung im Rahmen einer Periodisierung, und das muß nach signifikanten, nachvollziehbaren und überzeugend begründeten Kriterien erfolgen, wenn die Geschichtswissenschaft die Legitimität und Geltung als einer Wissenschaft haben will. Kategorien sind offene Begriffssysteme zur Strukturierung der erfahrbaren Welt. Eine jede Kategorienbildung ist eine notwendige Reduktion der in ihrer unendlichen Komplexität und Interdependenz für die Wahrnehmung über die menschlichen Sinne und den menschlichen Verstand nicht in Gänze erfaßbaren, letztlich unendlichen Wirklichkeit der Welt, um diese begreifen zu können. Begriffsbildung ist eine Form der Kategorienbildung. Kategorienbildung ist sowohl Bestandteil als auch Voraussetzung für Erkenntnis durch die menschliche Vernunft.

Bei einer Beantwortung der Frage, wo man den Beginn und das Ende des Zweiten Weltkrieges als einer historischen Epoche in Abgrenzung zum Ereignis des Kriegsgeschehens verortet, gehe ich von zwei Voraussetzungen aus, 1. einer zeitlichen Voraussetzung: Der Zweite Weltkrieg ist Bestandteil des Zeitalters des Imperialismus, das in zwei Weltkriegen kulminiert, und 2. einer räumlichen Voraussetzung: Der Zweite Weltkrieg besteht aus zwei Schauplätzen, Europa und Ost-Asien, die im Gesamtgeschehen annähernd die gleiche Bedeutung und Relevanz haben. Auf Grundlage dieser beiden Voraussetzungen lasse ich den Zweiten Weltkrieges als einer historischen Epoche in Ost-Asien beginnen mit der Mandschurei-Krise von 1931, und in Europa mit dem Abessinienkrieg 1935. Das Ende des Zweiten Weltkrieges als einer historischen Epoche beinhaltet die gesamte unmittelbare Nachkriegszeit bis etwa 1950, sodaß die historische Epoche des Zweiten Weltkrieges die geopolitische und ethnografische Neuordnung Europas in der Nachkriegszeit mit Ethnischen Säuberungen umfaßt, von denen in der Nachkriegszeit in Europa ca. 30 Millionen Personen betroffen waren, etwa doppelt so viele, wie bei den Ethnischen Säuberungen, die während des Zweiten Weltkrieges stattfanden. Zahlen zu den Zwangsumsiedlungen und Vertreibungen der Jahre 1939 bis 1943 im Vergleich zum Zeitraum der Jahre 1944 bis 1948 nennt der Historiker Karl Schlögel in seinem Text: „Bugwelle des Krieges“: So „wurden zwischen 1939 und 1943 rund 15,1 Millionen und zwischen 1944 und 1948 rund 31 Millionen Menschen zeitweise oder für immer zwangsweise umgesiedelt oder vertrieben. (…) Insgesamt sind in den ersten fünf Jahren des Zweiten Weltkriegs an die 16 Millionen Menschen ‚verschoben‘ worden, eine Zahl, die von den Umsiedlungen und Vertreibungen zwischen 1944 und 1948 noch weit übertroffen wurde.“ (428). Diese Ethnischen Säuberungen sind kein Thema des „Belarussischen staatlichen Museums des Großen Vaterländischen Krieges“.

In der Ausstellung des „Belarussischen staatlichen Museums des Großen Vaterländischen Krieges“ nur kurz erwähnt wird der Hitler-Stalin-Pakt 1939 (429). Die Existenz des Hitler-Stalin-Paktes und des geheimen Zusatzprotokolls ist von der Sowjetunion bis 1989/90 geleugnet worden und wurde erst Anfang der 90er Jahre offiziell zugegeben. Der größte Teil der Ausstellungen dient der Darstellung und Glorifizierung der heldenhaften Siege der Sowjetunion im „Großen Vaterländischen Krieg“. Zahlreiche „Helden der Sowjetunion“ werden in den Ausstellungen vorgestellt. Kriegsentscheidend waren jedoch nicht die heldenhaften Heldentaten dieser glorreichen „Helden der Sowjetunion“, sondern die umfangreichen Lieferungen von Rohstoffen, sowie zivilen und militärischen Industrieprodukten durch die westlichen Alliierten, insbesondere der USA an die Sowjetunion gewesen, ohne die die Sowjetunion den „Großen Vaterländischen Krieg“ als einem totalen industriellen Krieg militärisch nicht hätte gewinnen können (430). Im totalen industriellen Krieg siegen nicht glorreiche Helden und ihre heldenhaften Heldentaten, sondern es siegt alleine die überlegene industrielle Produktion und die überlegene Technik und ihr rücksichtsloser Gebrauch. Schon im Zuge der gewaltsam vorangetriebenen forcierten Industrialisierung (431) und Modernisierung hatte die Sowjetunion in der Zwischenkriegszeit mit dem Ziel, eine überlegene Weltmachtgeltung zu erlangen, ein gewaltiges militärisches Aufrüstungsprogramm betrieben, und sie hatte am Beginn des Zweiten Weltkriegs das damals weltgrößte Arsenal an industriellen militärischen Rüstungsgütern angehäuft (432). Insbesondere übertraf die Anzahl der Panzer der Sowjetunion die damalige Anzahl der Panzer sämtlicher anderer Staaten zusammen. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges war die Wehrmacht nur sehr unzureichend über diesen tatsächlichen Rüstungsstand der Sowjetunion informiert und sie hatte diesen erheblich unterschätzt. Im Rahmen der Frage, ob die Sowjetunion mit ihrem immensen angehäuften Rüstungsarsenal einen Angriffskrieg plante, wird die „Präventivkriegsthese“ (433) kontrovers diskutiert. Zum Thema der Angriffskriegsabsichten Stalins haben die Bücher von Viktor Suworow in Rußland einen Historikerstreit ausgelöst (434).

Kein Thema ist im „Belarussischen staatlichen Museums des Großen Vaterländischen Krieges“ hingegen die durch Stalin als militärischem Führer im deutsch-sowjetischen Krieg bewirkte Brutalisierung der Kriegsführung, die erheblich zu den extrem hohen Zahlen an Kriegstoten im östlichen Europa beigetragen hat. Da weder Hitler noch Stalin sich an das Kriegsvölkerrecht (435) gebunden fühlten, wurde der Konflikt zu einer historisch beispiellosen Gewaltorgie. Der von Stalin initiierte Terror führte zum Einsatz von Menschenwellen (436) gegen die angreifende Wehrmacht, die dadurch entstehenden exorbitant hohen Verluste der Roten Armee interessierten weder Stalin, noch die Generäle der Roten Armee (437). Institutionalisiert wurde dieses Vorgehen am 16. August 1941 durch Stalins berüchtigten Befehl Nr. 270 (“Feiglinge und Deserteure müssen vernichtet werden”) (438) und am 28. Juli 1942 durch den Befehl Nr. 227 (“Keinen Schritt zurück”) (439). Diesen Befehlen Stalins lag das Konzept „Mehr Angst von hinten als von vorn“ zugrunde. Hinter der Front erschossen Sperrabteilungen zurückweichende Soldaten.

Zweifellos wäre der Krieg gegen die Sowjetunion anders verlaufen, wenn er nicht als Eroberungskrieg, sondern von Beginn an als Krieg zur Befreiung der Menschen im östlichen Europa von der Herrschaft Stalins und mit deren Beteiligung geführt worden wäre, doch dies ließ die Weltanschauung Hitlers (440) nicht zu. Die noch kurz vor der Kriegsniederlage der Achsenmächte aufgestellte Russische Befreiungsarmee (441) konnte folglich nichts mehr erreichen.

Auf der Konferenz von Jalta (442) vom 04. bis 11.02.1945 wurde ein Abkommen mit der Sowjetunion unterzeichnet, das eine Repatriierung sowjetischer Displaced Persons (443) vorsah, die in der Obhut der Westalliierten waren. Dies betraf nicht nur die sowjetischen Zwangsarbeiter in Deutschland und kriegsgefangene Soldaten der Roten Armee, sondern auch ehemalige Soldaten der Roten Armee, die in deutschen Uniformen gefangen genommen worden waren, wie z.B. Angehörige der Russischen Befreiungsarmee. Folge war, daß in großem Umfang Personen im Zuge einer Zwangsrepatriierung (444) gegen ihren erklärten Willen in die Sowjetunion deportiert worden, wo sie oft erschossen oder zu langen Lagerhaftstrafen verurteilt wurden. Im Rahmen der Operation Keelhaul (445) wurden zwischen 1943 und 1947 rund zweieinhalb Millionen Personen, die aus dem Gebiet der Sowjetunion stammten, von den britischen und amerikanischen Streitkräften in die Sowjetunion zwangsrepatriiert. Derartige Zwangsrepatriierungen müssen als Kriegsverbrechen bewertet werden.

Eine Glorifizierung erfahren auch die sowjetischen Partisanen (446), die während des Zweiten Weltkrieges insbesondere in Belarus in großer Zahl aktiv waren. Auch diese Partisanen haben erheblich zur Brutalisierung der Kriegsführung und den extrem hohen Zahlen an Kriegstoten im östlichen Europa beigetragen. Zur Bekämpfung der Partisanenaktivitäten wandte das Besatzungsregime in exzessiver Form Repressalien (447) auch gegen unbeteiligte Zivilisten an. Vergleichbare Partisanen- und Widerstandsaktivitäten gab es in nahezu allen besetzten Ländern (448), und diese waren Bestandteil der Kriegsführung der Alliierten. Schon während des Ersten Weltkriegs und danach waren dem Besatzungsregime des Kaiserreiches Deutschland in Belgien Besatzungsverbrechen vorgeworfen worden, die auf Grundlage von Repressalien erfolgt waren. Repressalien waren ein Bestandteil des Kriegsvölkerrechtes (449). Im Rahmen von Repressalien sollte die Festnahme von Geiseln und die Androhung ihrer Tötung das Wohlverhalten der Bevölkerung insbesondere in besetzten Gebieten erzwingen. „Sühnegefangene“ dagegen wurden erst nach einer Widerstandshandlung der Bevölkerung festgenommen und getötet, um die Bevölkerung von weiteren Widerstandshandlungen abzuschrecken. Aufgrund dieser Vorwürfe und Erfahrungen während des Ersten Weltkrieges stellt sich die Frage, warum die Zwischenkriegszeit nicht dafür genutzt wurde, Repressalien im Kriegsvölkerrecht zu verbieten und abzuschaffen. Aufgrund der Erfahrungen im Ersten Weltkrieg wurden lediglich im Genfer Abkommen über die Behandlung der Kriegsgefangenen (450) von 1929 Repressalien gegen Kriegsgefangene ausdrücklich verboten. Es ist naheliegend, daß das generelle Verbot von Repressalien in der Zwischenkriegszeit nicht erfolgte, weil die Kolonialmächte (451) dieses Instrument zur Repression der von ihnen beherrschten Kolonialbevölkerungen weiterhin nutzen wollten. Im Zweiten Weltkrieg wurden Repressalien insbesondere vom NS-Besatzungsregime exzessiv angewandt. Dies stützt die These des Politikers Jawaharlal Nehru (1889-1964) (452), die besagt, daß der Nationalsozialismus die Anwendung des Kolonialismus und kolonialer Unterdrückungsmethoden auf Europa selbst ist.

Doch schon mit dem Ersten Weltkrieg hatte die Anwendung kolonialer Unterdrückungsmethoden in Europa selber begonnen, und Europäer wurden Gegenstand kolonialer Unterdrückungsmethoden, was erheblich dazu beitrug, daß der Erste Weltkrieg zur „Urkatastrophe“ des extremen 20. Jahrhunderts werden konnte. „Der Erste Weltkrieg war ein wichtiges Laboratorium für das, was kommen sollte“, erklärt der Historiker Karl Schlögel in seinem Text:“ Bugwelle des Krieges“: „Hier wurden die Methoden und Praktiken des totalen Krieges erstmals in großem Stil erprobt. (…) Hier wurden Praktiken vervollkommnet, die man zuvor schon an der Peripherie des Imperialismus, in den Kolonien, erprobt hatte – vom Konzentrationslager über Grenzziehung mit dem Rasiermesser bis zur lässigen Routine der Massenexekution; der Rassismus wanderte, wie Hannah Arendt gezeigt hatte, von der Peripherie ins Mutterland zurück“ (453). Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf Initiative des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) (454) in Folge der Erfahrungen mit den verheerenden Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf die Zivilbevölkerung im Genfer Abkommen IV „über den Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten“ (455) von 1949 Geiselnahme generell untersagt. 
 
Die Partisanen werden als Bestandteil des Widerstandes gegen die NS-Herrschaft angesehen. Hierbei stellt sich die Frage, wo die Grenze zwischen „Widerstand“ sowie Terrorismus und Kriminalität zu verorten ist. Zweifellos ist diese Grenze überschritten, wenn das Leben von Soldaten gefährdet wird, die als Wehrpflichtige unter Todesandrohung gezwungen werden, als Soldaten in einen verbrecherischen Krieg zu ziehen, und die Hitler zudem seit 1934 nötigte, nicht mehr wie zuvor einen Eid auf die Verfassung, sondern auf seine Person und deren bedingungslose Gefolgschaft zu leisten. Insbesondere um diese fatale Eidbindung auf die Person Hitlers aufzuheben und Widerstand zu ermöglichen, gab es ca. 50 Attentatsversuche auf Hitler (456), darunter das Attentat bei Rastenburg im Rahmen des versuchten Staatsstreiches am 20. Juli 1944 (Unternehmen Walküre) (457). Daher wäre der Umsturzversuch am 20.07.1944 insbesondere aus diesem Grund erfolgreich gewesen, wenn das Attentat in Rastenburg gelungen wäre. 
 
Tatsächlich wäre ein gelungener 20. Juli 1944 (Unternehmen Walküre) der denkbar erfolgreichste Widerstand gewesen, denn der Zweite Weltkrieg wäre sofort beendet worden und es hätte keine weiteren Kriegstoten und Zerstörungen mehr gegeben. Unter dem Aspekt der Schadensbegrenzung des durch den Zweiten Weltkrieg bislang eingetretenen Gesamtschadens waren die Beteiligten am 20. Juli 1944 die einzigen der insgesamt am Zweiten Weltkrieg beteiligten Akteure, die eine sofortige Kriegsbeendigung und sofortige Schadensbegrenzung und Schadensbeendigung zum Ziel hatten, während sämtliche anderen Akteure den Zweiten Weltkrieg weiter führen und weiter radikalisieren wollten. Ein sehr erheblicher Teil der Kriegstoten und der Kriegszerstörungen entstand erst in der radikalisierten Endphase des Zweiten Weltkriegs nach dem 20. Juli 1944. Kriegsziel der Alliierten war nicht das Ende der NS-Herrschaft, sondern die bedingungslose Kapitulation Deutschlands, worauf sich diese auf der Konferenz von Casablanca (14.-28.01.1943) (458) geeinigt hatten. Jede Verhandlung, auch mit einer „Nach-Hitler-Regierung“ wurde ausgeschlossen. Erst diese Forderung der bedingungslosen Kapitulation (459) schweißte die Bevölkerung und das NS-Regime zu der Schicksalsgemeinschaft zusammen, die das NS-Regime als „Volksgemeinschaft“ gefordert hatte, und was die Planung und Durchführung eines Staatsstreiches zum Sturz der NS-Herrschaft erheblich erschwerte. 
 
Die Frage, wie die weitere Geschichte bei einem erfolgreichen 20. Juli 1944 und insbesondere bei der beabsichtigten Umsetzung des sogenannten „Herman-Planes“ (460) verlaufen wäre, ist eine Frage „Kontrafaktischer Geschichte“ (461). Die Frage nach in der Geschichte angelegten alternativen Entwicklungspfaden und deren Herauspräparation, sowie eine Analyse, aus welchen Umständen und Gründen mögliche, im historischen Prozeß angelegte historische Entwicklungspfade zum Zuge gelangten und andere nicht, wird als „Kontrafaktische Geschichte“ denunziert und vom Mainstream als angeblich „unwissenschaftlich“ abgelehnt, da es nicht dem herrschenden geschichtsdeterministischen (462) Dogma entspricht, das den gegenwärtigen Zustand als das quasi alternativlose naturgesetzliche Ergebnis geschichtlicher Entwicklung auffaßt, so, wie bei Isaak Newton (1642-1727) der Apfel immer nur nach unten vom Baum fällt. Andere Möglichkeiten sind ausgeschlossen und undenkbar. Geschichte dient dem Zweck der alternativlosen Affirmation des jeweiligen, letztlich beliebigen Bestehenden. Die Gegenwart wird als alternativloses, determiniertes Ergebnis des historischen Prozesses dargestellt und vermittelt, dessen zwangsläufiges, unausweichbares und alternativloses Ergebnis der jeweilige gegenwärtige Zustand ist. 
 
Bezüglich der Partisanenaktivitäten ist im „Belarussischen staatlichen Museum des Großen Vaterländischen Krieges“ nicht zu erkennen, ob in Belarus jemals eine Debatte über Sinnhaftigkeit, Angemessenheit und Methoden von „Widerstand“ stattgefunden hat. In anderen europäischen Ländern, darunter Frankreich und Polen, ist der Befund ähnlich. Im Gegensatz dazu hat es in Deutschland eine intensive und gehaltvolle Debatte zu diesem Themenkomplex gegeben. Jeglicher Widerstand begründet sich auf dem Widerstandsrecht (463). Hierbei hat der Jurist Fritz Bauer eine abschließende und möglicherweise zeitlos endgültige Definition des Begriffes „Widerstand“ formuliert: „Widerstand meint Verwirklichung eigener oder fremder Menschenrechte. Widerstand ist ein Spezialfall der Notwehr oder - wenn Widerstand zugunsten Dritter ausgeübt wird – der Nothilfe. Er setzt einen Angriff oder Eingriff in Grundrechte oder ihre Vorenthaltung voraus“ (464). 
 

 

11.  Hrodna/Grodno und die Auflösung des Staates Polen-Litauen

 
Von Minsk aus reisten Uli und ich am 20.11.2024 per Reisebus zur Stadt Hrodna/Grodno weiter. Die Distanz zwischen Minsk und Hrodna/Grodno beträgt ca. 280 km, und die Busfahrt erfolgte zügig auf der autobahnähnlich ausgebauten Straße M6. Die Stadt Hrodna/Grodno (465) hat heute ca. 330.000 Einwohner, sie liegt am Fluß Nioman/Memel (466) und im Dreiländereck von Belarus, Litauen und Polen, nur 20 bis 30 Kilometer entfernt von den EU-Außengrenzen. Hrodna/Grodno gilt als eine der historisch bedeutsamsten und gemessen an den erhaltenen Baudenkmälern und der historischen Altstadt als eine der interessantesten und schönsten Städte in Belarus, weswegen Uli und ich diese Stadt in unser Reiseprogramm aufgenommen hatten.
 
Die Stadt Hrodna/Grodno wurde im Jahre 1128 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, und sie war im Mittelalter ein bedeutendes Kultur- und Handelszentrum. Ab dem 13. Jahrhundert gehörte die Stadt zum Großfürstentum Litauen. 1376 machte der Großfürst von Litauen, Vytautas (Vitaŭt) (1354-1430) (467) die Stadt zu seiner Residenz. Ende des 14. Jahrhunderts baute Vitautas am Ufer des Flusses Nioman/Memel ein gotisches oberes Schloß, die Fürstenresidenz, die wir heute als Altes Schloß (468) kennen. Die baulichen Anfänge des Alten Schlosses stammen aus dem 11. Jahrhundert. Im Jahre 1386 wurde das Großfürstentum Litauen und das Königreich Polen (469) in einer Personalunion (470) zusammengeführt, der Union von Krevo (471), und es entstand der Staat Polen-Litauen (472), der als eine Adelsrepublik (473) bezeichnet wird. In diese Union von Krevo brachte das Großfürstentum Litauen ca. zwei Drittel des Territoriums ein, und diese Union von Litauen und Polen war damals der flächengrößte Staat in Europa. Später konnte das Zarentum Rußland (474) zum flächengrößten Staat in Europa expandieren, da es als östlichster Anrainer in Europa das mit dem Ende der mongolischen Herrschaft (475) entstandene Machtvakuum im nördlichen Eurasien ausfüllen konnte. Die Gesellschaft des Staates Polen-Litauen war eine Ständegesellschaft (476), eine hierarchisch geordnete Gesellschaft mit voneinander abgegrenzten sozialen Gruppierungen – den Ständen. Zudem war diese Gesellschaft eine Feudalgesellschaft (477), wobei das Land Eigentum der Grundherrn (478), den Adeligen war, und die Bauern befanden sich im Zustand der Hörigkeit (479), sie waren also persönlich abhängig vom Grundherrn und unfreie Leibeigene (480).

Im Jahre 1569 wurde diese Personalunion in eine Realunion (481), die Union von Lublin (482) umgewandelt, die „Rzeczpospolita“ (483) genannt wurde. Diese Realunion war eine Wahlmonarchie (484) mit gemeinsamem Monarchen und gemeinsamem Parlament, dem Sejm (485), sowie mit gemeinsamer Währung, die den Charakter einer parlamentarischen Monarchie (486) hatte. Zum Kompetenzbereich des Sejms gehörte u. a. die Wahl des Königs und die Steuerpolitik. In seiner heutigen Form ist das Alte Schloß in den Jahren 1580 bis 1588 von Stephan Báthory (1533-1586) (487), Fürst von Siebenbürgen und ab 1576 König von Polen und Großfürst von Litauen, auf den Ruinen des alten Vitautas-Schlosses errichtet worden.

Eine Stadtexkursion in Hrodna/Grodno beginnt man am besten im Südwesten des historischen Stadtzentrums beim Alten Schloß und beim Neuen Schloß, die nebeneinander am Ufer des Flusses Nioman/Memel liegen und nur durch eine Brücke voneinander getrennt sind. Das Gelände fällt dort zum Fluß Nioman/Memel hin steil ab, und es bietet sich ein Panoramablick über die Flußlandschaft. Das Alte Schloß ist offensichtlich erst kürzlich umfangreich baulich instandgesetzt worden. Da unser zeitlich begrenzter Reiseplan einen Aufenthalt von nur einem ganzen Tag in Hrodna/Grodno vorsah, besuchten Uli und ich aus Zeitgründen nicht das Historisch-Archäologische Museum (488) im Alten Schloß.

Das Neue Schloss (489), das sich in direkter Nachbarschaft zum Alten Schloß befindet, wurde in den Jahren 1734 bis 1751 durch August III. (1696-1763) (490), Herzog von Sachsen und ab 1734 König von Polen und Großfürst von Litauen errichtet. Es ist der Königspalast, in dem jeder dritte Sejm der Adelsrepublik Polen-Litauen stattfand. Stanislav II. August Poniatowski (1732-1798) (491), der am 07.09.1764 gewählte König von Polen und Großfürst von Litauen, unterzeichnete hier die dritte Teilung des Polnisch-Litauischen Staates, der damit aufgelöst wurde, und dankte hier am 25. November 1795 ab. Stanislav II. August Poniatowski war der letzte König von Polen und der letzte Großfürst von Litauen. Verschiedene innenpolitische und außenpolitische Aspekte bilden bei dieser Auflösung des Staates Polen-Litauen einen komplexen und komplizierten Zusammenhang, der nicht leicht zu verstehen ist. Die Auflösung des Staates Polen-Litauen ist von Geschichtsmythen (492) umgeben, wie zahlreiche weitere Themen der Geschichte Polens, sodaß historische Aufklärung erforderlich ist.

Hrodna/Grodno war neben Krakau (493) und Vilnius die dritte Hauptstadt des Staates Polen-Litauen, und hier fand ab 1678 jeder dritte Sejm, der polnisch-litauische Reichstag statt. In der Adelsrepublik Polen-Litauen war an den Wahlen zum Parlament, dem Sejm, der Adel (494) beteiligt, der zeitweilig ungefähr 10 % der Bevölkerung ausmachte, deutlich mehr als in den meisten übrigen europäischen Staaten, sowie des Weiteren das Bürgertum der Städte. Der gesamte Adel des Staates Polen-Litauen, die sogenannte Szlachta (495), umfaßte Mitte des 16. Jahrhunderts etwa 500.000 Angehörige. Die Mehrheit der Bevölkerung waren hingegen leibeigene Bauern. Das System der „Goldenen Freiheit“ (496) sicherte jedem Adeligen außerordentliche Rechte und Privilegien zu. Eine Besonderheit des Sejms war das „Liberum Veto“ (497), das es jedem Abgeordneten erlaubte, sein Veto einzulegen und die Sitzung des Sejms abzubrechen bzw. zu vertagen. Im Rahmen der „Goldenen Freiheit“ war es ein Recht des Adels, Konföderationen (498) zu bilden. Diese Konföderationen waren militärische Organisationen, die gebildet wurden, um ein politisches Ziel zu erzielen. Faktisch handelte es sich dabei fast immer um einen Aufstand gegen den gewählten König von Polen und Großfürsten von Litauen. Diese innenpolitischen Verhältnisse führten dazu, daß in zunehmendem Maße Akteure aus dem Ausland auf die innenpolitischen Verhältnisse in Polen-Litauen Einfluß nehmen konnten, darunter auf die Abstimmungen und Entscheidungen des Sejms und die Wahl des Königs von Polen und Großfürsten von Litauen.

Stanislav II. August Poniatowski (1732-1798) war von den Ideen des Zeitalters der Aufklärung inspiriert, und im Jahre 1764 war er als König von Polen und Großfürst von Litauen mit einem ambitionierten Reformprogramm angetreten, insbesondere, um die oben dargestellten problematischen innenpolitischen Verhältnisse zu verändern, die den Staat Polen-Litauen zunehmend innen- und außenpolitisch handlungsunfähig gemacht hatten. U.a. beauftragte er die Erstellung der Verfassung vom 03.05.1791 (499), die als eine der ersten modernen Verfassungen in Europa gilt. Allerdings sah die Verfassungswirklichkeit, d.h. die real-existierenden gesellschaftspolitischen Verhältnisse, anders aus, es fand keine Bauernbefreiung (500) statt, die Bauern blieben weiterhin Leibeigene und waren im Parlament nicht vertreten, was ein Zugeständnis an die Privilegien des Adels war. Dennoch sahen die Adeligen durch die Reformen ihre Privilegien der „Goldenen Freiheit“ bedroht. Es bildete sich die Konföderation von Bar (501), die einen fünfjährigen Bürgerkrieg mit 60.000 Toten gegen den König führte. Stanislav II. August Poniatowski konnte sich in diesem Bürgerkrieg nur mithilfe der militärischen Unterstützung des durch Kaiserin Katharina II. (1729-1796) (502) regierten Kaiserreichs Rußland behaupten. Ca. 6000 Vertreter der Konföderation von Bar wurden nach Sibirien verbannt, was Thema des nachfolgenden Kapitels ist.

Die Auflösung des Polnisch-Litauischen Staates findet nach dem gescheiterten Kościuszko-Aufstand (503) ihren Abschluß in der Unterzeichnung der dritten Teilung des Polnisch-Litauischen Staates durch Stanislaus II. August Poniatowski, was sich in Hrodna/Grodno ereignete, und seiner Abdankung bzw. seinem Rücktritt am 25.11.1795 als nunmehr letztem König von Polen und letztem Großfürsten von Litauen, insbesondere aufgrund der Unreformierbarkeit und der Unregierbarkeit des Landes, dessen Territorium nun von den Nachbarstaaten, dem Kaiserreich Rußland (504), dem Kaiserreich Österreich Ungarn (505) und dem Königreich Preußen (506) verwaltet wurde.

Katharina II. regierte das Kaiserreich Rußland mit einer Politik des aufgeklärten Absolutismus (507). Diese Politik des aufgeklärten Absolutismus wurde ebenfalls im Kaiserreich Österreich-Ungarn und im Königreich Preußen praktiziert. Diese drei Nachbarstaaten Polen-Litauens bildeten die Teilungsmächte der drei Teilungen des Staates Polen-Litauen (508). Diese Teilungen erfolgten unter dem Vorwand, die sogenannte „Polnische Anarchie“ zu beseitigen, die die Monarchen der Teilungsmächte insbesondere in Anbetracht der Vorgänge im revolutionären Frankreich (509) als Bedrohung ihrer Herrschaft, als auch als Bedrohung des Mächtegleichgewichts (510) in Europa ansahen. Mit ihren Befürchtungen müssen sie Recht gehabt haben, denn 125 Jahren später existierten diese drei Monarchien des aufgeklärten Absolutismus und ihre Vielvölkerimperien nicht mehr.

Die drei Teilungsmächte, das Kaiserreich Rußland, das Kaiserreich Österreich-Ungarn und das Königreich Preußen bildeten nach dem Sieg über Napoleon Bonaparte (511) im Anschluß an den Wiener Kongress (512) auf Initiative von Kaiser Alexander I. (1777-1825) (513) die „Heilige Allianz“ (514). Alexander I. war von den Ideen des Zeitalters der Aufklärung inspiriert, und im Jahre 1801 war er nach der Ermordung seines Vaters, dem Kaiser Paul I. (1754-1801) (515) als Kaiser des Kaiserreiches Rußland mit einem ambitionierten Reformprogramm angetreten. Zudem entstand auf Initiative von Kaiser Alexander I. auf Grundlage des Herzogtums Warschau (516) das Königreich Polen (517) mit Kaiser Alexander I. als Staatsoberhaupt. Kaiser Alexander I. war Staatsoberhaupt von insgesamt drei autonomen und selbstständigen Staaten: Dem Kaiserreich Rußland, dem Königreich Polen und dem Großfürstentum Finnland (518), ein für die damalige Zeit beachtenswertes Regierungsmodell. Anders als im Großfürstentum Finnland wurde die Selbstständigkeit und Autonomie im Königreich Polen jedoch durch den Novemberaufstand (519) und den Januaraufstand (520) verspielt. Da es für die Bauernschaft keine Aussichten auf soziale Verbesserungen gab, verfolgte sie das Geschehen weitgehend unbeteiligt. Die Aufstände wurden insbesondere von den Adeligen geführt, denen es um die Widerherstellung ihrer Privilegien der „Goldenen Freiheit“ ging. Polen erwies sich auch nach den Teilungen weiterhin als unreformierbar und unregierbar.

Kerngedanke der auf Initiative von Kaiser Alexander I. entstandenen „Heiligen Allianz“ war die Sicherung eines „Ewigen Friedens“ durch konsequente Selbstverpflichtung aller europäischen Monarchen auf die Grundsätze der christlichen Nächstenliebe. Die „Heilige Allianz“ brach im Krim-Krieg (521) auseinander. Der Krimkrieg in den Jahren 1853 bis 1856 wird im Allgemeinen kaum beachtet, doch seine Bedeutung ist erheblich. Er war der größte Krieg zwischen den Napoleonischen Kriegen (522) und dem Ersten Weltkrieg, und schon der Krimkrieg wäre ein Weltkrieg (523) geworden, wenn das Königreich Preußen und das Kaiserreich Österreich-Ungarn im Krimkrieg nicht neutral geblieben wären. Zuvor hatte schon der Siebenjährige Krieg (524) in den Jahren 1756 bis 1763 den Charakter eines Weltkrieges gehabt, da er unter Beteiligung aller europäischen Großmächte weltweit auf mehreren Kontinenten geführt wurde, sodaß sich mit dem Siebenjährigen Krieg das Zeitalter des Imperialismus ankündigte, das in den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts kulminierte. Der Krimkrieg führte zum Ende des Mächtegleichgewichtes der Pentarchie und zum Zerfall der sogenannten „Heiligen Allianz“ was eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, daß später der Erste Weltkrieg entstehen konnte. Während im Krimkrieg das Kaiserreich Rußland isoliert war, sodaß eine Kriegsniederlage unvermeidlich war, waren im Ersten Weltkrieg die Kaiserreiche Deutschland und Österreich-Ungarn isoliert mit den gleichen Folgen. Dies verweist auf die Rolle, die Bedeutung und den Erfolg von Geheimdiplomatie (525).

Das „Dreikaiserabkommen“ (526) vom 22.10.1873 knüpfte an die „Heilige Allianz“ an mit dem Ziel, „den gegenwärtig in Europa herrschenden Friedenszustand zu befestigen“, um ihn „gegen alle Erschütterungen, von welcher Seite sie auch kommen mögen, zu sichern, und wenn nötig zu erzwingen“. Der „Dreikaiserbund“ (527) vom 18.06.1881 setzte das „Dreikaiserabkommen“ fort. Das Ende des „Dreikaiserbundes“ ist die wesentliche Voraussetzung, daß der Erste Weltkrieg entstehen konnte, der zum Untergang dieser drei Monarchien führte. Der Erste Weltkrieg ist die „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts, und auf ein „langes“, vergleichsweise friedliches 19. Jahrhundert folge nun ein „kurzes“ und extremes 20. Jahrhundert.

Vom Alten und Neuen Schloß führt die Schloßstraße (Vulitca Zamkavaja) direkt ins Stadtzentrum zum Platz Savieckaja, dem Sowjetplatz. Auf diesem ehemaligen Marktplatz stand früher ein Holzrathaus aus dem Jahre 1496. Heute befindet sich hier im Norden des langestreckten Platzes die in den Jahren 1678 bis 1703 erbaute barocke Franz-Xaver-Kathedrale (528) sowie der sowjetische Kulturpalast der Textilarbeiter aus den 50er Jahren. Im Süden des Platzes steht das Gebietstheater und auf einem Sockel ein alter Panzer T-34. Die Hauptstraße im Stadtzentrum ist die Vulitca Savieckaja, die Sowjetstraße, die sich vom Sowjetplatz durch das Stadtzentrum nach Norden zum Lenin-Platz erstreckt. Auf dem Lenin-Platz befindet sich noch eins der wenigen, heute noch in Eurasien erhaltenen Lenin-Denkmäler, die im Raum zwischen Magdeburg und Wladiwostok vor 1989/90 beinahe so zahlreich gewesen sind wie Buddha-Statuen im buddhistischen Asien.

Gemäß unserem Reiseplan stand die Weiterreise von Hrodna/Grodno zur Stadt Białystok an. Unsere Recherchen hatten ergeben, daß es aktuell keine Personenbeförderung per Bahn von Hrodna/Grodno nach Białystok gibt, obwohl eine Bahnlinie existiert, die beide Städte auf direktem Wege miteinander verbindet. Am Busbahnhof von Hrodna/Grodno erfuhren wir, daß es aktuell täglich drei Busfahrten nach Białystok gibt mit Abfahrten um 1:00 Uhr, 8:00 Uhr und 14:00 Uhr. Auf dieser Strecke eingesetzt sind kleine Busse mit Sitzen für 16 Personen, und diese haben Autonummernschilder aus Polen. Am Busbahnhof von Hrodna/Grodno verkehren überwiegend solche kleinen Busse. Schon am Vortag unserer Fahrt nach Białystok kauften wir dort Bustickets für die Busfahrt am 22.11.2024 um 14:00 Uhr. Ich war überrascht über die Höhe des Fahrpreises von 130,40 BYN pro Person, zumal die Distanz zwischen Hrodna/Grodno und Białystok lediglich ca. 80 Kilometer beträgt. Das Bezahlen der Bustickets am Busbahnhof per Bankkarte (EC-Karte) funktionierte nicht, sodaß Barzahlung erforderlich ist. In den meisten Fällen hatte das Bezahlen per EC-Bankkarte während unseres achttägigen Aufenthalts in Belarus funktioniert. Allerdings haben Bankautomaten in den meisten Fällen EC-Bankkarten nicht akzeptiert, sodaß an den meisten Bankautomaten in Belarus eine Bargeldauszahlung in Belarussischen Rubeln (BYN) nicht möglich war. Die Touristeninformation am Rathausplatz in Minsk kann Bankautomaten benennen, an denen Bargeldauszahlung per EC-Karte möglich sind. Ansonsten ist in Belarus ein Geldwechsel in Banken möglich.

An der Grenze zwischen Belarus und Polen gibt es mehrere Grenzübergänge (529), darunter den Grenzübergang Bruzhi zwischen den Städten Hrodna/Grodno und Białystok. Da die Distanz von Hrodna/Grodno zur Nachbarstadt Białystok lediglich ca. 80 Kilometer beträgt, erwarteten wir eine kurze Fahrtzeit bis zum Eintreffen in Białystok. Lediglich die Zeit zum Passieren der Grenze zwischen Belarus und Polen ist schwer kalkulierbar. Überraschenderweise mußten wir bei der Busfahrt durch eine leicht verschneite frühwinterliche Agrarlandschaft bald feststellen, daß der Bus offensichtlich nicht die direkte Strecke nach Białystok fährt, die parallel zur Eisenbahnlinie verläuft, die Hrodna/Grodno mit Białystok verbindet. Zu unserer Verwunderung brachten wir in Erfahrung, daß der Bus einen großen Umweg zur Stadt Brest (530) fährt, um dort den Grenzübergang von Belarus nach Polen zu nutzen, und um danach weiter nach Białystok zu fahren. Nun wurde uns bewußt, daß wir anders als geplant erst spät in der Nacht in Białystok eintreffen werden.

Nach ca. vier Stunden Fahrt war der Grenzübergang bei der Stadt Brest erreicht. Auf der Seite von Belarus ging es jetzt schneller voran, als bei der Hinfahrt. Bei der Einfahrt in den Grenzraum erfolgte eine erste kurze Paßkontrolle im Bus. Danach erfolgte eine Paßkontrolle an der belarussischen Grenzstation, wo wir einen Ausreisestempel in den Reisepaß erhielten. Weitere Kontrollen, wie z.B. Zollkontrollen fanden hier nicht statt. Lange Wartezeiten entstanden nun an der Grenzstation von Polen. Die Grenze von Polen zu Belarus ist zugleich die östliche Außengrenze der EU. An der Grenzstation von Polen wurden bei der Paßkontrolle die Reisepässe elektronisch eingelesen, und zudem wurden von zahlreichen Passanten biometrische Daten erhoben (Fingerabdrücke wurden elektronisch eingelesen, zudem erfolgte ein Iris-Scan). Derzeit werden überall weltweit, und auch in Deutschland und in der EU neue elektronische bzw. biometrische Reisepässe (531) eingeführt. Deren weltweite ubiquitäre Verbreitung geht auf die Initiative der USA infolge der Ereignisse des 11.09.2001 zurück. Es ist eine der feststellbaren Entwicklungen hin zur Totalüberwachung und Kontrolle der gesamten Menschheit, die die Grundlage eines technologisch modernisierten Totalitarismus des digitaltechnischen Zeitalters bildet, der die Totalitarismen des extremen 20. Jahrhunderts als rückständige, technologisch unausgereifte Frühformen totalitärer Vergesellschaftung erscheinen lassen wird (532). 
 
Anschließend wurde bei einer Zollkontrolle das Reisegepäck durchleuchtet mit dem Verfahren, wie man es von Flughäfen kennt. Plakate weisen darauf hin, daß aus seuchenpolizeilichen Gründen keine Lebensmittel, insbesondere Fleisch- und Wurstwaren, Milchprodukte u.a. von außerhalb in die EU eingeführt werden dürfen. Ähnlich wie zuvor bei unserer Einreise von Litauen nach Belarus benötigten wir zum Passieren der Grenze von Belarus nach Polen insgesamt etwa 3:30 Stunden. Später erfuhren wir bei Recherchen den Grund für den unerwarteten zeitaufwändigen Umweg über Brest: Aufgrund einer seit Mitte 2021 bestehenden Migrationskrise (533) ist in Polen entlang der Grenze zu Belarus ein 4,5 Meter hoher Grenzzaun (534) errichtet worden, und zudem sind sämtliche Grenzübergänge von Polen nach Belarus bis auf den Grenzübergang Brest-Terespol für den Personenverkehr geschlossen worden. Der so erforderliche lange Umweg erklärt auch die vergleichsweise hohen Fahrtpreise für die Busfahrt von Hrodna/Grodno nach Białystok. 
 
 

12.  Białystok oder: Sibirien als wahrnehmungsgeographische Kategorie

 
Die Stadt Białystok (535) wurde im 16. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, und sie hat heute rd. 300.000 Einwohner. Im Jahre 1692 erhielt Białystok das Stadtrecht. Meine Stadtexkursion in Białystok begann ich an der Kirche „St. Rochus“, in deren Nähe sich der Hauptbahnhof und der Busbahnhof befindet. Von dort folgte ich der Ulica Lipowa nach Osten ins historische Stadtzentrum von Białystok. Ich gelangte zum Rathausplatz und zum Dom. Von dort setzte ich meine Stadtexkursion zum Branicki-Palast im Osten des historischen Stadtzentrums fort.
 
Hauptanliegen meines Besuchs der Stadt Białystok war der Besuch des Sibirischen Gedenkmuseums/ Muzeum Pamieçi Sybiru (536). Auf die Existenz dieses Museums war ich während meiner Recherchen zur Vorbereitung der Reise aufmerksam geworden. Zuerst gestaltete es sich jedoch als schwierig, dieses Museum aufzufinden, denn die touristischen Informationen verschiedener Infotafeln in Białystok lieferten unterschiedliche und offensichtlich nicht mehr aktuelle Informationen. Letztlich orientierte ich mich an einem Wegweiser, der vom historischen Stadtzentrum in die Straße „Henryka Sienkiewicza“ mit der Entfernungsangabe von 1750 Metern hinein weist. Tatsächlich traf ich dort auf das Sibirische Gedenkmuseum/Muzeum Pamieçi Sybiru. Offensichtlich ist das Museum erst vor kurzem an diesem Standort neu errichtet worden.
 
Schilder heben hervor, daß das Sibirische Gedenkmuseum/ Muzeum Pamieçi Sybiru vom Europarat (Council of Europe) (537) mit einem Museumspreis des Europarates (538) im Jahre 2024 als das beste Museum („The best Museum“) prämiert worden ist. Es stellt sich die Frage nach den Kriterien einer derartigen Bewertung. Dafür muß eingangs die Frage nach Sinn und Zweck von Museen als Bestandteilen von Gedenk- und Erinnerungskultur gestellt werden. Faktisch ist Gedenk- und Erinnerungskultur nahezu überall ein Bestandteil von Geschichtspolitik, wie in Kapitel 5 dargestellt. Geschichtspolitik dient der nationalen Identitätsbildung und der Legitimation des eigenen Staates und seiner Gesellschaftsordnung, und sie zielt darauf ab, imaginierte Gemeinschaften durch einheitsstiftende historische Narrative (539), Symbole (540) und Praktiken (541) herzustellen. Dahingegen zielt das Konzept eines Museums als Lernort ab auf „die Befähigung zu einem reflektierten Umgang mit Objekten, zu einer kritischen Analyse ihrer Präsentation und zu Multiperspektivität. Bildung in diesem Sinne (ist) nicht als nationale oder kulturelle Identitätsbildung, sondern umfassend als Menschenbildung zu verstehen, die auf Freiheit, Mündigkeit und Autonomie abzielt“, worauf der Historiker Habbo Knoch in seinem Buch „Geschichte in Gedenkstätten“ hinweist (542). Hierbei müssen sich Museumspädagogik (543) und Gedenkstättenpädagogik mit drei Herausforderungen auseinandersetzen: „Die Vermittlung kognitiven Wissens unterliegt erstens beträchtlichen Einschränkungen aufgrund begrenzter Vorkenntnisse, der begrenzten Zeit des Besuchs und der Komplexität des Gegenstands. Zweitens sehen sie sich Erwartungen und Zielen der politischen Bildung (544) gegenüber, die Gedenkstätten als Orte einer politisch-moralischen Wertevermittlung ansehen, was aber im Widerspruch zu reflexiven, ergebnisoffenen und autonomen Lernprozessen stehen kann. Die Bildungsarbeit in Gedenkstätten wird drittes von außen vielfach als Beitrag zu einer nationalen Identitätsbildung gesehen, während die Gedenkstätten wie auch die Geschichtsdidaktik dem Postulat eines individuellen, historisch fundierten und zugleich reflektierten Geschichtsbewusstseins folgen“ (545). Museen müssen sich daher entscheiden, ob sie Geschichtspolitik oder Aufklärung betreiben wollen, d.h. ob sie dem Publikum ein vorgefertigtes Geschichtsbild vorsetzen, oder ob sie das Publikum darin unterstützen möchten, sich auch zu historischen Themen selbstständig eine eigene Meinung zu bilden (546). Diesen Anspruch einer Aufklärung habe ich bislang in ganz Europa explizit nur im Staatlichen Museum für politische Geschichte Rußlands (547) in St. Petersburg (548) angetroffen bei meinem Besuch am 29.07.2017.

Die Ausstellung des Sibirischen Gedenkmuseums erstreckt sich über zwei Etagen, und sie besteht aus neun thematischen Teilen. Sämtliche Informationen werden zweisprachig angeboten (Polnisch, Englisch). Gegenstand der Ausstellung ist die Deportation (549) und Verbannung (550) von Polen (551) nach Sibirien (552) als einem Verbannungsraum und einer Strafkolonie (553). Hierbei werden zwei Zeitabschnitte unterschieden: Zum Einen den Ereignissen im Kaiserreich Rußland im 18. und 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg. Der zweite Zeitabschnitt hat die Ereignisse in der insbesondere durch Josef W. Stalin (1878-1953) geprägten Sowjetunion (UDSSR) zum Thema, der den größten Teil der Ausstellung einnimmt.

Im Kaiserreich Rußland erfolgte die Verbannung und Deportation nach Sibirien im Rahmen der Verbannungsstrafe „Katorga“ (554), bei der der Sträfling Zwangsarbeit (555) zu leisten hatte. Meist erfolgte eine Deportation in die unwirtlichen Gebiete des Landes, insbesondere nach Sibirien. Ebenfalls verloren die Häftlinge (556) sämtliche Bürgerrechte (Bürgerlicher Tod) (557), und sie durften auch nach Ablaufen der Strafzeit nicht ins europäische Russland zurückkehren, sondern mussten den Rest ihres Lebens in der Verbannung verbringen. Das Jahr 1807 markierte den Beginn statistischer Erhebungen, doch auch schon davor kam es zu solchen Deportationen und Verbannungen. Im Jahresschnitt wurden von 1807 bis 1863 8213 Personen nach Sibirien deportiert. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 336.737 Personen nach Sibirien deportiert (558). 1862 wurden 9570 Personen nach Sibirien deportiert, 1863 waren es 10.108 Personen. Zwischen 1865 und 1881 stieg die durchschnittliche jährliche Rate der Deportierten nach Sibirien auf 15.733 Personen an. Von dieser Verbannung und Deportation nach Sibirien im Rahmen der Verbannungsstrafe „Katorga“ waren betroffen insbesondere Vertreter der Konföderation von Bar, sowie die Beteiligten des Novemberaufstandes 1830/1831 und des Januaraufstandes 1863/1864. Infolgedessen kam es insbesondere zwischen 1863 und 1880 zu Massendeportationen von Polen nach Sibirien als Folge der polnischen Aufstände, die 1863 in dem Januaraufstand gipfelten. Sibirien wurde zu einem Synonym für Verbannung.

Der zweite in der Ausstellung des Sibirischen Gedenkmuseums behandelte Zeitabschnitt hat die Ereignisse in der Sowjetunion (UDSSR) (559) während der Herrschaft von Josef W. Stalin (1878-1953) zum Thema. Der sogenannte „Große Terror“ (560) von 1936 bis 1938, der auch als „Große Säuberung“ (561) bezeichnet wird, war eine von Herbst 1936 bis Ende 1938 dauernde umfangreiche Verfolgungskampagne in der Sowjetunion. Die Durchführung dieser von Josef W. Stalin veranlassten und vom Politbüro (562) des Zentralkomitees (563) der KPdSU (564) gebilligten Terrorkampagne (565) lag bei den Organen des Innenministeriums der UdSSR (NKWD) (566) unter der Leitung des Volkskommissars (567) für Inneres, Nikolai I. Jeschow (1885-1940) (468). Der Terror richtete sich vor allem gegen mutmaßliche Gegner der stalinistischen Herrschaft und als unzuverlässig angesehene „Elemente“ oder Gruppen. Plan-Solls zur Liquidierung und Verhaftung von Staatsfeinden wurden festgesetzt, die mit fortschreitender Dauer der Verfolgungen immer weiter erhöht wurden. Die regionalen und lokalen NKWD-Kräfte fürchteten, bei Nichterfüllung der Sollzahlen selbst der Verschwörung verdächtigt zu werden, und trieben durch die Übererfüllung der Forderungen die Anzahl der festgenommenen Personen noch weiter in die Höhe. Als Zeit des Großen Terrors im engeren Sinn werden die Monate von Juli 1937 bis Mitte November 1938 verstanden. Allein in diesem Zeitraum kam es zur Verhaftung von etwa 1,5 Millionen Personen, von denen etwa die Hälfte erschossen, und die anderen, bis auf wenige Ausnahmen, in die Arbeitsager (569) des Gulag (570) gebracht oder in Gefängnissen inhaftiert wurden. Die Massenrepressionen gelten als Höhepunkt einer Kette von Säuberungswellen der Stalin-Ära. Die Gesamtzahl der Opfer der „Großen Säuberung“ und des „Großen Terrors“ ist nicht bekannt und schwer zu verifizieren. Schätzungen von Historikern reichen von einer Million bis 60 Millionen Toten. Um die historische Aufarbeitung der politischen Gewaltherrschaft in der UDSSR während der Herrschaft von Josef W. Stalin bemüht sich die Organisation „Memorial“ (571).

Diese Stalinschen Säuberungen lassen sich unterteilen in Politische Säuberungen (572), die Personen oder Personengruppen aus politischen Organisationen und Institutionen, insbesondere aus Parteien, Regierungen und öffentlicher Verwaltung betrafen, sowie in Ethnische Säuberungen. Bestandteil dieser Ethnischen Säuberungen in der Sowjetunion waren die Ethnischen Deportationen in der UdSSR (573), die zahlreiche ethnische Minderheiten der Sowjetunion betrafen, die in die Lager des Gulag und Verbannungsregionen deportiert wurden. In der UdSSR wurden zehn Völker vollständig deportiert: Russlandkoreaner, Russlanddeutsche, Ingermanland-Finnen, Karatschaier, Kalmücken, Tschetschenen, Inguschen, Balkaren, Krimtataren und kleinere Minderheiten der Krim sowie meskhetische Türken.

Ein weiterer Bestandteil dieser Ethnischen Säuberungen waren die sogenannten „nationalen Operationen“ (574) des NKWD. Auf Beschluss des Politbüros des Zentralkomitees der KPdSU vom 31. Januar 1938 wurden insgesamt zwölf ethnisch definierte „nationale Operationen“ vom NKWD durchgeführt: Neben Polen, Letten und Deutschen waren auch Esten, Finnen, Griechen, Iraner, Charbiner, Chinesen, Rumänen, Bulgaren und Mazedonier von ethnischen Säuberungen betroffen. Im Zuge dieser „nationalen Operationen“ des NKWD wurden in allen nichtrussischen Unionsrepubliken die gesamten Führungsschichten entmachtet und ermordet. Die Zahl der im Rahmen „nationaler Operationen“ ermordeten Personen wird auf 350.000 bis 365.000 geschätzt. Damit haben die „nationalen Operationen“ des NKWD in ihrer Gesamtheit etwa die Größe und den Umfang der sogenannten „Kulaken-Operation“ des NKWD, die auf Grundlage des NKWD-Befehls Nr. 00447 (575) vom 30. Juli 1937 erfolgte. Von August 1937 bis November 1938 wurden dabei 800.000 bis 820.000 Personen verhaftet, davon mindestens 350.000 – eventuell bis zu 445.000 – erschossen, die übrigen in Straflager des Gulags eingewiesen. Diese „Kulaken-Operation“ des NKWD ist eine Fortsetzung der sogenannten „Entkulakisierung“ (576) von 1929 bis 1933 während der Zwangskollektivierung (577), die im Rahmen des ersten Fünfjahresplans (578) im Zuge der Industrialisierung der Sowjetunion (579) durchgeführt wurde, was eine schwere Hungersnot (580) zur Folge hatte. Die Unterdrückung der Bauern und deren Ausbeutung als einer „Inneren Kolonie“ ermöglichte die forcierte Industrialisierung und Modernisierung der Sowjetunion. Die brutal vorangetriebene Industrialisierung machte die Sowjetunion zu einer Weltmacht, und zeitgleich erfolgte eine umfangreiche militärische Aufrüstung. Im Modernisierungsterror erweist sich der „Große Terror“ Stalins als Bestandteil des Terrors des Zeitalters der industriellen Moderne.

Die Größte dieser „nationalen Operationen“ des NKWD war die 14 Monate andauernde sogenannte „Polnische Operation“ (581) des NKWD auf Grundlage des NKWD-Befehls Nr. 00485 vom 11.08.1937 „Über die Liquidierung polnischer Sabotage- und Spionage-Gruppen und Unterorganisationen der Polnischen Militär-Organisation (POW) (582)“. Im Zuge der „Polnischen Operation“ des NKWD wurden 143.810 Sowjetbürger polnischer Abstammung, mit polnisch klingenden Namen, mit Kontakten nach Polen oder mit Wohnort in Grenznähe verhaftet. Von ihnen wurden 139.885 verurteilt, und von diesen wurden 111.091 erschossen. Weitere bedeutende „nationalen Operationen“ des NKWD waren die „Deutsche Operation“ (583) des NKWD auf Grundlage des NKWD-Befehl Nr. 00439 (584) vom 25.07.1937 und die „Lettische Operation“ (585) des NKWD auf Grundlage des NKWD-Befehls Nr. 49990.

Weitere Repressionen und Deportationen von Polen erfolgten in Folge des „Hitler-Stalin-Paktes“ (586) vom 24.08.1939 und dem geheimen Zusatzprotokoll. Nach der sowjetischen Besetzung Ost-Polens (587), d.h. des östlichen Teils des Territoriums der Zweiten Polnischen Republik (588) ab dem 17.09.1939 wurden durch vom Volkskommissar und Chef des NKWD Lawrenti Beria (1899-1953) (589) geführte Sonderkommandos des NKWD zwischen Februar 1940 und Juni 1941 in vier großen Wellen insgesamt 330.000 Personen aus den östlichen Gebieten des Territoriums der Zweiten Polnischen Republik in Viehwaggons nach Sibirien und Zentralasien in die vom NKWD überwachten Sonderansiedlungsgebiete und in Gulag-Lager deportiert (590). In diesem Zeitraum ereignete sich auch das Massaker von Katyn (591), bei dem vom NKWD vom 03.04.1940 bis zum 11.05.1940 etwa 4400 gefangene Polen, größtenteils Offiziere, in einem Wald bei Katyn, einem Dorf 20 Kilometer westlich von Smolensk, erschossen wurden. Diese Tat gehörte zu einer Reihe von Massenmorden, die im Frühjahr 1940 an mindestens fünf verschiedenen Orten in den Unionsrepubliken Russland, Ukraine und Weißrussland an 22.000 bis 25.000 Berufs- und Reserveoffizieren, Polizisten, Priestern der katholischen Kirche und Intellektuellen verübt wurden. Die Opfer zählten überwiegend zu den Vorkriegseliten der Zweiten Polnischen Republik. Diese und weitere Maßnahmen ähnelten den „nationalen Operationen“ des NKWD während des Großen Terrors (1936–1938), mit denen in allen nichtrussischen Unionsrepubliken die gesamten Führungsschichten entmachtet und ermordet wurden. Eine davon war die „Polnische Operation“ des NKWD. 
 
Aus diesem, auf Grundlage des „Hitler-Stalin-Paktes“ vom 24.08.1939 und dem geheimen Zusatzprotokoll von der Sowjetunion besetzten östlichen Teils des Territoriums der Zweiten Polnischen Republik gab es in den Jahren 1944 bis 1946 weitere Zwangsumsiedlungen von Polen (592). 
 
Die Ausstellung des Sibirischen Gedenkmuseums beginnt im ersten Teil mit einer Vorstellung Sibiriens als einer wahrnehmungsgeographischen (593) Kategorie mit dem Namen “Sybir“ (594). Diese wahrnehmungsgeographische Kategorie „Sybir“ beinhaltet neben der geografischen Region Sibirien zudem das gesamte östlich gelegene Europa, und diese wahrnehmungsgeographische Kategorie „Sybir“ wird mit einem (extralegalen) Raum der Barbarei und der Gewalt assoziiert. Tatsächlich ist diese wahrnehmungsgeographische Vorstellung von Sibirien im gesamten westlichen Europa verbreitet, so beginnt z.B. für viele Bewohner des Rheinlands Sibirien als einer wahrnehmungsgeografischen Kategorie schon östlich der Elbe. In Polen hingegen läßt man dieses wahrnehmungsgeographische Sibirien ein wenig weiter östlich beginnen. 
 
In seinem Buch „Marjampole oder Europas Wiederkehr aus dem Geist der Städte“ stellt der Historiker Karl Schlögel den Romanschriftsteller Edwin Erich Dwinger (1898-1981) und dessen wahrnehmungsgeografische Kategorie Sibirien vor (595), die die Grundlage seiner autobiografischen Romane bildet, die Dwinger auf Basis eigenen Erlebens und eigener Zeitzeugenschaft geschrieben hat: „Dwingers Osten ist eine empirische Landschaft mit Namen von Ortschaften und Städten, von Flüssen und Eisenbahnknotenpunkten, die in der Erinnerung von Millionen Kriegsteilnehmern an der Ostfront und dann Hunderttausender von Kriegsgefangenen von zentraler Bedeutung gewesen sein mußten. Dwinger spannt einen Raum auf, der für Hunderttausende zum alles entscheidenden Schauplatz geworden ist: zum Ort einer Lebenserfahrung, deren Intensität aus der Nähe zum jederzeit möglichen Tod herrührte. (…) Dwingers Erfahrungsraum ist nicht der Westen, nicht das Schlachtfeld von Verdun, nicht der Stellungskrieg und die Materialschlacht, sondern die Region, in der der Weltkrieg in den Bürgerkrieg übergegangen war. (…) Der Osten ist so eine Schule der Grausamkeiten, des Verlustes an zivilisatorischen Hemmungen und der Verrohung. Aber diese Ausnahmesituation lehrt auch einen neuen Blick auf die Welt. (…) Die ganze Welt ist ihnen ‚durch diesen Krieg ein einziges Sibirien geworden‘“ (596). Dwinger zeichnet das Panorama eines Weltkrieges, der in den Bürgerkrieg übergeht und des Bürgerkriegs, der zum Weltkrieg wird. Dabei ist die wahrnehmungsgeografische Kategorie Sibirien dramatischer Schauplatz im Zweiten Dreißigjährigen Krieg (597) als einem Weltbürgerkrieg. Dwinger will der Chronist dieser Zeit sein, ihr, wie er sagt, Simplicius Simplicissimus. 
 
Die Ausstellung des Sibirischen Gedenkmuseums beschränkt ihren Focus gänzlich auf Sibirien, doch Sibirien ist lediglich ein, wenn auch herausragendes Beispiel für Verbannungsräume und Strafkolonien, und diese können als eine Form „Totaler Institutionen“ begriffen werden. Eine derartige geographische und zeitliche Erweiterung der Perspektive kann zu einer Erklärung und zur Aufklärung des Phänomens „Sibirien“ beitragen. In der Neuzeit unterhielten die meisten Kolonialmächte (extralegale) Verbannungsräume und Strafkolonien, in die sie die sozial und politisch unerwünschten Bevölkerungsteile abschoben. Im NS-Staat war das „Generalgouvernement“ ein extralegaler Abschieberaum, der dort eine analoge Funktion zum Sibirien der stalinistischen Sowjetunion hatte, jedoch mangelte es diesem Raum an der territorialen Größe und Weite Sibiriens. Die NS-Konzentrationslager können als eine räumlich konzentrierte Form extralegaler Verbannungsräume und Strafkolonien angesehen werden. 
 
Den neun thematischen Teilen der Ausstellung ist ein weiterer abschließender Teil zum Thema „Rememberance/Panieç“ angegliedert. „Rememberance“ ist ein Begriff, der insbesondere an Gedenkstätten zum Thema Erster Weltkrieg in Flandern anzutreffen ist. „Rememberance“ kann als ein Reflektions- und Entwicklungsstand von Gedenk- und Erinnerungskultur aufgefaßt werden. Er überwindet eine „Heldenverehrung“ und löst diese ab. Es läßt sich in Europa feststellen, daß die Gedenk- und Erinnerungskultur zum Ersten Weltkrieg mittlerweile weitgehend das Stadium von „Rememberance“ erreicht hat, nicht jedoch die Gedenk- und Erinnerungskultur zum Thema Zweiter Weltkrieg, die vielerorts noch nicht über das Stadium der Heldenverehrung hinaus gelangt ist, und dies nicht nur in der östlichen Hälfte Europas, sondern gleichfalls in der westlichen Hälfte Europas, wie das Beispiel der „Landungsstrände“ in der Normandie zeigt (Vgl. Kapitel 5). Es gilt, den Schritt von Geschichtspolitik zur Geschichtswissenschaft zu beschreiten. 
 
Die Rückfahrt von Uli und mir von Białystok nach Berlin erfolgte am 24.11.2024 per Reisebus. Diese Fahrt hatte ich schon vor dem Reisebeginn gebucht. Dieser Reisebus kam aus Vilnius und setzte seine Fahrt nach dem Halt in Białystok nach Berlin fort mit weiteren Zwischenhalten in Warschau, Posen und Schwiebus/Swiebodzin. An der Grenze zwischen Polen und Deutschland gab es auf der Autobahn einen langen Rückstau insbesondere von LKW, sodaß der Reisebus über Landstraßen weiterfuhr. Überquert wurde die Grenze dann in der „Doppelstadt“ Frankfurt an der Oder/Słubice. Derartige Teilungen von Städten sind ein weit verbreitetes Phänomen der Neuzeit, und sie ereigneten sich insbesondere im Zeitalter des Nationalismus und der Herausbildung von Nationalstaaten. Immer wieder gelangte ich bei meinen Fahrradreisen in Europa durch zahlreiche dieser eigenartigen „Doppelstädte“ (598), die es im heutigen Europa in großer Zahl gibt. Insbesondere interessiert mich an diesen „Doppelstädten“ die jeweilige Teilungssituation, sodaß ich stets beide Teile einer „Doppelstadt“ besuche. Diese geteilten Städte können auch als Ausdruck des Niedergangs der Städte seit dem Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit angesehen werden, und sie sind somit ein Ausdruck der in der Neuzeit erlangten Dominanz des zentralistischen absolutistischen Staates über die zuvor weitgehend selbstständigen und freien Städte. Bis heute haben die Städte ihre frühere Bedeutung und Selbstständigkeit nicht wieder erlangt, und sie sind weiterhin ein Spielball der von Nationalstaaten zur Machtbehauptung der Nation betriebenen Machtpolitik.  
 
Nach der Überquerung der Oderbrücke erfolgte in Frankfurt/Oder durch die Grenzpolizei der Bundesrepublik Deutschland eine Paßkontrolle im Reisebus. Mit geringer Verspätung traf der Reisebus am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in Berlin ein. 
 
 

13.  Anmerkungen:

 
1) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Mauer

2) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin#Geteilte_Stadt

3) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Eiserner_Vorhang

4) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ost-West-Konflikt
Unzulässigerweise wird der Begriff „Ost-West-Konflikt“ und der Begriff „Kalter Krieg“ bei Wikipedia synonym gebraucht. Dies ist Ausdruck eines weitverbreiteten eingeschränkten Geschichtsbewußtseins
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsbewusstsein
und eines eingeschränkten Geschichtsbildes,
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsbild
das insbesondere eine piefige Berliner Mauergesellschaft prägt, bei der der Horizont des Geschichtsraumes
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsraum
und des Weltbildes
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltbild
an der Berliner Mauer endet, und der es nicht gelingt, den begrenzten Blick und die beschränkte Perspektive über Berlin im „Kalten Krieg“ hinaus zu erweitern.

Während der Begriff „Kalter Krieg“ auf den historischen Zeitabschnitt der Blockkonfrontation und der Bipolarität des Staatensystems zwischen der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs und den Ereignissen 1989/90 beschränkt und begrenzt ist, ist der Begriff „Ost-West- Konflikt“ hingegen weit umfassender: Der „Ost-West-Konflikt“ ist in Form des „Ost-West-Gegensatzes“ ein Narrativ, das die gesamte europäische Geschichte seit ihren Anfängen bestimmt und gestaltet; dieses Narrativ wird immer wieder neu reproduziert, und es erscheint in immer wieder neuer Gestalt. Schon bei den alten Griechen gab es einen Ost-West-Gegensatz zwischen der Welt des antiken Griechenlands
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Antikes_Griechenland
und dem Persischen Imperium
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Perserreich
als der Orientalischen Despotie. Der Ost-West Gegensatz in Europa fand eine Neuauflage mit der Aufteilung des Imperium Romanum
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsteilung_von_395
in einen lateinischen weströmischen Teil und einen von griechischer Kultur dominierten oströmischen Teil, der in der Aufteilung der christlichen Kirche in einen lateinischen römisch-katholischen und einen griechisch-orthodoxen Teil seine Entsprechung fand:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Morgenländisches_Schisma
Aus diesem Gegensatz wurde der Gegensatz zwischen Abendland
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Abendland
und Morgenland. Diese Spaltung wurde durch die Eroberungen der Mongolen und der Osmanen vertieft. Der Historiker Dittmar Dahlmann stellt fest: „Was einst als der Norden Europas verstanden wurde, wandelte sich mit der Aufklärung und verstärkt im Laufe des 19. Jahrhunderts zum Osten Europas, wobei der Osten mit der Barbarei identifiziert wurde, während der Westen sich im Selbstverständnis als Hort der Zivilisation begriff. Die Grundlage dafür ist in einer Verschiebung des europäischen Zentrums vom Süden zum Westen hin zu sehen. Der Osten löste den bis dahin barbarischen Norden ab.“ Siehe: Dittmar Dahlmann: Osteuropäische Geschichte. S. 211. In: Christoph Cornelißen (Hg.): Geschichtswissenschaften. Eine Einführung. Frankfurt am Main, 2000. S. 206-220.

Dieses Narrativ des „Ost-West-Gegensatzes“ ist offensichtlich mittlerweile durch jahrtausendelange Einübung so mächtig geworden, sodaß seine Überwindung und Ablösung nicht gelingt, was am Beispiel der Entwicklungen seit 1989/90 aufgezeigt werden kann, denn entgegen ersten Hoffnungen auf ein endgültiges Ende des Ost-West-Konflikts und ein neues Zeitalter des Friedens und der Kooperation befindet sich Europa heute faktisch wieder in einem neuen „Kalten Krieg“ und ist durch einen neuen „Eisernen Vorhang“ gespalten, und die Welt ist von neuen geopolitisch motivierten Konflikten und Kriegen geprägt. Die USA und China zeichnen sich als die Hauptakteure eines neuen globalen Ost-West-Konflikts der Zukunft ab.

5) Vgl.: https://www.gruenzuege-fuer-berlin.de/260-2/
Sowie: https://www.berlin.de/sen/uvk/natur-und-gruen/landschaftsplanung/gruenes-band-berlin/

6) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Mauerweg

7) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/EuroVelo

8) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Biotopverbund

9) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Grünes_Band_Deutschland

10) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Grünes_Band_Europa

11) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/19._Jahrhundert
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Langes_19._Jahrhundert
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/20._Jahrhundert
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Kurzes_20._Jahrhundert
Vgl. des Weiteren: Eric Hobsbawm: Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. München, 1995.
Heute gerät das gesamte Zeitalter der Moderne und insbesondere das Industriezeitalter in Verdacht, im extremen 20. Jahrhundert zu kulminieren.

12) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Mauer#Mauerfall

13) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Reisefreiheit 
Den aktuellen weltweiten Zustand der Reisefreiheit dokumentiert und kommentiert mein Text: „Ende der ‚Corona-Krise‘ – Aktuelle Reisebedingungen im weltweiten Vergleich“. Zu lesen ist dieser Text auf meiner Internetseite:
https://manfred-suchan.jimdosite.com

14) Als charakteristische Elemente, die das 20. Jahrhundert in seiner gesamten historischen Tiefe und geografischen Breite als ein extremes Jahrhundert mit Alleinstellungsmerkmal charakterisieren und prägen können aufgeführt werden: Die Ethnische Säuberung, die Totale Institution des Lagers als die Totale Institution zur zweckrationalen Verwaltung von Menschenmassen in ihren verschiedenen Erscheinungsformen, der Ausnahmezustand, der Doppelstaat, die totale Mobilmachung, der totale industrielle Krieg, und weitere. Als charakteristische und prägende Elemente haben sie den Gehalt von analytischen Kategorien, die deshalb im Zentrum einer jeden Analyse zum extremen 20. Jahrhundert stehen müssen.

15) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Agenda_Setting

16) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Johan_Galtung

17) Siehe: Johan Galtung: Geopolitik nach dem Kalten Krieg: ein Essay zur Agendatheorie. S. 143 und 145. In: Derselbe: Die andere Globalisierung. Perspektiven für eine zivilisierte Weltgesellschaft im 21. Jahrhundert. Münster, 1998. S. 125-145.

18) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Revisionismus

19) Vgl.: Eric Hobsbawm: Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. München, 1995.

20) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geopolitik

21) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/KSZE
Der KSZE-Prozeß ist dokumentiert in: Europäische Menschenrechtsdokumente und der KSZE-Prozeß. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.): Menschenrechte. Dokumente und Deklarationen. Bonn, 1995. S. 219-457. Wenn man heute die Dokumente des gesamten KSZE-Prozesses noch einmal liest, wird deutlich, wie erheblich die heutige Politik in Europa vom KSZE-Prozeß und dessen Intentionen abgewichen ist. Die Beendigung des KSZE-Prozesses Mitte der 90er Jahre korreliert signifikant mit der Zunahme von Krisen, Konflikten und Kriegen in Europa, die wir seither feststellen müssen.

22) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kalter_Krieg
Zur Entstehung des neuen Kalten Krieges vgl.: Johan Galtung: Die NATO-Osterweiterung oder: Der Beginn des Zweiten Kalten Krieges. In: Derselbe: Die andere Globalisierung. Perspektiven für eine zivilisierte Weltgesellschaft im 21. Jahrhundert. Münster, 1998. S. 68-80.

23) Vgl.: https://www.mauerfall35.berlin

24) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Überwachungsstaat
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Gläserner_Mensch_(Datenschutz)

25) Vgl. meinen Text: „Herausforderungen der digitaltechnischen Revolution – Ist ein Szenario einer globalen totalitären Vergesellschaftung vermeidbar?“. In dieser herrschaftskritischen historisch-anthropologischen Analyse vertrete ich die These, daß sowohl die Ausprägungsform als auch die Intensität von Herrschaft abhängig ist vom jeweiligen technologischen Stand der gesellschaftlichen Entwicklung: Demnach ist despotische Herrschaft eine Folge der Neolithischen Revolution, und die totalitäre Herrschaft des 20. Jahrhunderts eine Folge der Industriellen Revolution, sodaß folglich die Digitaltechnische Revolution zu einer neuartigen Herrschaftsform führen wird, die die Totalitarismen des extremen 20. Jahrhunderts als rückständige, technologisch unausgereifte Frühformen totalitärer Vergesellschaftung erscheinen lassen wird.
Zu lesen ist dieser Text auf meiner Internetseite:
https://manfred-suchan.jimdosite.com/digitaltechnische-revolution/

26) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Belarus

27) Vgl.: https://germany.mfa.gov.by/de/konsularwesen/visaerteilung/visa_free_35_DE/
Sowie: https://deu.belta.by/president/view/auf-schiene-und-strase-lukaschenko-unterstutzt-visafreie-einreise-fur-burger-aus-35-eu-staaten-66281-2024/

28) Vgl.: https://www.germany.mfa.gov.by/de/embassy/news/a05f207627348264.html

29) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Entspannungspolitik
Sowie: Gottfried Niedhart: Entspannung in Europa. Die Bundesrepublik Deutschland und der Warschauer Pakt 1966 bis 1975. Bonn, 2014.
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Wandel_durch_Annäherung

30) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wende_und_friedliche_Revolution_in_der_DDR

31) Ein bekanntes Beispiel für einen geopolitisch, machtpolitisch und wirtschaftspolitisch motivierten „Wettlauf“ (scramble) von Großmächten
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Großmacht
und Weltmächten
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltmacht
ist der sogenannte „Wettlauf um Afrika“ (Scramble for Africa):
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wettlauf_um_Afrika
im Zeitalter des Imperialismus
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Imperialismus#Zeitalter_des_Imperialismus_(ca._1870-1914)
Das Zeitalter des Imperialismus kulminierte in zwei Weltkriegen.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Dreißigjähriger_Krieg

31a)  In der Mauerstadt Berlin wird eine eigenartige Besonderheit der politischen Kultur
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Kultur
der berliner Mauergesellschaft deutlich: Insbesondere in Berlin ist es übliche Praxis, jedes Thema in das antagonistische Schema eines eindimensionalen Rechts-Links-Gegensatzes
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rechts-links-Schema
zu zwängen und jedes gesellschaftspolitische Phänomen und Problem als eine Erscheinung und Ausprägung dieses eindimensionalen Rechts-Links-Gegensatzes darzustellen und zu vermitteln. Dieses ist Ausdruck und Erscheinungsform eines reduzierten, manichäischen und dualistischen Weltbildes und einer durch diesen Dualismus geprägten Weltanschauung. Dieses dualistische Weltbild ist eine bis heute nachwirkende Altlast aus dem Zeitalter der Bipolarität und der Blockkonfrontation während des Ost-West-Konflikts, der in der Mauerstadt Berlin aufgrund der geografischen Lage der Stadt in besonderem Maße präsent war. Daher prägte der Ost-West-Konflikt das Denken der Menschen der berliner Mauergesellschaft in der Mauerstadt Berlin in besonderem Maße, und das daraus resultierende reduzierte, manichäische und dualistische Weltbild bestimmt nachhaltig bis in die Gegenwart das Denken und die Weltsicht der berliner Mauergesellschaft (vgl. Anmerkung 4). Das insbesondere in der Mauerstadt Berlin ausgeprägte dualistische Weltbild spiegelt die beschränkte Weltsicht der Weltanschauung einer piefigen, bornierten und latent bildungsfeindlichen Mauergesellschaft wider, wobei der Horizont der Weltsicht dieser Mauergesellschaft an der Berliner Mauer endete. Heute wird der Rechts-Links-Gegensatz identitätspolitisch
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Identitätspolitik
instrumentalisiert, was dessen Fortbestand begünstigt. Dieses einfache eindimensionale Schema kommt nahezu ohne Analyse aus, es basiert auf Abgrenzungen und Feinderklärungen, und es hat eine verkürzte und reduktionistische Sichtweise zur Folge. Das dualistische Weltbild und eine durch diesen Dualismus geprägte Weltanschauung verweigern sich jeglicher Aufklärung und sie sind ein durch das extreme 20. Jahrhundert verursachter langfristiger Schaden, der sich in der Mauerstadt Berlin offensichtlich kaum begrenzen läßt.

32) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Michail_Sergejewitsch_Gorbatschow

33) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Jugoslawienkriege

34) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/NATO-Osterweiterung#Kontroversen
Der erste Generalsekretär der NATO, Hastings L. Ismay, 1. Baron Ismay (1887-1965) prägte die bekannte Kurzcharakteristik für die NATO, deren primäre Aufgabe es sei: „to keep the Soviet Union out, the Americans in, and the Germans down“.
Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Hastings_Ismay,_1._Baron_Ismay#Über_die_Funktion_der_NATO

35) Vgl.: https://freedom.axelspringer.com/de/2024/ausstellungseroeffnung-china-ist-nicht-fern/
Sowie: https://www.mauerfall35.berlin/event/china-ist-nicht-fern/

36) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tiananmen-Massaker

37) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Volksrepublik_China

38) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tiananmen-Massaker#Internationale_Reaktionen_und_Rezeptionsgeschichte

39) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zentraler_Runder_Tisch
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Runder_Tisch

40) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Social_Engineering_(Politikwissenschaft)

41) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialkredit-System

42) Siehe: Kai Strittmatter: Die Neuerfindung der Diktatur. Wie China der digitalen Überwachungsstaat aufbaut und uns damit herausfordert. München, 2020. S. 215.

43) Siehe: Yvonne Hofstetter: Der unsichtbare Krieg. Wie die Digitalisierung Sicherheit und Stabilität in der Welt bedroht. Bonn, 2020. S. 216-217.

44) Vgl. hierzu meinen Text: „Herausforderungen der digitaltechnischen Revolution – Ist ein Szenario einer globalen totalitären Vergesellschaftung vermeidbar?“. Zu lesen ist dieser Text auf meiner Internetseite:
https://manfred-suchan.jimdosite.com/digitaltechnische-revolution/

45) In Folge der Ereignisse des 11.09.2001 wurden in den USA Tendenzen eines neuen Totalitarismus im digitaltechnischen 21. Jahrhundert erkennbar. Aus Anlaß der Ereignisse vom 11.09.2001 wurde in den USA unter dem Vorwand eines „War on Terror“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_gegen_den_Terror
ein weltweites Massenüberwachungsprogramm begonnen
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/PRISM
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Echelon
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Tempora
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/ENFOPOL
Des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/INDECT
zudem wurde am 14.09.2001 der Ausnahmezustand verhängt, es erfolgte eine vorher nicht dagewesene Ausweitung der präsidentiellen Macht und einer faktischen Aufhebung der Gewaltenteilung, am 26.10.2001 wurden mit dem „USA Patriot Act“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/USA_PATRIOT_Act
die Bürgerrechte eingeschränkt, erstmals seit ihrem Bestehen rief die NATO den Bündnisfall aus, und am 07.10.2001 begann der Krieg in Afghanistan
https://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_in_Afghanistan_2001-2021
sowie am 20.03.2003 der Irakkrieg
https://de.wikipedia.org/wiki/Irakkrieg
mit einer „Koalition der Willigen“.
https://de.wikipedia.org/wiki/Koalition_der_Willigen
Dies erfolgte auf Grundlage der „Busch-Doktrin“
https://de.wikipedia.org/wiki/Bush-Doktrin
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationale_Sicherheitsstrategie_der_Vereinigten_Staaten
und im Zuge einer Politik des Unilateralismus.
https://de.wikipedia.org/wiki/Unilateralität
Im „Krieg gegen den Terror“ wurden Geheimgefängnisse
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geheimgeängnis
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Verschwindenlassen
und sogenannte „Black Sites“
https://de.wikipedia.org/wiki/Black_Site
errichtet, in denen ebenso wie im Gefangenenlager Guantanamo
https://de.wikipedia.org/wiki/Gefangenenlager_der_Guantanamo_Bay_Naval_Base
Folter angewandt wurde:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Folter
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Abu-Ghuraib-Folterskandal
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Weiße_Folter
Vgl. auch: Alfred W. McCoy: Foltern und Foltern lassen. 50 Jahre Folterforschung von CIA und US-Militär. Frankfurt am Main, 2006.

Folge dieser Politik der Bush-Administration war ein „gespaltener Westen“, und der Philosoph Jürgen Habermas
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Jürgen_Habermas
stellte in seinem Buch „Der gespaltene Westen“ im Jahre 2004 fest: „Nicht die Gefahr des internationalen Terrorismus hat den Westen gespalten, sondern eine Politik der gegenwärtigen US-Regierung, die das Völkerrecht ignoriert, die Vereinten Nationen an den Rand drängt und den Bruch mit Europa in Kauf nimmt.“ Dieser Entwicklung stellt Habermas das „Kantsche Projekt der Abschaffung des Naturzustandes zwischen den Staaten“ entgegen, das der Philosoph Immanuel Kant (1724-1804)
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant
in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zum_ewigen_Frieden
im Jahre 1795 vorentworfen hatte, und Habermas führt aus: „Mit dem Entwurf eines ‚weltbürgerlichen Zustands‘ hat Kant den entscheidenden Schritt über das allein auf Staaten bezogene Völkerrecht hinaus getan. Inzwischen hat sich das Völkerrecht nicht nur als juristische Fachdisziplin ausdifferenziert; nach zwei Weltkriegen hat die Konstitutionalisierung des Völkerrechts auf dem von Kant zugewiesenen Wege zum Weltbürgerrecht Fortschritte gemacht und in internationalen Verfassungen, Organisationen, Verfahren institutionelle Gestalt angenommen“. Habermas skizziert ein Mehrebenensystem einer „Weltinnenpolitik ohne Weltregierung“: „Im Lichte der Kantschen Idee kann man sich eine politische Verfassung einer dezentrierten Weltgesellschaft, ausgehend von den heute bestehenden Strukturen, als ein Mehrebenensystem vorstellen, dem im Ganzen der staatliche Charakter aus guten Gründen fehlt“. Dabei wird der Weg vom Staatenrecht zum Weltbürgerrecht beschritten, und die individuellen Bürger werden als unmittelbare Subjekte des Völkerrechts anerkannt, womit die Transformation des Völkerrechts in ein Weltverfassungsrecht eingeleitet wird. Auf dieser Grundlage mahnt Habermas Reformen der UNO an.
Vgl.: Jürgen Habermas: Der gespaltene Westen. Frankfurt am Main, 2004. S. 7, S. 114, S. 134.

Diese Spaltung des Westens findet in dem vom US-amerikanischen Kriegsminister Donald Rumsfeld
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Donald_Rumsfeld#Verteidigungsminister_unter_Präsident_George_W._Bush
bezeichneten „Alten Europa“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Das_alte_Europa
und dem „Neuen Europa“ ihre Entsprechung. Die Länder des „Neuen Europa“ bildeten die „Koalition der Willigen“, den Vasallen, mit denen die USA im Zentrum Eurasiens in den Krieg gezogen sind, womit die USA unübersehbar der geopolitischen „Heartland-Theorie“ folgen:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Heartland-Theorie

Die Länder der „Koalition der Willigen“ des „Neuen Europas“ bilden im Wesentlichen die EU-Beitrittsländer der großen EU-Osterweiterung der Jahre 2004 und 2007, doch faktisch sind diese neuen EU-Beitrittsländer in der östlichen Hälfte Europas mehr den USA, als der EU, dem vom US-amerikanischen Kriegsminister Donald Rumsfeld bezeichneten „Alten Europa“ beigetreten. Die EU-Beitrittsländer des „Neuen Europa“ sind seither in der erweiterten Europäischen Union Empfänger von Leistungen, die das „Alte Europa“ leisten muß. Die EU-Osterweiterung erfolgte zeitgleich und parallel zur NATO-Osterweiterung, und faktisch ist eine Mitgliedschaft in der NATO eine Voraussetzung für eine Mitgliedschaft in der EU.

Im Falle des aktuellen Krieges in der Ukraine, der im Wesentlichen ein Produkt der Geopolitik der USA ist, bilden heute allerdings sowohl das „Neue Europa“ als auch das „Alte Europa“ gemeinsam eine „Koalition der Willigen“.

46) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Chinesisches_Jahrhundert
Des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Sinozentrismus
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Seidenstraße

47) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bipolare_Welt
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Kalter_Krieg#Bipolare_Welt
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Polarität_(Internationale_Beziehungen)
Des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Zwei-Lager-Theorie

48) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_einzige_Weltmacht:_Amerikas_Strategie_der_Vorherrschaft
Und: Zbigniew Brzeziński: Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft. Frankfurt am Main, 1999.

49) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zbigniew_Brzeziński

50) Siehe: Zbigniew Brzeziński: Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft. Frankfurt am Main, 1999. S. 15-16, S. 58, S. 41, S. 64 und S. 65-66.

Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Amerikanisches_Jahrhundert
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Project_for_the_New_American_Century
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfowitz-Doktrin

51) Siehe: Matthias Platzeck: Wir brauchen eine neue Ostpolitik. Russland als Partner. Berlin, 2020. S. 97 und 99.

52) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Chinesisch-russische_Beziehungen#2021-2023:_Schritte_zur_strategischen_Partnerschaft_China-Russland

53) Vgl.: Anmerkung 4.

54)Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wandel_durch_Annäherung

55) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Charta_von_Paris


56) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Warschauer_Pakt#Auflösung

57) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zwei-plus-Vier-Vertrag
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufenthalts-_und_Abzugsvertrag

58) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/NATO-Osterweiterung#Kontroversen

59) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/NATO-Erweiterung
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/NATO-Osterweiterung

60) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erweiterung_der_Europäischen_Union

61) Siehe: Thomas Kunze, Thomas Vogel: Das Ende des Imperiums. Was aus den Staaten der Sowjetunion wurde. Bonn, 2016. S. 109.

62) Siehe: Matthias Platzeck: Wir brauchen eine neue Ostpolitik. Russland als Partner. Berlin, 2020. S. 46-47.

63) Siehe: Thomas Kunze, Thomas Vogel: Das Ende des Imperiums. Was aus den Staaten der Sowjetunion wurde. Bonn, 2016. S. 80.

64) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Konsumgesellschaft

65) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Studentendorf_Schlachtensee

66) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Volksrepublik_Polen

67) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Estland

68) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Stadt
Vgl. auch Anmerkung 379.

69) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hansestadt

70) vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Riga

71) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tartu

72) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturhauptstadt_Europas

73) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Narva_(Stadt)

74) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tallinn

75) Vgl.: https://www.hotelsinminsk.com/de/
Sowie: https://www.minsk-hotels.org/de/

76) André Böhm, Maryna Rakhlei: Weissrussland. Mit Minsk, Brest, Hrodna, Homiel, Mahiliou und Viciebsk. Berlin, 2. Auflage 2029 (Treschner Verlag).
Ein weiterer Reiseführer zu Belarus wird vom Verlag „Bradt Travel Guides“ herausgegeben: Nigel Roberts: Belarus. Chesham, Edition 4 2018.
Vgl.: https://www.bradtguides.com/destinations/europe/belarus/

77) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wiedergewonnene_Gebiete
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Polnischer_Westgedanke

78) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnische_Säuberung
Die Idee der Ethnischen Säuberung hat ihre Grundlage im Ideal homogener Nationen und Nationalstaaten, und bei Ethnischen Säuberungen geht es um Minderheiten, die sowohl diesem Ideal, als auch dem Recht der Nation, das eigene Territorium zu beherrschen, im Weg stehen. Auf Grundlage des Ideals homogener Nationen und Nationalstaaten errichtet der Nationalismus ein System der Apartheit, das jeder Nation ein Reservat oder „Homeland“ zuweist. Die Ethnische Säuberung schafft das Faktum einer Terra Nullius,
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Terra_Nullius
die nun in Besitz genommen, kolonisiert und besiedelt werden kann.
In der internationalen Politik schuf die während der Konferenz von Lausanne am 30.01.1923 vereinbarte Konvention zum Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei,
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bevölkerungsaustausch_zwischen_Griechenland_und_der_Türkei
die Bestandteil des Vertrags von Lausanne
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Lausanne
vom 24.07.1923 war, als „Modell Lausanne“ einen Präzedenzfall für nachfolgende Vertreibungen im extremen 20. Jahrhundert. Das „Modell Lausanne“ diente von 1937 bis 1947 als Referenzpunkt für ca. ein Dutzend internationaler Abkommen, in denen massenhafte Bevölkerungsverschiebungen vereinbart und geregelt wurden. Ethnische Säuberungen wurden zu einem international akzeptablen Mittel, das versprach, innen- und außenpolitische Probleme wirksam und nachhaltig zu lösen, und immer häufiger und in wachsendem Umfang wurde darauf zurückgegriffen.

79) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Frieden_von_Moskau

80) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Karelien#Zwischen_Finnland_und_der_Sowjetunion

81) Die Ostseeregion als einer geografischen Region war Gegenstand und Ziel mehrerer meiner Fahrradreisen, darunter meiner Fahrradreise im Sommer 2014 durch die mittlere Ostseeregion. Lesen Sie meinen Reiseerlebnisbericht auf meiner Internetseite:
https://manfredsuchan.net/fahrradreise-mittlere-ostseeregion

82) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesautobahn_12#Autobahn_der_Freiheit

83) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Voie_de_la_Liberté

84) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Neptune
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/D-Day

85) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alliierte#Zweiter_Weltkrieg
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Anti-Hitler-Koalition
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegführende_Staaten_im_Zweiten_Weltkrieg

86) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Normandie

87) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Flandernschlachten

88) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_an_der_Somme

89) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_um_Verdun

90) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erinnerungskultur

91) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtskultur

92) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Herodot

93) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Perserkriege

94) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Thukydides

95) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Peloponnesischer_Krieg

96) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsbewusstsein

97) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tradition

98) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Historisches_Denken

99) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kontingenz_(Philosophie)

100) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Möglichkeit

101) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wirklichkeit

102) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Historizität

103) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kausalität

104) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsforschung 

105) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vermögen_(Fähigkeit)

106) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_der_Antike

107) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Aristotelismus

108) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles

109) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Substanz

110) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kontrafaktische_Geschichte

111) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Determinismus#Geschichtsdeterminismus

112) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Isaac_Newton

113) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gegenwart

114) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsschreibung

115) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsperspektive#Sinnstiftung_vom_Endpunkt_aus

116) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Historismus

117) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie_(Philosophie)

118) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erfahrung

119) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Welt

120) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Reduktionismus

121) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrnehmung

122) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Verstand

123) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wirklichkeit

124) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Begriff

125) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Begriff#Begriffsbildung

126) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sprache

127) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Lebenswelt

128) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturökologie#Biokulturelle_Diversität

129) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis

130) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vernunft

131) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Statistische_Signifikanz

132) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zeitalter

133) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ära

134) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Periodisierung

135) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Entwicklung

136) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fortschritt

137) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Prozess

138) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_der_Zeit

139) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte

140) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Raum_(Philosophie)

141) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erdgeschichte

142) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Naturgeschichte

143) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Menschheitsgeschichte
Die Menschheitsgeschichte ist Bestandteil der Erdgeschichte und der Geschichte des Lebens auf dem Planeten Erde. Bedingung des Lebens auf dem Planeten Erde ist der geodynamisch fundierte evolutions-ökologische Prozeß, dessen Bestandteil das Leben auf dem Planeten Erde ist. Die Menschheitsgeschichte kann als die Geschichte der Ausbreitung und Ausdifferenzierung des anatomisch modernen Menschen Homo sapiens vor ca. 70.000 Jahren von seinem beim gegenwärtigen paläoanthropologischen Forschungsstand angenommenen Ursprung im östlichen Afrika über den gesamten Planeten Erde bis zur Gegenwart aufgefaßt werden. Hierbei hatten mehrere technologische Revolutionen weitreichende gesellschaftliche und ökologische Folgewirkungen, insbesondere die Prometheische Revolution, die Neolithische Revolution, die Industrielle Revolution und aktuell die Digitaltechnische Revolution. Die Menschheitsgeschichte endet mit dem Ende der Menschheit:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ende_der_Menschheit
Aufgrund des weiteren Verlaufs der Erdgeschichte und der zukünftigen Geschichte des Lebens auf dem Planeten Erde auf Grundlage des geodynamisch fundierten evolutions-ökologischen Prozesses ist das Ende der Menschheit unvermeidbar. Das Einzige, was wir beeinflussen können, ist der Zeitpunkt, an dem das Ende der Menschheit eintritt. Wenn die Menschheit so weiter macht, wie bisher auf Grundlage ihrer technologischen Revolutionen, wird dieses Ende in sehr naher Zukunft eintreten. Auf Grundlage der natürlichen Verhältnisse auf dem Planeten Erde könnte die Menschheit hingegen potentiell noch etwa eine Milliarde Jahre fortexistieren.

144) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vergangenheit

145) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zukunft

146) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Protokoll_(Niederschrift)

147) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fiktion

148) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Verstand

149) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Platon

150) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Materie_(Philosophie)

151) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ereignis#Geschichtswissenschaft

152) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Entität

153) Siehe: Friedrich A. Brockhaus (Hg.): Brockhaus Enzyklopädie in vierundzwanzig Bänden. Achter Band. 19. Auflage, 1989, Mannheim. S. 391.

154) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsperspektive

155) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Multiperspektivität_(Geschichtswissenschaft)

156) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsdidaktik

157) Siehe: Eric Hobsbawm: Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. 1995, München. S. 17.

158) Siehe ebenda. S. 19.

159) Siehe: Theodoer Schieder: Ohne Geschichte sein? Geschichtsinteresse, Geschichtsbewußtsein heute. 1973, Köln. S. 13-15.
Sowie: Theodor Schieder: Geschichtsinteresse und Geschichtsbewußtsein heute. S. 78-81. In: Carl J. Burckhardt: Geschichte zwischen Gestern und Morgen. 1974, München. S. 73-102.

160) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kollektives_Gedächtnis

161) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsbild

162) Siehe: Friedrich A. Brockhaus (Hg.): Brockhaus Enzyklopädie in vierundzwanzig Bänden. Achter Band. 19. Auflage, 1989, Mannheim. S. 393.

163) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Menschenbild
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Mensch

164) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltanschauung

165) Siehe: Lynn Margulis: Der symbiotische Planet oder Wie die Evolution wirklich verlief. 2021, Frankfurt am Main. S. 9.

166) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Propaganda

167) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtspolitik

168) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Identitätspolitik

169) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Belagerung_von_Przemyśl

170) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Abenteuer_des_braven_Soldaten_Schwejk

171) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltkrieg
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Dreißigjähriger_Krieg

172) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Irakkrieg

173) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Koalition_der_Willigen
Europa ist heute gespalten, und dies insbesondere aufgrund der Politik der USA seit den Ereignissen des 11.09.2001. Diese Ereignisse lieferten den Vorwand, daß die USA mit ihren Vasallen einer „Koalition der Willigen“ im Zentrum Eurasiens in den Krieg gezogen sind. Nicht zufällig erfolgten die großen EU-Osterweiterungen der Jahre 2004 und 2007 im Zuge dieser Ereignisse. Die neuen Beitrittsländer in der östlichen Hälfte Europas, das „Neuen Europa“, sind faktisch mehr den USA, als der EU, dem vom US-amerikanischen Kriegsminister Donald Rumsfeld bezeichneten „Alten Europa“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Das_alte_Europa
beigetreten. Seit 1989/90 erfolgt eine geopolitisch motivierte Neuaufteilung globaler Interessenzonen, und die verbliebene „Einzige Weltmacht“ (Zbigniew Brzezinski) folgt unübersehbar der geopolitischen "Heartland-Theorie":
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Heartland-Theorie

Vgl. auch Anmerkung 45.

174) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtswissenschaft
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Theorie_der_Geschichte
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Geschichtswissenschaft

175) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gefallenenmahnmal_Notre-Dame-de-Lorette

176) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufklärung
Aufklärung kann nach Willi Oelmüller verstanden werden als ein „Prozeß von Traditionskritik und Traditionsbewahrung, der den jeweils geschichtlich erreichten Stand öffentlich anerkannter und teilweise bereits institutionalisierter sittlich-politischer Errungenschaften verteidigt und durchsetzt. Aufklärung sollte so (…) eine Orientierungshilfe bei der Bewältigung ungelöster Lebens- und Handlungsprobleme sein.“ Siehe: Willi Oelmüller: Die unbefriedigte Aufklärung. Beiträge zu einer Theorie der Moderne von Lessing, Kant und Hegel. Frankfurt am Main, 1979. S. I.

177) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Literaturkritik

178) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kunstkritik

179) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Architekturkritik

180) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Theaterkritik

181) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Filmkritik

182) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Religionskritik

183) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturkritik

184) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaftskritik

185) Vgl. hierzu meinen Text: „Der moderne Nationalismus als eine politische Religion – Über die Konstruktion der Nation im Zeitalter des modernen Nationalismus“. In dem Text vertrete ich die These, daß nicht nur die radikalisierten Ideologien des extremen 20. Jahrhunderts den Charakter einer Politischen Religion haben, sondern daß darüber hinaus die Idee der Nation, des Nationalismus und des Nationalstaats den Charakter einer Politischen Religion hat, deren Radikalisierung eine wesentliche Grundlage sowohl der totalitären Ideologien, als auch der Verbrechen des extremen 20. Jahrhunderts bildet. Das Aufkommen der Politischen Religion des Nationalismus und deren erlangter kulturellen Hegemonie bedeuten das Ende des Zeitalters der Aufklärung. Das dem Text zugrundeliegende Erkenntnisinteresse ist es, zu einer Überprüfung und Revision von politischen Ideen anzuregen, die sich im historischen Prozeß als problematisch erwiesen haben, und um den Möglichkeitsraum für die Entwicklung von Alternativen für eine zukünftige friedliche Weltgesellschaft jenseits der Idee der Nation und des Nationalstaates zu eröffnen. Nach der Unterbrechung durch das extreme 20. Jahrhundert ist eine Wiederaufnahme und Neubegründung des Projekts der Aufklärung angesagt, und auf einem neuen und erweiterten Wissens- und Erkenntnisfundament kann ein neues, zweites und nun globales Zeitalter der Aufklärung begründet werden. Ebenso wie im Zeitalter der Aufklärung stellt sich auch heute die Frage: „Wie klärt man Menschen so auf, dass sie aufgeklärt sein wollen?“
Zu lesen ist dieser Text auf meiner Internetseite:
https://manfred-suchan.jimdosite.com/geschichtspolitik/

186) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationale_Identität

187) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vilnius

188) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/UNESCO-Welterbe

189) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Klassizismus

190) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Griechischer_Tempel

191) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Technischer_Fortschritt
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Fortschritt
Vgl. auch Anmerkung 297.

192) Die Utopie vom „Neuen Menschen“ ist Bestandteil des wissenschaftlich-technischen Fortschrittsglaubens des Zeitalters der Moderne und des Glaubens der unbegrenzten Beherrschbarkeit und Gestaltbarkeit der Natur und der Gesellschaft einschließlich der inneren und äußeren Natur des Menschen im Industriezeitalter. Diese haben den Charakter eines Heilserwartungskultes
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Heilserwartung
und einer Erlösungsreligion
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erlösung
mit eschatologischer
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Eschatologie
Endzeiterwartung und können somit als eine Religion
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Religion
des technischen Zeitalters auf Grundlage technischer Rationalität und Instrumenteller Vernunft angesehen werden.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Instrumentelle_Vernunft
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Horkheimer#Kritik_der_instrumentellen_Vernunft
Und: Max Horkheimer: Zur Kritik der instrumentellen Vernunft. 1974, Frankfurt am Main. Die instrumentelle Vernunft und ihre Kritik bildet die analytische Schlüsselkategorie der Kritischen Theorie der vom Sozialphilosophen Max Horkheimer (1895-1973) gegründeten Frankfurter Schule, die auf Grundlage interdisziplinärer geistes- und gesellschaftswissenschaftlicher Analysen eine Synthese von Gesellschaftskritik und Kulturkritik leistet.

Eine Kritik des Zeitalters der Moderne und insbesondere des Industriezeitalters muß daher nicht nur Kulturkritik und Gesellschaftskritik, sondern auch Religionskritik umfassen.
Vgl. Anmerkung 297.

193) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Technologische_Singularität
Vgl. auch Anmerkung 297.

194) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weisheit

195) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tugend

196) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Großfürstliches_Schloss_Vilnius

197) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Großfürstentum_Litauen

198) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gediminas

199) Vgl. Anmerkung 11.

200) Die Gesamtzahl der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft im extremen 20. Jahrhundert schätzt Uwe Friesen auf insgesamt mehr als 150 Millionen Tote.
Vgl.: Uwe Friesen: Der Krieg als Mittel für den Frieden, oder: Mit Gewalt gegen Gewalt? S. 5. In: Der Chacokrieg. Reflexionen zum 80. Jubiläum des Friedensschlusses, 1935 – 2015 (= Jahrbuch für Geschichte und Kultur der Mennoniten in Paraguay, Jahrgang 16, Oktober 2015). S. 5-10.
Der Politikwissenschaftler Zbigniew Brzezinski schätzt die Gesamtzahl der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft im extremen 20. Jahrhundert auf 187 Millionen.
Zitiert nach: Eric Hobsbawm: Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. München, 1995. S. 26.

201) Siehe: Habbo Knoch: Geschichte in Gedenkstätten. Theorie-Praxis-Berufsfelder. Tübingen, 2020. S. 190 und 196.

202) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Museum_der_Okkupationen_und_Freiheitskämpfe

203) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Litauisch-Weißrussische_Sozialistische_Sowjetrepublik

204) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zweite_Polnische_Republik
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Polnisch-Litauischer_Krieg
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Mittellitauen (Staat)
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Litauisch-polnische_Beziehungen#Zwischenkriegszeit
Des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Zweite_Polnische_Republik#Litauen_und_Ukraine
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Międzymorze
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Zwischenkriegszeit#Bewaffnete_Auseinandersetzungen
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Dreißgjähriger_Krieg#Bewaffnete_Auseinandersetzungen_der_Zwischenkriegszeit

205) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/NKWD
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Großer_Terror_(Sowjetunion)#Ethnische_Säuberungen
Auf Wikipedia fehlt ein Artikel zu den sogenannten „nationalen Operationen“ des NKWD.

206) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sowjetunion

207) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geheime_Staatspolizei

208) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sicherheitsdienst_des_Reichsführers_SS

209) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/KGB

210) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Staatliches_Jüdisches_Museum_Gaon_von_Vilnius

211) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust_in_Litauen
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust

Das Thema „Holocaust“ wird in verschiedenen Ländern, darunter auch der Bundesrepublik Deutschland zum Vorwand genommen, die Meinungsfreiheit
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Meinungsfreiheit
und die Wissenschaftsfreiheit
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftsfreiheit
auf juristischem Wege einzuschränken, indem eine sogenannte „Holocaustleugnung“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Holocaustleugnung
zu einem strafrechtlich relevanten Verbrechen deklariert wird.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetze_gegen_Holocaustleugnung
Das Thema „Holocaust“ erhält so den Charakter eines geschichtspolitischen Dogmas, bei dem ein bestimmtes, vorgefertigtes Geschichtsbild vorgegeben wird, und ein allgemeiner herrschaftsfreier Diskurs wird erheblich eingeschränkt. Eine geschichtswissenschaftliche Bearbeitung des Themas ist so kaum möglich, denn die Grundlage jeden wissenschaftlichen Vorgehens ist die permanente Infragestellung und Überprüfung des bisherigen, als sicher geglaubten Wissens- und Erkenntnisstandes. Die gilt ausnahmslos auch für die Geschichtswissenschaft. Das bedeutet, daß sämtliche vorgetragenen Argumente sorgfältig geprüft werden müssen und gegebenenfalls mit gut begründeten, nachvollziehbaren und überzeugenden Argumenten widerlegt werden müssen.

Wie ideale Kommunikationsbedingungen und Kommunikationsverhältnisse aussehen können, dazu erteilt der Philosoph Jürgen Habermas Auskunft.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Jürgen_Habermas
Im Zentrum der „Theorie des kommunikativen Handelns“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Theorie_des_kommunikativen_Handelns
Sowie: Jürgen Habermas: Theorie des kommunikativen Handelns. Frankfurt am Main, 1981.
von Jürgen Habermas steht der allgemeine herrschaftsfreie Diskurs,
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Diskurs
in dem ausschließlich der zwanglose Zwang des besseren und überzeugenderen Arguments gilt, nicht jedoch die Anpassung an und die Unterordnung unter den Konsens eines Mainstreams. Nach Auffassung des Philosophen Jürgen Habermas unterscheidet sich der wahre gesellschaftliche Konsens vom falschen durch die symmetrische Verteilung der Chancen aller möglichen Beteiligten an dessen Teilnahme und das Fehlen jeglicher Art von Zwängen, sodaß „durch eine Gleichverteilung der Chancen, Deutungen, Behauptungen, Erklärungen und Rechtfertigungen aufzustellen und deren Geltungsansprüche zu begründen oder zu widerlegen, die Grundlage dafür geschaffen werden, daß keine Vormeinung auf Dauer der Thematisierung und der Kritik entzogen bleibt“.
Siehe: Jürgen Habermas: Zur Konsenstheorie der Wahrheit. Wahrheit von Aussagen, Wahrhaftigkeit von Äußerungen, Richtigkeit von Handlungen. S. 137. In: Jürgen Habermas, Niklas Luhmann: Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie – Was leistet die Systemforschung? Frankfurt am Main, 1971. S. 123-141.
Gemäß der von Jürgen Habermas vertretenen deliberativen Demokratietheorie
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Deliberative_Demokratie
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratietheorie
sind nur solche gesellschaftlichen Entwicklungen zustimmungsfähig und können Geltung beanspruchen, die das Resultat eines Deliberationsprozesses sind, der den Bedingungen der Gleichheit aller Teilnehmer, der Offenheit der Agenda und der Möglichkeit der Infragestellung geltender Diskursregeln unterliegt.
Vgl.: Hubertus Buchstein: Jürgen Habermas. In: Peter Massing, Gotthard Breit (Hg.): Demokratie-Theorien. Von der Antike bis zur Gegenwart. Bonn, 2005. S. 253-260.
Die deliberative Demokratietheorie postuliert, daß die politischen Überzeugungen von Bürgern zugleich aufklärungsbedürftig als auch aufklärungsfähig sind, was durch die politische Kommunikation der Bürger untereinander erfolgt. Damit gründet sie auf dem diskurstheoretischen Grundsatz der „Theorie des kommunikativen Handelns“ von Jürgen Habermas, nach dem genau die Regelungen Legitimität beanspruchen dürfen, denen alle möglicherweise Betroffenen als Teilnehmer an rationalen Diskursen zustimmen könnten.

Ein juristisches Vorgehen schafft hingegen ein Gesinnungsstrafrecht:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gesinnungsstrafrecht

Geschichtliche Ereignisse sollten von Historikern und Wissenschaftlern bearbeitet werden, und nicht von Juristen und Gerichten. Zwischen Beiden besteht ein grundsätzlicher Unterschied bezüglich des methodischen Vorgehens und des Erkenntnisinteresses.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnisinteresse
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis_und_Interesse
Aufgabe und Erkenntnisinteresse der Geschichtswissenschaft ist nicht die Beurteilung, sondern das Verstehen, einschließlich des Verstehens all dessen, was völlig unverständlich erscheint. Das Erkenntnisinteresse der Jurisprudenz ist ein gänzlich anderes, aufgrund ihrer Entstehung in den frühen Hochkulturen als Herrschaftstechnik, und ihre Aufgabe liegt in der Zuweisung individueller Schuld mit dem Ziel individueller Bestrafung zum Zweck der Machtdemonstration des Herrschers und der Unterwerfung des Delinquenten unter die cephale und hierarchische Herrschaft des Staates.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Frühe_Hochkulturen
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Keilschriftrecht#Gesetzgebung
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Halsgerichtsbarkeit
Die von Gerichten und Tribunalen gewonnenen Informationen sind für die Geschichtswissenschaften unbrauchbar und wertlos. Zudem beseitigen Gerichte und Tribunale in zahlreichen Fällen durch Justizmord
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Justizmord
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Todesstrafe
Zeitzeugen, die für die geschichtswissenschaftliche Forschung von großem Wert sind.

Im Rahmen der Studentenbewegung ist noch die Abschaffung des Strafrechts und jeglichen Bestrafens gefordert worden, doch heute wird die Herrschaftstechnik das Bestrafen wieder ausgeweitet.

Juristen sind davon überzeugt, eine dogmatische Lehre zu beherrschen, die es ihnen gestattet, sich zu allen nur denkbaren Themen kompetent zu äußern, und auf dieser Grundlage sämtliche Probleme allgemeinverbindlich regeln und lösen zu können, doch tatsächlich haben sie von nichts wirklich eine Ahnung.

212) https://de.wikipedia.org/wiki/Einsatzgruppen_der_Sicherheitspolizei_und_des_SD

213) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Ponary

214) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kollaboration

215) Vgl.: https://de.metapedia.org/wiki/Einsatzgruppen_der_Sicherheitspolizei_und_des_SD

216) Siehe: Habbo Knoch: Geschichte in Gedenkstätten. Theorie-Praxis-Berufsfelder. Tübingen, 2020. S. 63.

217) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto#Jüdische_Wohnbezirke/Ghettos_unter_dem_Nationalsozialismus

218) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkermord
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Demozid

219) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vergleichende_Völkermordforschung

220) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Holocaustforschung

221) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialismus
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/NS-Forschung

222) Eigenartigerweise existiert auf Wikipedia kein Artikel zum Thema NS-Verbrechen, obwohl es heute gerade die NS-Verbrechen sind, die beim Thema NS-Herrschaft in besonderem Maße wahrgenommen und thematisiert werden. Tatsächlich werden die NS-Verbrechen überwiegend zergliedert in unzusammenhängende Einzelteile dargestellt. Die NS-Verbrechen müssen so unbegreifbar und unverstehbar bleiben. Doch die Aufgabe der Geschichtswissenschaft ist das Verstehen, insbesondere all dessen, was völlig unverständlich erscheint. Der Geschichtswissenschaftler Eric Hobsbawm definiert die Aufgabe „des Historikers, dessen eigentliche Aufgabe nicht die Beurteilung ist, sondern vielmehr das Verstehen – sogar das Verstehen all dessen, was völlig unverständlich erscheint. (…) Es ist das Verstehen, das uns allen schwerfällt.“
Siehe: Eric Hobsbawm: Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. München, 1995. S. 19.

Verstehbar werden die NS-Verbrechen in ihrer Gesamtheit, wenn man zu deren Analyse die Kategorie des „Maßnahmenstaates“ des Juristen und Politikwissenschaftlers Ernst Fraenkel (1898-1975) verwendet.
Vgl.: Ernst Fraenkel: Der Doppelstaat. Recht und Justiz im „Dritten Reich“. Frankfurt am Main, 1984.
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Fraenkel_(Politikwissenschaftler)

In dieser Analyse der Herrschaft im NS-Staat, die zum Jahreswechsel 1940/1941 erstmals veröffentlicht wurde, unterscheidet Fraenkel die fortexistierenden Institutionen eines legalen „Normenstaates“, dessen Handeln sich an Gesetzen orientiert, von den neu geschaffenen Institutionen eines extralegalen „Maßnahmenstaates“ als Instrument willkürlicher Machtentfaltung und enthemmter Gewaltausübung. Als historische Beispiele für Institutionen des „Maßnahmenstaates“ können aufgeführt werden insbesondere die Konzentrationslager, des Weiteren die SS, die Gestapo, der SD, das RSHA, die „Aktion T4“, die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD. Der „Maßnahmenstaat“ kann als eine radikalisierte Form „Totaler Institutionen“ und der in diesen herrschenden „Besonderen Gewaltverhältnisse“ angesehen werden, die auf Extralegalität und Sonderbehandlung abzielen.

Fast nirgendwo wird in der Geschichtswissenschaft dieses Modell von Ernst Fraenkel für die geschichtswissenschaftliche Analyse der NS-Herrschaft und insbesondere der NS-Verbrechen verwendet, was mir unverstehbar erscheint.

223) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Machtergreifung
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Chronologie_der_nationalsozialistischen_Machtergreifung
Entgegen dem Mythos einer „legalen Revolution“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Legalitästaktik
hatte der Prozeß der Etablierung der NS-Herrschaft tatsächlich den Charakter einer Folge zahlreicher Staatsstreiche gegen den Text, die Intention und den Geist der Verfassung.

224) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Novemberpogrome_1938

225) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Sachsenhausen
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Konzentrationslager
Das Konzentrationslager Sachsenhausen war Musterlager und Prototyp sämtlicher NS-KZ, und zudem hatte es eine zentrale Funktion und Sonderstellung im gesamten System der NS-KZ, denn es war zugleich Ausbildungs- und Übungslager für das KZ-Personal sämtlicher NS-KZ, sowie Sitz der zentralen Verwaltung sämtlicher NS-KZ. In Gebäude 17, einem im Jahre 1936 errichteten ehemaligen Gestapo- und Lagergefängnis, gibt es eine Ausstellung zur Geschichte des KZ Sachsenhausen und dessen Disziplinar- und Strafregime. Das KZ Sachsenhausen war im Juli 1936 auf Befehl Heinrich Himmlers
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Himmler
als „vollkommen neuzeitliches und modernes und jederzeit erweiterbares“ Lager errichtet worden. Mit seinem dreieckigen Grundriß wurde das Lager nach dem architektonischen Modell einer panoptischen Anlage entworfen. Trotz des dem KZ Sachsenhausen zugedachten Modellcharakters wurde der dreieckige Grundriß nicht auf weitere KZ übertragen, denn entgegen Himmlers Erwartungen erwies sich das Modell als nicht beliebig erweiterbar.

Das Zentrum der panoptischen Anlage des Konzentrationslagers Sachsenhausen bildet der Turm A über dem Eingangstor. Im Turm A gibt es eine Ausstellung, in der dargestellt wird, daß sich das NS-Regime mit dem KZ Sachsenhausen als „vollkommen neuzeitlichem und modernem und jederzeit erweiterbarem“ Musterlager der gesamten Welt präsentieren und empfehlen wollte, einer Welt, in der das Lager im extremen 20. Jahrhundert als Totaler Institution zur zweckrationalen Verwaltung von Menschenmassen in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen schon längst zum globalen Standard geworden war, und als Bestandteil des extralegalen „Maßnahmenstaates“ erlangt die Totale Institution des Lagers in Gestalt des NS-KZ ihre idealtypische Vollendung, denn wir können in der Ausstellung lesen: „Das Muster-KZ Sachsenhausen sollte auf die vielen Besucher einen gepflegten Eindruck machen. Nicht nur internationale Delegationen von Politikern, Militärs, Journalisten, Wirtschaftsvertretern oder aber auch Forschern suchten das `KZ bei der Reichshauptstadt‘ auf. Entsprechend repräsentativ waren auch die Büroräume des höheren Lagerpersonals gestaltet“. In der Ausstellung werden Fotos gezeigt, auf denen zu sehen ist, wie insbesondere ausländische Delegationen durch das Musterlager geführt werden. Offensichtlich war das NS-Regime davon überzeugt, insgesamt in seinem Herrschaftsbereich ein „vollkommen neuzeitliches und modernes“ Zukunftsmodell des Regierens moderner Massengesellschaften zur Nachahmung für die gesamte Welt zu entwickeln, wobei den KZ eine herausragende Bedeutung zukam.

Daher sollte das KZ-Sachsenhausen bei einer Befassung mit dem Thema NS-KZ-System in besonderem Maße Berücksichtigung finden, und idealerweise beginnt man hier mit einem Einstieg in diesen Themenkomplex. Tatsächlich bietet die Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen eine vergleichsweise große Vielzahl von Ausstellungen zu Teilaspekten des Themenkomplexes, wie man sie in dieser Vielzahl, Umfang und Qualität in den meisten weiteren Gedenkstätten zum Thema NS-KZ in Europa nicht findet. Eine Befassung mit dem Thema NS-KZ ist in mehrfacher Hinsicht aufschlußreich: Wir befinden uns im Zentrum des NS-Maßnahmenstaates, der das Wesen und die Essenz der NS-Herrschaft bildet, und im Wesentlichen fanden hier die NS-Verbrechen statt.

Zudem sind die NS-KZ ein idealtypisches Beispiel für das Lager als einer Totalen Institution zur zweckrationalen Verwaltung, Kontrolle und Zurichtung von Menschenmassen, und die Totale Institution des Lagers in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen ist ein charakteristisches und konstituierendes Element des 20. Jahrhunderts als einem extremen Jahrhundert, ein Alleinstellungsmerkmal neben weiteren (wie die Ethnische Säuberung, der Ausnahmezustand, der „Doppelstaat“, die totale Mobilmachung, der totale industrielle Krieg) die dieses 20. Jahrhundert von anderen Jahrhunderten unterscheiden. Somit ist das NS-KZ ein idealtypisches Beispiel für die Totale Institution als solche, denn durch die bis ins Extrem gesteigerte Radikalisierung der Funktionsprinzipien Totaler Institutionen und des diese charakterisierenden „Besonderen Gewaltverhältnisses“, das generell auf Extralegalität und Sonderbehandlung abzielt, wird die Totale Institution zur Karrikatur zugespitzt, vor der Geschichte bloßgestellt und unrettbar diskreditiert. Aufgabe der Gedenk- und Erinnerungskultur ist jedoch überall die alternativlose Affirmation des jeweiligen, letztlich beliebigen Bestehenden, und dazu gehören Totale Institutionen, die für den „Normalbetrieb“ der Industriegesellschaft als unerläßlich und unverzichtbar angesehen werden. Deswegen muß die Gedenk- und Erinnerungskultur überall so gestaltet sein, daß die Verbrechen des extremen 20. Jahrhunderts, unter denen die NS-Verbrechen herausragen, nicht die Gegenwart affizieren. Die Verbrechen müssen als das grundsätzlich Andere, Erratische, Unerklärliche und Unverstehbare dargestellt und vermittelt werden, das die gesellschaftspolitische Gegenwart nicht affiziert. Meine These ist hingegen, daß das Zeitalter der Moderne und insbesondere die Industriegesellschaft im extremen 20. Jahrhundert kulminieren, diese in den Extremen ihre „vollkommen neuzeitliche und moderne“ idealtypische Ausprägung erlangen und daß deren Geschichte aufgrund deren Funktionslogik darauf hinausläuft. Konsequenz aus dieser Geschichte wäre also, sämtliche bisherigen Grundlagen der Gesellschaft und der Politik einer Revision zu unterziehen, mit dem Ziel, daß ein konsequenter historischer Bruch mit dem extremen 20. Jahrhundert erfolgt und die Gesellschaft und die Politik auf andere, neue Grundlagen gestellt werden.

226) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gedenkstätte_und_Museum_Sachsenhausen

227) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Konferenz_von_Évian

228) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Madagaskarplan
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Britisches_Uganda-Programm

229) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Generalgouvernement

230) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Einsatzgruppen_der_Sicherheitspolizei_und_des_SD

231) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkermord
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Demozid
Die wissenschaftliche Erforschung von Genoziden leistet die Vergleichende Völkermordforschung:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vergleichende_Völkermordforschung

232) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wannseekonferenz

233) Siehe: https://www.ghwk.de/fileadmin/Redaktion/PDF/Konferenz/protokoll-januar1942_barrierefrei.pdf
Auf Grundlage einer geschichtswissenschaftlichen Dokumentenkritik werden ernstzunehmende Zweifel an der Echtheit dieses Dokuments erhoben.
Vgl.: https://de.metapedia.org/wiki/Quelle_/_Das_Wannsee-Protokoll_-_Anatomie_einer_Fälschung
Sowie: Das „Wannsee-Protokoll“. In: Rolf Kosiek, Olaf Rose (Hg.): Der große Wendig. Richtigstellungen zur Zeitgeschichte. Band 2. (= Wigbert Grabert (Hg.): Veröffentlichungen des Instituts für deutsche Nachkriegsgeschichte, Band 37). Tübingen, 2. Auflage 2006. S. 102 – 107.
Im Internet ist dieses Buch als PDF-Datei erhältlich:
https://archive.org/details/kosiek-rolf-u-rose-olaf-der-grosse-wendig-richtigstellungen-zur-zeitgeschichte-band-2

234) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Endlösung_der_Judenfrage

235) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_Reinhardt
Die „Aktion Reinhard“ kann angesehen werden als die Anwendung der „Aktion T4“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_T4
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Krankenmorde_in_der_Zeit_des_Nationalsozialismus
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_T4#Personelle_Kontinuitäten
auf den Fall einer Ethnischen Säuberung unter besonderen Begleitumständen während des Zweiten Weltkrieges.

236) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vernichtungslager

237) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mémorial_de_la_Shoah

238) Wikipedia versucht, auf diese Frage eine Antwort zu finden:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wer_ist_Jude?
Im Gegensatz zu anderen Religionen verstehen sich Juden nicht nur als Religions- und Glaubensgemeinschaft
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Jüdische_Religion
sondern zudem als ein (von Gott auserwähltes) Volk. Juden werden jedoch nicht geboren, sondern gemacht, und dies ist eine Frage von Identitätspolitik
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Identitätspolitik
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Identität#Politische_und_soziologische_Identitätsbegriffe
Der Ägyptologe und Religionswissenschaftler Jan Assmann erklärt in seinem Buch: „Totale Religion“ die Besonderheiten der jüdischen Identitätskonstruktion: „so schwankt die jüdische Identität zwischen politischer, religiöser und ethnischer Definition. Das ist, soweit ich sehe, ein ziemlich einzigartiger Fall in der Menschheitsgeschichte. Ethnische Identität ist eine Frage der Abstammung (…), politische Identität ist eine Frage von Assoziation und Dissoziation, des Zusammenschlusses und des Ausschlusses, der Gruppenbildung und der Abgrenzung nach außen, und religiöse Identität ist eine Frage des Kultes und der Sitte (…). Das Besondere der jüdischen Situation ist die Verschmelzung dieser drei Identitätskriterien. Die Symbolfigur Abraham steht für die Verschmelzung von religiöser und ethnischer, die Symbolfigur Mose für die Verschmelzung von religiöser und politischer Identität. Durch die mosaische Verschmelzung wird auch die Religion eine Frage von Assoziation und Dissoziation. Dadurch entsteht eine Religion völlig neuen Typs, die dann zum Modell für die neuen Weltreligionen wird. Das charakteristische Kennzeichen dieser neuen Religionsform ist ihr politischer Charakter.“ Siehe: Jan Assmann: Totale Religion. Wien, 2. Auflage 2017. S. 145.

Somit hat die jüdische Identitätskonstruktion eines jüdischen Volkes als einer imaginierten quasi-natürlichen transhistorischen Einheit Ähnlichkeiten mit dem modernen Nationalismus als einer politischen Religion. Vgl. hierzu meinen Text: „Der moderne Nationalismus als eine politische Religion – Über die Konstruktion der Nation im Zeitalter des modernen Nationalismus“. Zu lesen ist dieser Text auf meiner Internetseite:
https://manfred-suchan.jimdosite.com/geschichtspolitik/

Religionen berufen sich auf die Religionsfreiheit, die den Rang eines Grund- und Menschenrechtes erlangt hat.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Religionsfreiheit
Die Religionsfreiheit verstehen die Religionen als einen Freibrief, der ihnen alles erlaube. Unter dem Vorwand der Religionsfreiheit pflegen die Religionen absurde und irrationale Glaubensvorstellungen, Rituale und Kulte, sie halten ihre Anhänger in geistiger Unfreiheit, und insbesondere sind sie zunehmend Ursache von Gewalt. Zudem mißachten Religionen in vielen Fällen Grund- und Menschenrechte, Beispiel Genitalverstümmelung.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zirkumzision#Kontroversen_um_die_Beschneidung_Minderjähriger
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Weibliche_Genitalverstümmelung#Religion

Die Kritik von Religionen ist Aufgabe und Gegenstand der Religionskritik.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Religionskritik

239) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Juden_in_Osteuropa
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Ostjuden_und_Westjuden

240) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ansiedlungsrayon
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Juden_in_Russland

241) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nation
Sowie: Hans-Ulrich Wehler: Nationalismus. Geschichte, Formen, Folgen. 2001, München.

242) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalstaat

243) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zionismus
Des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Balfour-Deklaration

244) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Palästina_(Region)

245) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Antisemitismus
Die Historikerin und Philosophin Hannah Arendt
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hannah_Arendt
hebt in ihrem Werk „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Elemente_und_Ursprünge_totaler_Herrschaft
Antisemitismus als bedeutendsten Aspekt zur Erklärung der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts hervor. Zweifellos findet diese Sichtweise und Gewichtung in den persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen Arends als Zeitzeugin und ihrer persönlichen Betroffenheit von den historischen Entwicklungen ihre Begründung. So wurde im Jahre 1937 Arendt die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. 1940 wurde sie in Frankreich als „Unerwünschte Person“ und als „Feindliche Ausländerin“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Enemy_Alien
in dem Internierungslager
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Internierungslager
„Camp de Gurs“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Camp_de_Gurs
interniert. In ihrem Essay „Wir Flüchtlinge“ schreibt sie dazu, daß „die Zeitgeschichte eine neue Gattung von Menschen geschaffen hat – Menschen, die von ihren Feinden ins Konzentrationslager und von ihren Freunden ins Internierungslager gesteckt werden“. Nach etwa einem Monat gelang ihr mit wenigen anderen die Flucht aus dem Internierungslager Gurs.

Zweifellos kann man zur Erklärung der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts auch andere Aspekte hervorheben und andere Gewichtungen vornehmen und somit eine andere Sichtweise auf die historischen Ereignisse entwickeln. Bei meiner historischen Analyse der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts hebe ich Nationalismus als bedeutendsten Aspekt zur Erklärung der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts hervor. Vgl. hierzu meinen Text: „Der moderne Nationalismus als eine politische Religion – Über die Konstruktion der Nation im Zeitalter des modernen Nationalismus“. Zu lesen ist dieser Text auf meiner Internetseite:
https://manfred-suchan.jimdosite.com/geschichtspolitik/

Heute ist der Begriff „Antisemitismus“ zu einem populären Modebegriff geworden, der zur Erklärung nahezu sämtlicher gesellschaftspolitischen Phänomene und Entwicklungen herangezogen wird.

246) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Imperium Romanum

247) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Jüdischer_Krieg

248) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Eroberung_von_Jerusalem_(70_n._Chr.)

249) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnische_Säuberung

250) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Totale_Institution
Der Begriff der „Totalen Institution“ wurde insbesondere vom Soziologen Erving Goffmann (1922-1982) geprägt, der in seiner Studie: „Asyle. Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen“ Merkmale totaler Institutionen aufführt. Vgl.: Erving Goffmann: Über die Merkmale totaler Institutionen. In: Derselbe: Asyle. Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen. Frankfurt am Main, 1972. S. 13-23.

Beispiele Totaler Institutionen sind: das Gefängnis, das Lager in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen, die Kaserne, die Wehrpflicht, die Fabrik, die Krankenanstalt, die Schule. Totale Institutionen schaffen einen Raum der Inklusion und der Exklusion und sie sind insbesondere charakterisiert durch die in ihnen herrschenden „Besonderen Gewaltverhältnisse“, die auf Extralegalität und Sonderbehandlung abzielen. Der „Maßnahmenstaat“ nach Ernst Fraenkel kann als eine radikalisierte Form Totaler Institutionen und der in diesen herrschenden „Besonderen Gewaltverhältnisse“, die auf Extralegalität und Sonderbehandlung abzielen, angesehen werden.

In ihren verschiedenen Varianten sind „Totale Institutionen“ überall anzutreffen, und sie werden als selbstverständliche Grundlage der Gesellschaft und als Bestandteil gesellschaftlicher und staatlicher Herrschaft akzeptiert und hingenommen, wobei im Rahmen der totalitären Gesellschafts- und Staatsidee das Funktionsprinzip der Totalen Institutionen aus diesen heraus auf potentiell sämtliche Bereiche der Gesellschaft übertragen und angewendet wird. Ein Ende des Zeitalters des Totalitären und des Totalitarismus ist somit ohne die Überwindung und Abschaffung des Konzepts der Totalen Institutionen nicht zu haben, denn sie sind die Quellen, aus denen sich die Idee des Totalitären und die Praxis des Totalitarismus immer wieder neu über die gesamte Gesellschaft ausbreiten und die Menschen entsprechend zurichten kann. Die Abschaffung Totaler Institutionen bedeutet nichts anderes als aus dem extremen 20. Jahrhundert Konsequenzen zu ziehen und dessen Grundlagen einer Revision zu unterziehen. Totale Institutionen werden auch heute noch als selbstverständlich, als erforderlich und alternativlos für den „Normalbetrieb“ der Industriegesellschaft angesehen, aber tatsächlich sind sie Formen von organisiertem Verbrechen. Daß sich bestehende gesellschaftliche Zustände und Verhältnisse auch verändern und humanisieren lassen, zeigt das Beispiel der Ächtung und Abschaffung der Sklaverei,
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Abolitionismus
und mit einer entsprechenden Politik eines Abolitionismus lassen sich auch Totale Institutionen, insbesondere Gefängnisse, das Strafrecht und das Bestrafen abschaffen.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Abolitionismus_(Kriminologie)

251) Die Totale Institution des Lagers in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen ist die Totale Institution zur zweckrationalen Verwaltung, Überwachung, Kontrolle und Zurichtung von Menschenmassen, sie ist eine Erfindung des Zeitalters der Moderne, und sie ist ein Instrument der Industriegesellschaft.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Internierungslager
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Lager_(Camp)#Unfreiwilligkeit
Seinen Ursprung hat das Internierungslager in den Kolonien, wo es als Repressionsinstrument genutzt wurde. Im Ersten Weltkrieg wurden die zuvor diskreditierten Internierungslager der Kolonien erstmals in Europa eingesetzt. Mit dem Ersten Weltkrieg beginnt die Anwendung kolonialer Unterdrückungsmethoden in Europa selber, und Europäer werden nun Gegenstand kolonialer Unterdrückungsmethoden. „Der Erste Weltkrieg war ein wichtiges Laboratorium für das, was kommen sollte“, erklärt der Historiker Karl Schlögel in seinem Text:“ Bugwelle des Krieges“: „Hier wurden die Methoden und Praktiken des totalen Krieges erstmals in großem Stil erprobt. (…) Hier wurden Praktiken vervollkommnet, die man zuvor schon an der Peripherie des Imperialismus, in den Kolonien, erprobt hatte – vom Konzentrationslager über Grenzziehung mit dem Rasiermesser bis zur lässigen Routine der Massenexekution; der Rassismus wanderte, wie Hannah Arendt gezeigt hatte, von der Peripherie ins Mutterland zurück“. Siehe: Karl Schlögel: Bugwelle des Krieges. S. 185-186. In: Stefan Aust, Stephan Burgdorff (Hg.): Die Flucht. Über die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten. 2003, Bonn. S. 194-195.

So kann die Strafkolonie als Ursprung und Prototyp des Konzentrationslagers angesehen werden.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Strafkolonie
Als ein rezentes Beispiel für ein Konzentrationslager kann das Gefangenenlager Guantanamo aufgeführt werden.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gefangenenlager_der_Guantanamo_Bay_Naval_Base

Die Totale Institution des Lagers als moderne Form terroristischen Zwangs gegen große Menschengruppen durchzieht und prägt die Geschichte des 20. Jahrhunderts, und sie ist eins der wesentlichen und charakteristischen Elemente, die das 20. Jahrhundert zu einem extremen Jahrhundert machen. Die Totale Institution des Lagers entstand am Vorabend des 20. Jahrhunderts, und seine Laufbahn ist noch nicht zuende, und es liefert ein Beispiel, daß „die Moderne gerade in ihrer Normalität Ziehvater der Exzesse dieses Jahrhunderts ist“, wie der Gesellschaftswissenschaftler Gerhard Armanski in seinem Buch: „Maschinen des Terrors. Das Lager (KZ und GULAG) in der Moderne“ analysiert. Siehe: Gerhard Armanski: Maschinen des Terrors. Das Lager (KZ und GULAG) in der Moderne. Münster, 1993. S. 18.

252) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ausnahmezustand
Eine kurze Studie zum Thema „Ausnahmezustand“ hat der Philosoph Giorgio Agamben vorgelegt: Derselbe: Ausnahmezustand. Frankfurt am Main, 2004. Es fehlt jedoch bislang noch eine umfassende Weltgeschichte des Ausnahmezustands.

253) Vgl.: Ernst Fraenkel: Der Doppelstaat. Recht und Justiz im „Dritten Reich“. Frankfurt am Main, 1984. In dieser Analyse der Herrschaft im NS-Staat, die zum Jahreswechsel 1940/41 erstmals veröffentlicht wurde, unterscheidet der Jurist und Politikwissenschaftler Ernst Fraenkel (1898-1975) die fortexistierenden Institutionen eines legalen „Normenstaates“, dessen Handeln sich an Gesetzen orientiert, von den neu geschaffenen Institutionen eines extralegalen „Maßnahmenstaates“ als Instrument willkürlicher Machtentfaltung und enthemmter Gewaltausübung. Als historische Beispiele für Institutionen des „Maßnahmenstaates“ können aufgeführt werden insbesondere die Konzentrationslager, des Weiteren die SS, die Gestapo, der SD, das RSHA, die „Aktion T4“, die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD. Der „Maßnahmenstaat“ kann als eine radikalisierte Form „Totaler Institutionen“ und der in diesen herrschenden „Besonderen Gewaltverhältnisse“ angesehen werden, die auf Extralegalität und Sonderbehandlung abzielen.

254) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_totale_Mobilmachung

255) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Totaler_Krieg

256) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Auswanderung

257) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Cuxhaven

258) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg

259) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Steubenhöft

260) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hapag-Hallen

261) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Cuxhaven_Amerika-Bahnhof

262) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bremerhaven

263) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Auswandererhaus

264) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rotterdam
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Holland-America_Line#Während_der_Zeit_der_Auswanderung_nach_Amerika

265) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Antwerpen

266) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Red_Star_Line_Museum

267) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Southampton

268) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Cherbourg

269) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/La_Cité_de_la_Mer

270) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Immigration_Act_von_1924
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Enemy_Alien#Zweiter_Weltkrieg_3

271) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Konferenz_von_Évian

272) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Évian-les-Bains

273) Siehe: Günter Brakelmann: Helmuth James von Moltke. 1907-1945. Eine Biographie. München, 2007. S. 81.

274) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Diplomatie

275) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Beziehungen
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Politik
Die Begriffe „Internationale Politik“ und „Internationale Beziehungen“ sind staatsfixiert und setzen die Idee der Nation und des Nationalstaats als eine quasinatürliche Tatsache voraus.

Der Begriff „Global Governance“ bzw. „Weltinnenpolitik“ oder „Erdpolitik“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Global_Governance
bietet dahingegen ein anderes Modell eines Mehrebenensystem einer Weltinnenpolitik ohne Weltregierung, ein Modell einer politischen Verfassung einer dezentrierten Weltgesellschaft, einem Mehrebenensystem, dem im Ganzen der staatliche Charakter aus guten Gründen fehlt. Dieses Mehrebenensystem setzt sich zusammen aus einer Vielzahl unterschiedlicher miteinander in Wechselwirkung stehenden politischen Prozessen, Ebenen und Akteuren, wodurch eine Multiebenendiversität des Politischen im Rahmen eines Mehrebenensystems einer dezentrierten Weltgesellschaft entsteht.

Es entsteht somit ein völlig neues Modell von Politik, das sich von historisch überholten Politikformen verabschiedet, deren Scheitern in Anbetracht des extremen 20. Jahrhunderts unübersehbar geworden ist.

276) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkerrecht
Die Transformation des Völkerrechts als einem Recht von Staaten zu einem Weltbürgerrecht als einem Recht der Menschen und der Menschheit auf Grundlage allgemeiner und universeller Menschenrechte, sowie zu einem Weltverfassungsrecht, steht noch aus. Hierbei werden die individuellen Bürger als unmittelbare Subjekte des Völkerrechts anerkannt.

277) Siehe: Jürgen Habermas: Zum Verhältnis von Nation, Rechtsstaat und Demokratie. S. 203. In: Derselbe: Politische Theorie (= Philosophische Texte Band 4). 2009, Frankfurt am Main. S. 176-208.

278) Siehe: Ebenda. S. 197-198.

279) Siehe: Ebenda. S. 208.

280) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Menschenrechte

281) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant

282) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zum_ewigen_Frieden

283) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Reform_der_Vereinten_Nationen

284) Siehe: Jürgen Habermas: Der gespaltene Westen. 2004, Frankfurt am Main.
S. 134.

285) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zwischenkriegszeit
Auf Wikipedia fehlt ein Artikel zur Flüchtlingskrise in der Zwischenkriegszeit, ohne deren Berücksichtigung die späteren Entwicklungen unverständlich bleiben müssen. Dies ist ein Beispiel für eine Dethematisierung bedeutender historischer Ereignisse, die jedoch für ein Gesamtverständnis der historischen Vorgänge und Zusammenhänge Berücksichtigung finden müssen. Dethematisierung ist ein Bestandteil von Geschichtspolitik.

286) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vichy

287) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Belle_Époque

288) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Napoleon_III.

289) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Strafkolonie
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Bagno_(Strafanstalt)#Frankreich:_Bagne
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Französisch-Guayanas#“Renaissance“_der_Strafkolonie
Des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Gefängnisinsel

290) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Teufelsinsel_(Französisch-Guayana)

291) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bourbaki-Panorama

292) Vgl. hierzu meinen Text: „Der moderne Nationalismus als eine Politische Religion – Über die Konstruktion der Nation im Zeitalter des modernen Nationalismus“. Zu lesen ist dieser Text auf meiner Internetseite:
https://manfred-suchan.jimdosite.com/geschichtspolitik/

293) Siehe: Lutz Raphael: Imperiale Gewalt und mobilisierte Nation. Europa 1914-1945. 2014, Bonn. S. 17 und 36. Der Autor zeigt auf, wie sich zwei politische Ordnungsmodelle, Imperium und Nation, in Europa verbanden, wobei zwischen 1900 und 1945 im Zuge nationaler Mobilisierungen der Nationalismus radikalisierte und zur herrschenden Denkfigur wurde.

294) Siehe: Jürgen Kocka: Geschichte als Aufklärung? S. 92-94. In: Jörn Rüsen, Eberhard Lämmert, Peter Glotz (Hg.): Die Zukunft der Aufklärung. 1988, Frankfurt am Main. S. 91-98.

295) Siehe: Theodor Schieder: Geschichtsinteresse und Geschichtsbewußtsein heute. S. 91 und 98. In: Carl J. Burckhardt: Geschichte zwischen Gestern und Morgen. 1974, München. S. 73-102.

296) Vgl. Anmerkung 143.

297) Die Fundierung der Menschheitsgeschichte (vgl. Anmerkung 143) in der Erdgeschichte und der Geschichte des Lebens auf dem Planeten Erde auf Grundlage des geodynamisch fundierten evolutions-ökologischen Prozesses ist erforderlich, um die zukünftigen Entwicklungen nicht gänzlich den Protagonisten und Apologeten des Transhumanismus, des Posthumanismus und der Technologischen Singularität zu überlassen. Die Protagonisten und Apologeten des Transhumanismus, des Posthumanismus und der Technologischen Singularität haben insbesondere im Zuge der technokratischen Bologna-Reform weitgehend die Dominanz und Suprematie über die Wissenschafts- Forschungs- und Technologiepolitik erlangt.

Bei einer realistischen Sichtweise,
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Realismus_(Philosophie)
die aufgrund der Erfahrungen des extremen 20. Jahrhunderts angemessen ist, führt der wissenschaftlich-technologische Fortschritt auf Grundlage technischer Rationalität und instrumenteller Vernunft unter dem Postulat der Wertfreiheit
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wertfreiheit
nicht zur zweckoptimistisch verkündeten Besten aller möglichen Welten, sondern zur Ausweitung und Perfektionierung von Herrschaft über Individuen, Gesellschaft und Natur, einschließlich der inneren und äußeren Natur des Menschen, die nach dem Modell einer zu optimierenden Maschine zweckrational zugerichtet werden. Das Erkenntnisinteresse
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis_und_Interesse
des von Lobbyisten gesteuerten real-existierenden Wissenschaftsbetriebes besteht nicht darin, die Natur wie sie ist zu erforschen und zu verstehen, wie es Aufgabe der Naturwissenschaften sein sollte, sondern Wissenschaft soll als Technikwissenschaft die Herrschaft über die Natur und die Menschen vermehren und deren zweckrationale Zurichtung und Ausbeutung intensivieren.

In London gelingt es exzellent, dem breiten Publikum diesen antagonistischen Dualismus, der das Verständnis der modernen Naturwissenschaften prägt, anschaulich zu vermitteln, gegenüberzustellen und unübersehbar deutlich werden zu lassen. So vermittelt das Natural History Museum
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Natural_History_Museum
im Bestreben, die Natur wie sie ist, zu verstehen, das moderne geodynamisch fundierte evolutions-ökologische Weltbild, während das benachbarte Science Museum
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Science_Museum
Naturwissenschaft als Technikwissenschaft präsentiert. Beide Museen besuchte ich am 28.07.2022.

In ihrem Buch: „Digitalzeitalter – Digitalgesellschaft. Das Ende des Industriezeitalters und der Beginn einer neuen Epoche“ stellen die Wissenschaftler Oliver Stengel, Alexander van Looy und Stephan Wallaschowski die Auswirkungen der Digitaltechnischen Revolution auf den Menschen dar: „Digitale Technik wandelt den Menschen damit innerlich wie äußerlich und unterscheidet ihn grundlegend von Menschen der vorangegangenen Zeitalter. Der Mensch überlässt sich nicht mehr den blinden Mechanismen der natürlichen Evolution, er nimmt seine Evolution bewusst in die Hand, um seine natürlichen Mängel zu kompensieren oder um seine Fähigkeiten zu erweitern. Das ist ein biologischer Bruch mit der bisherigen Entwicklungsgeschichte der Gattung Mensch“. Siehe: Oliver Stengel, Alexander van Looy, Stephan Wallaschowski (Hg.): Digitalzeitalter – Digitalgesellschaft. Das Ende des Industriezeitalters und der Beginn einer neuen Epoche. Wiesbaden, 2017. S. 14.

Der Soziologe Thomas Lemke analysiert in seinem Buch: „Die Natur in der Soziologie. Gesellschaftliche Voraussetzungen und Folgen biotechnologischen Wissens“ das sich gegenwärtig wandelnde Verhältnis von Natur und Gesellschaft, und er zeigt auf, daß im Zuge der derzeit stattfindenden Digitaltechnischen Revolution in Verbindung mit der Bio- und Gentechnischen Revolution „die Idee einer natürlichen Abstammung aller Lebewesen tendenziell ersetzt wird durch die Vorstellung einer künstlichen Pluralität von Lebensformen, die eher Artefakte sind denn Naturwesen. Die molekularbiologische Redefinition von Leben als Text, die Fortschritte in der Biomedizin mit neuen Visualisierungstechniken von PET-Scans bis zur DNA-Analyse, die Transplantationsmedizin und die Reproduktionstechnologien – um nur einige wenige technologische Innovationen zu nennen – brechen mit der Vorstellung eines integralen Körpers. Der Körper gilt dabei weniger als organisches Substrat denn als molekulare Software, die gelesen und umgeschrieben werden kann“. Siehe: Thomas Lemke: Die Natur in der Soziologie. Gesellschaftliche Voraussetzungen und Folgen biotechnologischen Wissens. Frankfurt am Main, 2013. S. 163.

Im Zuge der Digitaltechnischen Revolution entsteht mit dem kommenden Internet der Dinge
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_der_Dinge
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Ubiquitäres_Computing
auf globaler Ebene eine digitale Weltmaschine als dem künstlichen neuronalen Netz
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Künstliches_neuronales_Netz
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Neuroinformatik
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Deep_Learning
eines globalen digitalen Superorganismus, an dessen künstliche Intelligenz,
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Künstliche_Intelligenz
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Maschinelles_Lernen
die sich zur Superintelligenz
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Superintelligenz
entwickelt, in Kürze die Menschen selbst über Neurotechnik
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Neurotechnik
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Human_Brain_Project
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Neuro-Enhancement
mittels Gehirn-Computer-Schnittstellen
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Brain-Computer-Interface
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Erweiterte_Intelligenz
angeschlossen werden. Der Physiker und Philosoph Armin Grunwald stellt in seinem Buch: „Der unterlegene Mensch“ die sich daraus ergebenden Folgen für die Menschen dar: „Die Individuen würden zwar weiterhin gebraucht, hätten aber aus sich heraus keinen Wert mehr. Ihr Wert würde nur noch im Beitrag zum Kollektiv bestehen, im Dienst am globalen Gehirn. Menschen würden zu Endgeräten einer globalen Superintelligenz, mit der einzigen Daseinsberechtigung, diese zu füttern. (…) Dieser Superorganismus wäre sogar in der Lage, in den Kosmos zu expandieren“. Siehe: Armin Grunwald: Der unterlegene Mensch. Die Zukunft der Menschheit im Angesicht von Algorithmen, künstlicher Intelligenz und Robotern. München, 2019. S. 199.

Zudem dringen Nanotechnologien
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nanotechnologie
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Nanobiotechnologie
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Nanopartikel
Des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Biokompatibilität_von_Nanomaterial
mit Nanomaschinen
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Molekulare_Maschine
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Molekulare_Nanotechnologie
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Nanobot
bis in die kleinsten Bereiche der belebten und unbelebten Materie einschließlich der Blutbahn des Menschen vor, um diese zu kolonisieren und zu steuern. Gleichzeitig unterwirft die stattfindende Biotechnische und Gentechnische Revolution das Leben selbst technologischer Manipulation und Steuerung, die die Möglichkeiten der Domestikation der Neolithischen Revolution und der Eugenik
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Eugenik
des extremen 20. Jahrhunderts weit übersteigen. Die Digitaltechnische Revolution und die Gentechnische Revolution laufen in einem technologischen Totalitarismus zusammen. Unter dem Titel: „Technologischer Totalitarismus“ bemühen sich verschiedene Autoren um eine Technikfolgenabschätzung
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Technikfolgenabschätzung
mit dem Anliegen, den technologischen Fortschritt zu humanisieren, doch ohne daß es ihnen gelingt, die gesamte Breite und Tiefe der Thematik zu erfassen. Vgl.: Frank Schirrmeister (Hg.) Technologischer Totalitarismus. Eine Debatte. Berlin, 2015.

Dieser technologische Totalitarismus wird bei Erreichen der Technologischen Singularität das auf dem Planeten Erde im Zuge eines geodynamischen evolutions-ökologischen Prozeß entstandene Leben einschließlich des Menschen, durch technische, künstlich geschaffene Lebensformen
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Künstliches_Leben
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Evolutionärer_Algorithmus
ablösen, wie es der Transhumanismus und der Posthumanismus in Aussicht stellen, mit dem Endziel, das Prinzip des Lebens ganz durch das Prinzip der Technik
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Technik
und der Maschine
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Maschine
zu ersetzen, denn nur der perfekten, überlegenen und siegreichen Technik, und nicht dem unzulänglichen, mangelhaften und schwächlichen biologisch-organischen Leben gehört die Zukunft sowohl auf dem Planeten Erde als auch im gesamten, noch von der Technik zu erobernden und zu kolonisierenden Weltraum. Zweifellos sind die Apologien der Protagonisten des Transhumanismus, des Posthumanismus und der Technologischen Singularität eine fundamentale Herausforderung sowohl für die Bioethik,
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bioethik
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik
als auch für die Wissenschaftsethik
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftsethik
und die Technikethik
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Technikethik
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Technikphilosophie
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Umweltverträglichkeitsprüfung

In seinem Buch: „Schlägt die Maschine den Menschen?“ stellt der Politikwissenschaftler Jürgen Bruhn die Planungen bedeutender Protagonisten und Apologeten des Transhumanismus, des Posthumanismus und der Technologischen Singularität vor: „Einige der bekanntesten Computer- und Robotikwissenschaftler wie Ray Kurzweil, seit Dezember 2012 Leiter der technischen Entwicklung bei Google, Hans-Peter Moravec, Gründer des Roboterunternehmens ‚Seegrid‘, Marvin Minsky, Robotikpionier und emeritierter Professor für Computer Science am Massachusetts Institute of Technology, Ralph Merkle, Nanotechnikwissenschaftler, der deutsche Jürgen Schmidhuber, Informatiker, Computerwissenschaftler und Leiter des Luganer Instituts für Künstliche Intelligenz, der seit 30 Jahren die Entwicklung künstlicher neuronaler Netze erforscht, und andere wissen genau, wie die neue künstliche Welt in Zukunft aussehen wird. Jedenfalls glauben sie es zu wissen. Diese Leute sind davon überzeugt, dass intelligente Maschinen noch in diesem Jahrhundert unsere Gesellschaft beherrschen werden, da ihre künstlichen Gehirne milliardenfach intelligenter sein werden als biologische Menschenhirne. Ray Kurzweil prophezeit sogar, dass der ‚nicht intelligente Kosmos‘ durch eine einzige universelle Künstliche Intelligenz nach dem Ende dieses Jahrhunderts aufgewertet wird und künstliche Wesen dann in einer beinahe perfekten digitalisierten transhumanen Welt leben werden. Jürgen Schmidhuber prognostiziert, in wenigen Jahrzehnten werde ein einziger Supercomputer über die gesamte rohe Rechenkraft der ganzen Menschheit verfügen. (…) Für Kurzweil gehen wir nach dem Erreichen der Singularität einer transhumanen Zivilisation im Universum entgegen, der Menschheit 3.0. Sein Ziel ist das ewige virtuelle Leben, die endgültige Loslösung vom biologischen Leben. Der biologische Mensch mit all seinen Fehlern, Trieben, Krankheiten und Begehrlichkeiten ist für Kurzweil eine Antiquiertheit. Es gilt, die Natur und die biologische Menschengattung abzuschaffen und eine künstliche Superzivilisation im Weltall zu gründen. Das schwebt auch Hans-Peter Moravec und John D. Bernal vor“. Siehe: Jürgen Bruhn: Schlägt die Maschine den Menschen? Baden-Baden, 2019. S. 55 und 78.

Aufgrund des Potentials der Künstlichen Intelligenz (KI) werden nach der Ansicht des Astrophysikers und ehemaligen Präsidenten der Royal Society Martin Rees, die er in seinem Text: „Die organische Intelligenz hat keine Zukunft“ vorstellt, „in einer langfristigen Evolutionsperspektive Menschen und alle ihre Gedanken nur ein vorübergehender und primitiver Vorläufer der tieferen Gedanken einer von Maschinen beherrschten Kultur sein, die sich in die ferne Zukunft erstreckt und sich weit über unsere Erde hinaus ausbreitet. Wir sind jetzt Zeugen der Frühstadien dieses Übergangs. (…) Das abstrakte Denken biologischer Gehirne (…) wird ein kurzer Vorläufer der leistungsfähigeren Erkenntnisvermögen des anorganischen, posthumanen Zeitalters sein“. Siehe: Martin Rees: Die organische Intelligenz hat keine langfristige Zukunft. S. 36-38. In: John Brockman (Hg.): Was sollen wir von Künstlicher Intelligenz halten? Die führenden Wissenschaftler unserer Zeit über intelligente Maschinen. Frankfurt am Main, 2017. S. 36-39.

In seinem Text: „Ich heiße jedenfalls unsere maschinellen Gebieter willkommen“ vertritt der Physiker Antony Garrett Lisi die Auffassung: „Wenn Maschinen zur Empfindungsfähigkeit aufsteigen – und das werden sie -, werden sie auch nach Darwin‘scher Manier um Ressourcen, Überleben und Fortpflanzung konkurrieren“. Siehe: Antony Garrett Lisi: Ich heiße jedenfalls unsere maschinellen Gebieter willkommen. S. 52. In: John Brockman (Hg.): Was sollen wir von Künstlicher Intelligenz halten? Die führenden Wissenschaftler unserer Zeit über intelligente Maschinen. Frankfurt am Main, 2017. S. 52-55.

In seinem Text: „Wenn du sie nicht unterkriegen kannst, schließ‘ dich ihnen an“ ist der Physiker Frank Tipler davon überzeugt: „Die Erde ist zum Untergang verurteilt. Astronomen wissen schon seit Jahrzehnten, dass die Sonne eines Tages die Erde verschlingen und die gesamte Biosphäre zerstören wird – unter der Annahme, dass das intelligente Leben die Erde nicht verlassen hat, bevor dies geschieht (…), und schließlich werden es die KIs und menschliche Uploads (…) sein, die den Weltraum kolonisieren. (…) Wenn dieser Untergang bevorsteht, wird jeder Mensch (…) keine andere Wahl haben, als zu einem menschlichen Upload zu werden. Und die Biosphäre (…) wird ebenfalls aufgeladen“. Siehe: Frank Tipler: Wenn du sie nicht unterkriegen kannst, schließ‘ dich ihnen an. S. 46 und 48. In: John Brockman (Hg.): Was sollen wir von Künstlicher Intelligenz halten? Die führenden Wissenschaftler unserer Zeit über intelligente Maschinen. Frankfurt am Main, 2017. S. 46-48.

Technologische Singularität, Transhumanismus und Posthumanismus haben den Charakter eines Heilserwartungskultes
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Heilserwartung
und einer Erlösungsreligion
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erlösung
mit eschatologischer
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Eschatologie
Endzeiterwartung und können somit als eine Religion
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Religion
des technischen Zeitalters auf Grundlage technischer Rationalität und Instrumenteller Vernunft angesehen werden.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Instrumentelle_Vernunft
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Horkheimer#Kritik_der_instrumentellen_Vernunft
Und: Max Horkheimer: Zur Kritik der instrumentellen Vernunft. 1974, Frankfurt am Main. Die instrumentelle Vernunft und ihre Kritik bildet die analytische Schlüsselkategorie der Kritischen Theorie der vom Sozialphilosophen Max Horkheimer (1895-1973) gegründeten Frankfurter Schule, die auf Grundlage interdisziplinärer geistes- und gesellschaftswissenschaftlicher Analysen eine Synthese von Gesellschaftskritik und Kulturkritik leistet.

Eine Kritik des Zeitalters der Moderne und insbesondere des Industriezeitalters muß daher nicht nur Kulturkritik und Gesellschaftskritik, sondern auch Religionskritik umfassen.

In seinem Text: „Der alte Traum vom Neuen Menschen: Ideengeschichtliche Perspektiven“ stellt der Theologe Gottfried Küenzlen die Idee vom Neuen Menschen als einen innerweltlich-säkularen Glauben im Zeitalter der Moderne dar: „Die Moderne hat (…) ihre eigene säkulare Glaubensgeschichte, bestimmt von säkular-diesseitigen Heilshoffnungen und Erlösungsversprechen. (…) In diesem ideen- und realgeschichtlichen Strom der säkularen Religionsgeschichte der Moderne ist auch die Hoffnung auf den Neuen Menschen verortet. Der Glaube an die Geschichte als innerweltlich-eschatologische Fortschrittsgeschichte, der Glaube an die Politik als politischen Messianismus und der Glaube an die Wissenschaft: Dies waren die säkularreligiösen Gestaltungsmächte, die auch die neuzeitliche Hoffnungsgeschichte eines Neuen Menschen wesentlich bestimmt haben. (…) Die empirische Realisation des Neuen Menschen also ist Thema innerweltlicher Eschatologie, als der vom Menschen herzustellenden Zukunft. Der Mensch wird so, sich selbst vergöttlichend, zum Regisseur und Produzenten seines eigenen Heils und seiner Erlösung hin zu einem Neuen Menschen“. Siehe: Gottfried Küenzlen: Der alte Traum vom Neuen Menschen: Ideengeschichtliche Perspektiven. S. 17-18. In: Anne Seibring, Miriam Shabafrouz, Benjamin Weiß (Hg.): Der Neue Mensch. Bonn, 2018. S. 13-23.

Der Mediensoziologe Sascha Dickel zeigt in seinem Text: „Der Neue Mensch – ein (technik)utopisches Upgrade“ auf, daß heute Technikutopien die früher verbreiteten Sozialutopien abgelöst haben: „In einer Zeit, in der die Gesellschaft als Bereich ungestaltbarer Kontingenz erfahren wird, scheint nun die biologische Natur des Menschen als Bereich vermeintlich gestaltbarer Kontingenz in den Focus zu rücken“, was „vollumfänglich kompatibel mit beschleunigten Wachstumsgesellschaften erscheint, die auf die Produktion ständig neuer Innovationen programmiert sind“. Siehe: Sascha Dickel: Der Neue Mensch – ein (technik)utopisches Upgrade. Der Traum vom Human Enhancemant. S. 95 und 94. In:  Anne Seibring, Miriam Shabafrouz, Benjamin Weiß (Hg.): Der Neue Mensch. Bonn, 2018. S. 85-95.

Tatsächlich findet mit dem von den Protagonisten und Apologeten des Transhumanismus, des Posthumanismus und der Technologischen Singularität als Bestandteil einer Teleonomie
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Teleonomie
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Teleologie
erwarteten Endsieg der perfekten, erfolgreichen und überlegenen Technik über das unzulängliche, mangelhafte und schwächliche Leben die sozialdarwinistische Ideologie ihre endgültige Verwirklichung und Vollendung, deren Bestandteile das Konkurrenzprinzip, der Kampf ums Dasein und das Recht des Stärkeren ist.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdarwinismus
Der Sozialdarwinismus ist der geistesgeschichtliche Mainstream, der das Denken, den Zeitgeist und die Weltanschauung im Zeitalter des Imperialismus in den unterschiedlichsten Bereichen prägte, und er prägte insbesondere auch den Bereich der Politik. Das Zeitalter des Imperialismus kulminiert in den beiden Weltkriegen, und im totalen industriellen Krieg siegt nicht, wie von den Sozialdarwinisten behauptet, die überlegene Population, sondern alleine die überlegene Technik und ihr rücksichtsloser Gebrauch sowie die überlegene industrielle Produktion. Im totalen industriellen Krieg erreicht mit der Entwicklung und dem Einsatz der Atombombe die Entwicklung der Destruktivkräfte der Technik den wissenschaftlich-technologischen Stand zur potentiellen Vernichtung der gesamten Menschheit. Der Endsieg der perfekten, erfolgreichen und überlegenen Technik über das unzulängliche, mangelhafte und schwächliche Leben ist somit die endgültige Verwirklichung und Vollendung der sozialdarwinistischen Ideologie.

298) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Užupis

299) Der Dadaismus ist eine künstlerische und literarische Bewegung, die während des Ersten Weltkrieges in Folge des durch diesen bewirkten Zivilisationsbruch entstand und die sich über ganz Europa ausbreitete. Aufgrund der Zerstörung aller gültigen Werte und Normen durch den Ersten Weltkrieg hat die bisherige Kunst ihren Sinn verloren, und in einer absurd gewordenen Welt sind keine sinnvollen Aussagen mehr möglich.

300) Siehe: Friedrich A. Brockhaus (Hg.): Brockhaus Enzyklopädie in vierundzwanzig Bänden. Erster Band. 19. Auflage, 1986, Mannheim. S. 431.

301) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Soziale_Bewegungen

302) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Lebensreform

303) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Monte_Verità
Sowie: Stefan Bollmann: Monte Verità. 1900. Der Traum vom alternativen Leben beginnt. München, 2017.

304) Vgl.: Walter Hollstein, Boris Penth: Alternativprojekte. Beispiele gegen die Resignation. 1980, Reinbek bei Hamburg.

305) Siehe: Christian Krause, Detlef Lehnert, Klaus-Jürgen Scherer: Zwischen Revolution und Resignation? Alternativkultur, politische Grundströmungen und Hochschulaktivitäten der Studentenschaft. Eine empirische Untersuchung über die politischen Einstellungen von Studenten. Bonn, 1980. S. 11.
Diese Studie zur Alternativkultur hat als Vorbilder zum Einen die berühmt gewordene Studie „Student und Politik“ der Autoren Jürgen Habermas, Ludwig von Friedeburg, Christoph Oehler und Friedrich Weltz aus dem Jahre 1961
Vgl.: Jürgen Habermas, Ludwig von Friedeburg, Christoph Oeler: Student und Politik. Eine soziologische Untersuchung zum politischen Bewußtsein Frankfurter Studenten. Neuwied am Rhein, 1961,
und zum Anderen die Studie „Freie Universität und politisches Potential der Studenten“ der Autoren Ludwig von Friedeburg, Jürgen Hörlemann, Peter Hübner, Ulf Kadritzke, Jürgen Ritsert und Wilhelm Schumm aus dem Jahre 1968
Vgl.: Ludwig von Friedeburg, Jürgen Hörlemann, Peter Hübner, Ulf Kadritzke, Jürgen Ritsert, Wilhelm Schumm: Freie Universität und politisches Potential der Studenten. Über die Entwicklung des Berliner Modells und den Anfang der Studentenbewegung in Deutschland. Neuwied am Rhein, 1968.

306) Siehe: Christian Krause, Detlef Lehnert, Klaus-Jürgen Scherer: Zwischen Revolution und Resignation? Alternativkultur, politische Grundströmungen und Hochschulaktivitäten der Studentenschaft. Eine empirische Untersuchung über die politischen Einstellungen von Studenten. Bonn, 1980. S. 12.

307) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/John_Dewey

308) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/John_Dewey#Demokratie_als_Lebensform

309) Siehe: Hauke Brunkhorst: Demokratischer Experimentalismus. S. 7-8. In: Derselbe (Hg.): Demokratischer Experimentalismus. Politik in der komplexen Gesellschaft. 1998, Frankfurt am Main. S. 7-12.

310) Siehe: Günter Frankenberg: Autoritarismus. Verfassungstheoretische Perspektiven. 2020, Berlin. S. 235.

311) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/John_Dewey#Diskussionen_über_Dewey_in_den_USA

312) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Elitentheorie

313) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Lippmann

314) Siehe: Matthias Kettner: John Deweys demokratische Experimentiergesellschaft. S. 62. In: Hauke Brunkhorst (Hg.): Demokratischer Experimentalismus. Politik in der komplexen Gesellschaft. 1998, Frankfurt am Main. S. 44-66.

315) Siehe: Ebenda. S. 64.

316) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Projektwerkstatt
Sowie: https://www.tu.berlin/zewk/arbeitsbereiche/kooperations-und-beratungsstelle-fuer-umweltfragen/projektwerkstaetten

317) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Studentenprotest#"UniMut"-Streik_1988/89
Sowie: Nana Badenberg, Alexander Honold, Helmut Müller-Enbergs, Thomas Schwarz: Wehe, wenn sie losgelassen. Analyse der StudentInnenbewegung an der FU Berlin im Wintersemester 1988/89. Berlin, 1989.

318) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Jungk

319) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zukunftswerkstatt
Sowie: Robert Jungk, Norbert R. Müllert: Zukunftswerkstätten. Mit Phantasie gegen Routine und Resignation. München, 1989.

320) Siehe: Robert Jungk: Das Risiko als gesellschaftliche Herausforderung. S. 305 und 308. In: Ulrich Beck: Politik in der Risikogesellschaft. Essays und Analysen. Frankfurt am Main, 1991. S. 302-311.

321) Vgl.: Stefan Bollmann: Monte Verità. 1900. Der Traum vom alternativen Leben beginnt. München, 2017.
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Monte_Verità 

322) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Lebensreform

323) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fin_de_Siècle

324) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Museo_Casa_Anatta

325) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Freistadt_Christiania

326) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Charta_von_Athen_(CIAM)

327) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin-Kreuzberg#Nachkriegszeit

328) Vgl. dazu meinen Text „Formaldemokratie und Politikverdrossenheit - Über Politik in modernen Massengesellschaften“. Zu lesen ist dieser Text auf meiner Internetseite: https://manfred-suchan.jimdosite.com/kulturpolitik/

329) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Subkultur
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Subkulturtheorie

330) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bologna-Prozess

331) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Studentenprotest

332) Siehe: Ulrich Beck, Edgar Grande: Das kosmopolitische Europa. Frankfurt am Main, 2004. S. 23.

333) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gleichschaltung

334) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Technokratie

335) Bekanntes Beispiel der bisweilen zur Absurdität gesteigerten Regulierungs- und Gleichschaltungswut der Technokraten der Europäischen Union sind die Bananenkrümmungsverordnung und die Gurkenkrümmungsverordnung:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gurkenkrümmungsverordnung
Mit der Verordnung sollte ein Standard geschaffen werden, der Händlern, Verbrauchern und Verarbeitern europaweit vergleichbare Produkte garantiert. Als Folge der Verordnung glich in fast allen größeren Geschäften Europas eine Gurke der anderen. Gurken, die von den vorgeschriebenen Standards abwichen, durften nicht als Qualitätsprodukte mit Güteklassensiegel verkauft werden. Das gleiche Prinzip der Normung und Standardisierung wurde nun im Rahmen der „Bologna-Reform“ auf den gesamten Bildungsbereich in EUropa angewandt und durchgesetzt.

336) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltreich

337) Siehe: Dirk Jörke: Die Größe der Demokratie. Über die räumliche Dimension von Herrschaft und Partizipation. Berlin, 2019. S. 20.

338) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geopolitik

339) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Großmacht

340) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltmacht

341) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Supermacht

342) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Imperialismus

343) Vgl. Anmerkung 31.

344) Als charakteristische Elemente, die das 20. Jahrhundert in seiner gesamten historischen Tiefe und geografischen Breite als ein extremes Jahrhundert mit Alleinstellungsmerkmal charakterisieren und prägen können aufgeführt werden: Die Ethnische Säuberung, die Totale Institution des Lagers als die Totale Institution zur zweckrationalen Verwaltung von Menschenmassen in ihren verschiedenen Erscheinungsformen, der Ausnahmezustand, der Doppelstaat, die totale Mobilmachung, der totale industrielle Krieg, und weitere. Als charakteristische und prägende Elemente haben sie den Gehalt von analytischen Kategorien, die deshalb im Zentrum einer jeden Analyse zum extremen 20. Jahrhundert stehen müssen.

345) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Agenda_Setting

346) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Johan_Galtung

347) Siehe: Johan Galtung: Geopolitik nach dem Kalten Krieg: ein Essay zur Agendatheorie. S. 143 und 145. In: Derselbe: Die andere Globalisierung. Perspektiven für eine zivilisierte Weltgesellschaft im 21. Jahrhundert. Münster, 1998. S. 125-145.

348) Vgl.: Eric Hobsbawm: Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. München, 1995.

349) Siehe: Armin Grunwald: Der unterlegene Mensch. Die Zukunft der Menschheit im Angesicht von Algorithmen, künstlicher Intelligenz und Robotern. München, 2019. S. 232-233.

350) Siehe: Ebenda. S. 184.

351) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zukunftsforschung

352) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Posthumanismus

353) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Transhumanismus

354) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Technologische_Singularität

355) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Technischer_Fortschritt
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Technologiepolitik
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Forschungspolitik

356) In der Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiepolitik setzten sich die Protagonisten und Apologeten des Post- und Transhumanismus und der Technologischen Singularität im Zuge der technokratischen Bologna-Reform endgültig durch. Zweifellos ist der gesamte Bereich der Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiepolitik seit mehreren Jahrzehnten fehlgesteuert.

Vgl. auch Anmerkung 297.

357) Siehe: Sascha Dickel: Der Neue Mensch – ein (technik)utopisches Upgrade. Der Traum vom Human Enhancement. S. 94 und 93. In: Anne Seibring, Miriam Shabafrouz, Benjamin Weiß (Hg.): Der Neue Mensch. Bonn, 2018. S. 85-95.

Vgl. auch Anmerkung 192.

358) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Soft_Power

359) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Minsk

360) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Moskau

361) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Stalin

362) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialistischer_Klassizismus

363) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialistischer_Realismus

364) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Stadtbild

365) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Planstadt

366) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialistische_Stadt

367) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Charta_von_Athen_(CIAM)

368) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Autogerechte_Stadt

369) Beide Varianten der industriellen Moderne basieren auf dem Konzept der autogerechten Planung. Der östlichen, „realsozialistischen“ Variante der industriellen Moderne war es allerdings nicht gelungen, die errichteten autogerechten Planungslandschaften mit Massen von großen und schnellen Automobilen zu bevölkern. Ab 1989/90 erfolgt diesbezüglich eine nachholende Modernisierung in der östlichen Hälfte Europas, die mit großen und schnellen West-Autos überschwemmt wurde. Seither gilt in der östlichen Hälfte Europas das unbegrenzte Herumhasten mit großen und schnellen West-Autos als die Verwirklichung des Freiheits- und Glücksversprechens der Epochenwende von 1989/90.

370) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Architekturkritik
Im Gegensatz zur in diesem Wikipedia-Artikel vertretenen Auffassung, daß „Ziel der Architekturkritik ist, die Ursachen der Fehlleistungen von Architektur aufzuzeigen“, muß m.E. Architekturkritik Herrschaftskritik sein. Dabei kann die Architektur einer Stadt als Verkörperung des sozialen Organismus einer Stadt, als das jeweilige „Gehäuse“ dieses jeweiligen sozialen Organismus angesehen werden, und dieses funktionale Gehäuse gestattet Rückschlüsse auf das Denken, die Kosmologie und die Weltanschauung der jeweiligen städtischen Gesellschaft.
Als Beispiel möchte ich die antike Stadt Teotihuacán in Mittelamerika aufführen, die ich im Rahmen meiner Mittel- und Südamerikareise am 28.12.2016 besucht habe.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Teotihuacán

Bei Betrachtung der gesamten gewaltigen Anlage der Stadt Teotihuacán und ihrer architektonischen Bauten stellt sich dem Besucher die Frage nach dem Zusammenhang von Architektur und Herrschaft, und dabei insbesondere der massenpsychologischen Wirkung und Funktionalisierung von Architektur zur Stabilisierung und Verstetigung von Herrschaft. Offenkundig gibt es wiederkehrende Grundmuster und Grundtypen, die Zeit und Ort transzendieren und die sich in der Menschheitsgeschichte in verschiedenen geografischen Räumen sowohl in der „Alten Welt“, als auch in der „Neuen Welt“ etablierten, und dies offensichtlich ohne Kulturaustausch und Diffusion zwischen der „Alten Welt“ und der „Neuen Welt“. Folglich muß es dem historischen Prozeß inhärente Gesetzmäßigkeiten geben, die unabhängig von Ort und Zeit zu ähnlicher und vergleichbarer Ausprägung gelangen. Architektur ist so eine Ausdrucks- und Erscheinungsform gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse, und sie ist zugleich Instrument zur Herrschaftsausübung und Hilfsmittel zu deren Stabilisierung, Verstetigung und expansiven Ausweitung. Nach innen wird den Untergebenen für ihre Gefolgschaft und Massenloyalität eine Partizipation an der durch Stein verkörperten Macht und Herrlichkeit angeboten. Nach außen manifestiert Architektur den Anspruch imperialer Herrschaft und soll die Unterworfenen von den gewaltigen Dimensionen der Macht und deren ewigen Beständigkeit beeindrucken. Die herrschende Elite leitet ihre Macht von den Göttern ab und begründet ihre Herrschaft über ihre Verbundenheit mit einer kosmischen Weltordnung. Sie macht sich zum Garanten des ungestörten und einwandfreien Funktionierens der kosmischen Ordnung und der kosmischen Abläufe, die mathematisch exakt berechnet und kalendarisch erfaßt werden, und sie setzt eine entsprechende allgemeinverbindliche Weltanschauung, Kosmologie und Glaubenslehre mit Ritualen und Kulten, die die gesellschaftlichen Abläufe in die kosmische Ordnung einbinden. Dafür, daß nun jeden Tag pünktlich die Sonne aufgeht, genügend Regen fällt und Pflanzen auf den Feldern wachsen etc. verlangt die Herrschaftselite Unterwerfung, Gefolgschaft und Opfer, darunter auch Menschenopfer. Diesen kultischen Zwecken im Rahmen massenpsychologisch inszenierter Kosmologien dient gleichermaßen die Herrschaftsarchitektur. Die metropolitane Stadt mit ihrer Herrschaftsarchitektur ist somit das Gehäuse einer funktional gleichgeschalteten und maschinengleichen Massengesellschaft, wobei das architektonische Erscheinungsbild einer Stadt die direkte Widerspiegelung des herrschaftslegitimierenden Glaubenssystems einer Massengesellschaft ist.

371) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Herrschaftsarchitektur

372) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Unabhängigkeitsboulevard_(Minsk)

373) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Unabhängigkeitsplatz_(Minsk)

374) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Oktoberplatz_(Minsk)

375) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Altstädter_Rathaus_von_Minsk

376) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Magdeburger_Recht

377) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Stadtrecht

378) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Stadt#Mittelalterliche_Stadtgründungen
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Gründungsstadt#Gründungsstädte_des_Mittelalters

379) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Stadt

Ausführlich dargestellt ist die Bedeutung und Rolle der freien Städte im Mittelalter und der diese konstituierenden Gilden im fünften und sechsten Kapitel „Gegenseitige Hilfe in der Stadt des Mittelalters“ des im Jahre 1902 erschienenen Werks: „Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt“ des Geografen Peter A. Kropotkin (1842-1921):
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Pjotr_Alexejewitsch_Kropotkin
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Gegenseitige_Hilfe_in_der_Tier-_und_Menschenwelt

Kropotkin hebt die Besonderheiten der freien Städte des Mittelalters hervor: „Freiheit, Selbstverwaltung und Frieden zu gewährleisten, war das Hauptziel der Stadt des Mittelalters“. Die Stadt des Mittelalters war „ein Versuch, (…) einen engen Verband zu gegenseitiger Hilfe und Beistand zu organisieren, für Konsum und Produktion und für das gesamte soziale Leben, ohne den Menschen die Fesseln des Staates aufzulegen, sondern unter völliger Wahrung der Freiheit für die Äußerungen des schöpferischen Geistes einer jeden besonderen Gruppe von Individuen in der Kunst, dem Handwerk, der Wissenschaft, dem Handel und der politischen Organisation“. Die Stadt des Mittelalters war „eine befestigte Oase inmitten eines Landes, das unter dem Feudaljoch lebte“. Kropotkin stellt fest: “Die mittelalterlichen Städte haben ohne Zweifel der europäischen Zivilisation einen außerordentlichen Dienst erwiesen. Sie haben sie davor bewahrt, den Theokratien und despotischen Staaten der Vorzeit zu verfallen“ und „der Verlust, den Europa durch den Untergang seiner freien Städte erlitt, kann nur verstanden werden, wenn wir das 17. Jahrhundert mit dem 14. oder 13. vergleichen“. Siehe: Peter A. Kropotkin: Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt (1902). Frankfurt am Main, 2011. S. 150, S. 154, S. 164, S. 174 und S. 170.

Am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit erfolgte ein Niedergang der Städte, und im Zeitalter des Absolutismus
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Absolutismus
wird der absolutistisch regierte Staat allgemeiner Standard. Als einziger Ausnahme in Europa ist nur in der Schweiz allen modernen Tendenzen zur Zentralisierung, die sich seit dem Zeitalter des Absolutismus ereignen, erfolgreich widerstanden worden. Neben dem Konzept der Willensnation gründet das Modell der Schweiz auf einer Tradition kommunaler Selbstverwaltung, genossenschaftlicher Selbstorganisation und direkter Demokratie, und diese Tradition hat ihren Ursprung im Mittelalter, wo sie weit verbreitet war, doch sie ist heute nirgendwo sonst noch erhalten.

Mit seinem im Jahre 1902 erschienenen Buch „Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt“ hat sich der Geograf Peter A. Kropotkin dem von Konkurrenz und „Kampf ums Dasein“ geprägten sozialdarwinistischen Mainstream
seines Zeitalters, dem Zeitalter des Imperialismus, widersetzt und den Aspekt der Kooperation als Prinzip der Evolution und darüber hinaus der Menschheitsgeschichte hervorgehoben. Kropotkin hat sich den Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis seiner Zeit in nahezu allen wissenschaftlichen Disziplinen erarbeitet, und auf dieser Grundlage setzt er dem sozialdarwinistischen Mainstream seines Zeitalters, dem Zeitalter des Imperialismus, eine wissenschaftlich fundierte und umfassend begründete alternative Sichtweise entgegen: Nicht Konkurrenz, sondern Kooperation ist das wesentliche Prinzip sowohl in der Evolution, als auch in der Menschheitsgeschichte.

380) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Lübisches_Recht

381) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kölner_Rat_bis_1796#Verbundbrief

382) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Patriziat_(Nürnberg)#Ratsherrschaft

383) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rathaus

384) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Polen-Litauen
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Teilungen_Polens
Vgl. auch Kapitel 11.

385) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Russisches_Kaiserreich

386) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_I._(Russland)

387) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Władysław_II._Jagiełło

388) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_in_Afghanistan_(1979-1989)
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_in_Afghanistan#Sowjetische_Intervention_von_1979_bis_1989

389) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Afghanistan

390) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Cyclone
Das Phänomen des sogenannten „Terrorismus“ war im 19. Jahrhundert eine Domäne radikaler Nationalisten und wurde im 20. Jahrhundert zu einer Form irregulärer Kriegsführung im Rahmen von Strategien der Geopolitik insbesondere von Welt- und Supermächten, wie das Beispiel der USA zeigt: Die im propagierten „War on Terror“ nach den Ereignissen des 11.09.2001 bekämpften Terroristen waren zuvor erst als „Freiheitskämpfer“ geschaffen und aufgerüstet worden, um ab 1979 der Sowjetunion in Afghanistan eine militärische Niederlage zufügen zu können. Schon Mitte 1979, sechs Monate vor der Invasion der Sowjetunion in Afghanistan am 25.12.1979, begann die CIA-Operation „Cyclone“ mit dem Ziel der Destabilisierung der Sowjetunion durch die Verbreitung des militanten Islams in Zentral-Asien und der Ausbildung von Guerilla-Kämpfern. Nach Aussage des Politikwissenschaftlers Zbigniew Brzezinski hatte diese Geheimoperation „den Zweck, die Russen in die afghanische Falle zu locken“ um „der UDSSR ihren Vietnamkrieg zu bescheren“.

391) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zentralasien

392) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Cyclone#Die_“afghanische_Falle

393) Siehe: Alfred W. McCoy: Die CIA und das Heroin. Weltpolitik durch Drogenhandel. Frankfurt am Main, 2. Auflage 2016. S. 585-586.

394) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Dschihadismus

395) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Panarabismus#Geschichte

396) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Islamismus

397) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Algerischer_Bürgerkrieg

398) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bosnienkrieg

399) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Tschetschenienkrieg

400) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Arbeiterpartei_Russlands

401) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Februarrevolution_1917

402) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Oktoberrevolution

403) Vgl.: Antony C. Sutton: Wall Street and the Bolshevik Revolution (1974).
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Antony_C._Sutton

404) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Siegesplatz_(Minsk)

405) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Grosser_Vaterländischer_Krieg

406) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Held_der_Sowjetunion

407) Vgl.: https://www.memorialmuseums.org/memorialmuseum/belarussisches-staatliches-museum-der-geschichte-des-gro%C3%9Fen-vaterlandischen-krieges
Sowie: https://deu.belta.by/society/view/was-macht-das-museum-fur-die-geschichte-des-grosen-vaterlandischen-krieges-so-einzigartig-69292-2024/
Und: https://zeitgeschichte-online.de/geschichtskultur/der-echte-geist-des-sieges-und-eine-luege-ueber-den-krieg
Des Weiteren: https://zeitgeschichte-online.de/geschichtskultur/wem-gehoert-der-grosse-sieg
Vgl. auch: https://lernen-aus-der-geschichte.de/Lernen-und-Lehren/content/14898

408) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Stalinismus
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Stalin

409) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Heldenstadt
Vgl. auch: https://www.dekoder.org/de/gnose/heldenstadt-minsk-hauptstadt-belarus

410) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Stalin#Tod
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Ärzteverschwörung
Es ist wahrscheinlich, daß Josef W. Stalin nicht eines natürlichen Todes gestorben ist.

411) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nikita_Sergejewitsch_Chruschtschow

412) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Entstalinisierung
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Tauwetter-Periode

413) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Neostalinismus

414) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Josef-Stalin-Museum
Das Stalin-Museum in der Stadt Gori ist in zweifacher Hinsicht ein Museum. Zu Einen ist es ein materialreiches Museum zu Thema Josef W. Stalin, und zum Anderen ist das Stalin-Museum ein Museum über den staatsoffiziellen Personenkult, der in der Ära des Neostalinismus in der Sowjetunion betrieben wurde, und es muß daher als ein historisches Dokument dieser Ära unverändert erhalten bleiben und unter Denkmalschutz gestellt werden.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Stalinismus#Personenkult
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Personenkult#Realsozialismus
Für die Verbrechen in der Stalin-Ära sollte ein separates Museum eingerichtet werden.

415) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedensvertrag_von_Versailles
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsziele_im_Ersten_Weltkrieg

416) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Antikominternpakt

417) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Appeasement-Politik

418) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mandschurei-Krise

419) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Abessinienkrieg

420) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Spanischer_Bürgerkrieg

421) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Japanisch-Sowjetischer_Grenzkonflikt

422) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Überfall_auf_Polen

423) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltkrieg

424) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Chronologie_des_Zweiten_Weltkrieges
Sowie:
https://de.wikipedia.org/wiki/Vorgeschichte_des_Zweiten_Weltkrieges_in_Europa
Und:
https://de.wikipedia.org/wiki/Vorgeschichte_des_Zweiten_Weltkrieges_im_Pazifikraum
Vgl. auch:
https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Weltkrieg

425) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mémorial_de_Caen

426) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Japanisch-Chinesischer_Krieg

427) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ereignis

428) Siehe: Karl Schlögel: Bugwelle des Krieges. S. 180-181. In: Stefan Aust, Stephan Burgdorff (Hg.): Die Flucht. Über die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten. 2003, Bonn. S. 179-196.

429) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hitler-Stalin-Pakt

430) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Leih-_und_Pachtgesetz#An_die_Sowjetunion

431) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Industrialisierung_der_Sowjetunion

432) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rote_Armee#Ausgangssituation
Zahlen zum Rüstungsstand im Vergleich der einzelnen Staaten in der Zwischenkriegszeit bis zum Zweiten Weltkrieg führt auf Gert Schultze-Rhonhof in seinem Buch: „1939 - Der Krieg, der viele Väter hatte: Der lange
Anlauf zum Zweiten Weltkrieg“. Dieses Buch ist als PDF-Datei im Internet verfügbar (2. Auflage, 2003):
https://ulis-buecherecke.ch/pdf_zur_geschichte_deutschlands/der_krieg_der_viele_vaeter_hatte.pdf

433) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Präventivkriegsthese

434) Zum Thema der Angriffskriegsabsichten Stalins haben die Bücher von Viktor Suworow in Rußland einen Historikerstreit ausgelöst. Sein Buch „Der Eisbrecher – Hitler in Stalins Kalkül“ ist als PDF-Datei im Internet verfügbar:
https://ulis-buecherecke.ch/Neue%20Einträge%202021/hitler_in_stalins_kalkuel.pdf
Ebenso ist sein Buch „Der Tag M“ als PDF-Datei im Internet verfügbar:
https://archive.org/details/SuworowViktorDerTagMEisbrecherIIV2
Des weiteren sein Buch „Stalins verhinderter Erstschlag – Hitler erstickt die Weltrevolution“:
https://ia601801.us.archive.org/7/items/stalins-verhinderter-erstschlag-viktor-suworow-te/Stalins-Verhinderter-Erstschlag%20Suworow%2C%20Viktor-Suworow-TE.pdf

435) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsvölkerrecht

436) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rote_Armee#Taktik_der_Menschlichen_Welle
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Menschliche_Welle

437) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rote_Armee

438) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Befehl_Nr._270

439) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Befehl_Nr._227

440) Hitlers Weltanschauung kann im Wesentlichen als eine radikalisierte Form des sozialdarwinistischen Mainstreams des Zeitalters des Imperialismus, das in zwei Weltkriegen kulminierte, angesehen werden, deren Bestandteile das Konkurrenzprinzip, der Kampf ums Dasein und das Recht des Stärkeren ist. Wie bei den meisten seiner Zeitgenossen hat auch Hitlers Weltanschauung den bedeutenden Radikalisierungsschub durch seine persönlichen Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg erfahren. Bestandteil der Weltanschauung Hitlers war die Theorie des Staates als eines politischen “Raumorganismus”, die von den Geografen Friedrich Ratzel (1844-1904), Karl Haushofer (1869-1946) und Otto Maull (1887-1957) entworfen worden war. Diese Theorie des Staates als eines politischen “Raumorganismus” ist Ausdruck des sozialdarwinistischen Mainstreams, der das Denken im Zeitalter des Imperialismus in den unterschiedlichsten Bereichen prägte, und sie wurde zur Grundlage von Geopolitik.
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Hitler#Ideologie

441) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Russische_Befreiungsarmee
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Andrei_Andrejewitsch_Wlassow

442) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Konferenz_von_Jalta
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Konferenzen_der_Alliierten_während_des_Zweiten_Weltkriegs

443) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Displaced_Person

444) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Displaced_Person#Zwangsrepatriierung

445) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Keelhaul
Sowie: Nicholas Bethell: Das letzte Geheimnis. Die Auslieferung russischer Flüchtlinge an die Sowjets durch die Alliierten 1944-47. Frankfurt am Main, 1978.

446) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sowjetische_Partisanen
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Vernichtungsbataillon
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Partisan

447) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Repressalie

448) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Widerstand_gegen_den_Nationalsozialismus#Widerstand_in_besetzten_und_verbündeten_Ländern

449) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsvölkerrecht

450) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Abkommen_über_die_Behandlung_der_Kriegsgefangenen

451) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kolonialmacht#Neuzeit

452) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Jawaharlal_Nehru

453) Siehe: Karl Schlögel: Bugwelle des Krieges. S. 185-186. In: Stefan Aust, Stephan Burgdorff (Hg.): Die Flucht. Über die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten. 2003, Bonn. S. 194-195.

454) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Rotkreuz-_und_Rothalbmond-Bewegung#Das_IKRK_nach_dem_Zweiten_Weltkrieg

455) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Genfer_Konventionen#Genfer_Abkommen_von_1949

456) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Attentate_auf_Adolf_Hitler

457) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Unternehmen_Walküre
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Attentat_vom_20._Juli_1944

Im Rahmen des Staatsstreichversuchs vom 20. Juli 1944 kommt dem in den Akten der Gestapo
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geheime_Staatspolizei
so genannten „Kreisauer Kreis“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kreisauer_Kreis
wesentliche konzeptionelle Bedeutung zu. Die Mitglieder des „Kreisauer Kreis“ hatten sich in Kreisau/Krzyzowa
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kreisau
in Schlesien getroffen, um auf Grundlage eigener Analysen Alternativen zur NS-Herrschaft zu entwickeln. Der „Kreisauer Kreis“ kann als der bedeutendste „Think Tank“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Denkfabrik
der Opposition gegen die NS-Herrschaft angesehen werden. Die vom „Kreisauer Kreis“ entworfenen Konzepte hätten nach einem erfolgreichen Staatsstreich am 20. Juli 1944 eine konzeptionelle Grundlage der Übergangsregierung
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Übergangsregierung
Beck/Goerdeler
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Schattenkabinett_Beck/Goerdeler
gebildet.

Der Politikwissenschaftler und Jurist Ernst Fraenkel (1898-1975)
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Fraenkel_(Politikwissenschaftler)
veröffentlichte im Jahre 1941 seine Analyse des NS-Staates mit dem Titel „Der Doppelstaat“ (Dual State). Vgl.: Ernst Fraenkel: Der Doppelstaat. Recht und Justiz im „Dritten Reich“. Frankfurt am Main, 1984.
Vgl. auch:  https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Doppelstaat
In dieser Analyse der Herrschaft im NS-Staat, die erstmals zur Jahreswende 1940/41 veröffentlicht wurde, unterscheidet Fraenkel die fortexistierenden Institutionen eines legalen „Normenstaates“, dessen Handeln sich an Gesetzen orientiert, von den neu geschaffenen Institutionen eines extralegalen „Maßnahmenstaates“ als Instrument willkürlicher Machtentfaltung und enthemmter Gewaltausübung. Als historische Beispiele für Institutionen des „Maßnahmenstaates“ können aufgeführt werden insbesondere die Konzentrationslager, des Weiteren die SS, die GeStaPo, der SD, das RSHA, die „Aktion T4“, die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD. Der „Maßnahmenstaat“ kann als eine radikalisierte Form „Totaler Institutionen“ und der in diesen herrschenden „Besonderen Gewaltverhältnisse“ angesehen werden, die auf Extralegalität und Sonderbehandlung abzielen.

Gemäß diesem Modell des „Doppelstaates“ (Dual State) kann der Staatsstreich vom 20. Juli 1944 aufgefaßt werden als ein Versuch, aus den noch bestehenden Institutionen des „Normenstaates“ heraus die Institutionen des durch die NS-Herrschaft geschaffenen „Maßnahmenstaates“ zu überwinden, um eine Rechtsstaatlichkeit wieder herzustellen und den Krieg sofort zu beenden. Für die NS-Herrschaft war der Krieg erforderlich, um den Prozeß der NS-Machtergreifung und Machtdurchsetzung nach innen und außen erfolgreich vollziehen und vollenden zu können. Aufgrund der Erfolglosigkeit des Staatsstreiches vom 20. Juli 1944 weitete sich jedoch infolgedessen das von Heinrich Himmler (1900-1945)
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Himmler
kontrollierte Imperium des „Maßnahmenstaates“ noch weiter aus. Nach dem sogenannten „Endsieg“ wären durch die NS-Herrschaft die verbliebenen Reste des „Normenstaates“ gänzlich abgeschafft worden, und nur Institutionen des „Maßnahmenstaates“ wären verblieben, womit der Prozeß der NS-Machergreifung und Machtdurchsetzung sein Ende und Ziel gefunden hätte. Was Heinrich Himmler nach einem sogenannten „Endsieg“ mithilfe des Imperiums des „Maßnahmenstaates“ veranlaßt und durchgeführt hätte, ist der Vorstellungskraft des Lesers überlassen. Voraussichtlich hätte der studierte Landwirt Himmler das gesamte Europa gänzlich in eine Zuchtanstalt für menschliches Rassevieh verwandelt.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Programm_Heinrich
Bei der geschichtswissenschaftlichen Erforschung der NS-Herrschaft und ihrer Verbrechen konzentriert sich der Focus fast ausschließlich auf die Person Adolf Hitler als "Dem Führer", und seiner Weltanschauung, die im wesentlichen als eine radikalisierte Form des sozialdarwinistischen Mainstreams des Zeitalters des Imperialismus, das in zwei Weltkriegen kulminierte, angesehen werden kann, deren Bestandteile das Konkurrenzprinzip, der Kampf ums Dasein und das Recht des Stärkeren ist. Wie bei den meisten seiner Zeitgenossen hat auch Hitlers Weltanschauung den bedeutenden Radikalisierungsschub durch seine persönlichen Erlebnisse im Ersten Weltkrieg erfahren. Wenig beachtet wird hingegen der studierte Landwirt Heinrich Himmler und seine Weltanschauung, obwohl Himmler das gesamte Imperium des NS-Maßnahmenstaates unterstand, der die NS-Verbrechen ausgeführt hat. Zweifellos steht im Zentrum der Weltanschauung des studierten Landwirts Himmler das Modell der Rasseviehzucht. Diesem himmlerschen Modell der Rasseviezucht fehlt der Aspekt der natürlichen Evolution, der eine Grundannahme und Voraussetzung der sozialdarwinistischen Ideologie ist. Mithilfe des unbeschränkten Machtmittels des "Maßnahmenstaates" verfolgt der studierte Landwirt Himmler das Ziel, das gesamte Europa in eine Zuchtanstalt für menschliches Rassevieh zu verwandeln. Als "Zuchtwart" gibt Himmler das anzustrebende Zuchtziel der menschlichen Rasseviehzucht vor. Wie der Verlauf und der Ausgang des Zweiten Weltkriegs zeigt, siegt im totalen industriellen Krieg jedoch weder das Zuchtprodukt der himmlerschen Rasseviehzucht, noch, wie von den Sozialdarwinisten behauptet, die überlegene Population, sondern alleine die überlegene Technik und ihr rücksichtsloser Gebrauch sowie die überlegene industrielle Produktion. Im totalen industriellen Krieg erlangt die perfekte, erfolgreiche und überlegene Technik den Endsieg über das unzulängliche, mangelhafte und schwächliche Leben, und dies ist die endgültige Verwirklichung und Vollendung der sozialdarwinistischen Ideologie. Im totalen industriellen Krieg erreicht mit der Entwicklung und dem Einsatz der Atombombe die Entwicklung der Destruktivkräfte der Technik den wissenschaftlich-technologischen Stand zur potentiellen Vernichtung der gesamten Menschheit.

Nach einem erfolgreichen Staatsstreich am 20. Juli 1944 wäre insbesondere der vom Experten für Völkerrecht Helmuth J. von Moltke
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Helmuth_James_Graf_von_Moltke
im Jahre 1943 entwickelte „Herman-Plan“ umgesetzt worden, womit der Zweite Weltkrieg in Europa ein schnelles und gänzlich anderes Ende gefunden hätte: Es hätte keine weiteren Kriegstoten und Kriegszerstörungen mehr gegeben, die Institutionen des „Maßnahmenstaates“ wären sofort aufgelöst worden, womit es keine weiteren NS-Verbrechen mehr gegeben hätte, und es hätte keine Endphasenverbrechen
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Endphaseverbrechen
der NS-Herrschaft gegeben, die Rote Armee hätte nicht die gesamte östliche Hälfte Europas besetzt, und es hätte somit keine weiteren Vertreibungen und Ethnischen Säuberungen mehr gegeben, die insbesondere die Endphase des Zweiten Weltkriegs und die Nachkriegszeit prägen, und zudem hätte es nach dem Zweiten Weltkrieg kein globales Zeitalter der Blockkonfrontation und der Bipolarität im Rahmen eines Ost-West-Konflikts gegeben.
Zum Herman-Plan vgl.: Günter Brakelmann: Helmuth James von Moltke. 1907-1945. Eine Biographie. 2007, München. S. 286-290.

Doch den westlichen Alliierten war die Zusammenarbeit mit Stalin wichtiger als eine Zusammenarbeit mit der Opposition in Deutschland, und sie bevorzugten es, die gesamte östliche Hälfte Europas der Herrschaft Stalins zu überlassen. Die westlichen Alliierten mißachteten die Grundsätze der Atlantik-Charta vom 14.08.1941,
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Atlantik-Charta
an der sie sich orientieren wollten.

In Anbetracht des Scheiterns des „Unternehmen Walküre“ stellt sich die Frage, wann im Prozeß der „Machtergreifung“ und der „Machtdurchsetzung“ der NS-Herrschaft ein „Point of no Return“ erreicht war. Dies kann am Beispiel verschiedener Phasen der Etablierung der NS-Herrschaft erörtert und verdeutlicht werden: In der Auflösungsphase der Weimarer Republik ab dem Frühjahr 1930 war der „Point of no Return“ sicherlich auch am Ende dieser Phase noch nicht erreicht. Auch mit der „Machtergreifung“ am 30.01.1933 war der „Point of no Return“ mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht erreicht. Eventuell war dies am Ende der auf die „Machtergreifung“ folgenden Phase der „Machdurchsetzung“ der Fall, die mit den Morden vom 30.06.1934 und der Vereinigung des Amtes des Reichskanzlers und des Reichspräsidenten in der Person Hitlers am 02.08.1934 endet. Doch mit Sicherheit war der „Point of no Return“ mit der Appeasement-Politik, dem Münchener Abkommen vom 30.09.1938 und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges in Europa erreicht.

Entgegen dem Mythos einer „legalen Revolution“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Legalitästaktik
hatte der Prozeß der Etablierung der NS-Herrschaft
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Chronologie_der_nationalsozialistischen_Machtergreifung
tatsächlich den Charakter einer Folge zahlreicher Staatsstreiche gegen den Text, die Intention und den Geist der Weimarer Verfassung (WRV). Der permanente Ausnahmezustand ist die Verfassungswirklichkeit der NS-Herrschaft. Das den permanenten Ausnahmezustand ermöglichende Ermächtigungsgesetz vom 24.03.1933
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ermächtigungsgesetz_vom_24._März_1933
wurde mehrmals verlängert, wobei die Weimarer Verfassung (WRV) formell bis 1945 in Kraft blieb. Das „Unternehmen Walküre“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Unternehmen_Walküre
im Rahmen des Umsturzversuchs vom 20.07.1944 war der Versuch, mittels des Ausnahmezustands den die NS-Herrschaft konstituierenden permanenten Ausnahmezustand aufzuheben, um die Rechtstaatlichkeit wieder herzustellen und den Krieg sofort zu beenden.

458) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Casablanca-Konferenz
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Konferenzen_der_Alliierten_während_des_Zweiten_Weltkriegs
Mit dem Scheitern des „Blitzkrieges“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Blitzkrieg
gegen die Sowjetunion Ende 1941 konnten die Achsenmächte den Zweiten Weltkrieg militärisch nicht mehr gewinnen, ihre militärische Niederlage war seit Ende 1941 absehbar und nur noch eine Frage der Zeit. Die Forderung einer bedingungslosen Kapitulation schloß sämtliche alternativen Möglichkeiten einer schnellen Beendigung des Zweiten Weltkrieges aus, sodaß sich dieser weiter zu dem historisch beispiellosen Gewaltinferno eines totalen industriellen Krieges radikalisierte und entwickelte, das wir heute mit Fassungslosigkeit und Entsetzen betrachten und nach den Gründen fragen, warum sich dies alles hat ereignen können. Unter dem Aspekt der Schadensbegrenzung des durch den Zweiten Weltkrieg bislang eingetretenen Gesamtschadens waren die Beteiligten am 20. Juli 1944 die einzigen der insgesamt am Zweiten Weltkrieg beteiligten Akteure, die eine sofortige Kriegsbeendigung und sofortige Schadensbegrenzung und Schadensbeendigung zum Ziel hatten, während sämtliche anderen Akteure den Zweiten Weltkrieg weiter führen und weiter radikalisieren wollten.

459) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bedingungslose_Kapitulation_der_Wehrmacht

460) Vgl. Anmerkung 457.

461) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kontrafaktische_Geschichte
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Alternativweltgeschichte

462) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Determinismus#Geschichtsdeterminismus

463) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Widerstandsrecht

464) Siehe: Fritz Bauer: Widerstandsrecht und Widerstandspflicht des Staatsbürgers. S. 492. In: Arthur Kaufmann (Hg.): Widerstandsrecht. Darmstadt, 1972. S. 482-504.
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Remer-Prozess

465) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hrodna

466) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Memel

467) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vytautas

468) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Grodno_(Belarus)

469) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Königreich_Polen

470) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Personalunion

471) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Union_von_Krewo
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Polnisch-Litauische_Union

472) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Polen-Litauen

473) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Adelsrepublik

474) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zarentum_Russland

475) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mongolisches_Reich

476) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ständegesellschaft

477) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Feudalismus
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Lehnswesen

478) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Grundherrschaft

479) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hörigkeit_(Rechtsgeschichte)

480) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Leibeigenschaft

481) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Realunion

482) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Union_von_Lublin

483) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rzeczpospolita

484) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wahlmonarchie
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Monarchie#Wahl-_und_Erbmonarchie

485) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sejm#Geschichte

486) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Monarchie#Parlamentarische_Monarchie

487) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Stephan_Báthory

488) Vgl.: http://history.grodno.museum.by/en
Sowie: https://grodno-museum.by/en/

489) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Neues_Schloss_(Grodno)

490) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/August_III.

491) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Stanislaus_II._August_Poniatowski

492) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsmythos
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Mythos
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Politischer_Mythos

493) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Krakau#Frühe_Neuzeit

494) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Adel

495) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Szlachta

496) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Freiheit

497) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Liberum_Veto
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Einstimmigkeitsprinzip

498) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Konföderation_(Polen-Litauen)

499) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Verfassung_vom_3._Mai_1791
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Verfassungsgeschichte_Polens#Verfassung_vom_3._Mai_1791

500) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bauernbefreiung

501) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Konföderation_von_Bar

502) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Katharina_II.

503) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kościuszko-Aufstand
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Tadeusz_Kościuszko

504) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Russisches_Kaiserreich

505) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Habsburgermonarchie
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Kaisertum_Österreich
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Österreich-Ungarn

506) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Königreich_Preußen

507) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufgeklärter_Absolutismus

508) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Teilungen_Polens

509) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Französische_Revolution

510) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mächtegleichgewicht
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Pentarchie_(Europa)

511) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Napoleon_Bonaparte

512) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Kongress

513) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_I._(Russland)

514) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Heilige_Allianz

515) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_I._(Russland)

516) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Herzogtum_Warschau

517) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Königreich_Polen#“Kongresspolen“
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Kongress#Polen,_Sachsen_und_neue_Konstellationen

518) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Großfürstentum_Finnland

519) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Novemberaufstand

520) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Januaraufstand

521) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Krimkrieg

522) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Napoleonische_Kriege

523) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltkrieg

524) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Siebenjähriger_Krieg

525) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geheimdiplomatie
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Geheimvertrag

526) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Dreikaiserabkommen

527) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Dreikaiserbund

528) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Franz-Xaver-Kathedrale

529) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Belarussische_Grenzübergänge

530) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Brest_(Belarus)

531) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Biometrischer_Reisepass

532) Totalitarismus läßt sich definieren als die Ausweitung der Funktionsprinzipien Totaler Institutionen aus diesen heraus und deren Übertragung und Anwendung auf potentiell sämtliche Bereiche der Gesellschaft.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Totale_Institution
Beispiele Totaler Institutionen sind: das Gefängnis, das Lager in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen, die Kaserne, die Wehrpflicht, die Fabrik, die Krankenanstalt, die Schule. Totale Institutionen schaffen einen Raum der Inklusion und der Exklusion und sie sind insbesondere charakterisiert durch die in ihnen herrschenden „Besonderen Gewaltverhältnisse“, die auf Extralegalität und Sonderbehandlung abzielen. Der „Maßnahmenstaat“ nach Ernst Fraenkel kann als eine radikalisierte Form Totaler Institutionen und der in diesen herrschenden „Besonderen Gewaltverhältnisse“ angesehen werden, die auf Extralegalität und Sonderbehandlung abzielen. Vgl.: Ernst Fraenkel: Der Doppelstaat. Recht und Justiz im „Dritten Reich“. Frankfurt am Main, 1984. In dieser Analyse der Herrschaft im NS-Staat, die im Jahre 1941 erstmals veröffentlicht wurde, unterscheidet der Jurist und Politikwissenschaftler Ernst Fraenkel (1898-1975) die fortexistierenden Institutionen eines legalen „Normenstaates“, dessen Handeln sich an Gesetzen orientiert, von den neu geschaffenen Institutionen eines extralegalen „Maßnahmenstaates“ als Instrument willkürlicher Machtentfaltung und enthemmter Gewaltausübung. Als historische Beispiele für Institutionen des „Maßnahmenstaates“ können aufgeführt werden insbesondere die Konzentrationslager, des Weiteren die SS, die GeStaPo, der SD, das RSHA, die „Aktion T4“, die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD.

Tatsächlich ist mittlerweile ein Zustand erreicht, in dem die ganze Welt den Charakter der Totalen Institution eines Lagers hat
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Internierungslager
in dem die gesamte Menschheit permanent erkennungsdienstlich erfaßt, panoptisch überwacht, kontrolliert und manipuliert wird.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Panoptismus
Diese ubiquitäre, digitaltechnisch geschaffene virtuelle globale Totale Institution schafft heute keine Räume mehr der Inklusion und Exklusion, sie ist vielmehr allgegenwärtig und omnipräsent, sie erfaßt nicht mehr nur stigmatisierte gesellschaftliche Gruppen, vielmehr erfaßt sie im Digitaltechnischen Zeitalter die gesamte Menschheit und unterzieht potentiell jedes Individuum einer individuell auf dessen Persönlichkeit abgestimmten permanenten subtilen „Sonderbehandlung“. Den Menschen werden keine Nummern mehr eintätowiert, wie in den Lagern des extremen 20. Jahrhunderts (Beispiel NS-Konzentrationslager), stattdessen gibt es heute im Digitaltechnischen Zeitalter überall Computerchips mit individuellen, persönlichen Daten, und dies jetzt auch im biometrischen Reisepaß. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis den Menschen auch ein Chip implantiert wird. Schon heute sind nahezu sämtliche Nutz- und Haustiere des Menschen chip-implantiert, und die Ausweitung auf den Menschen ist nur noch ein kleiner Schritt.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tierkennzeichnung#Kennzeichnung_durch_implantierte_Transponder
Im Zuge eines zukünftigen Ereignisses, wie von der Qualität und dem Format der sogenannten „Corona-Krise“, wird dieses voraussichtlich weltweit umgesetzt werden können. Während der sogenannten „Corona-Krise“ hat die überall vorhandene große Bereitschaft der Menschen, sich mit fragwürdigen, unzureichend getesteten Impfstoffen serienweise impfen zu lassen, aufgezeigt, daß auch eine weltweite Kampagne zur Chip-Implantierung der Menschen durchaus möglich und umsetzbar ist.

Es ist unübersehbar: Im Digitaltechnischen Zeitalter wird derzeit der Totalitarismus neu erfunden, und fast alle machen mit. Schon jetzt ist die Gesellschaft in Gänze vom Totalitären durchdrungen, und fast alle ignorieren dieses. Doch möglicherweise ist in dieser Entwicklung gegenwärtig der „Point of no Return“ noch nicht überschritten. Vgl. hierzu meinen Text: „Herausforderungen der digitaltechnischen Revolution – Ist ein Szenario einer globalen totalitären Vergesellschaftung vermeidbar?“. Zu lesen ist dieser Text auf meiner Internetseite:
https://manfred-suchan.jimdosite.com/digitaltechnische-revolution/

533) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Migrationskrise_an_der_Grenze_zwischen_Belarus_und_der_Europäischen_Union
Sowie: https://www.deutschlandfunk.de/belarus-102.html

534) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Grenze_zwischen_Belarus_und_Polen#Grenzzaun

535) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Białystok

536) Vgl.: https://sybir.bialystok.pl/en/

537) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Europarat

538) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Museumspreis_des_Europarates

539) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Narrativ_(Sozialwissenschaften)

540) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Symbol

541) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Praxis_(Philosophie)

542) Siehe: Habbo Knoch: Geschichte in Gedenkstätten. Theorie-Praxis-Berufsfelder. Tübingen, 2020. S. 132.

543) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Museumspädagogik

544) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Bildung

545) Siehe: Habbo Knoch: Geschichte in Gedenkstätten. Theorie-Praxis-Berufsfelder. Tübingen, 2020. S. 204.

546) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Meinungsbildung

547) Vgl.: https://www.dhm.de/archiv/ausstellungen/der-erste-weltkrieg/mfpg_stp.htm

548) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sankt_Petersburg

549) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Deportation

550) Vgl.: Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Verbannung

551) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Polen_(Ethnie)

552) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sibirien
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Sibiriens

553) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Strafkolonie
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Sträflingskolonie_Australien
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Bagno_(Strafanstalt)
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Französisch-Guayanas#“Renaissance“_der_Strafkolonie
Des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Gefängnisinsel

554) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Katorga

555) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zwangsarbeit

556) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gefangener

557) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bürgerlicher_Tod

558) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnische_Deportationen_in_der_UdSSR#Verbannung_und_Straflager

559) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sowjetunion

560) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Großer_Terror_(Sowjetunion)

561) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Stalinsche_Säuberungen

562) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Politbüro_der_Kommunistischen_Partei_der_Sowjetunion

563) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zentralkomitee

564) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_der_Sowjetunion

565) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Staatsterror

566) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Innenministerium_der_UdSSR

567) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Volkskommissar

568) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolai_Iwanowitsch_Jeschow

569) vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitslager

570) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gulag

571) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Memorial_(Menschenrechtsorganisation)

572) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Säuberung

573) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnische_Deportationen_in_der_UdSSR

574) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Großer_Terror_(Sowjetunion)#Ethnische_Säuberungen
Auf Wikipedia fehlt ein separater Artikel zu den sogenannten „nationalen Operationen“ des NKWD.

575) Die sogenannte „Kulaken-Operation“ des NKWD erfolgte auf Grundlage des NKWD-Befehls Nr. 00447 vom 30. Juli 1937.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/NKWD-Befehl_Nr._00447

576) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Entkulakisierung
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Tragödie_von_Nasino 

577) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zwangskollektivierung_in_der_Sowjetunion

578) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Industrialisierung_der_Sowjetunion#Der_erste_Fünfjahresplan
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Fünfjahresplan#Sowjetunion

579) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Industrialisierung_der_Sowjetunion

580) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hungersnot_in_der_Sowjetunion_in_den_1930er_Jahren

581) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Polnische_Operation_des_NKWD

582) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Polska_Organizacja_Wojskowa

583) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Operation_des_NKWD

584) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/NKWD-Befehl_Nr._00439

585) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Lettische_Operation_des_NKWD

586) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-sowjetischer_Nichtangriffspakt

587) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sowjetische_Besetzung_Ostpolens

588) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zweite_Polnische_Republik

589) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Lawrenti_Beria

590) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sowjetische_Besetzung_Ostpolens#Deportationen

591) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Katyn

592) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zwangsumsiedlung_von_Polen_aus_den_ehemaligen_polnischen_Ostgebieten_1944-1946

593) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrnehmungsgeographie

594) Zur historischen Entstehung der wahrnehmungsgeografischen Kategorie Sibirien in Europa vgl. Anmerkung 4.

595) Vgl.: Karl Schlögel: Sibirien, eine deutsche Seelenlandschaft und das Handy in der Taiga. In: Derselbe: Mariampole oder Europas Wiederkehr aus dem Geist der Städte. Frankfurt am Main, 2009. S. 217-230.
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Edwin_Erich_Dwinger

596) Siehe: Ebenda. S. 220-222.

597) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Dreißgjähriger_Krieg

598) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_geteilter_Orte

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In den Frontstaaten beiderseits des neuen Eisernen Vorhangs – Eindrücke einer Reise nach Belarus. Textversion 02 vom 20.01.2025.
Mein Reiseerlebnisbericht kann mit zahlreichen Fotos auf meiner Internetseite aufgerufen werden:
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Manfred SUCHAN
Geograf
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Das Rathaus im historischen Stadtzentrum der Metropole Minsk am 15.11.2024.

Das Rathaus der Stadt Minsk aus dem Jahre 1598 ist im Jahre 2003 wieder aufgebaut worden. Im Jahre 1499 hatte die Stadt Minsk das Magdeburger Stadtrecht erhalten. Im Mittelalter gewährten Stadtrechte den Städten Selbstverwaltung und Autonomie, und im Rahmen der mittelalterlichen Stadtgründungsphase weitete sich das Modell der Freien Stadt über weite Teile Europas aus, insbesondere des mittleren Europas. Die Stadtrechte einzelner Städte, wie z.B. Magdeburg, Lübeck, Köln, Nürnberg bildeten Stadtrechtsmodelle, die von zahlreichen weiteren Städten, auch in der östlichen Hälfte Europas übernommen wurden. Als Institution der Selbstverwaltung wurde in den Städten ein Rathaus gebaut. Im Jahre 1795 wurde der Stadt Minsk das Stadtrecht entzogen, als die Stadt Minsk nach der Auflösung des Polnisch-Litauischen Staates im Jahre 1795 nun vom Kaiserreich Rußland verwaltet wurde, und im Jahre 1851 ließ Kaiser Nikolaus I. das Rathaus der Stadt Minsk als Symbol der Selbstverwaltung zerstören. Heute erinnert auf dem Rathausplatz ein Denkmal mit einer Marktszene an die durch das Magdeburger Recht im Jahre 1499 erlangte Selbstverwaltung der Stadt Minsk. Der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit ist vom Niedergang der freien und selbstverwalteten Städte geprägt und vom Aufstieg des zentralistischen absolutistischen Staates, und bis heute haben die Städte ihre frühere Unabhängigkeit und Selbstverwaltung nicht wieder erlangt. 

Grenzen überschreiten, Horizinte erweitern.

Selbst sehen, was in der Welt der Fall ist. 
Selbst herausfinden, wie die Welt beschaffen ist. 

Denke selbst, glaube nichts, überprüfe alles. 

In einer Schutzhütte am See Toneträsk in Lappland am 16.06.2015 während meiner Fahrradreise durch Skandinavien im Frühjahr 2015. 
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